Philosophischer Sonntag – Wem wir uns überlegen fühlen sollten

Es wird einmal wieder Zeit für den nächsten Philosophischen Sonntag. Der ist ja inzwischen wirklich zu einer Rarität geworden. Bei sonst so aller gelebten Sachlichkeit und der energiegeballten Lebenseinstellung „nach vorne, nach vorne, nach vorne!“ zu gehen, ist es mehr als ratsam zwischenzeitlich auch mal inne zu halten. Um wieder mehr aus der Mitte sprechen zu können. Von irgendwo zwischen Bauch und Herz. Nicht aus dem Kopf. Das ist wirklich nötig, aleine schon um unsere Mitte mit unserem Verstand abzugleichen. Denn dieser spielt uns manchmal gerne Streiche. Und oft merken wir es gar nicht.

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Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich täglich auf einem schmalen Grat wandere, wenn es darum geht die richtige Balance zu finden zwischen Hochmut und Demut. Ziehen wir einmal zwischen diesen beiden Extremen des Sozialverhaltens eine gedachte Linie. Eine Grenze. Dabei möchte ich weder ein Stück weiter auf der einen Seite wandern noch ein bisschen weiter auf der anderen Seite. Aus meiner Sicht ist der gesündeste Ort die ausgeglichene Mitte. Wo ich es sonst strikt ablehne, erhält genau an der Stelle der Begriff „Linientreue“ ausnahmsweise eine positive Notation.

Wo genau verläuft die Grenze?

Das individuell zu beantworten ist unmöglich. Für jeden von uns wird sie woanders liegen. Hilfreich ist hier allerdings in jedem Fall wieder allgemeingültige Verhaltensweisen zu verstehen. Uns selbst zu verstehen. Unsere Psyche und die Psyche der Anderen. Deswegen nehme ich Dich mit auf einen kurzen Ausflug. Komm mit.

Wo die Grenze zwischen Hochmut und Demut liegt, ist sehr individuell. Für die meisten Menschen liegt sie aus meiner Sicht aufgrund unserer Erziehung und Kultur in einem ungesunden Maße verschoben zu weit auf der Seite des Demuts. Evolutionär bedingt können Menschen bei Gefahr nur mittels instinktiver Reflexe reagieren. Flucht, Angriff oder Starre. In der Moderne jedenfalls entscheiden sich die meisten Menschen für die Flucht. Beispielsweise bei einer Straßenschlägerei. Kaum einer würde sich als Unbeteiligter mitten ins Getümmel stürzen. Was sicherlich auch vernünftig ist. Aber es ist eben keine starke Wahl. Es ist eine vernünftige Wahl. Wahrscheinlich auch eine gute Wahl. Aber nicht stark im Sinne von kräftig.

So tickt allerdings unsere gesamte Gesellschaft. Und eben nicht nur bei Straßenschlägereien, sondern leider auch im Job. In Anlageentscheidungen. In der Beziehung. In Freundschaften. In der Familie. In Nachbarschaften usw. „Nur nichts falsch machen!“, lautet die Standardparole. Meine lautet anders, und das tue ich auch offen kund. Sowohl im Job als auch sonstwo: „Wo ich bin ist vorne!“ Und nicht immer ist Flucht die beste Variante. Und erstrecht nicht die vernünftigste. Selten sogar nur! Oft wäre die Starre, im Sinne von „einfach aushalten“ deutlich besser. Nicht immer müssen wir uns verstellen und davonlaufen, um zu überleben. Das war früher. Heute ist Angriff aus meiner Sicht oft die bessere Variante. Da wir selbst bei Niederlagen höchstens ein bisschen Geld verlieren würden. Aber sicher nicht mehr gleich unser Leben. Proaktiv ersetzt reaktiv. Gilt überall, wie gesagt. Auch in der Partnerwahl und in Beziehungen.

Wir sind geprägt und durchsetzt von Angst. Angst den Job zu verlieren. Angst unseren Partner zu verlieren. Angst, dass unser Umfeld uns nicht mehr mag. Im Endeffekt ist der Urinstinkt des Menschen sein Überlebenswille. Was einerseits unsere Erhaltung garantiert, uns andererseits aber brutal hemmt uns selbst zu entfalten. Ein Beispiel? Wenn wir uns selbst in Situationen aufkommender Angst ehrlich die Frage stellen: „Und warum habe ich Angst davor ?“, dann würden wir feststellen, dass wir letztlich Angst haben zu sterben. Das ist die Kehrseite unseres Urinstinktes. Das ist die Basis von allem.

– Warum sagst Du Deinem Chef nie Deine Meinung, obwohl Dir danach ist?
– Weil Du Angst hast, dass Du Deinen Job verlieren könntest.
– Warum hast Du Angst Deinen Job zu verlieren?
– Weil Du Dir dann Deine Kredite auf Dein Haus und Dein Auto nicht mehr leisten kannst. Und Deine Frau (oder Deinen Mann) und Kinder auch nicht mehr. Und Dein eigenes Leben genausowenig.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du Deinen schuldfinanzierten materiellen Mist dann verlieren würdest und Deine geliebten Menschen dann gehen könnten und Du alleine wärst.
– Warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann nichst mehr hättest, woran Du Dich festhalten kannst.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann nichts mehr zu Essen kaufen könntest und mental schwach wirst.
– Und waurm hast Du Angst davor?
– Weil Du dann vereinsamen und verhungern würdest.
– Und warum hast Du Angst davor?
– Weil Du dann stirbst!

Zwischen Hochmut und Demut und Angst

Wie immer habe ich soeben ein bisschen ausgeholt. Aber es ist Sonntag. Da sollten wir in Ruhe tun. Uns Zeit nehmen. Es liegt also an Dir, wo Du Deine Grenze ziehst. Aber Du solltest verstanden haben, dass das hauptsächlich an Deinem Umfeld und an Deiner Erziehung liegt. Eine Frau in einem Café anzusprechen, auf sie zuzugehen, während das 20 andere Personen mitbekommen, ist das nun hochmütig oder demütig? Ist es auch hochmütig eine Frau anzusprechen, die „viel besser“ aussieht, als ich? Oder muss ich demütig sein, „so eine attraktive Frau“ überhaupt sprechen zu dürfen, da sie sich sonst doch nur mit Instagram-Models abgibt?

Es sind die falschen Fragen! Falscher Kontext! Es erfordert Mut, das ja. Aber es ist weder Hochmut noch Demut im Spiel. Es gibt hierbei kein Über- oder Unterordnungsverhältnis. Da würdest Du mir vermutlich zustimmen. Aber aus welchem Grund sollte man eine Frau nicht in einem Café ansprechen? Es ist die eigene Angst. Und das hat erstmal nichts mit Hochmut und Demut zu tun. Da würdest Du mir vermutlich ebenfalls zustimmen. Wie wäre das, wenn jemand anderen Menschen davon erzählt, dass er letzte Woche richtig dick Geld verdient hat? Wie wirkt das? Hochmütig? Demütig? Weder noch? Die Frage ist doch, warum derjenige das erzählt? Vielleicht ist er ein Trainer und möchte gerade Anderen genau das beibringen?! Achso…

Vielleicht denkst Du Dir gerade auch einfach nur: „Was will er mir damit sagen? Die Fragen haben doch nichts mit der Sache zu tun!“ Ja. Eben. Sie haben nichts mit der Sache zu tun. Ob also jemand hochmütig oder demütig ist, entscheidest Du für Dich. Und derjenige für sich. Das muss sich nicht decken. Wenn jemand Dir einen Spiegel vorhält und Dir zeigt, dass Du auf dem Holzweg bist… ist derjenige dann hochmütig? Besonders weil er sich erlaubt ungefragt Ratschläge zu erteilen? Ja? Okay. Für einen Anderen ist er einfach nur mutig, weil er sich der Gefahr aussetzt, dass Du ihn dafür verurteilst. Und sein Angebot zu lernen lieber ausschlägst.

Manche verwenden an Stelle des Begriffs „Hochmut“ auch den Begriff „Arroganz“, das geht uns für gewöhnlich leichter über die Lippen. Es ist der gefühlt modernere Begriff. „Man, ist der aber arrogant!“ oder „Hochmut kommt vor dem Fall!“. Ich glaube, dass wir uns alle selbst solche Dinge öfter haben sagen hören. Im Laufe unseres Lebens. Ist es nicht so? Die Frage ist doch, ob solche Aussagen nicht in Wahrheit pauschale Werturteile über Menschen darstellen, die wir in den seltensten Fällen gar nicht wirklich kennen. Wir maßen uns damit Urteile an über Lebewesen mit Gefühlen und Gedanken. Menschen haben Gefühle. Wir degradieren sie pauschal zu bloßen Objekten, wenn wir ihnen den Stempel „arrogant!“ aufdrücken. Was abgestempelt ist, kann weg. Oder?

Nicht meine Art. Nicht meine Variante. Was tun wir denn in so einem Moment in Wahrheit? Wir verhalten uns nicht anders als die Person, der wir vorwerfen sich „falsch“ zu verhalten. Wir bescheinigen ihr beispielsweise Arroganz und merken im selben Atemzug nicht, dass es die höchste Form der Missachtung ist, einen einzelnen konkreten Menschen pauschal zu verurteilen mit einem Prädikat, das uns selbst in diesem Moment wesentlich treffender beschreibt. Man könnte auch sagen: „Zeigst Du mit dem Finger auf jemanden, dann bedenke, dass dabei gleichzeitig 4 Finger auf Dich zeigen!“

Irren ist menschlich. Wir alle neigen dazu, zu urteilen. Besonders gegenüber unbekannten (Menschen-)Massen. „Die sind alle nicht klug!“, denken wir uns manchmal. Und meinen in Wahrheit „Die sind alle nicht so klug wie ich!“. Wir denken manchmal auch „die leben alle so unbewusst und ungesund!“ und meinen in Wahrheit „die leben alle so unbewusst und ungesund, im Gegensatz zu mir!“. Das ist doch alles normal, dass wir Dinge oder Abläufe in Beziehung zu uns selbst setzen. Selbstverständlich pauschalisieren wir mit solchen Aussagen. Aber die Frage ist eine andere.

Der Unterschied zwischen universell und individuell

Der Unterschied ist doch, dass wir damit niemanden persönlich adressieren. Wir sollten Menschen individuell betrachten, wenn es um einzelne geht. Wir können pauschalisieren, wenn es um Massen geht. So funktioniert Statistik. Sonst müsste die Auswertung einer Befragung von 1000 Personen grafisch auch auf 1000 Seiten abgebildet werden. Für jeden Befragten eine eigene Auswertung.  Was würde das aussagen? Nichts. Sprechen wir über Phänomene, helfen uns Pauschalisierungen. Sprechen wir über Individuen, schaden sie uns. Jeder Mensch ist einzigartig. Einzigartig wundervoll. Die meisten Menschen sind sich dessen nur selbst nicht bewusst. Dafür gibt es aber auch Blogs wie diesen. Sich bewusst zu werden. „Jeder bekommt die Medien, die er verdient hat.“, ist auch so einer meiner Lieblingssprüche. Wobei ich das sonst immer auf die üblichen Medien beziehe. Die Schlafschafe schauen Mainstreammedien. Während einer Minderheit klar ist, dass die Masse immer Unrecht hat. Deswegen liest sie eben andere Medien. Es liegt an jedem selbst zu tun was er für richtig hält. Das ist letztlich auch eine pauschalisierende Aussage. Aber so funktioniert das Leben nun einmal. Ich habe es nicht erfunden.

Oder anders gesagt: Es ist zulässig, von vielen gleichartigen einzelnen Individuen auf Eigenschaften einer Ähnlichkeitsgruppe zu schließen. Dann clustern wir. Wir bilden Gruppen, in dem wir ähnliche „Objekte“ zusammenfassen. Das können Menschen mit bestimmten Eigenschaften oder Fähigkeiten oder Verhaltensweisen sein. Ein Cluster könnte sein: „Der überwiegende Teil der Männer trägt mindestens Schuhgröße 40.“ Mit dieser Aussage sind wahrscheinlich 95% aller Männer erfasst (nur eine Schätzung!). Damit bilden wir ein Cluster (eine Gruppe) und packen dort pauschal diese breite Masse der Männer hinein. Dass wir damit nicht alle abdecken, nehmen wir billigend in Kauf. Anders wäre das Leben nicht gestalt- und handhabbar. Wir benötigen Gesetzmäßigkeiten, die auf Ähnlichkeiten und Wiederholungen basieren. Wenn Du beim Hautarzt einen Termin möchtest, dann tust Du das, weil Du ein Problem mit Deiner Haut hast. Und nicht mit den Zähnen. Sonst wärst Du zum Zahnarzt gegangen. Wir schreiben also der Gruppe der Hautärzte bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise Hauterkrankungen behandeln zu können. Zahnärzten schreiben wir andere Eigenschaften zu. Für gewöhnlich ist die Gruppe der Hautärzte in der Lage Hautkrankheiten zu behandeln. Und die Gruppe der Zahnärzte hat die Fähigkeit Zahnerkrankungen zu behandeln. Dabei gibt es dann jeweils gute und schlechte. Sind alle guten Hautärzte auch sportlich? Oder reisen sie gerne? Oder essen sie viel Fisch?

Mach niemals umgekeht den Fehler, aus einer bestimmten Gruppe (einem Cluster) auf einzelne Individuen in anderen Kontexten zu schließen. Auch dazu neigen wir sehr gerne. Das kann uns allerdings Kopf und Kragen kosten. Beispielsweise gehen wir davon aus, dass Menschen, die regelmäßig Fastfood konsumieren, eher krank, faul und depressiv… und übergewichtig sind. Was mit Sicherheit zweifelsfrei stimmen wird. Allerdings heißt das nicht umgekehrt, dass sich in diesem Cluter nicht Personen befinden können, die beispielsweise Profifußballer sind. Oder Literaturnobelpreisträger. Oder Dein Partner, der so viele wundervolle Eigenschaften in sich trägt.

Die Ausage, dass viel Fastfood fett macht, ist sicher richtig. Pauschalisierend, aber wahr! Aber die Aussage, dass Fastfood-Esser keine guten Angler, Schreiner oder Verkäufer sein können, wäre absurd. Mir ist klar, dass das alles völlig logisch erscheint und für viele Menschen eigentlich keinen eigenen Artikel wert wäre. Ist es doch, sage ich! Denn wir sind viel zu schnell und zu platt und zu pauschal, wenn es darum geht, wie wir mit einzelnen anderen Menschen umgehen. Wie wir sie zuerst BEurteilen, um sie im nächsten Atemzug zu VERurteilen. Und uns damit selbst der Möglichkeit berauben, wundervolle Möglichkeiten und Eigenschaften anderer Menschen entdecken zu könen. Und daraus zu lernen.

Wann ist jemand für Dich hochmütig oder demütig?

Ob jemand für Dich also hochmütig oder demütig ist oder sogar aus Deinem Idealbild heraus genau auf dem schmalen Grat wandert und die perfekte Balance hält, kann ich Dir also nicht beantworten. Beim besten Willen nicht. Aber ich kann mein Bestes geben darzustellen, welchen Regeln Du Dich selbst unterwirfst und warum Du den Grat für Dich genau dort verlaufen lässt wo Du ihn verlaufen lässt. Es ist Deine Entscheidung, dass Du Dinge als hochmütig betrachtest, die ich vielleicht als relativ demütig ansehe. Oder umgekehrt.

Jeder von uns ist anders. Das ist immer so und nicht neu. Aber uns das bewusst zu machen ist so wichtig. Das entscheidet über die tägliche Lebensqualität. Aus meiner Sicht gibt es hierfür 2 grundlegende Dinge zu befolgen und Dir wird es weder passieren, dass Du zu hochmütig noch zu demütig wirst. Und das sind die Achtsamkeit und die Bewusstheit. Das sind Dinge, auf die mich vor ein paar Jahren Eckhart Tolle brachte. Andere wiederum lassen sich eher von Thích Nhất Hạnh inspirieren. Viele Wege führen zum Ziel.

Du solltest Dir also, anstatt mit dem Finger auf Andere zu zeigen und sie als hochmütig zu be- und verurteilen, gewahr sein, dass Du dabei mit 4 Fingern auf Dich zeigst. Du solltest Dir lieber die Frage stellen, ob Du ein freier Mensch bist. Gedankenfrei. Ob Du es Dir selbst erlaubst frei zu denken. Frei von Konventionen. Ob Du den Verlauf des schmalens Grats zwischen Hochmut und Demut wirklich bewusst festgelegt hast. Oder ist Dir das von der Gesellschaft bzw. durch die Erziehung so beigebracht worden? Beschäftige Dich lieber mit Dir selbst als mit anderen Menschen. Kehre vor Deinem eigenen Teppich, dort ist in aller Regel gut zu kehren. Deswegen bin ich so gerne mein härtester Richter. Mein nörgelndster Kritiker. Mein unzufriedenster Erzieher. Wenn ich mir die Zeit nehme mich mit mir zu beschäftigen, brauche ich mich nicht mehr so viel mit anderen Menschen beschäftigen. Höchstens hier im Blog. Aber das ist in Wahrheit auch nur ein Tagebuch, indem es um mich geht.

Und ich möchte den heutigen Artikel mit einem Zitat abschließen. Einem, das ich gestern Nacht entdeckt habe. Das mich wirklich aus den Socken gehauen hat. Weil es sich so wunderbar natürlich richtig für mich anfühlt und gleichzeitig auch schon lange mein täglicher Antrieb ist. Aber ich hätte es nicht besser in Worte fassen können. Darum verneige ich mich dafür vor dem Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway:

„Es hat nichts Edles, sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Wahrhaft edel ist, wer sich seinem früheren Ich überlegen fühlt.“

PS: Dass Manches von mir manchmal hochmütig wirken mag, verstehe ich. Das liegt am definierten jeweiligen Verlauf des Grats zwischen Hochmut und Demut jedes Einzelnen. Wie mir in diesem Artikel heute hoffentlich herauszuarbeiten gelungen ist. Aber es geht für mich um nichts Geringeres als das Besagte in diesem Zitat. Jeden Tag die neue beste Version von mir selbst zu sein! Ich kann mir nichts davon kaufen klüger zu sein als Andere. Oder schöner. Oder reicher. Oder trainierter. Oder was weiß ich. Aber ich gehe jeden Tag in eine neue Herausforderung. Die Challange gegen mich selbst, besser zu werden! Dass ich dabei automatisch den Einen oder Anderen überholen werde, liegt in der Natur der Sache. Aber es ist mir einfach egal. Es ist mir egal! Ich kehre vor meinem Teppich. Der ist schmutzig genug. Jetzt ist damit auch die Antwort auf den Titel des heutigen Artikels gegeben. Wem wir uns überlegen fühlen sollten.

Philosophischer Sonntag – Perspektivisches Sehen

Wieder mal irre.
Heute der erste Philosophische Sonntag © seit dem 16. April 2017 (Prä Philisophischer Sonntag – Einblicke eines ungewöhnlichen Schreibers). Wow.

Wenn ich meinen damaligen Artikel so lese, merke ich eigentlich wie gut in Form ich war. Mental und auch im Schreibstil. Wahnsinn im Vergleich zu jetzt gerade. Übung macht wohl auch da den Meister. Ein Schreiberling muss schreiben. Nicht nur eine Beziehung führen. Sonst wird er zum geübten und guten Beziehungsführer und weniger zum guten Schreiberling. Oder aber er ist am Ende beides nicht mehr. Kann auch passieren. Frau Schlange sei Dank. Wer Frau Schlange sein soll, dürfte klar sein. Dazu kommt noch ein extra Artikel.

Ich musste mehrmals selbst schmunzeln, über meinen eigenen bald 2 Jahre alten oben verlinkten Text. Da will ich mental wieder hin kommen. In diese Leichtigkeit. Dieses Selbstbild. Dieses Selbstbewusstsein. Es sollte vom damaligen Artikel an nur noch einen guten Monaten dauern, und ich hatte meine Traumfrau kennen gelernt. Und so soll es wieder sein. Bereit werden durch sich selbst bereit machen.

Nun, zurück zum Text.

Wahrheiten ändern sich

Früher hatte ich bereits darüber geschrieben, dass jeder Mensch sein eigener Mittelpunkt der Erde ist (Philosophischer Sonntag – Wo ist der Mittelpunkt der Erde?). Und genauso bildet sich auch jeder Mensch seine eigene Wahrheit.

Wie ich auf dieses Thema komme? Freitag Nachmittag hatten meine EX-Freundin und ich kurz gechattet. Ein paar sachliche Dinge eigentlich, zum Beispiel die Stornierung unserer erst vor wenigen Wochen gebuchten Urlaubsreise (wie surreal!). Aber es kamen auch ein paar Wortwechsel über uns und die Vergangenheit dazu. Und es ist erschreckend klar zu sehen, wie Wahrheiten sich ändern können. Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) sagte einmal sinngemäß: „Jedes Sehen ist perspektivisches Sehen.“

Und es ist erstaunlich zu beobachten, wie menschliches Sehen sich so verändern kann. Besser gesagt wie aus dem Sehen ein Interpretieren wird. Aus meiner Sicht wirkt es, als würde sich aus ihrer Sicht das Sehen in ein Bestimmte-Dinge-Dazu-Erfinden-Und-Andere-Dinge-Wegerfinden verändern. Bzw. es hat sich schon verändert. Da werden Dinge mit Dingen gerechtfertigt, die nichts miteinander zu tun haben. Da werden Argumente a posteriori vorgebracht, d.h. erst durch nachträglich erlangtes Wissen rückwirkend gerechtfertigt.
Beispiel: „Es war falsch von mir, dass ich Dich angelogen und betrogen habe. Aber als ich jetzt am Ende festgestellt habe, dass Du das und jenes getan oder nicht hast, zeigt es einfach, dass wir nicht füreinander bestimmt waren.“

Was für ein – philosophisch unsauber ausgedrückt – Bullshit par excellence.

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Das ist als wenn ein Räuber in eine Tankstelle kommt und dem Kassier eine Pistole an den Kopf hält und sagt: „Tut mir leid, dass ich das hier tue. Ich war jahrelang Dein Kunde und habe hier immer getankt. Dann habe ich VOR EINIGER ZEIT herausgefunden, dass Ihr das Benzin immer um 1 Cent teurer verkauft als die Konkurrenz. Ich bin zwar trotzdem WEITER zu DIR zum Tanken gekommen und habe deswegen NIE etwas zu Dir gesagt, aber wegen dieser Sache war es IMMER falsch, dass ich Euer Kunde war.“

Das ist kein perspektivisches Sehen mehr. Nicht im von Nietzsche gemeinten Sinne. Allerdings ist es verdrehtes Sehen. Selbst erfundenes Sehen.

Ich würde behaupten, sogar sich selbst gegenüber rechtfertigendes nachträgliches perspektivisch geändertes Sehen.

Meine Philosophischen Sonntage © zeichneten sich gemeinhin durch Harmonie und Leichtigkeit aus. Dieser hier ist anders. Er ist sicherlich ein ganzes Stück weit emotional geladen. Unüblich für einen Philosophischen Sonntag. Aber es ist wie es ist und was raus muss, muss raus.

Und die Moral von der Geschicht‘?
Verdreh‘ wenigstens Dein eigenes Sehen nicht.

Und die zweite Moral von der Geschicht‘?
Ärgere Dich über Unwahrheiten anderer nicht.

PS: Wenn es nur so einfach wäre…

Prä Philisophischer Sonntag – Einblicke eines ungewöhnlichen Schreibers

Es ist Sonntag, laut Wikipedia ist heute der ranghöchste Feiertag des Kirchenjahrs. Wikipedia sagt außerdem: „Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling […].“
Das ist wohl faktisch so, nicht nur postfaktisch.

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Aber heute wird es präfaktisch

Es wird ein Philosopischer Sonntag. Endlich mal wieder, Zeit wurde es. Obgleich es heute kein gewöhnlicher, weil gewohnter, wird. Es wird ein Prä Philosopischer Sonntag, ein Einblick in einen Sonntag aus meinem Leben. Ein Sonntag, der damit begann, dass ich kurz nach dem Aufwachen Lust bekam zu schreiben. Und dann tue ich das. Jetzt.
Aber der Reihe nach…

Ich wache auf in meinem gefühlt riesigen Doppelbett, wie immer auf meiner Seite. Als wäre jemand auf der anderen. Und mein Alltag an freien Tagen hat in kleinen Dingen Routine bekommen, eine andere als früher. Noch im Bett schaue ich mir erst mal Motivations-Videos an, Youtube macht es möglich. Nein, nicht diesen „tschakka-Du-bist-der-Beste“-Quatsch, sondern Videos zur Persönlichkeitsentwicklung. Natürlich auch „wie spreche ich eine Frau an?“, aber auch „worauf kommt es an, in der Ausstrahlung?“ oder „was ist Attraktivität?“. Könnte man nun sagen, „aber Du weißt doch inzwischen längst wie Du eine Frau ansprichst!“. Ja, natürlich weiß ich das. Darum geht es mir aber nicht. Es geht darum den Lebensstil zu festigen. Eine eigene – neue – Realität zu erschaffen. Bzw. zu erhalten und auszubauen. Keine Postrealität. In diesem Fall durch die Wiederholungsmethode. Je öfter Du etwas machst, desto besser wirst Du darin. Wo wir wieder beim Prinzip von Ursache und Wirkung sind. Es wäre arrogant zu glauben, dass man „etwas bereits kann“. Aus dem Standpunkt einer Fortschrittszeitachse kann man gar nichts. Relativ gesehen. Ein Christiano Ronaldo hätte mit 16 auch sagen können: „Ach, ich kann doch schon alles!“. Die Frage stellt sich dann nur nicht einmal, ob er später auch 2008 und 2016 Weltfußballer geworden wäre. Hätte er 2008 praktisch aufgehört besser zu werden, wäre er auch 2016 nicht erneut Weltfußballer geworden. Das ist es, was ich meine. Nicht aufhören besser zu werden!

Franz Beckenbauer soll mal gesagt haben: „A bisserl was geht immer!“

Es gibt aus meiner Sicht keinen besseren Start in den Tag, als sich beim Aufwachen bereits bewusst zu machen, worum es geht. Weiterbildung und Motivation zugleich. Jeder Coach hat eine andere Art. Jeder Journalist eine andere Ansicht. Jeder Lehrer eine eigene Didaktik. Also schau ich mir so viele an wie möglich, Coaches, Journalisten und Lehrer.

Während für mich Youtube seitlich liegend im Bett anlief, kamen ein paar Whatsapp-Nachrichten rein. Der Flugmodus in der Nacht sorgt für einen Stau auf der Datenautobahn.

Also ab ins Bad und kurz waschen. Ab in die Küche. Baguette mit Camembert, stand für mich schon im Bett fest. Mit Ei? Ja, heute schon. Ein Spiegelei, sunny side down – ich mag generell nichts Rohes.
Dazu kurz die Kaffeemühle angeschmissen, frisch gemahlene Espressobohnen in die Mokka-Kanne gepackt und ab dafür. Mit heißer Hafer-„Milch“, mal nichts von der Kuh. Denn ich bin ja auch kein Kalb.

(Anmerkung: Weil Du Dich an der Stelle bestimmt fragst: „Was kostet die Hafermilch denn?“ 😉 1,25 Euro bei DM, pro Liter. Man kann sie sich leisten, wenn man will. Und sie schmeckt besser als Milch, finde ich.)

Nur mal nicht größenwahnsinnig werden

Alleine esse ich meist auf meinem Couchtisch und nicht an meinem 6-Mann-Riesen-Tisch. Wobei es fast etwas königliches an sich hat, alleine auf einem der 6 Stühle zu sitzen. Ich überlege bei der Gelegenheit den Platz zu wechseln. An die Längsseite statt an der Breitseite, das wärs. Würde meiner gerecht(er) werden. Jetzt wird er größenwahnsinnig, der Junge.

Also ab auf die Couch, Playstation anschmeißen. Zum Frühstück?! Ja, zum Frühstück. Auf der Playstation gibts nämlich auch Youtube. Und? Richtig…! Da gibts die gleichen Videos wie auf dem Handy. Also gehts weiter mit der Bildungslektüre. „Was, wenn sie sagt, dass sie einen Freund hat?“ oder auch „Auftreten vor Gruppen“ oder „Was einen Mentor von einem Schüler unterscheidet“ und so weiter und so fort. Es gibt so viele Fragen und noch viel mehr Antworten. Letztens sah ich mir einen Vortrag über Outfits an, wie Mann sich kleiden sollte. Fand ich witzig, dass der Redner den selben Stil pflegt, einfarbige Hemden ohne Brusttaschen. Skinny Jeans. Keine Markenprahlerei. Dezente Accessoires. Es gibt also auch noch Männer mit Geschmack, dachte ich mir. Noch (?) nicht jeder läuft also herum wie ein Schlumpf.

(Anmerkung: Ich habe nichts gegen die Schlümpfe. Die finde ich sogar cool. Aber der Ausdruck „Schlumpf“ gefällt mir so gut und den nutze ich gerne als Synonym für grotesk aussehende Humanoide.)

„Wie läuft denn ein Schlumpf herum?“

Ganz ehrlich, einfach mal Augen auf in der Stadt. Fast alle, so viele. Wirklich. Da würde mich wirklich interessieren, besonders da ich so viele weibliche Leserinnen hier habe, was Ihr dazu denkt. Weibliche Leserinnen, gibts den Ausdruck eigentlich? Egal. Also Ihr wisst schon. Weibliche Leser halt. Oder weibliche Leserinnen. Euch meine ich in diesem Fall, nicht jedoch männliche Leser oder männliche Leserinnen. Euch nicht. Mich interessiert wirklich sehr, ob nur mir das so vorkommt, dass die meisten Männer (sagen wir die Jungs ab 18 – drunter wäre „Schlumpf“ ja für die meisten Kiddies noch ein Kompliment!) wie Schlümpfe herumlaufen? Bling bling hier und da, irrwitzige Farben der Schuhe (rote Sneakers!), Klamotten die so groß wie Zelte sind. Apropos enge/weite Klamotten, der Redner auf dem Youtube-Video hat etwas echt Gutes gesagt: „Du solltest die Klamotten formen, nicht die Klamotten Dich!“ Falsche (Kunst-!)Lederjacken, zerrissene Hosen mit so vielen Seitentaschen, als würde die Person selbst einen wandernden Rucksack mimen wollen. Dazu Tattoos so weit das Auge reicht und Piercings, die trotz vielen Gramm an zusätzlichem metallernen Körpergewicht auch keine bessere Seele aus dem Träger machen.

Prä- und Post-Philosophie

Und während ich das Youtube-Video schaue, sprudeln die Ideen für einen neuen Artikel. „Es ist Zeit für den Philosophischen Sonntag“, denke ich mir. Nur heute mal anders. Prä-philosophisch, sozusagen.

Und wo ich langsam ans Ende meines Artikels komme, wird mir bewusst, dass ich heute noch meine Präsentation fürs Studium fertig stellen muss. Es geht auch dort um Philosophie. Aufgabe ist eine Recherche zu einem philosophisch-wissenschaftlichen Text eines Philosophen aus der Neuzeit. Irrwitzig, dass ich Texte von Philosophen recherchieren und analysieren soll, wo ich doch längst meine eigenen Texte solcher Art schreibe. Das ist für mich Studium par excellence. „Post-Studium“ aus meiner Sicht. Meiner Zeit hinterher.

Oft kommen mir die Ideen für die Artikel live. Erst sobald ich dann anfange zu schreiben, passiert etwas in mir. Aus der Stille entwickeln sich Gedanken. Youtube läuft längst nicht mehr. Ich schreibe dann nur noch, und beschreibe. Dann ist das für mich wieder diese Art der Meditation, die mir so gut tut. Es geht darum sich weiter zu entwickeln, schrieb ich oben. Schreibe ich hier auch schon seit Monaten. Es geht aber auch darum – und das ist der zweite große Grund warum ich mich so wiederholend mit den gleichen Themen beschäftige – das eigene Profil zu festigen und zu schärfen. Verbesserung und Fortschritt sind zwei Dinge, denen viele Menschen nachjagen. Manchmal hilft aber auch erst mal stehen bleiben und schauen wo man steht. Und das was man ist, sich bewusst zu machen, anzunehmen und (auszu)leben. Verbessern kommt erst danach.

Ob das der Grund ist, warum viele Menschen sich stets verbessern wollen und letztlich nur irgendwo an sich herumdoktern, ohne auch nur einen Millimeter voran gekommen zu sein? Weil der eigene Ausgangspunkt unbekannt und deshalb unklar ist. Bleiben deshalb viele Menschen auch „nur“ kognitive Schlümpfe?

Und so wird aus einem prä Philosophischen Sonntag doch noch ein bisschen ein post Philosopischer Sonntag. Nicht wahr?

Philosophischer Sonntag – Alles über nichts

Der heutige Philosophische Sonntag wird ein kurzer. Einer zum kurzen knackigen Nachdenken. Wenige Worte statt vieler.

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Heute geht es um Besserwisser und Expertentum

Das ist nicht nur auf den Job zu beziehen. Es geht auch um das Privatleben. Die Tendenz auf unserer Welt geht immer mehr in Richtung Expertentum. Wer ist denn heute noch in der Lage relativ viel selbst zu tun? Kaum tropft mal ein Wasserhahn, benötigen wir einen Handwerker. Geht mal der PC nicht, dann muss irgendwer aus der Familie oder dem Freundeskreis einspringen. Bei Versicherungen haben wir schon drei mal keine Ahnung welche nun nötig ist und welche nicht. Sofort muss der Vertreter her. Beim Kochen wird nur noch exakt nach Rezept nachgemacht. Eigene Entscheidungen auf fremdem Terrain? Fehlanzeige! Alles Beispiele aus dem Privatleben.

Und im Job sieht es noch schlimmer aus. Da gibt es zig verschiedene Experten für jedes unterschiedliche System. Egal welcher Art. In der Produktion das Gleiche. Am Fließband macht jeder Arbeiter fast nur noch einen Handgriff, dafür den ganzen Tag immer den gleichen. Wie ein Roboter. Aber seinen Nachbarn am Posten daneben kann er nicht ersetzen. Selbst in den einfachsten Tätigkeiten sind wir Experten geworden. Experte für dies, Experte für das.

Ist das wirklich gut?

Es gibt einen weisen Mann, den ich sehr verfolge. Besser gesagt seine Reden und Texte. Und er sagt so schön:

„Die Menschen wissen immer mehr von immer weniger. Bis sie irgendwann alles über nichts wissen. Dann überschlägt es sich.“

Philosophischer Sonntag – Warum man nicht viel Glück braucht

Man, hast Du kein Glück gehabt!

Neulich im Telefonat mit einem Kumpel…
habe ich mich zum heutigen Philosophischen Sonntag inspirieren lassen…

… und wir kamen auf seine erfolgreich abgeleistete Theorieprüfung zu sprechen. Der junge Mann ( 😉 ) macht gerade seinen Führerschein. Stolz erzählte er mir davon, dass er seinen Theorietest bestanden hat. Weiter ging es dann um die Frage, ob er im Vorfeld viel dafür gelernt habe oder nicht.

Er sagte: „Es war klar, dass ich bestehe.“
„Ja, warum?“
„Weißt Du, meine Eltern haben mir vorher auch viel Glück gewünscht. Aber was ist Glück? Wer braucht schon Glück? Für wen soll Glück nötig sein? Glück ist etwas für Verlierer! Ich hab vorher viel gelernt, da brauche ich kein Glück!“

Manchmal haut er echte Statements raus, fast wie ein Großer! 🙂
(Anmerkung der Redaktion: Gehört hier zwar nicht inhaltlich in den Artikel, aber es unterliegt der journalistischen Freiheit des Blogbetreibers aus inhaltlichen Themen abzuschweifen und zu sagen: Ich liebe solche Ecken und Kanten an Menschen. Und noch mehr liebe ich sie, wenn sie gezeigt werden!)

Aber Recht hat er! Genau so sehe ich das auch.

Im heutigen Artikel habe ich die Pointe vorweg genommen und komme erst jetzt zu ein paar ergänzenden Worten. Normal führe ich stets zur Pointe hin, heute führe ich hinter her.

Schwein gehabt!

Glück ist etwas, das man haben kann. Oder nicht haben kann. Selten selbst beeinflussbar, echtes Glück jedenfalls. Fraglos sollte der eigene (Lebens-)Weg nicht davon abhängen. Es ist wie ein zusätzlicher Bonus. Nicht ein Bonus, sondern ein zusätzlicher Bonus. Der Bonus der Bonusse sozusagen.

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Wenn man am Jahresende einen Bonus erhält, einen finanziellen beispielsweise, dann freut man sich. Besonders wenn man damit nicht gerechnet hat. Weiß man aber im Januar schon, dass man in 11 Monaten ziemlich sicher einen Bonus bekommen wird, dann…? Ist die Überraschung weg! Der Bonus-Effekt geht verloren, bzw. erscheint nie, und der Bonus (das Geld) ist schon verplant, bevor es überhaupt auftauchen konnte. Tragisch, das nimmt dem Bonus die Magie. Und der Bonus ist an der Stelle nur eine Metapher für das Glück.

Glück kann man nicht kaufen. Glück kommt von Zeit zu Zeit und verschwindet selbstständig wieder. Man kann es aber manchmal ein bisschen (er-)zwingen. Manchmal muss man auch lange darauf warten, dass das Glück wieder zurück kehrt. Fortuna kann nicht mit allen Menschen gleichzeitig in die Kiste hüpfen. Auch wenn es so scheint, dass das Glück manchen Menschen in die Wiege gelegt wurde. In Wahrheit ist es meist anders. Meist steckt wirklich harte Arbeit dahinter, selbst wenn es so aussieht, als ob das alles nur Glück wäre. Und wenn es nur die Kunst des Umgangs mit dem in die Wiege gelegt Bekommenen ist, so ist es dennoch Arbeit und Disziplin.

Glück kommt von Zeit zu Zeit. Und dann darf man es dankbar annehmen und wirken lassen.
Und demgegenüber sollte Glück dennoch nicht nötig sein. Da hat er schon Recht, mein Kumpel. Wann immer man hart für etwas arbeitet, stellen sich die Resultate früher oder später (bei mir erfahrungsgemäß – bis auf das Thema Liebe 🙂 – eher früher als später!) von ganz alleine ein.

Pech, wie war das doch gleich?

Man kann auch mal Pech haben und ein Ding versauen. Pech ist in solchen Situationen nicht immer sehr simpel als das Gegenteil von Glück zu sehen. Pech gibt es ebenso in verschiedenen Varianten. Es gibt das gemeinhin bekannte: „Pech gehabt!“ Das kann man mit Faulheit gleichsetzen. Fast in allen Situationen liegt der Fehler im System. Also an Dir oder mir selbst. „Pech“ hat man nicht einfach, Pech erarbeitet man sich im Vorfeld. Meistens durch Faulheit, gespickt mit Unvermögen. Keine Sorge, an beidem kann man arbeiten. So hart es ist, aber es geht.

Es gibt aber auch das „echte Pech“.
Und das kann, genau wie Glück, genauso einfach von Zeit zu Zeit kommen und einem Menschen die hässliche Seite des Lebens zeigen. Selten kann man diese Art des Pechs wirklich beeinflussen. Und dennoch sollte auch aufkommendes Pech es nicht vermögen können das Leben aus der Bahn zu werfen. Dann ist man gesund. Wenn die Fundamente stimmen, kann Dir Pech genauso wenig anhaben, wie Dir Glück den alles überragenden Weitwurferfolg des Lebens bescheren kann. Es ist nur eine Illusion, an die zu viele Menschen glauben und irgendwann erkennen, dass Glück alleine nicht glücklich machen kann. Glück ist kein Selbstzweck!

Agonist und Antagonist?

Stimmen die Fundamente, blättert Dir Pech maximal ein bisschen das Makeup aus dem Gesicht.
Stimmen die Fundamente, ist Glück das i-Tüpfelchen.
Eines bedingt das Andere. Jeder Mensch hat manchmal Glück und manchmal Pech. Es ist die Kehrseite der gleichen Medaille. Lerne mit beidem umzugehen und als einen Bestandteil Deines Lebens anzunehmen.

Und darum verlasse Dich nicht aufs Glück. Glück kannst Du mitnehmen, wenn es kommt. Arbeite stattdessen hart, zuerst an Dir. Dann an Dingen. Und werde frei von Glück und von Pech. Werde stattdessen Dein eigenes Glück, täglich. Werde eine Glücksmaschine. Indem Du fleißig bist. Immer und überall. Zuerst mit Dir, danach in den Dingen im Außen. Dann wird klar, dass jede Glücksmaschine in Wahrheit eine Fleißmaschine mit eingebauter Erfolgsgarantie ist.

Stimmt schon so, Glück ist etwas, das Verlierer benötigen.
Gewinner nehmen Glück an, ohne es zu brauchen.

Ich habe nach dem Telefonat über die Aussagen meines Kumpels gegrübelt und mir bewusst gemacht, dass der tiefere Sinn daher wohl der Grund dafür ist, warum ich anderen Menschen vor anstehenden Aufgaben und Prüfungen schon seit vielen Jahren stets „viel Erfolg!“ wünsche…

Philosophischer Sonntag – Was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet

Es wird mit diesem Artikel ein sehr dünnes Eis, das ich betrete. So dünn, dass die meisten Menschen diesen Beitrag zwar komplett lesen, aber hierbei vermutlich mit ihrer Meinung aussteigen werden. Nicht beim Lesen des Artikels, denn dazu ist er viel zu interessant. Interessant anders. Aber die meisten Menschen werden im Anschluss aussteigen, und wenn nicht, dann spätetsens bei der Umsetzung.
Da ich aber nicht auf der Jagd nach möglichst viel Zustimmung bin, ist dieser Philosophische Sonntag für mich ein besonderer, und zwar in der Art, dass er nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

Es geht um die Frage, was eine gut gemeinte von einer echten Freundschaft unterscheidet. Klingt zunächst merkwürdig. Gut gemeinte Freundschaft? Echte Freundschaft? Was soll das?

Mir fällt immer wieder auf, dass Freunde untereinander Freundschaft still und heimlich folgendermaßen definieren: „Wenn Du in einer Sache nicht so denkst wie ich, dann sage ich Dir wie ich denke. Und ich will, dass Du in Zukunft auch so denkst wie ich. Denkst Du dann immer noch nicht so wie ich es will, dann bist Du nicht mehr mein Freund.“

Das gilt natürlich in einer Sache und Situation in aller Regel nicht für immer. Aber für wenige Minuten, beispielsweise für das Telefonat oder das eine Treffen, das soeben stattfindet. Es wird dann frostig im Miteinander. Es wird bisweilen auch leicht bissig. „Ja, musst Du selbst wissen wie Du weiter machen willst!“, kommt es dann mal um die Ecke gegiftet.
Kennt sicher jeder von uns.

Was steckt dahinter?

Es ist der Anspruch der einen Person zu glauben, dass seine eigene Meinung „besser“ sei als die des Freundes. Gut gemeint, eben. „Gut“ impliziert aber, dass die andere Meinung schlecht sei. Ist sie das wirklich…?
Sie ist anders. Punkt. Das wars. Nicht mehr als das. Sie ist anders.

Und in einer „gut gemeinten Freundschaft“ meine ich immer, dass das gut ist, was ICH FÜR GUT BEFINDE. Es wird ein allgemeingültiger Glaubenssatz, nennen wir es ein Dogma. In Wahrheit geht es in so einer Konstellation also gar nicht darum was der Freund wirklich will, gerade benötigt oder sich nur wünscht. Sondern es geht MIR in diesen Situationen darum, dem Freund das drauf zu drücken was ICH für richtig halte. Mit welcher Berechtigung? Wie kann ICH für IHN entscheiden was gut und richtig ist? Und noch weiter stellt sich die Frage: „Warum reagiere ich darauf mit Freundschaftsentzug?“

In einer Partnerschaft gibt es das übrigens mehr als genauso. Da äußert sich das dann letztlich in Liebesentzug, so gibts eben keine Streicheleinheiten, kein Kuscheln und keinen Sex mehr.

Und immer steckt das gleiche Muster dahinter. Dass man unzufrieden ist mit der Meinung des Anderen. Und es folgt Bestrafung dafür. Man kommt jedoch tatsächlich viel weniger mit der Meinung des Freundes nicht klar, als viel mehr mit sich selbst nicht.

Das mag ich näher erläutern: Wenn der Freund oder der Partner anders denkt als ich, dann ist das nicht schlechter oder besser. Komme ich mit der Meinung des anderen nicht klar, dann ist das MEIN Problem. Nicht seines. Denn er hat seine Meinung ja. Und die ist offenbar anders als meine. Und damit kommt wer von uns beiden nicht klar? Nochmal, richtig, ich! Also habe ICH ein Problem damit. Nicht er. Er bittet lediglich um Hilfe und Unterstützung.

Ich bin da längst anders. Komplett anders. Dank diesem langen Weg, den ich in den letzten Jahren eingeschlagen habe. Den kann ich als Weg zur eigenen Unabhängigkeit und Zufriedenheit nur gut heißen.

Wenn ein Freund eine andere Meinung hat als ich, dann nehme ich das wahr. Ich nehme es einfach nur wahr, indem ich es bemerke. Punkt. Und dann überlege und mitfühle und nachfrage, warum er so denkt. Um IHN zu VERSTEHEN.
Und wenn es anschließend darum geht, was für ihn gut oder schlecht ist, dann frage ich mich nicht in erster Linie was ICH für GUT oder SCHLECHT halte, sondern was ER für gut oder schlecht hält. Um zu…?

Und jetzt kommt der große Unterschied zwischen einigen wenigen und den meisten Freundschaften. Es ist hart das zu hören, ja ich weiß. Aber so funktioniert die Realität nun mal. Hart und ungerecht. Aber lieber echt, als gut gemeint. 😉

Der Unterschied ist nun, nachdem ich verstanden habe wie mein Freund (oder auch mein Partner) denkt, dass ich alles daran setze ihn in seinem Glauben zu bestärken und zu unterstützen. Er benötigt ganz offenbar Unterstützung. Und nicht in erster Linie immer einen klugen Ratschlag und Trick siebzehn. Keine Klugscheißereien. Das Hineinfühlen in die Situation des Anderen ist schon an sich so komplex, dass mir ein Urteil aus der Ferne gar nicht zusteht. Nicht weil es mir per se nicht zustehen würde, sondern weil ich die Situation AUS SEINER SICHT gar nicht EINFACH MAL SO nachempfinden kann.
Unterstützen kann ich nur etwas, das schon als Idee bei ihm vorhanden ist. Anderenfalls müsste ich etwas neu erschaffen. Das ist aber nicht gefragt in diesem Moment. Es geht darum für ihn da zu sein und seine Wünsche und sein Bedürfnis zu verstehen, mitzufühlen, sich einzufühlen und ihm dabei die Hand zu halten und ihm den Rücken zu stärken, bei allem was er als nächstes tut.

Das hat mit Kopf durch die Wand übrigens nichts zu tun. Denn wenn er seine Meinung ändert, von sich aus, weil er eine andere Einsicht erlangt (vielleicht auch auf einen von ihm erbetenen Ratschlag hin), dann werde ich wiederum seine Hand halten und ihm seinen Rücken stärken, wieder hinter ihm stehen. So lange, bis er die belastende Situation für sich vollständig auflösen konnte.

Es klingt bis hier hin abstrakt. Darum will ich ein Beispiel bringen.
Die meisten Menschen erfahren mindestens einen, meistens mehrmals im Leben, einen Trennungsschmerz nach dem Ende einer Partnerschaft. Und dann entsteht, zumindest wenn man derjenige ist, der das Ende nicht wollte – meistens aber für beide – eine Situation der Sehnsucht und der Leere. Und wenn man dann mit Freunden und der Familie spricht, hört man ganz ganz häufig den Spruch: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne!“

Was für ein Quatsch in dieser Situation! Das ist genau das Gegenteil dessen, was derjenige wirklich in diesem Moment benötigt. Er benötigt keine Ablenkung und keinen Ausweg in dieser Phase. Das kann erst später folgen. In diesem Moment ist nur pures Verständnis gefragt. Nicht mehr. Pures Verständnis und Mitgefühl in der Trauer.
Und wenn sich die Person einbildet, dass es noch nicht das wirkliche Ende der Beziehung ist, dann sollte man die Person bestärken und ihr Mut machen, um alles zu versuchen, um den eigenen Gedanken und Gefühlen nach zu gehen.
Auch wenn es relativ aussichtslos erscheint, dass man den alten Partner wieder zurück bekommt. Auch wenn MIR in diesem Moment klar ist, dass das vermutlich (!) nichts bringen wird.

Warum?

Weil es eines Tages – und das kann sehr lange dauern – so weit sein wird, dass die Person VON SICH AUS sagt, dass es nun genug ist. Genug gekämpft, genug gelitten, genug versucht.

Und meine Aufgabe als Freund ist es dann wiederum nur da zu sein, die Hand zu halten und hinter ihm zu stehen. Nicht mehr. Sicher nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Wann immer Du im nächsten Gespräch mit einem Freund oder mit dem Partner, sei es ein Telefonat oder persönlich, so eine Situation aufkommen bemerkst… derart, dass Dein Gegenüber eine Meinung zu einem Thema äußert und um Hilfe bittet, sei einfach nur für ihn da. Missachte nicht sein Denken, nicht sein (bisheriges!) Handeln. Nicht seine Absicht zum zukünftigen Handeln. Sei einfach da, halte seine Hand.

2017-02-12

Und um es mit einem sehr lebendigen Beispiel abzuschließen. Vielleicht hattest Du mal oder hast einen Hund oder kennst das Miteinander zwischen einem Hund und seinem Besitzer sehr gut. Wie reagiert der Hund auf alle Launen, positive und negative, des Menschen an seiner Seite?
Der Hund ist einfach für den Menschen da! Es ist für den Hund nicht wichtig, wie der Mensch denkt, was er denkt und warum. Der Hund hat kein Ego. Der Hund hat keine Meinung dazu. Und erst recht will er dem Menschen an der Seite seine Meinung in diesen Momenten nicht aufdrücken. Er legt sich still neben ihn, wenn er merkt, dass etwas gerade bei seinem menschlichen Freund nicht stimmt. Und ist einfach für ihn da…

Das ist für mich echte Freundschaft.

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2)

Zeitfenster.
Und Deine Rolle darin. Warum nicht Deine Rolle „dabei“?
Es soll in diesem Artikel wirklich nur um Zeitfenster gehen. Den Zeitraum zwischen Beginn und Ende. Und um Deine Rolle darin. Darin, im Zeitfenster. Nicht drum herum, deswegen schreibe ich nicht „dabei“.

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Sehen wir es konkret anhand meines Projektes. Danach philosophieren wir abstrakter, globaler und für jeden anwendbar.

Wann immer ich meine Füße vor die Türe setze, treffe ich unterwegs Menschen. Genau wie Du.
Auf dem Weg ins Büro. Auf dem Weg zum Einkaufen. Der ganz normale Alltag. Und dann treffe ich besonders häufig Menschen immer dann, wenn ich mich entschließe Menschen zu treffen! So einfach. Bei mir nennt sich das dann Daygame oder Clubgame. Das einzige Ziel darin besteht, Menschen zu treffen und sie kennen zu lernen. Natürlich mit der konkreten Absicht, die „richtige“ zu finden.
(Anmerkung: Ich werde sie finden!)

Und während all der Gesprächsversuche, die ich auf diesem Wege starte, gibt es höchst unterschiedliche und unvorhersehbare Reaktionen und Gesprächausgänge. Manche Gesprächsversuche finden nicht einmal einen ordentlichen Anfang. Weil die Frau es nicht für nötig hält mich beim Ansprechen auch nur anzusehen. Die meisten Gesprächsversuche bringen hingegen kurioserweise eine oberflächliche und sich schnell wieder in Rauch auflösende Konversation. Kurios deshalb, weil die meisten Frauen tatsächlich ein bisschen spielen wollen und mitmachen. Skuril ist das. Und ganz ganz wenige Gesprächsversuche stoßen sogar auf fruchtbaren Boden.

Und nach einigen Monaten in meinem Projekt stelle ich bereits jetzt mehr und mehr fest, dass es in den wenigsten Fällen direkt an mir liegt, ob meine Gesprächsversuche überhaupt einen ordentlichen Anfang finden, eine oberflächliche Konversation ergeben oder auf einen fruchtbaren Boden stoßen.

Es liegt an etwas viel weniger Beeinflussbarem. Am Zeitfenster.

Und zwar nicht an meinem Zeitfenster, sondern an ihrem. Mein Zeitfenster ist offen. Ich bin draußen, um Menschen kennen zu lernen. Den Anfang habe ich gemacht. Das Ende ist noch offen. Also habe ich Zeit und das Fenster weit geöffnet. Nicht für alles und für jeden. Aber jetzt für sie, die Frau die vor mir steht.

Nun zu ihr. Ihr Zeitfenster ist in aller Regel nicht geöffnet. Die Gründe sind manigfaltig. Sie mag einen Freund haben und deshalb niemanden kennen lernen wollen. Sie mag mich gerade im Moment unattraktiv finden. Sie mag der Meinung sein, dass ich komische Sachen sage oder merkwürdig bin, vielleicht weil ich mich getraut habe sie einfach so anzusprechen. Oder noch banaler, sie mag gerade einfach keine Zeit haben. Keine Zeit, um mit mir zu reden und sich überhaupt nur kurz anzusehen, ob es sich für sie vielleicht nicht doch lohnt mich kennen zu lernen.
(Anmerkung: Die mit großem Abstand wunderschönste Frau meines Lebens hatte ich vor einigen Monaten nur kurz angehalten und aufgrund Termindrucks ihrerseits nur zwei Minuten auf der Straße sprechen können. Dennoch haben wir Nummern getauscht und uns ein paar Tage später zum Date vereinbart. Sie erschien und es war ein besonderer Tag meines Lebens, an dem ich die bis jetzt hübscheste Frau, die ich je gesehen habe, gedatet habe. Manchmal reichen zwei Minuten. Manchmal reichen hingegen selbst 2 Jahre nicht.)

Zeitfenster ändern sich. Und das ist eine ganz ganz wichtige Erkenntnis der letzten Monate und sogar der letzten paar Jahre in meinem Leben.
Manchmal gehen sie auf und schnell wieder zu. Manchmal gehen sie erst nach langer Zeit auf. Manchmal gehen sie nie auf. Und manche Zeitfenster bleiben vielleicht sogar ein Leben lang geöffnet. Sagt man sich nicht nur so, im Himmel.

Die gleiche Frau, die Dir im ersten Moment Skepsis entgegen bringt, kann nach einiger Zeit hin und weg von Dir sein. Anders herum gab es viele Frauen auf meinem Weg, die zunächst hin und weg von mir waren und plötzlich davon geweht sind wie ein Tornado.

Mehr noch, es gab nach einer mehrjährigen Beziehung in meinem Leben nach der Trennung ein langes Zeitfenster, in dem nochmal etwas möglich gewesen wäre zwischen uns, um wieder zueinander zu finden.
Will heißen: Selbst gegenüber einem unendlich vertrauten Menschen, dem man das Schicksal des eigenen Lebens in die Hände legen würde, kann sich ein Zeitfenster schließen.
In diesem Fall schloss es sich. Mindestens für lange Zeit. Vermutlich für immer. Vielleicht auch nicht. Nur das Universum weiß das.

Zeitfenster kommen und gehen. Die gleiche Frau, die Dir heute eine Abfuhr erteilt, hätte sie Dir vielleicht gestern oder vor zwei Monaten nicht erteilt. Und in 2 Wochen in der Zukunft auch nicht. Gründe? Vielfältig!

  1. Sie ist seit gestern erst wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen.
  2. Sie findet Dich heute in Deinen Sneakers unattraktiv, ihr Ex hatte die gleichen wie Du. Die Schuhe ihres Ex assoziiert sie mit Dir und findet Dich durch das aufgekommene Déjà-Vu widerlich.
  3. Deine Frisur heute ist aus ihrer Sicht ein No-Go. Wenige Jahre später würde sie hingegen genau darauf stehen wie Du heute aussiehst oder Dich heute stylst.
  4. Vielleicht hat sie auch heute einfach nur ihre Tage und will schnell nach Hause, ist zickig und genervt.
  5. Vielleicht steht sie auf Männer, die mindestens 1,90 m groß sind und du bist vielleicht mit 1,88 m einfach zu klein für sie.

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sie soll die Unwägbarkeiten der Zeitfensterei exemplarisch zum Besten geben.

Heute ist sie vielleicht noch Single und offen für Neues. Sprich sie an. Morgen schon könnte sie stattdessen vergeben sein und das Zeitfenster wäre für immer geschlossen. Wenn Du sie denn überhaupt wieder sehen würdest. Auch dieses Zeitfenster könnte mit der einmaligen kurzen Begegnung für immer geschlossen sein.

Und treten wir ein paar Schritte zurück. Weg vom Pickup, lassen wir den Blick globaler schweifen.
Wie ist es im Job? Eine Stellenausschreibung hat eine Bewerbungsfrist. Innerhalb dieser Frist wärst Du der perfekte Kandidat. Außerhalb dieser Frist könntest Du tun und lassen was immer Du möchtest, Du wärst immer der falsche Kandidat. Weil es keinen Kandidaten geben soll.
Es ist auch in der Freizeit so. In Deiner Mannschaft. Alle haben seit Wochen hart für das Spitzenspiel trainiert. Jeder Deiner Mitspieler gab stets alles. Und noch mehr. Zwei Tage vor dem Match verletzt sich der beste Spieler Deiner Mannschaft. Und das Spiel geht knapp verloren. Der Eine hätte den Unterschied ausgemacht. Er war nicht da. Das Zeitfenster, zu gewinnen, ging schon vor dem Spiel zu.
So oder so ähnlich ist es täglich. Bei uns allen.

Jedes Zeitfenster wäre kein Zeitfenster, wenn es sich nicht irgendwann schließen würde. Sei Dir dessen bewusst! Handle entsprechend!
Handle jetzt, wenn das Zeitfenster offen ist.
Handle erst etwas später, wenn Du weißt, dass das Zeitfenster sich erst noch öffnen muss.

Das ganze eigene Leben ist ein einziges Zeitfenster…

… und was das genau mit DIR zu tun hat, darüber schreibe ich nächste Woche in meinem Philosophischen Sonntag. In Teil 2 über „Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin„…

Philosophischer Sonntag – Momente überholen sich

Endlich Sonntag. Zeit für etwas Philosophisches.

Philosophischer_Sonntag

Gestern fuhr ich nachts mit dem Auto auf der Autobahn zurück vom Familienbesuch nach Hause. Stockdunkel. Alleine, nur alle paar Minuten mal ein Auto. Ich genoss die Fahrt und wollte nicht früher ankommen als nötig. 130 maximal. Auf der mittleren Spur. Die weißen LED Scheinwerfer leuchteten die Fahrbahn aus. Links und rechts breiteten sich die Spuren gefühlt zu einer Flugbahn aus. Und ich empfand die Fahrt als eine in Richtung Horizont. Weite und Breite. Weit und breit alleine.

Die Boxen donnerten einen meiner Lieblingssongs, „Halo“ von Beyonce. Erhaben. Großartig. Gefühlvoll.

Und ich spürte in dem Moment eine Glücklichkeit. Glücklichkeit im Moment zu sein. Nicht glücklich über den Moment an sich und nicht glücklich über das Jetzt an sich. Nicht darüber, dass alles genau so ist wie es ist in meinem Leben. Sondern eine reine Glücklichkeit im Moment zu sein, ihn wahr zu nehmen. Als einen Moment. Natürlich kamen mir auf der Fahrt Gedanken zu früher und zu den letzten Monaten. Einzelne Ereignisse hier und da. Und ich konnte all diese Gedanken jeweils sofort und ohne umschweife wieder beiseite schieben.

Während mir Beyonce mit ihrem Songtext die Zukunft vorweg zu nehmen schien (wer den Songtext kennt…), hob ich ab. Eine Ebene nach oben. Von der Mikro-  zur Makro-Ebene. Raus aus dem einzelnen Gedanken. Rein in die Über-Gedanken. Und ich beobachtete mich selbst. Die Beobachter-Perspektive ist oft viel wichtiger als die eigene. So stellte ich mir selbst die Frage: „Wie lange mag dieses schöne Gefühl gerade anhalten?“

Das Leben im Jetzt fordert eine streng schonungslose Besinnung auf den stets aktuellen Moment. Moment für Moment. Sie lösen einander ab. Alles ist vergänglich, ist so eine zwangsläufige Erkenntnis. Wir alle machen unsere Erfahrungen mit der Vergänglichkeit, früher oder später. Leben im Jetzt heißt auch leben im Moment. Durch die Ablösung eines jeden Moments durch den nächsten, vergrößert sich auch die Erkenntnis über die stete Änderung von allem.

Mir fiel während der Fahrt bildhaft eine Gruppe Rennradfahrer ein. Wenn sie hintereinander im höchsten Tempo dicht an dicht den Weg entlang kurbeln. Bis der Hinterste ausbricht, alle überholt und sich ganz vorne einreiht. Damit die neuen Hinteren im Windschatten fahren können. Der sportliche Askpekt soll an der Stelle keine Rolle spielen. Das Überholen und erneute überholt werden ist Symbol für die Abwechslung der Momente. Zurecht kann man bemerken, dass das Überholen der Momente ein Selbstzweck des Lebens zu sein scheint.
Wir sind nicht gefangen im Eis. Also wechseln sich Momente stets ab. Sie überholen sich. Einer den nächsten.

Und bei allem Leben im Jetzt wird klar, was die Beobachter-Perspektive hervor bringt. Die sichere Erkenntnis, dass sich alles abwechselt. Auch der schönste Song mitten in der Nacht. Auch das schönste Gefühl, das man in dem Moment empfindet.

Im Jetzt zu leben wäre zu kurz gegriffen. Es ist weiter noch die Erkenntnis, dass sich ständig alles ändert. Selbst das tolle Gefühl mit Beyonce, alleine auf der Fahrt. Niemand anders der in dem Moment irgend etwas besser weiß. Niemand anders, der in dem Moment für einen entscheidet. Niemand anders, der Dich gerade beeinflusst.

Und das ist für mich das Besonderste dahinter. Zu wissen, dass – egal was passiert sein mag – dieses Gefühl von gerade, im Jetzt, wieder vergehen wird. Alles ist vergänglich. Wie die schönsten, so auch die schlimmsten Momente des Lebens. Es ist eine neue Stufe des Lebens im Jetzt. Es ist eine Erweiterung. Raus aus der Mikro-Ebene. Rein in die Makro-Ebene.

Alles wechselt sich ständig ab. So wie mit den Rennradfahrern. Das schenkt Trost in schlimmen Momenten. Und nimmt überschwängliche Euphorie in den schönsten Momenten. Die Kunst hinter dieser Erkenntnis liegt darin im vollständigen Bewusstsein im Jetzt zu Leben, ohne den Moment als integralen Bestandteil der eigenen Zukunft wichtig zu nehmen. Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Nur Jetzt. Wir sind nur da um zu lauschen. Und wir haben das sichere Wissen, dass sich stets alles abwechselt. Auch die schönste Fahrt auf der Autobahn im Dunkeln wird abgelöst werden. Durch den nächsten Moment. Vielleicht wenn man Zuhause ankommt. Vielleicht schon früher.

Momente lösen tatsächlich stets einander ab. Mehr noch, sie überholen sich. Lass Dich nicht überholen, sondern lausche. Und sei der Überholer. Oft genug kannst Du es nicht beeinflussen, wann ein Moment zuende geht. Kannst Du es aber, dann überhole, ohne überholt zu werden.
Und wann immer es nicht gelingt, kannt Du wissen, dass ein nächster Moment bereits um die Ecke wartet. Er wird kommen. Und Dich wieder ein Stück weiter mitnehmen auf Deiner Reise. Das Leben ist eine einzige Überholspur von Momenten. Nimm es an wie es ist und wann immer Dir ein Moment gefällt, kannst Du versuchen ihn zu entschleunigen. Und ein Stückchen länger zu genießen… im sicheren Wissen, dass auch der schönste und längste Moment überholt werden wird.

Philosophischer Sonntag – Globalisierung vs. was eigentlich?

Zum heutigen Artikel hat mich mein bester Freund gebracht. Er erzählte mir am Telefon vom Besuch seiner Mutter. Sie wohnt in unserer gemeinsamen Heimatstadt. Er und ich wohnten dort den Großteil unseres Lebens und wir wuchsen dort auf. Ein relativ kleiner Ort. Schön. Beschaulich. Überschaubar.

Er sagte am Telefon zu mir: „Mir ist beim Laufen durch die Stadt aufgefallen, dass immer mehr kleine Läden zu machen und nur noch die großen Ketten zu finden sind. Das finde ich nicht gut.“

Ja mein Freund, das nennt man Globalisierung. Das Geld ist längst bei immer weniger Menschen konzentriert. Die Umverteilung ist schon immer im Gange. Deswegen gibt es großgrundbesitzende Adelsfamilien (jahrhunderte und gar jahrtausende schon!) und Eigentümer von Großkonzernen (deren Namen den meisten unbekannt sind und vor allem für immer und ewig unbekannt bleiben sollen). Ein schleichender langsamer Prozess. Ein leiser. Und nicht erst am Ende geht die Schere immer weiter auseinander. Die Schere zwischen Arm und Reich. Dann gibt es immer mehr C&A’s, immer mehr Zara’s, immer mehr Burgerketten. Und der kleine Laden von nebenan macht zu. Tante Emma hat lange schon ausgedient. Tante Emma ist eben aber Deine Tante Emma. Mit Onkel Fritz. Das ist der ohne Sitz. Der Fritz. Die kennt man, die zwei. Die schauen nicht nach Mailand, Madrid, New York, Tokyo. Die schauen nur auf ihr Klein-Kuhdorf. Tragisch? Mitnichten!

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Die Frage ist, was man dagegen tun kann? Oder eben für ein anderes Miteinander. Erstmal muss man sich überlegen was denn das Gegenteil von Globalisierung ist. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen alleine für die Beantwortung dieser Frage mehrere Stunden grübeln müssten. Und auf keine Antwort kämen. Unser System ist NICHT darauf ausgelegt NICHT zu globalisieren.

Und doch gibt es das Gegenteil. Auch wenn dieses Wort fast nirgends genannt wird. Das verrät uns die Qualitätspresse nämlich nicht. Lieber immer größer, weiter, intenationaler. Ist aber auch ein Teufelswerk, wenn wir nicht alle schön brav mitmachen beim Globalisieren. TTIP ist doch so toll. Ein bisschen Gen-Mais hier und Gen-Fleisch dort.

Dem richtigen Menschen das richige Wort in die Hand gedrückt, würde das schon weiter helfen. Luther ist so einer. Dem würde ich vertrauen. Der hätte das einfach zu seinen Thesen gepackt und auch mit an die Tür genagelt.

Regionalisierung!

Zurück zu den Wurzeln. Man muss nicht jeden Stuss mitmachen. In vielen kleinen täglichen Dingen lässt sich die Auswirkung durch den Feldzug (ja!) der Großkonzerne nicht mehr aufhalten. Aber in anderen Dingen ist es möglich. Beispiele? Das tägliche Brot muss ich nicht beim großen Aufback-Discounter kaufen. Ich kann es beim örtlichen Bäcker holen. Es kostet mehr? Ja. Schön. Freut mich doch. Dann hat nämlich meine Tante Emma auch noch einen Job. Und ich das bessere Brot. Defintiv.

Man kann und sollte das Prinzip auch für das eigene Leben adaptieren. Weg vom Streben nach dem Höchsten, Größten und Schönsten. Hin zum Streben nach dem Eigensten. Dem Individuellsten.
Jeder von uns ist einzigartig. Nicht den großen Stars nacheifern. Nicht jeden Trend mitmachen. Nur weil viele Menschen bereit sind von Zeit zu Zeit vor einem Ei-Phone-Apfel-Geschäft zu kampieren, heißt das umgekehrt nicht, dass jeder von uns das machen muss. Auch wenn man uns das Glauben machen will. Nicht jedem Trend hinterher zu springen ist schon mal so ein guter Schritt. Nicht alleine schon weil allerorten so eine bekannte Burgerkette seine Pforten öffnet, muss ich durch die Pforten derer (un)heiliger Hallen schreiten. Ich kann auch einfach bei Tante Emma einen Burger kaufen. Die macht den auch ganz lecker. Da heißt er Frikadelle, Bulette, Fleischpflanzerl. Gibts auch mit Salat. Und sonstigem Grünzeug. Und auch mit Soße. Nur heißt er dann eben nicht „Big Mac“ oder „Whooper“. Tragisch? Mitnichten!

Und so sehe ich das auch bezogen auf mein Projekt. Es ist nicht nur mein Projekt. Jeder hat sein eigenes Projekt in seinem Leben. Immer.
Öfter mal einfach auf sich selbst zu schauen, anstatt den Blick nach außen zu lenken. Egal was der Typ aus Hollywood mag. Der trinkt vielleicht Nespresso. Ja, mag sein. Der George. Ich hol mir meinen Kaffee beim kleinen Röster vor Ort. Weg vom Blick zu den Stars. Hin zum Blick auf mich selbst. Ich bin der Star. Mein ganz eigener!

Regionalisierung statt Globalisierung.

PS: Danke mein Freund, dass Du mich auf diesen Artikel gebracht hast.

PPS: Das ist jetzt fast schon ein Artikel für meine Kategorie „Projekt politisch“ geworden. Dennoch liegt mein Fokus auf dem Philosophischen.
Und nein, ich bin kein Linker. Und kein Sozialist. Sondern Mensch. Das höchste Gut. 😉

Philosophischer Sonntag – Hammer und Nägel

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„Wenn das einzige Mittel, das man zur Verfügung hat, ein Hammer ist, dann muss alles aussehen wie ein Nagel.“

Erweitere Deinen Werkzeugkasten! Sei kein Hammer. Nicht nur. Dann sind alle Dinge und Menschen um Dich herum auch plötzlich nicht mehr nur Nägel!

Sei sensibel, sei einfühlsam. Sei rücksichtsvoll und menschlich. Sei souverän, geradlinig und dennoch empathisch.

Sei kein Hammer. Nicht immer. Trete ein in Resonanz zu Deiner Umgebung, sei es die Natur oder seien es die Menschen.

Sei weich zu Menschen und weich mit Dir selbst. Sei hart in der Erreichung Deiner eigenen Ziele. Sei weich im Loslassen, wenn Du dabei anderen weh tun musst. Sei aber hart, wenn Dir andere weh tun möchten. Sei Dir bewusst wer Du bist. Selbstbewusstsein kommt von Bewusstsein. Sei Dir also bewusst, Deiner selbst.

Lerne die Klaviatur des Lebens zu spielen. Sei kein Mono-Ton, sondern die Tonleiter selbst. Schwinge. Aber pendle nicht. Nicht zwischen ja und nein. Schwanke nicht. Schwinge mit dem, was Dir gut tut. Lass Dich gleiten und fließe.

Weich und sanft wie eine Feder eines Adlers kannst Du durch die Lüfte gleiten, anstatt durch Egoismus und durch Härte voran zu schreiten.
Nicht dem kurzfristigen Erfolg zu frönen, sondern beständig zu tendieren zum Schönen.
Mag der Weg auch noch so sonderbar und lang erscheinen, nichts wird Dich mit Deiner Seele mehr vereinen.
Es erfordert große Überwindung, dieser ausdauernde Weg zur Selbstfindung.
Genieße jeden Tag dieser Reise, denn jeder Moment ist kostbar auf seine ganz eigene Weise.