Philosophischer Sonntag – Wem wir uns überlegen fühlen sollten

Es wird einmal wieder Zeit für den nächsten Philosophischen Sonntag. Der ist ja inzwischen wirklich zu einer Rarität geworden. Bei sonst so aller gelebten Sachlichkeit und der energiegeballten Lebenseinstellung „nach vorne, nach vorne, nach vorne!“ zu gehen, ist es mehr als ratsam zwischenzeitlich auch mal inne zu halten. Um wieder mehr aus der Mitte sprechen zu können. Von irgendwo zwischen Bauch und Herz. Nicht aus dem Kopf. Das ist wirklich nötig, aleine schon um unsere Mitte mit unserem Verstand abzugleichen. Denn dieser spielt uns manchmal gerne Streiche. Und oft merken wir es gar nicht.

Philosophischer_Sonntag

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich täglich auf einem schmalen Grat wandere, wenn es darum geht die richtige Balance zu finden zwischen Hochmut und Demut. Ziehen wir einmal zwischen diesen beiden Extremen des Sozialverhaltens eine gedachte Linie. Eine Grenze. Dabei möchte ich weder ein Stück weiter auf der einen Seite wandern noch ein bisschen weiter auf der anderen Seite. Aus meiner Sicht ist der gesündeste Ort die ausgeglichene Mitte. Wo ich es sonst strikt ablehne, erhält genau an der Stelle der Begriff „Linientreue“ ausnahmsweise eine positive Notation.

Wo genau verläuft die Grenze?

Das individuell zu beantworten ist unmöglich. Für jeden von uns wird sie woanders liegen. Hilfreich ist hier allerdings in jedem Fall wieder allgemeingültige Verhaltensweisen zu verstehen. Uns selbst zu verstehen. Unsere Psyche und die Psyche der Anderen. Deswegen nehme ich Dich mit auf einen kurzen Ausflug. Komm mit.

Wo die Grenze zwischen Hochmut und Demut liegt, ist sehr individuell. Für die meisten Menschen liegt sie aus meiner Sicht aufgrund unserer Erziehung und Kultur in einem ungesunden Maße verschoben zu weit auf der Seite des Demuts. Evolutionär bedingt können Menschen bei Gefahr nur mittels instinktiver Reflexe reagieren. Flucht, Angriff oder Starre. In der Moderne jedenfalls entscheiden sich die meisten Menschen für die Flucht. Beispielsweise bei einer Straßenschlägerei. Kaum einer würde sich als Unbeteiligter mitten ins Getümmel stürzen. Was sicherlich auch vernünftig ist. Aber es ist eben keine starke Wahl. Es ist eine vernünftige Wahl. Wahrscheinlich auch eine gute Wahl. Aber nicht stark im Sinne von kräftig.

So tickt allerdings unsere gesamte Gesellschaft. Und eben nicht nur bei Straßenschlägereien, sondern leider auch im Job. In Anlageentscheidungen. In der Beziehung. In Freundschaften. In der Familie. In Nachbarschaften usw. „Nur nichts falsch machen!“, lautet die Standardparole. Meine lautet anders, und das tue ich auch offen kund. Sowohl im Job als auch sonstwo: „Wo ich bin ist vorne!“ Und nicht immer ist Flucht die beste Variante. Und erstrecht nicht die vernünftigste. Selten sogar nur! Oft wäre die Starre, im Sinne von „einfach aushalten“ deutlich besser. Nicht immer müssen wir uns verstellen und davonlaufen, um zu überleben. Das war früher. Heute ist Angriff aus meiner Sicht oft die bessere Variante. Da wir selbst bei Niederlagen höchstens ein bisschen Geld verlieren würden. Aber sicher nicht mehr gleich unser Leben. Proaktiv ersetzt reaktiv. Gilt überall, wie gesagt. Auch in der Partnerwahl und in Beziehungen.

Wir sind geprägt und durchsetzt von Angst. Angst den Job zu verlieren. Angst unseren Partner zu verlieren. Angst, dass unser Umfeld uns nicht mehr mag. Im Endeffekt ist der Urinstinkt des Menschen sein Überlebenswille. Was einerseits unsere Erhaltung garantiert, uns andererseits aber brutal hemmt uns selbst zu entfalten. Ein Beispiel? Wenn wir uns selbst in Situationen aufkommender Angst ehrlich die Frage stellen: „Und warum habe ich Angst davor ?“, dann würden wir feststellen, dass wir letztlich Angst haben zu sterben. Das ist die Kehrseite unseres Urinstinktes. Das ist die Basis von allem.

– Warum sagst Du Deinem Chef nie Deine Meinung, obwohl Dir danach ist?
– Weil Du Angst hast, dass Du Deinen Job verlieren könntest.
– Warum hast Du Angst Deinen Job zu verlieren?
– Weil Du Dir dann Deine Kredite auf Dein Haus und Dein Auto nicht mehr leisten kannst. Und Deine Frau (oder Deinen Mann) und Kinder auch nicht mehr. Und Dein eigenes Leben genausowenig.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du Deinen schuldfinanzierten materiellen Mist dann verlieren würdest und Deine geliebten Menschen dann gehen könnten und Du alleine wärst.
– Warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann nichst mehr hättest, woran Du Dich festhalten kannst.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann nichts mehr zu Essen kaufen könntest und mental schwach wirst.
– Und waurm hast Du Angst davor?
– Weil Du dann vereinsamen und verhungern würdest.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann stirbst!

Zwischen Hochmut und Demut und Angst

Wie immer habe ich soeben ein bisschen ausgeholt. Aber es ist Sonntag. Da sollten wir in Ruhe tun. Uns Zeit nehmen. Es liegt also an Dir, wo Du Deine Grenze ziehst. Aber Du solltest verstanden haben, dass das hauptsächlich an Deinem Umfeld und an Deiner Erziehung liegt. Eine Frau in einem Café anzusprechen, auf sie zuzugehen, während das 20 andere Personen mitbekommen, ist das nun hochmütig oder demütig? Ist es auch hochmütig eine Frau anzusprechen, die „viel besser“ aussieht, als ich? Oder muss ich demütig sein, „so eine attraktive Frau“ überhaupt sprechen zu dürfen, da sie sich sonst doch nur mit Instagram-Models abgibt?

Es sind die falschen Fragen! Falscher Kontext! Es erfordert Mut, das ja. Aber es ist weder Hochmut noch Demut im Spiel. Es gibt hierbei kein Über- oder Unterordnungsverhältnis. Da würdest Du mir vermutlich zustimmen. Aber aus welchem Grund sollte man eine Frau nicht in einem Café ansprechen? Es ist die eigene Angst. Und das hat erstmal nichts mit Hochmut und Demut zu tun. Da würdest Du mir vermutlich ebenfalls zustimmen. Wie wäre das, wenn jemand anderen Menschen davon erzählt, dass er letzte Woche richtig dick Geld verdient hat? Wie wirkt das? Hochmütig? Demütig? Weder noch? Die Frage ist doch, warum derjenige das erzählt? Vielleicht ist er ein Trainer und möchte gerade Anderen genau das beibringen?! Achso…

Vielleicht denkst Du Dir gerade auch einfach nur: „Was will er mir damit sagen? Die Fragen haben doch nichts mit der Sache zu tun!“ Ja. Eben. Sie haben nichts mit der Sache zu tun. Ob also jemand hochmütig oder demütig ist, entscheidest Du für Dich. Und derjenige für sich. Das muss sich nicht decken. Wenn jemand Dir einen Spiegel vorhält und Dir zeigt, dass Du auf dem Holzweg bist… ist derjenige dann hochmütig? Besonders weil er sich erlaubt ungefragt Ratschläge zu erteilen? Ja? Okay. Für einen Anderen ist er einfach nur mutig, weil er sich der Gefahr aussetzt, dass Du ihn dafür verurteilst. Und sein Angebot zu lernen lieber ausschlägst.

Manche verwenden an Stelle des Begriffs „Hochmut“ auch den Begriff „Arroganz“, das geht uns für gewöhnlich leichter über die Lippen. Es ist der gefühlt modernere Begriff. „Man, ist der aber arrogant!“ oder „Hochmut kommt vor dem Fall!“. Ich glaube, dass wir uns alle selbst solche Dinge öfter haben sagen hören. Im Laufe unseres Lebens. Ist es nicht so? Die Frage ist doch, ob solche Aussagen nicht in Wahrheit pauschale Werturteile über Menschen darstellen, die wir in den seltensten Fällen gar nicht wirklich kennen. Wir maßen uns damit Urteile an über Lebewesen mit Gefühlen und Gedanken. Menschen haben Gefühle. Wir degradieren sie pauschal zu bloßen Objekten, wenn wir ihnen den Stempel „arrogant!“ aufdrücken. Was abgestempelt ist, kann weg. Oder?

Nicht meine Art. Nicht meine Variante. Was tun wir denn in so einem Moment in Wahrheit? Wir verhalten uns nicht anders als die Person, der wir vorwerfen sich „falsch“ zu verhalten. Wir bescheinigen ihr beispielsweise Arroganz und merken im selben Atemzug nicht, dass es die höchste Form der Missachtung ist, einen einzelnen konkreten Menschen pauschal zu verurteilen mit einem Prädikat, das uns selbst in diesem Moment wesentlich treffender beschreibt. Man könnte auch sagen: „Zeigst Du mit dem Finger auf jemanden, dann bedenke, dass dabei gleichzeitig 4 Finger auf Dich zeigen!“

Irren ist menschlich. Wir alle neigen dazu, zu urteilen. Besonders gegenüber unbekannten (Menschen-)Massen. „Die sind alle nicht klug!“, denken wir uns manchmal. Und meinen in Wahrheit „Die sind alle nicht so klug wie ich!“. Wir denken manchmal auch „die leben alle so unbewusst und ungesund!“ und meinen in Wahrheit „die leben alle so unbewusst und ungesund, im Gegensatz zu mir!“. Das ist doch alles normal, dass wir Dinge oder Abläufe in Beziehung zu uns selbst setzen. Selbstverständlich pauschalisieren wir mit solchen Aussagen. Aber die Frage ist eine andere.

Der Unterschied zwischen universell und individuell

Der Unterschied ist doch, dass wir damit niemanden persönlich adressieren. Wir sollten Menschen individuell betrachten, wenn es um einzelne geht. Wir können pauschalisieren, wenn es um Massen geht. So funktioniert Statistik. Sonst müsste die Auswertung einer Befragung von 1000 Personen grafisch auch auf 1000 Seiten abgebildet werden. Für jeden Befragten eine eigene Auswertung.  Was würde das aussagen? Nichts. Sprechen wir über Phänomene, helfen uns Pauschalisierungen. Sprechen wir über Individuen, schaden sie uns. Jeder Mensch ist einzigartig. Einzigartig wundervoll. Die meisten Menschen sind sich dessen nur selbst nicht bewusst. Dafür gibt es aber auch Blogs wie diesen. Sich bewusst zu werden. „Jeder bekommt die Medien, die er verdient hat.“, ist auch so einer meiner Lieblingssprüche. Wobei ich das sonst immer auf die üblichen Medien beziehe. Die Schlafschafe schauen Mainstreammedien. Während einer Minderheit klar ist, dass die Masse immer Unrecht hat. Deswegen liest sie eben andere Medien. Es liegt an jedem selbst zu tun was er für richtig hält. Das ist letztlich auch eine pauschalisierende Aussage. Aber so funktioniert das Leben nun einmal. Ich habe es nicht erfunden.

Oder anders gesagt: Es ist zulässig, von vielen gleichartigen einzelnen Individuen auf Eigenschaften einer Ähnlichkeitsgruppe zu schließen. Dann clustern wir. Wir bilden Gruppen, in dem wir ähnliche „Objekte“ zusammenfassen. Das können Menschen mit bestimmten Eigenschaften oder Fähigkeiten oder Verhaltensweisen sein. Ein Cluster könnte sein: „Der überwiegende Teil der Männer trägt mindestens Schuhgröße 40.“ Mit dieser Aussage sind wahrscheinlich 95% aller Männer erfasst (nur eine Schätzung!). Damit bilden wir ein Cluster (eine Gruppe) und packen dort pauschal diese breite Masse der Männer hinein. Dass wir damit nicht alle abdecken, nehmen wir billigend in Kauf. Anders wäre das Leben nicht gestalt- und handhabbar. Wir benötigen Gesetzmäßigkeiten, die auf Ähnlichkeiten und Wiederholungen basieren. Wenn Du beim Hautarzt einen Termin möchtest, dann tust Du das, weil Du ein Problem mit Deiner Haut hast. Und nicht mit den Zähnen. Sonst wärst Du zum Zahnarzt gegangen. Wir schreiben also der Gruppe der Hautärzte bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise Hauterkrankungen behandeln zu können. Zahnärzten schreiben wir andere Eigenschaften zu. Für gewöhnlich ist die Gruppe der Hautärzte in der Lage Hautkrankheiten zu behandeln. Und die Gruppe der Zahnärzte hat die Fähigkeit Zahnerkrankungen zu behandeln. Dabei gibt es dann jeweils gute und schlechte. Sind alle guten Hautärzte auch sportlich? Oder reisen sie gerne? Oder essen sie viel Fisch?

Mach niemals umgekeht den Fehler, aus einer bestimmten Gruppe (einem Cluster) auf einzelne Individuen in anderen Kontexten zu schließen. Auch dazu neigen wir sehr gerne. Das kann uns allerdings Kopf und Kragen kosten. Beispielsweise gehen wir davon aus, dass Menschen, die regelmäßig Fastfood konsumieren, eher krank, faul und depressiv… und übergewichtig sind. Was mit Sicherheit zweifelsfrei stimmen wird. Allerdings heißt das nicht umgekehrt, dass sich in diesem Cluter nicht Personen befinden können, die beispielsweise Profifußballer sind. Oder Literaturnobelpreisträger. Oder Dein Partner, der so viele wundervolle Eigenschaften in sich trägt.

Die Ausage, dass viel Fastfood fett macht, ist sicher richtig. Pauschalisierend, aber wahr! Aber die Aussage, dass Fastfood-Esser keine guten Angler, Schreiner oder Verkäufer sein können, wäre absurd. Mir ist klar, dass das alles völlig logisch erscheint und für viele Menschen eigentlich keinen eigenen Artikel wert wäre. Ist es doch, sage ich! Denn wir sind viel zu schnell und zu platt und zu pauschal, wenn es darum geht, wie wir mit einzelnen anderen Menschen umgehen. Wie wir sie zuerst BEurteilen, um sie im nächsten Atemzug zu VERurteilen. Und uns damit selbst der Möglichkeit berauben, wundervolle Möglichkeiten und Eigenschaften anderer Menschen entdecken zu könen. Und daraus zu lernen.

Wann ist jemand für Dich hochmütig oder demütig?

Ob jemand für Dich also hochmütig oder demütig ist oder sogar aus Deinem Idealbild heraus genau auf dem schmalen Grat wandert und die perfekte Balance hält, kann ich Dir also nicht beantworten. Beim besten Willen nicht. Aber ich kann mein Bestes geben darzustellen, welchen Regeln Du Dich selbst unterwirfst und warum Du den Grat für Dich genau dort verlaufen lässt wo Du ihn verlaufen lässt. Es ist Deine Entscheidung, dass Du Dinge als hochmütig betrachtest, die ich vielleicht als relativ demütig ansehe. Oder umgekehrt.

Jeder von uns ist anders. Das ist immer so und nicht neu. Aber uns das bewusst zu machen ist so wichtig. Das entscheidet über die tägliche Lebensqualität. Aus meiner Sicht gibt es hierfür 2 grundlegende Dinge zu befolgen und Dir wird es weder passieren, dass Du zu hochmütig noch zu demütig wirst. Und das sind die Achtsamkeit und die Bewusstheit. Das sind Dinge, auf die mich vor ein paar Jahren Eckhart Tolle brachte. Andere wiederum lassen sich eher von Thích Nhất Hạnh inspirieren. Viele Wege führen zum Ziel.

Du solltest Dir also, anstatt mit dem Finger auf Andere zu zeigen und sie als hochmütig zu be- und verurteilen, gewahr sein, dass Du dabei mit 4 Fingern auf Dich zeigst. Du solltest Dir lieber die Frage stellen, ob Du ein freier Mensch bist. Gedankenfrei. Ob Du es Dir selbst erlaubst frei zu denken. Frei von Konventionen. Ob Du den Verlauf des schmalens Grats zwischen Hochmut und Demut wirklich bewusst festgelegt hast. Oder ist Dir das von der Gesellschaft bzw. durch die Erziehung so beigebracht worden? Beschäftige Dich lieber mit Dir selbst als mit anderen Menschen. Kehre vor Deinem eigenen Teppich, dort ist in aller Regel gut zu kehren. Deswegen bin ich so gerne mein härtester Richter. Mein nörgelndster Kritiker. Mein unzufriedenster Erzieher. Wenn ich mir die Zeit nehme mich mit mir zu beschäftigen, brauche ich mich nicht mehr so viel mit anderen Menschen beschäftigen. Höchstens hier im Blog. Aber das ist in Wahrheit auch nur ein Tagebuch, indem es um mich geht.

Und ich möchte den heutigen Artikel mit einem Zitat abschließen. Einem, das ich gestern Nacht entdeckt habe. Das mich wirklich aus den Socken gehauen hat. Weil es sich so wunderbar natürlich richtig für mich anfühlt und gleichzeitig auch schon lange mein täglicher Antrieb ist. Aber ich hätte es nicht besser in Worte fassen können. Darum verneige ich mich dafür vor dem Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway:

„Es hat nichts Edles, sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Wahrhaft edel ist, wer sich seinem früheren Ich überlegen fühlt.“

PS: Dass Manches von mir manchmal hochmütig wirken mag, verstehe ich. Das liegt am definierten jeweiligen Verlauf des Grats zwischen Hochmut und Demut jedes Einzelnen. Wie mir in diesem Artikel heute hoffentlich herauszuarbeiten gelungen ist. Aber es geht für mich um nichts Geringeres als das Besagte in diesem Zitat. Jeden Tag die neue beste Version von mir selbst zu sein! Ich kann mir nichts davon kaufen klüger zu sein als Andere. Oder schöner. Oder reicher. Oder trainierter. Oder was weiß ich. Aber ich gehe jeden Tag in eine neue Herausforderung. Die Challange gegen mich selbst, besser zu werden! Dass ich dabei automatisch den Einen oder Anderen überholen werde, liegt in der Natur der Sache. Aber es ist mir einfach egal. Es ist mir egal! Ich kehre vor meinem Teppich. Der ist schmutzig genug. Jetzt ist damit auch die Antwort auf den Titel des heutigen Artikels gegeben. Wem wir uns überlegen fühlen sollten.

Was ist mit anderen Meinungen? Mein Meta-Meta-Ebenen-Prinzip!

Nur allzu gerne beschäftige ich mich mental, wie jeder – der mich kennt – weiß. Gehirnnahrung, wie Walnüsse. Es macht einfach Spaß auf diese knusprigen Hülsenfrüchte zu beißen und diese nussige Geschmacksexplosion auf dem Gaumen entfalten zu lassen. Genauso bereit es mir große Freude, in jede Art mentaler Herausforderung oder Themenstellung sprichwörtlich hinein zu beißen.

2019-08-09

Vielleicht hat das Eine auch unmittelbar mit dem Anderen zu tun. Die richtige Ernährung setzt körperliche Energie frei. Wenn ich vergleiche, meine Situation vor ein paar Monaten, wird mir das ein Stück weit klar. Damals ernährte ich mich stark kohlenhydratlastig und auch sonst nicht nur gesund, vollwertig und bewusst. Sowohl mittags im Job als auch abends zu Hause. Ich bin Vegetarier (der allerdings Fisch isst), wenn man sich dann keine Gedanken um seine Makronährstoffe (Protein/Kohlenhydrat/Fett) macht, kommt man schnell in ein ungesundes Verhältnis und liefert seinem Körper vieles, nur nicht das was er benötigt. Oft gab es abends beispielsweise Nudeln, weil ich sie einfach geliebt habe. Oder ein frisches Brot mit knuspriger Rinde. Davon konnte ich nie genug bekommen.

Inzwischen bin ich bei Low Carb, manche sagen auch „zuckerreduziert“, das klingt für die auf diesem Gebiet weniger Interessierten („Ernährungsunreflektierte“, würde ich dazu sagen) etwas kompatibler. Glaubenssätze und so. Wobei das inzwischen besser wird, stelle ich fest. Die Zahl der dummen Sprüche nimmt über die letzten Jahre ab, wenn ich irgendwo nur Fisch mit Gemüse esse. Kollegen, Bekannte, Familie. Den Meisten fehlen zwar weiterhin ihre Kartoffeln, Nudeln oder das Brot bei so einer Komposition. Aber zumindest tun sie das sachlicher kund als noch vor einiger Zeit. Danke dafür. Die Zeit schreitet voran und manchmal ist man auf der (Zeit-)Achse einfach weiter vorne. Als Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall war, haben ihn die anderen auf der Erde vermutlich auch ungläubig angesehen und vielleicht das gesamte Vorhaben spöttisch oder argwöhnisch betrachtet. Heute sind Reisen in den Weltraum fast eine massentouristische Attraktion.

Und warum komme ich auf dieses Thema? Nun, vor einigen Monaten begann einer meiner Kollegen morgens bereits Gemüse zu essen, mit Käse. Mittags Fisch, mit Gemüse. Dazwischen öfter Äpfel. Aber das klassische Brot gab es bei ihm nicht. Er sagte, er wolle abnehmen. Damals entgegnete ich: „Sag mal, wie machst Du das? Ich würde nie satt werden davon, wenn da keine Nudeln oder kein Brot dabei sind!“ Er sagte immer nur: „Ach, das geht schon. Man gewöhnt sich daran.“ Ich glaubte ihm kein Wort. Heute weiß ich: Nicht der Verzicht auf Kohlenhydrate macht Heißhunger, sondern die Kohlenhydrate ansich lösen den nächsten Heißhunger danach aus. Es ist also nicht die Lösung, Kohlenhydrate zu essen, um „nicht mehr hungrig“ zu sein. Sondern Kohlenhydrate lösen Hunger aus, Insulintal und so weiter. Ihr wisst schon.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem er mich in der Arbeit regelmäßig Skyr (so etwas wie Magerquark!) essen sieht, war er ganz interessiert. Inzwischen isst er zu all seinem Gemüse, dem Käse und Fisch und seinen Äpfeln fast täglich Skyr. Er wollte genau wissen, was ich seit kurzem „anders“ mache, weil ich:
a) Abgenommen hätte
b) Athletischer aussehen würde

Öfter mal was Neues, oder einfach ANDERS!

Ich sagte ihm, dass ich ALLES anders mache. So ist es tatsächlich. Alles anders als vorher. Und wenn ich „alles“ sage, meine ich das auch. Ich war in einem relativ gemütlichen Zustand, es ging mir „ganz gut“. Kennt Ihr Menschen, die auf die Frage „wie geht es Dir?“ mit „ganz gut“ antworten. Standard. In Wahrheit ging es mir – aus heutiger Sicht – gar nicht gut. Ich war vollgepumpt mit Kohlenhydraten, die mich schlapp machten. Deswegen nahm ich im Laufe der Beziehung auch etwas zu und reduzierte gleichzeitig meine Bewegung. Ein Teufelskreis. Dann bist Du zu Hause vielleicht nicht immer so gut drauf. Das spürt Deine Partnerin. Gut, dann gibt es solche und solche. Die Einen arbeiten dann mit Dir, die anderen dann irgendwann gegen Dich. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Schnee von gestern. 🙂

Jedenfalls mache ich seither alles anders, nicht nur im Bereich der Ernährung. Die Ernährung ist einer meiner Liebings-Lebensmittelpunkte geworden. Genau wie der Sport. Genau wie wieder viel viel mehr zu lesen. Genau wie mein völlig anderer Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung und Weiterbildung, vor allem im menschlichen/charakterlichen Bereich. „Persönlichkeit kommt vor Frauen“, könnte man meine Prioritätenverschiebung auch nennen.

Und so habe ich mich zuletzt in meinem Artikel „Die Sinnfrage und das schweizer Uhrwerk“ mit meiner gegenwärtigen mentalen Situation beschäftigt. Das Fazit lautete im Prinzip, dass ich keinen tiefergehenden Sinn mehr im bzw. am Leben sehe. Und dennoch top motiviert weiter mache, wie ein schweizer Uhrwerk. Vielleicht sind die Walnüsse Schuld daran.

Und es kam wie es kommen musste. Viele Gespräche dazu, persönliche. Und auch viele Kommentare hier. Euch allen danke ich dafür. Zusammen mit meinen Antworten hat es der letzte Artikel auf 23 Kommentare gebracht. Das ist, glaube ich, hier noch nie dagewesen. Ihr bereichert mich ungemein, auf unterschiedliche Art. Die „lieben“ Kommentare freuen mich, die „harten“ Kommentare bringen mich zum Nachdenken, die „ablehenden“ Kommentare treiben mich weiter an, genau so weiter zu machen wie bisher, und ich weiß insbesondere an denen, dass ich richtig bin. Nur die zustimmenden Kommentare sind äußerst selten. Aber das ist nicht so schlimm, die meiste Zustimmung gebe ich mir sowieso stets selbst. Also bleibt wie Ihr seid, haut rein in die Tasten, was immer ihr denkt. Ich freue mich über jede Eurer Meinungen. Und wenn es neben vielen Meinungen auch die einen oder anderen faktischen oder sachlichen Ratschläge (Buchtipps. Videos, Vorträge, Veranstaltungen, Orte, was auch immer) in die Kommentare oder Gespräche schaffen, freue ich mich besonders. Denn Meinungen sind… ja… Meinungen. Aber Meinungen sind nicht die Realität. Meinungen sind Glaubenssätze. Glaubenssätze sind nicht die Realität. Glaubenssätze sind Teil einer Realität. Mehr nicht. Die Realität ist komplexer als ein einzelner Glaubenssatz. Und die wechseln manchmal. Hat auch was mit dem Alter und der Reife zu tun. Wie oft ich wohl meine Glaubenssätze noch wechseln werde…?

Die Einen glauben dies, die Anderen das

So wie ich vor kurzem meinem Kollegen nicht glaubte, dass man von Gemüse, Fisch, Käse und Äpfeln in der Früh, mittags und abends satt werden und lange bleiben könne. Das war mein Glaubenssatz: „Kohlenhydrate machen und halten satt!“

Heute weiß ich, dass das – gelinge gesagt – Bulls*** ist. So ist das mit vielen Meinungen. Gelegenheitlich höre ich auch nicht gut genug hin, wenn andere Menschen andere Meinungen haben, das ist die Kehrseite der Medaille. Ich hätte früher auf meinen Kollegen hören können oder sollen, um früher an den Punk zu kommen, an dem er damals schon war. Dafür bin ich heute auf diesem Gebiet weiter als er. Er isst inzwischen zusätzlich Skyr und auch Eier. Und Leinsamen, Chiasamen und knusprig-knackige Nüsse. Und vielerlei weiteres Zeug. Ob er das wohl von mir aufgeschnappt hat…? Hmm…

So ist das nun einmal. Wir tun was wir tun. Wir essen was wir essen. Aber in der Regel tun und essen wir nur das, was wir kennen. Was der Bauer nicht kennt… Ich bin aber kein Bauer. Und was ich nicht kenne, macht mich in der Regel neugierig. Jedenfalls spätestens seit Teil 2 hier! Auch damals schon in Teil 1. Und dazwischen wurde ich wieder unbewusst. Selbst Schuld!

Und um auf meinen letzten Artikel zurück zu kommen… ich bin neugierig zu entdecken, ob es mir gelingt (wieder) einen Sinn im Leben zu finden oder aber überzeugt sinnlos weiter zu machen. Wie ein schweizer Uhrwerk. Ist doch geil, ist wie Sport. Du hast heute keinen Bock und tust es trotzdem. Du fühlst Dich danach oft gut, weil Du es getan hast. Oft aber auch nicht besser oder anders als vorher. Aber Du hast es getan. Und das unterscheidet den Macher vom Mit-Sich-Machen-Lasser.

Wir haben immer 2 grundsätzliche Möglichkeiten im Leben

Wir tun Dinge „einfach“. Wir tun „einfache“ Dinge. Und die meisten tun „einfache Dinge“ „einfach“. Das sind, wenn sie ausschließlich „einfache Dinge“ „einfach“ tun, die Mit-Sich-Machen-Lasser. Die gehen auf die Straße und demonstrieren gegen CO2 oder Pro-Asyl oder was weiß ich nicht alles, wovon sie sich das Hirn durch Medien oder ihr Umfeld weichkochen haben lassen. Anstatt selbst zu denken und zu recherchieren. Ich will da jetzt gar nicht tiefer einsteigen, ein bisschen provokante Thesen in den Raum stellen und dann verschwinden macht mehr Spaß. 🙂
Jedenfalls tun diese Menschen Dinge recht unreflektiert. Die Gründe sind vielfältig, meist Stress und Bequemlichkeit. Gerne in Kombination. „Einfache Dinge“ möglichst „einfach“ tun. Gut, klar. Führt auch zum Tod. Immerhin.

Und dann gibts die andere Möglichkeit im Leben: Du machst meinetwegen auch nur „einfache Dinge“ ganz „einfach“ oder herausfordernde Dinge ganz einfach oder auch ganz kompliziert. Völlig egal. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Du denkst darüber nach was Du tust. Du reflektierst und Du machst somit die Dinge bewusst. So werden „einfache Dinge“ zu „reflektierten einfachen Dingen“. Oder „einfaches“ Tun wird zu „reflektiert einfaches Tun“. Bewusst eben. Das ist DER wesentliche Schlüssel im mentalen Bereich. Die Meta-Ebene.

Und dann kommen die Gegenmeinungen

Die Frage ist, wozu die Gegenmeinungen kommen. Zur 1. Möglichkeit oder zur 2.? Sprechen Menschen mit Dir über „einfache Dinge“ „einfach“? Oder sprechen sie mit Dir reflektiert über „einfache Dinge“? Und auch über Dinge, „reflektiert einfach“? Hier weiß ich sehr genau zu unterscheiden. Und hier weiß ich auch, warum ich Kritik kaum mehr an mich heranlasse. Ich klopfe Aussagen, ganz besonders wenn sie „einfache“ Glaubenssätze – sind, nach diesen zwei Kategorien ab. Und fast immer – das ist aber ganz natürlich – bewegen wir uns im Rahmen der 1. Möglichkeit. Wir sind so. Wir sind Menschen, wir sind nicht immer super bewusst.

Aber mein Ziel ist es, das möglichst oft zu sein. Besonders wenn es für mich wichtig wird. Und wenn mich ein Thema interessiert, zum Beispiel über den Sinn des Lebens nachzudenken, dann passe ich schon sehr genau auf. Der lange Lauf zählt für mich. Und das ist kein Widerspruch zum „Leben im Jetzt“ (Eckhart Tolle). Denn jeder lange Lauf beginnt immer im Jetzt. Jeder neue Moment ist Teil des langen Laufes. Und wenn wir jetzt nicht anfangen, wird es weder ein Lauf und erstrecht noch kein langer.

Jetzt kannst Du aber nicht immer den eigenen Maßstab an alle anderen anlegen. Gut, kannst Du schon. Aber die Erwartungshaltung ist nicht erfüllbar. Kein Mensch ist exakt auf dem Stand des Anderen. Das geht gar nicht. Das mag bisweilen Frust erzeugen. Frust, nicht verstanden zu werden. Das mag sich mein Kollege auch gedacht haben, als ich ihm damals schockiert entgegnete: „Ohne Brot wirst Du satt davon?!“

Achtung, Meta-Ebene: Die Frage ist also, wie gehe ICH damit um, wenn andere Menschen andere Meinungen haben? Andere Glaubenssätze. Soll ich diese annehmen? Sollen ich mich beeinflussen lassen (was ein Stück weit mindestens unterbewusst sowieso passiert)? Soll ich das gegen meine Meinungen und Glaubenssätze abgleichen? Was ist richtig und was ist falsch? Willkommen in der Welt der Persönlichkeitsentwicklung.

Und jetzt sind wir in der Meta-Meta-Ebene

Du machst nicht mehr einfache Dinge einfach. Du machst sie nicht einmal mehr reflektiert, Meta-Ebene. Sondern Du denkst über die Meta-Ebene nach. Meta-Meta. Meta im Quadrat, könnte man sagen. Hoch 2. Mit Stern. Am Horizont.

Kein Mensch kann sagen was richtig und falsch ist. Jeder muss einen Weg im Leben finden mit den Dingen dieser Welt zurecht zu kommen. Ich glaube aber nicht nur, sondern bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen in Möglichkeit 1 (siehe oben) feststecken und da auch nie herauskommen. Sie glauben es vielleicht, manchmal Möglichkeit 2 wahrzunehmen. Aber jedem das Seine. Es muss Gazellen geben, die gefressen werden. Und es muss Löwen geben. So ist die Natur. Ob das gerecht ist? Hat niemand versprochen! Ob das sinnvoll ist? Ich finde das Leben – zumindest derzeit – an sich bereits ziemlich sinnlos. Wie können dann einzelne Teile des großen Ganzen sinnvoll sein? Fehlanzeige.

Ich kann aber sagen, was FÜR MICH richtig oder falsch ist. Und das sind ganz wenige einfache Punkte.

  1. Bleibe ich nicht in Möglichkeit 1 kleben, Tat ich früher, brauche ich heute nicht mehr. Sondern ich versuche immer (was kaum ganz gelingt, außer vielleicht Eckhart Tolle 🙂 ) möglichst rasch in Möglichkeit 2 zu kommen. Danke liebe Walnüsse (nur als Metapher, macht bitte nicht im nächsten Supermarkt das Regal mit den Walnüssen leer!).
  2. Mache ich mir Gedanken um meine Gedanken und gehe in die Meta-Meta-Ebene. Und checke die Meinungen und Glaubenssätze anderer Menschen, egal ob Buchautoren, Youtuber oder persönliche Gesprächspartner oder Blog-Kommentatoren dahingehend gegen meine eigenen ab. Mache mir Gedanken um deren Gedanken, im Abgleich gegen meine Gedanken. Und denke darüber nach, warum sie so denken, was sie antreibt, wie sie auf ihre Meinungen gekommen sind und ob deren Quellen „gültig“ sind.

Gut, wie wird da jetzt ein Schuh draus?

Wenn ich feststelle, dass wir auf unterschiedlichen Ebenen miteinander sprechen, macht es keinen Sinn. Das ist so wie wenn Einer Englisch spricht und Einer Französisch. Und dabei meinen sich miteinander unterhalten zu können. Mag lustig sein, bringt aber nix. Gut, Italienisch und Spanisch finde ich noch sexy, selbst wenn ich kein Wort verstehen würde. Aber Englisch und Französisch sind wirklich nur noch von slawischen Sprachen zu unterbieten, wenn es um das Sexappeal geht. 😉 Auch wenn ja alle immer auf die französische Sprache abfahren, besonders die Männer, hab ich mir sagen lassen.

Also prüfe ich einfach die Ebenen. Und auf der Meta-Ebene miteinander zu sprechen ist nicht nötig, um sich zu entwickeln. Es reicht auch die einfache Kommunikation nach Möglichkeit 1. Aber ich versuche zumindest auf der Ebene zueinander zu finden oder es eben bleiben zu lassen. Das ist schon mal essentiell. Ohne die selbe Ebene geht gar nichts. Du kannst nicht mit jemandem, der mit seiner Bierflasche und Chips in der Hand vor Dir sitzt und sich dessen nicht bewusst ist, dass er das gerade tut, darüber sprechen, ob er das bewusst tut oder nicht. Wenn er es nicht bewusst tut, was er tut, macht es keinen Sinn. Er wird Dir nicht folgen können. Aber so kannst Du Dir einen Feind erzeugen, wenn Du mit ihm darüber sprichst. Das ja. Erstrebenswert? Nee.

Also: Ebenen-Check!

Jetzt kommt das Aber!

Selbst wenn Dein Gegenüber auf einer Ebene mit Dir spricht, so bleiben die meisten Kommunikationen dennoch oft „unnachhaltig“ für einen selbst. Was woran liegt?

Und das ist genau mein Problem! Es ist meines, okay. Es muss nicht Deines sein. Es ist meines. Mein Problem. Etwas, das ich seit meiner Kindheit habe. Damit muss ich alleine klar kommen. Und das ist hart genug. Glückwunsch an alle, die dieses Problem nicht kennen. Kommt von Herzen, wirklich. Diese Menschen sind auf eine Art gesegnet. Aber dennoch möchte ich nicht den Platz mit ihnen tauschen. Auch wenn es „einfacher“ ist. Da ich dann ebenso die „einfachen“ Dinge „einfach“ tun könnte. Will ich aber gar nicht! Insofern betrachte ich es weniger als Problem denn als Gabe. Inzwischen ist es eine Gabe für mich. Glaubenssätze? Auf den Kopf gestellt!

Und ich kann nur für mich sprechen, nochmal! Ich kann nur für mich sprechen. Was andere tun, tun andere. Ich weiß jedenfalls, dass das Ebenen-Modell nicht ausreicht, um für mich selbst sagen zu können, dass ich eine gute Kommunikation hatte. Wenn es um die Kommunikation als Selbstzweck geht, mag das noch ausreichen. Aber ich will lernen. Ich will reflektieren. Ich will besser werden. In allen Bereich, auf allen Ebenen.

Und wie erreiche ich das? Das ist ja mein Problem. Das ist mir interaktiv super selten möglich! Ich versuche mich stets an Menschen (und natürlich deren Meinungen und Glaubenssätzen!) zu orientieren, die etwas BESSER können als ich und WEITER sind. „Lerne von den Besten“, ist das Motto. Orientiere Dich an ihnen, sauge auf wie ein Schwamm, passe es an Dich und Deine Ziele an und dann… VOLLGAS!

Einfach gesagt gibt es also zwei Probleme, mit denen ich persönlich stets zu kämpfen habe:

  1. Bin ich nur selten mit Menschen auf der selben Ebene. Und gemeinsam auf der Meta-Ebene schon gar nur super super selten. Also folgen zwangsläufig Gespräche nach dem Schema: „Findest Du die Grünen besser oder die Roten?“, Fuck off! Weder noch! Du wirst von beiden verarscht, checkst Du das nicht?!“ Meta-Ebene ist DA und „einfache Dinge“ „einfach“ tun ist DORT. Geht einfach nicht. Und immer nur „einfach“ mag ich nicht. Ich brauche Walnüsse. Bitte die extra knusprigen!
  2. Selbst wenn wir auf der selben Ebene sind, wobei es nicht um eine Wertung dessen geht, ob es gerade „nur“ um „einfache Dinge“ geht, ist mein Gegenüber höchst selten „besser“ in einem Gebiet. Ja ich weiß, klingt überheblich. Sei es drum, lassen wir das einfach mal so stehen. Kurz mal drauf gepfiffen, wonach es nun für Dich klingt und wie es Dich triggert, okay? 🙂 Danke. Also weiter im Text… Deswegen suche ich mir ständig Herausforderungen. Weil ich gemerkt habe, dass ich mich dann zwangsläufig mit Dingen beschäftigen muss, in denen sich ANDERE besser auskennen. Gehirnnahrung. Meine Walnüsse, sozusagen.

    Anders gesagt: Menschen, die etwas auf einem bestimmten Gebiet wirklich richtig richtig gut können oder wissen, sind generell vergleichweise selten. Es gibt nicht viele Christiano Ronaldos, nur als Beispiel. Eigentlich nur einen. Das ist der Haken. Oder wie ist es beispielsweise beim Musizieren…? Wieviele Menschen können ein Musikinstrument zumindest einigermaßen „gut“ spielen? Wenige überhaupt, im Vergleich zum Rest der Bevölkerung. Und wieviele davon sind zumindest sogar „richtig gut“? Fast keiner. Das ist ja genau mein Problem, das weiß ich aber inzwischen (!) auch. Wie soll ich also die richtig guten Musiker finden? Wenn ich selbst doch schon ganz ordentlich spielen kann. Die Luft wird einfach verdammt dünn. Ich hoffe, ich konnte das klar genug herüber bringen. 🙂 Und dann kommt noch abschließend besonders erschwerend hinzu, dass Einen selbst auch das interessieren muss, was der Andere so toll kann. Mich interessiert angeln nicht, ich würde dem amtierenden Weltmeister zwar zuhören, aber ich würde nicht brennen dafür. Schwierig.

    Eine kleine Ergänzung noch an der Stelle sei mir erlaubt: Das Paradoxe ist außerdem: Wir entwickeln uns ja weiter. Präziser gesagt: Wir wollen uns weiter entwickeln. Aber unser Umfeld bleibt für gewöhnlich das Gleiche. Das kann eigentlich fast gar nicht mit Dir korrelieren. Das schließt sich fast gegenseitig aus. Deswegen entwickeln wir uns auch kaum. Zu diesem Zweck gibt es Bücher, das Internet, Vorträge usw. Gäbe es das nicht… puh! Ich wäre verloren. Die Menschen, denen wir begegnen, die etwas VIEL besser als wir können… für diese Menschen sind alle anderen umgekehrt aber zu weit weg von ihnen. Für sie lohnt es sich schlicht nicht sich mit Dir zu beschäftigen. Sie haben nichts davon ihre Zeit mit Dir zu verbringen. Deswegen kommen wir kaum an „Stars“ heran. Damit meine ich aber nicht die Promis, sondern die echten Stars. Die, die wirklich etwas können. Nicht die, die doof und einfach nur bekannt sind. Was bleibt? Hoch hangeln! Wie bei einer Leiter. Frauen können das im Allgemeinen sehr gut in Sachen Beziehungen. Ich habe dazu letztens ein paar Artikel verfasst. Hypergamie. 😉 Okay, okay. Ich hör schon auf. Ein bisschen Zynismus muss sein.

Und übrigens geht es ganz sicher nicht nur mir so. Ich weiß, dass es da draußen in der Welt auch andere wie mich gibt. Aber sie sind selten. Selten begegne ich solchen, zum Beispiel beim Weggehen und in Gesprächen. Aber die Luft wird rein quantitativ verdammt dünn da oben. Und dann passiert es eben umgekehrt auch schnell, dass mein Gegenüber merkt, dass er mit mir dasselbe Problem hat, wie ich sonst überall mit den Anderen. Das ist wie es ist, aber es ist ein echtes Problem, diese Gabe. Für alle Beteiligten. Wir sind immer bestrebt danach wachsen zu können. Jeder auf seine eigene Art.

Und ich bin froh, dass ich zumindest in der Lage bin, mir über Ebenen, Meta-Ebenen und Meta-Meta-Ebenen Gedanken zu machen. Auch wenn ich dabei Gefahr laufe, als „überheblich“ oder sonst etwas bezeichnet oder wahrgenommen zu werden. Ich glaube, dass vieles verwechselt wird. Ich spreche mit jedem Menschen. Aber? Aber (!) ich muss nicht alles an mich heran lassen, was andere äußern. Es sind ihre Gedanken, ihre Glaubenssätze. Sollen sie danach leben und glücklich werden. Passt. Und wenn ich sehe, dass ein Mensch irgend etwas besser kann als ich, auf einem Gebiet, das mich interessiert… dann versuche ich mit ihm auf derselben Ebene zu kommunizieren, damit Kommuniaktion rein faktisch überhaupt möglich ist. Wie gesagt, auf Englisch mit jemandem zu sprechen, der nur Französich spricht, macht keinen Sinn. Und wenn die Ebenen stimmen, höre ich gespannt zu und halte gerne meine Klappe. Aber das ist so selten. Lasst die Taschentücher stecken. Ich habe einigermaßen gelernt damit umzugehen. 🙂

Und fast zum Schluss vielleicht noch ein Filmtipp, der ganz gut zum Thema passt. „Inception“, mit Leonardo DiCaprio. Da geht es ein bisschen um so etwas ähnliches, auch um Ebenen. Wer den Film nicht kennt oder nochmal auf eine andere Art nachvollziehen können möchte, was ich hier in genau 3978 Wörtern von mir gegeben habe… einfach anschauen. Und gerne berichten! Sowohl vom Film als auch von Euren Meinungen und Ideen zu diesem Artikel oder wonach Euch sonst so der Sinn steht. Feuer frei.

Warum ich zwar provoziere, aber gerade darin der Mehrwert liegt

Da meine – zugegeben – provokanten Artikel hin und wieder auch gerne mal etwas anders verstanden werden können, als sie eigentlich gemeint sind… erlaubt mir nur eine kleine Präzisierung: Es gibt nicht per se „solche“ und „solche“ Menschen. Sondern nur „solche“ und „solche“ Situationen. Wir sind einander alle Lehrer und Schüler. Wechselseitig! Das wechselt je nach Situation ständig, das ist ganz wichtig zu betonen! Es geht nicht um Überheblichkeit oder Dinge besser zu wissen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, Dinge die man selbst eben gerade NICHT besser weiß, an sich heran zu lassen und an Anderen zu wachsen. Deswegen bin ich offen für Input. Aber ich weiß eben auch sehr genau und strikt auszusortieren. Ich bin kein Gummiball für alle Anderen und diese Erkenntnis wünsche ich jedem, auch für sich selbst zu erlangen.

Jede Materie entstammt Gedanken. Nichts was existiert, existiert ohne vorangegangene Gedanken Anderer. Ein Auto ist ein Auto, weil sich jemand dachte eines zu bauen und es dann auch tatsächlich gebaut hat. Deswegen gibt es immer Menschen, die etwas besser können als man selbst! Weil nicht jeder von uns Autobauer ist und mit Vornamen „Volks“ und mit Nachnamen „Wagen“ heißt. Aber je nach Standpunkt „wird manchmal die Luft eben dünn“. Und ich stehe zu 100% dazu, dass ich das Problem schon immer hatte und vermutlich in exzessiver(er) Form immer weiter haben und noch ausbauen werde. Aber ich bin so reflektiert und gehe damit um. Aktiv. Proaktiv. Meta-Meta. 😉

Fazit, ganz allgemein: Achte auf die Ebene, in der Du mit Deinem Gegenüber sprichst. Und jedenfalls wenn es Dir nicht um reine Unterhaltung geht, dann sieh zu, dass Dein Gegenüber in einem Thema (materiell oder kognitiv) etwas „besser“ kann als Du oder zumindest etwas so kann, wie Du es auch können möchtest. Und ganz wichtig dabei: Lerne „NEIN“ zu sagen und verwirf ablehnende Meinungen umgehend, wenn sie von Menschen mit anderen Zielen stammen. Wenn deren Ziele nicht zu Deinen passen. Und wenn es Dich faktisch in keiner Form weiter bringt. Denke daran: Es sind die Glaubenssätze anderer Menschen, nicht Deine!

Und deshalb zum Abschluss noch ein bekanntes Zitat, das ich mir stets vor Augen führe. Im Projekt Beziehung Teil 2 mehr als je zuvor! Ich dachte auch lange Zeit es geht „einfach“. Geht es nicht! In Wahrheit nicht. Früher oder später macht es bumm… aber das muss jeder für sich selbst herausfinden und dann entweder daraus lernen oder „einfach“ immer weiter „einfache Dinge“ machen. Und dann auch nur das, ganz unreflektiert.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Und ich erlaube mir hier noch eine Zeile von mir persönlich zu ergänzen:

Achte auf die Menschen, mit denen Du Dich umgibst, denn sie sind Deine Lehrer!

Es liegt an Dir alleine mit was oder wem Du Dich umgibst. Du hast die Wahl. Mach das Beste daraus!

Und in diesem Sinne wünsche ich viel Glück den Einen (Philosophischer Sonntag – Warum man nicht viel Glück braucht). Und viel Erfolg den Anderen. Und nun ran an den Speck! Sonst gibts auf die (Wal-)Nüsse! 😉

Du bist

Vor ein paar Tagen wollte ich hier ein Lied vorstellen, das ich bereits vor einigen Jahren entdeckt hatte. Es ist von Prinz Pi. Es gefiel mir immer sehr, passte jedoch inhaltlich nie wirklich zu mir oder zu einer meiner Lebenssituationen. Nie dachte ich, dass ich einmal so eine Frau kennen lernen würde. So eine Frau, deren Lebenssituation zu meiner werden würde und deren Art so sein würde, wie sie von Prinz Pi Revue passierend besungen wird. Worum ich jetzt und heute froh wäre, wenn dies noch immer für mich gelten würde. Was würde ich dafür geben! Aber hilft nicht. Realität ist Realität!

Nur so ist es eben nicht… Heute passt der Song zu meinen jüngsten Ereignissen wie die Faust aufs Auge oder die Hand Bud Spencers gegen die Backe der vielen dumpfen Hohlköpfe. Ich wurde selbst so einer, irgendwie. Ein dumpfer Hohlkopf. Ursache und Wirkung darf ich dabei nicht außer Acht lassen. Wir Menschen müssen Verantwortung tragen (lernen) für das was wir selbst verursacht haben. Erst wurde ich ein dumpfer Hohlkopf… diese verdammt Unbewusstheit ließ ich wie einen Satan wieder Besitz über mich ergreifen.

Das Bild hier passt zu Dir. Das beschreibt Dich vollständig!

2019-04-12

Aber als wäre mein gesamter steiniger lehrreicher Weg der Persönlichkeitsentwicklung für den Allerwertesten gewesen. Mensch! Wie konnte ich in alte Muster zurückfallen! Damit meine ich noch nicht einmal mein teilweise unbewusstes Verhalten und die Unachtsamkeit gegenüber Fr. Schlange im Alltag der Beziehung. Sondern viel mehr sogar muss ich diese Selbstreflexion auf MICH und MEINE Wahrnehmung beziehen: Hätte ich die vielen negativen Vorzeichen nicht bewusster wahrnehmen müssen?! Früher die Reißleine ziehen?! Sie gar nicht erst so sehr in mein Leben lassen?! Ihr nicht mein gesamtes Herz schenken, mich völlig blank ziehen (lassen)?!

Ich hatte so viele Frauen ge-nextet. So viele! Permanenter Nachschub sicherte mir meine Unabhängigkeit und Freiheit auf dem Weg zur Traumfrau. Es gab nie einen Grund die „Nächstbeste“ zu nehmen. Warum habe ich mich aber für sie entschieden?! Nicht die Entscheidung an sich sehe ich so selbstkritisch, sondern…

WARUM ICH DIE NEGATIVEN VORZEICHEN ALLE AUSGEBLENDET HABE! Selbst dann in der Beziehung! Ich hatte ihr anfangs die ersten Unwahrheiten verziehen und auch sonst völlig wertfrei über alle Vorgeschichten hinweg gesehen. WARUM? Und immer weiter hinter ihr gestanden. Warum?! Ich könnte gerade meinen Kopf stundenlang gegen die Wand hauen. Nicht wegen Fr. Schlange! Sondern wegen mir selbst. Meine Entscheidungen sind die Ursache für mein eigenes Schicksal! Ich! Nicht sie. Sie ist egal. Was sie tat, tat sie. Nicht ich. Aber was ICH tat oder eben NICHT tat, das muss ich hinterfragen!

Warum? Damit mir das nicht einfach so wieder passiert!

Wie konnte aus einem so starken Mann ein völlig naiver kleiner Junge werden. Nur weil sie mir schöne Augen gemacht hat?! Mensch! Schäm Dich, Du Hohlkopf!
Folgerichtig, dass ich dafür die harte Faust aufs Auge bzw. die flache Hand Bud Spencers gegen meine Backe durchgezogen bekommen musste.

Nun zum Song

Nicht jeder mag deutschen Rap. Egal. Darum soll es hier nicht gehen. Wer sich für meine Ansichten und für die Gefühlswelt bezüglich Fr. Schlange interessiert, hört sich dennoch genau jedes Wort des Songs an und lässt einfach wirken. Darin steckt ein Großteil der Wahrheit, die Fr. Schlange ausmacht. Wer partout keinen Deutschrap mag, kann sich alternativ den Songtext darunter durchlesen. Das ist dann für die notorischen „solche Musik mag ich nicht!“-Neinsager.

Nun, viel „Spaß“. Aber vor allem ist dies ein weiteres Mosaiksteichen im Verstehen meiner aktuellen Situation. Für mich ein musikalischer Ausdruck meines selbst gewählten und ver“schuld“eten Schicksals, wie Prinzi Pi für sich selbst resümiert.

Die ganz besonders zutreffenden Zeilen des Songtextes habe ich in Blau markiert. Hier erkenne ich sie oder mich oder uns beide komplett wieder. Leider.
Und der Refrain passt insgesamt so sehr! Deswegen habe ich ihn in rot markiert.

 

Prinz Pi – Du bist

Ich komme wie Jimmy, gehe wie Kurt
Mit einem Knall so laut das ihn jeder hört
Altes Manowar Shirt, die Jeans mit Loch
Chucks war’n weiß, sind grau, viel gerockt
Stets mit Andrew aus Illinois in die Base
Stets mit meiner Entourage, Vinnie Chase
Blauer Stern der Jugend, Verrückte am abhäng‘
Unschuld bleibt sitzen auf der Rückbank des Mustang
Leb die Raubkopie von dem Traum der Angst
Dreh‘ mein eigenen Film, schreib mein eigenes Lied
Herz schlägt manisch seinen eigenen Beat
Viele gekriegt, viele verbraucht, Eine geliebt

Du hast die hohen Schuhe an
und trägst deine Tattoos um die Schultern und den Hals wie ein seidenes Tuch
Ich bin verliebt wie ein Junge mit dem Bauch und darunter
Weiß unter deinem Kleid warten tausende Wunder
Meine Eltern ha’m gewarnt, meine Freunde geflucht
Doch die Schrift auf deinem Rücken ist mein heiliges Buch
Ich bin das Wild in dem Scheinwerferlicht deines Blicks

Ich hab den Glauben doch mir fehlen die Beweise für dich
Die Nächte sind gegen Ende intensiver denn je
Zeit war nie so zäh wie warten drauf dich wieder zu sehen
Auf dem Boden von der Flasche liegt ein tieferer See,
als man glaubt, wenn man taucht, ist die Liebe zu seh’n
Meine Sonnenbrille sitzt im Gesicht wie geklebt
Die Kompassnadel dreht weg vom richtigen Weg
Meine Beine die sind müde von den Treppen der Frauen
Sie applaudieren immernoch für den lächelnden Clown
Und…

Du bist, alles für mich, alles das was mir Angst macht
Meine silberne Kugel, mein Kryptonit und mein Anthrax
Du bist, das was ich vom Schicksal verlangt hab
Die Patrone für mein Kopf in der Kammer der Pumpgun

Wenn der Whiskey mir nicht hilft fahr ich Nachts ohne Licht,
durch die Vorstadt auf der Suche nach dem was du nicht bist
Die Sms die ich will hast du nie abgeschickt
Unter der Laterne wartet meine Seele auf dich
Deine Augen lügen nie, nur dein Mund ist ein Dieb
Der jeden Coup mit ei’m Lächeln und ein Kuss unterschrieb
In dei’m Bett bin ich sicher vor den Klippen der Welt
Meine Rebellion ist an dein‘ Lippen zerschellt
Du bist der Abspann vom Film und ich sitze noch da
Du bist besser als du glaubst, auch wenn du es nicht magst
Ich weiß alle deine komischen Geschichten sind wahr
Der Tag hat gestimmt es war nur nicht das richtige Jahr
Was du denkst oder fühlst hast du niemals gesagt
Wir liegen auf der Decke und ich rieche dein Haar
Ich bin zuhause wo du bist, egal welches Hotel
Dein dunkler Zauber lenkt die Zeit darum fließt sie so schnell
Und…

Du bist, alles für mich, alles das was mir Angst macht
Meine silberne Kugel, mein Kryptonit und mein Anthrax
Du bist, das was ich vom Schicksal verlangt hab
Die Patrone für mein Kopf in der Kammer der Pumpgun

Meine Finger, erinnern jede Narbe von dir
Deine Augen lassen Dinge ihre Farbe verlier’n
Du lehrst mich die Wunder die die Welt mir verschwieg
Seit der Typ mit den Tafeln von dem Berg runter stieg
Die Bilder auf deiner Haut sind die Karte zu dir
Auch wenn dein Bus nie kommen wird, ich warte noch hier
Melancholie ist die Lederjacke meines Vereins
Ich trag sie weil das Leder meine Zeilen beweist
Du bist das Logo meines Clubs, die Hymne der Guten
Die traurige, rauchige Stimme der Jugend
Der Sound der Nacht, Stille und Gebell von ei’m Hund
Besser Rebell ohne Grund, als Rebell ohne Mund!
Und…

Du bist, alles für mich, alles das was mir Angst macht
Meine silberne Kugel, mein Kryptonit und mein Anthrax
Du bist, das was ich vom Schicksal verlangt hab
Die Patrone für mein Kopf in der Kammer der Pumpgun

Von kleinen Rückschritten – Poesie der Verletzlichkeit

Im Leben eines jeden Menschen tun sich täglich Irrungen und Wirrungen, Absurditäten, Kuriositäten sowie auch ganz gewöhnliche Dinge. Manchmal ereignen sich es persönliche Highlights. Jeder Mensch schreibt auf seine eigene Weise Geschichte.

Heute ist für mich nicht einer solcher Tage. Ich sitze einfach nur vor dem PC, fühle mich innerlich extrem aufgewühlt. Unzufrieden mit mir selbst und meiner Situation. „Selbstmitleid!“, höre ich eine Stimme aus dem Off zu mir sprechen. Mir geht es nicht um Selbstmitleid, wirklich nicht. Ich habe heute – gerade – einen Tag des mentalen Rückfalls. Es ist kein gewöhnlicher Tag mit gewöhnlichen Dingen. Das wäre gut. Nicht einmal Absurditäten und Kuriositäten taten sich bislang auf. Es ist ein fader, bisweilen langweiliger und allen voran ein gefühlt sehr einsamer Tag. Obwohl ich im Büro sitze und genügend Kollegen da sind. Es fehlt eine Connection. Kein Verstehen und verstanden werden. Es sind eben nur Kollegen, keine Freunde. Meine Lebensgeschichte ist nicht ihre. Soll es auch nicht werden. Ich erzähle ihnen die Tage manchmal weiterhin von der Fahrt nach Hause zu den Kindern. Obwohl ich dieses Zuhause nicht mehr habe, die Kinder auch nicht.

Ich habe genau genommen in diesem Moment nicht einmal irgend etwas zu erzählen. Nicht einmal meinem Blog. Stattdessen schreibe ich gerade einfach, weil es mir hilft. Plötzlich aufkommende Gedanken zu Papier zu bringen, beruhigt. Das tat ich damals und fühlte dabei, dass ich Emotionen ablassen konnte. Keine überschwänglichen, sondern ganz normale kleine Emotionen. Die, die zerbrechliche oder gebrochene Menschen genauso in sich tragen, wie glückliche und starke.

Was ich gerade tippe, entstammt dem Jetzt. Ich versuche zu fühlen und schreibe nieder, was mir in den Sinn kommt. Es ist ein Gespräch meines Verstandes mit meinem Herzen. Keine Diskussion. Es ist ein Gespräch. Fast ein Monolog. Der Verstand schaltet sich ein und meldet sich zu Wort, will raus, will sich äußern. Will sich wichtig machen. Viel wichtiger als er ist. Gemeint ist das alt bekannte Ego. Es ist angeknackst, um nicht zu sagen richtig derbe angeschossen. Taumelnd wie ein abgehalfterter Revolverheld nach einem Herztreffer im letzten Duell mit seinem Gegenüber.

Auf der anderen Seite ist das Herz

Das sich versucht zu wehren. Es übernimmt alleine durch seine Grundveranlagung die passive Rolle. Steckt viel ein, hält aus und hält aus. Es ist das Taschentuch des Verstandes. Es fühlt und spürt und versucht gleichzeitig dem Verstand die Energie zu entziehen. Es tut weh. Zuerst wird ein Mensch im Verstande getroffen, es ist sozusagen die erste Bastion, der erste Schutzwall im Leben. Die alltäglichen kleinen Herausforderungen und Wehwehchen prallen an diesem Mauerwerk ab. Dazu ist es da, dafür ist es gut.

Doch manchmal – selten – erzielt das Leben Wirkungstreffer. Die Bastion hält nicht. Sie wird durchbrochen und durchbohrt und beginnt zu bröckeln. Plötzlich schlagen die Treffer zunehmend schutzlos ein. Einer, zwei, drei. Immer weiter. Ein ganzes (Un)Naturschauspiel, eine Welle zerstörerischer Gewalt. Stalinorgel. Jeder Treffer erzielt seine ganz besondere eigene Wirkung. Der erste kommt plötzlich und unerwartet. Trifft hart, bleibt zunächst fast unentdeckt. Die Wirkung tritt nur mit zeitlicher Verzögerung ein, ein fieser Schlag mit Langzeitwirkung. Kurzfristig nicht realisierbar. Brennt dafür umso länger wie Napalm. Qualm macht sich breit, es entsteht nur verzögert ein Schwelbrand. Das dicke Ende kommt erst noch.

Denn hinter der Bastion liegt das Herz. Ist dieser Schutzwall erst überwunden, schlagen die Geschosse auf dieses, als gäbe es keinen Morgen. Das Herz wehrt sich nicht. Es steckt nur ein, es fühlt, aber versteht nicht. Es ist den Treffern ausgeliefert, wie ein Neugeborenes seiner Umwelt. Jede noch so starke Schutzmauer wird früher oder später im Leben eingerissen werden. Je niedriger die Mauer steht, desto leichter wird sie zerstört werden können. Leider stören Menschen Mauern. Unnötig. Vertrauen ist die Quelle der Verletzlichkeit. Vertrauen wir, sind wir umso leichter verletzlich. Nur durch Vertrauen können wir aber intensiver lieben. Gefühle in der Tiefe überhaupt erst zulassen. Es ist ein Licht- und Schattenspiel zugleich. Die Liebe von gestern ist die Quelle des Vollstreckungstreffers von heute.

2019-04-02

Sogleich war es einmal umgekehrt, der Lebenstreffer von früher war die Quelle der tiefen Liebe von gestern. Als der Qualm sich etwas legt… „Licht und Schatten wechseln sich. Eines Tages wieder.“, spricht das Herz.

Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 1 von 3

Wie angekündigt, gibt es von mir noch das Date-Review zu letzten Freitag. Mein aller aller aller erstes Tinder-Date meines Lebens. Premiere. Unglaublich. Wahnsinn. ICH und Tinder?! Ja, ich und Tinder!
OH MEIN GOTT! ICH HAB ES GETAN! 🙂

Wobei ich in dem Fall ein paar Worte voraus schicken muss. Tatsächlich habe ich keine Ahnung wie Tinder-Dates normalerweise zustande kommen. Keine Ahnung, keine Erfahrung. Also hab ich es einfach mal laufen lassen. Bis es neben all den anderen Matches zu einem Match kam, mit der späteren – nennen wir sie – Fr. Tinder.

2017-03-22.png

Nur ein Foto von Fr. Tinder ohne Text

Keine Beschreibung im Text. Nur ein Foto.
Hm. Okay.
Erfüllt ja den Zweck, denke ich mir. Reduziert bis aufs Minimum. Passt ja perfekt. Tinder ist für Minimalisten, ein Bild reicht. 😉
Tinder ist ja nicht zum Kennenlernen da, sondern bereitet nur den Weg dorthin. Es ist sozusagen das Vehikel. Genauso wie Whatsapp beim Pickuppen nur das Vehikel zum Transport zum nächsten Date darstellt. Und selbst das idealerweise nicht mal. Je weniger man schreiben muss, um zum Date zu kommen, desto mehr Grundanziehung ist da und desto wahrscheinlicher wird das Erscheinen der Frau zum Date.
Ein großer Fehler, den viele Männer machen, wenn sie ellenlange Texte schreiben, noch vor dem ersten Date. Weil sie die Realität ausblenden. Wenn eine Frau nicht will, dann will sie nicht plötzlich nur deshalb, weil Du ihr den Tim Bendzko machst. Vergiss das Ding mit „Nur noch kurz die Welt retten“ und 148 Mails checken. Das läuft so nicht.

Wenn sie Dich attraktiv findet (nicht nur optisch, sondern Attraktivität durch Ausstrahlung), dann brauchst Du keine Romane schreiben. Dann will sie Dich wieder sehen. Am liebsten Jetzt. Dann steigt sie ins Auto und fährt sofort los. Punkt.

„Knutschen ist für eine Frau kein großer Deal“

Letztens habe ich in einem „Lehrvideo“ – ich bilde mich ja ständig weiter fort – folgende Aussage eines Pickuppers gesehen und gehört: „Und wenn eine Frau mit Dir im Club knutscht… Männer denken dann sofort, dass die Frau unbedingt mehr will. Das ist nicht so. Für Frauen ist das sehr oft gar kein großer Deal. Sie hat mit Dir geknutscht, fertig.“

Als ich das Video letztens sah, dachte ich mir: „Ja, kann ich nach meiner Erfahrung bestätigen.“
Meiner kleinen Traumwelt des kleinen Jungen (von früher, muss ich inzwischen – leider – dazu sagen) versetzt das einen derben Schlag ins Gesicht, ich sehe die Traumblasen platzen, plopp plopp, und so sah das für mich bislang bis zu meiner Zeit vor dem Abtauchen in die Untiefen des Pickuppens so aus:

Ich finde ein Mädchen toll.
Irgendwie nehme ich Kontakt zu ihr auf (schüchtern war ich noch nie).
Alles ohne Plan und Verstand natürlich, woher auch.
Ist ja an sich auch gar nicht nötig.
Und dann machte ich irgendwann und irgendwie ein Treffen aus.
Im Rückblick betrachtet muss ich feststellen: Wann immer es etwas „Festeres“ geworden ist, hatten wir beim ersten Date geknutscht.
Und umgekehrt: Wann immer geknutscht wurde, wurde es etwas „Festeres“.
So war ich viele Jahre lang gepolt.
Das war meine Erfahrung und mein Horizont.
Ich dachte, dass das immer so wäre.
Knutschen ohne Gefühl kam für mich nicht in Frage.

Und daran musste ich nie wieder etwas ändern.
Bis… ja… bis… zum Ende meiner mehrjährigen Beziehung.

Seither stelle ich genau das Gegenteil fest und kann dem jungen Mann aus dem Video nur Recht geben. Knutschen? Ganz offensichtlich kein großer Deal für die Frau. Für mich? Inzwischen auch nicht mehr. Nicht weil ich es nicht wollen würde, sondern weil ich es nicht mehr kann, da etwas rein zu interpretieren was offensichtlich nur von einer Seite vorhanden ist, nämlich von meiner. Gefühle, oder zumindest der Anflug davon. So viele neue Erfahrungen verdrängten die alten. Ich habe seit meinem Beginn mit dem Pickuppen so unglaublich merkwürdige Situationen erlebt, unvorstellbar. Man fällt dann zwangsläufig irgendwann vom Glauben ab, ich jedenfalls. Aber ein bisschen Rest-Menschlichkeit habe ich mir bewahrt, keine Sorge. Ich bin immer noch keine Maschine geworden und werde es auch nie werden. Für mich wird sich zu küssen immer etwas besonderes sein und bleiben, nur bilde ich mir nichts mehr darauf ein. Das ist der einzige Unterschied zu früher, ein zwangsläufiger Fortschritt der eigenen Evolution. Auch wenn ich im Herzen immer der kleine Junge bleiben werde, wenigstens ein Stück weit. Und darauf bin ich stolz.

Früher ging ich dann noch von einem „Oh, sie mag mich und will mit mir zusammen sein!“ aus. Heute weiß ich hingegen: „Sie küsst mich, weil sie gerade Bock auf küssen hat. Das ist alles. Punkt.“

Ich bin ganz schön abgeschwiffen vom Thema Date-Review zu Fr. Tinder.
Aber ich musste diese kleine Hommage an das Besondere des Küssens einfach los werden. Von Herzen gerne bin ich Poet.

Fr. Tinder ist nicht gleich, Fr. Tinder ist anders

Aufgrund meines „Lernstresses“, kann man schon so sagen, in den letzten Wochen, haben wir das Kennenlernen kurzerhand auf häufiges Chatten und viel Telefonieren verlegt.

Der aufmerksame Leser wird jetzt einen direkten Widerspruch zum ersten Teil meines Artikels erkennen können. Kennenlernen über Telefon?!
So bin ich eben. Ein Mensch der Gegensätze.

Im Grundgesetz ist das sog. Willkürverbot verankert. Staatsrecht mag ich. Regelt es doch die Rechte der Bürger gegenüber dem Staat, zumindest theoretisch. (Aber lassen wir das an der Stelle.)

Zurück zum Willkürverbot, Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz. Es besagt:
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Und es gibt da einen Satz, den ich mir für mein Leben gemerkt habe, als ich ihn zum ersten mal hörte:
„Der Staat darf nicht willkürlich wesentlich Gleiches ungleich bzw. wesentlich Ungleiches gleich behandeln.“

Nun bin ich nicht der Staat. Und Fr. Tinder ist auch nicht meine Bürgerin. Nur was sie eben auch nicht ist: Gleich. Also muss ich Ungleiches ungleich behandeln. Sie ist anders. Und in diesem Fall nahm ich mir vor von meiner Norm abzuweichen.

Warum?

Fr. Tinder ist sehr tiefgründig. Sie ist ein bisschen älter als ich, für mich sehr ungewohnt so etwas. Sie hat Humor, nicht irgend einen Humor. Meinen Humor. Und umgekehrt ich ihren. Wow. Oft mal sarkastisch und meistens knackig. Gerne mal von hinten durch die Brust ins Auge.

Da fällt mir ein, ein ehemaliger Mathelehrer sagte mal zu mir: „Sie drehen aber immer gerne eine Pirouette auf dem Weg zur Lösung, gell?!“
Recht hat er. Das bin ich. Ein guter Mann, er. Nicht ich. Das müssen andere beurteilen. Einer der wenigen Lehrer jedenfalls, die ich gut fand. Ihm hab ich mein Fachabitur zu verdanken. Danke an der Stelle an Sie. Oder an Dich, heute bist Du ja nicht mehr mein Lehrer und ich nicht mehr Dein Schüler. Heute sind wir normale Menschen. Also nehme ich das Du. Danke Dir!

Und da es ein langer Artikel wurde, teile ich ihn hier zum ersten Mal auf.
Teil 2 folgt… 😉

Und dann war da noch Valentin und ein ganz besonderer Geburtstag…

Und dann war da doch noch etwas. Genau, Valentinstag. Also schreibe ich natürlich auch ein paar Zeilen zum Valentinstag.

Wenn heute Weihnachten gewesen wäre, dann hätte ich über Weihnachten und den tieferen Sinn und Unsinn der Großindustrie dahinter geschrieben. Moment, ich erinnere mich… Das habe ich sogar schon mal. Hier: Philosophischer Sonntag – Weihnachten 🙂

Okay. Mist. Ich probiere es nochmal. Neustart.

Wenn heute Ostern gewesen wäre, dann hätte ich über Ostern ein paar Worte verloren. Und wenn heute der Tag der Deutschen Einheit gewesen wäre, dann hätte ich auch dazu etwas in die Tasten hauen können. Ist aber nicht, weder Ostern noch Tag der Deutschen Einheit. Hm… Ich hätte aber auch über Mario Draghi und die für den kleinen Mann (also Dich und mich) desaströse – weil enteignende – EZB-Politik referieren können.

Oder auch über das Paarungsverhalten von thailändischen Erdmännchen in der Regenzeit. Wobei ich gar nicht genau weiß, ob es in Thailand Erdmännchen gibt. Aber das spielt ja auch erst mal keine Rolle. Machen unsere (meine sind es nicht!) Journalisten mit der Politik auch nicht anders, einfach darüber etwas zu schreiben, wozu sie keinen Hauch von Ahnung haben. Besonders nicht über Politik und Wirtschaft. Nicht mal einen blassen Schimmer. Oder sie sind bösartig?
Wenn das Geld nur nicht so verlockend wäre… Aber ich will keinem Journalisten etwas unterstellen. Mit meinem Blog bin ich ja streng genommen auch einer. So einer. So ein Journalist. Da fällt mir ein Zitat ein… „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Der Zweck heiligt offebar alle Mittel.
Damit ist doch alles dazu gesagt.

Da fällt mir ferner noch ein, dass ich mit meinem Blog im Gegensatz zu denen gar kein Geld verdiene. Hm. Könnte man mir natürlich jetzt vorwerfen, dass ich dann wohl ehrlich bin mit dem was ich hier schreibe. Schließlich verdiene ich ja nix damit. Tragisch, aber ja. So ist es. Wenn das die Anklage ist…? Dann bekenne ich mich schuldig im Sinne der Anklage! 🙂

Da kann das ja wirklich nicht schlimm sein, wenn ich Fake-News über Erdmännchen in Thailand verbreite. Oder? Fr. Dr. Schlaftablette (manche sagen auch Fr. Ferkel zu ihr, jedoch nur, um jegliche Namensähnlichkeit zu vermeiden), komme ich jetzt ins Gefängnis?
Eigentlich nicht, oder? Also noch nicht. Denn bis jetzt hab ich doch nur angekündigt, dass ich über thailändische Erdmännchen schreiben könnte. Ist der Versuch also hier auch schon strafbar? Bezogen auf die Fake-News. Und ist der Versuch dann darüber hinaus auch noch dazu schon strafbar, wenn ich etwas nur im Konjunktiv halb angekündigt habe? Denn ich hab ja nix über thailändische Erdmännchen geschrieben. Aber ich könnte.
Irre! Also nicht die Erdmännchen, die können nix dafür.

Da fällt mir ein Witz ein. Zum Konjunktiv.

Ein Finanzbeamter macht Außenkontrolle bei einem Bauern und stellt fest, dass dieser eine Schnapsbrennanlage besitzt.
Beamter: „Guter Mann, dafür müssen Sie aber Steuern zahlen!“
Bauer: „Aber wieso, ich brenne doch gar keinen Schnaps!“
Beamter: „Möglich, aber sie besitzen das Gerät dafür!“
Tags darauf geht der Bauer in die Stadt und direkt zum Finanzamt, zum selben Beamten: „Ich möchte gern Kindergeld beantragen!“
Beamter: „Wieso, Sie haben doch gar keine Kinder?“
Bauer: „Aber ich habe das Gerät dafür!“

So viel zum Thema „ich könnte, wenn ich wollte“.

Und Nu?

Zurück zum Valentinstag.

Da hab ich heute ein nettes kleines Video aus Österreich gesehen.
Darin fragt sie ihn: „Schatz, heute ist doch Valentinstag!“
Er: „Heißt Du Valentin?“
Sie: „Nein!“
Er: „Na dann halt Dei Goschn!“

Ich lass das mal so unkommentiert stehen. 😉

Und jetzt wird es persönlich.

An der Stelle Grüße ich meinen besten Freund, da vorne den, denn der hat heute Geburtstag.
„Hallo Werner!!!“ 😉
Nein, er heißt nicht Werner. Aber er weiß was ich meine, gell Jung!
Wir kennen uns seit vielen Jahren, genau genommen seit der ersten Klasse. Außer meiner Familie gibt es niemanden auf der Welt, der mich länger kennt als er. Wir haben den größten Quatsch schon miteinander gemacht. Und ich bin froh, dass er in meiner Gegenwart noch immer das kleine Kind von früher ist. Geht mir dann genauso, ich kann mit Dir Facetten des Lebens ausleben, die sonst für immer verborgen bleiben würden. In seiner Gegenwart kann ich versuchen erwachsen zu sein so sehr ich nur will, es gelingt einfach nicht.
Das wird bisweilen aberwitzig, wenn Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung Dinge sagen und wir beide uns nur ansehen und innerlich fast platzen, weil wir uns am liebsten einfach nur laut und herzlich kringelig lachen würden.
So viele verschiedene Szenen verbinden wir mit dem Alltag, dass wir mittlerweile einfach wissen wann es dem anderen gerade gut oder schlecht geht. Die Stimme reicht. Das erste „hallo“ am Telefon reicht aus, um zu wissen in welcher Lage der Andere gerade ist.

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Ich richte jetzt ein paar Worte persönlich an Dich:

Du bist mir in meinem Leben so sehr ans Herz gewachsen, dass es mir an vielen Stellen mehr gibt, als es eine Frau je könnte. Du hast über all die Jahre die eine oder andere Frau (inzwischen viele Frauen 😉 ), aber auch den einen oder anderen Freund, an meiner Seite kommen und auch gehen sehen. Wir haben Dinge füreinander getan, die andere nie füreinander tun würden.

Legendär sind zum Beispiel unsere Fifa-Nachmittage. Damals. Du wohntest zusammen mit Deiner Freundin und ich kam mittags zu Dir. Wir setzten uns gleich an die Konsole und zockten los. Deine Freundin verließ kurz darauf das Haus, um zur Arbeit zu gehen. Spätschicht. Als sie am Abend heim kam, fand sie uns noch immer sitzend und hochkonzentriert Fifa spielend in Eurem Wohnzimmer vor. Wir zockten weiter, bis es spät Abends wurde und sie ins Bett ging. Das hielt uns nicht davon ab, einfach immer weiter zu spielen. Und als sie morgens aufstand, saßen wir noch immer da und spielten.

Was auch immer wieder in mir aufkommt und legendär ist, war Deine Show auf meinem Besichtigungstermin mit einer Wohnungsverkäuferin. Ich hatte damals vor eine Wohnung zu kaufen und ich wollte, dass Du mitkommst. Du sagtest noch vorher zu mir am Telefon: „Soll ich mitkommen, ohne duschen?“ Und keine Ahnung, ob Du dann bis zum Termin noch geduscht hast oder nicht, ich weiß es nicht mehr. Ist auch egal.
Jedenfalls trafen wir dann draußen die Verkäuferin, um uns die Wohnung zeigen zu lassen. Und ich stellte mich ganz normal vor und reichte der Dame die Hand. Daraufhin stellte sie sich Dir vor und fragte Dich wer Du seist. Und dann hast Du Einen rausgelassen: „Guten Tag, mein Name ist van Onnetuschn.“
Ich stand da und verstand die Welt nicht mehr. Hey! Das war ein Besichtigungstermin für eine Wohnung mit echter Kaufabsicht! Ich musste mich so dermaßen zusammen reißen, dass ich nicht vollends sämtliche Mundflüssigkeit auf den Asphalt vor mir auspustete.

Du bist ein irrer Vogel!

Das waren Zeiten, total verrückt. Wir hatten so viel Spaß. Damals war ich Single. Das war noch vor meiner Zeit meiner langen Beziehung. An die sich schlussendlich nach einem harten Leidensweg dieses Projekt Beziehung anschloss. Die beiden Frauen haben wir heute beide nicht mehr. Du Deine lange Beziehung nicht mehr, ich meine nicht mehr.
Aber geblieben ist unsere Freundschaft. Die für mich eine besondere ist, so besonders, dass ich dafür keine Worte finden könnte, um die tiefe Dankbarkeit und Anerkennung für Dich als Mensch auszudrücken.

Und ich will nicht nur in der Vergangenheit und in unseren entfernten Erinnerungen schwelgen. Auch heute gehen wir miteinander um wie schon immer. Auch heute noch schaffen wir neue Erinnerungen. Auch wenn die Zeit miteinander knapper geworden ist. Zeit ist das Kostbarste, das wir haben. Jeder von uns. Deshalb genieße ich es immer sehr, wenn wir uns sehen. Auch wenn wir keine Kinder mehr sind, versuche ich es in Deiner Gegenwart so gut es geht zu bleiben. Du bist kein Alltag. Du bist außergewöhnlich!

Wenn ich Dich nachts anrufe und wirklich brauche, bist Du wenige Minuten später da. So wie letztens, als mir bei meinem alten Auto (ja, ich hab zwei) die Batterie leer ging. Und es echt kalt war und ich mich einfach nur richtig mies gefühlt habe. Zwar in der Stadt, aber innerlich einfach alleine am Straßenrand.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute zum Geburtstag. Bleib einfach nur wie Du bist. Du bist für mich perfekt so.

Du bist längst mein Bruder und ich hab Dich unglaublich lieb. 🙂

Für diese Woche (KW 07/2017) gibt es nur ein Ziel

Das klingt ja erst einmal ganz schön bombastisch.
„Für diese Woche gibt es nur ein Ziel“.
Klingt so wie bei Highlander: Es kann nur Einen geben!

Aber hier wird heute kein Feuerwerk gezündet. Es wird nur eine kleine Nachricht, vor allem als (Denk-)Zettel an mich selbst. Das Projekt Beziehung verpasst nun auch Denkzettel. Einen Reminder. Einen Erinnerer, auf deutsch. Eine Art Mahnmal für all die vielen sinnlos vergeudeten Stunden der letzten Jahre, die ich noch nachts wach mit allerlei unsinnigem Quatsch verbracht habe.

Daher steht diese Woche ganz im Zeichen des Schlafes.
Der Schlaf ist ein gerissener Zeitgenosse. Er lässt Dir mit zunehmendem Abend die völlige (Handlungs-)Freiheit. Er macht Dich sogar stark, sagt Deinem Biorythmus, dass Du – wenn die Sonne längst unter gegangen ist – nochmal richtig Gas geben kannst. (Anmerkung: Damit ist nicht das Pupsen gemeint.) Du fühlst Dich besser als am Morgen. Du bist fitter und kraftvoller. Du hast Elan, um Dir noch dies oder das anzuschauen. Sogar lesen ist noch locker möglich. Hoch konzentriert Fachlektüre lesen geht wie selbstverständlich von der Hand. Sinnvollen oder sinnlosen Sendungen im Fernsehen folgen allemal. Und so wechselt sich das Naturschauspiel zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang ab. Die beiden geben sich sichtbar die Klinke in die Hand. Und Du sitzt immer noch da. Und machst, und tust.
Manchmal bist Du um die Zeit auch noch gar nicht erst zu Hause. Dann triffst Du Dich draußen mit Freunden. Vielleicht auf ein Bier, vielleicht auch nur auf eine Apfelschorle. Wenn Du eine Frau bist, vielleicht auch auf einen Hugo. Und immer noch steht der Mond am Himmel und erleuchtet inzwischen längst die Straßen in einem weißkalten Licht, das ich sonst nur von den LED-Scheinwerfern meines Autos kenne. In geselliger Runde vergeht die Zeit schneller als Dir selbst lieb ist. Stunden um Stunden.

Und plötzlich siehst Du auf die Uhr, top fit, aber im Bewusstsein, dass Dich morgen Früh die harte grässliche Hand der Kehrseite des Schlafes treffen wird. Sie wird Dich treffen wie ein Hammer den Nagel. Auf den Kopf. Schlimmer noch als die Hand Gottes, Maradona ist sanft dagegen. Schon eher wie die Bud Spencer Faust. Der Dampfhammer. Von oben mitten auf die Birne. Bumm.

Du gehst – zu später Stunde – nach Hause. Oder Du warst zwar zu Hause, dann musst Du eben von der Couch ins Bett rüber wandern. Es wird eine Pilgerreise. Und Du willst eigentlich gar nicht. Zu schön ist der Moment. Egal ob alleine oder zu zweit. Du willst Dich festklammern, an den Film. An das Buch. Oder draußen an Dein letztes… oder doch erst mal nur vorletztes… Glas unter Freunden.

Am nächsten Tag in der Früh wachst Du auf. Du wirst vielmehr aufgewacht.

Und da kommt er. Der Hammer trifft Dich. Du drehst Dich, BRRRRRRRR BRRRRRRRR weckt Dich Dein Wecker. Er macht seinem Namen alle Ehre. Der Wecker weckt Dich nicht nur, er geht Dir auch auf den Wecker. Wer will schon gerne geweckt werden. Der Biorythmus gibt den Takt eigentlich perfekt vor: Genug Schlaf hast Du immer dann, wenn Du von ganz alleine aufwachst.
Auch das haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören. Anstatt auf den Kopf. Wir lassen uns lieber triggern von einem elektronischen Gerät, das unser Bedürfnis des Körpers überlisten und ausschalten soll. Schlaf lässt sich nicht überlisten. Tageweise vielleicht. Wochenweise vielleicht auch. Aber nicht monatsweise.

Der Schlaf – vielmehr der Mangel des selbigen – wird Dich einholen!

Diese Woche steht ganz im Zeichen des Schlafes.
Heute ist Montag, da ist man doch noch gedanklich im Wochenende. Also schleppt und schläft man sich erst mal rein in den Morgen am Arbeitsplatz, schläft in der Arbeit und wird dann rechtzeitig zum Arbeitsende langsam fit und wach. Soweit so gut.
Den Dienstag kann ich sowieso komplett verschlafen. Für mich gilt der Valendienstag nicht. Wie gut, dass ich partnerlos bin. Single zu sein hat Vorteile. Es bleibt mehr kostbare köstliche Zeit für den wertvollen kostbaren köstlichen Schlaf. Generell sollte man den 14.02. natürlich nie verschlafen. Das ist noch schlimmer als den Advent zu verpennen. Zumindest, wenn man sich keinen Ärger mit seinem Partner einhandeln möchte. Ob es cool kommt, wenn man am Valentinstag seinem Partner eine Schlafmütze schenkt? So eine mit Bommel?

2017-02-13

(Anmerkung: Harter Schnitt! Untypisch für eine literarische Abhandlung dieser Art an dieser Stelle.)
Ich habe nie eine spanische Frau näher kennen gelernt. NOCH nicht! 🙂
Aber ich habe mir mal diese kleine witzige mahnende Weisheit erzählen lassen:

Du wirst von Deiner Partnerin zum Essen nach Hause gerufen. Und Du hast… ja richtig! Du hast verschlafen!
Hier gibt es völlig unterschiedliche Charaktertypen. Picken wir uns zwei der Stereotypen heraus.

  1. Eine italienische Frau macht Dir richtig Terz, giftet Dich an und liefert Dir eine Szene vom anderen Stern.
  2. Aber eine spanische Frau! Eine spanische Frau!!! Die wirft Dir gleich mal direkt Deine Sachen zum Fenster raus!

Daher lautet mein Plädoyer für diese Woche: Mindestens 8 Stunden gesunden Schlaf pro Nacht!

Wie ich es schaffe jeden Tag Einen raus zu hauen – Danke an mein Redaktionsteam

Jeden Tag Einen raus hauen. 🙂
Ja, einen Artikel pro Tag. Sieben Tage die Woche. Nicht verwechseln mit „Sieben Tage Sieben Köpfe“.
Seit 31. Juli 2016 schreibe ich hier regelmäßig. So dass dieser Beitrag hier der 190. Artikel wird. Bis auf ein paar einzelne Tage der krankheitsbedingten Unterbrechung gab es von mir stets ein paar Zeilen. Manchmal auch ein paar mehr. Und manchmal ganz viele.

Ich versuche inzwischen nicht mehr nur lange Beiträge zu schreiben bzw. sie wenn dann ggf. aufzuteilen. Meist in Zweiteiler. Es gab aber auch schon längere Serien. Das ist dann fast schon wie in diese Fernsehserien. Am Höhepunkt ist Ende und bis zum nächsten mal bleibt es dann so spannend, dass es einen selbst fast zerreißt. Okay gut, jetzt wollen wir mal nicht übertreiben. Ich schreib ja hier keine Romane.
Halt mal, warum eigentlich nicht??? Hm… gute Idee. 😉

Spannend ist es dann bei Zwei- und Mehrteilern besonders für mich, wenn ich oft zwar schon ein Konzept im Kopf habe, ein paar Stichwörter in die einzelnen Teile verorte und dann erst danach beginne jeweils den kompletten Artikel drum herum zu bauen. Jetzt ist das hier schon ziemlich „Projekt Insight“.
Ich verrate hier gerade doch glatt wie das hinter den Kulissen so abläuft, bis meine Artikel online gehen. Nun, meistens schreibe ich die Artikel am Tag zuvor. Oft aber auch zwei Tage zuvor. Dabei stelle ich dann den Zeitgeber so ein, dass ein Artikel täglich um 17:30 Uhr online geht. Warum 17:30 Uhr? Ich hab keine Ahnung, das hab ich mir mal so überlegt und bleibe seither dabei.
Und es gibt auch einen Leser, der jeden Tag um fast genau 17:30 Uhr online rein schaut. Und mich dann fast immer anruft oder anschreibt, wenn der Artikel nicht pünktlich online ging. Grüße an Dich, Papa. 😉

Aber manchmal habe ich den Artikel eben am Abend des Vortags noch nicht fertig und nehme mir vor ihn dann am nächsten Tag rund zu machen. Das klappt oft, aber selten auch mal nicht und halb fertige Artikel stelle ich nicht online. Also verzögert sich das Ganze dann um ein paar Minuten. Oder Stunden.
Das kam zuletzt ein paar Mal deshalb vor, weil ich… sagen wir… aufgehalten wurde. Nicht von der Polizei. Sondern meist von den Frauen. Gut, ich lass mich aber auch echt zu leicht ablenken und schwupp, gebe ich zu früh nach, lasse mich windelweich klopfen und allzu leicht dazu verleiten das Date doch nicht rigoros genug zu beenden, um rechtzeitig und schnell genug nach Hause zum Laptop zu laufen und wieder pünktlich Einen raus zu hauen. Ich vernachlässige in diesen Momenten tatsächlich meine treuen Leser. 17:30 Uhr mitten in Deutschland. Alle schauen gespannt auf ihr Smartphone bzw. hängen schon mit dem Kopf auf den Handflächen der aufgestützten Ellbogen vor den Monitoren. Nur um zu lauschen was der Junge heute wieder von sich gibt. Sorry an der Stelle. Nicht nur an Papa, sondern an alle Leser. Aber seid Euch gewiss: Wenn ein Artikel nicht um 17:30 Uhr online ging, dann hatte es wirklich seinen Grund. Meistens hatte dieser Grund dann lange dunkle Haare, ich stehe nicht so sehr auf blond.

Sobald ich einen Artikel fertig geschrieben habe, geht er an meinen persönlichen Lektor. Der liest jeden Artikel mehr oder weniger sorgfältig gegen. Und korrigiert. Meistens nur Grammatik, oft aber auch Sinnzusammenhänge. Besonders wenn Referenzierungen nicht passen. Fragt mich nicht was das auf Lateinisch heißt, ich hab diese Fremdwörter in der Schule nie gemocht und es stets abgelehnt sie zu lernen. Mein Abitur hab ich damit trotzdem erreicht. Hah! Wäre ja auch gelacht. Wer braucht schon Latein. Obwohl halt, da gibts so ein Land, dort wird das noch gesprochen. Ich war noch nicht dort, aber wenn man ein ganzes Land danach benennt, dann muss Latein schon noch wichtig sein. Wie hieß dieses Land doch noch. Irgendwo in der Nähe von Amerika muss das sein. Ach, halt. Ja, jetzt fällt mir wieder ein. Lateinamerika heißt es. Da leben zwar nur Amerikaner, aber die sprechen nur Latein, die können quasi gar nichts anderes als Latein zu sprechen. Oder müsste es nicht „lateinisch zu sprechen“ heißen. Egal, jedenfalls hab ich es schon immer gesagt: Die spinnen, die Amis. Da sehen wir es wieder. Wie wird man eigentlich zu einem Latein-Amerikaner? Wenn man jetzt amerikanisch spricht und dann noch Latein(isch?) dazu, hat man sich dann qualifiziert und kann man dann so einen Antrag stellen, Lateinamerikaner zu werden?
Aber Ihr wisst schon, wenn man sich in einem Satz auf etwas beziehen will, das jedoch unlogisch bis unmöglich ist. Unmöglich-logisch. Weil die Referenzierung nicht stimmt. Was weiß ich, was das lateinische Ding dazu ist. Jedenfalls korrigiert das der Lektor. Dankenswerterweise. Aber auch der macht manchmal Fehler. Der Schelm, dieser. Aber auch ein Schelm, wer böses dahinter vermutet. Übersieht er vielleicht auch deshalb etwas, weil er selbst Zeitdruck hat oder weil er gerade keine Nerven dazu hat sich meinen niedergeschrieben teils regelrechten Stuss durchzulesen?

Der Lektor lektoriert jedoch nicht nur, er markiert mir dann auch die Schlüsselsätze oder Schlüsselpassagen in rot. Service für den Leser. Und wörtliche Reden färbt er in blau, wenn sie von (fremden) Protagonisten stammen. Und in rot, wenn sie von mir stammen.

Ist der Lektor fertig, übergibt er den Artikel Lektor-fertig zurück. An mich natürlich.

Jetzt kommt mein Bildredakteur zum Zuge. Nicht Redakteur der Bild. Sondern nur der Bildredakteur. Der schaut nach einem passenden Bild. „Kein Artikel ohne Bild“, hab ich ihm am Anfang des Projekts schon in scharfer Stimme die Leviten gelesen. „Ich will von Dir zu jedem Artikel ein aussagekräftiges oder zumindest interessantes Bild eingeschoben bekommen!“, stellte ich ihm gegenüber klar.
Der Leser heißt zwar so, weil er hauptsächlich liest. Aber er guckt auch gerne bunte Bilder. Das bin ich dem Leser einfach schuldig. Das Auge liest, äh isst, ja schließlich mit.

Ich spreche ja auch keine Frauen ohne Gesicht an. Ah, jetzt wird es makaber. Stopp. Zurück aufs Spielfeld.
Der Experte aus der Bildredaktion pflegt also dank seinem ästhetisch geschulten Auge ein ansprechendes Bild in meine literarische hochglanz-Prosa ein und schiebt mir den Artikel zurück.

Dann lese ich mir den nochmal durch, schaue ob auch wirklich alles passt. Ob auch wirklich alles alles passt. Und dann geht er an meinen SEO (search engine optimization) Mann.
Dort wird der Artikel mit allerlei Schlagworten verschlagwortet. Und korrekt kategorisiert. Damit der große Bruder übern Teich mich leichter findet, Ihr wisst schon. Diese Datenkrake Google. Diese Raupe Nimmersatt, der große Bruder von Orwells Monster. Sorry George Orwell, ich weiß, wir sind selbst Schuld. Du hattest damals schon recht.

Und wenn auch der Part erledigt ist und auch der SEO-Onkel seinen Job gut gemacht hat, dann geht der Artikel mit Zeitschaltuhr auf 17:30 Uhr aufs Fließband, pünktlich zur Veröffentlichung. Genau rechtzeitig zum Feierabend. So dass meine zigmillionen Leser im deutschsprachigen Raum mit der halben Bier in der Hand pünktlich auf dem Weg nach Hause oder bereits zu Hause auf dem alten klapprigen Sofa noch rechtzeitig vor der Propagandaschau, äh Tagesschau, fast live mitverfolgen können, was dieser junge Mann da auf seiner Reise alles erlebt. Und ob er es denn heute schafft, seine Traumfrau zu finden. Fast wie beim Dschungelcamp.
Nur dass ich keine Kakerlaken esse. Und ohne Kameras in meiner Wohnung. Das fehlt noch, gell. Ja. 😉

Wer sind jetzt nur die Personen im Hintergrund, hinter diesem Blog? Die diese unglaubliche Schlagzahl an Artikeln ermöglichen. Mir ist bewusst, dass 7 Artikel in 7 Tagen viel sind. Macht 14 Artikel in 14 Tagen. Oder sogar 30 im Monat. Jeden zweiten sogar 31. Manchmal aber auch nur 28 im Monat, außer alle vier Jahre, dann gibts einen Extra. Das wird dann 2020 erst wieder der Fall sein. Denn am 29. Februar 2016 gabs meinen Blog noch nicht.
Da war ich noch depressiv und oft verheult alleine in meiner Wohnung gesessen und habe meine rote Wand gegenüber meiner Couch bedröppelt dabei beobachtet, wie sie trotz aller Depression und trotz meiner Beobachtungsgabe ihre Farbe nie änderte. Alleine bin ich heute zwar in meiner Wohnung noch immer. Aber: Erstens nicht ständig, ab und zu gibts Besuch. Und zweitens bin ich inzwischen meist sogar ganz gerne auch alleine.

Der Lektor, der Bildredakteuer und der SEO-Onkel. Den Dreien hab ich viel zu verdanken. Sie sorgen für die nötige Qualität meines Schriftgutes. Sie kümmern sich zwar selten – aber hin und wieder auch – um das Inhaltliche. Wenn ich mit meinem Geschreibsel unverständlich werde und mich missverständlich ausdrücke. Und so für mehr Konfusion denn für Entwirrung des Tohuwabohus beim Leser sorge. Passiert selbst dem größten Literaten. Also besonders auch mir. 🙂

Ohne die helfenden Hände wäre es mir in der Tat nicht möglich so regelmäßig und getaktet meine Artikel raus zu donnern. Auch wenn ich viele Geschichten erlebe und auf diese Art Geschichte schreibe, müssen die Geschichten dazu erst noch geschrieben werden. Das ist verdammt viel Arbeit. Zum Glück kann ich das zeitlich so legen, dass das großenteils Freizeit-neutral geschehen kann, wenn ihr versteht was ich meine.

Und an der Stelle danke ich meinen fleißigen Helferlein. Denn ohne Euch gäbe es all die vielen tollen Artikel hier nicht. Ich brauche Euch jeden Tag wirklich sehr, denn ich verbringe einen großen Teil meiner Freizeit da draußen auf der Straße. Spreche Frauen an. Gehe in Bars und Clubs und treffe mich mit Freunden und einigermaßen regelmäßig auch mit Frauen zum Date. Meine Helfer hier halten mir dafür den Rücken und die nötige Zeit frei.
Danke an den Lektor, danke an meinen Bildredakteuer und danke an Onkel SEO.
Zu viert bin ich alleine einfach ein tolles Team! 🙂

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PS: Ich suche noch einen fürs Marketing. Habe gerade eine Stellenausschreibung laufen. Und es gibt auch schon einen aussichtsreichen Bewerber. Mich.

PPS: Danke liebe „tagebuchschreiberin“ für die Inspiration zu diesem Artikel.

Date-Vorschau im Stile eines Fußballspiels

Eine Date-Vorschau. Premiere! Wusch! Sind wir hier im Kino oder was?

Eigentlich nicht, aber spannender könnte es für mich im Moment in der Tat nicht sein.
Alle Zeitungen berichten seit Tagen über das große anstehende Match. Die zwei punkt- und torgleichen Ersten gegeneinander.
Vorgestern habe ich im Wochenausblick darüber geschrieben, dass für heute ein Date ansteht (Wochenausblick auf KW 04/2017). Nicht mit irgend einer Frau, nein. Mit DER Frau. Das erinnert mich spontan an die VW Werbung. DAS AUTO.

Zurück zum Fußball.
Sonntag Abend telefonierten wir doch über eine Stunde und machten ein Date für heute aus.“ Ja ja“, dachte ich mir nur. Mal abwarten. Irgend eine Katze vom Nachbarn wird schon wieder krank werden. Oder der Specht hat sich kurzfristig einschieden ein Loch in den Holzrahmen ihres Fensters zu picken und das müssen die Handwerker dringend spachteln. Irgend so ein Rotz kommt doch meistens, besonders bei den Frauen, die mich auch am meisten interessieren. Merkwürdigkeiten gibt es. Ist das nur so ein Gefühl, dass das miteinander zusammen hängt oder bilde ich mir das nur ein?! Wer weiß.
In der Bundesliga ist das auch so. Du spielst 90 Minuten nur auf ein Tor, fühlst Dich immer sicherer, drückst und drückst. Versiebst eine Großchance nach der anderen. Und in der Nachspielzeit bekommst Du das Ding dann eingeschenkt und fährst mit einem 0:1 völlig desillusioniert nach Hause.
Gut, Fußball ist gerecht. Denn solche Spiele gibt es nur selten. Pickup ist anders. Da stehen solche Ergebnisse an der Tagesordnung. Da kommen die Dateabsagen in der Nachspielzeit wie am Fließband. Aber hey, wenigstens lernt man dabei professionell zu verlieren. Und das ist auch was wert! 😉

Gestern morgen hab ich ihr also eine aufrichtig-schnulzige Nachricht geschickt. Mit einem Vorschlag für einen Ort in ihrer Nähe, dort wo sie wohnt, und eine Zeit. Ein paar liebe Worte dazu. Eine Schleife drum und per Brieftaube abgeschickt.

Einige Minuten später flattert sie ein. Die Brieftaube. Nicht die Frau. So schnell gehts nicht. Leider, welch ein Katzenjammer. 🙂
(Anmerkung: Das Wort fiel mir gerade ein, echt cool. Hab ich lange nicht mehr gehört.)
Gut, und zu meinen doch ganz charmanten Worten kam nur ein kurzes „lass uns nach der Arbeit telefonieren?“ zurück. Ich dachte mir bei so viel Euphorie nur: „Ja ja, da kommt sie noch, die Absage.“
Andererseits hatte ich kurz gegrübelt, dass es komisch wäre wenn sie mir per Telefon absagen würde. Das macht Frau nicht. Frau sagt entweder per billiger Whatsapp ab. Oder gar nicht. Im Zweifel lieber gar nicht. Und meldet sich einfach nicht mehr. Aber per Telefon?! Diese Frau ist und bleibt mir ein Rätsel.

Also schreib ich zurück: „Wann hast Du denn aus?“
Worauf nur eine Uhrzeit zurück kam. Ohne weitere Ausführungen. Keine Smileys. Kein Schnick-Schnack. Puristisch gerade aus, die Frau. Holla die Waldfee. Die Frau liefert mehr Statements als Fragen.
Poker würde ich gerne mal gegen sie spielen. Das wäre was. Ihre Psyche gegen meine. Puh! Im Tanzen verliere ich, das weiß ich ja. Aber kein Mensch sagt ja, dass wir immer nur auf ihrem Terrain spielen müssen.

Wie wäre das wohl im Fußball?

Ich bin überzeugt davon, dass sie eine tolle Stürmerin abgegeben würde. Ich hab in meinem Blog ja ein paar wenige Male anklingeln lassen, dass ich dem Fußball sehr zugeneigt bin. Allerdings als Trainer. Weniger als Spieler. Spielen kann jeder, sage ich immer. Spieler trainieren können nur wenige. Und selbst von denen, die das tun, behaupte ich, dass es kaum einer wirklich kann. Egal. Ich trainiere Spieler lieber. Macht mir mehr Spaß.
Aber sie… sie wäre definitiv Stürmerin bei mir geworden. Charakterlich würde ich sie als eine vollendet veredelte Kreuzung zwischen Miroslav Klose und Luca Toni beschreiben. Die Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit eines Miroslav Klose, gepaart mit der lebendig fröhlichen Art eines Luca Toni. Ein idealer menschlicher Mix. Einnetzen würde sie in jedem Fall am Fließband. Ich glaube sie wäre eine Tor-Maschine!
Sie wäre definitiv eine tolle Stürmerin. Nicht nur ob der vielen Tore und der demzufolge gepachteten jährlichen Torjägerkanone auf Lebzeit, sie wüsste auch immer wo sie zu stehen hätte. Wie im echten Leben. Instinktfußballer, nennt man das. Außerdem so charakterstark, dass sie selbst bei (Fehl)Entscheidungen des Schiedsrichters nicht meckern, sondern es dem Herrn in schwarz mit weiteren Toren quittieren würde. Immer im Training sein. Stets mehr geben als die anderen, ohne es selbst so zu empfinden.

Okay, ich sollte zu so später Stunde keine Texte mehr schreiben. Da kommt echt viel Phatasie raus. Oder rein.
Oder so ein halbes Psychogramm. Sigmund Freud und ich, wir hätten gerade unseren Spaß. So ist das, wenn man am Tag vor dem Erscheinen des Artikels mitten in der Nacht zum Schreiberling wird.

Früher hätte ich mir bis zu ihrem Anruf wahnsinnige Gedanken gemacht. Ohje. Und wann ruft sie an. Und was ist wenn nicht. Und was ist wenn sie dies sagt. Oder dann wieder jenes. Ohje, Ohje.
Wie gut, dass das mittlerweile alles anders ist. Ich machte mir nur kurz Gedanken, da ich die zwei kurzen Text-Antworten von ihr nicht interpretieren konnte. Dafür wären sie zwar kurz genug gewesen, so nach dem Motto: „Ich werde Dir dann später eine ausführliche Rechtfertigung mitteilen, warum das Date nicht klappen wird.“
Andererseits passt das nicht zu ihrer Ankündigung mich anzurufen.
Und ganz außerdem ist sie nicht der Typ für Rechtfertigungen. Sie würde es wie Miroslav Klose machen. Schnörkellos. Wenn sie nicht will, dann haut sie Dir das Ding um die Ohren und rennt ganz profihaft zum Anstoßpunkt zurück. Ohne nach Deiner Meinung zu fragen. So schätze ich das ein.
Dieser Absatz hier wirkt sicher nicht so wie ich es formuliere, man könnte sicher den Eindruck gewinnen, dass ich mir sehr wohl riesige Gedanken bis zum Telefonat gemacht hätte.
Habe ich nicht. Selbst bei dieser Frau, die mich wirklich interessiert, nicht. Kurze Gedanken ja. Danach aber sofort weg damit. Wieder ankommen im Moment. Kein Blick auf später. Die Mühe ist es meist nicht wert. Zu oft kommt es anders als man denkt.

Und dann klingelte mein Telefon auch schon. Ich saß noch am PC im Büro. Und ich war gedanklich auf Absagemodus eingestellt. Konditionierung nennt man das. Wenn man das immer und immer wieder so erlebt. Irgendwann reagiert man, basierend auf dem reichhaltigen Erfahrungsschatz, und geht bei jedem weiteren Male davon aus, dass es so sein wird wie die letzten Male auch. Pawlow und sein Hund lassen grüßen. Nicht verwechseln mit Maslow und seiner Pyramide. Das war ein anderer. Egal.

Und da kommt ein lang gezooooogenes „naaaaaa, wie gehts Dir?“ durch die Leitung.
Ich dachte mir nur: „So fängt kein Telefonat mit einer Date-Absage an! Irgendwas ist hier faul!“
Und das war es auch. Sie war ab der ersten Sekunde mega nett, humorvoll. Machte sich Gedanken wo wir zum Date hingehen könnten. Was denn passend für uns wäre. Und sie kenne sich da in der Gegend nicht so gut aus. Ich war mal wieder fasziniert. Diese Frau zeigt so viele Facetten von sich, ein Fächer ist nichts dagegen. Ihr wisst schon, diese Fächer, zum Wedeln, wenn es heiß ist.

Irgendwann hat sie mir dann einen Elfmeter beschert, also wirklich mustergültig. Den Ball auf den Punkt gelegt, ist ein paar Schritte zur Seite gegangen und hat ja fast danach gebettelt, dass ich den versenke. Besser geht es nicht. Ich nehme also Anlauf…
„Ich war da auch noch nie. Ja ich hoffe, dass das Lokal, das ich mir überlegt habe, toll ist.“, hörte ich für einen Moment eine klitzekleine Unsicherheit ihrerseits heraus. „Aber danke Dir für Deine Vorlage. Den Elfer hau ich Dir rein, kannst Dir nur noch aussuchen ob links oder rechts oben in den Winkel.“, freue ich mich schon innerlich händereibend.
„Weißt Du, das kannst Du ganz entspannt sehen mit dem Ort. Egal wo wir dann sein werden oder zusammen hingehen. Das Tollste für mich bist morgen definitiv Du!“, entgegnete ich wirklich aufrichtig.
Sie kicherte kurz verlegen und freute sich hörbar mit „das geht jetzt aber runter wie Öl!“.

Wir redeten noch ein wenig über den Arbeitstag und ein wenig über uns. Und über privates. Und kurz vor Ende des Telefonats sagte sie zu mir: „Du hast eine echt schöne Telefon-Stimme!“
Das habe ich lange nicht mehr in meinem Leben gehört. Was aber sicher daran liegt, dass die meisten Frauen inzwischen kaum mehr telefonieren möchten. Ihr Satz hat mich wirklich gefreut. Aus einem ganz bestimmten Grund.
Vor einigen Wochen begann ich mich autodidaktisch mit einem Stimmen-Training zu befassen. Das ist ein viel zu unterschätztes Thema. Die eigene Stimme. Die eigene Art zu sprechen. Sobald ich mit einer Frau spreche, spreche ich anders als normalerweise. Ich spreche Freunden oder der Familie gegenüber meist schnell und viel. Und wenn ich dann sehr oft (sehr sehr oft!) gesagt bekomme „Red nicht so viel. Ich komme nicht mehr mit!“, dann antworte ich in aller Regel nur mit: „Ich rede nicht zu schnell. Du denkst nur zu langsam.“
Ich weiß, nicht ganz charmant. Aber hey, es ist meine Familie. Und es sind meine Freunde. Die müssen das abkönnen. Sagte so ähnlich auch schon Jürgen Prochnow als Kaleun in „Das Boot“, „Das muss das Boot abkönnen!“.
Gut, dass Menschen keine Boote sind. Menschen sind lernfähig. Boote nicht.

Zurück zum Thema.
Es ist immer eine Frage der Betrachtungsweise. Aber ich arbeite an mir und versuche längst auch insgesamt weniger und langsamer zu sprechen. Aber in völlig vertrauter Umgebung nicht so bewusst wie mit einer Frau. Mit einer Frau spreche ich mit dem gesamten Resonanzkörper, nicht nur mit dem Kopf. Ein großer Unterschied. Das ist vielleicht mal einen eigenen Artikel wert.

Es hat mich deshalb so sehr gefreut dieses Kompliment von der Frau zu hören, weil es immer wieder etwas im Leben bringt, wenn man an sich arbeitet. Zumindest wird es erstmal wahr genommen. Und das ist doch schon mal was. Dass dann dabei gleich ein Kompliment heraus springt, ist doch toll. Es ist aber auch wirklich harte Arbeit, dieses Persönlichkeitsentwicklungsprogramm der letzten Monate. Pickup ist da wirklich wirklich nur ein kleiner Baustein des Ganzen. Es steckt viel mehr dahinter.

Aufgewärmt bin ich jetzt definitiv für heute. Leicht angeschwitzt, nennt man das im Sport. Die Frage wird nur noch sein, ob das Date heute stattfindet. Sehen wir mal. Und die nächste Frage wird sein, wie die 90 Minuten ausgehen. Otto Rehhagel hat mal gesagt: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“
Na dann. Ab auf’n Platz und drei Punkte holen!

2017-01-25

Philosophischer Sonntag – Momente überholen sich

Endlich Sonntag. Zeit für etwas Philosophisches.

Philosophischer_Sonntag

Gestern fuhr ich nachts mit dem Auto auf der Autobahn zurück vom Familienbesuch nach Hause. Stockdunkel. Alleine, nur alle paar Minuten mal ein Auto. Ich genoss die Fahrt und wollte nicht früher ankommen als nötig. 130 maximal. Auf der mittleren Spur. Die weißen LED Scheinwerfer leuchteten die Fahrbahn aus. Links und rechts breiteten sich die Spuren gefühlt zu einer Flugbahn aus. Und ich empfand die Fahrt als eine in Richtung Horizont. Weite und Breite. Weit und breit alleine.

Die Boxen donnerten einen meiner Lieblingssongs, „Halo“ von Beyonce. Erhaben. Großartig. Gefühlvoll.

Und ich spürte in dem Moment eine Glücklichkeit. Glücklichkeit im Moment zu sein. Nicht glücklich über den Moment an sich und nicht glücklich über das Jetzt an sich. Nicht darüber, dass alles genau so ist wie es ist in meinem Leben. Sondern eine reine Glücklichkeit im Moment zu sein, ihn wahr zu nehmen. Als einen Moment. Natürlich kamen mir auf der Fahrt Gedanken zu früher und zu den letzten Monaten. Einzelne Ereignisse hier und da. Und ich konnte all diese Gedanken jeweils sofort und ohne umschweife wieder beiseite schieben.

Während mir Beyonce mit ihrem Songtext die Zukunft vorweg zu nehmen schien (wer den Songtext kennt…), hob ich ab. Eine Ebene nach oben. Von der Mikro-  zur Makro-Ebene. Raus aus dem einzelnen Gedanken. Rein in die Über-Gedanken. Und ich beobachtete mich selbst. Die Beobachter-Perspektive ist oft viel wichtiger als die eigene. So stellte ich mir selbst die Frage: „Wie lange mag dieses schöne Gefühl gerade anhalten?“

Das Leben im Jetzt fordert eine streng schonungslose Besinnung auf den stets aktuellen Moment. Moment für Moment. Sie lösen einander ab. Alles ist vergänglich, ist so eine zwangsläufige Erkenntnis. Wir alle machen unsere Erfahrungen mit der Vergänglichkeit, früher oder später. Leben im Jetzt heißt auch leben im Moment. Durch die Ablösung eines jeden Moments durch den nächsten, vergrößert sich auch die Erkenntnis über die stete Änderung von allem.

Mir fiel während der Fahrt bildhaft eine Gruppe Rennradfahrer ein. Wenn sie hintereinander im höchsten Tempo dicht an dicht den Weg entlang kurbeln. Bis der Hinterste ausbricht, alle überholt und sich ganz vorne einreiht. Damit die neuen Hinteren im Windschatten fahren können. Der sportliche Askpekt soll an der Stelle keine Rolle spielen. Das Überholen und erneute überholt werden ist Symbol für die Abwechslung der Momente. Zurecht kann man bemerken, dass das Überholen der Momente ein Selbstzweck des Lebens zu sein scheint.
Wir sind nicht gefangen im Eis. Also wechseln sich Momente stets ab. Sie überholen sich. Einer den nächsten.

Und bei allem Leben im Jetzt wird klar, was die Beobachter-Perspektive hervor bringt. Die sichere Erkenntnis, dass sich alles abwechselt. Auch der schönste Song mitten in der Nacht. Auch das schönste Gefühl, das man in dem Moment empfindet.

Im Jetzt zu leben wäre zu kurz gegriffen. Es ist weiter noch die Erkenntnis, dass sich ständig alles ändert. Selbst das tolle Gefühl mit Beyonce, alleine auf der Fahrt. Niemand anders der in dem Moment irgend etwas besser weiß. Niemand anders, der in dem Moment für einen entscheidet. Niemand anders, der Dich gerade beeinflusst.

Und das ist für mich das Besonderste dahinter. Zu wissen, dass – egal was passiert sein mag – dieses Gefühl von gerade, im Jetzt, wieder vergehen wird. Alles ist vergänglich. Wie die schönsten, so auch die schlimmsten Momente des Lebens. Es ist eine neue Stufe des Lebens im Jetzt. Es ist eine Erweiterung. Raus aus der Mikro-Ebene. Rein in die Makro-Ebene.

Alles wechselt sich ständig ab. So wie mit den Rennradfahrern. Das schenkt Trost in schlimmen Momenten. Und nimmt überschwängliche Euphorie in den schönsten Momenten. Die Kunst hinter dieser Erkenntnis liegt darin im vollständigen Bewusstsein im Jetzt zu Leben, ohne den Moment als integralen Bestandteil der eigenen Zukunft wichtig zu nehmen. Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Nur Jetzt. Wir sind nur da um zu lauschen. Und wir haben das sichere Wissen, dass sich stets alles abwechselt. Auch die schönste Fahrt auf der Autobahn im Dunkeln wird abgelöst werden. Durch den nächsten Moment. Vielleicht wenn man Zuhause ankommt. Vielleicht schon früher.

Momente lösen tatsächlich stets einander ab. Mehr noch, sie überholen sich. Lass Dich nicht überholen, sondern lausche. Und sei der Überholer. Oft genug kannst Du es nicht beeinflussen, wann ein Moment zuende geht. Kannst Du es aber, dann überhole, ohne überholt zu werden.
Und wann immer es nicht gelingt, kannt Du wissen, dass ein nächster Moment bereits um die Ecke wartet. Er wird kommen. Und Dich wieder ein Stück weiter mitnehmen auf Deiner Reise. Das Leben ist eine einzige Überholspur von Momenten. Nimm es an wie es ist und wann immer Dir ein Moment gefällt, kannst Du versuchen ihn zu entschleunigen. Und ein Stückchen länger zu genießen… im sicheren Wissen, dass auch der schönste und längste Moment überholt werden wird.