Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 4 von 3

Jetzt ist es Sonntag, 20:32 Uhr, und ich fange an diesen Artikel zu schreiben. Teil 4 von 3. Klingt merkwürdig, ein vierter Teil von einem Dreiteiler. Wenn dieser Artikel aber erscheint, wird Feiertag sein, der Tag der Arbeit. Den vierten Teil gibt es einfach noch kurz angefügt, so viel ist nämlich nicht passiert, dass es eine neue Serie zu Fr. Tinder und mir rechtfertigen würde. Also gibt es eine kleine Fortsetzung der bestehenden Story, mit einem fulminanten Ausgang. Fasten your seatbelts please, schnallen Sie sich an bitte.

Die Rückkehr von Fr. Tinder

Fr. Tinder war zuletzt nach ihrer 14-tägigen Reise wieder bei mir zu Hause, vier Tage lang. Während der Zeit musste ich an den meisten Tagen arbeiten, so dass wir uns meist abends nach meiner Arbeit trafen und anschließend zu mir fuhren. Morgens verließen wir immer gemeinsam das Haus. Sie ging ihren Dingen nach und ich meiner Arbeit. Am Telefon fragte sie mich vor ihrer ersten Ankunft: „Kann ich meine Yoga-Matte mitbringen? Ich hab zwei, dann kann ich eine bei Dir lassen zum Yoga machen.“ Was es damit aufsicht hat, darauf kommen wir später noch zurück.

Und bereits nach wenigen Stunden war es wieder da. Dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das ich in den letzten drei Artikeln über sie auch schon beschrieb. Irgend etwas stimmte nicht, grundsätzlich nicht. Es fühlte sich nicht leicht an, nicht frei. Zwischenzeitlich konnte es immer wieder sehr liebevoll und harmonisch sein, allerdings stellte ich zunehmend fest, dass dies immer dann der Fall war, wenn es nicht um uns beide und unsere zwischenmenschliche Situation zueinander ging. In sachlichen Themen konnten wir verständnisvoll und bereichernd miteinander sprechen. In emotionalen Themen hingegen kam kaum mehr rechtes Verständnis auf.

Und nach zwei oder drei Tagen stellte sich ein Gefühl in mir ein, das mir sagte: „Puh. Ist das anstrengend mit ihr.“ Warum?
Fr. Tinder läuft nicht ganz rund. Sie sieht Probleme in der Bewältigung ihrer Vergangenheit, vermutlich (mindestens auch) in Bezug auf ihre gescheiterte Ehe. Ehe? Ja, Ehe. Das hab ich hier nie thematisiert, weil es für mich nicht so wichtig ist. Jedem Menschen begegne ich möglichst frei, es gibt schon genug äußerliche „Filter“, die ich an den Tag lege. Gewollt oder ungewollt. Das geht jedem von uns so. Optik und solche Dinge. Aber ob nun jemand viel Geld verdient oder wenig, oder gebildet ist oder nicht, oder verheiratet war oder ist oder nicht… was solls. „Erstmal eine Chance geben“, lautet da ganz meine Devise.

Zurück zu ihren Problemen, bzw. denen, die sie sich (selbst) macht. Sie sieht viele existentielle Fragezeichen am Horizont, Jobsituation, Familiensituation der Verwandten, Wohnungssituation. Dies und das. Und dann fühlt sie sich in Deutschland nicht so wohl wie dort, wo sie zuletzt eine Zeit lang im Ausland lebte. Dort, wo sie zuletzt 14 Tage „Urlaub“ machte. Aber irgendwie sei Deutschland doch für sie besser, weil alles geordneter sei.

Auch bei mir sei das so, sie fühle sich in meiner Nähe aufgeräumt. Alles sei so klar und so strukturiert, das gebe ihr Sicherheit und halt. Andererseits fühle sie sich aber auch nicht so frei wie in einer eigenen Wohnung.
Hm, relativ logisch, wie ich finde. Eigene vier Wände sind eigene vier Wände, andere vier Wände sind andere vier Wände. Deshalb sollte das Ziel sein beides bestmöglich zu verschmelzen. Will aus meiner Sicht heißen: Die jeweils anderen vier Wände mittel- bis langfristig zu den gemeinsamen vier Wänden zu machen.
Aber halt, nicht so schnell. Der Reihe nach.

Fleißig oder unfleißig, das ist hier die Frage

Ich bemerkte über die Tage wieder, dass ich mich zu Hause mehr einbrachte als sie. Darauf habe ich keine Lust (mehr). Also sprach ich auch das klar an. Sie sah das völlig anders. Was mir wiederum klar war. Und so diskutierten wir mehr über unsere unterschiedlichen Ansichten, anstatt zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Worauf ich an sich gar keine große Lust habe. Weil… ich da eine klare Meinung vertrete, und die teilte ich ihr auch mit: „Sieh mal, wenn es wirklich passt zwischen zwei Menschen, dann müssen sie sich nicht darüber unterhalten wer nun mehr oder weniger tut und ob der eine nun zwei mal abgespült hat und der andere aber dafür zwei mal öfter das Bett gemacht hat. Es passt dann einfach.“

Nur wenn es eben mal nicht passt, dann spreche ich das klar an. Besonders wenn der eine der beiden Personen arbeitet und studiert und die andere Person nicht arbeitet und auch nicht studiert. Einer hat also nicht nur für die „restliche Freizeit“ Zeit und eine schon.
Und so ging es an einem Abend auch wieder um das Thema Playstation spielen oder nicht. An zweiten Tag, an dem ich kurz mit Herr van Onnetuschn Fifa spielen wollte, ging wieder eine Diskussion los. Warum das wieder mal sein müsse, wenn sie da sei. Woraufhin ich ihr erklärte: „Du warst auch gestern da und ich habe nicht gespielt. Du wirst morgen und übermorgen vermutlich auch da sein und da werde ich wahrscheinlich nicht spielen. Was ist der Unterschied zwischen heute oder morgen oder übermorgen?“

Und so stellte ich mir nicht nur selbst die Frage: „Worüber reden wir hier eigentlich???“

Ich gönne ihr das doch immer, wenn sie sich auch mal 30 Minuten für sich selbst Zeit nehmen möchte. Ich spiele nicht 5 Stunden, sondern vielleicht 30 oder 40 Minuten.

Wehret den Anfängen

Vorsicht liebe Männer, am Anfang werden die Weichen gestellt!

Natürlich gehe ich mit diesen Dingen hier schon sehr ins Detail, mir geht es dabei in meinen Erlebniserzählungen nicht um einen Selbstzweck, sondern darum darzustellen über was für einen Käse man allen ernstes diskutieren muss. Vor Fr. Tinder war die Klette. Sie hatte ähnliche Anzeichen und Anstalten der „Vereinnahmung“ getätigt, anders zwar, aber auch. Das ist mal ein eigener Artikel wert, das Thema „Wie eine Frau still und heimlich versucht Besitz über Dich zu ergreifen.“ Vielleicht sollte ich den als schlaue Selbsthilfe-Anleitung im Stile von „5 wichtige Tipps, um sich nicht beherrschen zu lassen“ veröffentlichen.

Stoff hätte ich genug!

Und so drehte ich den Spieß um und sagte: „Was ich stattdessen echt toll von Dir fände, wäre wenn Du mir auch mal eine Auszeit gönnen und mich fragen würdest, ob Du in der Zwischenzeit etwas tolles für uns oder für mich tun könntest. Vielleicht etwas im Haushalt oder etwas kochen oder oder oder.“

Rumps, der hat gesessen. Bei ihr. Wie ich gemerkt habe.

Genug ist genug. Es ist meine Wohnung und ich hatte sie immer gerne bei mir, auch wenn es stets sehr anstrengend war. Aber irgendwann – zwischen sie abholen und hier oder dort hin bringen – ist es auch mal Zeit selbige für sich zu nehmen. Besonders wenn es nur 30 Minuten in einer Woche sind. Darüber soll man allen ernstes diskutieren? Wo doch eigentlich/angeblich sonst so gravierende Probleme in ihrem Leben existieren. Job. Arbeit. Wohnung. Familie. Ehemalige Beziehung. Und was weiß ich noch alles. Wie ich immer sage: Es ist immer irgendwas!
Das alles gegen 30 Minuten Playstation spielen gegenübergestellt…?!

Ich bin auch noch immer sehr verletzt in Bezug auf meine Vergangenheit. Aber ich ziehe niemanden runter. Im Gegenteil. Ich bot ihr nicht nur meine Hilfe an, sondern ich half ihr zwischendurch auch. Aber ich habe auch keine Lust mein Leben durch Negativität in der Lebensqualität zu senken. Und auch ein Energiefresser ist nicht mein liebstes Haustier. Also hab ich für mich beschlossen Negativenergiefresser zu meiden. Ein schönes Wort. Negativenergiefresser. Gibts auch Positivenergiefresser? Sicher. Geh mal eine Runde joggen.

Als ich sie Samstag nach Hause gefahren habe, war wieder so eine insgesamt etwas genervt wirkende Stimmung im Raum. Gerne fuhr ich sie, nachdem sie mich darum bat. Auch wenn es mit den Öffentlichen recht einfach wäre. Solche Dinge sind mir aber egal, ich mache das wirklich gerne. Schließlich gönnt sie mir es ja auch, wenn ich Fifa auf der Playstation spielen möchte, oder? 😉
Sie sprach sich zwar in den Tagen öfter aus und teilte mir ein paar mal mit, dass ich sie nicht verstehen würde, geholfen hat es uns jedoch nichts. Einige der Dinge, die sie vortrug, zeigten mir, dass sie meine Intention hinter manchen Dingen oftmals doch nicht so verstand wie ich sie positiv beabsichtigt hatte. Verständnis auf Sparflamme, sozusagen. Außerdem komme sie mit meiner ironischen Art nicht so klar. Zur Zeit, wo es ihr nicht so gut gehe, sei ihr nicht immer nach lachen zumute.
Okay, dann gehe ich damit eben in den Keller. Aber schade, dachte ich mir. Das war es doch gerade am Anfang, was ich toll an ihr fand. Ihren Humor und ihre Fähigkeit meinen Humor mitzutragen. Hm, okay.

Kein Lebenszeichen ist auch eine Botschaft

Und so verabschiedeten wir uns Samstag kurz und knapp vor ihrer Wohnung. Ich fuhr davon, zu meinen Eltern. Dort blieb ich über Nacht. Und den gesamten Samstag kam keine Nachricht. Mein Anrufversuch in der Nacht blieb erfolglos und unbeantwortet. Komisch fand ich es nicht, auch wenn es sonst immer anders war.

Gestern fuhr ich von meinen Eltern zurück im Auto. Und mein Display im Tacho zeigte einen Anruf von ihr. Also nahm ich auf der linken Spur der Autobahn das Telefonat an, drosselte etwas die Geschwindigkeit und fuhr auf die rechte Spur. Ob ich denn gerade telefonieren könne, fragte sie mich. „Klar“, sagte ich, „wie immer kann ich beim Fahren ganz in Ruhe telefonieren“.

Sie: „Ich habe nachgedacht, der Umgang zwischen uns tut mir nicht so gut. Irgendwie verstehen wir uns nicht so gut wie ich dachte. […]“

Ich kürze das hier etwas ab. Sie sprach noch drei oder vier Sätze mehr. Mich hingegen hat es nicht dazu hingerissen viel zu sagen. Ich fragte nur: „Du hast noch eine Kleinigkeit bei mir auf dem Wohnzimmertisch liegen, schick mir eine Adresse, ich schick es Dir dann zu. Alles Gute für Dich für die Zukunft.“

Ich merkte, dass sie damit nicht gerechnet hatte. Sie diskutierte bisher immer sehr gerne und sehr viel. Mir war nicht mehr nach diskutieren. Aber ich bemerkte auch, dass sie das aus dem Konzept brachte. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass ich so kurz und knapp darauf reagieren würde.

Sie hatte aber auch nicht damit gerechnet, dass ich sehr aufmerksam war. Tags zuvor. Sie hatte alle ihre restlichen Sachen, auch ihre Yoga-Matte, wieder eingepackt und mit nach Hause genommen. Mir war klar was das zu bedeuten hatte. Ich war gedanklich längst darauf vorbereitet.

Und so ist heute der Tag der Arbeit. Für die Rechte der Arbeiter. In der Hinsicht sehe ich mich echt als Arbeiter. Wieder daygamen und clubgamen gehen, wieder von Bar zu Bar ziehen. Wieder Gas geben. Wieder Körbe kassieren, wieder Daten. Wieder ganz der Arbeiter sein.

Ein guter Anlass für mich, ich nehme das als Wink mit dem Zaunpfahl. Oder doch mit dem ganzen Zaun… auch weiterhin meine Rechte einzufordern. Ganz wie es der Feiertag auch für die Arbeiter vorgesehen hat. Das Projekt Beziehung bleibt also ein hartes Stück Arbeit für einen inzwischen abgehärteten Arbeiter. Malocher.

Was bleibt in mir zurück?

Ich fühle mich wieder frei. Keine negativen Schwingungen mehr. Keiner mehr neben mir, der mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt und – rein aus meiner Sicht – deshalb Fehler bei anderen sucht. Keine Ahnung ob ich mit meiner subjektiven Sicht Recht habe oder nicht. Darum geht es gar nicht. Recht haben ist uninteressant. Aber es ist meine Sicht der Dinge und die zählt. Ihre zählt für sie. Meine für mich. Und wenn ich mich unwohl fühle, dann ist es gut für mich, wenn ich aktiv etwas tue um wieder ins Grüne zu kommen.

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Menschlich ist das schon schade. Ich weiß nämlich, dass sie unter anderen Umständen eine tolle Frau sein würde. Vielleicht auch für mich. Mindestens aber für jemand anderen. Ich würde vermuten, dass sie ähnliche Erfahrungen wie nun mit mir auch schon gemacht hat, bzw. mit dem nächsten Mann erneut machen wird. Ein bisschen wie in einem Kreislauf. Solange… ja solange sie nicht aus dem Strudel heraus kommt. Raus aus der Opferrolle. Das wünsche ich ihr. Und bis zu ihrem Telefonat hab ich auch versucht das bestmögliche beizutragen. Aber ich bin nicht ihr Psychiater, erst recht nicht in so einer frühen Phase. Über meine „Probleme“ bzw. Verganganheit habe ich nie etwas erzählt. Warum auch. Es sind nicht ihre Sorgen. Sie hat dafür keine Verantwortung zu tragen, also verschone ich sie damit. So denke ich in dieser Frage.

Menschlich ist es schon schade, dass es zwischen uns maximal für eine kleine Frühlingsromanze reichen sollte. Glücklich und frei zu sein (egal ob mit oder ohne Beziehung) ist aber auf Dauer wichtiger, als einem Menschen noch vor Beginn einer Beziehung beim Gesunden zu helfen und die eigenen Interessen auf Dauer zurück zu stecken.

Und deshalb ist die Story mit Teil 4 von mir auch gut zu Ende geführt. Ohne sie in die Länge zu ziehen. Das hab ich ja mit dem „Schluss-mach-Telefonat“ von ihr so gelernt, am Ende eines Kapitels einfach etwas kurz anzufügen, fertig. Ob nun zwischen zwei Menschen oder bei einem Artikel. Ein kurzes „tschüss!“.

Sachen packen, weiterziehen. Wie immer. Ganz der lonesome rider. Kein Happy-End, auch wenn ihr mir das alle so gewünscht habt. Danke Euch wirklich!
Seht es bitte positiv, es bleibt auf diese Art hier auch weiterhin spannend…

Auf eine Art ist es dennoch ein Happy-End: Ich habe mich wieder. Danke Pickup, für die Kraft, die Du mir inzwischen gibst. Die Kraft, machen zu können was ich für richtig erachte. Aussprechen zu können, was ich denke. Wievielen Menschen da draußen geht es ganz anders? Wieviele Menschen müssen sich täglich ducken, müssen ertragen und „dürfen“ etwas in einer Beziehung nicht tun, was total objektiv betrachtet „völlig in Ordnung“ wäre?

PS: Ich sehe gerade auf die Uhr. Der Artikel hat fast eineinhalb Stunden verschlungen. Die Zeit ist es mir wert. Wert um dadurch auch innerlich loszulassen. Einen lieben, aber leider aus meiner Sicht nicht freien, Menschen. Dafür bin ich es nun wieder. Frei. Auch auf diese Art frei. Anders sowieso längst. Playstation hatte ich an dem oben genannten Tag übrigens trotzdem noch gespielt. Alles hat seine Grenzen. Und die endet inzwischen spätestens bei einer Einschränkung meiner Freiheit.

PPS: Ab 22. April bin ich nach einer mehrwöchigen Approach-Abstinenz wieder nebenher bei passender Gelegenheit aktiv geworden. Bis vorgestern Nacht stand es 7 zu 0. Bis gestern Nacht 8 zu 1. Das ist meine passende Reaktion auf das Ende mit Fr. Tinder. Und dieses PPS kann ich erst heute – Montag, also am Tag nach Beginn der Erstellung dieses Artikels – ergänzen.
Es war gestern wieder so weit, so einer dieser Rockstar-Momente… Darüber werde ich diese Woche noch berichten.
(Für alle neuen Leser: 7 zu 0 bedeutet nach meiner Zählart => 7 Frauen angesprochen, 0 Telefonnummern bekommen, macht 7 exklusive Körbe, nur für mich. 8 zu 1 bedeutet => 8 Frauen angesprochen, 1 Telefonnummer bekommen.)

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Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 1 von 3

Zunächst ein paar einleitende Worte.

Ich wünsche Euch allen frohe Feiertage. Wer mich kennt, weiß um meine wenig religiöse Ader. Daher nehme ich die freien Tage als Geschenk dankbar an und feiere die Freizeit. Und danke dem Erfinder dieser beiden Feiertage im Sinne echter arbeitsfreier Freizeit. Nutzt die Zeit mit Euren Liebsten, hoffentlich arbeitsfrei. Die Freizeit.

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Und nun zum eigentlichen Artikel…

So ähnlich oder genau so beginnen Fortsetzungen in Serien doch für gewöhnlich:

„Was bisher geschah…“

Da war also eine Frau, seit kurzem hier bekannt als Fr. Tinder. Und ihr habe ich zuletzt bereits ein dreiteiliges Date-Review gewidmet. Und die Story endete mit:

Am nächsten Tag, ich weiß nicht mehr wann, schrieb mich eine unbekannte Nummer über Whatsapp an. Wie mein Tag bisher verlaufen sei und warum ich kein Profilbild mehr in meinem Whatsapp-Profil hätte…

Und an der Stelle nehme ich nun wieder Fahrt auf, in dieser kleinen Frühlings-Romanze (oder was auch immer es sein soll).

Plötzlich jedenfalls, zwei Tage nach dem Date, zeigte Fr. Tinder wieder (?) Interesse an mir. Warum ich kein Profil-Bild mehr in Whatsapp hätte…?
Nun, das ist ganz einfach. Weil nur meine Kontakte im Handy aufgrund meiner Einstellungen mein Profilbild sehen können. Da ich ihre Nummer zuvor doch gelöscht hatte, konnte sie das Profilbild folgerichtig auch nicht mehr sehen (siehe letzer Artikel Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 3 von 3). Die Frage ist nun also wie ich ihr das rüber gebracht habe. Besonders da wir kurz darauf wieder telefoniert hatten und sie mich darauf nicht nur per Chat, sondern auch im Telefonat ansprach. Offensichtlich roch sie, dass an dem Braten etwas faul war. Vielleicht hat sie sich deshalb nochmal gemeldet? Weil es ihr suspekt vor kam, dass mein Bild für sie nicht mehr sichtbar war? Immerhin war das auch eine Frage in ihrer Nachricht. Man wird es nie erfahren.

„Wolltest Du ab jetzt anonym sein, so dass man Dein Bild und Deinen Status nicht mehr sehen kann?“, fragte sie mich am Telefon erneut.
„Nein, mein Whatsapp hat scheinbar nicht mehr richtig funktioniert. Aber Du bist jetzt schon die dritte Person, die mir das sagt. Danke für den Hinweis.“

Seidene Fäden sind gefährlich

Warum habe ich hier geflunkert? Nicht weil ich ihr nicht per se die Wahrheit verschweigen wollte. Die Wahrheit lautet ja doch, dass ich keine Lust auf Spielchen hatte und deshalb auch keine Lust lange herum zu tun und sie deshalb gelöscht hatte.

Um loszulassen. In dem Fall etwas, das ich noch nicht mal richtig festgehalten hatte. Frei machen, wenn es sich besser anfühlt als gefühlt gefangen genommen zu werden. Von seinen eigenen Emotionen. Gefühle möchte ich leben, aber ich möchte mich weniger von meinen Emotionen lenken lassen. Es ist ein Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Ein feiner Unterscheid, mit großer Auswirkung. Und wenn ich spüre, dass dies droht, Emotionen überhand gewinnen lassen zu müssen, ist es Zeit zurück zu gehen. Mindestens einen großen Schritt. Und zu riskieren keinen Strohhalm mehr in der Hand zu halten, an den man sich klammern kann. Nenne ihn Hoffnung, diesen Strohhalm. Aber begreife auch, dass es meist nur ein Strohhalm ist, kein dünnes Seil und schon gar kein dicker Ast einer robust gewachsenen Eiche.
Hoffnung hängt meist am seidenen Faden. Und lässt Dich baumeln. Bis der Faden reißt und Du fällst. Durch das Löschen ihrer Nummer komme ich aus einer Spirale der Hoffnung und der Abhängigkeit nicht heraus, sondern ich komme gar nicht erst hinein. So einfach ist die Erklärung.

Ein kurzer Gedankeneinschub: Jetzt, da ich gerade wieder Schreibe, merke ich, wie ich mich innerlich aufgrund der Erlebnisse der letzten Tage beruhige. Es ist wie meditieren für mich. Schade, dass ich so wenig in letzter Zeit schreibe. Aber gut, dass ich sie erkenne, die Notwendigkeit dahinter und das Sprudeln meiner Gedanken als Quell der Ruhe und des Friedens. Entschleunigen um herunter zu kommen.
Und dabei höre ich, was ich oft höre, wenn ich auf meiner Couch sitze und schreibe… Musik von der Panflöte.

Die süßeste Stimme des Frühlings

In den folgenden Telefongesprächen fanden wir auf eine Art zueinander, die mich erstaunen ließ. Was mich bis heute am Meisten an ihr fasziniert, ist ihre Stimme. Sie hat die wundervollste Stimme, mit der je eine Frau persönlich mit mir gesprochen hat. Sie ist so zart und weich und manchmal auch ein bisschen hoch. Ihre Stimme klingt erfrischend naiv jung. Obwohl sie älter ist als ich. Jedes Telefonat war für mich Musik in meinen Ohren. Es war mir egal was sie erzählte, Hauptsache sie sprach.

Und inzwischen trafen wir uns wieder. Nicht nur einmal. Das zweite und das dritte Date fanden erneut draußen statt. Zum vierten Date besuchte sie mich Zuhause. Alles war so frei und einfach. Unbeschwert und leicht. Wir ließen uns aufeinander ein und nahmen uns alle Zeit der Welt, nur für uns. In den Tagen zwischen den Dates telefonierten wir bis tief in die Nacht hinein. Wir konnten nicht voneinander ablassen. Schlafmangel ersetzte oftmals seither mein Vorhaben mir täglich acht Stunden davon zu nehmen. Und ich merke, dass es mir nicht gut tut. Trotz allen Frühlingsgefühlen, die inzwischen in mir entstanden waren.

Meine private Nachricht an Lotosblume

Und da schrieb ich meiner guten Bekannten, die längst eine Freundin für mich geworden ist, eine Nachricht. Übrigens, meine einzige „echte Freundin“ in meinem Leben. Jemals. Und an der Stelle wird es Zeit auch ihr einen Namen zu geben, immerhin hatte sie hier mehrmals – wenn auch selten – bereits einen Platz in meinen Artikeln bekommen. Ich nenne Dich hier ab jetzt in ganz tiefem Respekt und voller Anerkennung für alles was Du bis hier hin getan hast, nicht nur in Bezug auf mich, aber auch, sondern auch in Bezug auf Deine Umgebung und Deine Familie, in täglich sehr wundervolle Art und Weise, Lotosblume.

Herzlich willkommen an Dich als Protagonistin, neben Herr van Onnetuschn bist Du nun die zweite Person aus meinem Privatleben hier in meinem Blog. Premiere! 🙂

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Auszug aus meiner Nachricht an Lotusblume:

“ […] Mit Fr. Tinder ist es nun anders verlaufen als zunächst gedacht. Wir haben uns inzwischen ein paar mal öfter getroffen und so gesehen viel Zeit miteinander verbracht.

Sie wirkt auf mich unglaublich beruhigend und zeigt an mir echtes Interesse, jedenfalls fühlt es sich so an. 🙂
Ich will mich nur ganz bewusst nicht so schnell hinein stürzen, bekanntlich kann der Fall danach tief werden, falls etwas doch nicht so passt.
Bisher hatte ich aufgrund ihres Verhaltens zu keinem Zeitpunkt das Gefühl misstrauisch zu sein. Und das ist mir schon viel wert. Insofern genieße ich das was gerade passiert. Wir telefonieren oft und bei mir war sie auch schon.
Ich habe das Gefühl, dass sie mir viel zeigen und beibringen kann. Und vor allem mich verstehen und mir folgen kann.
Sie fordert mich in vielen kleinen Dingen auf spielerische Art sehr heraus und das gefällt mir. Es ist kein ernstes und schon gar kein einengendes Miteinander, sondern frei und offen. Und ehrlich, merke ich. Sie agiert auch und reagiert nicht nur, wie viele andere…
Ein bisschen fühlt es sich surreal an. Ich bin es nicht mehr gewöhnt eine Frau an mich heran zu lassen. Jedenfalls nicht auf der Ebene der Gefühle, nicht in der Tiefe. Und das bereitet mir tatsächlich Angst. Ich merke, dass ich sehr vorsichtig bin. Vielleicht zu vorsichtig. Vielleicht ist es aber auch gut so. Ich weiß es nicht.
Ich merke, dass ich nicht einfach vertrauen kann. Vielleicht kommt es mit der Zeit.
Mein langes alleine Sein hat definitiv Spuren hinterlassen. Je näher wir uns kommen, desto mehr wächst gleichzeitig meine Angst, dass es „wieder mal vergebens war“ was ich tue.
Andererseits habe ich umgekehrt auch die Sorge für sie nicht „der Richtige“ zu sein, nicht mal aus Selbstzweifel, sondern weil ich echt auf Gefühlsebene ziemlich am Boden bin. Also mein Herz selbst ziemlich zugrunde gerichtet habe und nun spüre, dass es da noch einen weiten Weg gibt, um wieder in Ordnung zu kommen. Dafür kann sie nichts, gar nichts. Aber dennoch ist es so.
Schwierig. Besonders jetzt, da ich eigentlich etwas Abstand wollte von dem Thema Frauen.
Andererseits bin ich sehr gespannt, ob sie mit ihrer rücksichtsvollen und fürsorglichen Art womöglich sogar so gesehen sehr zur „Heilung“ beitragen kann. Ohne dass es ihr bewusst ist oder werden soll.

Von dem Blog weiß sie nichts. Dafür wäre es definitiv zu früh. Und ob überhaupt? Ich weiß es nicht… […]“

Aufrichtiger kann ich zum Stand bis vor kurzem nichts sagen. Das beschreibt meinen Gemütszustand exakt, jedenfalls bis zum vorletzten Wochenende. Das war, als ich begann diesen Artikel zu schreiben. Seither ist es anders, was sich bisweilen so richtig und gut anfühlte, bereitet mir seither Unbehagen.
Fortsetzung folgt…

Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 3 von 3

Heute Teil 3 und den vollständigen Abschluss der Geschichte. Jedenfalls des ersten Dates. 🙂

Auf gehts ins große Finale.
Und ich setze die Geschichte direkt ohne viele einleitende Worte nach Teil 2 (Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 2 von 3) fort.

Alles eine Frage der Eskalation

(An der Stelle ein kurzer Ausflug: Ja, es steht noch ein eigener Artikel zu diesem Thema an. Das habe ich versprochen. Kommt noch! 😉 )

Als wir nach dem Essen ins Auto gestiegen sind (ja, natürlich habe ich ihr hierbei das zweite Mal die Türe aufgehalten), hielt ich das erste Mal ihre Hand. Sie reagierte etwas überrascht, aber ließ meine Berührungen zu. Sie ließ sie zu. Sie erwiderte sie nicht.

Mit dem Auto an der zweiten Location angekommen, verbrachten wir noch einige Minuten mit Musikhören. Sie zeigte mir einige ihrer Lieblingslieder. Also schnell ihr Handy per Bluetooth-Verbindung mit meinem Auto verbunden. Schwuppdiwupp und sie ließ mich Eintauchen in ihre Musikwelt. Auf diese Art bestand also auf jeden Fall schon mal eine Verbindung zwischen ihr und mir! Oder jedenfalls zwischen ihrem Handy und meinem Auto. Wie auch immer. 😉

Wir lachten und lauschten. Und ich massierte ihr die eine Hand, anschließend die andere. Das genoss sie. Und dabei merkte ich zum ersten Mal, dass sie noch nicht auf dieser Ebene angekommen war. Kein Problem, also wieder einen Schritt zurück.

Wir gingen in ein Bistro, obwohl es in Anbetracht unserer inzwischen beiderseitigen Müdigkeit schon echt spät war. Es wurde ein relativ kurzer Aufenthalt. Wir setzten uns nebeneinander und wieder nahm und hielt ich ihre Hand.

Es war nicht sonderlich spektakulär, aber innerlich stellte ich völlig abseits der Müdigkeit fest, dass irgend etwas nicht mehr so war wie am Anfang. Schon seit vorhin nicht mehr, einen genauen Zeitpunkt kann ich bis heute nicht ausmachen. Ich versuche es auch nicht. Ich stelle es nur für mich fest, dass irgendwo ein „Bruch“ drinnen war.

Wenn Frau (noch ?) Zeit braucht

Draußen auf dem Weg zurück zum Auto sagte ich etwas zu ihr. Sie hatte ihre Hände in ihrem Mantel. „Wenn es nicht so kalt wäre und ich nicht wissen würde, dass Du gerade frierst, dann würde ich jetzt auf dem Weg Deine Hand halten.“

Sie sagte: „Oh. Ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht so weit.“

Ein echtes Statement. Eines, das mein Gefühl bestätigte. Jede weitere Eskalation war damit an dem Abend unnötig, weil zum Scheitern verurteilt. Also ließ ich es.

So fuhr ich sie nach Hause, wir waren beide inzwischen noch müder und so hielten wir es kurz, verabschiedeten uns mit einer raschen Umarmung und ich fuhr zurück zu mir. Ich genoss das Alleinsein im Auto und verspürte für mich innerlichen Frieden. Damit, dass es das vermutlich wieder einmal gewesen sein könnte. Alltag inzwischen. Ich kenne das ja, es ist nicht überraschend für mich, dass ich nicht völlig überschwänglich und in Euphorie blind vor Liebe herum renne.
Das habe ich lange nicht mehr getan, mir etwas von einem Date zu versprechen oder zu erwarten. Diesmal war aber echte Vorfreude da. Aber ohne mir etwas davon zu versprechen oder mir etwas zu erhoffen. Ein Unterschied.

Vielmehr spürte ich ja, dass irgend etwas nicht ganz passte. Man könnte vielleicht sagen, dass der Funke nicht übersprang. Andererseits lief es am Anfang echt gut, aus meinem Bauchgefühl heraus. Irgendwie war das Ganze dann genau deshalb für mich etwas widersprüchlich. Erst läuft etwas so gut an und dann gibt es einen Knick, warum auch immer. Ich hab kurz darüber nachgedacht, ob es an der Müdigkeit liegen könnte. Ich reiße mich dann aber immer sehr zusammen und gebe dennoch stets mein Bestes. Und ich wusste nicht, was sie nun fühlt. Dazu passte ihre Aussage oben für mich in ein Bild, das mir signalisierte: „Es stimmt etwas nicht.“

Dennoch bin ich so, dass ich meine Anerkennung und mein Interesse signalisiere. Es hängt ja immer von beiden ab, was passiert. Ich lasse sie auf diese Art zumindest wissen, dass ich sie mag. Was sie dann daraus macht, liegt sowieso nicht in meiner Hand.
So spiele ich das Spiel. Und deswegen bin ich kein gewöhnlicher Pickupper. Ich eskaliere nicht durch bis zum Abgrund, sondern trete davor auch einen Schritt zurück. Lasse Mensch Mensch sein und Gefühle Gefühle sein und wenn Gefühle auch mal nicht da sind, dann lasse ich sie eben auch mal nicht da sein.

Dann mache ich, was ich immer mache. Ich packe meine Sachen und ziehe weiter. Einsam in die Nacht. Nicht mehr traurig, wie vor einigen Monaten, nach einem gefühlt „gescheiterten Date“. Sondern inzwischen ganz zufrieden damit, dass ich alleine sein darf. Ja, richtig. Sein darf. Nicht sein muss. Alleine weiß ich noch immer am besten für mich selbst was ich mag und was mir gut tut. Freiheit. Genug zu tun habe ich mit meinem Studium auch. Mir ist nicht langweilig. Im Gegenteil. Ich schätze meine Freizeit noch mehr als vorher, da sie knapper ist als je zuvor.

Eignen sich Themen wie Zalando und H&M besser, um das Herz einer Frau für sich zu gewinnen?

Was ich mir am nächsten Morgen dachte: „Hm… vielleicht hast Du wieder mal zu tiefgründige Themen angeschnitten.“
Selbstreflexion halte ich für enorm wichtig, es geht dabei nicht darum herauszufinden „warum sie dies oder das“ so oder so gemacht oder gesagt hat. Sondern es geht darum sich selbst weiterzuentwickeln. Enorm wichtig. Ansonsten tritt man täglich in die selbe Pfütze und vermag es nie das zu ändern. Sich zu ändern.

Und ich hab mir für alle weiteren Dates mit Frauen erst mal vorgenommen: „In Zukunft keine Gespräche mehr über ihre oder meine Ziele, Wünsche und Träume oder die Gesellschaft. Keine Kritik über nichts. Einfach immer schön „ja“ und „toll“ sagen. Ein bisschen letzter Urlaub hier, gepaart mit einer Prise Lieblingsmusik und gespickt mit dem Lieblingsessen da. Das soll an „Tiefe“ reichen.“
Ich kann auch den total oberflächlichen flüchtigen Typen spielen. Mal ausprobieren…? Definitiv ja, dachte ich mir. Warum?
Ich habe Fr. Tinder in den Tagen vor dem Date in vielen ausgiebigen Telefonaten als eine sehr tiefgründige und einfühlsame Frau kennen gelernt. Ja, zugegeben, in den Telefonaten. Aber trotzdem… etliche Stunden erlauben es auch sich über eine Telefonleitung ein Bild zu einem Menschen zu machen.
Und das Bild sagte mir: „Bei ihr kannst Du auch mal Du sein! Also sei Du!“

Das dachte ich mir aber einige Wochen vorher bei Fr. Unnahbar auch. Und das Schiff lief auf Grund. Rumps.

Und diesmal? Offenbar schon wieder.
Vielleicht waren bzw. sind meine Einschätzungen auch nur falsch. Vielleicht denke ich nur, dass ich über solche Themen mit einer Frau reden könne und tatsächlich kann ich das – jedenfalls mit der jeweiligen Dame – gar nicht. Neueste Angebote von Zalando oder H&M taugen in diesen Fällen vielleicht besser als Gespräche über alles andere.

Wie ging es weiter?

Am Tag des Dates – bzw. in der Nacht – kam von ihr keine Nachricht mehr. Nun, sie habe ich ja gut nach Hause gebracht. Und ich? Ja, ich bin auch gut nach Hause gekommen. Danke der Nachfrage. Oder eben nicht.
Jedenfalls hatte sie mich in dieser Nacht nicht mehr angeschrieben. Sie interessierte es vermutlich nicht, ob ich trotz Müdigkeit auch noch gut zu Hause angekommen bin oder aber sie hat so viel Urvertrauen zu mir, dass sie wusste, dass ich gut zu Hause angekommen sein werden würde. Was für ein Deutsch.

Ich tat es ihr gleich. Keine Nachricht. Erstmal. Man muss das respektieren, wenn eine Frau sagt „Oh. Ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht so weit.“, dachte ich mir an der Stelle. Also trete ich einen Schritt zurück. Aufdringlich zu sein, ist nicht meins.

Und am nächsten Morgen?
Normalerweise hatten wir uns in der Früh und am Abend immer kurz eine Nachricht geschickt. All die Tage zuvor. Wie gesagt, alles war seit dem Date anders.

Also schrieb ich sie in der Früh an, warum auch nicht. Ja, ich zuerst. Was solls. Mir ist dieses Warten-Gelasse zu albern. Es kam eine kurze Antwort zurück. Keine Anzeichen oder Anstalten von ihr noch weiter Nachrichten austauschen zu wollen oder sonst etwas. Passt, dachte ich mir. Dann weiß ich Bescheid.

Was sagt Herr van Onnetuschn dazu?

Am Abend traf ich mich mit meinem besten Freund, meinen Lesern hier auch bekannt als Herr van Onnetuschn. Und wir saßen in einer Bar. Natürlich war Fr. Tinder ein Thema des Abends. Er verstand das alles auch nicht. So viele Telefonate. So viel Interesse, offensichtlich beiderseits. Und dann funkte es „mal wieder“ nicht. Er sagte zu mir, dass ich noch etwas warten soll. So nach dem Motto, „die Flinte nicht zu schnell ins Korn zu werfen“.

Lieber Herr van Onnetuschn, mein Freund, welche Flinte? Welches Korn denn?

Dazu muss ich sagen, dass es mir tatsächlich egal war, ob bei der Geschichte etwas heraus kommt oder nicht. Gleichgültigkeit auf emotionaler Ebene bezüglich dem einzelnen (!) Ergebnis hat meine Euphorie im Projekt Beziehung längst ersetzt. Es ist mir nur erst in den letzten Wochen zunehmend klar geworden. Das ist nicht schlimm, aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht negativ gemeint, auch nicht positiv. Es ist wie es ist. Wichtig ist für mich nur die Erkenntnis: „Wenn es passen soll, dann wird es passen“.
Egal ist es mir also wirklich nicht in negativer Hinsicht! Es ist viel mehr die sichere Erkenntnis, dass der Weg wichtig ist. Und der führt nur über mich selbst. Ein einzelnes Ereignis ist nicht wichtig, besonders wenn es von außen kommt. Ich bin nämlich auch keine Aneinanderreihung von einzelnen Ereignissen, sondern ein großes Ganzes. Ein ganzes Menschenleben. Ein großes ganzes Menschenleben. Wie jeder von uns. Nur am Bewusstsein darüber mangelt es meistens und den Meisten.
Wir neigen dazu einzelne Ereignisse zu übergewichten. Und deshalb schaukelt es uns von links nach rechts, ständig wenn es etwas „Unerwartetes“ passiert. Erwarte nichts, dann schaukelt auch nichts, dann passiert auch nichts „Unerwartetes“, dann ist Dir auch „egal“ was unterwegs passiert. Ein herrliches Gefühl der Freiheit macht sich gerade in mir breit, da ich diese Zeilen schreibe.

Und so sagte ich zu ihm an diesem Abend: „Sieh mal, gestern Nacht hat sie mir nicht mehr geschrieben, anders als sonst. Heute Morgen hat sie mir kurz und knapp geantwortet. Seither nicht mehr. Heute Nacht auch nicht. Auch anders als sonst. Wenn diese Frau tatsächlich Interesse an mir hätte, wirkliches Interesse, dann würde sie mich doch mit Nachrichten, Telefonaten oder sonst etwas bombardieren. Zumindest wenn der Funke wirklich übergesprungen wäre.“

Herr van Onnetuschn schwieg.

Und ich fuhr fort, „Sieh nochmal, das ist unser bisheriger Whatsapp-Chat.“, ich machte zwei Klicks und gelöscht war er. Und weiter sprach ich zu ihm, „und schau, das ist ihr Kontakt in meinem Handy.“. Erneut zweimal aufs Display gedrückt und auch da war Fr. Tinder gelöscht.

Er sagte etwas überrascht, wobei er mich kennt wie kein zweiter auf dieser Welt:
„Meinst Du nicht, dass das ein bisschen zu früh ist?“

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Das ist Freiheit in meinem Leben. Ich definiere Freiheit für mich heute völlig anders als früher. Freiheit ist für mich eine Mischung aus innerer Frieden und äußerer und innerer (körperlicher und Gedanken-)Freiheit.

Ich sagte zu ihm: „Wenn sie wirklich möchte, dann kann sie sich melden.“
Und innerlich dachte ich mir: „Ich habe keinen Kontrollzwang. Wenn sie möchte ist gut, wenn nicht, ist auch gut.“
Es liegt nun in ihrer Hand.
Kontrolle nicht (!) zu haben, ist ein schönes Gefühl. Es befreit. Es nimmt einem die Last und die Gedanken von vielem.
„Lass ruhig die Anderen mal machen“, denke ich mir inzwischen und kann mich daran gut gewöhnen.

Normal will man(n und oft besonders auch Frau!) Kontrolle. Hat man keine Kontrolle, fühlt es sich „schlecht“ an. Man fühlt sich schlecht. Warum?
Es ist doch heute genau umgekehrt für mich an vielen Stellen des Lebens, jedenfalls in Bezug auf andere Menschen! Wozu etwas kontrollieren? Habe ich Kontrolle, dann habe ich etwas zu verlieren, die Kontrolle selbst. Und das ist für die meisten Menschen ein Problem. Verlustangst. Kontrollverlustangst.
Kein Ego, keine Kontrolle. Kein Problem.

Und so endet eine so hoffnungsvolle Geschichte tragisch?

Am nächsten Tag, ich weiß nicht mehr wann, schrieb mich eine unbekannte Nummer über Whatsapp an. Wie mein Tag bisher verlaufen sei und warum ich kein Profilbild mehr in meinem Whatsapp-Profil hätte…

Sieht so aus, als wenn…
Ja, Du vermutest richtig… 🙂

Fortsetzung folgt. Liebe Leser, und wieder einmal… Geduld bis zum nächsten Artikel. Auch wenn das Date-Review mit diesem Dreiteiler zu Ende gegangen ist… so ist es nicht das Ende der Geschichte mit Fr. Tinder. Es bleibt spannend.

Der erste Vollstopp meines Blogs

Aus gegebenem Anlass muss ich hier kurzfristig für ein paar Tage die Reißleine ziehen.

2017-02-28

Eine Erklärung folgt, sobald ich Zeit finde etwas zu erklären.

Bin gerade völlig überschüttet mit Terminen, mehrmals die Woche abends und am Wochenende.

Aber bis auf die vielen Termine und etwas aufkommendem Stress geht es mir soweit ganz okay, also keine Sorge.

Daher benötige ich die Zeit nun gerade einfach anders als für das Schreiben. Urlaub vom Bloggen. Nicht traurig sein. Ich komme wieder! 🙂

Bis dahin… nutzt die Zeit ohne meine täglichen Beiträge gut! 😉

Bis bald

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 2 von 2)

Ich freue mich gerade richtig auf das Schreiben, endlich Teil 2 von Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2).

Im ersten Teil beschrieb ich das Phänomen des Auftretens, des Wirkens und der Bedeutung von Zeitfenstern.
Von meiner Leserin „lunarterminiert“ bekam ich den Hinweis, dass das Nutzen von Zeitfenstern bzw. sich bietenden günstigen Gelegenheiten in der griechischen Mythologie als Kairos betitelt wurde. Und der Gott der Zeit Chronos heißt. Danke dafür. Passt hier rein.

Ich beschrieb in Teil 1, dass Zeitfenster nicht beeinflussbar sind. Sie tauchen manchmal auf, halten eine mehr oder weniger lange Weile an und verschwinden dann durchaus plötzlich wieder, indem sie sich selbstständig schließen.

Zeitfenster ändern sich permanent. An sich ändern sie sich und das Auftreten in verschiedenen Situationen und bei verschiedenen Menschen ändert sich. Ich empfehle den letzten Artikel, Teil 1, einfach zu lesen, bevor es hier weiter geht. Sonst steht das Nachfolgende ohne Kontext da.

Heute geht es mir dabei weniger um die Zeitfenster als solche. Heute geht es mir um Deine Rolle darin!
Was sind Deine Möglichkeiten in diesen Zeitfenstern und was hat das wirklich exakt mit DIR SELBST zu tun? Heute wird es wirklich mal wieder etwas tiefer philosophisch, um so wichtiger ist es daher den Gesamtzusammenhang zu sehen und zu verstehen.

Achtung:
Ich warne an der Stelle ausdrücklich davor weiter zu lesen. Bei sensiblen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl können die nachfolgenden Zeilen ungewünschte Nebenwirkungen auslösen. Diese beabsichtige ich zwar nicht, kann und will sie aber auch nicht verhindern. 🙂

Nochmal kurz zusammen gefasst:

  1. Es gibt Zeifenster.
  2. Du kommst – wenn Du ein solches Zeitfenster erwischst – darin vor.

Wir beschränken uns heute auf den zweiten Punkt.

Bleiben wir im Bereich Pickup. Danach fasse ich das etwas überbegrifflicher und setze es in Bezug auch auf andere Themen. Du erwischst also ein günstiges Zeitfenster. Gut.

Nehmen wir an Du hast eine hübsche Frau (bzw. für meine vielen weiblichen Leser einen hübschen Mann ;-)) gesehen und sprichst sie an. Du stellst Dich lächelnd vor, sie gefällt Dir. Du findest sie mega attraktiv und auch ihre gesamte Erscheinung lässt Dich für einen Moment träumen. Und sie? Sie sieht Dich an, nimmt Dich zu Kenntnis und sagt Dir, dass sie Dich zwar nett findet, Du aber nicht ihr Typ seist.
Wie war das jetzt mit dem Zeitfenster? Es gab keines! Richtig.

Genau genommen hattest Du von Anfang an keine Chance bei ihr zu landen. Du hättest tun und lassen können was immer Du wolltest. Es gibt Frauen die sich vielleicht mit einem Ferrari hätten überzeugen lassen. Solche Gedanken kommen Dir dann. Mag sein, mag auch nicht sein. Aber solche Frauen willst Du in Wahrheit gar nicht. Ich jedenfalls nicht.

(Kurzer Exkurs: Gestern Nacht war ich wieder draußen zum Clubgamen. Wenige Meter neben mir war ein bekannter aktiver Fußballer. Wer, spielt keine Rolle. Für viele Menschen ist er ein Star. Für mich nur ein Mensch von vielen in diesem Club an diesem Abend. Etwas war aber auffällig: Seine Freunde – nennen wir sie einfach mal ihm zuliebe so – standen und tanzten wie eine Traube um ihn herum. Egal was er tat – die Traube bewegte sich im Kreis mit ihm mit und um ihn her. Wie ein Bienenschwarm mit einer Bienenköngin in der Mitte. Würde ich – wenn ich die Bienenkönigin wäre – eine Frau haben wollen, die ebenfalls nur deswegen an meinem Hintern klebt, weil ich jedes Wochenende von ein paar Millionen Menschen im Fernsehen bejubelt werde?!)

Andere Situation:
Du siehst völlig nebenbei eine hübsche Frau, nebenbei deshalb, weil Du gar nicht aktiv auf der Suche bist. Nicht in diesem Moment. Du möchtest nur gemütlich in einem Zeitschriftenladen blättern und kurz verweilen. Und da kommt sie rein, Du nimmst sie erst gar nicht wahr. Aber ihre langen brauen Haare glänzen in diesem hellen Kunstlicht, das von der Decke scheint wie die Sonnenstrahlen über den Gipfeln der Berge hinab ins Tal.
Du benötigst ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass sich jetzt vielleicht wieder ein Zeitfenster auf tut. Diesmal vielleicht wirklich.
„Hey, wie gehts?“, startest Du das Gespräch. „Hi, gut. Bin nur kurz auf der Suche nach einem Artikel in einer Zeitschrift. Was machst Du hier?“, bekommst Du so ungefähr die größtmögliche Resonanz für diesen Moment von ihr mit einem Lächeln zurück gespielt.

Und ab da hast Du ab Sekunde eins die volle Aufmerksamkeit dieser Frau. Sie nimmt sich Zeit für Dich und das Gespräch mit Dir. Und möglicherweise gehst Du zusammen mit ihr direkt noch auf einen Kaffee ein paar Meter weiter. Ein mega entspannter Einstieg, ein mega entspannter Fortgang. Du vereinbarst mit ihr ein Date für den nächsten Abend. Ihr tauscht Nummern aus, verabschiedet Euch mit einem Bussi links und einem rechts.

Wie ist das mit dem Zeitfenster in dieser Situation?
Es existierte von Anfang an! Es war eines da. Es war diesmal wirklich da. Es gab eine echte Chance für Dich. Diesmal war Deine Rolle darin nur, dieses Zeitfenster – das ganz unabhängig von deinem Zutun einfach da war – zu nutzen. Du musstest sie nur ansprechen. Und zwar völlig egal wie. In diesem Fall reichte ein „Hey, wie gehts?“ genauso aus wie ein „Sorry, kannst Du mir kurz helfen bitte. Ich suche gerade so eine Zeitschrift über Männermode, weil mir mein Kumpel letztens sagte, dass meine Hosen so komisch aussehen. Kennst Du Dich da aus?!“  ausgereicht hätte.

Hab ich so noch nie gemacht, aber es spielt keine Rolle. Wirklich nicht. Die Frage ist nicht was Du sagst. Die Frage ist maximal WIE Du es sagst. Aber selbst das ist vernachlässigbar. Ist das Zeitfenster dieser Frau geschlossen (Ehemann / in Eile / findet Dich nicht sexy genug), dann ist es eben geschlossen. Punkt. Vergiss jeden weiteren Gedanken daran. Morgen hätte es vielleicht schon wieder auf sein können, weil ihr toller Göttergatte gestern mit ihr Schluss gemacht hat. Und schwupp, wäre sie mit Dir auf einen Kaffee gegangen.
Der gleiche Mensch. Du.
Der gleiche Mensch. Sie.
Aber nicht das gleiche Zeitfenster. Ein anderes.

Du hast also ein günstiges Zeitfenster erwischt (Kairos), was ist Deine Rolle darin?
Wie wir gerade festgestellt haben, musst Du ein Zeitfenster identifizieren. Das machst Du, in dem Du Dir selbst sagst: „Ich werde jetzt die Wahrheit heraus finden. Existiert für mich jetzt ein Zeitfenster oder nicht?“
Und das kannst Du herausfinden, in dem Du die Frau einfach ansprichst. Und es einfach herausfindest. Du bist ein Wahrheits-Heraufinder. Ein Zeitfenster-Wahrheits-Herausfinder. Du bist eigentlich nur eine ganz gewöhnliche Maschine, mit einer Präzision wie ein verlässliches schweizer Uhrwerk. Deine Aufgabe ist es nur herauszufinden was die Wahrheit ist. Nicht werten. Nicht besser wissen. Nur herausfinden.
Das hast Du getan. Du hast sie angesprochen und bist mit ihr bis zum Ende gegangen. Du hast ein Date vereinbart. Läuft bei Dir. 😉

Was ist die Rolle darin? Nochmal. Was ist Deine Rolle darin? Was hat das alles mit DIR zu tun?

Ich habe oben gewarnt diesen Artikel weiter zu lesen. Es bleibt dabei. Es sollte davor gewarnt werden.

Denn: Du magst Dich riesig freuen, dass diese Frau sich mit Dir treffen möchte. Das Date mag auch zustande kommen. Ihr mögt Euch auch gerne haben. Noch so sehr. Und es mag viele weitere Dates geben. Und allmählich auch Zukunftspläne. Zusammen ziehen. Einen Kinderwunsch. Ihr wollt heiraten, ihr mögt ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und alt werden. Gemeinsam, bis ans Lebensende.

Und dennoch habe ich für mich eines inzwischen erkannt. Nirgends gelesen. Selbst erkannt. Einfach durch das Leben selbst:
Es hätte jeder andere Mann auch sein können in dieser Situation!

Es gab ein Zeitfenster. Du hast es genutzt. Ja. Zweifelsfrei. Aber Du brauchst Dir nichts darauf einzubilden. Du warst einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Eine Minute früher und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt. Eine Minute später und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt.
Die Gedanken und die Glorifizierung des sogenannten Schicksals werden damit obsolet. Es gibt Zeitfenster. Aber es gibt kein Schicksal. Kein nachvollziehbares Schicksal jedenfalls. Das bedeutet sehr konkret gesagt: Auch DU bist in diesem Zeitfenster mit dieser Frau nur ein daher gelaufener Junge. Sie fand Dich toll. Na und. Sie hätte zig tausend andere Männer IN DIESEM ZEITFENSTER ebenfalls toll gefunden, hätten die anderen Männer es nur genutzt.

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Dieser Kern meines Artikel ist enorm wichtig komplett richtig zu erfassen. Sonst geht die Botschaft verloren.

Ich will niemanden ent-träumen lassen. Wirklich nicht. Du bist ein toller Mensch, zweifelsfrei. Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder. Und jede Situation ist etwas Besonderes. Jede Situation zwischen Mann und Frau. Das Kennenlernen. Das Zusammenkommen. Alles.
Aber: ES HAT NICHTS MIT DIR ZU TUN! Bilde Dir wirklich nichts darauf ein. Du bist deswegen kein Held. Nochmal: Du warst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Hätte ein anderer Typ sie gerade angesprochen, dann hätte sie einige Zeit später mit dem anderen Typen geschlafen und die beiden wären nun verheiratet, anstatt Euch beiden. Vielleicht würden die beiden nicht lange glücklich werden oder bleiben und plötzlich gäbe es ein Beziehungsende. Und plötzlich öffnet sich wieder ein neues Zeitfenster im Leben dieser Frau in Bezug auf das Kennenlernen eines neuen Mannes. So ist der Lauf der Dinge.

Du bist etwas Besonderes! Definitiv. Das musst Du begreifen. Tief verstehen und begreifen. Aber es ist nichts Besonderes, dass Du mit dieser Frau zusammen gekommen bist. Wäre es nicht sie, dann wäre es ein paar Zeitfenster später eben eine andere Frau. Auch mit der kannst Du glücklich werden und Kinder bekommen. Und Du wirst es auch, ohne es je gemerkt zu haben, dass die Willkür für Dich entschied. Andere nennen es Schicksal. Letztlich war es jedoch einfach Zufall, aus meiner Sicht.

Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Wirklich auch nichts entmystifizieren. Jeder soll an das wahre Schicksal glauben. Die eine große Liebe. Ja. Ich tat das auch. Lange lange Zeit. Bis ich festgestellt habe was passiert, wenn eine Beziehung zu Ende geht und nicht mehr kommt. So weit in Ordnung, aus der Sicht. Möglicherweise hätte ich mich auf die Suche nach einer neuen „einzig wahren großen Liebe“ begeben. So wie alle Menschen. Und dann wäre ich vermutlich irgendwann sehr enttäuscht worden. So wie (fast) alle Menschen.

Nur begann ich zu pickuppen. Und stellte dadurch fest, dass das alles nichts mit mir als Mensch zu tun hat. Nicht mit mir als Wesen. Erst recht nicht mit mir als Seele.
Und keine Angst, dass ich nichts mehr empfinden könnte. Weil ich doch jetzt denken würde, dass alles Willkür und Zufall sei. Nein nein, ich weiß nur, dass alles vergänglich ist. Und sich alles in Zeitfenstern bewegt. Das ganze Leben. Das WEIß ich inzwischen. Kein „ich denke mir das“, sondern ich erlebte und erlebe es. Und daher weiß ich.

Ich weiß, dass das nicht ins Denken passt. „Ja aber mein Partner und ich, wir haben uns gesucht und gefunden. Wir sind füreinander geschaffen!“. Ja, ich weiß. Das kannst Du so denken. Und Du wirst glücklich damit sein – jedenfalls so lange Eure Beziehung anhält, vorzugsweise glücklich. Und irgendwann wachst Du auf und es macht BUMM. Und es ist aus. Hoffentlich nicht. Wirklich. Aber was, wenn doch? Seid ihr dann immer noch füreinander geschaffen? Trotz dem Aus? Oder wart ihr dann plötzlich noch nie füreinander geschaffen? Denk drüber na@ch. 😉

Es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt als sein Glück teilen zu können und geteilt zu bekommen. Das hat damit nichts zu tun. Das taste ich als Heiligtum niemals an.

Wie oben gesagt, nun noch ein paar globaler geltende Worte. Nicht nur in Bezug auf Pickup: Das gleiche Prinzip – und jetzt wird es ganz schnell jedem noch so skeptischem Leser klarer was ich meine, ich bin mir sicher! – gilt auch im Berufsleben. Es gibt eine Stellenausschreibung und es öffnet sich damit ein Zeitfenster. Du bewirbst Dich, weil Du denkst, dass Du das Profil zu 100% erfüllst. Übertriffst, sogar. Du wirst eingeladen und nach einem gefühlt perfekt laufenden Gespräch bekommst Du gesagt: „Wir stellen Sie gerne ein, sie können nächsten Monat bei uns anfangen!“.

Wie ist das jetzt mit Deiner Rolle darin? Bildest Du Dir an dieser Stelle ebenfalls ein, dass es Schicksal war, dass Dich diese Firma nimmt? Ihr seid füreinander geschaffen? Du und das Unternehmen? Das Unternehmen hat seinen Lebtag damit verbracht auf den einen richtigen zu warten und Du kommst just dann wie ein Ritter in glänzender Rüstung daher geritten? Sicher? Oder war es Zufall und „es hat halt gerade gut gepasst, für beide Seiten“?

Mir tut das ein bisschen weh, das gerade so zu schreiben. Ich bin tatsächlich gerade etwas sentimental. Weil das selbst als meine eigene Wahrheit noch nicht völlig in den Kopf will. Und ich selbst noch stark daran kämpfe mir selbst zu glauben. Obwohl ich längst spüre, dass es wahr ist. Jedenfalls für mich.

Aber ich bin ein Mensch, der Unwahrheiten nicht mag. Und der immer neugierig ist und sich immer alles genau ansieht und nachhakt. Der nicht alles glaubt was da steht. Und der seine eigenen Erfahrungen macht. Aktiver als je zuvor. Und der lieber spürt als zu denken. Und ich spüre…

Mir ist bewusst geworden, dass ICH viel weniger wichtig bin in einem Gesamtkontext, als mir vielleicht lieb wäre. Ich bin hier, ich atme. Ich lebe. Und das ist das einzige, das im Moment gerade wahr ist. Alles andere kommt und geht. Auch Du und Ich, auch wir werden gehen. Eines Tages. Bis dahin können wir Zeitfenster für uns nutzen. Aber uns bitte nichts drauf einbilden, wenn wir mal ein aufkommendes Zeitfenster für uns nutzen konnten. Es hätte jedes andere Zeitfenster auch sein können… jeder andere Mann oder jede andere Frau hätte es genauso sein können.

Als Trost kann ich nur sagen: Es hätte JEDER andere auch sein können. Aber in diesem konrekten Fall bist es eben Du geworden. Sei glücklich damit, dass Du es bist.

Und wenn Dich dennoch etwas glücklich machen kann am Kern dieses Artikels, dann ist es, dass Du Dir über das Phänomen der Zeitfenster bewusst bist und um seine Bedeutung und Deine Rolle darin (nun) weißt. Sei also zumindest darauf stolz das zu wissen und nutze das für Dich. Dann hat sich all das für dich schon sehr gelohnt. Auch ganz ohne Schicksal. 🙂

PS: Ich liebe diese Postskripte… nutze ich in meinen Artikeln ja immer häufiger. 🙂
Was ich noch sagen will:
Wenn Du einen Partner hast, geh einfach schnell zu ihm oder ihr rüber und küss ihn einfach. Sei glücklich darüber, dass ihr Euch habt.
Es hätte jeder ander auch sein können. Ja. Wenn nicht Du, dann jemand anders. Klar. Aber sei einfach froh, dass es im Moment ist wie es ist. Das Beste für Euch.

PPS: Wer sich selbst die Frage stellt, was man denn dann tun kann oder tun soll, mit diesem Wissen… dem kann ich nur sagen was ich inzwischen tue und wie mein Umgang mit meinem Leben inzwischen ist:
Ich versuche SELBST glücklich zu werden und immer weiter auf den Weg dazu zu kommen. Und zwar ganz ganz unabhängig von Freunden, der Familie oder einer Partnerin. Und erst recht völlig unabhängig von solchen Unwichtigkeiten wie dem Beruf. Ich arbeite täglich an mir und versuche selbst so weit zu kommen, dass ich gar keine Partnerin mehr benötige, um mich „komplett“ zu fühlen. Das wissen, dass keine Partnerin der Welt mich komplettieren kann, habe ich bereits. Aber das auch zu Leben und sich tief einzugestehen ist schwer. Daran arbeite ich hart.
Und dann wird es so sein wie immer im Leben: Plötzlich ist sie da.

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2)

Zeitfenster.
Und Deine Rolle darin. Warum nicht Deine Rolle „dabei“?
Es soll in diesem Artikel wirklich nur um Zeitfenster gehen. Den Zeitraum zwischen Beginn und Ende. Und um Deine Rolle darin. Darin, im Zeitfenster. Nicht drum herum, deswegen schreibe ich nicht „dabei“.

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Sehen wir es konkret anhand meines Projektes. Danach philosophieren wir abstrakter, globaler und für jeden anwendbar.

Wann immer ich meine Füße vor die Türe setze, treffe ich unterwegs Menschen. Genau wie Du.
Auf dem Weg ins Büro. Auf dem Weg zum Einkaufen. Der ganz normale Alltag. Und dann treffe ich besonders häufig Menschen immer dann, wenn ich mich entschließe Menschen zu treffen! So einfach. Bei mir nennt sich das dann Daygame oder Clubgame. Das einzige Ziel darin besteht, Menschen zu treffen und sie kennen zu lernen. Natürlich mit der konkreten Absicht, die „richtige“ zu finden.
(Anmerkung: Ich werde sie finden!)

Und während all der Gesprächsversuche, die ich auf diesem Wege starte, gibt es höchst unterschiedliche und unvorhersehbare Reaktionen und Gesprächausgänge. Manche Gesprächsversuche finden nicht einmal einen ordentlichen Anfang. Weil die Frau es nicht für nötig hält mich beim Ansprechen auch nur anzusehen. Die meisten Gesprächsversuche bringen hingegen kurioserweise eine oberflächliche und sich schnell wieder in Rauch auflösende Konversation. Kurios deshalb, weil die meisten Frauen tatsächlich ein bisschen spielen wollen und mitmachen. Skuril ist das. Und ganz ganz wenige Gesprächsversuche stoßen sogar auf fruchtbaren Boden.

Und nach einigen Monaten in meinem Projekt stelle ich bereits jetzt mehr und mehr fest, dass es in den wenigsten Fällen direkt an mir liegt, ob meine Gesprächsversuche überhaupt einen ordentlichen Anfang finden, eine oberflächliche Konversation ergeben oder auf einen fruchtbaren Boden stoßen.

Es liegt an etwas viel weniger Beeinflussbarem. Am Zeitfenster.

Und zwar nicht an meinem Zeitfenster, sondern an ihrem. Mein Zeitfenster ist offen. Ich bin draußen, um Menschen kennen zu lernen. Den Anfang habe ich gemacht. Das Ende ist noch offen. Also habe ich Zeit und das Fenster weit geöffnet. Nicht für alles und für jeden. Aber jetzt für sie, die Frau die vor mir steht.

Nun zu ihr. Ihr Zeitfenster ist in aller Regel nicht geöffnet. Die Gründe sind manigfaltig. Sie mag einen Freund haben und deshalb niemanden kennen lernen wollen. Sie mag mich gerade im Moment unattraktiv finden. Sie mag der Meinung sein, dass ich komische Sachen sage oder merkwürdig bin, vielleicht weil ich mich getraut habe sie einfach so anzusprechen. Oder noch banaler, sie mag gerade einfach keine Zeit haben. Keine Zeit, um mit mir zu reden und sich überhaupt nur kurz anzusehen, ob es sich für sie vielleicht nicht doch lohnt mich kennen zu lernen.
(Anmerkung: Die mit großem Abstand wunderschönste Frau meines Lebens hatte ich vor einigen Monaten nur kurz angehalten und aufgrund Termindrucks ihrerseits nur zwei Minuten auf der Straße sprechen können. Dennoch haben wir Nummern getauscht und uns ein paar Tage später zum Date vereinbart. Sie erschien und es war ein besonderer Tag meines Lebens, an dem ich die bis jetzt hübscheste Frau, die ich je gesehen habe, gedatet habe. Manchmal reichen zwei Minuten. Manchmal reichen hingegen selbst 2 Jahre nicht.)

Zeitfenster ändern sich. Und das ist eine ganz ganz wichtige Erkenntnis der letzten Monate und sogar der letzten paar Jahre in meinem Leben.
Manchmal gehen sie auf und schnell wieder zu. Manchmal gehen sie erst nach langer Zeit auf. Manchmal gehen sie nie auf. Und manche Zeitfenster bleiben vielleicht sogar ein Leben lang geöffnet. Sagt man sich nicht nur so, im Himmel.

Die gleiche Frau, die Dir im ersten Moment Skepsis entgegen bringt, kann nach einiger Zeit hin und weg von Dir sein. Anders herum gab es viele Frauen auf meinem Weg, die zunächst hin und weg von mir waren und plötzlich davon geweht sind wie ein Tornado.

Mehr noch, es gab nach einer mehrjährigen Beziehung in meinem Leben nach der Trennung ein langes Zeitfenster, in dem nochmal etwas möglich gewesen wäre zwischen uns, um wieder zueinander zu finden.
Will heißen: Selbst gegenüber einem unendlich vertrauten Menschen, dem man das Schicksal des eigenen Lebens in die Hände legen würde, kann sich ein Zeitfenster schließen.
In diesem Fall schloss es sich. Mindestens für lange Zeit. Vermutlich für immer. Vielleicht auch nicht. Nur das Universum weiß das.

Zeitfenster kommen und gehen. Die gleiche Frau, die Dir heute eine Abfuhr erteilt, hätte sie Dir vielleicht gestern oder vor zwei Monaten nicht erteilt. Und in 2 Wochen in der Zukunft auch nicht. Gründe? Vielfältig!

  1. Sie ist seit gestern erst wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen.
  2. Sie findet Dich heute in Deinen Sneakers unattraktiv, ihr Ex hatte die gleichen wie Du. Die Schuhe ihres Ex assoziiert sie mit Dir und findet Dich durch das aufgekommene Déjà-Vu widerlich.
  3. Deine Frisur heute ist aus ihrer Sicht ein No-Go. Wenige Jahre später würde sie hingegen genau darauf stehen wie Du heute aussiehst oder Dich heute stylst.
  4. Vielleicht hat sie auch heute einfach nur ihre Tage und will schnell nach Hause, ist zickig und genervt.
  5. Vielleicht steht sie auf Männer, die mindestens 1,90 m groß sind und du bist vielleicht mit 1,88 m einfach zu klein für sie.

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sie soll die Unwägbarkeiten der Zeitfensterei exemplarisch zum Besten geben.

Heute ist sie vielleicht noch Single und offen für Neues. Sprich sie an. Morgen schon könnte sie stattdessen vergeben sein und das Zeitfenster wäre für immer geschlossen. Wenn Du sie denn überhaupt wieder sehen würdest. Auch dieses Zeitfenster könnte mit der einmaligen kurzen Begegnung für immer geschlossen sein.

Und treten wir ein paar Schritte zurück. Weg vom Pickup, lassen wir den Blick globaler schweifen.
Wie ist es im Job? Eine Stellenausschreibung hat eine Bewerbungsfrist. Innerhalb dieser Frist wärst Du der perfekte Kandidat. Außerhalb dieser Frist könntest Du tun und lassen was immer Du möchtest, Du wärst immer der falsche Kandidat. Weil es keinen Kandidaten geben soll.
Es ist auch in der Freizeit so. In Deiner Mannschaft. Alle haben seit Wochen hart für das Spitzenspiel trainiert. Jeder Deiner Mitspieler gab stets alles. Und noch mehr. Zwei Tage vor dem Match verletzt sich der beste Spieler Deiner Mannschaft. Und das Spiel geht knapp verloren. Der Eine hätte den Unterschied ausgemacht. Er war nicht da. Das Zeitfenster, zu gewinnen, ging schon vor dem Spiel zu.
So oder so ähnlich ist es täglich. Bei uns allen.

Jedes Zeitfenster wäre kein Zeitfenster, wenn es sich nicht irgendwann schließen würde. Sei Dir dessen bewusst! Handle entsprechend!
Handle jetzt, wenn das Zeitfenster offen ist.
Handle erst etwas später, wenn Du weißt, dass das Zeitfenster sich erst noch öffnen muss.

Das ganze eigene Leben ist ein einziges Zeitfenster…

… und was das genau mit DIR zu tun hat, darüber schreibe ich nächste Woche in meinem Philosophischen Sonntag. In Teil 2 über „Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin„…

Date-Review zu einer potentiellen Traumfrau (?)

Mittwoch Nacht kam es zum großen Fußballspiel. Ich hatte darüber hier berichtet (Date-Vorschau im Stile eines Fußballspiels).

Und das Date ging wirklich lange. Über 7 Stunden, um genau zu sein. Zwei mal die Location gewechselt. Immer gut.

Der Reihen nach.
Erstmal gab es eine freudige Begrüßung, umarmen. Herzlich ihrerseits. Nicht kühl. Guter Start.

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Wir trafen uns mit den Autos vor einem Lokal. Das hatte jedoch geschlossen, so dass wir von dort aus kurzfristig mit einem Auto weiterfuhren. Mit meinem.
Wir gingen in Richtung meines Autos. Dort standen mehrere Fahrzeuge und sie fragte mich etwas ungläubig: „Wo stehst Du denn?“
In diesem Moment hatte sie längst verstanden, welches mein Auto ist. Der schwarze Sportliche. Es nahm etwas vom Glanz, ihre Reaktion. Denn es zeigte mir für einen kurzen Moment, dass sie mir nicht zutrauen würde „so ein Auto“ zu fahren.

Ja gut, dann weißt Du schon mal, dass Du zumindest bisher nicht High-Value für sie in Ihrer Gedankenwelt gewesen sein konntest. Denn hätte sie mir das vorab schon zugeschrieben (zugetraut?!), wäre ihre Reaktion anders ausgefallen. Aber so ist das nun mal, wenn man kein Allerweltsauto fährt und gleichzeitig darüber nie spricht. So als wäre es ein Allerweltsauto. Wozu auch. Einer Frau gegenüber nicht der Rede wert. Ich erzähle ja auch nichts über mein Faible für Edelmetalle. Das hat Zeit. Es ist für mich nur ein Auto. Von der einen Seite her betrachtet. Aber es ist umgekehrt eben auch nur ein Auto (!). Von der anderen Seite her betrachtet. Aus ihrer Sicht eben. So sollte es jedenfalls sein.

Ich hoffe, dass ich damit rüberbringen konnte, was ich sagen möchte: Etwas kann aus meiner Perspektive normal sein. Aber ich wünsche mir eben, dass es aus der Sicht der Frau dann auch normal ist, dass dieses Etwas auch für mich normal ist. Und nicht so nach dem Motto: „Wie kann DER sich das leisten?!“ Es kam einfach so rüber. Und das ist nicht schön. Bestimmt nachvollziehbar. Vielleicht wollte sie das so auch nicht rüber bringen. Was letztlich aber völlig Schnuppe ist. Denn wichtig ist was ankommt. Nicht was vielleicht versucht oder nicht versucht wird auszustrahlen. Es geht immer um Gefühle im Leben. Und dabei sollten die eigenen Gefühle aus gesundem Grund an erster Stelle stehen.

Die Reaktion zeigte mir außerdem, dass sie selbst mehr auf High-Value macht als sie wirklich ist. Jemandem, der wirklich begriffen hat worauf es ankommt, ist es egal was für ein Auto Du fährst. Wenn das Auto beeindruckt, in diesem Fall mit fadem Beigeschmack, dann ist sie das eben selbst nicht, High-Value. Jedenfalls nicht für mich. Auch wenn das eine ganz andere Art der Auslegung ist. Es ist meine Auslegung.
Für mich blieb deshalb der Eindruck zurück, dass auch da der Schein größer ist als das Sein. Es passte für mich nicht ins sonst so perfekte Gesamtbild dieses Menschen bis dahin. Schade. Ich kann das schwer beschreiben, es war einfach mein Gefühl. Ein bisschen nahm das für mich etwas vom Glanz dieser Frau.

Materielles ist mir völlig unwichtig. Aber eben tatsächlich so unwichtig, dass ich mich weder beeindrucken lasse davon, wenn jemand etwas besitzt, noch umgekehrt davon beeindrucken lasse, wenn jemand etwas nicht besitzt.
Kurz: Ich bin dann weder negativ beeindruckt, wenn ich mir vorher dachte, dass jemand etwas besitzen könnte und feststelle, dass derjenige Arm wie eine Kirchenmaus ist. Noch bin ich positiv beeindruckt, wenn ich mir vorher dachte, dass jemand ein armer Schlucker sein müsste und ich plötzlich erfahre, dass er eine Villa besitzt. Es ist mir einfach egal. Wirklich egal. Beides ist gleich gut für mich. Herz ist wichtig. Seele ist wichtig. Alles andere kann ich mit einer großen Ausholbewegung vom Tisch fegen! Es spielt keine Rolle. Für mich einfach keine Rolle. Alles ist vergänglich. Materielles oft viel eher als der Mensch. Und manchmal ist der Mensch noch vergänglicher als Materielles.
Alles hat ein Ende. Das müssen wir alle noch lernen, spätestens aber erleben.
Aber um jetzt nicht nur zu bitter ernst zu sein: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. 😉

Diese Reaktion von ihr war zwar nur eine kleine, für mich aber eine eher große. Denn sie stellte eben ihre Sicht der Dinge für mich verständlich dar. Man könnte auch von einem Fettnäpfchen sprechen.
Bis dahin war sie sehr frei, sehr tolerant. Sehr mit sich im Reinen und Klaren. Sie wirkte für mich bis dahin völlig frei von äußeren Einflüssen unbeeindruckt als Person. Das hatte für mich etwas Magisches. Danach nicht mehr in der Form. Um zum Edelmetall zu zurück zu kehren: Vorher war sie für mich noch ein riesiger Goldbarren. Und plötzlich nur noch eine Figur, überzogen mit Blattgold. Und das Ganze fing auch noch an abzublättern. Die Frage war dann nur noch: Was ist darunter…?

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht sofort wieder beiseite schieben könnte. Also hielt ich ihr selbstverständlich die Türe des Autos auf und wir fuhren in eine Bar.

Erstmal einen Wein trinken. Rosé, um genau zu sein. So einen hatte ich bisher noch nie getrunken. Ich kenn mich mit Wein nicht so gut aus, aber dieser Rosé war etwas Besonderes. Hat mir geschmeckt. Copper Ridge, Zinfandel. Interessant. Der Duft. Hat mich an Whiskey oder braunen Rum erinnert. Und geschmacklich eher süß, was mir sehr entgegen kommt. Kann ich empfehlen, wenn man einfach mal „etwas anderes“ probieren will. Definitiv nicht normal.

Es war von Minute eins an klar:
Das wird ein extrem klassisches Date. Sie ist da eher vom alten Schlag. Bleibt von sich aus vor der Türe stehen, bis ich sie aufmache. Da sie weiß, dass ich Türen aufhalte. Dann kommt die zweite Durchgangstüre zur Bar, wieder bleibt sie stehen, damit ich sie mit zwei schnellen Schritten überholen konnte, um auch diese Türe zu öffnen. Zwei mal Danke mit einem netten Lächeln. Ja, so ist das schon gut, finde ich. Geht doch.
(Anmerkung: Sie ist die erste Frau in meinem Projekt, die das in Gänze checkt. Allen anderen konnte ich die Türe aufhalten so oft ich wollte, aber sobald da eine zweite Türe kommt, rennt sie wieder voraus. Ohne jede Chance für mich auch die zweite Türe öffnen zu können.)

Aber eines ist dann auch klar: Es wird dann eben ein klassisches Date. Ich denke da an die Werbung zum Ei-Phone. „Wenn Du kein i-Phone hast, dann hast Du kein Ei-Phone.“
In dem Fall von dem Date ist das so: Hast Du ein klassisches Date, dann hast Du ein klassisches Date. Punkt.
Da weißt Du was gespielt wird. Das Terrain ist klar abgesteckt. Das Spiel ist also eher vornehm. Eher etepetete. Ist ja okay, man muss eben damit umgehen können und ein bisschen auch drauf stehen. So ein Date in der Form hatte ich länger nicht. Aber sie ist eben eine Frau, kein Mädchen. Und eine vom alten Schlag. Aber das sagte ich ja bereits.

Sie ist höflich. Sie hat Stil. Sie weiß was sich gehört. Ich aber auch. Hat Mama mir schon früh beigebracht. Gell Mama. 😉
(Selbsttest für Anfänger: Ein halbes Hähnchen komplett mit Messer und Gabel essen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen und ohne Fleisch an den Knochen zurück zu lassen. Tipp: Vorher unbedingt mit der Anatomie eines Huhnes beschäftigen. Macht es einfacher. Zwei geübte Schnitte benötigt es, sonst wird das nix mit dem Huhn. Ganz wie im echten Leben. :-))

Es war ein durchwegs tolles Gespräch, über den ganzen Abend hinweg. Körperkontakt hingegen war schwer aufzubauen, dazu hat ihr wohl noch Vertrauen gefehlt, wie ich gemerkt habe. Obwohl sie umgekehrt auch hin und wieder Körperkontakt gesucht hat. Was sehr positiv ist. Aber ansonsten war es schwierig. Steigern konnte ich es zu keinem Zeitpunkt. Nur immer wieder einstreuen. Ich fühlte mich zwar wohl im Gespräch, aber irgendwie nicht wohl auf der Ebene ihr näher zu kommen. Selbst bei einfachen Berührungen fühlte ich mich nicht zu 100% wohl.
Warum? Das hab ich für mich auf der Rückfahrt schon versucht zu ergründen. Später mehr dazu.

Zum Wein gab es noch etwas zu Essen. Sie kannte den Barchef. Schon mal keine gute Voraussetzung übrigens. Das war das erste Mal, dass ein Date irgendwo stattfand, wo die Frau bekannt war und nicht ich. Man selbst fühlt sich dann etwas beobachtet. Umgekehrt ist das kein Problem, wenn ich irgendwo mit einer Frau bin und man mich kennt. Denn ich zeige der Frau ab der ersten Sekunde, dass wir uns deshalb in keiner Form zurückhalten müssen. Aber an diesem Abend wusste ich nicht so recht etwas damit anzufangen. Und sie löste das auch nicht gleich auf. Besonders nicht mit der Erklärung, dass es sich beim Barchef um die Verwandtschaft einer Freundin handelt.
Wie soll ich das werten? Was schließe ich daraus für den restlichen Abend?
Muss ich mich jetzt zurück halten?! Weniger Berührungen?! Keine?! Oder kann ich trotzdem ganz normal auf Tuchfühlung gehen?!

Nach dem Essen und dem Bezahlen ging es noch in eine andere Bar. Eigentlich mega cool. So eine Shisha-Bar. Ein paar komische Leute in der verrauchten Bar um uns herum. Wir haben uns lustig gemacht über die Location. Über die Menschen und über uns. Das war das totale Kontrastprogramm zu vorher. Aber sie ist spontan. Also hatte sie die spontane Idee dahin zu gehen. Sie ist auf eine Art locker. Das gefällt mir. Sie kann etepetete. Aber sie kann auch mal einfach sein.

In den Laden sind wir übrigens nur gegangen, weil sie in der Bar zuvor mein Angebot – zu ihr auf einen Tee zu gehen – ausschlug. „Auf keinen Fall!“, trällerte sie mir entgegen und lachte verschmitzt dabei.

Später fuhr ich sie zurück zu ihrem Auto. Es war spät. Nach 1 Uhr bereits, und am nächsten Tag musste ich wieder arbeiten. Im Auto war es nun mal langsam an der Zeit einen Gang hochzuschalten. Der Wagen hat ja ein Doppelkupplungsgetriebe. So sanft schaltet der für mich die Gänge hoch und runter.
Aber ihr gegenüber war ich an der Reihe. Ohne Doppelkupplungsdingda. Jetzt war ich gefragt. Und bis dahin hat sich das für mich einfach irgendwie nicht 100% richtig angefühlt. Im Auto wollte ich dann mal Druck aus dem Kessel lassen. Habe sie beim Fahren kurz angesehen und mit meiner rechten Hand ihre linke Hand angefasst. Kurz weg wieder gesehen, zurück auf die Straße. Denn ein bisschen fahren musste ich auch noch. Einfach weiter unterhalten. Ganz normal. Und wieder kurz zu ihr gesehen. Sie zog die Hand nicht weg. Und ich meine auch nicht. Ich fing an während der Fahrt ihre Hand zu streicheln. Und nach ein oder zwei Minuten tat sie es mir gleich. Das ging so bis zum Parkplatz mit ihrem Auto. Einige Minuten lang.
Sie kann zärtlich sein, das habe ich gemerkt. Sie hat definitiv Bandbreite.

Sie erzählte mir im Laufe des Abends viele tolle Dinge. Viel im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Viel von ihrer Vorliebe für Meditation, Entspannung und Ruhe.
Ihre Erzählungen aus dem Alltag widersprachem dem Ganzen jedoch etwas. Sie erzählte von einem großen Freundeskreis. Sie erzählte vom Feiern und vom Ausgehen. Von Champagner und von Wein. Sie kennt sicher viele Menschen und ist gern gesehen und viel gefragt. Ja. Schön. Für sie. Schön für sie.

Und irgendwie machte das trotz der sehr tiefgründigen Gespräche über das Leben für mich diese Frau im Laufe des Abends zunehmend unattraktiv. Unattraktiv ist vielleicht das falsche Wort. Hm. Sagen wir es so:
Ich suche kein Glamour-Girl. Keine Sause-Brause-Frau. Es ist für mich vielmehr an der Zeit zur Ruhe zu kommen. Auch mal – und öfter – meine Zeit mit meiner Partnerin in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Sesshafter zu werden. Weniger Kasperletheater. Das hatte ich die letzten Jahre genug. Und mit dem Projekt nochmal im Qudrat. Es langt. Es reicht wirklich.

Meditation, Ruhe und Entspannung waren gute Themen. Aber ihr Leben drum herum ist nicht meins. Und ich merkte für mich:
Mit dieser Frau würde ich – ganz unabhängig davon was sie überhaupt von mir hält – zwar vermutlich die cleverste Frau meines Lebens (nicht jedoch die gebildetste!) an der Seite haben. Sie würde in vielen Dingen vorausdenken. Sicher für uns beide. Sie würde mir in vielen Dingen auch neue Wege aufzeigen können und mich voran bringen. Andererseits würde ich jedoch auch immer einen Pol an der Seite haben, an dem man sich reiben könnte. Ja müsste. Oder eben immer wieder zurückzustecken hätte.
Denn ihr eigener Kopf, ihr eigener Charakter und ihre eigenen Wertevorstellungen sind schon stark ausgeprägt.

Und ich will doch nur leicht und unbeschwert sein.

Zum Kuss habe ich zur Verabschiedung nicht angesetzt. Es hätte nicht gepasst. Irgendwie nicht. Ich habe mich in dem Moment mit dem Gedanken auch nicht wohl gefühlt. Und glaube, dass sie das auch nicht gewollt hätte. Die Feine. Weil ich etwas schon spürte, was daraufhin folgte…

Die letzten Tage nach dem Date schrieben wir uns täglich ein bis zweimal kurz. Kein großes Engagement von ihr. Das war nur am Anfang in der Nacht im Club bei unserem Kennenlernen einmalig so. Danach war die treibende Kraft stets ich.
Und das Engagement habe ich inzwischen runter gefahren. Ich habe mir sie einfach zum Vorbild genommen. Sie macht wenig. Dann ich eben auch.
Ein paar Tage Denkpause taten mir nun gut. Dabei spüre ich, dass sie es auch nicht ist – die Richtige.
So toll sie sein mag als Mensch. Als Frau. Aber nicht als meine Frau. Als die Frau eines anderen bestimmt. Einen, der in ihren Augen vielleicht mehr High-Value ist. Ich weiß es nicht. Ist mir auch egal eigentlich.

Bei ihr ist das irgendwie anders als bei anderen Frauen bisher. Mein Gefühl sagt mir einfach, dass es nicht das Richtige ist für mich. Andere tolle Frauen, die ich bisher gedatet habe, hinterließen bei mir ein anderes Gefühl. Teilweise ein Gefühl von Sehnsucht. Bei ihr ist das anders.

Ich glaube es ist etwas Einschneidendes passiert über die letzten Monate: Ich bin mir mehr wert als je zuvor. Und weiß was ich kann und wer ich bin. Wenn mir jemand dann nicht klar das Gefühl gibt, dass ich der Richtige bin, dann bin ich schneller weg wie ein herrenloser Geldbeutel zwischen zehn Langfingern.
Und das ist für mich insofern eine wundervolle Erfahrung. Unabhängig zu sein. Mehr als je zuvor. Unabhängig als Mensch sowieso. Und mindestens dafür tat mir dieses Date richtig gut. Aber jetzt auch unabhängig vom Gefühl unbedingt eine Frau kennenlernen zu wollen oder gar zu müssen. Deswegen bin ich glücklich darüber, dass es lief wie es lief. Und ich diese Frau kennen lernen durfte.

=> Ich komm ganz gut auch ohne klar. Danke Pickup.

Es war nichtsdestotrotz wirklich ein menschlich toller Abend mit ihr. Da will ich der Sache nichts abtun. Genauer kann ich es im Moment auch nicht beschreiben. Keine Ahnung.

Und am Ende ist es wie immer: Es ist immer irgendwas!

PS: Zurück zu Beginn des Textes:
Versteht mich nicht falsch. Jede Frau darf in Fettnäpfchen treten. Jede Frau darf auch mal etwas sagen, das vielleicht nicht ganz okay für mich ist. Wer weiß was ich alles „uncooles“ aus Sicht manch einer Frau tue. Oder sage. Alles okay. Jede Frau hat ihre eigenen Ansichten und ihre eigene Meinung. Das ist alles prima und auch die Fettnäpfchen sind bis zu einem gewissen Grad in Ordnung und gesund.
Jetzt kommt das aaaaber, oder? Ja! 😉
Aaaaaaaaaber: Wenn ich selbst keine Lichtgestalt bin, dann tue ich einfach auch nicht so. Einfach mal etwas tiefstapeln ist nämlich auch gut. Hochstapeln kann jeder.

PPS: Seit einem Tag kam keine Antwort mehr von ihr auf meine letzte Nachricht. Ich glaube wir machen es wie immer: Lasst uns ein Ei drauf hauen. Da gibts doch diese Spiegeleierformen. Gibts die auch mit einem Winke-Winke anstatt in Herzform? 🙂

PPPS: Vielleicht fragt sich der eine oder andere ja, warum ich dann im Auto ihre Hand genommen habe? Ich kann es nicht mal sicher sagen. Vielleicht weil ich spürte, dass es das letzte mal sein würde, dass wir uns sehen? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich ihr einfach zeigen wollte, dass ich sie toll finde. Was auch wirklich stimmt. Vielleicht auch nur für den Nervenkitzel. Auch das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es kein Nervenkitzel war in dem Moment, das hab ich ja gleich darauf gemerkt. Ich blieb ruhig und gelassen. Es ist nichts Besonderes mehr eine Hand einer Frau zu halten. Es hat sich einfach abgenutzt. Nicht mal die Hand einer Frau, die ich toll finde. Pickup sei Un-Dank.