Prä Philisophischer Sonntag – Einblicke eines ungewöhnlichen Schreibers

Es ist Sonntag, laut Wikipedia ist heute der ranghöchste Feiertag des Kirchenjahrs. Wikipedia sagt außerdem: „Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling […].“
Das ist wohl faktisch so, nicht nur postfaktisch.

Philosophischer_Sonntag

Aber heute wird es präfaktisch

Es wird ein Philosopischer Sonntag. Endlich mal wieder, Zeit wurde es. Obgleich es heute kein gewöhnlicher, weil gewohnter, wird. Es wird ein Prä Philosopischer Sonntag, ein Einblick in einen Sonntag aus meinem Leben. Ein Sonntag, der damit begann, dass ich kurz nach dem Aufwachen Lust bekam zu schreiben. Und dann tue ich das. Jetzt.
Aber der Reihe nach…

Ich wache auf in meinem gefühlt riesigen Doppelbett, wie immer auf meiner Seite. Als wäre jemand auf der anderen. Und mein Alltag an freien Tagen hat in kleinen Dingen Routine bekommen, eine andere als früher. Noch im Bett schaue ich mir erst mal Motivations-Videos an, Youtube macht es möglich. Nein, nicht diesen „tschakka-Du-bist-der-Beste“-Quatsch, sondern Videos zur Persönlichkeitsentwicklung. Natürlich auch „wie spreche ich eine Frau an?“, aber auch „worauf kommt es an, in der Ausstrahlung?“ oder „was ist Attraktivität?“. Könnte man nun sagen, „aber Du weißt doch inzwischen längst wie Du eine Frau ansprichst!“. Ja, natürlich weiß ich das. Darum geht es mir aber nicht. Es geht darum den Lebensstil zu festigen. Eine eigene – neue – Realität zu erschaffen. Bzw. zu erhalten und auszubauen. Keine Postrealität. In diesem Fall durch die Wiederholungsmethode. Je öfter Du etwas machst, desto besser wirst Du darin. Wo wir wieder beim Prinzip von Ursache und Wirkung sind. Es wäre arrogant zu glauben, dass man „etwas bereits kann“. Aus dem Standpunkt einer Fortschrittszeitachse kann man gar nichts. Relativ gesehen. Ein Christiano Ronaldo hätte mit 16 auch sagen können: „Ach, ich kann doch schon alles!“. Die Frage stellt sich dann nur nicht einmal, ob er später auch 2008 und 2016 Weltfußballer geworden wäre. Hätte er 2008 praktisch aufgehört besser zu werden, wäre er auch 2016 nicht erneut Weltfußballer geworden. Das ist es, was ich meine. Nicht aufhören besser zu werden!

Franz Beckenbauer soll mal gesagt haben: „A bisserl was geht immer!“

Es gibt aus meiner Sicht keinen besseren Start in den Tag, als sich beim Aufwachen bereits bewusst zu machen, worum es geht. Weiterbildung und Motivation zugleich. Jeder Coach hat eine andere Art. Jeder Journalist eine andere Ansicht. Jeder Lehrer eine eigene Didaktik. Also schau ich mir so viele an wie möglich, Coaches, Journalisten und Lehrer.

Während für mich Youtube seitlich liegend im Bett anlief, kamen ein paar Whatsapp-Nachrichten rein. Der Flugmodus in der Nacht sorgt für einen Stau auf der Datenautobahn.

Also ab ins Bad und kurz waschen. Ab in die Küche. Baguette mit Camembert, stand für mich schon im Bett fest. Mit Ei? Ja, heute schon. Ein Spiegelei, sunny side down – ich mag generell nichts Rohes.
Dazu kurz die Kaffeemühle angeschmissen, frisch gemahlene Espressobohnen in die Mokka-Kanne gepackt und ab dafür. Mit heißer Hafer-„Milch“, mal nichts von der Kuh. Denn ich bin ja auch kein Kalb.

(Anmerkung: Weil Du Dich an der Stelle bestimmt fragst: „Was kostet die Hafermilch denn?“ 😉 1,25 Euro bei DM, pro Liter. Man kann sie sich leisten, wenn man will. Und sie schmeckt besser als Milch, finde ich.)

Nur mal nicht größenwahnsinnig werden

Alleine esse ich meist auf meinem Couchtisch und nicht an meinem 6-Mann-Riesen-Tisch. Wobei es fast etwas königliches an sich hat, alleine auf einem der 6 Stühle zu sitzen. Ich überlege bei der Gelegenheit den Platz zu wechseln. An die Längsseite statt an der Breitseite, das wärs. Würde meiner gerecht(er) werden. Jetzt wird er größenwahnsinnig, der Junge.

Also ab auf die Couch, Playstation anschmeißen. Zum Frühstück?! Ja, zum Frühstück. Auf der Playstation gibts nämlich auch Youtube. Und? Richtig…! Da gibts die gleichen Videos wie auf dem Handy. Also gehts weiter mit der Bildungslektüre. „Was, wenn sie sagt, dass sie einen Freund hat?“ oder auch „Auftreten vor Gruppen“ oder „Was einen Mentor von einem Schüler unterscheidet“ und so weiter und so fort. Es gibt so viele Fragen und noch viel mehr Antworten. Letztens sah ich mir einen Vortrag über Outfits an, wie Mann sich kleiden sollte. Fand ich witzig, dass der Redner den selben Stil pflegt, einfarbige Hemden ohne Brusttaschen. Skinny Jeans. Keine Markenprahlerei. Dezente Accessoires. Es gibt also auch noch Männer mit Geschmack, dachte ich mir. Noch (?) nicht jeder läuft also herum wie ein Schlumpf.

(Anmerkung: Ich habe nichts gegen die Schlümpfe. Die finde ich sogar cool. Aber der Ausdruck „Schlumpf“ gefällt mir so gut und den nutze ich gerne als Synonym für grotesk aussehende Humanoide.)

„Wie läuft denn ein Schlumpf herum?“

Ganz ehrlich, einfach mal Augen auf in der Stadt. Fast alle, so viele. Wirklich. Da würde mich wirklich interessieren, besonders da ich so viele weibliche Leserinnen hier habe, was Ihr dazu denkt. Weibliche Leserinnen, gibts den Ausdruck eigentlich? Egal. Also Ihr wisst schon. Weibliche Leser halt. Oder weibliche Leserinnen. Euch meine ich in diesem Fall, nicht jedoch männliche Leser oder männliche Leserinnen. Euch nicht. Mich interessiert wirklich sehr, ob nur mir das so vorkommt, dass die meisten Männer (sagen wir die Jungs ab 18 – drunter wäre „Schlumpf“ ja für die meisten Kiddies noch ein Kompliment!) wie Schlümpfe herumlaufen? Bling bling hier und da, irrwitzige Farben der Schuhe (rote Sneakers!), Klamotten die so groß wie Zelte sind. Apropos enge/weite Klamotten, der Redner auf dem Youtube-Video hat etwas echt Gutes gesagt: „Du solltest die Klamotten formen, nicht die Klamotten Dich!“ Falsche (Kunst-!)Lederjacken, zerrissene Hosen mit so vielen Seitentaschen, als würde die Person selbst einen wandernden Rucksack mimen wollen. Dazu Tattoos so weit das Auge reicht und Piercings, die trotz vielen Gramm an zusätzlichem metallernen Körpergewicht auch keine bessere Seele aus dem Träger machen.

Prä- und Post-Philosophie

Und während ich das Youtube-Video schaue, sprudeln die Ideen für einen neuen Artikel. „Es ist Zeit für den Philosophischen Sonntag“, denke ich mir. Nur heute mal anders. Prä-philosophisch, sozusagen.

Und wo ich langsam ans Ende meines Artikels komme, wird mir bewusst, dass ich heute noch meine Präsentation fürs Studium fertig stellen muss. Es geht auch dort um Philosophie. Aufgabe ist eine Recherche zu einem philosophisch-wissenschaftlichen Text eines Philosophen aus der Neuzeit. Irrwitzig, dass ich Texte von Philosophen recherchieren und analysieren soll, wo ich doch längst meine eigenen Texte solcher Art schreibe. Das ist für mich Studium par excellence. „Post-Studium“ aus meiner Sicht. Meiner Zeit hinterher.

Oft kommen mir die Ideen für die Artikel live. Erst sobald ich dann anfange zu schreiben, passiert etwas in mir. Aus der Stille entwickeln sich Gedanken. Youtube läuft längst nicht mehr. Ich schreibe dann nur noch, und beschreibe. Dann ist das für mich wieder diese Art der Meditation, die mir so gut tut. Es geht darum sich weiter zu entwickeln, schrieb ich oben. Schreibe ich hier auch schon seit Monaten. Es geht aber auch darum – und das ist der zweite große Grund warum ich mich so wiederholend mit den gleichen Themen beschäftige – das eigene Profil zu festigen und zu schärfen. Verbesserung und Fortschritt sind zwei Dinge, denen viele Menschen nachjagen. Manchmal hilft aber auch erst mal stehen bleiben und schauen wo man steht. Und das was man ist, sich bewusst zu machen, anzunehmen und (auszu)leben. Verbessern kommt erst danach.

Ob das der Grund ist, warum viele Menschen sich stets verbessern wollen und letztlich nur irgendwo an sich herumdoktern, ohne auch nur einen Millimeter voran gekommen zu sein? Weil der eigene Ausgangspunkt unbekannt und deshalb unklar ist. Bleiben deshalb viele Menschen auch „nur“ kognitive Schlümpfe?

Und so wird aus einem prä Philosophischen Sonntag doch noch ein bisschen ein post Philosopischer Sonntag. Nicht wahr?

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Philosophischer Sonntag – Alles über nichts

Der heutige Philosophische Sonntag wird ein kurzer. Einer zum kurzen knackigen Nachdenken. Wenige Worte statt vieler.

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Heute geht es um Besserwisser und Expertentum

Das ist nicht nur auf den Job zu beziehen. Es geht auch um das Privatleben. Die Tendenz auf unserer Welt geht immer mehr in Richtung Expertentum. Wer ist denn heute noch in der Lage relativ viel selbst zu tun? Kaum tropft mal ein Wasserhahn, benötigen wir einen Handwerker. Geht mal der PC nicht, dann muss irgendwer aus der Familie oder dem Freundeskreis einspringen. Bei Versicherungen haben wir schon drei mal keine Ahnung welche nun nötig ist und welche nicht. Sofort muss der Vertreter her. Beim Kochen wird nur noch exakt nach Rezept nachgemacht. Eigene Entscheidungen auf fremdem Terrain? Fehlanzeige! Alles Beispiele aus dem Privatleben.

Und im Job sieht es noch schlimmer aus. Da gibt es zig verschiedene Experten für jedes unterschiedliche System. Egal welcher Art. In der Produktion das Gleiche. Am Fließband macht jeder Arbeiter fast nur noch einen Handgriff, dafür den ganzen Tag immer den gleichen. Wie ein Roboter. Aber seinen Nachbarn am Posten daneben kann er nicht ersetzen. Selbst in den einfachsten Tätigkeiten sind wir Experten geworden. Experte für dies, Experte für das.

Ist das wirklich gut?

Es gibt einen weisen Mann, den ich sehr verfolge. Besser gesagt seine Reden und Texte. Und er sagt so schön:

„Die Menschen wissen immer mehr von immer weniger. Bis sie irgendwann alles über nichts wissen. Dann überschlägt es sich.“

Philosophischer Sonntag – Warum man nicht viel Glück braucht

Man, hast Du kein Glück gehabt!

Neulich im Telefonat mit einem Kumpel…
habe ich mich zum heutigen Philosophischen Sonntag inspirieren lassen…

… und wir kamen auf seine erfolgreich abgeleistete Theorieprüfung zu sprechen. Der junge Mann ( 😉 ) macht gerade seinen Führerschein. Stolz erzählte er mir davon, dass er seinen Theorietest bestanden hat. Weiter ging es dann um die Frage, ob er im Vorfeld viel dafür gelernt habe oder nicht.

Er sagte: „Es war klar, dass ich bestehe.“
„Ja, warum?“
„Weißt Du, meine Eltern haben mir vorher auch viel Glück gewünscht. Aber was ist Glück? Wer braucht schon Glück? Für wen soll Glück nötig sein? Glück ist etwas für Verlierer! Ich hab vorher viel gelernt, da brauche ich kein Glück!“

Manchmal haut er echte Statements raus, fast wie ein Großer! 🙂
(Anmerkung der Redaktion: Gehört hier zwar nicht inhaltlich in den Artikel, aber es unterliegt der journalistischen Freiheit des Blogbetreibers aus inhaltlichen Themen abzuschweifen und zu sagen: Ich liebe solche Ecken und Kanten an Menschen. Und noch mehr liebe ich sie, wenn sie gezeigt werden!)

Aber Recht hat er! Genau so sehe ich das auch.

Im heutigen Artikel habe ich die Pointe vorweg genommen und komme erst jetzt zu ein paar ergänzenden Worten. Normal führe ich stets zur Pointe hin, heute führe ich hinter her.

Schwein gehabt!

Glück ist etwas, das man haben kann. Oder nicht haben kann. Selten selbst beeinflussbar, echtes Glück jedenfalls. Fraglos sollte der eigene (Lebens-)Weg nicht davon abhängen. Es ist wie ein zusätzlicher Bonus. Nicht ein Bonus, sondern ein zusätzlicher Bonus. Der Bonus der Bonusse sozusagen.

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Wenn man am Jahresende einen Bonus erhält, einen finanziellen beispielsweise, dann freut man sich. Besonders wenn man damit nicht gerechnet hat. Weiß man aber im Januar schon, dass man in 11 Monaten ziemlich sicher einen Bonus bekommen wird, dann…? Ist die Überraschung weg! Der Bonus-Effekt geht verloren, bzw. erscheint nie, und der Bonus (das Geld) ist schon verplant, bevor es überhaupt auftauchen konnte. Tragisch, das nimmt dem Bonus die Magie. Und der Bonus ist an der Stelle nur eine Metapher für das Glück.

Glück kann man nicht kaufen. Glück kommt von Zeit zu Zeit und verschwindet selbstständig wieder. Man kann es aber manchmal ein bisschen (er-)zwingen. Manchmal muss man auch lange darauf warten, dass das Glück wieder zurück kehrt. Fortuna kann nicht mit allen Menschen gleichzeitig in die Kiste hüpfen. Auch wenn es so scheint, dass das Glück manchen Menschen in die Wiege gelegt wurde. In Wahrheit ist es meist anders. Meist steckt wirklich harte Arbeit dahinter, selbst wenn es so aussieht, als ob das alles nur Glück wäre. Und wenn es nur die Kunst des Umgangs mit dem in die Wiege gelegt Bekommenen ist, so ist es dennoch Arbeit und Disziplin.

Glück kommt von Zeit zu Zeit. Und dann darf man es dankbar annehmen und wirken lassen.
Und demgegenüber sollte Glück dennoch nicht nötig sein. Da hat er schon Recht, mein Kumpel. Wann immer man hart für etwas arbeitet, stellen sich die Resultate früher oder später (bei mir erfahrungsgemäß – bis auf das Thema Liebe 🙂 – eher früher als später!) von ganz alleine ein.

Pech, wie war das doch gleich?

Man kann auch mal Pech haben und ein Ding versauen. Pech ist in solchen Situationen nicht immer sehr simpel als das Gegenteil von Glück zu sehen. Pech gibt es ebenso in verschiedenen Varianten. Es gibt das gemeinhin bekannte: „Pech gehabt!“ Das kann man mit Faulheit gleichsetzen. Fast in allen Situationen liegt der Fehler im System. Also an Dir oder mir selbst. „Pech“ hat man nicht einfach, Pech erarbeitet man sich im Vorfeld. Meistens durch Faulheit, gespickt mit Unvermögen. Keine Sorge, an beidem kann man arbeiten. So hart es ist, aber es geht.

Es gibt aber auch das „echte Pech“.
Und das kann, genau wie Glück, genauso einfach von Zeit zu Zeit kommen und einem Menschen die hässliche Seite des Lebens zeigen. Selten kann man diese Art des Pechs wirklich beeinflussen. Und dennoch sollte auch aufkommendes Pech es nicht vermögen können das Leben aus der Bahn zu werfen. Dann ist man gesund. Wenn die Fundamente stimmen, kann Dir Pech genauso wenig anhaben, wie Dir Glück den alles überragenden Weitwurferfolg des Lebens bescheren kann. Es ist nur eine Illusion, an die zu viele Menschen glauben und irgendwann erkennen, dass Glück alleine nicht glücklich machen kann. Glück ist kein Selbstzweck!

Agonist und Antagonist?

Stimmen die Fundamente, blättert Dir Pech maximal ein bisschen das Makeup aus dem Gesicht.
Stimmen die Fundamente, ist Glück das i-Tüpfelchen.
Eines bedingt das Andere. Jeder Mensch hat manchmal Glück und manchmal Pech. Es ist die Kehrseite der gleichen Medaille. Lerne mit beidem umzugehen und als einen Bestandteil Deines Lebens anzunehmen.

Und darum verlasse Dich nicht aufs Glück. Glück kannst Du mitnehmen, wenn es kommt. Arbeite stattdessen hart, zuerst an Dir. Dann an Dingen. Und werde frei von Glück und von Pech. Werde stattdessen Dein eigenes Glück, täglich. Werde eine Glücksmaschine. Indem Du fleißig bist. Immer und überall. Zuerst mit Dir, danach in den Dingen im Außen. Dann wird klar, dass jede Glücksmaschine in Wahrheit eine Fleißmaschine mit eingebauter Erfolgsgarantie ist.

Stimmt schon so, Glück ist etwas, das Verlierer benötigen.
Gewinner nehmen Glück an, ohne es zu brauchen.

Ich habe nach dem Telefonat über die Aussagen meines Kumpels gegrübelt und mir bewusst gemacht, dass der tiefere Sinn daher wohl der Grund dafür ist, warum ich anderen Menschen vor anstehenden Aufgaben und Prüfungen schon seit vielen Jahren stets „viel Erfolg!“ wünsche…

200!!! Ein echter Zufall!

Was für ein Zufall! 200!!!

Dieser Blog erblickte das Licht der Welt am 31.07.2016.
Heute ist der 17.02.2017.

Ich hätte mit dem Zeigefinger am Wandkalender alle Tage einzeln Revue passieren lassen und durchzählen können. Über den letzten Sommer, hinein in den Herbst und weiter bis jetzt in den zum Glück inzwischen nicht mehr nur eiskalten Winter. Und mein Wandkalender, oder viel mehr meine Zählkunst, hätte mir verraten, dass dieser Blog heute 200 Tage alt geworden ist. Rekord. Heute. Tadaaaaa!

Und jetzt kommt der echte Hit!
Meine Administrationsoberfläche in WordPress verrät mir natürlich ebenso etwas. Und zwar sagt sie mir, dass dies der 200. Artikel ist! Tadaaaa!

200 Artikel in 200 Tagen!?
Unglaublich! Verrückt! Wahnsinn! Total durchgeknallt! Absolut irre!

Während Jules Verne in 80 Tagen einmal um die Erde rum ist, hab ich das jetzt schon 2,5 mal geschafft! Nebenbei überholt. Auf der linken Spur sozusagen. Gaspedal durchgedrückt und BRRRRRR mit donnernd vibrierendem Auspuffrohr vorbei. Sorry Jules!
Ich hab Dich nie kennen gelernt. Dafür bist Du 112 Jahre zu früh gestorben oder anders gesagt, ich lebe 112 Jahre zu spät für Dich. Da Du aber Franzose warst, wäre es mit der Verständigung kompliziert geworden.

Französisch hatte ich mal freiwillig im Nachmittagsunterricht in der Schule. Das ist schon eine Zeit lang her. Gemerkt hab ich mir gar nichts davon. Vielleicht lag es auch an der alten Französisch-Lehrerin, die war didaktisch so mega schlecht wie das Kratzen der Kreide an einer alten rauhen Tafel. Pfui. Rote Karte.

Nichts gegen das Alter eines Menschen, ganz im Gegenteil. Ich stehe auf Gespräche und den Umgang mit älteren Menschen, deren Sicht auf die Dinge ist in aller Regel weit weniger ich-bezogen.
Bei der besagten Lehrerin ist es jedoch so, dass ich empfohlen hätte sie vorzeitig in den Ruhestand zu schicken. Ihr hat das Alter zwar nicht geschadet, würde ich behaupten, aber geholfen hat es ihr auch nichts. Und das ist tragisch.
Da gibts einen Spruch, den hab ich von meinem Papa, der passt gut zu solchen Situationen: „Dumm geboren und nichts dazu gelernt!“
Wenn das Alter einem Menschen schon nichts bringt, was denn dann? Wenn das Letzte, das niemand aufhalten kann, – Zeit – im Leben eines Menschen auch noch obsolet wird, weil es ihm einfach nichts bringt, die letzte Bastion sozusagen auch noch gefallen ist, dann… ja dann…?

Okay, jetzt aber schnell wieder die Kurve kriegen, vom düster neblig deprimierten Endzeit-Gefühl zum leicht verdaulichen Humor. Apocalypse not now anymore.
Wenn ich damals schon der heutige Dieter Bohlen gewesen wäre, dann hätte ich im Unterricht bei ihr auf den roten Buzzer gedrückt. MÄÄÄÄÄÄP!

Französisch klingt zwar toll, aber ich empfand es als Zumutung diese Sprache zu lernen. Nicht falsch verstehen, nichts gegen die Sprache. Sie ist schön. Sie ist nur wahnsinnig kompliziert. Das ist der Grund, warum ich froh bin mit Deutsch aufgewachsen zu sein. Deutsch ist – glaube ich – ähnlich schwer. Anders ähnlich schwer. Als Ausländer Deutsch zu lernen muss auch eine Zumutung sein. Egal ob freudig oder nicht. Zumutung bleibt Zumutung. 🙂

200 Artikel in Deutsch!
Könnte ich Französisch, hätte ich auch mal einen in Französisch rausgehauen. Kann ja noch kommen.

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Englisch ist herrlich einfach dagegen. Italienisch ist auch noch verhältnismäßig einfach. Aber Französisch…
Ich hatte aber auch noch nie eine französische Freundin, vielleicht würde ich das dann anders sehen…? Ganz sicher würde ich das dann ganz anders sehen! 😉

Von Jules Verne habe ich noch nie etwas gelesen. Am Rande jedoch mit halb offenem Auge mitbekommen, dass er da ein paar Meisterwerke für sich verbuchen kann. Aber für Romane hatte ich auch noch nie viel über. Das kommt erst im Alter wahrscheinlich…? Wenn man bis dahin als junger Rebell erkannt hat, dass alles Wissen und Verstehen auch nicht viel am großen Ganzen ändert. Dann kann man Romane lesen. Nein, das ist nicht pessimistisch gemeint, sondern real.200 Artikel in 200 Tagen. An ein paar vereinzelten Tagen gab es auch mal keinen Beitrag von mir, aufgrund Krankheit. Dafür hatte ich insgesamt über die Zeit auch sehr vereinzelt mal zwei Artikel an einem Tag veröffentlicht. Ein schöner Zufall, der sich da ergeben hat. Manche würden dabei von Wunder sprechen, 200 in 200. So exakt. So punktgenau. So magisch. So einzigartig. 😉Ist das bei 6 Richtigen im Lotto Zufall oder ein Wunder, wenn man derjenige ist, der die Gewinnbenachrichtigung erhält?
Ich will das hier nicht weiter ausführen. Das wäre stattdessen etwas für den Philosophischen Sonntag… *hehe*
Ob es in 400 Tagen dann 400 Artikel sein werden? Ich weiß es nicht. Wie auch. Aber eines kann ich sicher sagen: Mein Projekt Beziehung ging ganz anders los, als es sich bis jetzt entwickelt hat. Die Zielrichtung hat sich bis jetzt nicht verändert. Aber die Sicht auf die Dinge. Und der Weg. Und die Grautöne zwischen Schwarz und Weiß. Wundervoll! Die Zeit hat mir gut getan. Dazu morgen mehr.

Apropos hohes Alter… ich befürchte, dass ich auch im hohen Alter immer noch ein junger Rebell sein werde…! Und immer noch keine Romane mag. Aber bis dahin einen geschrieben haben werde. Vielleicht über einen jungen Rebell, der keine Romane mag.

Philosophischer Sonntag – Was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet

Es wird mit diesem Artikel ein sehr dünnes Eis, das ich betrete. So dünn, dass die meisten Menschen diesen Beitrag zwar komplett lesen, aber hierbei vermutlich mit ihrer Meinung aussteigen werden. Nicht beim Lesen des Artikels, denn dazu ist er viel zu interessant. Interessant anders. Aber die meisten Menschen werden im Anschluss aussteigen, und wenn nicht, dann spätetsens bei der Umsetzung.
Da ich aber nicht auf der Jagd nach möglichst viel Zustimmung bin, ist dieser Philosophische Sonntag für mich ein besonderer, und zwar in der Art, dass er nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

Es geht um die Frage, was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet. Klingt zunächst merkwürdig. Gut gemeinte Freundschaft? Echte Freundschaft? Was soll das?

Mir fällt immer wieder auf, dass Freunde untereinander Freundschaft still und heimlich folgendermaßen definieren: „Wenn Du in einer Sache nicht so denkst wie ich, dann sage ich Dir wie ich denke. Und ich will, dass Du in Zukunft auch so denkst wie ich. Denkst Du dann immer noch nicht so wie ich es will, dann bist Du nicht mehr mein Freund.“

Das gilt natürlich in einer Sache und Situation in aller Regel nicht für immer. Aber für wenige Minuten, beispielsweise für das Telefonat oder das eine Treffen, das soeben stattfindet. Es wird dann frostig im Miteinander. Es wird bisweilen auch leicht bissig. „Ja, musst Du selbst wissen wie Du weiter machen willst!“, kommt es dann mal um die Ecke gegiftet.
Kennt sicher jeder von uns.

Was steckt dahinter?

Es ist der Anspruch der einen Person zu glauben, dass seine eigene Meinung „besser“ sei als die des Freundes. Gut gemeint, eben. „Gut“ impliziert aber, dass die andere Meinung schlecht sei. Ist sie das wirklich…?
Sie ist anders. Punkt. Das wars. Nicht mehr als das. Sie ist anders.

Und in einer „gut gemeinten Freundschaft“ meine ich immer, dass das gut ist, was ICH FÜR GUT BEFINDE. Es wird ein allgemeingültiger Glaubenssatz, nennen wir es ein Dogma. In Wahrheit geht es in so einer Konstellation also gar nicht darum was der Freund wirklich will, gerade benötigt oder sich nur wünscht. Sondern es geht MIR in diesen Situationen darum, dem Freund das drauf zu drücken was ICH für richtig halte. Mit welcher Berechtigung? Wie kann ICH für IHN entscheiden was gut und richtig ist? Und noch weiter stellt sich die Frage: „Warum reagiere ich darauf mit Freundschaftsentzug?“

In einer Partnerschaft gibt es das übrigens mehr als genauso. Da äußert sich das dann letztlich in Liebesentzug, so gibts eben keine Streicheleinheiten, kein Kuscheln und keinen Sex mehr.

Und immer steckt das gleiche Muster dahinter. Dass man unzufrieden ist mit der Meinung des Anderen. Und es folgt Bestrafung dafür. Man kommt jedoch tatsächlich viel weniger mit der Meinung des Freundes nicht klar, als viel mehr mit sich selbst nicht.

Das mag ich näher erläutern: Wenn der Freund oder der Partner anders denkt als ich, dann ist das nicht schlechter oder besser. Komme ich mit der Meinung des anderen nicht klar, dann ist das MEIN Problem. Nicht seines. Denn er hat seine Meinung ja. Und die ist offenbar anders als meine. Und damit kommt wer von uns beiden nicht klar? Nochmal, richtig, ich! Also habe ICH ein Problem damit. Nicht er. Er bittet lediglich um Hilfe und Unterstützung.

Ich bin da längst anders. Komplett anders. Dank diesem langen Weg, den ich in den letzten Jahren eingeschlagen habe. Den kann ich als Weg zur eigenen Unabhängigkeit und Zufriedenheit nur gut heißen.

Wenn ein Freund eine andere Meinung hat als ich, dann nehme ich das wahr. Ich nehme es einfach nur wahr, indem ich es bemerke. Punkt. Und dann überlege und mitfühle und nachfrage, warum er so denkt. Um IHN zu VERSTEHEN.
Und wenn es anschließend darum geht, was für ihn gut oder schlecht ist, dann frage ich mich nicht in erster Linie was ICH für GUT oder SCHLECHT halte, sondern was ER für gut oder schlecht hält. Um zu…?

Und jetzt kommt der große Unterschied zwischen einigen wenigen und den meisten Freundschaften. Es ist hart das zu hören, ja ich weiß. Aber so funktioniert die Realität nun mal. Hart und ungerecht. Aber lieber echt, als gut gemeint. 😉

Der Unterschied ist nun, nachdem ich verstanden habe wie mein Freund (oder auch mein Partner) denkt, dass ich alles daran setze ihn in seinem Glauben zu bestärken und zu unterstützen. Er benötigt ganz offenbar Unterstützung. Und nicht in erster Linie immer einen klugen Ratschlag und Trick siebzehn. Keine Klugscheißereien. Das Hineinfühlen in die Situation des Anderen ist schon an sich so komplex, dass mir ein Urteil aus der Ferne gar nicht zusteht. Nicht weil es mir per se nicht zustehen würde, sondern weil ich die Situation AUS SEINER SICHT gar nicht EINFACH MAL SO nachempfinden kann.
Unterstützen kann ich nur etwas, das schon als Idee bei ihm vorhanden ist. Anderenfalls müsste ich etwas neu erschaffen. Das ist aber nicht gefragt in diesem Moment. Es geht darum für ihn da zu sein und seine Wünsche und sein Bedürfnis zu verstehen, mitzufühlen, sich einzufühlen und ihm dabei die Hand zu halten und ihm den Rücken zu stärken, bei allem was er als nächstes tut.

Das hat mit Kopf durch die Wand übrigens nichts zu tun. Denn wenn er seine Meinung ändert, von sich aus, weil er eine andere Einsicht erlangt (vielleicht auch auf einen von ihm erbetenen Ratschlag hin), dann werde ich wiederum seine Hand halten und ihm seinen Rücken stärken, wieder hinter ihm stehen. So lange, bis er die belastende Situation für sich vollständig auflösen konnte.

Es klingt bis hier hin abstrakt. Darum will ich ein Beispiel bringen.
Die meisten Menschen erfahren mindestens einen, meistens mehrmals im Leben, einen Trennungsschmerz nach dem Ende einer Partnerschaft. Und dann entsteht, zumindest wenn man derjenige ist, der das Ende nicht wollte – meistens aber für beide – eine Situation der Sehnsucht und der Leere. Und wenn man dann mit Freunden und der Familie spricht, hört man ganz ganz häufig den Spruch: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne!“

Was für ein Quatsch in dieser Situation! Das ist genau das Gegenteil dessen, was derjenige wirklich in diesem Moment benötigt. Er benötigt keine Ablenkung und keinen Ausweg in dieser Phase. Das kann erst später folgen. In diesem Moment ist nur pures Verständnis gefragt. Nicht mehr. Pures Verständnis und Mitgefühl in der Trauer.
Und wenn sich die Person einbildet, dass es noch nicht das wirkliche Ende der Beziehung ist, dann sollte man die Person bestärken und ihr Mut machen, um alles zu versuchen, um den eigenen Gedanken und Gefühlen nach zu gehen.
Auch wenn es relativ aussichtslos erscheint, dass man den alten Partner wieder zurück bekommt. Auch wenn MIR in diesem Moment klar ist, dass das vermutlich (!) nichts bringen wird.

Warum?

Weil es eines Tages – und das kann sehr lange dauern – so weit sein wird, dass die Person VON SICH AUS sagt, dass es nun genug ist. Genug gekämpft, genug gelitten, genug versucht.

Und meine Aufgabe als Freund ist es dann wiederum nur da zu sein, die Hand zu halten und hinter ihm zu stehen. Nicht mehr. Sicher nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Wann immer Du im nächsten Gespräch mit einem Freund oder mit dem Partner, sei es ein Telefonat oder persönlich, so eine Situation aufkommen bemerkst… derart, dass Dein Gegenüber eine Meinung zu einem Thema äußert und um Hilfe bittet, sei einfach nur für ihn da. Missachte nicht sein Denken, nicht sein (bisheriges!) Handeln. Nicht seine Absicht zum zukünftigen Handeln. Sei einfach da, halte seine Hand.

2017-02-12

Und um es mit einem sehr lebendigen Beispiel abzuschließen. Vielleicht hattest Du mal oder hast einen Hund oder kennst das Miteinander zwischen einem Hund und seinem Besitzer sehr gut. Wie reagiert der Hund auf alle Launen, positive und negative, des Menschen an seiner Seite?
Der Hund ist einfach für den Menschen da! Es ist für den Hund nicht wichtig, wie der Mensch denkt, was er denkt und warum. Der Hund hat kein Ego. Der Hund hat keine Meinung dazu. Und erst recht will er dem Menschen an der Seite seine Meinung in diesen Momenten nicht aufdrücken. Er legt sich still neben ihn, wenn er merkt, dass etwas gerade bei seinem menschlichen Freund nicht stimmt. Und ist einfach für ihn da…

Das ist für mich echte Freundschaft.

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 2 von 2)

Ich freue mich gerade richtig auf das Schreiben, endlich Teil 2 von Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2).

Im ersten Teil beschrieb ich das Phänomen des Auftretens, des Wirkens und der Bedeutung von Zeitfenstern.
Von meiner Leserin „lunarterminiert“ bekam ich den Hinweis, dass das Nutzen von Zeitfenstern bzw. sich bietenden günstigen Gelegenheiten in der griechischen Mythologie als Kairos betitelt wurde. Und der Gott der Zeit Chronos heißt. Danke dafür. Passt hier rein.

Ich beschrieb in Teil 1, dass Zeitfenster nicht beeinflussbar sind. Sie tauchen manchmal auf, halten eine mehr oder weniger lange Weile an und verschwinden dann durchaus plötzlich wieder, indem sie sich selbstständig schließen.

Zeitfenster ändern sich permanent. An sich ändern sie sich und das Auftreten in verschiedenen Situationen und bei verschiedenen Menschen ändert sich. Ich empfehle den letzten Artikel, Teil 1, einfach zu lesen, bevor es hier weiter geht. Sonst steht das Nachfolgende ohne Kontext da.

Heute geht es mir dabei weniger um die Zeitfenster als solche. Heute geht es mir um Deine Rolle darin!
Was sind Deine Möglichkeiten in diesen Zeitfenstern und was hat das wirklich exakt mit DIR SELBST zu tun? Heute wird es wirklich mal wieder etwas tiefer philosophisch, um so wichtiger ist es daher den Gesamtzusammenhang zu sehen und zu verstehen.

Achtung:
Ich warne an der Stelle ausdrücklich davor weiter zu lesen. Bei sensiblen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl können die nachfolgenden Zeilen ungewünschte Nebenwirkungen auslösen. Diese beabsichtige ich zwar nicht, kann und will sie aber auch nicht verhindern. 🙂

Nochmal kurz zusammen gefasst:

  1. Es gibt Zeifenster.
  2. Du kommst – wenn Du ein solches Zeitfenster erwischst – darin vor.

Wir beschränken uns heute auf den zweiten Punkt.

Bleiben wir im Bereich Pickup. Danach fasse ich das etwas überbegrifflicher und setze es in Bezug auch auf andere Themen. Du erwischst also ein günstiges Zeitfenster. Gut.

Nehmen wir an Du hast eine hübsche Frau (bzw. für meine vielen weiblichen Leser einen hübschen Mann ;-)) gesehen und sprichst sie an. Du stellst Dich lächelnd vor, sie gefällt Dir. Du findest sie mega attraktiv und auch ihre gesamte Erscheinung lässt Dich für einen Moment träumen. Und sie? Sie sieht Dich an, nimmt Dich zu Kenntnis und sagt Dir, dass sie Dich zwar nett findet, Du aber nicht ihr Typ seist.
Wie war das jetzt mit dem Zeitfenster? Es gab keines! Richtig.

Genau genommen hattest Du von Anfang an keine Chance bei ihr zu landen. Du hättest tun und lassen können was immer Du wolltest. Es gibt Frauen die sich vielleicht mit einem Ferrari hätten überzeugen lassen. Solche Gedanken kommen Dir dann. Mag sein, mag auch nicht sein. Aber solche Frauen willst Du in Wahrheit gar nicht. Ich jedenfalls nicht.

(Kurzer Exkurs: Gestern Nacht war ich wieder draußen zum Clubgamen. Wenige Meter neben mir war ein bekannter aktiver Fußballer. Wer, spielt keine Rolle. Für viele Menschen ist er ein Star. Für mich nur ein Mensch von vielen in diesem Club an diesem Abend. Etwas war aber auffällig: Seine Freunde – nennen wir sie einfach mal ihm zuliebe so – standen und tanzten wie eine Traube um ihn herum. Egal was er tat – die Traube bewegte sich im Kreis mit ihm mit und um ihn her. Wie ein Bienenschwarm mit einer Bienenköngin in der Mitte. Würde ich – wenn ich die Bienenkönigin wäre – eine Frau haben wollen, die ebenfalls nur deswegen an meinem Hintern klebt, weil ich jedes Wochenende von ein paar Millionen Menschen im Fernsehen bejubelt werde?!)

Andere Situation:
Du siehst völlig nebenbei eine hübsche Frau, nebenbei deshalb, weil Du gar nicht aktiv auf der Suche bist. Nicht in diesem Moment. Du möchtest nur gemütlich in einem Zeitschriftenladen blättern und kurz verweilen. Und da kommt sie rein, Du nimmst sie erst gar nicht wahr. Aber ihre langen brauen Haare glänzen in diesem hellen Kunstlicht, das von der Decke scheint wie die Sonnenstrahlen über den Gipfeln der Berge hinab ins Tal.
Du benötigst ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass sich jetzt vielleicht wieder ein Zeitfenster auf tut. Diesmal vielleicht wirklich.
„Hey, wie gehts?“, startest Du das Gespräch. „Hi, gut. Bin nur kurz auf der Suche nach einem Artikel in einer Zeitschrift. Was machst Du hier?“, bekommst Du so ungefähr die größtmögliche Resonanz für diesen Moment von ihr mit einem Lächeln zurück gespielt.

Und ab da hast Du ab Sekunde eins die volle Aufmerksamkeit dieser Frau. Sie nimmt sich Zeit für Dich und das Gespräch mit Dir. Und möglicherweise gehst Du zusammen mit ihr direkt noch auf einen Kaffee ein paar Meter weiter. Ein mega entspannter Einstieg, ein mega entspannter Fortgang. Du vereinbarst mit ihr ein Date für den nächsten Abend. Ihr tauscht Nummern aus, verabschiedet Euch mit einem Bussi links und einem rechts.

Wie ist das mit dem Zeitfenster in dieser Situation?
Es existierte von Anfang an! Es war eines da. Es war diesmal wirklich da. Es gab eine echte Chance für Dich. Diesmal war Deine Rolle darin nur, dieses Zeitfenster – das ganz unabhängig von deinem Zutun einfach da war – zu nutzen. Du musstest sie nur ansprechen. Und zwar völlig egal wie. In diesem Fall reichte ein „Hey, wie gehts?“ genauso aus wie ein „Sorry, kannst Du mir kurz helfen bitte. Ich suche gerade so eine Zeitschrift über Männermode, weil mir mein Kumpel letztens sagte, dass meine Hosen so komisch aussehen. Kennst Du Dich da aus?!“  ausgereicht hätte.

Hab ich so noch nie gemacht, aber es spielt keine Rolle. Wirklich nicht. Die Frage ist nicht was Du sagst. Die Frage ist maximal WIE Du es sagst. Aber selbst das ist vernachlässigbar. Ist das Zeitfenster dieser Frau geschlossen (Ehemann / in Eile / findet Dich nicht sexy genug), dann ist es eben geschlossen. Punkt. Vergiss jeden weiteren Gedanken daran. Morgen hätte es vielleicht schon wieder auf sein können, weil ihr toller Göttergatte gestern mit ihr Schluss gemacht hat. Und schwupp, wäre sie mit Dir auf einen Kaffee gegangen.
Der gleiche Mensch. Du.
Der gleiche Mensch. Sie.
Aber nicht das gleiche Zeitfenster. Ein anderes.

Du hast also ein günstiges Zeitfenster erwischt (Kairos), was ist Deine Rolle darin?
Wie wir gerade festgestellt haben, musst Du ein Zeitfenster identifizieren. Das machst Du, in dem Du Dir selbst sagst: „Ich werde jetzt die Wahrheit heraus finden. Existiert für mich jetzt ein Zeitfenster oder nicht?“
Und das kannst Du herausfinden, in dem Du die Frau einfach ansprichst. Und es einfach herausfindest. Du bist ein Wahrheits-Heraufinder. Ein Zeitfenster-Wahrheits-Herausfinder. Du bist eigentlich nur eine ganz gewöhnliche Maschine, mit einer Präzision wie ein verlässliches schweizer Uhrwerk. Deine Aufgabe ist es nur herauszufinden was die Wahrheit ist. Nicht werten. Nicht besser wissen. Nur herausfinden.
Das hast Du getan. Du hast sie angesprochen und bist mit ihr bis zum Ende gegangen. Du hast ein Date vereinbart. Läuft bei Dir. 😉

Was ist die Rolle darin? Nochmal. Was ist Deine Rolle darin? Was hat das alles mit DIR zu tun?

Ich habe oben gewarnt diesen Artikel weiter zu lesen. Es bleibt dabei. Es sollte davor gewarnt werden.

Denn: Du magst Dich riesig freuen, dass diese Frau sich mit Dir treffen möchte. Das Date mag auch zustande kommen. Ihr mögt Euch auch gerne haben. Noch so sehr. Und es mag viele weitere Dates geben. Und allmählich auch Zukunftspläne. Zusammen ziehen. Einen Kinderwunsch. Ihr wollt heiraten, ihr mögt ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und alt werden. Gemeinsam, bis ans Lebensende.

Und dennoch habe ich für mich eines inzwischen erkannt. Nirgends gelesen. Selbst erkannt. Einfach durch das Leben selbst:
Es hätte jeder andere Mann auch sein können in dieser Situation!

Es gab ein Zeitfenster. Du hast es genutzt. Ja. Zweifelsfrei. Aber Du brauchst Dir nichts darauf einzubilden. Du warst einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Eine Minute früher und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt. Eine Minute später und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt.
Die Gedanken und die Glorifizierung des sogenannten Schicksals werden damit obsolet. Es gibt Zeitfenster. Aber es gibt kein Schicksal. Kein nachvollziehbares Schicksal jedenfalls. Das bedeutet sehr konkret gesagt: Auch DU bist in diesem Zeitfenster mit dieser Frau nur ein daher gelaufener Junge. Sie fand Dich toll. Na und. Sie hätte zig tausend andere Männer IN DIESEM ZEITFENSTER ebenfalls toll gefunden, hätten die anderen Männer es nur genutzt.

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Dieser Kern meines Artikel ist enorm wichtig komplett richtig zu erfassen. Sonst geht die Botschaft verloren.

Ich will niemanden ent-träumen lassen. Wirklich nicht. Du bist ein toller Mensch, zweifelsfrei. Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder. Und jede Situation ist etwas Besonderes. Jede Situation zwischen Mann und Frau. Das Kennenlernen. Das Zusammenkommen. Alles.
Aber: ES HAT NICHTS MIT DIR ZU TUN! Bilde Dir wirklich nichts darauf ein. Du bist deswegen kein Held. Nochmal: Du warst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Hätte ein anderer Typ sie gerade angesprochen, dann hätte sie einige Zeit später mit dem anderen Typen geschlafen und die beiden wären nun verheiratet, anstatt Euch beiden. Vielleicht würden die beiden nicht lange glücklich werden oder bleiben und plötzlich gäbe es ein Beziehungsende. Und plötzlich öffnet sich wieder ein neues Zeitfenster im Leben dieser Frau in Bezug auf das Kennenlernen eines neuen Mannes. So ist der Lauf der Dinge.

Du bist etwas Besonderes! Definitiv. Das musst Du begreifen. Tief verstehen und begreifen. Aber es ist nichts Besonderes, dass Du mit dieser Frau zusammen gekommen bist. Wäre es nicht sie, dann wäre es ein paar Zeitfenster später eben eine andere Frau. Auch mit der kannst Du glücklich werden und Kinder bekommen. Und Du wirst es auch, ohne es je gemerkt zu haben, dass die Willkür für Dich entschied. Andere nennen es Schicksal. Letztlich war es jedoch einfach Zufall, aus meiner Sicht.

Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Wirklich auch nichts entmystifizieren. Jeder soll an das wahre Schicksal glauben. Die eine große Liebe. Ja. Ich tat das auch. Lange lange Zeit. Bis ich festgestellt habe was passiert, wenn eine Beziehung zu Ende geht und nicht mehr kommt. So weit in Ordnung, aus der Sicht. Möglicherweise hätte ich mich auf die Suche nach einer neuen „einzig wahren großen Liebe“ begeben. So wie alle Menschen. Und dann wäre ich vermutlich irgendwann sehr enttäuscht worden. So wie (fast) alle Menschen.

Nur begann ich zu pickuppen. Und stellte dadurch fest, dass das alles nichts mit mir als Mensch zu tun hat. Nicht mit mir als Wesen. Erst recht nicht mit mir als Seele.
Und keine Angst, dass ich nichts mehr empfinden könnte. Weil ich doch jetzt denken würde, dass alles Willkür und Zufall sei. Nein nein, ich weiß nur, dass alles vergänglich ist. Und sich alles in Zeitfenstern bewegt. Das ganze Leben. Das WEIß ich inzwischen. Kein „ich denke mir das“, sondern ich erlebte und erlebe es. Und daher weiß ich.

Ich weiß, dass das nicht ins Denken passt. „Ja aber mein Partner und ich, wir haben uns gesucht und gefunden. Wir sind füreinander geschaffen!“. Ja, ich weiß. Das kannst Du so denken. Und Du wirst glücklich damit sein – jedenfalls so lange Eure Beziehung anhält, vorzugsweise glücklich. Und irgendwann wachst Du auf und es macht BUMM. Und es ist aus. Hoffentlich nicht. Wirklich. Aber was, wenn doch? Seid ihr dann immer noch füreinander geschaffen? Trotz dem Aus? Oder wart ihr dann plötzlich noch nie füreinander geschaffen? Denk drüber na@ch. 😉

Es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt als sein Glück teilen zu können und geteilt zu bekommen. Das hat damit nichts zu tun. Das taste ich als Heiligtum niemals an.

Wie oben gesagt, nun noch ein paar globaler geltende Worte. Nicht nur in Bezug auf Pickup: Das gleiche Prinzip – und jetzt wird es ganz schnell jedem noch so skeptischem Leser klarer was ich meine, ich bin mir sicher! – gilt auch im Berufsleben. Es gibt eine Stellenausschreibung und es öffnet sich damit ein Zeitfenster. Du bewirbst Dich, weil Du denkst, dass Du das Profil zu 100% erfüllst. Übertriffst, sogar. Du wirst eingeladen und nach einem gefühlt perfekt laufenden Gespräch bekommst Du gesagt: „Wir stellen Sie gerne ein, sie können nächsten Monat bei uns anfangen!“.

Wie ist das jetzt mit Deiner Rolle darin? Bildest Du Dir an dieser Stelle ebenfalls ein, dass es Schicksal war, dass Dich diese Firma nimmt? Ihr seid füreinander geschaffen? Du und das Unternehmen? Das Unternehmen hat seinen Lebtag damit verbracht auf den einen richtigen zu warten und Du kommst just dann wie ein Ritter in glänzender Rüstung daher geritten? Sicher? Oder war es Zufall und „es hat halt gerade gut gepasst, für beide Seiten“?

Mir tut das ein bisschen weh, das gerade so zu schreiben. Ich bin tatsächlich gerade etwas sentimental. Weil das selbst als meine eigene Wahrheit noch nicht völlig in den Kopf will. Und ich selbst noch stark daran kämpfe mir selbst zu glauben. Obwohl ich längst spüre, dass es wahr ist. Jedenfalls für mich.

Aber ich bin ein Mensch, der Unwahrheiten nicht mag. Und der immer neugierig ist und sich immer alles genau ansieht und nachhakt. Der nicht alles glaubt was da steht. Und der seine eigenen Erfahrungen macht. Aktiver als je zuvor. Und der lieber spürt als zu denken. Und ich spüre…

Mir ist bewusst geworden, dass ICH viel weniger wichtig bin in einem Gesamtkontext, als mir vielleicht lieb wäre. Ich bin hier, ich atme. Ich lebe. Und das ist das einzige, das im Moment gerade wahr ist. Alles andere kommt und geht. Auch Du und Ich, auch wir werden gehen. Eines Tages. Bis dahin können wir Zeitfenster für uns nutzen. Aber uns bitte nichts drauf einbilden, wenn wir mal ein aufkommendes Zeitfenster für uns nutzen konnten. Es hätte jedes andere Zeitfenster auch sein können… jeder andere Mann oder jede andere Frau hätte es genauso sein können.

Als Trost kann ich nur sagen: Es hätte JEDER andere auch sein können. Aber in diesem konrekten Fall bist es eben Du geworden. Sei glücklich damit, dass Du es bist.

Und wenn Dich dennoch etwas glücklich machen kann am Kern dieses Artikels, dann ist es, dass Du Dir über das Phänomen der Zeitfenster bewusst bist und um seine Bedeutung und Deine Rolle darin (nun) weißt. Sei also zumindest darauf stolz das zu wissen und nutze das für Dich. Dann hat sich all das für dich schon sehr gelohnt. Auch ganz ohne Schicksal. 🙂

PS: Ich liebe diese Postskripte… nutze ich in meinen Artikeln ja immer häufiger. 🙂
Was ich noch sagen will:
Wenn Du einen Partner hast, geh einfach schnell zu ihm oder ihr rüber und küss ihn einfach. Sei glücklich darüber, dass ihr Euch habt.
Es hätte jeder ander auch sein können. Ja. Wenn nicht Du, dann jemand anders. Klar. Aber sei einfach froh, dass es im Moment ist wie es ist. Das Beste für Euch.

PPS: Wer sich selbst die Frage stellt, was man denn dann tun kann oder tun soll, mit diesem Wissen… dem kann ich nur sagen was ich inzwischen tue und wie mein Umgang mit meinem Leben inzwischen ist:
Ich versuche SELBST glücklich zu werden und immer weiter auf den Weg dazu zu kommen. Und zwar ganz ganz unabhängig von Freunden, der Familie oder einer Partnerin. Und erst recht völlig unabhängig von solchen Unwichtigkeiten wie dem Beruf. Ich arbeite täglich an mir und versuche selbst so weit zu kommen, dass ich gar keine Partnerin mehr benötige, um mich „komplett“ zu fühlen. Das wissen, dass keine Partnerin der Welt mich komplettieren kann, habe ich bereits. Aber das auch zu Leben und sich tief einzugestehen ist schwer. Daran arbeite ich hart.
Und dann wird es so sein wie immer im Leben: Plötzlich ist sie da.

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2)

Zeitfenster.
Und Deine Rolle darin. Warum nicht Deine Rolle „dabei“?
Es soll in diesem Artikel wirklich nur um Zeitfenster gehen. Den Zeitraum zwischen Beginn und Ende. Und um Deine Rolle darin. Darin, im Zeitfenster. Nicht drum herum, deswegen schreibe ich nicht „dabei“.

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Sehen wir es konkret anhand meines Projektes. Danach philosophieren wir abstrakter, globaler und für jeden anwendbar.

Wann immer ich meine Füße vor die Türe setze, treffe ich unterwegs Menschen. Genau wie Du.
Auf dem Weg ins Büro. Auf dem Weg zum Einkaufen. Der ganz normale Alltag. Und dann treffe ich besonders häufig Menschen immer dann, wenn ich mich entschließe Menschen zu treffen! So einfach. Bei mir nennt sich das dann Daygame oder Clubgame. Das einzige Ziel darin besteht, Menschen zu treffen und sie kennen zu lernen. Natürlich mit der konkreten Absicht, die „richtige“ zu finden.
(Anmerkung: Ich werde sie finden!)

Und während all der Gesprächsversuche, die ich auf diesem Wege starte, gibt es höchst unterschiedliche und unvorhersehbare Reaktionen und Gesprächausgänge. Manche Gesprächsversuche finden nicht einmal einen ordentlichen Anfang. Weil die Frau es nicht für nötig hält mich beim Ansprechen auch nur anzusehen. Die meisten Gesprächsversuche bringen hingegen kurioserweise eine oberflächliche und sich schnell wieder in Rauch auflösende Konversation. Kurios deshalb, weil die meisten Frauen tatsächlich ein bisschen spielen wollen und mitmachen. Skuril ist das. Und ganz ganz wenige Gesprächsversuche stoßen sogar auf fruchtbaren Boden.

Und nach einigen Monaten in meinem Projekt stelle ich bereits jetzt mehr und mehr fest, dass es in den wenigsten Fällen direkt an mir liegt, ob meine Gesprächsversuche überhaupt einen ordentlichen Anfang finden, eine oberflächliche Konversation ergeben oder auf einen fruchtbaren Boden stoßen.

Es liegt an etwas viel weniger Beeinflussbarem. Am Zeitfenster.

Und zwar nicht an meinem Zeitfenster, sondern an ihrem. Mein Zeitfenster ist offen. Ich bin draußen, um Menschen kennen zu lernen. Den Anfang habe ich gemacht. Das Ende ist noch offen. Also habe ich Zeit und das Fenster weit geöffnet. Nicht für alles und für jeden. Aber jetzt für sie, die Frau die vor mir steht.

Nun zu ihr. Ihr Zeitfenster ist in aller Regel nicht geöffnet. Die Gründe sind manigfaltig. Sie mag einen Freund haben und deshalb niemanden kennen lernen wollen. Sie mag mich gerade im Moment unattraktiv finden. Sie mag der Meinung sein, dass ich komische Sachen sage oder merkwürdig bin, vielleicht weil ich mich getraut habe sie einfach so anzusprechen. Oder noch banaler, sie mag gerade einfach keine Zeit haben. Keine Zeit, um mit mir zu reden und sich überhaupt nur kurz anzusehen, ob es sich für sie vielleicht nicht doch lohnt mich kennen zu lernen.
(Anmerkung: Die mit großem Abstand wunderschönste Frau meines Lebens hatte ich vor einigen Monaten nur kurz angehalten und aufgrund Termindrucks ihrerseits nur zwei Minuten auf der Straße sprechen können. Dennoch haben wir Nummern getauscht und uns ein paar Tage später zum Date vereinbart. Sie erschien und es war ein besonderer Tag meines Lebens, an dem ich die bis jetzt hübscheste Frau, die ich je gesehen habe, gedatet habe. Manchmal reichen zwei Minuten. Manchmal reichen hingegen selbst 2 Jahre nicht.)

Zeitfenster ändern sich. Und das ist eine ganz ganz wichtige Erkenntnis der letzten Monate und sogar der letzten paar Jahre in meinem Leben.
Manchmal gehen sie auf und schnell wieder zu. Manchmal gehen sie erst nach langer Zeit auf. Manchmal gehen sie nie auf. Und manche Zeitfenster bleiben vielleicht sogar ein Leben lang geöffnet. Sagt man sich nicht nur so, im Himmel.

Die gleiche Frau, die Dir im ersten Moment Skepsis entgegen bringt, kann nach einiger Zeit hin und weg von Dir sein. Anders herum gab es viele Frauen auf meinem Weg, die zunächst hin und weg von mir waren und plötzlich davon geweht sind wie ein Tornado.

Mehr noch, es gab nach einer mehrjährigen Beziehung in meinem Leben nach der Trennung ein langes Zeitfenster, in dem nochmal etwas möglich gewesen wäre zwischen uns, um wieder zueinander zu finden.
Will heißen: Selbst gegenüber einem unendlich vertrauten Menschen, dem man das Schicksal des eigenen Lebens in die Hände legen würde, kann sich ein Zeitfenster schließen.
In diesem Fall schloss es sich. Mindestens für lange Zeit. Vermutlich für immer. Vielleicht auch nicht. Nur das Universum weiß das.

Zeitfenster kommen und gehen. Die gleiche Frau, die Dir heute eine Abfuhr erteilt, hätte sie Dir vielleicht gestern oder vor zwei Monaten nicht erteilt. Und in 2 Wochen in der Zukunft auch nicht. Gründe? Vielfältig!

  1. Sie ist seit gestern erst wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen.
  2. Sie findet Dich heute in Deinen Sneakers unattraktiv, ihr Ex hatte die gleichen wie Du. Die Schuhe ihres Ex assoziiert sie mit Dir und findet Dich durch das aufgekommene Déjà-Vu widerlich.
  3. Deine Frisur heute ist aus ihrer Sicht ein No-Go. Wenige Jahre später würde sie hingegen genau darauf stehen wie Du heute aussiehst oder Dich heute stylst.
  4. Vielleicht hat sie auch heute einfach nur ihre Tage und will schnell nach Hause, ist zickig und genervt.
  5. Vielleicht steht sie auf Männer, die mindestens 1,90 m groß sind und du bist vielleicht mit 1,88 m einfach zu klein für sie.

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sie soll die Unwägbarkeiten der Zeitfensterei exemplarisch zum Besten geben.

Heute ist sie vielleicht noch Single und offen für Neues. Sprich sie an. Morgen schon könnte sie stattdessen vergeben sein und das Zeitfenster wäre für immer geschlossen. Wenn Du sie denn überhaupt wieder sehen würdest. Auch dieses Zeitfenster könnte mit der einmaligen kurzen Begegnung für immer geschlossen sein.

Und treten wir ein paar Schritte zurück. Weg vom Pickup, lassen wir den Blick globaler schweifen.
Wie ist es im Job? Eine Stellenausschreibung hat eine Bewerbungsfrist. Innerhalb dieser Frist wärst Du der perfekte Kandidat. Außerhalb dieser Frist könntest Du tun und lassen was immer Du möchtest, Du wärst immer der falsche Kandidat. Weil es keinen Kandidaten geben soll.
Es ist auch in der Freizeit so. In Deiner Mannschaft. Alle haben seit Wochen hart für das Spitzenspiel trainiert. Jeder Deiner Mitspieler gab stets alles. Und noch mehr. Zwei Tage vor dem Match verletzt sich der beste Spieler Deiner Mannschaft. Und das Spiel geht knapp verloren. Der Eine hätte den Unterschied ausgemacht. Er war nicht da. Das Zeitfenster, zu gewinnen, ging schon vor dem Spiel zu.
So oder so ähnlich ist es täglich. Bei uns allen.

Jedes Zeitfenster wäre kein Zeitfenster, wenn es sich nicht irgendwann schließen würde. Sei Dir dessen bewusst! Handle entsprechend!
Handle jetzt, wenn das Zeitfenster offen ist.
Handle erst etwas später, wenn Du weißt, dass das Zeitfenster sich erst noch öffnen muss.

Das ganze eigene Leben ist ein einziges Zeitfenster…

… und was das genau mit DIR zu tun hat, darüber schreibe ich nächste Woche in meinem Philosophischen Sonntag. In Teil 2 über „Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin„…