Philosophischer Sonntag – Alles über nichts

Der heutige Philosophische Sonntag wird ein kurzer. Einer zum kurzen knackigen Nachdenken. Wenige Worte statt vieler.

Philosophischer_Sonntag

Heute geht es um Besserwisser und Expertentum

Das ist nicht nur auf den Job zu beziehen. Es geht auch um das Privatleben. Die Tendenz auf unserer Welt geht immer mehr in Richtung Expertentum. Wer ist denn heute noch in der Lage relativ viel selbst zu tun? Kaum tropft mal ein Wasserhahn, benötigen wir einen Handwerker. Geht mal der PC nicht, dann muss irgendwer aus der Familie oder dem Freundeskreis einspringen. Bei Versicherungen haben wir schon drei mal keine Ahnung welche nun nötig ist und welche nicht. Sofort muss der Vertreter her. Beim Kochen wird nur noch exakt nach Rezept nachgemacht. Eigene Entscheidungen auf fremdem Terrain? Fehlanzeige! Alles Beispiele aus dem Privatleben.

Und im Job sieht es noch schlimmer aus. Da gibt es zig verschiedene Experten für jedes unterschiedliche System. Egal welcher Art. In der Produktion das Gleiche. Am Fließband macht jeder Arbeiter fast nur noch einen Handgriff, dafür den ganzen Tag immer den gleichen. Wie ein Roboter. Aber seinen Nachbarn am Posten daneben kann er nicht ersetzen. Selbst in den einfachsten Tätigkeiten sind wir Experten geworden. Experte für dies, Experte für das.

Ist das wirklich gut?

Es gibt einen weisen Mann, den ich sehr verfolge. Besser gesagt seine Reden und Texte. Und er sagt so schön:

„Die Menschen wissen immer mehr von immer weniger. Bis sie irgendwann alles über nichts wissen. Dann überschlägt es sich.“

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Letztes Wochenziel erreicht oder verfehlt? Der Schlaf…

Am 13.02.2017 schrieb ich im Artikel Für diese Woche (KW 07/2017) gibt es nur ein Ziel, dass die Woche im Zeichen des Schlafes stehen würde.

8 Stunden Schlaf aus Prinzip!

„Im Zeichen des Schlafes“ heißt in diesem Sinne, dass mein Schlaf-Tagesziel bei mindestens 8 satten Stunden liegen sollte.
Ein Ziel festlegen? Das ist ja einfach! Die Frage ist also nur noch, ob ich dieses Ziel für letzte Woche eingehalten und somit erreicht habe. Oder nicht?

Um es vorweg zu nehmen: Nein. Aber ein bisschen auch ja. An fünf von sieben Tagen habe ich es geschafft. An zwei Tagen nicht. Zu lange war ich an den beiden Nächten wieder mal am Laptop gesessen, habe telefoniert oder allerlei anderen Unsinn veranstaltet.

Das klingt im ersten Schritt gar nicht so spektakulär. „Ja gut, hat er halt nicht so viel Schlaf gehabt, was will er uns damit sagen?“, würde in einem Hollywood-Streifen jetzt eine Stimme aus dem Off sprechen. Es geht mir mit diesem Artikel gar nicht mal nur um mich. Acht volle Stunden Schlaf sollte jeder Mensch haben, ein Drittel des Tages. Klingt vernünftig, oder? Null Komma Periode drei des Tages.

Manche Menschen schaffen nicht mal vier oder fünf

Mir ging das zwischenzeitlich auch mal sehr lange so. Tja, die lieben Frauen halt. „Bringen einen um den verdienten Schlaf“, könnte ich klagen. Depression, trifft es eher. Tat ich eine Zeit lang auch, mich darüber zu beklagen, dass mir Andere den Schlaf rauben. Heute klage ich nicht mehr. Heute weiß ich, dass ich selbst Schuld war und wieder bin, sobald ich es erneut zulassen würde.
Inzwischen kann ich wieder ganz gut schlafen, auch wenn mich alte Erinnerungen von Zeit zu Zeit einholen. Einstweilen ist mein Fokus des Schlafes jedoch auch ein anderer. Und um den sollte es im Leben immer gehen! Bei jedem Menschen. Der gesundheitliche Aspekt sollte stets an erster Stelle stehen! Viele Jahre sah ich den Schlaf als eine lästige Pflicht. „Man muss eben schlafen, damit man am nächsten Tag nicht müde ist“, war mein Denken.

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Viele Menschen leider unter Schlafmangel, aus den diversesten Gründen. Darauf möchte ich gar nicht näher eingehen. Das kann so unterschiedliche Ursachen haben, teils körperlich bedingt und teils psychisch bedingt. Es soll hier nicht um den physiologischen Abriss gehen, nichts über irgendwelche REM-Phasen, Melatonin rauf oder Serotonin runter. Wenn das jemanden interessiert, dann kann er Medizin studieren und Bücher auswendig lernen. Mir geht es stattdessen nur um den eigenen Fokus. Der mentale Aspekt! Ich hab einfach den Eindruck gewonnen, dass Schlaf im Leben der meisten Menschen nicht den verdienten Stellenwert einnimmt.

Inzwischen weiß ich, dass der Schlaf zum Wachsein gehört wie das richtige Besteck zum Auslöffeln einer Suppe. Und zwar nicht nur der, die man sich selbst zuvor eingebrockt hat. Nein, generell. Es ist wie mit Ying und Yang. Ohne gesunde Wachphase gibt es keine gesunde Schlafphase, und umgekehrt.

Aber wieviel bist Du Dir selbst wert?

Schlaf regeneriert beschädigte Körperzellen. So wie ein Muskel auch nur in der Regeneratiosphase wachsen kann und nicht bei Belastung während dem Sport. Das ist auch so ein Irrglaube. Hört man auch oft: „Ich trainiere heute hart, dann wächst mein Muskel mehr!“ Richtig wäre: „Ich trainiere heute hart, danach wächst mein Muskel mehr!“

Klingt nach einer Feinheit, diese Unterscheidung. Sie ist aber essentiell. Nicht hinsichtlich dem Verständnis für seine Auswirkung, sondern um sich selbst zu verstehen und sich den eigenen Umgang mit der körperlichen Ruhephase bewusster zu machen.

Auch wenn die Gründe für nicht guten oder nicht ausreichenden Schlaf bei jedem Mensch unterschiedlich sein mögen, so sehr sollte im eigenen Leben der Stellenwert des Schlafes einen ebenso hohen wie die Wachseinsphase einnehmen. Um nicht zu sagen: Mindestens!

Ich betrachte das ein wenig wie den Akku meines Smartphones. Hierbei ist jedem Menschen klar, dass man zunächst laden muss, um danach davon zehren zu können.
Und wie machen wir das beim Schlaf? Da wird gezehrt und gezehrt. Montag bis Freitag wird jeden Abend spät ins Bett gegangen und dann „kommt schon noch das Wochenende“. In der Realität hält das Wochenende oft jedoch auch nicht zum Schlafen her, sondern als Rechtfertigung doch einfach später ins Bett gehen zu können, „morgen kann ich ja dann ausschlafen!“.

Ich kann sagen, dass ich mich letzte Woche deutlich weniger müde gefühlt habe. Zumindest im Tagesdurchschnitt. Es ist nichts, das man sofort als ein Extrem wahrnimmt. Zu wenig Schlaf äußert sich zwar brachial durch alles überragende Müdigkeit. Ausreichend Schlaf hingegen macht sich nicht umgekehrt ebenso deutlich bemerkbar durch exorbitante Leistungsfähigkeit und Leistungssteigerung. Der Mehrwert ist nur sanft spürbar. Doch bin ich absolut davon überzeugt, dass man viele Probleme im Alltag nicht hätte, wenn man ausgeschlafen wäre. Weniger Gereiztheit, klarerer Verstand. Dazu muss man nur mal in sich hinein horchen. Aufmerksam sein, mit sich selbst. Zu sich selbst. Und man wird jederzeit spüren können, ob man genügend Schlaf hatte. Unabhängig dessen was einem der Wecker sagt, ein großer Unterschied!

Die Stimme aus dem Off!

Übrigens: Ich liebe Filme mit Stimmen aus dem Off. Denn die wahren Gedanken eines Menschen können sich so sehr von dem Gesagten unterscheiden. Mehr Schein als Sein, ist das beherrschende Thema des üblichen Alltags aller Menschen. Auch wenn es nur ein Film sein mag, so ist es ein großer Unterschied, ob ich die Gedanken des Protagonisten wahrnehme oder lediglich dessen Gespräche. Letztlich sind es die Gedanken des Regisseurs bzw. des Drehbuchautors, aber darum geht es gar nicht. Es geht um die Gedanken dahinter, die Gedanken hinter dem Gesagten.

Gestern Abend habe ich einen Film fertig gesehen (ja, bin ein Etappenschauer!), bei dem mehr aus dem Off gesprochen wird als sonst während des restlichen Films. Der Hauptdarsteller spricht in seiner Rolle fast gar nicht. Sehr wortkarg, der Typ. Dafür lässt er an seinen Gedanken umso mehr teilhaben, aus dem Off. Gefühlt in fast jeder Szene.

Welcher Film das ist? Wird noch nicht verraten! Aber es wird dazu hier noch ein Film-Review kommen. Ich habe gestern erst die letzten 30 Minuten des Films gesehen, und ich kann sagen: Mega gut! Prädikat: Außergewöhnlich! Und das, obwohl er ziemlich unbekannt ist.
Nur soviel sei vorab verraten: Er passt thematisch in diesen Blog wie die Faust aufs Auge.

Nur eines hat mich nicht verwundert: So sehr ich den Film auch mitreißend und vor allem sogar inspirierend fand, die Klette ist am Wochenende neben mir dabei weggenickt. Und so schließt sich der Kreis thematisch. Stimmen aus dem Off und der Schlaf.

Experiment 2 – Vitamin D3

Mit dem Artikel Experiment – Kein Anstand, keine Erziehung habe ich soeben nachträglich eine neue Kategorie hier auf dem Blog eingeführt. Projekt Beziehung goes „Projekt Experiment“. Da kommen zukünftig alle meine Experimente rein.
Wie ich Anglizismen nicht ausstehen kann. Aber sie sind doch so schön schick. Und trendy, äh, im Trend. Ups.

Bei Experimenten muss ich doch glatt an Daniel Düsentrieb denken. Kennt ihr den noch? Den von Duck Tales. UUUUHUUU!

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Mit dem Artikel heute startet ein neues Experiment, Nr. 2. Ohne das alte abzulösen, warum auch. Das erste Experiment (im Artikel oben nachzulesen) geht es um die Erforschung der Auswirkung von Direktheit in der Kommunikationsbeziehung zwischen Mann und Frau, insbesondere auf dem ersten Date.
Auf Deutsch: Ich sag der Frau beim ersten Date zukünftig immer sofort, wenn mir was nicht passt. Charmant, aber klipp und klar. Und dann schaue ich mal, wie die Damenwelt darauf so reagiert. Anstatt mir jedes Date nur etwas dabei zu denken, wenn ich irgend eine Aktion von der Frau mal wieder merkwürdig, unpassend oder uncharmant finde. Ich finde grundsätzlich ja vieles merkwürdig, unpassend oder uncharmant. Das geht uns allen so.

Aber bisher hab ich einfach die Klappe gehalten. Wenn man sich zurücknehmen lernen möchte, lässt man einfach über sich ergehen. Ist aber irgendwie auch nicht so das Wahre, hab ich festgestellt, jedenfalls nicht auf Dauer. Für die Situation und zum Üben ist das prima, man lernt seine Komfortzone zu erweitern. Man wird geduldiger, man wird rücksichtsvoller, man wird insgesamt ruhiger. Vieles aus dieser Phase habe ich für mich übernommen. Kleinigkeiten stören mich tatsächlich nicht mehr. Einzelheiten innerhalb der Kleinigkeiten gleich zwei mal nicht mehr. Aber es hilft mir nichts auf dem Weg meine Traumfrau zu finden. Zu mir selbst finde ich damit schon, absolut. Mich selbst finde ich auf diese Art, aber nicht sie. Nicht Fr. Traumfrau.

Kann natürlich passieren, dass dem Druck nicht jede Frau stand halten kann. Den Druck erzeuge allerdings nicht ich, den macht sie sich dann selbst. Kraft ihrer Gedanken. Ich spreche nur an wenn mir etwas nicht passt oder ich etwas komisch finde.
Umgekehrt muss ich aber sagen, dass ich es auch schon öfter erlebt habe, dass mir eine Frau irgend etwas „vorwirft“. Meistens inhaltlich im Gespräch, wenn ich eine klare Meinung zu etwas habe. Dann wird schon oft mal nachgefragt wie man denn zu „so“ einer Meinung kommen könne. Ein Weltverbrechen? Nein. Im Gegenteil, eine eigene Meinung zu haben ist eine Weltverbesserung! 🙂

Direktheit sorgt in jedem Fall für eine richtungsweisende Konsequenz, es trennt die Spreu vom Weizen! Und eines gehört zu einem guten Projekt wie das Salz in die Suppe, das Zeitmanagement. Dates mit langweiligen Frauen hatte ich genug in den letzten Monaten. Dates mit uncharmanten Frauen genauso, mit merkwürdigen umso mehr. Dates mit hinreißenden und bezaubernden Frauen jedoch auch, nur mit denen ist bis jetzt nichts Ernstes draus geworden. Ob ich nicht hinreißend und bezaubernd genug für hinreißende und bezaubernde Frauen bin? Das ist wohl die Quizfrage…?

Hier ist die Antwort:

Auf meinem… hmm… ich weiß nicht… vorvorletzten Date – glaube ich – musste ich mir sagen lassen, dass ich sprechen würde wie auf einem Vorstellungsgespräch. Habe ich so noch nie gehört. Was sie aber nicht dazu sagte: Egal was ich äußerte, sie war stets gegenteiliger Meinung. Meistens noch bevor ich meinen Satz zu Ende gesprochen hatte. Kurios. Das Date hat sich mal unreal angefühlt, muss ich sagen. Natürlich wird es dann frostig. Ich hab mich dann zunehmend zurück gehalten und sie erzählen lassen. Das konnte sie gut. Sinnfrei zwar, aber erzählen konnte sie. Also ließ ich sie labern, äh erzählen. Abwechselnd ließ ich sie erzählen und dann wieder mich unterbrechen. Das ging dann eine ganze Weile so, bis es mir zu doof wurde. Dann hab ich fast gar nichts mehr gesagt. Geile Erfahrung.
Jedenfalls war das so ein Moment, bei dem Dir mal direkt was ins Gesicht geknallt wird. Ob sie das gut oder schlecht um uns meinte, spielte dabei keine Rolle. Es war der direkte Ausdruck eines Gedankens von ihr. Das nenne ich doch ehrlich. Und so wusste ich wenigstens, dass irgend etwas nicht passt zwischen uns – und zwar auch (!) aus ihrer Sicht.

Und nun zum neuen Experiment (Experimentzweivitamindedrei):
Vor ein paar Wochen habe ich eine Krankheit attestiert bekommen. Der Krankheitsverlauf ist weder prognostizierbar noch ist vorhersehbar, ob die Krankheit überhaupt geheilt werden kann. Wenigstens ist sie nicht lebensbedrohlich, wäre ja noch schöner. Ansteckend ist sie auch nicht. Wäre ja noch noch schöner.
Es wurde in zahlreichen Studien (die in aller Regel immer so gut sind wie dessen zugehöriger Auftraggeber es möchte – Lobbyismus sei Dank!) jedoch ein signifikanter Zusammenhang mit einem Mangel an Vitamin D festgestellt.
Gerade in Nord- und Mitteleuropa leiden laut übereinkommenden Untersuchungen die meisten Menschen an einem chronischen Mangel an diesem Vitamin. Vitamin D – das muss man wissen – wird im Körper selbst produziert, und zwar durch die Aufnahme von Sonnenlicht, genauer gesagt UVB-Strahlung. Dies setzt eine entsprechend ausreichende Versorgung der eigenen Haut mit Sonnenlicht voraus. In den Wintermonaten ist jedoch gerade dies ein Problem, der größte Teil der Haut ist fast permanent bedeckt (Pullover/Jacke, Mütze, Handschuhe). Damit kann – bis auf wenige Menschen, die sich auch im Winter ständig in der Sonne aufhalten – das lebensnotwendige Vitamin D nicht in genügender Menge produziert werden.

Zu diesem Zweck ist eine Zuführung durch Nahrungsergänzungsmittel unerlässlich, um gesunde Werte im Körper zu erreichen. Diese Mittel sind nicht verschreibungspflichtig und dementsprechend in den üblichen Drogerien frei käuflich. Nicht frei verkäuflich, denn ich verkaufe sie ja nicht in den Drogerien. Ich kaufe sie nur. Komische deutsche Sprache.

Ich beginne mal mit einer Tablette in der Früh und einer am Abend, eine entspricht 1000 I.E. (Internationale Einheiten). Und dann beobachte ich mal was passiert. Über Wochen, wenn nicht Monate.

Für nächste Woche möchte ich in jedem Fall eine Blutuntersuchung und darüber hinaus auch eine Hormonuntersuchung durchführen lassen. Da kommt aus den USA ein neuer Trend rüber zu uns nach Europa. Die Endokrinologe. Die Lehre von den Hormonen. Das geht weit über eine gewöhnliche Blutuntersuchung hinaus. Für solche Dinge bin ich immer offen.

Viel kann ich dazu noch nicht sagen, außer dass ich gerade ganz am Anfang mit diesem Thema stehe. Aber ich lege inzwischen mehr Wert auf meine eigene Gesundheit und meinen Körper als auf meine Gedanken. Gedanken können krank machen. Also weniger Gedanken und stattdessen mehr Körper, lautet die Devise!

Seit kurzem hab ich im Büro einen höhenverstellbaren Schreibtisch, elektrisch höhenverstellbar. Also fahre ich ein paar mal am Tag das Ding einfach hoch, arbeite im Stehen, und wenn es mir zu viel wird, fahre ich den Tisch auch wieder runter und setze mich.
Natürlich fahre ich nicht öfter hoch als runter oder öfter runter als hoch, man muss ja schließlich einmal runter fahren, um danach wieder hoch fahren zu können und vice versa.
Das ist wie wenn ein Mensch in einem Raum ist. Da können dann auch nicht erstmal zwei raus und einer muss wieder rein, damit der Raum wieder leer ist.
Ein Aufzug ist der Tisch auch nicht, also fahre ich nicht mit hoch und runter. Wobei es vielleicht sogar gehen würde, wenn ich mich vorher drauf setze. Hm, lieber nicht. Lustig wäre es aber schon.

Und was ist nun das Experiment hinter dem ganzen Ding?
Tabletten nehmen. In mich hinein horchen. Spüren wie es mir damit geht. Nicht kurzfristig, sondern mittel- und langfristig. Untermauert auf objektiver Basis durch Blutergebnisse. Total unspirituell. Fast schon schulmedizinisch. Nee, ist sogar schulmedizinisch. Schulmedizinisches Neuland für mich. Überhaupt Neuland, die Schulmedizin.
Es wird einfach Zeit mal den Fokus zu verändern, um neue Erfahrungen zu machen. Und zu experimentieren. Besonders wenn man krank ist, bzw. eine Krankheit hat. Weiter machen wie bisher bringt nichts. Jedenfalls wenn man weiß, dass man in einer Sackgasse unterwegs ist und gerade auf eine Mauer zu fährt.

Na dann… spiele ich eben in nächster Zeit mal den Daniel. Den Düsentrieb, Daniel. Geschüttelt, nicht gerührt.

Für diese Woche (KW 07/2017) gibt es nur ein Ziel

Das klingt ja erst einmal ganz schön bombastisch.
„Für diese Woche gibt es nur ein Ziel“.
Klingt so wie bei Highlander: Es kann nur Einen geben!

Aber hier wird heute kein Feuerwerk gezündet. Es wird nur eine kleine Nachricht, vor allem als (Denk-)Zettel an mich selbst. Das Projekt Beziehung verpasst nun auch Denkzettel. Einen Reminder. Einen Erinnerer, auf deutsch. Eine Art Mahnmal für all die vielen sinnlos vergeudeten Stunden der letzten Jahre, die ich noch nachts wach mit allerlei unsinnigem Quatsch verbracht habe.

Daher steht diese Woche ganz im Zeichen des Schlafes.
Der Schlaf ist ein gerissener Zeitgenosse. Er lässt Dir mit zunehmendem Abend die völlige (Handlungs-)Freiheit. Er macht Dich sogar stark, sagt Deinem Biorythmus, dass Du – wenn die Sonne längst unter gegangen ist – nochmal richtig Gas geben kannst. (Anmerkung: Damit ist nicht das Pupsen gemeint.) Du fühlst Dich besser als am Morgen. Du bist fitter und kraftvoller. Du hast Elan, um Dir noch dies oder das anzuschauen. Sogar lesen ist noch locker möglich. Hoch konzentriert Fachlektüre lesen geht wie selbstverständlich von der Hand. Sinnvollen oder sinnlosen Sendungen im Fernsehen folgen allemal. Und so wechselt sich das Naturschauspiel zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang ab. Die beiden geben sich sichtbar die Klinke in die Hand. Und Du sitzt immer noch da. Und machst, und tust.
Manchmal bist Du um die Zeit auch noch gar nicht erst zu Hause. Dann triffst Du Dich draußen mit Freunden. Vielleicht auf ein Bier, vielleicht auch nur auf eine Apfelschorle. Wenn Du eine Frau bist, vielleicht auch auf einen Hugo. Und immer noch steht der Mond am Himmel und erleuchtet inzwischen längst die Straßen in einem weißkalten Licht, das ich sonst nur von den LED-Scheinwerfern meines Autos kenne. In geselliger Runde vergeht die Zeit schneller als Dir selbst lieb ist. Stunden um Stunden.

Und plötzlich siehst Du auf die Uhr, top fit, aber im Bewusstsein, dass Dich morgen Früh die harte grässliche Hand der Kehrseite des Schlafes treffen wird. Sie wird Dich treffen wie ein Hammer den Nagel. Auf den Kopf. Schlimmer noch als die Hand Gottes, Maradona ist sanft dagegen. Schon eher wie die Bud Spencer Faust. Der Dampfhammer. Von oben mitten auf die Birne. Bumm.

Du gehst – zu später Stunde – nach Hause. Oder Du warst zwar zu Hause, dann musst Du eben von der Couch ins Bett rüber wandern. Es wird eine Pilgerreise. Und Du willst eigentlich gar nicht. Zu schön ist der Moment. Egal ob alleine oder zu zweit. Du willst Dich festklammern, an den Film. An das Buch. Oder draußen an Dein letztes… oder doch erst mal nur vorletztes… Glas unter Freunden.

Am nächsten Tag in der Früh wachst Du auf. Du wirst vielmehr aufgewacht.

Und da kommt er. Der Hammer trifft Dich. Du drehst Dich, BRRRRRRRR BRRRRRRRR weckt Dich Dein Wecker. Er macht seinem Namen alle Ehre. Der Wecker weckt Dich nicht nur, er geht Dir auch auf den Wecker. Wer will schon gerne geweckt werden. Der Biorythmus gibt den Takt eigentlich perfekt vor: Genug Schlaf hast Du immer dann, wenn Du von ganz alleine aufwachst.
Auch das haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören. Anstatt auf den Kopf. Wir lassen uns lieber triggern von einem elektronischen Gerät, das unser Bedürfnis des Körpers überlisten und ausschalten soll. Schlaf lässt sich nicht überlisten. Tageweise vielleicht. Wochenweise vielleicht auch. Aber nicht monatsweise.

Der Schlaf – vielmehr der Mangel des selbigen – wird Dich einholen!

Diese Woche steht ganz im Zeichen des Schlafes.
Heute ist Montag, da ist man doch noch gedanklich im Wochenende. Also schleppt und schläft man sich erst mal rein in den Morgen am Arbeitsplatz, schläft in der Arbeit und wird dann rechtzeitig zum Arbeitsende langsam fit und wach. Soweit so gut.
Den Dienstag kann ich sowieso komplett verschlafen. Für mich gilt der Valendienstag nicht. Wie gut, dass ich partnerlos bin. Single zu sein hat Vorteile. Es bleibt mehr kostbare köstliche Zeit für den wertvollen kostbaren köstlichen Schlaf. Generell sollte man den 14.02. natürlich nie verschlafen. Das ist noch schlimmer als den Advent zu verpennen. Zumindest, wenn man sich keinen Ärger mit seinem Partner einhandeln möchte. Ob es cool kommt, wenn man am Valentinstag seinem Partner eine Schlafmütze schenkt? So eine mit Bommel?

2017-02-13

(Anmerkung: Harter Schnitt! Untypisch für eine literarische Abhandlung dieser Art an dieser Stelle.)
Ich habe nie eine spanische Frau näher kennen gelernt. NOCH nicht! 🙂
Aber ich habe mir mal diese kleine witzige mahnende Weisheit erzählen lassen:

Du wirst von Deiner Partnerin zum Essen nach Hause gerufen. Und Du hast… ja richtig! Du hast verschlafen!
Hier gibt es völlig unterschiedliche Charaktertypen. Picken wir uns zwei der Stereotypen heraus.

  1. Eine italienische Frau macht Dir richtig Terz, giftet Dich an und liefert Dir eine Szene vom anderen Stern.
  2. Aber eine spanische Frau! Eine spanische Frau!!! Die wirft Dir gleich mal direkt Deine Sachen zum Fenster raus!

Daher lautet mein Plädoyer für diese Woche: Mindestens 8 Stunden gesunden Schlaf pro Nacht!

Philosophischer Sonntag – Was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet

Es wird mit diesem Artikel ein sehr dünnes Eis, das ich betrete. So dünn, dass die meisten Menschen diesen Beitrag zwar komplett lesen, aber hierbei vermutlich mit ihrer Meinung aussteigen werden. Nicht beim Lesen des Artikels, denn dazu ist er viel zu interessant. Interessant anders. Aber die meisten Menschen werden im Anschluss aussteigen, und wenn nicht, dann spätetsens bei der Umsetzung.
Da ich aber nicht auf der Jagd nach möglichst viel Zustimmung bin, ist dieser Philosophische Sonntag für mich ein besonderer, und zwar in der Art, dass er nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

Es geht um die Frage, was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet. Klingt zunächst merkwürdig. Gut gemeinte Freundschaft? Echte Freundschaft? Was soll das?

Mir fällt immer wieder auf, dass Freunde untereinander Freundschaft still und heimlich folgendermaßen definieren: „Wenn Du in einer Sache nicht so denkst wie ich, dann sage ich Dir wie ich denke. Und ich will, dass Du in Zukunft auch so denkst wie ich. Denkst Du dann immer noch nicht so wie ich es will, dann bist Du nicht mehr mein Freund.“

Das gilt natürlich in einer Sache und Situation in aller Regel nicht für immer. Aber für wenige Minuten, beispielsweise für das Telefonat oder das eine Treffen, das soeben stattfindet. Es wird dann frostig im Miteinander. Es wird bisweilen auch leicht bissig. „Ja, musst Du selbst wissen wie Du weiter machen willst!“, kommt es dann mal um die Ecke gegiftet.
Kennt sicher jeder von uns.

Was steckt dahinter?

Es ist der Anspruch der einen Person zu glauben, dass seine eigene Meinung „besser“ sei als die des Freundes. Gut gemeint, eben. „Gut“ impliziert aber, dass die andere Meinung schlecht sei. Ist sie das wirklich…?
Sie ist anders. Punkt. Das wars. Nicht mehr als das. Sie ist anders.

Und in einer „gut gemeinten Freundschaft“ meine ich immer, dass das gut ist, was ICH FÜR GUT BEFINDE. Es wird ein allgemeingültiger Glaubenssatz, nennen wir es ein Dogma. In Wahrheit geht es in so einer Konstellation also gar nicht darum was der Freund wirklich will, gerade benötigt oder sich nur wünscht. Sondern es geht MIR in diesen Situationen darum, dem Freund das drauf zu drücken was ICH für richtig halte. Mit welcher Berechtigung? Wie kann ICH für IHN entscheiden was gut und richtig ist? Und noch weiter stellt sich die Frage: „Warum reagiere ich darauf mit Freundschaftsentzug?“

In einer Partnerschaft gibt es das übrigens mehr als genauso. Da äußert sich das dann letztlich in Liebesentzug, so gibts eben keine Streicheleinheiten, kein Kuscheln und keinen Sex mehr.

Und immer steckt das gleiche Muster dahinter. Dass man unzufrieden ist mit der Meinung des Anderen. Und es folgt Bestrafung dafür. Man kommt jedoch tatsächlich viel weniger mit der Meinung des Freundes nicht klar, als viel mehr mit sich selbst nicht.

Das mag ich näher erläutern: Wenn der Freund oder der Partner anders denkt als ich, dann ist das nicht schlechter oder besser. Komme ich mit der Meinung des anderen nicht klar, dann ist das MEIN Problem. Nicht seines. Denn er hat seine Meinung ja. Und die ist offenbar anders als meine. Und damit kommt wer von uns beiden nicht klar? Nochmal, richtig, ich! Also habe ICH ein Problem damit. Nicht er. Er bittet lediglich um Hilfe und Unterstützung.

Ich bin da längst anders. Komplett anders. Dank diesem langen Weg, den ich in den letzten Jahren eingeschlagen habe. Den kann ich als Weg zur eigenen Unabhängigkeit und Zufriedenheit nur gut heißen.

Wenn ein Freund eine andere Meinung hat als ich, dann nehme ich das wahr. Ich nehme es einfach nur wahr, indem ich es bemerke. Punkt. Und dann überlege und mitfühle und nachfrage, warum er so denkt. Um IHN zu VERSTEHEN.
Und wenn es anschließend darum geht, was für ihn gut oder schlecht ist, dann frage ich mich nicht in erster Linie was ICH für GUT oder SCHLECHT halte, sondern was ER für gut oder schlecht hält. Um zu…?

Und jetzt kommt der große Unterschied zwischen einigen wenigen und den meisten Freundschaften. Es ist hart das zu hören, ja ich weiß. Aber so funktioniert die Realität nun mal. Hart und ungerecht. Aber lieber echt, als gut gemeint. 😉

Der Unterschied ist nun, nachdem ich verstanden habe wie mein Freund (oder auch mein Partner) denkt, dass ich alles daran setze ihn in seinem Glauben zu bestärken und zu unterstützen. Er benötigt ganz offenbar Unterstützung. Und nicht in erster Linie immer einen klugen Ratschlag und Trick siebzehn. Keine Klugscheißereien. Das Hineinfühlen in die Situation des Anderen ist schon an sich so komplex, dass mir ein Urteil aus der Ferne gar nicht zusteht. Nicht weil es mir per se nicht zustehen würde, sondern weil ich die Situation AUS SEINER SICHT gar nicht EINFACH MAL SO nachempfinden kann.
Unterstützen kann ich nur etwas, das schon als Idee bei ihm vorhanden ist. Anderenfalls müsste ich etwas neu erschaffen. Das ist aber nicht gefragt in diesem Moment. Es geht darum für ihn da zu sein und seine Wünsche und sein Bedürfnis zu verstehen, mitzufühlen, sich einzufühlen und ihm dabei die Hand zu halten und ihm den Rücken zu stärken, bei allem was er als nächstes tut.

Das hat mit Kopf durch die Wand übrigens nichts zu tun. Denn wenn er seine Meinung ändert, von sich aus, weil er eine andere Einsicht erlangt (vielleicht auch auf einen von ihm erbetenen Ratschlag hin), dann werde ich wiederum seine Hand halten und ihm seinen Rücken stärken, wieder hinter ihm stehen. So lange, bis er die belastende Situation für sich vollständig auflösen konnte.

Es klingt bis hier hin abstrakt. Darum will ich ein Beispiel bringen.
Die meisten Menschen erfahren mindestens einen, meistens mehrmals im Leben, einen Trennungsschmerz nach dem Ende einer Partnerschaft. Und dann entsteht, zumindest wenn man derjenige ist, der das Ende nicht wollte – meistens aber für beide – eine Situation der Sehnsucht und der Leere. Und wenn man dann mit Freunden und der Familie spricht, hört man ganz ganz häufig den Spruch: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne!“

Was für ein Quatsch in dieser Situation! Das ist genau das Gegenteil dessen, was derjenige wirklich in diesem Moment benötigt. Er benötigt keine Ablenkung und keinen Ausweg in dieser Phase. Das kann erst später folgen. In diesem Moment ist nur pures Verständnis gefragt. Nicht mehr. Pures Verständnis und Mitgefühl in der Trauer.
Und wenn sich die Person einbildet, dass es noch nicht das wirkliche Ende der Beziehung ist, dann sollte man die Person bestärken und ihr Mut machen, um alles zu versuchen, um den eigenen Gedanken und Gefühlen nach zu gehen.
Auch wenn es relativ aussichtslos erscheint, dass man den alten Partner wieder zurück bekommt. Auch wenn MIR in diesem Moment klar ist, dass das vermutlich (!) nichts bringen wird.

Warum?

Weil es eines Tages – und das kann sehr lange dauern – so weit sein wird, dass die Person VON SICH AUS sagt, dass es nun genug ist. Genug gekämpft, genug gelitten, genug versucht.

Und meine Aufgabe als Freund ist es dann wiederum nur da zu sein, die Hand zu halten und hinter ihm zu stehen. Nicht mehr. Sicher nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Wann immer Du im nächsten Gespräch mit einem Freund oder mit dem Partner, sei es ein Telefonat oder persönlich, so eine Situation aufkommen bemerkst… derart, dass Dein Gegenüber eine Meinung zu einem Thema äußert und um Hilfe bittet, sei einfach nur für ihn da. Missachte nicht sein Denken, nicht sein (bisheriges!) Handeln. Nicht seine Absicht zum zukünftigen Handeln. Sei einfach da, halte seine Hand.

2017-02-12

Und um es mit einem sehr lebendigen Beispiel abzuschließen. Vielleicht hattest Du mal oder hast einen Hund oder kennst das Miteinander zwischen einem Hund und seinem Besitzer sehr gut. Wie reagiert der Hund auf alle Launen, positive und negative, des Menschen an seiner Seite?
Der Hund ist einfach für den Menschen da! Es ist für den Hund nicht wichtig, wie der Mensch denkt, was er denkt und warum. Der Hund hat kein Ego. Der Hund hat keine Meinung dazu. Und erst recht will er dem Menschen an der Seite seine Meinung in diesen Momenten nicht aufdrücken. Er legt sich still neben ihn, wenn er merkt, dass etwas gerade bei seinem menschlichen Freund nicht stimmt. Und ist einfach für ihn da…

Das ist für mich echte Freundschaft.

Völlig andere Methoden (Teil 2 von 2)

Führen wir also Teil 1 fort (Völlig andere Methoden (Teil 1 von 2)) und kommen wir zu einem Beispiel aus meiner Erfahrung als Trainer vollpubertierender Halbstarker. Gerade das Alter um 15 bis 17 stellt völlig unabhängig der sportlichen Anforderungen eine besondere Herausforderung dar. Eine, die ich stets mit großem Vergnügen annehme. Denn das ist das echte Leben. So wie es einfach ist. Es mag hart sein, sich durchsetzen zu müssen. Es mag unangenehm sein. Wie auch immer. Aber das ist das echte Leben. Und es ist eine Aufgabe. Eine, die ich nicht annehmen muss, aber kann. Und ich nehme solche Herausforderungen gerne an, weil ich anderen (jungen) Menschen damit etwas für ihr Leben mit auf den Weg gebe und mich selbst dabei weiterentwickle.
Und zwar nicht nach Lehrplan, sondern aus dem Leben für das Leben. Und dafür sind wir hier. Nicht um Lehrpläne durchzuarbeiten, sondern um Erfahrungen zu machen, zu wachsen und Spaß zu haben.

Die Spieler sind für mich zu Saisonbeginn alle neu. Als Trainer bin ich für die Spieler neu. Keiner weiß worauf er sich einlässt. Halt doch, stimmt nicht. Ich weiß worauf ich mich einlasse. Ich kenne meine Methoden ja. Und ich weiß, dass sie funktionieren. Weil sie so herrlich einfach sind. Wenig Gelaber. Hohe Zielfokussierung. 🙂

Natürlich ist ein freiwilliger (!) Vereinssport nicht mit einer Schulsituation zu vergleichen. Nicht restlos, aber in großen Stücken schon. Bei mir kommen die Kinder nur, wenn es ihnen auch Spaß macht. Ich behaupte, dass es eine nicht minder große Herausforderung für den Erzieher (in dem Fall an den Trainer) darstellt, als das bei einem Zwangssystem wie der Schule vergleichsweise für den Erzieher (in dem Fall für den Lehrer) der Fall ist. Aber die Diskussion will ich gar nicht vom Zaun brechen.
Eine meiner ersten Trainingseinheiten, alle beschnuppern sich noch gegenseitig. Und ich komme mit einem ganz simplen Spiel um die Ecke. Zwei Tore. Ein Ball. Zwei Mannschaften. Kein Aus. Kein Schnick-Schnack. Keine hätte, kein wenn, kein aber.

Und ich sage nur: „Wir spielen heute Fußball. Aber mit der Hand. Fuß ist tabu. Das Runde muss da in das Tor. Eine Mannschaft hier hin. Eine da hin. Es gibt sonst nur eine Regel: Keine Regel! Los gehts.“

Und alle gucken komisch. Klar. Warum auch nicht. Alles ist anders als sonst. Wenig bla bla. Wenige Regeln. Und sofort soll es los gehen?! Ja wie? Was genau eigentlich? Darf ich jetzt mit dem Ball 3 Schritte gehen oder gar nicht laufen?! Muss ich abspielen oder darf ich auch alleine ein Tor erzielen?! Fragen über Fragen, man sieht sie förmlich auf der Stirn der Spieler stehen.
Was passiert also? Nichts. Erstmal nichts. Schockstarre. Ratlosigkeit. Erst mal gucken alle dumm aus der Wäsche. Ungläubig, ob der merkwürdigen Ansage des Trainers. So kurz, so schnell, so wenig.

Genau das haben wir Menschen aber aberzogen oder abtrainiert bekommen, einfach zu sein. Wenig zu denken. Und stattdessen einfach auszuprobieren und zu schauen was heraus kommt. Erforschen. Jede Trainingseinheit ist für mich im Leben ein Experiment. Ich bin neugierig. Und zwar egal ob auf dem grünen Rasen oder sonstwo.

Die Spieler werfen sich den Ball zu. Und ein wenig schaut das dann so aus wie Basketball. Sorry, aber ich muss jetzt kurz über-ehrlich werden: Basketball finde ich ultra langweilig. Nie kommt eine Mannschaft an den Ball, jedenfalls gefühlt. Ein Team rennt fast immer bis zum gegnerischen Korb, kommt in aller Regel auch durch und dann ist nur noch die Frage, ob der Wurf rein geht. Bäh. Handball ist übrigens genauso. Fast jeder Angriff ist ein Tor. Bäh. 🙂

Gut, also jedenfalls sieht das dann aus wie beim Basketball. Einer hat den Ball, dann greift ein Gegner scheinbar (!) an, stellt sich vor ihn und versucht den Wurf zum Mitspieler des Ballführers zu verhindert. Und hampelt sich einen ab, als wären wir in der ersten Klasse in der Schule und machen den lustigen Hampelmann. Oder spielen Basketball. Urgs, der war fies. Ich weiß. Sorry liebe Basketballfreunde…

Ich unterbreche dann sofort und sage nochmal: „Jungs, die Regeln waren einfach. Das Runde muss in das Tor. Und es gibt sonst keine Regeln. Was ist daran so schwer zu verstehen?“

Wieder viele fragende Gesichter. Ist mir auch diesmal wieder klar, dass die Spieler noch immer nicht verstanden haben worauf ich hinaus will.
Also ziehe ich schnell ein Leibchen an, renne auf den Platz und spiele kurz mit. Und meine erste Aktion gilt dem Ballführer. Den reiße ich erstmal auf den Boden, checke ihn zur Seite (natürlich schmerzlos hart!), reiße ihm den Ball aus der Hand, halte ihn fest, stelle ihm ein Bein. Was auch immer nötig ist. Aber ich hole mir die Kugel. Und dann unterbreche ich wieder und sage: „So. Ganz einfach. Das Runde muss ins Eckige. Dazu brauchst Du erstmal die Kugel. Tretet Euch um, bespuckt Euch, reißt Euch die Leibchen oder T-Shirts vom Körper, mir egal. Ich will, dass der Ball ins Tor geht.“

Manche würden an der Stelle stattdessen wollen, dass ein Kind mit Buntstiften malen soll. Aber darum geht es mir ja jetzt gar nicht. 🙂

Und plötzlich gibt es viele grinsende Gesichter. Erstmal ratlose Spieler, aufgrund meines Verhaltens. Und plötzlich grinsende Gesichter. Was dann passiert ist klar, oder?
Nach Trainingsende haben wir meistens viele blaue Flecken, einige zerrissene T-Shirts und blutende Nasen.

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Echt?
Nee.

Die Realität sieht so aus:
3 Dinge geschehen:

  1. Das Spiel wird nur zu Anfang kurz (!) körperlich ruppig. Weil die ersten zwei oder drei Schlauberger sich denken: „Ach ja, mal sehen ob die mich auch umrennen und mir den Ball aus der Hand reißen!“
    Und ja, sie rennen ihn um. Dafür bürge ich! 😉
  2. Das Spiel wird mega schnell. Keiner will derjenige sein, der den Ball zu lange in der Hand hält. Denn sonst stürzen sich zwei oder drei Gegner auf ihn wie die Aasgeier. Der Ball wird also unglaublich schnell abgespielt. Zack zack zack und Tor.
  3. Und fortan wird das Spiel fast durchgehend völlig körperlos gespielt. Weil jeder weiß, worauf er sich einlässt. Denn: Es gibt einen klaren Handlungsrahmen. Ohne viele Worte. Keine 1000 Regeln. Nur eine: Keine!

Diese Spielform wird einfach nur mega lustig. Die Spieler können sich mal so richtig auspowern. Kaputt ist noch nie etwas gegangen und verletzt hat sich erst recht noch keiner. Wieso auch. Denn wenn ich den Ball zu lange halte, gibts auf die Mütze. Warum sollte ich freiwillig auf die Mütze wollen?! Dann wäre ich ja beim Boxen und nicht beim Fußball. Beim Fußball sind die Spieler, weil sie Tore schießen und Spaß haben wollen. Das muss ich verstanden haben als Trainer. Diese Möglichkeit muss ich ihnen einräumen und fördern.

Ich befasse mich also in einer Spielform nicht mit dem einzelnen Spieler. Was ich an Stelle dessen möchte ist klar: Schnellen und nur im Notfall (aber dann mit allem was zur Verfügung steht!) körperbetonten Hochgeschwindigkeitsfußball.
Das ist die Fokussierung. Spieler besser zu machen und Ergebnisse einzufahren. Vorzugsweise Siege.
Das gelingt mir regelmäßig.

In dem Beispiel mit dem Kind und den Buntstiften sehe ich das aus dem Blickwinkel der Lehrerin einfach völlig fehl-fokussiert. Sogar nicht-fokussiert. Man beschäftigt sich mit dem Kind und verstärkt die Gründe für sein Fehlverhalten. Anstatt es auf das Ziel zu lenken und das Kind dabei selbst Spaß entwickeln zu lassen. Es selbst entdecken und spüren zu lassen. Man redet und redet. Aber man handelt nicht. Man verstärkt ein Fehlverhalten durch zu viel Gerede. Meinetwegen auch zu viel individuelles Gerede. Mir ist es lieber, dass man zwischendurch Pausen einfügt. Lange Pausen. In denen die Kinder tun und lassen können was wie möchten. Sie sollen sich 10 Minuten im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof frei bewegen und spielen dürfen. Aber wenn malen auf dem Programm steht, dann ist auch malen. Jedenfalls bei mir wäre das so.

Es wäre müßig darüber zu sinnieren bei welcher Lehrmethode die hübscheren Bilder raus kommen. Das liegt immer im Auge des Betrachters. Aber eine Wette traue ich mich auszusprechen: Aufgrund der vielen Pausen, die ich mache, wären meine Malstunden zwar bedeutend kürzer, aber es würden mehr Bilder in meinem Unterricht heraus kommen. 😉

PS: Natürlich fragte ich die Frau auch, was sie denn glaube, warum das Kind nicht malen wollte. Und warum sie so lange Zeit für ein Kind benötige, um es zu schaffen es zu „überzeugen“. Sie erklärte mir, dass die Kinder besonderen förderungsbedarf hätten. Sie würden nicht sämtliche Anweisungen sofort geistig erfassen können bzw. hätten Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten. „Mangelnde Auffassungsgabe“, war dann auch so ein Stichwort.
Ich hab nur genickt und gefragt: „Und die Ei-Phones und die Androids in deren Hosentaschen. Was ist damit? Können sie die neuesten Apps selbstständig installieren? Den ganzen Tag irgendwelche Spiele hochkonzentriert zocken und surfen im Internet? Die neuesten Schockvideos und Porno runterladen und lustig lustig eins zwei drei austauschen? Können die das?“
Sie nickte nur und sagte: „Ja, das kriegen sie hin.“
Ich sagte daraufhin nur: „Und solange ein Kind all diese Dinge völlig selbstständig hinbekommt, gibt es aus meiner Sicht keinen individuellen Förderungsbedarf.“ Allgemeinen ja, aber individuellen…? Nein. Sicher nicht. Nur angepasste Lehrmethoden, auf die Bedürfnisse nicht komplett konformer Kinder ausgerichtet. Der Fehler liegt also viel weniger an den Kindern als viel mehr an uns. Als Gesellschaft. Als Erzieher. Auch als Trainer.

Völlig andere Methoden (Teil 1 von 2)

Am Wochenende unterhielt ich mich mit einer Frau über Erziehungsmethoden und unsere Art des Umgangs mit Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen.

Sie ist Lehrerin und hat das „gelernt“. Beziehungsweise sogar studiert. Damit ist ihr die Fähigkeit zur Menschenführung per Dekret zugesprochen worden.
Ich hingegen bin nur ein einfacher Mensch, ohne Studium im Bereich Kinder- und Jugenderziehung bzw. -Bildung.

Sie erzählte mir davon, wie sie mit den Kindern in den ersten drei Schuljahren umgehe. Jedes Kind würde individuell betrachtet werden. Das sei bei ihr deshalb schon besonders notwendig, da sie an einer Förderschule unterrichte.
Klar fragte ich sie dann nach dem Erziehungs- bzw. Unterrichtsstil, wenn es mit einem Kind einmal nicht so recht wie gewollt klappen würde. Sie erklärte mir, dass im Falle einer Verfehlung das Kind im Einzelfall betrachtet und entsprechend dem Einzelfall auf das Kind eingegangen werden müsse. Zur Anwendung komme dabei stets das lerntheoretische Modell des Verstärkerprinzips.
Einfach gesagt: Gutes Verhalten wird belohnt, schlechtes Verhalten wird bestraft.

Das klingt an sich durchaus vernünftig und logisch nachvollziehbar, das würden sicher die meisten Eltern auch als gute Methode abnicken und behaupten es ihrerseits ebenfalls so anzuwenden. Meine Praxiserfahrung – auch (oder viel mehr gerade deswegen?!) ohne Studium in diesem Bereich – sagt mir jedoch etwas anderes. Ich stelle mich deshalb mit beiden Beinen fest auf den Boden und behaupte, dass das in der Realität den meisten Lehrenden (ob Lehrer oder Trainer oder sonstige Personen im Erziehungs- und Bildungswesen) nur selten wirklich gelingt. Das Verstärkerprinzip erstens überhaupt irgendwie wirklich zur Anwendung zu bringen und es zweitens überhaupt selbst in der Fülle und Anwendbarkeit verstanden zu haben.

Sie erzählte mir von einem Fall, in dem ein Kind in einer Malstunde aus Wut seine Stifte auf den Boden geworfen habe.
Wie reagiert man als Lehrer(in) nun? Wie reagiere ich als nicht-Lehrer nun? Klar kennen wir die Vor- und Nachgeschichte zu diesem Fall nicht. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, wir sprechen ja von einem lerntheoretischen Modell. Also betrachten wir den Fall auch (lern-)theoretisch.
Natürlich fragte ich sie, wie sie auf das Verhalten des Kindes reagiert habe.
Sie erklärte mir, dass das Kind sehr sensibel sei und sie deshalb dem Kind auf einfühlsame und sehr erklärende Art und Weise beigebracht habe, dass es besser für das Kind wäre die Stifte nicht herum zu werfen. So könne es ein schönes Bild malen. So wie die anderen Kinder auch. Und der Boden wäre nun nicht schmutzig. Und die Stifte müssten nicht alle wieder aufgehoben werden.
Deshalb wollte ich wissen, warum es denn nicht besser sei die Stifte herum zu werfen, und zwar aus Sicht des Kindes?
Mit dieser Frage merkte ich bereits, dass sie ins Straucheln kam. Denn ihr eigener Fokus – und ich behaupte, dass das die meisten Erzieher (als Synonym für allerlei lehrende Personen) so machen – liegt gar nicht im Nachvollziehen des Handelns des Kindes. Und deshalb stelle ich die wilde These auf, dass die Lehrmethoden in aller Regel auch ihr Ziel verfehlen werden. Kurzfristig vielleicht nicht, langfristig richten wir allerdings damit viel Schaden an.

Ja, und bevor jetzt das große Bashing aller ausstudierten Psychologen und Gurus auf meinen Blog los geht… will ich vorab klar stellen: Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit. Ich stelle nur Fragen. Wie immer. Ich frage gerne. Und ich kann ein bisschen was zu meiner Erfahrung sagen. Das wars. Mehr nicht. Dass meine Ansichten in vielen Themen oft entgegen der allgemeinen Meinungen laufen, sehe ich dabei nicht als Selbstzweck, aber eben auch nicht gegenüber dem höheren Ziel als hinderlich. Will heißen: Nur weil viele sagen, dass die Erde eine Scheibe ist, heißt das noch lange nicht, dass das stimmt. Weder mit der Anzahl der Menschen, die so einen Käse behaupten, wird die Erde immer flacher, noch mit der länge der Zeitdauer, in der so ein Käse behauptet wird, wird die Erde immer flacher.
Um letztlich wie ein Frisbee um die Sonne zu kreisen. Oder war das doch die Sonne, die um die Erde kreist?! Keine Ahnung. Manche sind dafür sogar schon auf einen Scheiterhaufen gekommen. Und am Ende gab es dann mal wieder ein für alle gültiges neues „Wissen“. Vorher gab es jedoch auch schon ein (Nicht-)Wissen. Wie auch immer. Am Ende sind wir immer schlauer. Das ist das, was zählt.

Zurück zu dem Beispiel mit dem Kind und den umherfliegenden Stiften.

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Ich verfolge einen anderen Ansatz, aber zunächst nochmal kurz zur Frage, warum es nicht besser sei, die Stifte herum zu werfen, und zwar aus Sicht des Kindes?

Es ist doch eigentlich so einfach. Das Kind hat keine Lust zu malen, warum auch immer. Das weiß nämlich nur der liebe Gott (für die Gläubigen) oder alternativ das Universum (für die ansonsten Spirituellen). Okay gut, der Vollständigkeithalber mag ich noch erwähnen, dass es vielleicht auch niemand weiß. Das gilt dann aber nur für die Atheisten und überhaupt nicht Spirituellen. 🙂

Aber jetzt für den Moment ist das einfach so. Das Kind hat keine Lust. Punkt. Und dem Problem bzw. der Situation muss man als Erzieher begegnen. Wenn ich nun auf das Kind zugehe, um mit ihm stundenlang darüber zu philosophieren, warum es aus meiner (!) Sicht besser sei, dass es lieber malen anstatt Stifte werfen solle, werde ich zwar viel heiße Luft produzieren, nicht unbedingt jedoch das Kind zur „Einsicht“ bringen. Denn das Kind hat seine Einsicht längst. Und die heißt mindestens: „Stifte werfen ist schöner als Stifte zum Malen benutzen.“
Für das Kind ist gerade Hollywood. Und es hat dieses Hollywood gerade selbst erschaffen. Spannend und aufregend.

Die Lehrerin fängt an der Stelle also zwar auf liebe und nette Art und Weise an, dem Kind ihren (!) eigenen Willen verständlich zu machen, letztlich passiert aber nichts anderes als sonst auch schon immer, nämlich dem Kind zu sagen, dass es dies oder das jetzt genau so machen soll. Und zwar so, wie die Lehrerin es sich wünscht. Und nicht anders. Dafür kann man sich nun kurz Zeit nehmen oder länger. Das Ergebnis bleibt im Prinzip das gleiche. Viele Erklärungen. Viel bla bla. Ohne wirklich auf das Kind einzugehen. Was nämlich witzigerweise oft gar nicht nötig ist.

Fakt ist:
Das Kind hat keine Lust zu malen. Jedenfalls jetzt nicht. Und was passiert durch die angebliche Anwendung des Verstärkerprinzips? Das Kind wird in diesem konkreten Fall für sein Fehlverhalten belohnt. Durch Aufmerksamkeit der Lehrerin. Durch ein Gespräch. Durch möglicherweise aufkommende ewig lange Diskussionen. Und vor allem wird das Kind durch eine maßgebliche Sache belohnt: Mit dem ganzen Gelaber musste es noch immer keinen einzigen Strich mit einem Stift zu Papier bringen.

Ich nenne das ein klassisches Eigentor. Oder auch Denkfalle.
Das Kind wird beim nächsten mal wieder seine Stifte durch die Gegend werfen. Und wieder wird es betütelt und abgeschnuckelt. Prima. Dann muss es wieder nicht malen. Jedenfalls für diese kurze Zeit nicht.

Ich verfolge einen anderen Ansatz. Auf das Beispiel mit dem Kind gehe ich dabei gar nicht ein. Stattdessen erzähle ich etwas über eine Trainingseinheit, die ich zu Saisonbeginn mit meinen jugendlichen Fußballspielern (meist im Alter zwischen 15 und 18 Jahren) durchführe.

Morgen gehts weiter. Fortsetzung folgt… 🙂