Wild tanzende Frauen haben manchmal einen an der Klatsche

Es war Wochenende, und ich war mal wieder beim Clubgamen. Ja, ich weiß… Asche auf mein Haupt… ich war Clubgamen, obwohl ich doch wissen müsste, dass da nur… diese eine „besondere“ Sorte von Frauen anzutreffen ist.

Ich weiß, ich weiß. Wie mir auch mal mein damaliger Physio sagte: „Sie gehen doch auch nicht in den Penny, um Kavier zu kaufen“.

Gut, stimmt schon. Deswegen werde ich in Zukunft auch öfter auf ganz unterschiedliche Veranstaltungen gehen. Um mehr die „normalen“ Frauen kennenzulernen. Das ist dann zwar fast nur übers Daygamen möglich, aber die Trefferchance auf „die Richtige“ ist dabei sicher höher als beim Clubgamen. Alternativ sollte ich vielleicht öfter ins Bars gehen, anstatt in Clubs. Nur in Bars ist einfach wenig Bewegung. Da kannst Du rein, sprichst eine oder zwei Frauen – möglichst unbemerkt – an, aber dann bist Du eben auch schon „verbrannt“. Von Tisch zu Tisch zu springen, ist nicht möglich. Schwierige Sache. Hm.

Die heißeste oder zumindest auffälligste Frau im Club

Egal. Also am Wochenende war ich mal wieder in einem Club. Und ich ging erstmal eine kleine Runde umher, langsam. Beobachtend. Und dann fiel mir eine echt heiße 7,5 oder 8 auf. Wie sie da mit ihren Freundinnen tanzte. Lasziv. Hm. Drum herum viele Typen. Allerdings stehen die alle nur mit ihren Getränken um die Frauen-Traube und tun…? Nichts! Richtig. So sind sie, die Supertypen. Fast alle gleich. Nach außen hin optisch auf „dicker Macker“ machen, aber in der Realität nur glotzen statt ansprechen und handeln können.

Ich bin anders. Ich sah mich um. Langsame Bewegungen. Möglichst erhaben. Keine hektischen Dinge tun, keine Unruhe ausstrahlen. Die Situation im Club mit der lauten Musik und der Hollywood-Umgebung zwischen all den Gören einfach aufsaugen und wirken lassen. In die Mentalität der Situation eintauchen.

Na gut, dann stellte ich mich in die Nähe von ihr. Vielleicht 2 Meter entfernt. Uns trennte ein Tisch. Nicht zu viel Abstand, auch nicht zu wenig. Unsere Blicke trafen sich zum ersten Mal. Den Augenkontakt nahm ich bewusst an. Und der hielt schon mal erstaunlich lange. Kein kurzer Blick, sondern schon eher dieses typische „Abchecken“. Sie strahlte mich an. Ich grinste zurück. „Guter Start in die Nacht“, dachte ich mir. Ich beobachtete die restliche Szenerie. Drehte mich auch mal um, lief nochmal ein paar Meter in die eine und in die andere Richtung und sah mich nach weiteren Frauen um. Ist ja immer das gleiche Schauspiel: Sehen und gesehen werden. Jedenfalls in der „ehrenwerten Gesellschaft.“ Hier kennt man sich.

Ich kam wieder in ihre Nähe und nahm nochmals Blickkontakt auf. Sie tanzte wie wild. Fast in Extase. Eigentlich irgendwie auch übertrieben. Die auffälligste Person im Laden. Natürlich richten sich dann alle anderen Blicke ebenfalls auf sie. Aber ich spürte da etwas. Also blieb ich in der Situation, lächelte ihr zwischendurch zu und gestikulierte mit ihr. Spätestens an Gegengesten sieht man, ob die Frau interessiert ist. Es entstand eine kleine Körpersprachen-Interaktion. Na gut. Das war das Zeichen zum Starten für mich. Der Startschuss zum Ansprechen.

Plötzlich kam die Bedienung mit der Rechnung an ihren Tisch. Alle zückten ihre Handtaschen und legten zusammen. Ich dachte mir: „Okay, dann lass sie das Finanzielle mal machen, danach aber keine Zeit mit dem Ansprechen verlieren, bevor sie sonst weg ist!“

Und… Action!

Gesagt, getan. Als sie ihre Kohle los war, ging ich an mitten durch die ganzen Typen, zielgerade auf die heiße Frau zu und quatschte sie an. Das hätte ich schließlich nicht zulassen können, dass sie den Laden verlässt, ohne mir wenigstens einen Korb abzuholen.

Sie war ab Sekunde eins total „on“. Lächelte mich an, strahlte. Ich kam ihr sofort auch körperlich sehr nahe. Direkt in die sogenannte intime Zone, also Abstand unter 30 cm. Alpha-Verhalten. Stärke zeigen.

Ich sagte ihr, dass ich sie heiß finde, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen hier im Laden so eine Freude und Spaß ausstrahle. Kurzer Smalltalk. Ich stellte mich vor, hielt ihre Hand etwas länger als üblich und küsste sie direkt auf die linke und rechte Wange. Etwas, das eher selten passiert. Direkt zum Start zwei Küsschen, weil man sich vorstellt? Das ist wirklich selten. Andererseits hatten mich unsere Blickkontakte und nonverbalen Gesten vorher eindeutig gepushed. Sie war in guter Laune, natürlich auch alkoholisiert. Nachdem ich geklärt hatte, dass sie noch nicht geht, sondern weiter tanzen wollte, hatte ich keine Eile mehr. Sie sagte zu mir: „Wir gehen gleich zum Tanzen in den anderen Bereich, kommst Du mit?“

Bingo. Mega Ding! Was willst Du mehr?! Ich sagte ihr zu, in ein paar Minuten nachzukommen. Sie könne ruhig schon vorgehen. „Nur nicht bedürftig sein“, lautet die Devise.

Seht her, seht her! Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Als ich kurze Zeit später in den anderen Bereich wechselte, befand sie sich bereits wieder mit einer ihrer Freundinnen tanzend auf einem leicht erhöhten Podest. Ich dachte mir nur: „Na gut, so eine bist Du also. Tanzen auf dem Boden reicht Dir nicht. Es muss Dich also wirklich jeder hier erhöht sehen und wahrnehmen können!?“

Ich bin von der Seite auf sie zugegangen, hab sie an der Schulter gestreichelt und kurz auf ihre Reaktion gewartet. Sie streckte mir die Hand aus, um mir zu signalisieren, dass ich ebenfalls aufs den Vorsprung steigen sollte. Die Hand nahm ich und stieg hoch. Ich kam ihr nahe, fasste ihr an die Hüften und tanzte relativ eng mit ihr. Das ging vielleicht nur 1 oder 2 Minuten so. Ihre Freundin befand sich neben uns und tanzte ebenfalls.

2019-04-09

„Endlich“ wieder mal ein kleines „Highlight“ beim Clubgamen. Eine Interaktion mit einer doch ganz heißen Frau. Ich spürte aber auch, dass mir das Ergebnis gar nicht so wichtig war. Ich freute mich schlicht über die Interaktion. Irgendwie auch klar, nach den vielen Körben aus dem letzten Daygame. Clubgame war ja noch nie meine ganz ganz große Stärke. Auch wenn ich Fr. Schlange dabei kennen gelernt hatte. Und auch die eine oder andere Dame. Aber meine Stärke ist es eben trotzdem nicht. Ich habe mir damals über die Zeit aber auch da ein ganz passables Game antrainiert.

Und dann? Ja. Haha! Es ist immer irgendwas…

Wir tanzten also Hüfte an Hüfte. Dann nahm ich ihre beiden Hände, um einen anderen Tanzmove zu bringen. Und kurz darauf drehte sie sich zu ihrer Freundin – mit dem Rücken zu mir – und tanzte lasziv mit dieser weiter. Ließ mich kurzerhand links liegen. Hab ich so auch noch nicht erlebt, allerdings habe ich auch noch nicht oft mit „fremden“ Frauen getanzt. Nach so viel Anziehung zu Beginn, im Gespräch und auch noch bis gerade… war ich etwas irritiert. Ich tanzte dann noch kurz neben den beiden weiter und stieg wieder vom Podest. War mir echt egal, ich war nur verwundert.

Anschließend ging ich wieder zu meinem Wingman zurück. Es wurde auch Zeit nach Hause zu gehen. Also drehte ich im Club noch eine Runde und vor Verlassen des Clubs ging ich nochmal zurück zur Fr. „Ich genieße kurz Deine Aufmerksamkeit – aber eigentlich bist Du mir egal“. Ich stieg wieder hoch auf den Vorsprung und sagte zu ihr: „Hey, ich muss leider los. Aber komm jetzt kurz mal mit raus, dann können wir noch 2 Minuten quatschen, bevor ich weg bin.“

Sie antwortete mir: „Nein nein, ich bleib hier.“ Damit hatte ich gerechnet, ohne es allerdings im Gesamtkontext nachvollziehen zu können. Also sagte ich: „Okay, dann machs gut. Bis irgendwann mal.“ Sie lächelte und sagte zuerst „schön Dich kennen gelernt zu haben“, gefolgt von einem verschmitzten „… hey… und behalte mich in guter Erinnerung! Wir sehen uns bestimmt mal wieder hier!“ Wir gaben uns zum Abschied wieder zwei Küsschen auf die Wange. Ende.

Hä?! Hast Du noch alle Latten am Zaun? Ich soll Dich in „guter Erinnerung“ behalten?! Hahaha. Du musst ja echt meinen, dass Dir jeder hinterher hechelt. Was für ein verkorkstes Selbstbild. Wieso in guter Erinnerung behalten? Aufgrund von was? Wegen zwei Bussis und ein paar gemeinsamen Hüftschwüngen?! Woran soll ich mich denn erinnern? Hä?! 🙂

Du Freak und Effekt-Hascherin! Eine klassische sog. Attention-Bi***!

Und die Moral von der Geschicht‘:
Gute Frauen gibt es in solchen Edel-Clubs eben (fast?!) nicht! 😉

PS: Alles gut! Es geht immer ums Machen. Ich habe gemacht! Auch wenn nicht viel Zählbares heraus kam. Aber hey, ich habe die auffälligste Frau im Club angesprochen. Das wurde sicher wahrgenommen, nicht nur von ihr… Sozialer Status und so… Ich habe mit der auffälligsten Frau im Club zumindest kurz Spaß gehabt und getanzt. Ja, war nicht lange und wurde gleich wieder abgeschoben. Aber es geht um den inneren Erfolg. Die Tussi ist mir egal. Wichtig ist, dass ICH aktiv war. Und dann wird da an einem anderen Tag auch wieder eine Frau sein, die länger mit mir… interagiert… und… tanzt… oder so… 🙂

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Womit ich mich aktuell voll ballere…

… sicherlich nicht mit Alkohol. Da habe ich mich nie geändert. Besonders nicht wenn ich das Haus verlasse, beispielsweise zum Feiern. Wenn ich bei mir selbst sein und bleiben will, dann geht das in der reinsten Form der Persönlichkeitsentwicklung nur ohne giftige Chemiecocktails.

In der Beziehung hingegen hatte ich mich etwas an Fr. Schlange angepasst. Sie trank abends gerne ein Glas Rotwein. Und meist trank ich mit. Rotwein trank ich früher höchstens wenn einmal Besuch kam. Mit Fr. Schlange war es nie viel und alles im Rahmen, aber dennoch habe ich immer wieder darauf geachtet, dass es auch mal alkoholische Pause-Tage gibt. Meinen Appellen folgte sie stets, manchmal allerdings mit etwas Widerwillen oder Unverständnis. Ich dachte dabei auch nur an das Gute. Meine Begründung ist ganz einfach, so hatte ich das stets kommuniziert: „Sieh mal, ab und an ein Glas ist doch okay. Aber jeden Tag Alkohol finde ich nicht gut. Auch wenn es jeden Tag nicht viel Alkohol ist. Wichtig ist mir nur, dass es Dir gut geht. Körperlich. Du hast genug Stress mit der Arbeit und den Kindern und dem Haushalt. Da hilft Alkohol nicht. Außerdem ist Schlaf sehr wichtig. So bleiben wir beide länger gesund und haben ein Leben lang mehr voneinander. Vertrau mir einfach.“

Manche würden alleine das – mich – langweilig nennen. Ich wusste aber wofür ich in der Beziehung stehe. Wofür meine Beziehung stehen sollte. Für Zweisamkeit und Glücklichsein. Gesund zu sein und gesund zu bleiben, sind die Grundvoraussetzungen dafür.
Nenn mich langweilig. Okay. Aber ich weiß, dass es Frauen gibt, die so ticken wie ich. Frauen, die auch keinen Alkohol trinken (besonders nicht regelmäßig) und früh schlafen gehen wollen. Und sie haben aus meiner Sicht Recht damit. Egal. Ich fand immer, dass es eine gute Balance war in der Beziehung. Ich fühlte mich stets wohl mit dem Maß. Alles in Maßen.

Alkohol ist es also nicht, sondern?

Ich tue das, was ich damals tat. D.h. ich beschäftige mich derzeit mit meinem Mindset. Meiner inneren Einstellung zum Leben. Hauptsächlich um aus dem derzeitigen Tief herauszukommen. Und weiterführend besonders, um mich wieder gerade zu machen und aus der neuen (Negativ-)Lebenserfahrung heraus weiter ein Stück nach vorne zu schieben. So höre ich mir morgens auf dem Weg im Auto und abends vor dem Einschlafen auf der Couch Vorträge/Videos zum weiten Feld der Persönlichkeitsentwicklung an.

Da ich mir gleich die totale Kante gebe, sind das momentan ausschließlich Pickup-Videos. Ich folge einem bestimmten Pickup-Coach, das tat ich damals und das tue ich jetzt wieder. Der Typ war damals exzellent, heute ist er noch besser. Ich sehe mir all seine Videos nochmal an. Obwohl ich sie damals schon gesehen hatte. Es geht dabei gleichermaßen um einfache Themen („Wie spreche ich eine Frau auf der Straße an?“) wie um weiterführende Themen („Wie werde ich mental so frei, dass ich die Bedürftigkeit ablegen lerne und mich unabhängig von Reaktionen der Frauen mache?“).

Diese Videos ballere ich mir rein. Ich bin so froh, dass ich davon einen ganzen Vorrat habe. Das reicht für Tage, wenn nicht für Wochen der mentalen Weiterbildung. Oder besser gesagt zur mentalen „Zurückbildung“, dorthin wo ich herkomme. Wo ich schon mal war. Wohin ich wieder will. Ich will zurück zu mir. Gehirnwäsche alá Pickup.

2019-03-27

Dass ich Frauen nach wie vor ansprechen kann, habe ich mir am Wochenende erfolgreich bewiesen. Die meisten Gespräche verliefen kurz und schmerzlos, unerfolgreich aus der Perspektive. Das wäre jedoch zu kurz gedacht, alleine es weiterhin fast ohne Aufregung getan zu haben, ist ein Achtungserfolg für mich. Ich habe mich also in dem Punkt „Schüchternheit“ in den ca. zwei Jahren der Beziehung nicht zurück entwickelt. Wieso auch, ich wurde immer stark geredet durch Fr. Schlange. Ich wurde stärker als je zuvor, das alles korrelierte leider nur mit einem Rückfall in die Unbewusstheit. Es gibt da einen Spruch, den ich mir im Leben gemerkt habe, als ich ihn hörte. Der trifft hier unglaublich exakt auf mich zu:

Disziplin schafft Erfolg, Erfolg zerstört Disziplin!

Und so war das mit dem Starkreden durch Fr. Schlange. Als ich sie kennen gelernt hatte, war ich diszipliniert bis in die Fußspitzen. Ich war auf dem Höhepunkt meines Pickupper-Daseins. Ich hatte bis dahin für meine Verhältnisse extrem viel im Umgang mit Frauen gelernt. Ich hatte aufregende und extrem horizonterweiternde Erfahrungen gemacht. Rockstar-Momente gesammelt. Aber ich war wach wie ein Jäger, der auf das Rascheln im Gebüsch wartet. Nur um zuzuschlagen, sobald sich der Hase aus dem Dickicht wagt.

Und diese Wachheit, dieses Bewusstsein, diese Achtsamkeit… und all diese Dinge… gingen durch das Starkredenlassen in mir schleichend flöten. Es ärgert mich im Nachgang schon. Natürlich ist das, was Fr. Schlange aufgrund ihrer offensichtlichen charakterlichen Veranlagung tat, mit einer Beziehung aus tiefer Verbundenheit und purer Liebe unvereinbar. Aber sie sprach mich eben stets stark. Und ein selbstsicherer Mann war ich vor ihr, wie gesagt, definitiv. Nun wurde ich in der Beziehung noch selbstsicherer. Und nach fest kommt ab, heißt es. So war es wohl auch bei mir. Nach selbstsicher kommt selbstherrlich, kommt selbstverliebt. Ich bin kritisch mit mir, vielleicht der größte Kritiker dieser Erde. Vielleicht auch zu kritisch. Bestimmt sogar. Aber ich bin da um zu lernen, das ist der Grund unseres irdischen Seins, so meine derzeitige Annahme zum Sinn des Lebens.

Sie hat unbewusst meine Disziplin zerstört, und genau jenes hat uns letztlich beiden geschadet. Komischerweise hat sie mich im Alltag selten gelobt für konkrete einzelne meiner Taten, was ich sogar oft angesprochen habe. Sie habe wohl Probleme damit, Leistungen anderer wirklich anzuerkennen, teilte ich ihr immer wieder mit. Aber abends beim Einschlafen flüsterte sie mir immer wieder mal ins Ohr, dass sie mich so stark finde und es so klasse sei, dass ich im Leben einfach wisse, welcher der richtige Weg wäre. Erfolg zerstört Disziplin. Wer weiß, vielleicht sind das gerade alles völlig unnötige Gedanken meinerseits. Vermutlich sind sie das. Hätte dies gepasst, dann hätte stattdessen einfach etwas anderes nicht gepasst. Es ist immer irgendwas (siehe Philosophischer Sonntag – Es ist immer irgendwas).

Die Sache mit dem Werkzeugkasten

Zuletzt am Wochenende… eine Interaktion mit einer Frau in einer Bar dauerte etwas länger, vielleicht ein paar Minuten. Und ich merkte regelrecht, wie mich das innerlich etwas aufblühen ließ. Ich gab ihr meine Nummer, wir sprachen darüber uns Freitag oder Samstag zu treffen. Mir war allerdings noch im Gespräch klar, dass es dazu nie kommen würde. Selbstverständlich meldete sie sich auch nicht mehr. Früher habe ich meine Nummer nie herausgegeben, wenn die Frau ihre nicht ebenfalls herausgeben wollte. So ist der Deal. Das ist ein recht deutliches Zeichen für: „Eigentlich habe ich kein Interesse an Dir, aber es ist schon irgendwie ein geiles Gefühl, dass ich die Aufmerksamkeit von Dir bekomme!“

Solche kleinen Situationen sind es, die ich wieder neu handzuhaben „lernen“ muss. Früher war ich in solchen Situationen souveräner, habe die Situationen oft drehen können, bzw. habe einfach mit ihrem Handy meine Nummer angerufen und die Situation so einfach überspielt. Das erfordert viel Sourveränität und Wissen, einfaches Handwerkszeug. Diesen Werkzeugkasten hatte ich vor Fr. Schlange, also vor meiner letzten Beziehung, immer dabei. Aber Dank und für Fr. Schlange habe ich ihn vor fast zwei Jahren in hohem Bogen bei voller Fahrt aus dem Fenster geworfen: „Tschüss, ich brauche Dich nicht mehr, Du Pickup-Werkzeugkasten! Du hast mir gute Dienste erwiesen und mir meine Traumfrau geschenkt, dazu zwei liebe Kinder. Ich habe was ich möchte. Danke!“

Heute weiß ich, dass ich den Werkzeugkasten nicht komplett hätte hinfort werfen sollen. Er hatte mir nie etwas getan. Ganz im Gegenteil. Er hatte (!) mich zu einem selbstbewussten und sourveränen Mann gemacht. Dank viel Fleiß bin ich zu einem Mann geworden. Vom Jungen zum Mann gereift. Es ist nur ein Werkzeugkasten. Aber hey, es ist ein verdammt guter Werkzeugkasten! Ich hätte Elemente dieses Repertoires beibehalten sollen, auch in der Beziehung. Eine Beziehung besteht genauso wie die Kennenlernphase aus Attraktivität und Anziehung. Ich ging immer davon aus, dass beides bis zuletzt vorhanden war. So fühlte es sich doch an, wohl nur für mich.

Pickup-Elemente beizubehalten schadet sicher nicht. Im Gegenteil, es kann immer wieder einen Kick in die Beziehung bringen. Dieser Kick ging ihr wohl verloren. Mir nicht. Ich war glücklich als „Familien(stief)papa“. Ich bin keine 14 mehr. Ich brauche nicht jeden Tag Halli Galli. Keine Kunstwelt, keine Traumwelt. Ich genieße lieber die Realität und diese findet im Hier und im Jetzt statt. Nicht nur „dort“ auf der Jagd nach dem stets neuen Ereignis. Einmal im Monat einen größeren Ausflug zu unternehmen oder ein größeres Ereignis reicht mir völlig. Die restliche Zeit ging ich lieber mit ihr (und den Kindern und dem Hund) spazieren oder wir unterhielten uns am Tisch über alles, bis auf Gott. Und über die Welt.

In Zukunft werde ich bewusst darauf achten, immer wiederkehrend Reize innerhalb der Beziehung zu setzen. Pickupper sind schließlich beim Pickuppen auch nicht „zufrieden mit dem gegenwärtigen Zustand“, sondern sie wollen die neue Frau erobern. Ich glaube, dass – bei aller Verliebtheit oder bei allem Gefühl der zweisamen Glücklichkeit – solcherlei Reize ein Erfolgsgarant für die Beständigkeit einer Beziehung sein können. So wie sie Erfolg in der Eroberung einer neuen Partnerin bringen. Unerwartete Aktion zu bringen. Der Partnerin z.B. zwei Karten für eine Veranstaltung in die Hand zu drücken und zu sagen: „Zieh Dich an, mach Dich fertig, wir fahren in einer Stunde los, Überraschung!“ Wie gerne hätte ich das im Nachgang betrachtet öfter getan, wenn das doch alles wäre, nur um eine tolle Beziehung zusammen zu halten. Zu selten tat ich so etwas in der Art, und zu wenig spontan und dadurch erzeugte es wohl keinen Reiz. Aber wie sollte ich auch daran denken, wenn ich doch der festen Meinung war, dass für sie alles perfekt gewesen sei zwischen uns so wie ES war, so wie ICH war.

Öfter mal Überraschung schreien und auf Überraschung tun?!

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Eigentlich irgendwie auch irre, dass ich als Mann in einer Beziehung versuchen „muss“ künstlich Spannung rein zu bringen. Ich bin der Typ, der viel lieber zu Hause kuschelt anstatt mich mit Ihr in einer Menschenmenge durch irgend eine Show unterhalten zu lassen. Ich mag beides, aber ich mag das Gemeinsame. Irgendwie egal wo, aber gerne auch einfach zu Hause bzw. bei einfachen Dingen. Zusammen Essen gehen ist mir lieber als Party. Schade ist aber, dass man(n) wohl auf solche Dinge achten muss. Für mich ist die reine Zweisamkeit (oder Viersamkeit mit zwei Kindern) Spannung genug. Es gibt jeden Tag doch so viel zu entdecken am Anderen. Jeden Tag. Nur wenn man sich nicht mehr beachtet, entsteht Langeweile. Das liegt doch an uns selbst, wie wir das Leben betrachten, und unsere Umgebung.

Aber muss man(n) das wirklich?

Oder gibt es nicht genauso auch Partnerinnen, die ihr Glück nicht durch das Verleben von Ereignissen (letztlich auch nur eine Form des Materialismusses), sondern durch das Sein als solches empfinden? Gemeinsames Sein. Hand in Hand. Ich bin mir sicher, dass es solche Frauen gibt. Ich bin mir allerdings auch sehr sicher, dass sie in der totalen Minderheit sind. In unserer heutigen Gesellschaft muss alles bunt und schrill sein. Alles muss blinken und sich bewegen. Regungslosigkeit, beispielsweise Arm in Arm liegend auf dem Bett, reicht wohl nur den Wenigsten (Frauen wie Männern gleichermaßen), um das Gefühl zu verspüren, nicht gerade irgendetwas „zu verpassen“.

Schließlich könnte die Frau ja auch gerade am Strand auf Hawaii in der ach so tollen Sonne liegen oder beim Abfeiern in der Discothek tanzen oder sonst etwas tun. Was für eine Oberflächlichkeit, bei genauer Betrachtung. Was für eine Illusion, genau genommen eine totale Lächerlichkeit. Alles gehört zum Leben, auch tanzen. Auch in den Urlaub zu fahren. Auch mal Geld für Unnötiges auszugeben. Völlig klar. Aber für mich ist dieser Materialismus im Kern ein Graus. Lenkt er doch nur vom Wesentlichen ab. Von der Beziehung zwischen zwei Menschen auf Seelenebene. Dort Du und hier ich. Und das möchte ich immer zusammen bringen. In aller Tiefgründigkeit, so dass daraus ein WIR wird. Kommen sogar noch Kinder hinzu, potenziert sich ansonsten sogar diese Künstlichkeit.

Ich bin mir nicht sicher, was nun richtig ist für meine nächste Beziehung. Ein bisschen fühlt sich das wie Manipulation an, wenn ich durch Voraussehen „künstlich“ Reize in der Beziehung setze. Keine Ahnung was nun richtig oder falsch ist. Ich bin mir ganz ganz sicher, dass ich das in Zukunft beherzigen und umsetzen könnte. Solcherlei Künstlichkeiten einzubringen, um sie „glücklich zu halten“. Aber ob es „mit der Richtigen“ wirklich nötig ist, um ihr wenigstens dann zu genügen?

Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 4 von 3

Jetzt ist es Sonntag, 20:32 Uhr, und ich fange an diesen Artikel zu schreiben. Teil 4 von 3. Klingt merkwürdig, ein vierter Teil von einem Dreiteiler. Wenn dieser Artikel aber erscheint, wird Feiertag sein, der Tag der Arbeit. Den vierten Teil gibt es einfach noch kurz angefügt, so viel ist nämlich nicht passiert, dass es eine neue Serie zu Fr. Tinder und mir rechtfertigen würde. Also gibt es eine kleine Fortsetzung der bestehenden Story, mit einem fulminanten Ausgang. Fasten your seatbelts please, schnallen Sie sich an bitte.

Die Rückkehr von Fr. Tinder

Fr. Tinder war zuletzt nach ihrer 14-tägigen Reise wieder bei mir zu Hause, vier Tage lang. Während der Zeit musste ich an den meisten Tagen arbeiten, so dass wir uns meist abends nach meiner Arbeit trafen und anschließend zu mir fuhren. Morgens verließen wir immer gemeinsam das Haus. Sie ging ihren Dingen nach und ich meiner Arbeit. Am Telefon fragte sie mich vor ihrer ersten Ankunft: „Kann ich meine Yoga-Matte mitbringen? Ich hab zwei, dann kann ich eine bei Dir lassen zum Yoga machen.“ Was es damit aufsicht hat, darauf kommen wir später noch zurück.

Und bereits nach wenigen Stunden war es wieder da. Dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das ich in den letzten drei Artikeln über sie auch schon beschrieb. Irgend etwas stimmte nicht, grundsätzlich nicht. Es fühlte sich nicht leicht an, nicht frei. Zwischenzeitlich konnte es immer wieder sehr liebevoll und harmonisch sein, allerdings stellte ich zunehmend fest, dass dies immer dann der Fall war, wenn es nicht um uns beide und unsere zwischenmenschliche Situation zueinander ging. In sachlichen Themen konnten wir verständnisvoll und bereichernd miteinander sprechen. In emotionalen Themen hingegen kam kaum mehr rechtes Verständnis auf.

Und nach zwei oder drei Tagen stellte sich ein Gefühl in mir ein, das mir sagte: „Puh. Ist das anstrengend mit ihr.“ Warum?
Fr. Tinder läuft nicht ganz rund. Sie sieht Probleme in der Bewältigung ihrer Vergangenheit, vermutlich (mindestens auch) in Bezug auf ihre gescheiterte Ehe. Ehe? Ja, Ehe. Das hab ich hier nie thematisiert, weil es für mich nicht so wichtig ist. Jedem Menschen begegne ich möglichst frei, es gibt schon genug äußerliche „Filter“, die ich an den Tag lege. Gewollt oder ungewollt. Das geht jedem von uns so. Optik und solche Dinge. Aber ob nun jemand viel Geld verdient oder wenig, oder gebildet ist oder nicht, oder verheiratet war oder ist oder nicht… was solls. „Erstmal eine Chance geben“, lautet da ganz meine Devise.

Zurück zu ihren Problemen, bzw. denen, die sie sich (selbst) macht. Sie sieht viele existentielle Fragezeichen am Horizont, Jobsituation, Familiensituation der Verwandten, Wohnungssituation. Dies und das. Und dann fühlt sie sich in Deutschland nicht so wohl wie dort, wo sie zuletzt eine Zeit lang im Ausland lebte. Dort, wo sie zuletzt 14 Tage „Urlaub“ machte. Aber irgendwie sei Deutschland doch für sie besser, weil alles geordneter sei.

Auch bei mir sei das so, sie fühle sich in meiner Nähe aufgeräumt. Alles sei so klar und so strukturiert, das gebe ihr Sicherheit und halt. Andererseits fühle sie sich aber auch nicht so frei wie in einer eigenen Wohnung.
Hm, relativ logisch, wie ich finde. Eigene vier Wände sind eigene vier Wände, andere vier Wände sind andere vier Wände. Deshalb sollte das Ziel sein beides bestmöglich zu verschmelzen. Will aus meiner Sicht heißen: Die jeweils anderen vier Wände mittel- bis langfristig zu den gemeinsamen vier Wänden zu machen.
Aber halt, nicht so schnell. Der Reihe nach.

Fleißig oder unfleißig, das ist hier die Frage

Ich bemerkte über die Tage wieder, dass ich mich zu Hause mehr einbrachte als sie. Darauf habe ich keine Lust (mehr). Also sprach ich auch das klar an. Sie sah das völlig anders. Was mir wiederum klar war. Und so diskutierten wir mehr über unsere unterschiedlichen Ansichten, anstatt zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Worauf ich an sich gar keine große Lust habe. Weil… ich da eine klare Meinung vertrete, und die teilte ich ihr auch mit: „Sieh mal, wenn es wirklich passt zwischen zwei Menschen, dann müssen sie sich nicht darüber unterhalten wer nun mehr oder weniger tut und ob der eine nun zwei mal abgespült hat und der andere aber dafür zwei mal öfter das Bett gemacht hat. Es passt dann einfach.“

Nur wenn es eben mal nicht passt, dann spreche ich das klar an. Besonders wenn der eine der beiden Personen arbeitet und studiert und die andere Person nicht arbeitet und auch nicht studiert. Einer hat also nicht nur für die „restliche Freizeit“ Zeit und eine schon.
Und so ging es an einem Abend auch wieder um das Thema Playstation spielen oder nicht. An zweiten Tag, an dem ich kurz mit Herr van Onnetuschn Fifa spielen wollte, ging wieder eine Diskussion los. Warum das wieder mal sein müsse, wenn sie da sei. Woraufhin ich ihr erklärte: „Du warst auch gestern da und ich habe nicht gespielt. Du wirst morgen und übermorgen vermutlich auch da sein und da werde ich wahrscheinlich nicht spielen. Was ist der Unterschied zwischen heute oder morgen oder übermorgen?“

Und so stellte ich mir nicht nur selbst die Frage: „Worüber reden wir hier eigentlich???“

Ich gönne ihr das doch immer, wenn sie sich auch mal 30 Minuten für sich selbst Zeit nehmen möchte. Ich spiele nicht 5 Stunden, sondern vielleicht 30 oder 40 Minuten.

Wehret den Anfängen

Vorsicht liebe Männer, am Anfang werden die Weichen gestellt!

Natürlich gehe ich mit diesen Dingen hier schon sehr ins Detail, mir geht es dabei in meinen Erlebniserzählungen nicht um einen Selbstzweck, sondern darum darzustellen über was für einen Käse man allen ernstes diskutieren muss. Vor Fr. Tinder war die Klette. Sie hatte ähnliche Anzeichen und Anstalten der „Vereinnahmung“ getätigt, anders zwar, aber auch. Das ist mal ein eigener Artikel wert, das Thema „Wie eine Frau still und heimlich versucht Besitz über Dich zu ergreifen.“ Vielleicht sollte ich den als schlaue Selbsthilfe-Anleitung im Stile von „5 wichtige Tipps, um sich nicht beherrschen zu lassen“ veröffentlichen.

Stoff hätte ich genug!

Und so drehte ich den Spieß um und sagte: „Was ich stattdessen echt toll von Dir fände, wäre wenn Du mir auch mal eine Auszeit gönnen und mich fragen würdest, ob Du in der Zwischenzeit etwas tolles für uns oder für mich tun könntest. Vielleicht etwas im Haushalt oder etwas kochen oder oder oder.“

Rumps, der hat gesessen. Bei ihr. Wie ich gemerkt habe.

Genug ist genug. Es ist meine Wohnung und ich hatte sie immer gerne bei mir, auch wenn es stets sehr anstrengend war. Aber irgendwann – zwischen sie abholen und hier oder dort hin bringen – ist es auch mal Zeit selbige für sich zu nehmen. Besonders wenn es nur 30 Minuten in einer Woche sind. Darüber soll man allen ernstes diskutieren? Wo doch eigentlich/angeblich sonst so gravierende Probleme in ihrem Leben existieren. Job. Arbeit. Wohnung. Familie. Ehemalige Beziehung. Und was weiß ich noch alles. Wie ich immer sage: Es ist immer irgendwas!
Das alles gegen 30 Minuten Playstation spielen gegenübergestellt…?!

Ich bin auch noch immer sehr verletzt in Bezug auf meine Vergangenheit. Aber ich ziehe niemanden runter. Im Gegenteil. Ich bot ihr nicht nur meine Hilfe an, sondern ich half ihr zwischendurch auch. Aber ich habe auch keine Lust mein Leben durch Negativität in der Lebensqualität zu senken. Und auch ein Energiefresser ist nicht mein liebstes Haustier. Also hab ich für mich beschlossen Negativenergiefresser zu meiden. Ein schönes Wort. Negativenergiefresser. Gibts auch Positivenergiefresser? Sicher. Geh mal eine Runde joggen.

Als ich sie Samstag nach Hause gefahren habe, war wieder so eine insgesamt etwas genervt wirkende Stimmung im Raum. Gerne fuhr ich sie, nachdem sie mich darum bat. Auch wenn es mit den Öffentlichen recht einfach wäre. Solche Dinge sind mir aber egal, ich mache das wirklich gerne. Schließlich gönnt sie mir es ja auch, wenn ich Fifa auf der Playstation spielen möchte, oder? 😉
Sie sprach sich zwar in den Tagen öfter aus und teilte mir ein paar mal mit, dass ich sie nicht verstehen würde, geholfen hat es uns jedoch nichts. Einige der Dinge, die sie vortrug, zeigten mir, dass sie meine Intention hinter manchen Dingen oftmals doch nicht so verstand wie ich sie positiv beabsichtigt hatte. Verständnis auf Sparflamme, sozusagen. Außerdem komme sie mit meiner ironischen Art nicht so klar. Zur Zeit, wo es ihr nicht so gut gehe, sei ihr nicht immer nach lachen zumute.
Okay, dann gehe ich damit eben in den Keller. Aber schade, dachte ich mir. Das war es doch gerade am Anfang, was ich toll an ihr fand. Ihren Humor und ihre Fähigkeit meinen Humor mitzutragen. Hm, okay.

Kein Lebenszeichen ist auch eine Botschaft

Und so verabschiedeten wir uns Samstag kurz und knapp vor ihrer Wohnung. Ich fuhr davon, zu meinen Eltern. Dort blieb ich über Nacht. Und den gesamten Samstag kam keine Nachricht. Mein Anrufversuch in der Nacht blieb erfolglos und unbeantwortet. Komisch fand ich es nicht, auch wenn es sonst immer anders war.

Gestern fuhr ich von meinen Eltern zurück im Auto. Und mein Display im Tacho zeigte einen Anruf von ihr. Also nahm ich auf der linken Spur der Autobahn das Telefonat an, drosselte etwas die Geschwindigkeit und fuhr auf die rechte Spur. Ob ich denn gerade telefonieren könne, fragte sie mich. „Klar“, sagte ich, „wie immer kann ich beim Fahren ganz in Ruhe telefonieren“.

Sie: „Ich habe nachgedacht, der Umgang zwischen uns tut mir nicht so gut. Irgendwie verstehen wir uns nicht so gut wie ich dachte. […]“

Ich kürze das hier etwas ab. Sie sprach noch drei oder vier Sätze mehr. Mich hingegen hat es nicht dazu hingerissen viel zu sagen. Ich fragte nur: „Du hast noch eine Kleinigkeit bei mir auf dem Wohnzimmertisch liegen, schick mir eine Adresse, ich schick es Dir dann zu. Alles Gute für Dich für die Zukunft.“

Ich merkte, dass sie damit nicht gerechnet hatte. Sie diskutierte bisher immer sehr gerne und sehr viel. Mir war nicht mehr nach diskutieren. Aber ich bemerkte auch, dass sie das aus dem Konzept brachte. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass ich so kurz und knapp darauf reagieren würde.

Sie hatte aber auch nicht damit gerechnet, dass ich sehr aufmerksam war. Tags zuvor. Sie hatte alle ihre restlichen Sachen, auch ihre Yoga-Matte, wieder eingepackt und mit nach Hause genommen. Mir war klar was das zu bedeuten hatte. Ich war gedanklich längst darauf vorbereitet.

Und so ist heute der Tag der Arbeit. Für die Rechte der Arbeiter. In der Hinsicht sehe ich mich echt als Arbeiter. Wieder daygamen und clubgamen gehen, wieder von Bar zu Bar ziehen. Wieder Gas geben. Wieder Körbe kassieren, wieder Daten. Wieder ganz der Arbeiter sein.

Ein guter Anlass für mich, ich nehme das als Wink mit dem Zaunpfahl. Oder doch mit dem ganzen Zaun… auch weiterhin meine Rechte einzufordern. Ganz wie es der Feiertag auch für die Arbeiter vorgesehen hat. Das Projekt Beziehung bleibt also ein hartes Stück Arbeit für einen inzwischen abgehärteten Arbeiter. Malocher.

Was bleibt in mir zurück?

Ich fühle mich wieder frei. Keine negativen Schwingungen mehr. Keiner mehr neben mir, der mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt und – rein aus meiner Sicht – deshalb Fehler bei anderen sucht. Keine Ahnung ob ich mit meiner subjektiven Sicht Recht habe oder nicht. Darum geht es gar nicht. Recht haben ist uninteressant. Aber es ist meine Sicht der Dinge und die zählt. Ihre zählt für sie. Meine für mich. Und wenn ich mich unwohl fühle, dann ist es gut für mich, wenn ich aktiv etwas tue um wieder ins Grüne zu kommen.

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Menschlich ist das schon schade. Ich weiß nämlich, dass sie unter anderen Umständen eine tolle Frau sein würde. Vielleicht auch für mich. Mindestens aber für jemand anderen. Ich würde vermuten, dass sie ähnliche Erfahrungen wie nun mit mir auch schon gemacht hat, bzw. mit dem nächsten Mann erneut machen wird. Ein bisschen wie in einem Kreislauf. Solange… ja solange sie nicht aus dem Strudel heraus kommt. Raus aus der Opferrolle. Das wünsche ich ihr. Und bis zu ihrem Telefonat hab ich auch versucht das bestmögliche beizutragen. Aber ich bin nicht ihr Psychiater, erst recht nicht in so einer frühen Phase. Über meine „Probleme“ bzw. Verganganheit habe ich nie etwas erzählt. Warum auch. Es sind nicht ihre Sorgen. Sie hat dafür keine Verantwortung zu tragen, also verschone ich sie damit. So denke ich in dieser Frage.

Menschlich ist es schon schade, dass es zwischen uns maximal für eine kleine Frühlingsromanze reichen sollte. Glücklich und frei zu sein (egal ob mit oder ohne Beziehung) ist aber auf Dauer wichtiger, als einem Menschen noch vor Beginn einer Beziehung beim Gesunden zu helfen und die eigenen Interessen auf Dauer zurück zu stecken.

Und deshalb ist die Story mit Teil 4 von mir auch gut zu Ende geführt. Ohne sie in die Länge zu ziehen. Das hab ich ja mit dem „Schluss-mach-Telefonat“ von ihr so gelernt, am Ende eines Kapitels einfach etwas kurz anzufügen, fertig. Ob nun zwischen zwei Menschen oder bei einem Artikel. Ein kurzes „tschüss!“.

Sachen packen, weiterziehen. Wie immer. Ganz der lonesome rider. Kein Happy-End, auch wenn ihr mir das alle so gewünscht habt. Danke Euch wirklich!
Seht es bitte positiv, es bleibt auf diese Art hier auch weiterhin spannend…

Auf eine Art ist es dennoch ein Happy-End: Ich habe mich wieder. Danke Pickup, für die Kraft, die Du mir inzwischen gibst. Die Kraft, machen zu können was ich für richtig erachte. Aussprechen zu können, was ich denke. Wievielen Menschen da draußen geht es ganz anders? Wieviele Menschen müssen sich täglich ducken, müssen ertragen und „dürfen“ etwas in einer Beziehung nicht tun, was total objektiv betrachtet „völlig in Ordnung“ wäre?

PS: Ich sehe gerade auf die Uhr. Der Artikel hat fast eineinhalb Stunden verschlungen. Die Zeit ist es mir wert. Wert um dadurch auch innerlich loszulassen. Einen lieben, aber leider aus meiner Sicht nicht freien, Menschen. Dafür bin ich es nun wieder. Frei. Auch auf diese Art frei. Anders sowieso längst. Playstation hatte ich an dem oben genannten Tag übrigens trotzdem noch gespielt. Alles hat seine Grenzen. Und die endet inzwischen spätestens bei einer Einschränkung meiner Freiheit.

PPS: Ab 22. April bin ich nach einer mehrwöchigen Approach-Abstinenz wieder nebenher bei passender Gelegenheit aktiv geworden. Bis vorgestern Nacht stand es 7 zu 0. Bis gestern Nacht 8 zu 1. Das ist meine passende Reaktion auf das Ende mit Fr. Tinder. Und dieses PPS kann ich erst heute – Montag, also am Tag nach Beginn der Erstellung dieses Artikels – ergänzen.
Es war gestern wieder so weit, so einer dieser Rockstar-Momente… Darüber werde ich diese Woche noch berichten.
(Für alle neuen Leser: 7 zu 0 bedeutet nach meiner Zählart => 7 Frauen angesprochen, 0 Telefonnummern bekommen, macht 7 exklusive Körbe, nur für mich. 8 zu 1 bedeutet => 8 Frauen angesprochen, 1 Telefonnummer bekommen.)

Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 1 von 3

Zunächst ein paar einleitende Worte.

Ich wünsche Euch allen frohe Feiertage. Wer mich kennt, weiß um meine wenig religiöse Ader. Daher nehme ich die freien Tage als Geschenk dankbar an und feiere die Freizeit. Und danke dem Erfinder dieser beiden Feiertage im Sinne echter arbeitsfreier Freizeit. Nutzt die Zeit mit Euren Liebsten, hoffentlich arbeitsfrei. Die Freizeit.

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Und nun zum eigentlichen Artikel…

So ähnlich oder genau so beginnen Fortsetzungen in Serien doch für gewöhnlich:

„Was bisher geschah…“

Da war also eine Frau, seit kurzem hier bekannt als Fr. Tinder. Und ihr habe ich zuletzt bereits ein dreiteiliges Date-Review gewidmet. Und die Story endete mit:

Am nächsten Tag, ich weiß nicht mehr wann, schrieb mich eine unbekannte Nummer über Whatsapp an. Wie mein Tag bisher verlaufen sei und warum ich kein Profilbild mehr in meinem Whatsapp-Profil hätte…

Und an der Stelle nehme ich nun wieder Fahrt auf, in dieser kleinen Frühlings-Romanze (oder was auch immer es sein soll).

Plötzlich jedenfalls, zwei Tage nach dem Date, zeigte Fr. Tinder wieder (?) Interesse an mir. Warum ich kein Profil-Bild mehr in Whatsapp hätte…?
Nun, das ist ganz einfach. Weil nur meine Kontakte im Handy aufgrund meiner Einstellungen mein Profilbild sehen können. Da ich ihre Nummer zuvor doch gelöscht hatte, konnte sie das Profilbild folgerichtig auch nicht mehr sehen (siehe letzer Artikel Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 3 von 3). Die Frage ist nun also wie ich ihr das rüber gebracht habe. Besonders da wir kurz darauf wieder telefoniert hatten und sie mich darauf nicht nur per Chat, sondern auch im Telefonat ansprach. Offensichtlich roch sie, dass an dem Braten etwas faul war. Vielleicht hat sie sich deshalb nochmal gemeldet? Weil es ihr suspekt vor kam, dass mein Bild für sie nicht mehr sichtbar war? Immerhin war das auch eine Frage in ihrer Nachricht. Man wird es nie erfahren.

„Wolltest Du ab jetzt anonym sein, so dass man Dein Bild und Deinen Status nicht mehr sehen kann?“, fragte sie mich am Telefon erneut.
„Nein, mein Whatsapp hat scheinbar nicht mehr richtig funktioniert. Aber Du bist jetzt schon die dritte Person, die mir das sagt. Danke für den Hinweis.“

Seidene Fäden sind gefährlich

Warum habe ich hier geflunkert? Nicht weil ich ihr nicht per se die Wahrheit verschweigen wollte. Die Wahrheit lautet ja doch, dass ich keine Lust auf Spielchen hatte und deshalb auch keine Lust lange herum zu tun und sie deshalb gelöscht hatte.

Um loszulassen. In dem Fall etwas, das ich noch nicht mal richtig festgehalten hatte. Frei machen, wenn es sich besser anfühlt als gefühlt gefangen genommen zu werden. Von seinen eigenen Emotionen. Gefühle möchte ich leben, aber ich möchte mich weniger von meinen Emotionen lenken lassen. Es ist ein Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Ein feiner Unterscheid, mit großer Auswirkung. Und wenn ich spüre, dass dies droht, Emotionen überhand gewinnen lassen zu müssen, ist es Zeit zurück zu gehen. Mindestens einen großen Schritt. Und zu riskieren keinen Strohhalm mehr in der Hand zu halten, an den man sich klammern kann. Nenne ihn Hoffnung, diesen Strohhalm. Aber begreife auch, dass es meist nur ein Strohhalm ist, kein dünnes Seil und schon gar kein dicker Ast einer robust gewachsenen Eiche.
Hoffnung hängt meist am seidenen Faden. Und lässt Dich baumeln. Bis der Faden reißt und Du fällst. Durch das Löschen ihrer Nummer komme ich aus einer Spirale der Hoffnung und der Abhängigkeit nicht heraus, sondern ich komme gar nicht erst hinein. So einfach ist die Erklärung.

Ein kurzer Gedankeneinschub: Jetzt, da ich gerade wieder Schreibe, merke ich, wie ich mich innerlich aufgrund der Erlebnisse der letzten Tage beruhige. Es ist wie meditieren für mich. Schade, dass ich so wenig in letzter Zeit schreibe. Aber gut, dass ich sie erkenne, die Notwendigkeit dahinter und das Sprudeln meiner Gedanken als Quell der Ruhe und des Friedens. Entschleunigen um herunter zu kommen.
Und dabei höre ich, was ich oft höre, wenn ich auf meiner Couch sitze und schreibe… Musik von der Panflöte.

Die süßeste Stimme des Frühlings

In den folgenden Telefongesprächen fanden wir auf eine Art zueinander, die mich erstaunen ließ. Was mich bis heute am Meisten an ihr fasziniert, ist ihre Stimme. Sie hat die wundervollste Stimme, mit der je eine Frau persönlich mit mir gesprochen hat. Sie ist so zart und weich und manchmal auch ein bisschen hoch. Ihre Stimme klingt erfrischend naiv jung. Obwohl sie älter ist als ich. Jedes Telefonat war für mich Musik in meinen Ohren. Es war mir egal was sie erzählte, Hauptsache sie sprach.

Und inzwischen trafen wir uns wieder. Nicht nur einmal. Das zweite und das dritte Date fanden erneut draußen statt. Zum vierten Date besuchte sie mich Zuhause. Alles war so frei und einfach. Unbeschwert und leicht. Wir ließen uns aufeinander ein und nahmen uns alle Zeit der Welt, nur für uns. In den Tagen zwischen den Dates telefonierten wir bis tief in die Nacht hinein. Wir konnten nicht voneinander ablassen. Schlafmangel ersetzte oftmals seither mein Vorhaben mir täglich acht Stunden davon zu nehmen. Und ich merke, dass es mir nicht gut tut. Trotz allen Frühlingsgefühlen, die inzwischen in mir entstanden waren.

Meine private Nachricht an Lotosblume

Und da schrieb ich meiner guten Bekannten, die längst eine Freundin für mich geworden ist, eine Nachricht. Übrigens, meine einzige „echte Freundin“ in meinem Leben. Jemals. Und an der Stelle wird es Zeit auch ihr einen Namen zu geben, immerhin hatte sie hier mehrmals – wenn auch selten – bereits einen Platz in meinen Artikeln bekommen. Ich nenne Dich hier ab jetzt in ganz tiefem Respekt und voller Anerkennung für alles was Du bis hier hin getan hast, nicht nur in Bezug auf mich, aber auch, sondern auch in Bezug auf Deine Umgebung und Deine Familie, in täglich sehr wundervolle Art und Weise, Lotosblume.

Herzlich willkommen an Dich als Protagonistin, neben Herr van Onnetuschn bist Du nun die zweite Person aus meinem Privatleben hier in meinem Blog. Premiere! 🙂

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Auszug aus meiner Nachricht an Lotusblume:

“ […] Mit Fr. Tinder ist es nun anders verlaufen als zunächst gedacht. Wir haben uns inzwischen ein paar mal öfter getroffen und so gesehen viel Zeit miteinander verbracht.

Sie wirkt auf mich unglaublich beruhigend und zeigt an mir echtes Interesse, jedenfalls fühlt es sich so an. 🙂
Ich will mich nur ganz bewusst nicht so schnell hinein stürzen, bekanntlich kann der Fall danach tief werden, falls etwas doch nicht so passt.
Bisher hatte ich aufgrund ihres Verhaltens zu keinem Zeitpunkt das Gefühl misstrauisch zu sein. Und das ist mir schon viel wert. Insofern genieße ich das was gerade passiert. Wir telefonieren oft und bei mir war sie auch schon.
Ich habe das Gefühl, dass sie mir viel zeigen und beibringen kann. Und vor allem mich verstehen und mir folgen kann.
Sie fordert mich in vielen kleinen Dingen auf spielerische Art sehr heraus und das gefällt mir. Es ist kein ernstes und schon gar kein einengendes Miteinander, sondern frei und offen. Und ehrlich, merke ich. Sie agiert auch und reagiert nicht nur, wie viele andere…
Ein bisschen fühlt es sich surreal an. Ich bin es nicht mehr gewöhnt eine Frau an mich heran zu lassen. Jedenfalls nicht auf der Ebene der Gefühle, nicht in der Tiefe. Und das bereitet mir tatsächlich Angst. Ich merke, dass ich sehr vorsichtig bin. Vielleicht zu vorsichtig. Vielleicht ist es aber auch gut so. Ich weiß es nicht.
Ich merke, dass ich nicht einfach vertrauen kann. Vielleicht kommt es mit der Zeit.
Mein langes alleine Sein hat definitiv Spuren hinterlassen. Je näher wir uns kommen, desto mehr wächst gleichzeitig meine Angst, dass es „wieder mal vergebens war“ was ich tue.
Andererseits habe ich umgekehrt auch die Sorge für sie nicht „der Richtige“ zu sein, nicht mal aus Selbstzweifel, sondern weil ich echt auf Gefühlsebene ziemlich am Boden bin. Also mein Herz selbst ziemlich zugrunde gerichtet habe und nun spüre, dass es da noch einen weiten Weg gibt, um wieder in Ordnung zu kommen. Dafür kann sie nichts, gar nichts. Aber dennoch ist es so.
Schwierig. Besonders jetzt, da ich eigentlich etwas Abstand wollte von dem Thema Frauen.
Andererseits bin ich sehr gespannt, ob sie mit ihrer rücksichtsvollen und fürsorglichen Art womöglich sogar so gesehen sehr zur „Heilung“ beitragen kann. Ohne dass es ihr bewusst ist oder werden soll.

Von dem Blog weiß sie nichts. Dafür wäre es definitiv zu früh. Und ob überhaupt? Ich weiß es nicht… […]“

Aufrichtiger kann ich zum Stand bis vor kurzem nichts sagen. Das beschreibt meinen Gemütszustand exakt, jedenfalls bis zum vorletzten Wochenende. Das war, als ich begann diesen Artikel zu schreiben. Seither ist es anders, was sich bisweilen so richtig und gut anfühlte, bereitet mir seither Unbehagen.
Fortsetzung folgt…

Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 3 von 3

Heute Teil 3 und den vollständigen Abschluss der Geschichte. Jedenfalls des ersten Dates. 🙂

Auf gehts ins große Finale.
Und ich setze die Geschichte direkt ohne viele einleitende Worte nach Teil 2 (Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 2 von 3) fort.

Alles eine Frage der Eskalation

(An der Stelle ein kurzer Ausflug: Ja, es steht noch ein eigener Artikel zu diesem Thema an. Das habe ich versprochen. Kommt noch! 😉 )

Als wir nach dem Essen ins Auto gestiegen sind (ja, natürlich habe ich ihr hierbei das zweite Mal die Türe aufgehalten), hielt ich das erste Mal ihre Hand. Sie reagierte etwas überrascht, aber ließ meine Berührungen zu. Sie ließ sie zu. Sie erwiderte sie nicht.

Mit dem Auto an der zweiten Location angekommen, verbrachten wir noch einige Minuten mit Musikhören. Sie zeigte mir einige ihrer Lieblingslieder. Also schnell ihr Handy per Bluetooth-Verbindung mit meinem Auto verbunden. Schwuppdiwupp und sie ließ mich Eintauchen in ihre Musikwelt. Auf diese Art bestand also auf jeden Fall schon mal eine Verbindung zwischen ihr und mir! Oder jedenfalls zwischen ihrem Handy und meinem Auto. Wie auch immer. 😉

Wir lachten und lauschten. Und ich massierte ihr die eine Hand, anschließend die andere. Das genoss sie. Und dabei merkte ich zum ersten Mal, dass sie noch nicht auf dieser Ebene angekommen war. Kein Problem, also wieder einen Schritt zurück.

Wir gingen in ein Bistro, obwohl es in Anbetracht unserer inzwischen beiderseitigen Müdigkeit schon echt spät war. Es wurde ein relativ kurzer Aufenthalt. Wir setzten uns nebeneinander und wieder nahm und hielt ich ihre Hand.

Es war nicht sonderlich spektakulär, aber innerlich stellte ich völlig abseits der Müdigkeit fest, dass irgend etwas nicht mehr so war wie am Anfang. Schon seit vorhin nicht mehr, einen genauen Zeitpunkt kann ich bis heute nicht ausmachen. Ich versuche es auch nicht. Ich stelle es nur für mich fest, dass irgendwo ein „Bruch“ drinnen war.

Wenn Frau (noch ?) Zeit braucht

Draußen auf dem Weg zurück zum Auto sagte ich etwas zu ihr. Sie hatte ihre Hände in ihrem Mantel. „Wenn es nicht so kalt wäre und ich nicht wissen würde, dass Du gerade frierst, dann würde ich jetzt auf dem Weg Deine Hand halten.“

Sie sagte: „Oh. Ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht so weit.“

Ein echtes Statement. Eines, das mein Gefühl bestätigte. Jede weitere Eskalation war damit an dem Abend unnötig, weil zum Scheitern verurteilt. Also ließ ich es.

So fuhr ich sie nach Hause, wir waren beide inzwischen noch müder und so hielten wir es kurz, verabschiedeten uns mit einer raschen Umarmung und ich fuhr zurück zu mir. Ich genoss das Alleinsein im Auto und verspürte für mich innerlichen Frieden. Damit, dass es das vermutlich wieder einmal gewesen sein könnte. Alltag inzwischen. Ich kenne das ja, es ist nicht überraschend für mich, dass ich nicht völlig überschwänglich und in Euphorie blind vor Liebe herum renne.
Das habe ich lange nicht mehr getan, mir etwas von einem Date zu versprechen oder zu erwarten. Diesmal war aber echte Vorfreude da. Aber ohne mir etwas davon zu versprechen oder mir etwas zu erhoffen. Ein Unterschied.

Vielmehr spürte ich ja, dass irgend etwas nicht ganz passte. Man könnte vielleicht sagen, dass der Funke nicht übersprang. Andererseits lief es am Anfang echt gut, aus meinem Bauchgefühl heraus. Irgendwie war das Ganze dann genau deshalb für mich etwas widersprüchlich. Erst läuft etwas so gut an und dann gibt es einen Knick, warum auch immer. Ich hab kurz darüber nachgedacht, ob es an der Müdigkeit liegen könnte. Ich reiße mich dann aber immer sehr zusammen und gebe dennoch stets mein Bestes. Und ich wusste nicht, was sie nun fühlt. Dazu passte ihre Aussage oben für mich in ein Bild, das mir signalisierte: „Es stimmt etwas nicht.“

Dennoch bin ich so, dass ich meine Anerkennung und mein Interesse signalisiere. Es hängt ja immer von beiden ab, was passiert. Ich lasse sie auf diese Art zumindest wissen, dass ich sie mag. Was sie dann daraus macht, liegt sowieso nicht in meiner Hand.
So spiele ich das Spiel. Und deswegen bin ich kein gewöhnlicher Pickupper. Ich eskaliere nicht durch bis zum Abgrund, sondern trete davor auch einen Schritt zurück. Lasse Mensch Mensch sein und Gefühle Gefühle sein und wenn Gefühle auch mal nicht da sind, dann lasse ich sie eben auch mal nicht da sein.

Dann mache ich, was ich immer mache. Ich packe meine Sachen und ziehe weiter. Einsam in die Nacht. Nicht mehr traurig, wie vor einigen Monaten, nach einem gefühlt „gescheiterten Date“. Sondern inzwischen ganz zufrieden damit, dass ich alleine sein darf. Ja, richtig. Sein darf. Nicht sein muss. Alleine weiß ich noch immer am besten für mich selbst was ich mag und was mir gut tut. Freiheit. Genug zu tun habe ich mit meinem Studium auch. Mir ist nicht langweilig. Im Gegenteil. Ich schätze meine Freizeit noch mehr als vorher, da sie knapper ist als je zuvor.

Eignen sich Themen wie Zalando und H&M besser, um das Herz einer Frau für sich zu gewinnen?

Was ich mir am nächsten Morgen dachte: „Hm… vielleicht hast Du wieder mal zu tiefgründige Themen angeschnitten.“
Selbstreflexion halte ich für enorm wichtig, es geht dabei nicht darum herauszufinden „warum sie dies oder das“ so oder so gemacht oder gesagt hat. Sondern es geht darum sich selbst weiterzuentwickeln. Enorm wichtig. Ansonsten tritt man täglich in die selbe Pfütze und vermag es nie das zu ändern. Sich zu ändern.

Und ich hab mir für alle weiteren Dates mit Frauen erst mal vorgenommen: „In Zukunft keine Gespräche mehr über ihre oder meine Ziele, Wünsche und Träume oder die Gesellschaft. Keine Kritik über nichts. Einfach immer schön „ja“ und „toll“ sagen. Ein bisschen letzter Urlaub hier, gepaart mit einer Prise Lieblingsmusik und gespickt mit dem Lieblingsessen da. Das soll an „Tiefe“ reichen.“
Ich kann auch den total oberflächlichen flüchtigen Typen spielen. Mal ausprobieren…? Definitiv ja, dachte ich mir. Warum?
Ich habe Fr. Tinder in den Tagen vor dem Date in vielen ausgiebigen Telefonaten als eine sehr tiefgründige und einfühlsame Frau kennen gelernt. Ja, zugegeben, in den Telefonaten. Aber trotzdem… etliche Stunden erlauben es auch sich über eine Telefonleitung ein Bild zu einem Menschen zu machen.
Und das Bild sagte mir: „Bei ihr kannst Du auch mal Du sein! Also sei Du!“

Das dachte ich mir aber einige Wochen vorher bei Fr. Unnahbar auch. Und das Schiff lief auf Grund. Rumps.

Und diesmal? Offenbar schon wieder.
Vielleicht waren bzw. sind meine Einschätzungen auch nur falsch. Vielleicht denke ich nur, dass ich über solche Themen mit einer Frau reden könne und tatsächlich kann ich das – jedenfalls mit der jeweiligen Dame – gar nicht. Neueste Angebote von Zalando oder H&M taugen in diesen Fällen vielleicht besser als Gespräche über alles andere.

Wie ging es weiter?

Am Tag des Dates – bzw. in der Nacht – kam von ihr keine Nachricht mehr. Nun, sie habe ich ja gut nach Hause gebracht. Und ich? Ja, ich bin auch gut nach Hause gekommen. Danke der Nachfrage. Oder eben nicht.
Jedenfalls hatte sie mich in dieser Nacht nicht mehr angeschrieben. Sie interessierte es vermutlich nicht, ob ich trotz Müdigkeit auch noch gut zu Hause angekommen bin oder aber sie hat so viel Urvertrauen zu mir, dass sie wusste, dass ich gut zu Hause angekommen sein werden würde. Was für ein Deutsch.

Ich tat es ihr gleich. Keine Nachricht. Erstmal. Man muss das respektieren, wenn eine Frau sagt „Oh. Ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht so weit.“, dachte ich mir an der Stelle. Also trete ich einen Schritt zurück. Aufdringlich zu sein, ist nicht meins.

Und am nächsten Morgen?
Normalerweise hatten wir uns in der Früh und am Abend immer kurz eine Nachricht geschickt. All die Tage zuvor. Wie gesagt, alles war seit dem Date anders.

Also schrieb ich sie in der Früh an, warum auch nicht. Ja, ich zuerst. Was solls. Mir ist dieses Warten-Gelasse zu albern. Es kam eine kurze Antwort zurück. Keine Anzeichen oder Anstalten von ihr noch weiter Nachrichten austauschen zu wollen oder sonst etwas. Passt, dachte ich mir. Dann weiß ich Bescheid.

Was sagt Herr van Onnetuschn dazu?

Am Abend traf ich mich mit meinem besten Freund, meinen Lesern hier auch bekannt als Herr van Onnetuschn. Und wir saßen in einer Bar. Natürlich war Fr. Tinder ein Thema des Abends. Er verstand das alles auch nicht. So viele Telefonate. So viel Interesse, offensichtlich beiderseits. Und dann funkte es „mal wieder“ nicht. Er sagte zu mir, dass ich noch etwas warten soll. So nach dem Motto, „die Flinte nicht zu schnell ins Korn zu werfen“.

Lieber Herr van Onnetuschn, mein Freund, welche Flinte? Welches Korn denn?

Dazu muss ich sagen, dass es mir tatsächlich egal war, ob bei der Geschichte etwas heraus kommt oder nicht. Gleichgültigkeit auf emotionaler Ebene bezüglich dem einzelnen (!) Ergebnis hat meine Euphorie im Projekt Beziehung längst ersetzt. Es ist mir nur erst in den letzten Wochen zunehmend klar geworden. Das ist nicht schlimm, aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht negativ gemeint, auch nicht positiv. Es ist wie es ist. Wichtig ist für mich nur die Erkenntnis: „Wenn es passen soll, dann wird es passen“.
Egal ist es mir also wirklich nicht in negativer Hinsicht! Es ist viel mehr die sichere Erkenntnis, dass der Weg wichtig ist. Und der führt nur über mich selbst. Ein einzelnes Ereignis ist nicht wichtig, besonders wenn es von außen kommt. Ich bin nämlich auch keine Aneinanderreihung von einzelnen Ereignissen, sondern ein großes Ganzes. Ein ganzes Menschenleben. Ein großes ganzes Menschenleben. Wie jeder von uns. Nur am Bewusstsein darüber mangelt es meistens und den Meisten.
Wir neigen dazu einzelne Ereignisse zu übergewichten. Und deshalb schaukelt es uns von links nach rechts, ständig wenn es etwas „Unerwartetes“ passiert. Erwarte nichts, dann schaukelt auch nichts, dann passiert auch nichts „Unerwartetes“, dann ist Dir auch „egal“ was unterwegs passiert. Ein herrliches Gefühl der Freiheit macht sich gerade in mir breit, da ich diese Zeilen schreibe.

Und so sagte ich zu ihm an diesem Abend: „Sieh mal, gestern Nacht hat sie mir nicht mehr geschrieben, anders als sonst. Heute Morgen hat sie mir kurz und knapp geantwortet. Seither nicht mehr. Heute Nacht auch nicht. Auch anders als sonst. Wenn diese Frau tatsächlich Interesse an mir hätte, wirkliches Interesse, dann würde sie mich doch mit Nachrichten, Telefonaten oder sonst etwas bombardieren. Zumindest wenn der Funke wirklich übergesprungen wäre.“

Herr van Onnetuschn schwieg.

Und ich fuhr fort, „Sieh nochmal, das ist unser bisheriger Whatsapp-Chat.“, ich machte zwei Klicks und gelöscht war er. Und weiter sprach ich zu ihm, „und schau, das ist ihr Kontakt in meinem Handy.“. Erneut zweimal aufs Display gedrückt und auch da war Fr. Tinder gelöscht.

Er sagte etwas überrascht, wobei er mich kennt wie kein zweiter auf dieser Welt:
„Meinst Du nicht, dass das ein bisschen zu früh ist?“

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Das ist Freiheit in meinem Leben. Ich definiere Freiheit für mich heute völlig anders als früher. Freiheit ist für mich eine Mischung aus innerer Frieden und äußerer und innerer (körperlicher und Gedanken-)Freiheit.

Ich sagte zu ihm: „Wenn sie wirklich möchte, dann kann sie sich melden.“
Und innerlich dachte ich mir: „Ich habe keinen Kontrollzwang. Wenn sie möchte ist gut, wenn nicht, ist auch gut.“
Es liegt nun in ihrer Hand.
Kontrolle nicht (!) zu haben, ist ein schönes Gefühl. Es befreit. Es nimmt einem die Last und die Gedanken von vielem.
„Lass ruhig die Anderen mal machen“, denke ich mir inzwischen und kann mich daran gut gewöhnen.

Normal will man(n und oft besonders auch Frau!) Kontrolle. Hat man keine Kontrolle, fühlt es sich „schlecht“ an. Man fühlt sich schlecht. Warum?
Es ist doch heute genau umgekehrt für mich an vielen Stellen des Lebens, jedenfalls in Bezug auf andere Menschen! Wozu etwas kontrollieren? Habe ich Kontrolle, dann habe ich etwas zu verlieren, die Kontrolle selbst. Und das ist für die meisten Menschen ein Problem. Verlustangst. Kontrollverlustangst.
Kein Ego, keine Kontrolle. Kein Problem.

Und so endet eine so hoffnungsvolle Geschichte tragisch?

Am nächsten Tag, ich weiß nicht mehr wann, schrieb mich eine unbekannte Nummer über Whatsapp an. Wie mein Tag bisher verlaufen sei und warum ich kein Profilbild mehr in meinem Whatsapp-Profil hätte…

Sieht so aus, als wenn…
Ja, Du vermutest richtig… 🙂

Fortsetzung folgt. Liebe Leser, und wieder einmal… Geduld bis zum nächsten Artikel. Auch wenn das Date-Review mit diesem Dreiteiler zu Ende gegangen ist… so ist es nicht das Ende der Geschichte mit Fr. Tinder. Es bleibt spannend.

Der erste Vollstopp meines Blogs

Aus gegebenem Anlass muss ich hier kurzfristig für ein paar Tage die Reißleine ziehen.

2017-02-28

Eine Erklärung folgt, sobald ich Zeit finde etwas zu erklären.

Bin gerade völlig überschüttet mit Terminen, mehrmals die Woche abends und am Wochenende.

Aber bis auf die vielen Termine und etwas aufkommendem Stress geht es mir soweit ganz okay, also keine Sorge.

Daher benötige ich die Zeit nun gerade einfach anders als für das Schreiben. Urlaub vom Bloggen. Nicht traurig sein. Ich komme wieder! 🙂

Bis dahin… nutzt die Zeit ohne meine täglichen Beiträge gut! 😉

Bis bald

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 2 von 2)

Ich freue mich gerade richtig auf das Schreiben, endlich Teil 2 von Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2).

Im ersten Teil beschrieb ich das Phänomen des Auftretens, des Wirkens und der Bedeutung von Zeitfenstern.
Von meiner Leserin „lunarterminiert“ bekam ich den Hinweis, dass das Nutzen von Zeitfenstern bzw. sich bietenden günstigen Gelegenheiten in der griechischen Mythologie als Kairos betitelt wurde. Und der Gott der Zeit Chronos heißt. Danke dafür. Passt hier rein.

Ich beschrieb in Teil 1, dass Zeitfenster nicht beeinflussbar sind. Sie tauchen manchmal auf, halten eine mehr oder weniger lange Weile an und verschwinden dann durchaus plötzlich wieder, indem sie sich selbstständig schließen.

Zeitfenster ändern sich permanent. An sich ändern sie sich und das Auftreten in verschiedenen Situationen und bei verschiedenen Menschen ändert sich. Ich empfehle den letzten Artikel, Teil 1, einfach zu lesen, bevor es hier weiter geht. Sonst steht das Nachfolgende ohne Kontext da.

Heute geht es mir dabei weniger um die Zeitfenster als solche. Heute geht es mir um Deine Rolle darin!
Was sind Deine Möglichkeiten in diesen Zeitfenstern und was hat das wirklich exakt mit DIR SELBST zu tun? Heute wird es wirklich mal wieder etwas tiefer philosophisch, um so wichtiger ist es daher den Gesamtzusammenhang zu sehen und zu verstehen.

Achtung:
Ich warne an der Stelle ausdrücklich davor weiter zu lesen. Bei sensiblen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl können die nachfolgenden Zeilen ungewünschte Nebenwirkungen auslösen. Diese beabsichtige ich zwar nicht, kann und will sie aber auch nicht verhindern. 🙂

Nochmal kurz zusammen gefasst:

  1. Es gibt Zeifenster.
  2. Du kommst – wenn Du ein solches Zeitfenster erwischst – darin vor.

Wir beschränken uns heute auf den zweiten Punkt.

Bleiben wir im Bereich Pickup. Danach fasse ich das etwas überbegrifflicher und setze es in Bezug auch auf andere Themen. Du erwischst also ein günstiges Zeitfenster. Gut.

Nehmen wir an Du hast eine hübsche Frau (bzw. für meine vielen weiblichen Leser einen hübschen Mann ;-)) gesehen und sprichst sie an. Du stellst Dich lächelnd vor, sie gefällt Dir. Du findest sie mega attraktiv und auch ihre gesamte Erscheinung lässt Dich für einen Moment träumen. Und sie? Sie sieht Dich an, nimmt Dich zu Kenntnis und sagt Dir, dass sie Dich zwar nett findet, Du aber nicht ihr Typ seist.
Wie war das jetzt mit dem Zeitfenster? Es gab keines! Richtig.

Genau genommen hattest Du von Anfang an keine Chance bei ihr zu landen. Du hättest tun und lassen können was immer Du wolltest. Es gibt Frauen die sich vielleicht mit einem Ferrari hätten überzeugen lassen. Solche Gedanken kommen Dir dann. Mag sein, mag auch nicht sein. Aber solche Frauen willst Du in Wahrheit gar nicht. Ich jedenfalls nicht.

(Kurzer Exkurs: Gestern Nacht war ich wieder draußen zum Clubgamen. Wenige Meter neben mir war ein bekannter aktiver Fußballer. Wer, spielt keine Rolle. Für viele Menschen ist er ein Star. Für mich nur ein Mensch von vielen in diesem Club an diesem Abend. Etwas war aber auffällig: Seine Freunde – nennen wir sie einfach mal ihm zuliebe so – standen und tanzten wie eine Traube um ihn herum. Egal was er tat – die Traube bewegte sich im Kreis mit ihm mit und um ihn her. Wie ein Bienenschwarm mit einer Bienenköngin in der Mitte. Würde ich – wenn ich die Bienenkönigin wäre – eine Frau haben wollen, die ebenfalls nur deswegen an meinem Hintern klebt, weil ich jedes Wochenende von ein paar Millionen Menschen im Fernsehen bejubelt werde?!)

Andere Situation:
Du siehst völlig nebenbei eine hübsche Frau, nebenbei deshalb, weil Du gar nicht aktiv auf der Suche bist. Nicht in diesem Moment. Du möchtest nur gemütlich in einem Zeitschriftenladen blättern und kurz verweilen. Und da kommt sie rein, Du nimmst sie erst gar nicht wahr. Aber ihre langen brauen Haare glänzen in diesem hellen Kunstlicht, das von der Decke scheint wie die Sonnenstrahlen über den Gipfeln der Berge hinab ins Tal.
Du benötigst ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass sich jetzt vielleicht wieder ein Zeitfenster auf tut. Diesmal vielleicht wirklich.
„Hey, wie gehts?“, startest Du das Gespräch. „Hi, gut. Bin nur kurz auf der Suche nach einem Artikel in einer Zeitschrift. Was machst Du hier?“, bekommst Du so ungefähr die größtmögliche Resonanz für diesen Moment von ihr mit einem Lächeln zurück gespielt.

Und ab da hast Du ab Sekunde eins die volle Aufmerksamkeit dieser Frau. Sie nimmt sich Zeit für Dich und das Gespräch mit Dir. Und möglicherweise gehst Du zusammen mit ihr direkt noch auf einen Kaffee ein paar Meter weiter. Ein mega entspannter Einstieg, ein mega entspannter Fortgang. Du vereinbarst mit ihr ein Date für den nächsten Abend. Ihr tauscht Nummern aus, verabschiedet Euch mit einem Bussi links und einem rechts.

Wie ist das mit dem Zeitfenster in dieser Situation?
Es existierte von Anfang an! Es war eines da. Es war diesmal wirklich da. Es gab eine echte Chance für Dich. Diesmal war Deine Rolle darin nur, dieses Zeitfenster – das ganz unabhängig von deinem Zutun einfach da war – zu nutzen. Du musstest sie nur ansprechen. Und zwar völlig egal wie. In diesem Fall reichte ein „Hey, wie gehts?“ genauso aus wie ein „Sorry, kannst Du mir kurz helfen bitte. Ich suche gerade so eine Zeitschrift über Männermode, weil mir mein Kumpel letztens sagte, dass meine Hosen so komisch aussehen. Kennst Du Dich da aus?!“  ausgereicht hätte.

Hab ich so noch nie gemacht, aber es spielt keine Rolle. Wirklich nicht. Die Frage ist nicht was Du sagst. Die Frage ist maximal WIE Du es sagst. Aber selbst das ist vernachlässigbar. Ist das Zeitfenster dieser Frau geschlossen (Ehemann / in Eile / findet Dich nicht sexy genug), dann ist es eben geschlossen. Punkt. Vergiss jeden weiteren Gedanken daran. Morgen hätte es vielleicht schon wieder auf sein können, weil ihr toller Göttergatte gestern mit ihr Schluss gemacht hat. Und schwupp, wäre sie mit Dir auf einen Kaffee gegangen.
Der gleiche Mensch. Du.
Der gleiche Mensch. Sie.
Aber nicht das gleiche Zeitfenster. Ein anderes.

Du hast also ein günstiges Zeitfenster erwischt (Kairos), was ist Deine Rolle darin?
Wie wir gerade festgestellt haben, musst Du ein Zeitfenster identifizieren. Das machst Du, in dem Du Dir selbst sagst: „Ich werde jetzt die Wahrheit heraus finden. Existiert für mich jetzt ein Zeitfenster oder nicht?“
Und das kannst Du herausfinden, in dem Du die Frau einfach ansprichst. Und es einfach herausfindest. Du bist ein Wahrheits-Heraufinder. Ein Zeitfenster-Wahrheits-Herausfinder. Du bist eigentlich nur eine ganz gewöhnliche Maschine, mit einer Präzision wie ein verlässliches schweizer Uhrwerk. Deine Aufgabe ist es nur herauszufinden was die Wahrheit ist. Nicht werten. Nicht besser wissen. Nur herausfinden.
Das hast Du getan. Du hast sie angesprochen und bist mit ihr bis zum Ende gegangen. Du hast ein Date vereinbart. Läuft bei Dir. 😉

Was ist die Rolle darin? Nochmal. Was ist Deine Rolle darin? Was hat das alles mit DIR zu tun?

Ich habe oben gewarnt diesen Artikel weiter zu lesen. Es bleibt dabei. Es sollte davor gewarnt werden.

Denn: Du magst Dich riesig freuen, dass diese Frau sich mit Dir treffen möchte. Das Date mag auch zustande kommen. Ihr mögt Euch auch gerne haben. Noch so sehr. Und es mag viele weitere Dates geben. Und allmählich auch Zukunftspläne. Zusammen ziehen. Einen Kinderwunsch. Ihr wollt heiraten, ihr mögt ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und alt werden. Gemeinsam, bis ans Lebensende.

Und dennoch habe ich für mich eines inzwischen erkannt. Nirgends gelesen. Selbst erkannt. Einfach durch das Leben selbst:
Es hätte jeder andere Mann auch sein können in dieser Situation!

Es gab ein Zeitfenster. Du hast es genutzt. Ja. Zweifelsfrei. Aber Du brauchst Dir nichts darauf einzubilden. Du warst einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Eine Minute früher und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt. Eine Minute später und Du hättest diese Frau nie kennen gelernt.
Die Gedanken und die Glorifizierung des sogenannten Schicksals werden damit obsolet. Es gibt Zeitfenster. Aber es gibt kein Schicksal. Kein nachvollziehbares Schicksal jedenfalls. Das bedeutet sehr konkret gesagt: Auch DU bist in diesem Zeitfenster mit dieser Frau nur ein daher gelaufener Junge. Sie fand Dich toll. Na und. Sie hätte zig tausend andere Männer IN DIESEM ZEITFENSTER ebenfalls toll gefunden, hätten die anderen Männer es nur genutzt.

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Dieser Kern meines Artikel ist enorm wichtig komplett richtig zu erfassen. Sonst geht die Botschaft verloren.

Ich will niemanden ent-träumen lassen. Wirklich nicht. Du bist ein toller Mensch, zweifelsfrei. Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder. Und jede Situation ist etwas Besonderes. Jede Situation zwischen Mann und Frau. Das Kennenlernen. Das Zusammenkommen. Alles.
Aber: ES HAT NICHTS MIT DIR ZU TUN! Bilde Dir wirklich nichts darauf ein. Du bist deswegen kein Held. Nochmal: Du warst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Hätte ein anderer Typ sie gerade angesprochen, dann hätte sie einige Zeit später mit dem anderen Typen geschlafen und die beiden wären nun verheiratet, anstatt Euch beiden. Vielleicht würden die beiden nicht lange glücklich werden oder bleiben und plötzlich gäbe es ein Beziehungsende. Und plötzlich öffnet sich wieder ein neues Zeitfenster im Leben dieser Frau in Bezug auf das Kennenlernen eines neuen Mannes. So ist der Lauf der Dinge.

Du bist etwas Besonderes! Definitiv. Das musst Du begreifen. Tief verstehen und begreifen. Aber es ist nichts Besonderes, dass Du mit dieser Frau zusammen gekommen bist. Wäre es nicht sie, dann wäre es ein paar Zeitfenster später eben eine andere Frau. Auch mit der kannst Du glücklich werden und Kinder bekommen. Und Du wirst es auch, ohne es je gemerkt zu haben, dass die Willkür für Dich entschied. Andere nennen es Schicksal. Letztlich war es jedoch einfach Zufall, aus meiner Sicht.

Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Wirklich auch nichts entmystifizieren. Jeder soll an das wahre Schicksal glauben. Die eine große Liebe. Ja. Ich tat das auch. Lange lange Zeit. Bis ich festgestellt habe was passiert, wenn eine Beziehung zu Ende geht und nicht mehr kommt. So weit in Ordnung, aus der Sicht. Möglicherweise hätte ich mich auf die Suche nach einer neuen „einzig wahren großen Liebe“ begeben. So wie alle Menschen. Und dann wäre ich vermutlich irgendwann sehr enttäuscht worden. So wie (fast) alle Menschen.

Nur begann ich zu pickuppen. Und stellte dadurch fest, dass das alles nichts mit mir als Mensch zu tun hat. Nicht mit mir als Wesen. Erst recht nicht mit mir als Seele.
Und keine Angst, dass ich nichts mehr empfinden könnte. Weil ich doch jetzt denken würde, dass alles Willkür und Zufall sei. Nein nein, ich weiß nur, dass alles vergänglich ist. Und sich alles in Zeitfenstern bewegt. Das ganze Leben. Das WEIß ich inzwischen. Kein „ich denke mir das“, sondern ich erlebte und erlebe es. Und daher weiß ich.

Ich weiß, dass das nicht ins Denken passt. „Ja aber mein Partner und ich, wir haben uns gesucht und gefunden. Wir sind füreinander geschaffen!“. Ja, ich weiß. Das kannst Du so denken. Und Du wirst glücklich damit sein – jedenfalls so lange Eure Beziehung anhält, vorzugsweise glücklich. Und irgendwann wachst Du auf und es macht BUMM. Und es ist aus. Hoffentlich nicht. Wirklich. Aber was, wenn doch? Seid ihr dann immer noch füreinander geschaffen? Trotz dem Aus? Oder wart ihr dann plötzlich noch nie füreinander geschaffen? Denk drüber na@ch. 😉

Es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt als sein Glück teilen zu können und geteilt zu bekommen. Das hat damit nichts zu tun. Das taste ich als Heiligtum niemals an.

Wie oben gesagt, nun noch ein paar globaler geltende Worte. Nicht nur in Bezug auf Pickup: Das gleiche Prinzip – und jetzt wird es ganz schnell jedem noch so skeptischem Leser klarer was ich meine, ich bin mir sicher! – gilt auch im Berufsleben. Es gibt eine Stellenausschreibung und es öffnet sich damit ein Zeitfenster. Du bewirbst Dich, weil Du denkst, dass Du das Profil zu 100% erfüllst. Übertriffst, sogar. Du wirst eingeladen und nach einem gefühlt perfekt laufenden Gespräch bekommst Du gesagt: „Wir stellen Sie gerne ein, sie können nächsten Monat bei uns anfangen!“.

Wie ist das jetzt mit Deiner Rolle darin? Bildest Du Dir an dieser Stelle ebenfalls ein, dass es Schicksal war, dass Dich diese Firma nimmt? Ihr seid füreinander geschaffen? Du und das Unternehmen? Das Unternehmen hat seinen Lebtag damit verbracht auf den einen richtigen zu warten und Du kommst just dann wie ein Ritter in glänzender Rüstung daher geritten? Sicher? Oder war es Zufall und „es hat halt gerade gut gepasst, für beide Seiten“?

Mir tut das ein bisschen weh, das gerade so zu schreiben. Ich bin tatsächlich gerade etwas sentimental. Weil das selbst als meine eigene Wahrheit noch nicht völlig in den Kopf will. Und ich selbst noch stark daran kämpfe mir selbst zu glauben. Obwohl ich längst spüre, dass es wahr ist. Jedenfalls für mich.

Aber ich bin ein Mensch, der Unwahrheiten nicht mag. Und der immer neugierig ist und sich immer alles genau ansieht und nachhakt. Der nicht alles glaubt was da steht. Und der seine eigenen Erfahrungen macht. Aktiver als je zuvor. Und der lieber spürt als zu denken. Und ich spüre…

Mir ist bewusst geworden, dass ICH viel weniger wichtig bin in einem Gesamtkontext, als mir vielleicht lieb wäre. Ich bin hier, ich atme. Ich lebe. Und das ist das einzige, das im Moment gerade wahr ist. Alles andere kommt und geht. Auch Du und Ich, auch wir werden gehen. Eines Tages. Bis dahin können wir Zeitfenster für uns nutzen. Aber uns bitte nichts drauf einbilden, wenn wir mal ein aufkommendes Zeitfenster für uns nutzen konnten. Es hätte jedes andere Zeitfenster auch sein können… jeder andere Mann oder jede andere Frau hätte es genauso sein können.

Als Trost kann ich nur sagen: Es hätte JEDER andere auch sein können. Aber in diesem konrekten Fall bist es eben Du geworden. Sei glücklich damit, dass Du es bist.

Und wenn Dich dennoch etwas glücklich machen kann am Kern dieses Artikels, dann ist es, dass Du Dir über das Phänomen der Zeitfenster bewusst bist und um seine Bedeutung und Deine Rolle darin (nun) weißt. Sei also zumindest darauf stolz das zu wissen und nutze das für Dich. Dann hat sich all das für dich schon sehr gelohnt. Auch ganz ohne Schicksal. 🙂

PS: Ich liebe diese Postskripte… nutze ich in meinen Artikeln ja immer häufiger. 🙂
Was ich noch sagen will:
Wenn Du einen Partner hast, geh einfach schnell zu ihm oder ihr rüber und küss ihn einfach. Sei glücklich darüber, dass ihr Euch habt.
Es hätte jeder ander auch sein können. Ja. Wenn nicht Du, dann jemand anders. Klar. Aber sei einfach froh, dass es im Moment ist wie es ist. Das Beste für Euch.

PPS: Wer sich selbst die Frage stellt, was man denn dann tun kann oder tun soll, mit diesem Wissen… dem kann ich nur sagen was ich inzwischen tue und wie mein Umgang mit meinem Leben inzwischen ist:
Ich versuche SELBST glücklich zu werden und immer weiter auf den Weg dazu zu kommen. Und zwar ganz ganz unabhängig von Freunden, der Familie oder einer Partnerin. Und erst recht völlig unabhängig von solchen Unwichtigkeiten wie dem Beruf. Ich arbeite täglich an mir und versuche selbst so weit zu kommen, dass ich gar keine Partnerin mehr benötige, um mich „komplett“ zu fühlen. Das wissen, dass keine Partnerin der Welt mich komplettieren kann, habe ich bereits. Aber das auch zu Leben und sich tief einzugestehen ist schwer. Daran arbeite ich hart.
Und dann wird es so sein wie immer im Leben: Plötzlich ist sie da.