Philosophischer Sonntag – Alles über nichts

Der heutige Philosophische Sonntag wird ein kurzer. Einer zum kurzen knackigen Nachdenken. Wenige Worte statt vieler.

Philosophischer_Sonntag

Heute geht es um Besserwisser und Expertentum

Das ist nicht nur auf den Job zu beziehen. Es geht auch um das Privatleben. Die Tendenz auf unserer Welt geht immer mehr in Richtung Expertentum. Wer ist denn heute noch in der Lage relativ viel selbst zu tun? Kaum tropft mal ein Wasserhahn, benötigen wir einen Handwerker. Geht mal der PC nicht, dann muss irgendwer aus der Familie oder dem Freundeskreis einspringen. Bei Versicherungen haben wir schon drei mal keine Ahnung welche nun nötig ist und welche nicht. Sofort muss der Vertreter her. Beim Kochen wird nur noch exakt nach Rezept nachgemacht. Eigene Entscheidungen auf fremdem Terrain? Fehlanzeige! Alles Beispiele aus dem Privatleben.

Und im Job sieht es noch schlimmer aus. Da gibt es zig verschiedene Experten für jedes unterschiedliche System. Egal welcher Art. In der Produktion das Gleiche. Am Fließband macht jeder Arbeiter fast nur noch einen Handgriff, dafür den ganzen Tag immer den gleichen. Wie ein Roboter. Aber seinen Nachbarn am Posten daneben kann er nicht ersetzen. Selbst in den einfachsten Tätigkeiten sind wir Experten geworden. Experte für dies, Experte für das.

Ist das wirklich gut?

Es gibt einen weisen Mann, den ich sehr verfolge. Besser gesagt seine Reden und Texte. Und er sagt so schön:

„Die Menschen wissen immer mehr von immer weniger. Bis sie irgendwann alles über nichts wissen. Dann überschlägt es sich.“

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Quid pro quo – Viel Kohle gegen einen tollen Körper

So saß ich des Abends auf der Couch und telefonierte mit meinem besten Freund. Nennen wir ihn ab heute einfach Herr van Onnetuschn.

Wer ist nochmal Herr van Onnetuschn?

Da fällt mir gerade auf: Ich gebe seit meinem Artikel Frauen in Pseudonymen jeder Dame, die mehr oder weniger (neu) in mein Leben tritt, einen Namen. Möglicherweise das eine oder andere mal auch posthum, um hier im Blog besser zwischen den verschiedenen Protagonisten und Protagonistinnen unterscheiden zu können. Meist wird es wohl mehr um die Protagonistinnen gehen. Ich bin ja nicht auf der Suche nach Mr. Right, sondern nach meiner Traumfrau. No homo.

Jedenfalls bekommt mein bester Freund nun einen Namen. Besser gesagt, er bekommt ein Pseudonym. Denn einen Namen hat er ja schon. Sonst könnte ihn ja keiner ansprechen. Es gibt inzwischen zwar einen Haufen Gesetzlose in Deutschland , aber Namenlose wahrscheinlich keine.
Außer derjenige wurde als Baby im Wald ausgesetzt und von Wölfen großgezogen. Dann ist es ein klassisches Wolfskind. Soll auch schon vorgekommen sein, der Sage nach. Wobei dann interessant wäre, ob die Wolfsmama dem Kind einen Namen gibt, in Lautform, so etwas wie „aaaaahuuuuuu“. Treiben wir es auf die Spitze: Vergeben Wölfe auch zweite Namen? Sowas wie „Eugen Thorsten“ oder „Franz Xaver“ oder „Ben Luca“ (soll übrigens der beliebteste Doppelname des Jahres 2013 sein).

So, und hiermit taufe ich Dich, mein Freund. Ab heute bist Du hier im Blog Herr van Onnetuschn. Wie ich auf diesen ganz besonderen, einzigartigen, Namen für ihn komme, kann man hier nachlesen: Und dann war da noch Valentin und ein ganz besonderer Geburtstag…
Ich muss diesen wichtigen Schritt gehen, damit Du meinen Lesern ein Begriff wirst. Immer von „einem Freund“ zu sprechen ist nicht persönlich genug. Aber als Herr van Onnetuschn habe ich Dich personifiziert. Herzlich willkommen in meinem Blog. Ich werde dafür sorgen, dass Du in allen folgenden Geschichten stets eine gute Figur abgibst. Ähh, okay, das geht jetzt zu weit. Ich kann nichts versprechen, das ich nicht auch einhalten kann. Sagen wir es so: Ich werde dafür sorgen, dass Du zumindest immer eine lustige Figur abgibst. Muss Dir reichen. 😉

Quid pro quo – oder die Frage nach einer heißen Kolumbianerin

Im Gespräch ging es ausnahmsweise mal wieder um mein Daygame. Und um einen Bericht, den ich letztens las. Geschrieben von einem fortgeschrittenen recht erfolgreichen Pickupper. Dem Bericht nach sei er in Kolumbien gewesen und könne eine solche Reise zu Pickup-Zwecken nur jedem europäischen bzw. deutschen Mann empfehlen. Denn dort sei das Verhalten der Frauen exakt umgekehrt zum Verhalten der Frauen in Deutschland gegenüber deutschen Männern.
Der Pickupper beschrieb, dass kolumbianische Frauen deutsche Männer ansprechen und auch verhältnismäßig exorbitant schnell mit ihnen in die Kiste wollen. Die Aussage des Pickuppers war im Kern: „Ich empfehle so eine Reise JEDEM deutschen Mann, einfach um mal zu sehen und nachempfinden zu können, wie sich eine Frau in Deutschland fühlen müsse.“ Wie es also hierzulande für eine Frau läuft, wenn sie ihren Fuß vor die Tür setzt. Ständig angeglotzt und oft auch angesprochen zu werden. Wenn eine Frau zum Freiwild wird. Es würde den eigenen Horizont erweitern, diese Erfahrung zu machen, so dem Bericht nach.

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Das glaube ich aufs Wort. Definitiv. Es geht auch nicht darum eine Abenteuerreise dorthin zu machen. Das war gar nicht seine Intention, denke ich. Sondern tatsächlich mal einen Rollenwechsel zu vollziehen und sich für kurze Zeit mal als das Geschlecht oben auf dem Podest zu fühlen.
Um zu…? Ja, um zurück hier in Deutschland das eigene Game voran zu bringen und besser zu werden. Auch in dem zuvor mal wieder die oft von mir besagten Grenzen überschritten zu haben und so den eigenen Horizont weiter in Richtung Sonne hoch oben zu verschieben.

Konversation zwischen Hr. van Onnetuschn und mir, über geile Körper und viel Kohle

Ich sagte zu Hr. van Onnetuschn am Telefon: „Das finde ich nachvollziehbar. Die wollen sicher einfach nur die Kohle von den Männern. Ein Europäer hat gemeinhin sicherlich mehr Kohle als ein durchschnittlicher Kolumbianer. Klar, dass die Frauen sich dann einen Deutschen angeln wollen.“

Er, wortkarg: „Ja…“

Und ich holte weiter aus: „…das ist wie bei uns hier. Du siehst eine Frau, deren Optik Du Klasse findest und sprichst sie an. Was ist – um mal ehrlich zu sein – das Ziel des Ganzen. Ganz elementar gesehen und mal frei von Moral! Zumindest mittel- bis langfristig? Klar, sie in die Kiste zu bekommen. Also worauf achtest Du bei einer Frau, wenn Du sie zum ersten Mal siehst?“

Hr. van Onnetuschn: „Auf den Körper, klar.“

Ich: „Genau. Also wir Männer schauen auf das Äußere der Frau. Die Kolumbianerinnen – laut dem Bericht des Pickuppers – auf unsere Kohle.“

Hr. van Onnetuschn haute daraufhin ganz trocken Einen raus: „Quid pro quo!“

Ich, nie lateinisch gelernt, völlig verwirrt: „Quip quo tro…was???“

„Quit pro quo!“

Kurz in den Unterricht für Anti-Lateiner: „Quid pro quo“ heißt übersetzt soviel wie „dies für das“. Dem Sinne nach ist das so zu verstehen, dass jemand für eine Leistung stets eine Gegenleistung erhalten soll.

Ist das jetzt gut oder schlecht?

Also diesen Artikel kurz zusammengefasst kann man sagen:
Männer wollen einen – ich werde mal kurz sehr direkt – geilen Körper. Dieter Bohlen würde sagen: „Hammermäßig Du!“
Frauen wollen die Kohle.
Jedenfalls die im Text genannten Kolumbianerinnen, mindestens die im Text genannten Kolumbianerinnen. 😉

Ob das gut oder schlecht ist, werde ich nicht bewerten. Weil es Nonsens ist. Als Mann weißt Du, worauf Du Dich einlässt, wenn Du „eine solche“ Frau an der Seite hast. Als Frau weißt Du aber auch was Du bekommst, wenn Du „einen solchen“ Mann an der Seite haben möchtest.
Das ist definitiv ein faires Spiel. Herr von Onnetuschn trifft ins Schwarze, wenn er dazu nur sagt „quid pro quo“.

Unlustig wird es nur, wenn der Mann dann von echter Liebe ausgeht. Oder die Frau denkt, dass sie mich über den Tisch ziehen kann. MICH jedenfalls nicht. Andere Männer vielleicht, die bilden sich dann möglicherweise persönlich etwas darauf ein. Wenn sie eine Katalog-Asiatin oder Katalog-Latina kaufen konnten. Wenn sich beide darüber im Klaren sind was da gespielt wird, dann ist das ein faires Spiel. Und damit weder gut noch schlecht. Es ist ein Spiel, dessen Spielregeln beide Parteien kennen. Beide Seiten sind volljährig. Also sollen sie spielen und glücklich dabei sein.

Darf es auch ein bisschen politisch inkorrekt werden? Die Frage hat keine Antwort verdient!

Politisch inkorrekt heißt Zensur.Da ich per se für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt bin, darf es ein auch ein bisschen von allem sein. Auch politisch. Inkorrekt gibt es nicht. Es gibt kein politisch inkorrekt. Wer maßt sich denn schon an zu sagen was richtig oder falsch ist?
Nur eine Zensurstelle. Die gibt es hier im Blog bestimmt nicht. Und deshalb darf es auch ein bisschen politisch werden. Ob korrekt oder inkorrekt hat niemand zu entscheiden. Nicht für mich jedenfalls. Ich bin meine eigene (Moral-)Instanz. Und korrekt ist immer das, was man selbst als korrekt empfindet.

Sonderbare Paare – Hässlich trifft hübsch

Schlimm wird es erst, wenn eine Seite beginnt zu heucheln und so zu tun als ginge es um echte Liebe. Und das passiert sicher öfter als gedacht. Ich denke mir das oft, wenn ich hier bei uns im Lande unterwegs bin und dann – sorry, aber – eine wenig attraktive Frau (man könnte auch hässlich sagen) und einen ausländischen Mann, mit Migrationshintergrund aus einem weit entfernten Land, Hand in Hand spazieren gehen sehe. Nennen wir ihn politisch -un-korrekt einfach Asylant.

Ganz böses Klischee jetzt, ich weiß. Nein. Kein Klischee! Ich glaube, dass das gerade täglich mehr und mehr passiert. Ist doch völlig normal. Immer mehr zugereiste Menschen wollen auch ankommen. Und bei einigen Männern ist das wie bei den einheimischen: Die sehen gut aus. Auch wenn ich eingangs schon sagte „no homo“, aber wenn ein Typ gut aussieht, dann kann ich das auch mal sagen.

Der anderen Geschlechterrolle begegne ich dann übrigens auch, oft in den Edelschuppen in denen ich zum Bar- und Clubgamen bin. Da steht dann eine Frau an der Bar und räkelt sich. Deren ethnische Herkunft ist definitiv nicht europäisch, das ist optisch einfach nicht von der Hand zu weisen, wenn sie eine dunkle Hautfarbe hat. Spricht eben nur mit geringster Wahrscheinlichkeit für eine Herkunft innerhalb Europas. Jedenfalls häuft sich dieses Bild von Monat zu Monat zunehmend. Auch eine völlig logische Entwicklung.

Ich streite nicht ab, dass es zwischen einigen dieser Paare durchaus auch „echte Liebe“ sein kann. Aber nicht umsonst gibt es seit vielen Jahrzehnten auch den Begriff der sog. Scheinehe. Das Phänomen ist zumindest nicht von der Hand zu weisen. Da aber alle diese Menschen volljährig sind, sind sie für ihr Handeln auch selbst verantwortlich. Wenn es echte Liebe ist, dann gönne ich das jedem von Herzen. Wenn sich jemand aber wie eine Weihnachtsgans ausnehmen lassen möchte, dann gönne ich ihm oder ihr das eben auch. Das Geld verschwindet ja nicht. Es hat am Ende dann einfach nur ein Anderer. 😉

Was für die Einen ein Monatslohn, das für die Anderen nur eine Flasche Schampus

Übrigens: Ich beschreibe nur was ich sehe, nicht dass hier jemand sagt ich würde irgend wen oder irgend etwas verurteilen. Nein, mache ich nicht. Ich beschreibe. Und manchmal fange ich dann auch kurz das Denken an, wenn ich eine hübsche schwarze Frau in übertrieben engem Kleid neben einem gut betuchten Mann sehe. Beide trinken Champagner.
Was ich mir dann oft denke, ist: „Diese Flasche Champagner hier kostet mehr als das Durchschnittseinkommen eines Mannes aus den meisten afrikanischen Ländern.“
Schon krass, eigentlich. Da müssen Menschen einen vollen Monat schwer schuften. Und wir saufen so eine Monatsleistung mit ein paar Schluck Sprudelgetränk einfach weg.

Wenn man in vielen Ländern dieser Erde nicht einmal 100 Euro im Monat verdient und dann in ein Land kommt, in dem Menschen das 20-fache dessen verdienen, monatlich versteht sich, muss das schon ein Kulturschock sein.
Ich stelle mir gerade vor, dass ich in ein fremdes Land auswandere, ohne jegliches Hab und Gut und dort jeder Otto-Normal-Bürger 40.000 bis 50.000 Euro im Monat netto verdient. Irre. Jedenfalls würde mir das surreal vorkommen. Alice im Wunderland.

Und wo ich nun am Ende des Artikels angekommen bin, merke ich, dass er auch für einen allsonntaglichen Beitrag im Philosophischen Sonntag herhalten hätte können…
Es ist nur eine Frage der gewünschten Betrachtung und der Pointe!
In jedem Fall ist es aber „quid pro quo“.

Für diese Woche (KW 07/2017) gibt es nur ein Ziel

Das klingt ja erst einmal ganz schön bombastisch.
„Für diese Woche gibt es nur ein Ziel“.
Klingt so wie bei Highlander: Es kann nur Einen geben!

Aber hier wird heute kein Feuerwerk gezündet. Es wird nur eine kleine Nachricht, vor allem als (Denk-)Zettel an mich selbst. Das Projekt Beziehung verpasst nun auch Denkzettel. Einen Reminder. Einen Erinnerer, auf deutsch. Eine Art Mahnmal für all die vielen sinnlos vergeudeten Stunden der letzten Jahre, die ich noch nachts wach mit allerlei unsinnigem Quatsch verbracht habe.

Daher steht diese Woche ganz im Zeichen des Schlafes.
Der Schlaf ist ein gerissener Zeitgenosse. Er lässt Dir mit zunehmendem Abend die völlige (Handlungs-)Freiheit. Er macht Dich sogar stark, sagt Deinem Biorythmus, dass Du – wenn die Sonne längst unter gegangen ist – nochmal richtig Gas geben kannst. (Anmerkung: Damit ist nicht das Pupsen gemeint.) Du fühlst Dich besser als am Morgen. Du bist fitter und kraftvoller. Du hast Elan, um Dir noch dies oder das anzuschauen. Sogar lesen ist noch locker möglich. Hoch konzentriert Fachlektüre lesen geht wie selbstverständlich von der Hand. Sinnvollen oder sinnlosen Sendungen im Fernsehen folgen allemal. Und so wechselt sich das Naturschauspiel zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang ab. Die beiden geben sich sichtbar die Klinke in die Hand. Und Du sitzt immer noch da. Und machst, und tust.
Manchmal bist Du um die Zeit auch noch gar nicht erst zu Hause. Dann triffst Du Dich draußen mit Freunden. Vielleicht auf ein Bier, vielleicht auch nur auf eine Apfelschorle. Wenn Du eine Frau bist, vielleicht auch auf einen Hugo. Und immer noch steht der Mond am Himmel und erleuchtet inzwischen längst die Straßen in einem weißkalten Licht, das ich sonst nur von den LED-Scheinwerfern meines Autos kenne. In geselliger Runde vergeht die Zeit schneller als Dir selbst lieb ist. Stunden um Stunden.

Und plötzlich siehst Du auf die Uhr, top fit, aber im Bewusstsein, dass Dich morgen Früh die harte grässliche Hand der Kehrseite des Schlafes treffen wird. Sie wird Dich treffen wie ein Hammer den Nagel. Auf den Kopf. Schlimmer noch als die Hand Gottes, Maradona ist sanft dagegen. Schon eher wie die Bud Spencer Faust. Der Dampfhammer. Von oben mitten auf die Birne. Bumm.

Du gehst – zu später Stunde – nach Hause. Oder Du warst zwar zu Hause, dann musst Du eben von der Couch ins Bett rüber wandern. Es wird eine Pilgerreise. Und Du willst eigentlich gar nicht. Zu schön ist der Moment. Egal ob alleine oder zu zweit. Du willst Dich festklammern, an den Film. An das Buch. Oder draußen an Dein letztes… oder doch erst mal nur vorletztes… Glas unter Freunden.

Am nächsten Tag in der Früh wachst Du auf. Du wirst vielmehr aufgewacht.

Und da kommt er. Der Hammer trifft Dich. Du drehst Dich, BRRRRRRRR BRRRRRRRR weckt Dich Dein Wecker. Er macht seinem Namen alle Ehre. Der Wecker weckt Dich nicht nur, er geht Dir auch auf den Wecker. Wer will schon gerne geweckt werden. Der Biorythmus gibt den Takt eigentlich perfekt vor: Genug Schlaf hast Du immer dann, wenn Du von ganz alleine aufwachst.
Auch das haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören. Anstatt auf den Kopf. Wir lassen uns lieber triggern von einem elektronischen Gerät, das unser Bedürfnis des Körpers überlisten und ausschalten soll. Schlaf lässt sich nicht überlisten. Tageweise vielleicht. Wochenweise vielleicht auch. Aber nicht monatsweise.

Der Schlaf – vielmehr der Mangel des selbigen – wird Dich einholen!

Diese Woche steht ganz im Zeichen des Schlafes.
Heute ist Montag, da ist man doch noch gedanklich im Wochenende. Also schleppt und schläft man sich erst mal rein in den Morgen am Arbeitsplatz, schläft in der Arbeit und wird dann rechtzeitig zum Arbeitsende langsam fit und wach. Soweit so gut.
Den Dienstag kann ich sowieso komplett verschlafen. Für mich gilt der Valendienstag nicht. Wie gut, dass ich partnerlos bin. Single zu sein hat Vorteile. Es bleibt mehr kostbare köstliche Zeit für den wertvollen kostbaren köstlichen Schlaf. Generell sollte man den 14.02. natürlich nie verschlafen. Das ist noch schlimmer als den Advent zu verpennen. Zumindest, wenn man sich keinen Ärger mit seinem Partner einhandeln möchte. Ob es cool kommt, wenn man am Valentinstag seinem Partner eine Schlafmütze schenkt? So eine mit Bommel?

2017-02-13

(Anmerkung: Harter Schnitt! Untypisch für eine literarische Abhandlung dieser Art an dieser Stelle.)
Ich habe nie eine spanische Frau näher kennen gelernt. NOCH nicht! 🙂
Aber ich habe mir mal diese kleine witzige mahnende Weisheit erzählen lassen:

Du wirst von Deiner Partnerin zum Essen nach Hause gerufen. Und Du hast… ja richtig! Du hast verschlafen!
Hier gibt es völlig unterschiedliche Charaktertypen. Picken wir uns zwei der Stereotypen heraus.

  1. Eine italienische Frau macht Dir richtig Terz, giftet Dich an und liefert Dir eine Szene vom anderen Stern.
  2. Aber eine spanische Frau! Eine spanische Frau!!! Die wirft Dir gleich mal direkt Deine Sachen zum Fenster raus!

Daher lautet mein Plädoyer für diese Woche: Mindestens 8 Stunden gesunden Schlaf pro Nacht!

Philosophischer Sonntag – Was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet

Es wird mit diesem Artikel ein sehr dünnes Eis, das ich betrete. So dünn, dass die meisten Menschen diesen Beitrag zwar komplett lesen, aber hierbei vermutlich mit ihrer Meinung aussteigen werden. Nicht beim Lesen des Artikels, denn dazu ist er viel zu interessant. Interessant anders. Aber die meisten Menschen werden im Anschluss aussteigen, und wenn nicht, dann spätetsens bei der Umsetzung.
Da ich aber nicht auf der Jagd nach möglichst viel Zustimmung bin, ist dieser Philosophische Sonntag für mich ein besonderer, und zwar in der Art, dass er nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

Es geht um die Frage, was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet. Klingt zunächst merkwürdig. Gut gemeinte Freundschaft? Echte Freundschaft? Was soll das?

Mir fällt immer wieder auf, dass Freunde untereinander Freundschaft still und heimlich folgendermaßen definieren: „Wenn Du in einer Sache nicht so denkst wie ich, dann sage ich Dir wie ich denke. Und ich will, dass Du in Zukunft auch so denkst wie ich. Denkst Du dann immer noch nicht so wie ich es will, dann bist Du nicht mehr mein Freund.“

Das gilt natürlich in einer Sache und Situation in aller Regel nicht für immer. Aber für wenige Minuten, beispielsweise für das Telefonat oder das eine Treffen, das soeben stattfindet. Es wird dann frostig im Miteinander. Es wird bisweilen auch leicht bissig. „Ja, musst Du selbst wissen wie Du weiter machen willst!“, kommt es dann mal um die Ecke gegiftet.
Kennt sicher jeder von uns.

Was steckt dahinter?

Es ist der Anspruch der einen Person zu glauben, dass seine eigene Meinung „besser“ sei als die des Freundes. Gut gemeint, eben. „Gut“ impliziert aber, dass die andere Meinung schlecht sei. Ist sie das wirklich…?
Sie ist anders. Punkt. Das wars. Nicht mehr als das. Sie ist anders.

Und in einer „gut gemeinten Freundschaft“ meine ich immer, dass das gut ist, was ICH FÜR GUT BEFINDE. Es wird ein allgemeingültiger Glaubenssatz, nennen wir es ein Dogma. In Wahrheit geht es in so einer Konstellation also gar nicht darum was der Freund wirklich will, gerade benötigt oder sich nur wünscht. Sondern es geht MIR in diesen Situationen darum, dem Freund das drauf zu drücken was ICH für richtig halte. Mit welcher Berechtigung? Wie kann ICH für IHN entscheiden was gut und richtig ist? Und noch weiter stellt sich die Frage: „Warum reagiere ich darauf mit Freundschaftsentzug?“

In einer Partnerschaft gibt es das übrigens mehr als genauso. Da äußert sich das dann letztlich in Liebesentzug, so gibts eben keine Streicheleinheiten, kein Kuscheln und keinen Sex mehr.

Und immer steckt das gleiche Muster dahinter. Dass man unzufrieden ist mit der Meinung des Anderen. Und es folgt Bestrafung dafür. Man kommt jedoch tatsächlich viel weniger mit der Meinung des Freundes nicht klar, als viel mehr mit sich selbst nicht.

Das mag ich näher erläutern: Wenn der Freund oder der Partner anders denkt als ich, dann ist das nicht schlechter oder besser. Komme ich mit der Meinung des anderen nicht klar, dann ist das MEIN Problem. Nicht seines. Denn er hat seine Meinung ja. Und die ist offenbar anders als meine. Und damit kommt wer von uns beiden nicht klar? Nochmal, richtig, ich! Also habe ICH ein Problem damit. Nicht er. Er bittet lediglich um Hilfe und Unterstützung.

Ich bin da längst anders. Komplett anders. Dank diesem langen Weg, den ich in den letzten Jahren eingeschlagen habe. Den kann ich als Weg zur eigenen Unabhängigkeit und Zufriedenheit nur gut heißen.

Wenn ein Freund eine andere Meinung hat als ich, dann nehme ich das wahr. Ich nehme es einfach nur wahr, indem ich es bemerke. Punkt. Und dann überlege und mitfühle und nachfrage, warum er so denkt. Um IHN zu VERSTEHEN.
Und wenn es anschließend darum geht, was für ihn gut oder schlecht ist, dann frage ich mich nicht in erster Linie was ICH für GUT oder SCHLECHT halte, sondern was ER für gut oder schlecht hält. Um zu…?

Und jetzt kommt der große Unterschied zwischen einigen wenigen und den meisten Freundschaften. Es ist hart das zu hören, ja ich weiß. Aber so funktioniert die Realität nun mal. Hart und ungerecht. Aber lieber echt, als gut gemeint. 😉

Der Unterschied ist nun, nachdem ich verstanden habe wie mein Freund (oder auch mein Partner) denkt, dass ich alles daran setze ihn in seinem Glauben zu bestärken und zu unterstützen. Er benötigt ganz offenbar Unterstützung. Und nicht in erster Linie immer einen klugen Ratschlag und Trick siebzehn. Keine Klugscheißereien. Das Hineinfühlen in die Situation des Anderen ist schon an sich so komplex, dass mir ein Urteil aus der Ferne gar nicht zusteht. Nicht weil es mir per se nicht zustehen würde, sondern weil ich die Situation AUS SEINER SICHT gar nicht EINFACH MAL SO nachempfinden kann.
Unterstützen kann ich nur etwas, das schon als Idee bei ihm vorhanden ist. Anderenfalls müsste ich etwas neu erschaffen. Das ist aber nicht gefragt in diesem Moment. Es geht darum für ihn da zu sein und seine Wünsche und sein Bedürfnis zu verstehen, mitzufühlen, sich einzufühlen und ihm dabei die Hand zu halten und ihm den Rücken zu stärken, bei allem was er als nächstes tut.

Das hat mit Kopf durch die Wand übrigens nichts zu tun. Denn wenn er seine Meinung ändert, von sich aus, weil er eine andere Einsicht erlangt (vielleicht auch auf einen von ihm erbetenen Ratschlag hin), dann werde ich wiederum seine Hand halten und ihm seinen Rücken stärken, wieder hinter ihm stehen. So lange, bis er die belastende Situation für sich vollständig auflösen konnte.

Es klingt bis hier hin abstrakt. Darum will ich ein Beispiel bringen.
Die meisten Menschen erfahren mindestens einen, meistens mehrmals im Leben, einen Trennungsschmerz nach dem Ende einer Partnerschaft. Und dann entsteht, zumindest wenn man derjenige ist, der das Ende nicht wollte – meistens aber für beide – eine Situation der Sehnsucht und der Leere. Und wenn man dann mit Freunden und der Familie spricht, hört man ganz ganz häufig den Spruch: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne!“

Was für ein Quatsch in dieser Situation! Das ist genau das Gegenteil dessen, was derjenige wirklich in diesem Moment benötigt. Er benötigt keine Ablenkung und keinen Ausweg in dieser Phase. Das kann erst später folgen. In diesem Moment ist nur pures Verständnis gefragt. Nicht mehr. Pures Verständnis und Mitgefühl in der Trauer.
Und wenn sich die Person einbildet, dass es noch nicht das wirkliche Ende der Beziehung ist, dann sollte man die Person bestärken und ihr Mut machen, um alles zu versuchen, um den eigenen Gedanken und Gefühlen nach zu gehen.
Auch wenn es relativ aussichtslos erscheint, dass man den alten Partner wieder zurück bekommt. Auch wenn MIR in diesem Moment klar ist, dass das vermutlich (!) nichts bringen wird.

Warum?

Weil es eines Tages – und das kann sehr lange dauern – so weit sein wird, dass die Person VON SICH AUS sagt, dass es nun genug ist. Genug gekämpft, genug gelitten, genug versucht.

Und meine Aufgabe als Freund ist es dann wiederum nur da zu sein, die Hand zu halten und hinter ihm zu stehen. Nicht mehr. Sicher nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Wann immer Du im nächsten Gespräch mit einem Freund oder mit dem Partner, sei es ein Telefonat oder persönlich, so eine Situation aufkommen bemerkst… derart, dass Dein Gegenüber eine Meinung zu einem Thema äußert und um Hilfe bittet, sei einfach nur für ihn da. Missachte nicht sein Denken, nicht sein (bisheriges!) Handeln. Nicht seine Absicht zum zukünftigen Handeln. Sei einfach da, halte seine Hand.

2017-02-12

Und um es mit einem sehr lebendigen Beispiel abzuschließen. Vielleicht hattest Du mal oder hast einen Hund oder kennst das Miteinander zwischen einem Hund und seinem Besitzer sehr gut. Wie reagiert der Hund auf alle Launen, positive und negative, des Menschen an seiner Seite?
Der Hund ist einfach für den Menschen da! Es ist für den Hund nicht wichtig, wie der Mensch denkt, was er denkt und warum. Der Hund hat kein Ego. Der Hund hat keine Meinung dazu. Und erst recht will er dem Menschen an der Seite seine Meinung in diesen Momenten nicht aufdrücken. Er legt sich still neben ihn, wenn er merkt, dass etwas gerade bei seinem menschlichen Freund nicht stimmt. Und ist einfach für ihn da…

Das ist für mich echte Freundschaft.

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 2 von 2)

Ich freue mich gerade richtig auf das Schreiben, endlich Teil 2 von Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2).

Im ersten Teil beschrieb ich das Phänomen des Auftretens, des Wirkens und der Bedeutung von Zeitfenstern.
Von meiner Leserin „lunarterminiert“ bekam ich den Hinweis, dass das Nutzen von Zeitfenstern bzw. sich bietenden günstigen Gelegenheiten in der griechischen Mythologie als Kairos betitelt wurde. Und der Gott der Zeit Chronos heißt. Danke dafür. Passt hier rein.

Ich beschrieb in Teil 1, dass Zeitfenster nicht beeinflussbar sind. Sie tauchen manchmal auf, halten eine mehr oder weniger lange Weile an und verschwinden dann durchaus plötzlich wieder, indem sie sich selbstständig schließen.

Zeitfenster ändern sich permanent. An sich ändern sie sich und das Auftreten in verschiedenen Situationen und bei verschiedenen Menschen ändert sich. Ich empfehle den letzten Artikel, Teil 1, einfach zu lesen, bevor es hier weiter geht. Sonst steht das Nachfolgende ohne Kontext da.

Heute geht es mir dabei weniger um die Zeitfenster als solche. Heute geht es mir um Deine Rolle darin!
Was sind Deine Möglichkeiten in diesen Zeitfenstern und was hat das wirklich exakt mit DIR SELBST zu tun? Heute wird es wirklich mal wieder etwas tiefer philosophisch, um so wichtiger ist es daher den Gesamtzusammenhang zu sehen und zu verstehen.

Achtung:
Ich warne an der Stelle ausdrücklich davor weiter zu lesen. Bei sensiblen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl können die nachfolgenden Zeilen ungewünschte Nebenwirkungen auslösen. Diese beabsichtige ich zwar nicht, kann und will sie aber auch nicht verhindern. 🙂

Nochmal kurz zusammen gefasst:

  1. Es gibt Zeifenster.
  2. Du kommst – wenn Du ein solches Zeitfenster erwischst – darin vor.

Wir beschränken uns heute auf den zweiten Punkt.

Bleiben wir im Bereich Pickup. Danach fasse ich das etwas überbegrifflicher und setze es in Bezug auch auf andere Themen. Du erwischst also ein günstiges Zeitfenster. Gut.

Nehmen wir an Du hast eine hübsche Frau (bzw. für meine vielen weiblichen Leser einen hübschen Mann ;-)) gesehen und sprichst sie an. Du stellst Dich lächelnd vor, sie gefällt Dir. Du findest sie mega attraktiv und auch ihre gesamte Erscheinung lässt Dich für einen Moment träumen. Und sie? Sie sieht Dich an, nimmt Dich zu Kenntnis und sagt Dir, dass sie Dich zwar nett findet, Du aber nicht ihr Typ seist.
Wie war das jetzt mit dem Zeitfenster? Es gab keines! Richtig.

Genau genommen hattest Du von Anfang an keine Chance bei ihr zu landen. Du hättest tun und lassen können was immer Du wolltest. Es gibt Frauen die sich vielleicht mit einem Ferrari hätten überzeugen lassen. Solche Gedanken kommen Dir dann. Mag sein, mag auch nicht sein. Aber solche Frauen willst Du in Wahrheit gar nicht. Ich jedenfalls nicht.

(Kurzer Exkurs: Gestern Nacht war ich wieder draußen zum Clubgamen. Wenige Meter neben mir war ein bekannter aktiver Fußballer. Wer, spielt keine Rolle. Für viele Menschen ist er ein Star. Für mich nur ein Mensch von vielen in diesem Club an diesem Abend. Etwas war aber auffällig: Seine Freunde – nennen wir sie einfach mal ihm zuliebe so – standen und tanzten wie eine Traube um ihn herum. Egal was er tat – die Traube bewegte sich im Kreis mit ihm mit und um ihn her. Wie ein Bienenschwarm mit einer Bienenköngin in der Mitte. Würde ich – wenn ich die Bienenkönigin wäre – eine Frau haben wollen, die ebenfalls nur deswegen an meinem Hintern klebt, weil ich jedes Wochenende von ein paar Millionen Menschen im Fernsehen bejubelt werde?!)

Andere Situation:
Du siehst völlig nebenbei eine hübsche Frau, nebenbei deshalb, weil Du gar nicht aktiv auf der Suche bist. Nicht in diesem Moment. Du möchtest nur gemütlich in einem Zeitschriftenladen blättern und kurz verweilen. Und da kommt sie rein, Du nimmst sie erst gar nicht wahr. Aber ihre langen brauen Haare glänzen in diesem hellen Kunstlicht, das von der Decke scheint wie die Sonnenstrahlen über den Gipfeln der Berge hinab ins Tal.
Du benötigst ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass sich jetzt vielleicht wieder ein Zeitfenster auf tut. Diesmal vielleicht wirklich.
„Hey, wie gehts?“, startest Du das Gespräch. „Hi, gut. Bin nur kurz auf der Suche nach einem Artikel in einer Zeitschrift. Was machst Du hier?“, bekommst Du so ungefähr die größtmögliche Resonanz für diesen Moment von ihr mit einem Lächeln zurück gespielt.

Und ab da hast Du ab Sekunde eins die volle Aufmerksamkeit dieser Frau. Sie nimmt sich Zeit für Dich und das Gespräch mit Dir. Und möglicherweise gehst Du zusammen mit ihr direkt noch auf einen Kaffee ein paar Meter weiter. Ein mega entspannter Einstieg, ein mega entspannter Fortgang. Du vereinbarst mit ihr ein Date für den nächsten Abend. Ihr tauscht Nummern aus, verabschiedet Euch mit einem Bussi links und einem rechts.

Wie ist das mit dem Zeitfenster in dieser Situation?
Es existierte von Anfang an! Es war eines da. Es war diesmal wirklich da. Es gab eine echte Chance für Dich. Diesmal war Deine Rolle darin nur, dieses Zeitfenster – das ganz unabhängig von deinem Zutun einfach da war – zu nutzen. Du musstest sie nur ansprechen. Und zwar völlig egal wie. In diesem Fall reichte ein „Hey, wie gehts?“ genauso aus wie ein „Sorry, kannst Du mir kurz helfen bitte. Ich suche gerade so eine Zeitschrift über Männermode, weil mir mein Kumpel letztens sagte, dass meine Hosen so komisch aussehen. Kennst Du Dich da aus?!“  ausgereicht hätte.

Hab ich so noch nie gemacht, aber es spielt keine Rolle. Wirklich nicht. Die Frage ist nicht was Du sagst. Die Frage ist maximal WIE Du es sagst. Aber selbst das ist vernachlässigbar. Ist das Zeitfenster dieser Frau geschlossen (Ehemann / in Eile / findet Dich nicht sexy genug), dann ist es eben geschlossen. Punkt. Vergiss jeden weiteren Gedanken daran. Morgen hätte es vielleicht schon wieder auf sein können, weil ihr toller Göttergatte gestern mit ihr Schluss gemacht hat. Und schwupp, wäre sie mit Dir auf einen Kaffee gegangen.
Der gleiche Mensch. Du.
Der gleiche Mensch. Sie.
Aber nicht das gleiche Zeitfenster. Ein anderes.

Du hast also ein günstiges Zeitfenster erwischt (Kairos), was ist Deine Rolle darin?
Wie wir gerade festgestellt haben, musst Du ein Zeitfenster identifizieren. Das machst Du, in dem Du Dir selbst sagst: „Ich werde jetzt die Wahrheit heraus finden. Existiert für mich jetzt ein Zeitfenster oder nicht?“
Und das kannst Du herausfinden, in dem Du die Frau einfach ansprichst. Und es einfach herausfindest. Du bist ein Wahrheits-Heraufinder. Ein Zeitfenster-Wahrheits-Herausfinder. Du bist eigentlich nur eine ganz gewöhnliche Maschine, mit einer Präzision wie ein verlässliches schweizer Uhrwerk. Deine Aufgabe ist es nur herauszufinden was die Wahrheit ist. Nicht werten. Nicht besser wissen. Nur herausfinden.
Das hast Du getan. Du hast sie angesprochen und bist mit ihr bis zum Ende gegangen. Du hast ein Date vereinbart. Läuft bei Dir. 😉

Was ist die Rolle darin? Nochmal. Was ist Deine Rolle darin? Was hat das alles mit DIR zu tun?

Ich habe oben gewarnt diesen Artikel weiter zu lesen. Es bleibt dabei. Es sollte davor gewarnt werden.

Denn: Du magst Dich riesig freuen, dass diese Frau sich mit Dir treffen möchte. Das Date mag auch zustande kommen. Ihr mögt Euch auch gerne haben. Noch so sehr. Und es mag viele weitere Dates geben. Und allmählich auch Zukunftspläne. Zusammen ziehen. Einen Kinderwunsch. Ihr wollt heiraten, ihr mögt ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und alt werden. Gemeinsam, bis ans Lebensende.

Und dennoch habe ich für mich eines inzwischen erkannt. Nirgends gelesen. Selbst erkannt. Einfach durch das Leben selbst:
Es hätte jeder andere Mann auch sein können in dieser Situation!

Es gab ein Zeitfenster. Du hast es genutzt. Ja. Zweifelsfrei. Aber Du brauchst Dir nichts darauf einzubilden. Du warst einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Eine Minute früher und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt. Eine Minute später und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt.
Die Gedanken und die Glorifizierung des sogenannten Schicksals werden damit obsolet. Es gibt Zeitfenster. Aber es gibt kein Schicksal. Kein nachvollziehbares Schicksal jedenfalls. Das bedeutet sehr konkret gesagt: Auch DU bist in diesem Zeitfenster mit dieser Frau nur ein daher gelaufener Junge. Sie fand Dich toll. Na und. Sie hätte zig tausend andere Männer IN DIESEM ZEITFENSTER ebenfalls toll gefunden, hätten die anderen Männer es nur genutzt.

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Dieser Kern meines Artikel ist enorm wichtig komplett richtig zu erfassen. Sonst geht die Botschaft verloren.

Ich will niemanden ent-träumen lassen. Wirklich nicht. Du bist ein toller Mensch, zweifelsfrei. Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder. Und jede Situation ist etwas Besonderes. Jede Situation zwischen Mann und Frau. Das Kennenlernen. Das Zusammenkommen. Alles.
Aber: ES HAT NICHTS MIT DIR ZU TUN! Bilde Dir wirklich nichts darauf ein. Du bist deswegen kein Held. Nochmal: Du warst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Hätte ein anderer Typ sie gerade angesprochen, dann hätte sie einige Zeit später mit dem anderen Typen geschlafen und die beiden wären nun verheiratet, anstatt Euch beiden. Vielleicht würden die beiden nicht lange glücklich werden oder bleiben und plötzlich gäbe es ein Beziehungsende. Und plötzlich öffnet sich wieder ein neues Zeitfenster im Leben dieser Frau in Bezug auf das Kennenlernen eines neuen Mannes. So ist der Lauf der Dinge.

Du bist etwas Besonderes! Definitiv. Das musst Du begreifen. Tief verstehen und begreifen. Aber es ist nichts Besonderes, dass Du mit dieser Frau zusammen gekommen bist. Wäre es nicht sie, dann wäre es ein paar Zeitfenster später eben eine andere Frau. Auch mit der kannst Du glücklich werden und Kinder bekommen. Und Du wirst es auch, ohne es je gemerkt zu haben, dass die Willkür für Dich entschied. Andere nennen es Schicksal. Letztlich war es jedoch einfach Zufall, aus meiner Sicht.

Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Wirklich auch nichts entmystifizieren. Jeder soll an das wahre Schicksal glauben. Die eine große Liebe. Ja. Ich tat das auch. Lange lange Zeit. Bis ich festgestellt habe was passiert, wenn eine Beziehung zu Ende geht und nicht mehr kommt. So weit in Ordnung, aus der Sicht. Möglicherweise hätte ich mich auf die Suche nach einer neuen „einzig wahren großen Liebe“ begeben. So wie alle Menschen. Und dann wäre ich vermutlich irgendwann sehr enttäuscht worden. So wie (fast) alle Menschen.

Nur begann ich zu pickuppen. Und stellte dadurch fest, dass das alles nichts mit mir als Mensch zu tun hat. Nicht mit mir als Wesen. Erst recht nicht mit mir als Seele.
Und keine Angst, dass ich nichts mehr empfinden könnte. Weil ich doch jetzt denken würde, dass alles Willkür und Zufall sei. Nein nein, ich weiß nur, dass alles vergänglich ist. Und sich alles in Zeitfenstern bewegt. Das ganze Leben. Das WEIß ich inzwischen. Kein „ich denke mir das“, sondern ich erlebte und erlebe es. Und daher weiß ich.

Ich weiß, dass das nicht ins Denken passt. „Ja aber mein Partner und ich, wir haben uns gesucht und gefunden. Wir sind füreinander geschaffen!“. Ja, ich weiß. Das kannst Du so denken. Und Du wirst glücklich damit sein – jedenfalls so lange Eure Beziehung anhält, vorzugsweise glücklich. Und irgendwann wachst Du auf und es macht BUMM. Und es ist aus. Hoffentlich nicht. Wirklich. Aber was, wenn doch? Seid ihr dann immer noch füreinander geschaffen? Trotz dem Aus? Oder wart ihr dann plötzlich noch nie füreinander geschaffen? Denk drüber na@ch. 😉

Es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt als sein Glück teilen zu können und geteilt zu bekommen. Das hat damit nichts zu tun. Das taste ich als Heiligtum niemals an.

Wie oben gesagt, nun noch ein paar globaler geltende Worte. Nicht nur in Bezug auf Pickup: Das gleiche Prinzip – und jetzt wird es ganz schnell jedem noch so skeptischem Leser klarer was ich meine, ich bin mir sicher! – gilt auch im Berufsleben. Es gibt eine Stellenausschreibung und es öffnet sich damit ein Zeitfenster. Du bewirbst Dich, weil Du denkst, dass Du das Profil zu 100% erfüllst. Übertriffst, sogar. Du wirst eingeladen und nach einem gefühlt perfekt laufenden Gespräch bekommst Du gesagt: „Wir stellen Sie gerne ein, sie können nächsten Monat bei uns anfangen!“.

Wie ist das jetzt mit Deiner Rolle darin? Bildest Du Dir an dieser Stelle ebenfalls ein, dass es Schicksal war, dass Dich diese Firma nimmt? Ihr seid füreinander geschaffen? Du und das Unternehmen? Das Unternehmen hat seinen Lebtag damit verbracht auf den einen richtigen zu warten und Du kommst just dann wie ein Ritter in glänzender Rüstung daher geritten? Sicher? Oder war es Zufall und „es hat halt gerade gut gepasst, für beide Seiten“?

Mir tut das ein bisschen weh, das gerade so zu schreiben. Ich bin tatsächlich gerade etwas sentimental. Weil das selbst als meine eigene Wahrheit noch nicht völlig in den Kopf will. Und ich selbst noch stark daran kämpfe mir selbst zu glauben. Obwohl ich längst spüre, dass es wahr ist. Jedenfalls für mich.

Aber ich bin ein Mensch, der Unwahrheiten nicht mag. Und der immer neugierig ist und sich immer alles genau ansieht und nachhakt. Der nicht alles glaubt was da steht. Und der seine eigenen Erfahrungen macht. Aktiver als je zuvor. Und der lieber spürt als zu denken. Und ich spüre…

Mir ist bewusst geworden, dass ICH viel weniger wichtig bin in einem Gesamtkontext, als mir vielleicht lieb wäre. Ich bin hier, ich atme. Ich lebe. Und das ist das einzige, das im Moment gerade wahr ist. Alles andere kommt und geht. Auch Du und Ich, auch wir werden gehen. Eines Tages. Bis dahin können wir Zeitfenster für uns nutzen. Aber uns bitte nichts drauf einbilden, wenn wir mal ein aufkommendes Zeitfenster für uns nutzen konnten. Es hätte jedes andere Zeitfenster auch sein können… jeder andere Mann oder jede andere Frau hätte es genauso sein können.

Als Trost kann ich nur sagen: Es hätte JEDER andere auch sein können. Aber in diesem konrekten Fall bist es eben Du geworden. Sei glücklich damit, dass Du es bist.

Und wenn Dich dennoch etwas glücklich machen kann am Kern dieses Artikels, dann ist es, dass Du Dir über das Phänomen der Zeitfenster bewusst bist und um seine Bedeutung und Deine Rolle darin (nun) weißt. Sei also zumindest darauf stolz das zu wissen und nutze das für Dich. Dann hat sich all das für dich schon sehr gelohnt. Auch ganz ohne Schicksal. 🙂

PS: Ich liebe diese Postskripte… nutze ich in meinen Artikeln ja immer häufiger. 🙂
Was ich noch sagen will:
Wenn Du einen Partner hast, geh einfach schnell zu ihm oder ihr rüber und küss ihn einfach. Sei glücklich darüber, dass ihr Euch habt.
Es hätte jeder ander auch sein können. Ja. Wenn nicht Du, dann jemand anders. Klar. Aber sei einfach froh, dass es im Moment ist wie es ist. Das Beste für Euch.

PPS: Wer sich selbst die Frage stellt, was man denn dann tun kann oder tun soll, mit diesem Wissen… dem kann ich nur sagen was ich inzwischen tue und wie mein Umgang mit meinem Leben inzwischen ist:
Ich versuche SELBST glücklich zu werden und immer weiter auf den Weg dazu zu kommen. Und zwar ganz ganz unabhängig von Freunden, der Familie oder einer Partnerin. Und erst recht völlig unabhängig von solchen Unwichtigkeiten wie dem Beruf. Ich arbeite täglich an mir und versuche selbst so weit zu kommen, dass ich gar keine Partnerin mehr benötige, um mich „komplett“ zu fühlen. Das wissen, dass keine Partnerin der Welt mich komplettieren kann, habe ich bereits. Aber das auch zu Leben und sich tief einzugestehen ist schwer. Daran arbeite ich hart.
Und dann wird es so sein wie immer im Leben: Plötzlich ist sie da.

Philosophischer Sonntag – Momente überholen sich

Endlich Sonntag. Zeit für etwas Philosophisches.

Philosophischer_Sonntag

Gestern fuhr ich nachts mit dem Auto auf der Autobahn zurück vom Familienbesuch nach Hause. Stockdunkel. Alleine, nur alle paar Minuten mal ein Auto. Ich genoss die Fahrt und wollte nicht früher ankommen als nötig. 130 maximal. Auf der mittleren Spur. Die weißen LED Scheinwerfer leuchteten die Fahrbahn aus. Links und rechts breiteten sich die Spuren gefühlt zu einer Flugbahn aus. Und ich empfand die Fahrt als eine in Richtung Horizont. Weite und Breite. Weit und breit alleine.

Die Boxen donnerten einen meiner Lieblingssongs, „Halo“ von Beyonce. Erhaben. Großartig. Gefühlvoll.

Und ich spürte in dem Moment eine Glücklichkeit. Glücklichkeit im Moment zu sein. Nicht glücklich über den Moment an sich und nicht glücklich über das Jetzt an sich. Nicht darüber, dass alles genau so ist wie es ist in meinem Leben. Sondern eine reine Glücklichkeit im Moment zu sein, ihn wahr zu nehmen. Als einen Moment. Natürlich kamen mir auf der Fahrt Gedanken zu früher und zu den letzten Monaten. Einzelne Ereignisse hier und da. Und ich konnte all diese Gedanken jeweils sofort und ohne umschweife wieder beiseite schieben.

Während mir Beyonce mit ihrem Songtext die Zukunft vorweg zu nehmen schien (wer den Songtext kennt…), hob ich ab. Eine Ebene nach oben. Von der Mikro-  zur Makro-Ebene. Raus aus dem einzelnen Gedanken. Rein in die Über-Gedanken. Und ich beobachtete mich selbst. Die Beobachter-Perspektive ist oft viel wichtiger als die eigene. So stellte ich mir selbst die Frage: „Wie lange mag dieses schöne Gefühl gerade anhalten?“

Das Leben im Jetzt fordert eine streng schonungslose Besinnung auf den stets aktuellen Moment. Moment für Moment. Sie lösen einander ab. Alles ist vergänglich, ist so eine zwangsläufige Erkenntnis. Wir alle machen unsere Erfahrungen mit der Vergänglichkeit, früher oder später. Leben im Jetzt heißt auch leben im Moment. Durch die Ablösung eines jeden Moments durch den nächsten, vergrößert sich auch die Erkenntnis über die stete Änderung von allem.

Mir fiel während der Fahrt bildhaft eine Gruppe Rennradfahrer ein. Wenn sie hintereinander im höchsten Tempo dicht an dicht den Weg entlang kurbeln. Bis der Hinterste ausbricht, alle überholt und sich ganz vorne einreiht. Damit die neuen Hinteren im Windschatten fahren können. Der sportliche Askpekt soll an der Stelle keine Rolle spielen. Das Überholen und erneute überholt werden ist Symbol für die Abwechslung der Momente. Zurecht kann man bemerken, dass das Überholen der Momente ein Selbstzweck des Lebens zu sein scheint.
Wir sind nicht gefangen im Eis. Also wechseln sich Momente stets ab. Sie überholen sich. Einer den nächsten.

Und bei allem Leben im Jetzt wird klar, was die Beobachter-Perspektive hervor bringt. Die sichere Erkenntnis, dass sich alles abwechselt. Auch der schönste Song mitten in der Nacht. Auch das schönste Gefühl, das man in dem Moment empfindet.

Im Jetzt zu leben wäre zu kurz gegriffen. Es ist weiter noch die Erkenntnis, dass sich ständig alles ändert. Selbst das tolle Gefühl mit Beyonce, alleine auf der Fahrt. Niemand anders der in dem Moment irgend etwas besser weiß. Niemand anders, der in dem Moment für einen entscheidet. Niemand anders, der Dich gerade beeinflusst.

Und das ist für mich das Besonderste dahinter. Zu wissen, dass – egal was passiert sein mag – dieses Gefühl von gerade, im Jetzt, wieder vergehen wird. Alles ist vergänglich. Wie die schönsten, so auch die schlimmsten Momente des Lebens. Es ist eine neue Stufe des Lebens im Jetzt. Es ist eine Erweiterung. Raus aus der Mikro-Ebene. Rein in die Makro-Ebene.

Alles wechselt sich ständig ab. So wie mit den Rennradfahrern. Das schenkt Trost in schlimmen Momenten. Und nimmt überschwängliche Euphorie in den schönsten Momenten. Die Kunst hinter dieser Erkenntnis liegt darin im vollständigen Bewusstsein im Jetzt zu Leben, ohne den Moment als integralen Bestandteil der eigenen Zukunft wichtig zu nehmen. Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Nur Jetzt. Wir sind nur da um zu lauschen. Und wir haben das sichere Wissen, dass sich stets alles abwechselt. Auch die schönste Fahrt auf der Autobahn im Dunkeln wird abgelöst werden. Durch den nächsten Moment. Vielleicht wenn man Zuhause ankommt. Vielleicht schon früher.

Momente lösen tatsächlich stets einander ab. Mehr noch, sie überholen sich. Lass Dich nicht überholen, sondern lausche. Und sei der Überholer. Oft genug kannst Du es nicht beeinflussen, wann ein Moment zuende geht. Kannst Du es aber, dann überhole, ohne überholt zu werden.
Und wann immer es nicht gelingt, kannt Du wissen, dass ein nächster Moment bereits um die Ecke wartet. Er wird kommen. Und Dich wieder ein Stück weiter mitnehmen auf Deiner Reise. Das Leben ist eine einzige Überholspur von Momenten. Nimm es an wie es ist und wann immer Dir ein Moment gefällt, kannst Du versuchen ihn zu entschleunigen. Und ein Stückchen länger zu genießen… im sicheren Wissen, dass auch der schönste und längste Moment überholt werden wird.

Ich fahre mich

Ich sitze gerade mit meinem Laptop auf dem Schoß auf meiner Couch. Für mich ist das die tollste Couch der Welt. So toll, dass ich sie erst meinen Eltern und danach mir selbst gekauft habe.

Da sitze ich nun und sehe nach rechts von mir aus meiner riesigen dreieckigen Fensterfront nach draußen. Bäume ohne Blätter. Sie grünen nicht im Winter. Sie sind einfach nur braun, die Bäume. Die Baumstämme. Es ist windstill. Und dahinter ein hellblauer wolkenloser Himmel. Die Sonne scheint und lässt meine Pflanzen auf meiner Fensterbank in unterschiedlichen Grüntönen strahlen. Durch das Licht wirft eine Drachenpflanze seinen Schatten an eine Wand.
Es ist still im Raum. Der Fernseher läuft, ohne Ton.

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Hätte ich nicht vor über einem Jahr diese Pflanzen gekauft, so würde auch keine Pflanze seinen Schatten werfen. Und die Sonne diese Pflanzen nicht die Klaviatur der Grüntöne spielen lassen können.
Lange Zeit hatte ich kaum Pflanzen in der Wohnung. Heute ist es anders.
Meistens nimmt man die alltäglichen Gegenstände um sich herum nicht so bewusst wahr. Sie sind eben Alltag. Ganz normal. Doch eigentlich ist nichts normal. Normalität ist etwas, das wir Dingen und Situationen zuschreiben. Dinge sind weder besonders noch normal. Sie sind einfach wie sie sind. Und dann wird daraus das, was jeder von uns mit seinen Gedanken daraus macht. Manchmal ist es gut, sich einfach auf die Couch zu setzen und sich in seinen eigenen vier Wänden umzusehen.
Was steht da? Was war vor kurzem noch nicht da? Was davon brauche ich vielleicht nicht mehr?
Und nicht so sehr die Frage zu stellen, was ich noch dazu haben möchte. „Dazu“, zu was? Zu all dem? Noch etwas dazu? Und dann? Ist da noch mehr. Mehr, mehr, mehr. Und dann?

Heute fahre ich mich zu einem Familienbesuch. Warum fahre ich MICH? Warum fahre nicht ich? Nun, momentan habe ich mit körperlichen Auswirkungen aufgrund meiner vorangegangenen und noch andauernden schwierigen Lebenssituation zu arbeiten. Ich sage bewusst nicht „zu kämpfen“. Denn ich kämpfe nicht. Lieber ergebe ich mich, ich bin längst pazifist geworden. Auch mir selbst gegenüber. Still werden, still sein. Hinnehmen, dass etwas ist wie es ist. Und doch merke ich, dass mein Körper und ich nicht mehr an einem Strang ziehen. Meine Physiotherapeutin sagte letztens zu mir: „Sie haben Ihren Körper auf Ihrem Weg im Jetzt in der Vergangenheit vergessen mitzunehmen.“

Und so empfinde ich das. Es ist nicht mehr mein Körper. Sondern ein Körper. Und dann bin da noch ich, als Geistes- und Seelenwesen. Körper, Geist und Seele. Sagt man. Das hat sich bei mir wohl voneinander abgetrennt. Mein Körper sagt mir inzwischen täglich mehr, dass etwas nicht passt. Stress und Unzufriedenheit in der Arbeit. Eine an sich unveränderte Gesamtsituation. Beruflich und Privat. Und dann will man vielleicht mit dem Kopf. Aber der Körper sagt zunehmend „nein danke“.

Aufgabe für mich wird es in den nächsten Wochen und Monaten sein, dass die Drei wieder zueinander finden.
Gestern war ich bei einem Arzt zu einer Untersuchung und er hat etwas festgestellt, was zwar einzeln betrachtet nicht gesundheitsbedenklich ist, was aber auch nicht gut ist. Vermutlich sogar nicht mal heilbar sein wird. Wenn die körperlichen Auswirkungen durch den Alltag Überhand nehmen, dann, ja spätestens dann, ist die Zeit gekommen den Alltag zu verändern.

Das Projekt Beziehung wird sich vermutlich in den nächsten Wochen in eine andere Richtung entwickeln (müssen). Und ich vermute, dass der Fokus gar nicht mehr so sehr auf dem Finden der einen Prinzessin liegen wird. Sondern darin, dass ich wieder zu mir selbst komme. Dass Geist, Seele und Körper wenigstens wieder einander die Hand reichen können. Ich bleibe erst einmal abstrakt in meinen Beschreibungen. Vermutlich wird es im Laufe der Zeit noch konkret genug werden. Auch ich brauche nach der gestern an sich ziemlich niederschmetternden Diagnose Zeit zum Verarbeiten. Und Zeit mir Gedanken zu machen. Um dann aktiv werden zu können. Nicht planlos. Sondern gezielt.

Ich glaube, dass ich vor der größten Wendung in meinem Leben stehe. In meinem Leben. Nicht im Leben in Bezug auf andere. Fassen kann ich das noch nicht, begreifen auch noch nicht. Aber es wird kommen. Ein bisschen freue ich mich auch darauf, weil es eine Herausforderung ist, für sich selbst aktiv zu werden. Jetzt geht es tatsächlich einmal nicht mehr um Andere, nicht mehr andere Menschen und auch kein Job und auch kein Sonstwas mehr. Der Körper holt sich gerade seinen Stellenwert zurück, den er verdient hat. Und da muss mein Kopf erst noch lernen mitzumachen. Und deshalb wird alles andere aus der Gedankenwelt in nächster Zeit zurückstecken müssen, dürfen. Vor allem die Gedanken anderer Menschen. Die Gedanken des Chefs. Die Gedanken der Familie. Die Gedanken von Freunden. Es ist ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr um Gedanken geht. Jetzt geht es tatsächlich um die Frage wie ich auf die scharfen Warnsignale des Körpers reagiere. Und da werde ich alles wegdrücken müssen, was mir von außen aufzuoktroyieren versucht werden wird.

Vermutlich wird das mehr Energie kosten als ein paar tausend Frauen anzusprechen. Aber es geht um mich. Und ich nehme den Weg an. Es bleibt mir gar nichts anderes übrig.

Oben sagte ich, dass ich mich heute zu einem Familienbesuch fahre. Und stellte die Frage warum ich MICH fahren würde. Anstatt nicht einfach zu fahren. Wie all die anderen Menschen.
Weil der Körper im Moment eine andere Sprache spricht als ich. Weil er sich etwas von mir verselbstständigt hat. Nicht mehr im Einklang mit meinem Geist und meiner Seele. Also fahre ich mich, jedenfalls meinen Körper. Erstmal. Das ändert sich hoffentlich bald wieder. Aber ich stelle mich auf einen langen Weg ein.

Und bis dahin freu ich mich heute erstmal auf meine Familie.