Zwischen berechtigter Subjektivität und Selbstverarschung

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel vorbereitet, aber bis heute nicht in die weite Welt abgeschickt. Immer wieder kam etwas dazwischen, vor allem besseres. Deswegen gibt es heute einen kurzen Artikel, das kann ich auch, wenn es sein muss. Besser kurz als gar nicht, oder? Das bin ich Dir schuldig, immerhin hast Du mich als treuer Leser möglicherweise über die letzten Monate ein bisschen vermisst… gib es ruhig zu. Und falls nicht, freue ich mich genauso. Also dann mal los.

Eigentlich sollte es in diesem Artikel um finanzielle Themen und meine aufgekommene Asexualität gehen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Keinerlei Interesse mehr an den weiblichen Mitgeschöpfen dieser Erde. Aber auch überhaupt keinen Groll gegen sie, falls Du Dich das fragen solltest. Ich mag alle Menschen grundsätzlich erstmal gleich gerne. Aber inzwischen einfach nicht mehr in einer Partnerschaft. Und genau genommen nicht einmal mehr für Zweckbeziehungen oder zum sonstigen Zeitvertreib. Wie konnte das geschehen?

Ich will es kurz machen, an der Stelle. Denn es soll mir heute um etwas anderes gehen. Aber dennoch ein paar wenige Worte dazu. Ich habe inzwischen einfach andere Prioritäten. Mir ist das Thema „finde Deine Traumfrau“ einfach nicht mehr wichtig. Um nicht zu sagen völlig egal. Irgendwie widert mich der Gedanke sogar ein bisschen an. Nicht wegen dem sexuellen Part, keine Sorge. Sondern wegen dem Verlust an Freiheit und Freizeit. Mein Leben ist mir inzwischen in der Form, wie ich es lebe, nahezu perfekt geworden. Jedenfalls für den Moment. Dass es anders werden wird, daran arbeite ich in Siebenmeilenstiefeln, doch dazu mehr in einem nächsten Artikel. Sehr aktiv und fleißig. Ich habe meine klaren Ziele fokussiert. Und diesen Zielen ordne ich alles unter. Anfangs habe ich meinen Wunsch nach einer neuen Partnerin bewusst unterdrückt. Inzwischen ist das nicht mehr nötig, ich verspüre diesen Wunsch einfach nicht mehr. Seit vielen Monaten.

Eine Granate zwischen den Regalen

Aber am Wochenende war es soweit. Ich erblickte nach etlichen Monaten der totalen Datelosigkeit einen weiblichen Zweibeiner in einem Supermarkt. Eine Grante vom anderen Stern. Endlich mal wieder ein optisches Aha-Erlebnis. Ich gebe zu, ein paar Mal bin ich mit meinem Einkaufswagen die Gänge auf und ab gelaufen und habe sie ziemlich gemustert. Dann kamen mir Gedanken wie: „Eigentlich könntest Du sie ansprechen“. Und ob Du es glaubst oder nicht, aber direkt hinterher folgte der Gedanke: „Oh je, am Ende kommt da wieder der gleiche bla bla Müll dabei heraus wie immer und es gehen wieder etliche Stunden verschwendeter Lebenszeit drauf. Denk an Dein Ziel, Junge! Finanziell frei wird man nicht beim Flirten!“

So. Aber Du kennst mich als den schonungslosesten Selbstreflekteur der Welt? Nein. Dann kennst Du mich nicht. Mein nächster Gedanke war nämlich: „Rede ich mir das nur ein oder traue ich mich in Wahrheit vielleicht nur nicht sie anzusprechen oder ich traue mich zwar, will aber einen Korb vermeiden?“

Wenn ich mir auch darauf möglichst ehrlich antworten würde, würde ich entschieden antworten: „Dieser Gedanke ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Ich spreche jede Frau überall und in jeder Situation an, egal warum und wie. Aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Frauen. Nicht für die ganze nächste Weile. Genauso wenig wie in den letzten Monaten.“

Und genau darum geht es mir heute. Ich sitze gerade in einem Hotelzimmer, Auswärtstermin. Laptop auf dem Schoß, im Bett. In einer Suite, ein normales Zimmer gab es nicht mehr. Auch okay. Großes Bett. Eigenes Bad und noch einen extra Raum mit Couch und großem Fernseher. Nutze ich alles nicht. Weder die Couch noch den zweiten großen Fernseher. Genauso wenig wie den ersten Fernseher im Schlafzimmer. Ich verfolge lieber Kurse, Charts und Börsennews. Das geht per Smarthpone und am Tablet. Also ist doch die Frage, ob das Erlebnis da am Wochenende in die Kategorie der berechtigten Einwände zählt oder ob ich mich restlos selbst verar***e?

Ich hätte natürlich tatsächlich um jeden Preis den Korb vermeiden können wollen. Oder Frauen sind mir tatsächlich auch einfach schei* egal geworden. Irgend etwas muss ja in mir schlummern, das mich ziemlich an diesem Mädchen kleben ließ. Jedenfalls meine Blicke. Aber irgend etwas muss ja auch in mir schlummern, das mich davon abhielt sie anzusprechen. Und es ist doch wahnsinnig spannend zwei Dinge herauszufinden, denke ich mir:

  1. Habe ich mich nur nicht getraut? Das können wir zumindest dadurch herausfinden, dass ich beim nächsten Mal einfach ein Mädchen anspreche. Oder einfach gleich ein paar.
  2. Und wie verhalte ich mich inzwischen, wo ich ganz offensichtlich (jedenfalls subjektiv) gar kein Interesse mehr an Frauen habe. Würde mir das mehr oder weniger Erfolg bescheren als früher? Erfolg worin? Spaß? Ernsthaftigkeit? Oder was.

Alles im Leben ist subjektiv und auf alles gibt es immer erst dann eine Antwort, wenn wir es ausprobieren. Natürlich mache ich mir viele Gedanken um mich. Lieber um mich, als um andere. Die meisten Menschen machen sich nur Gedanken um andere, wie krank ist das denn. Kommen mit sich selbst nicht klar und denken nur darüber nach was andere wohl von ihnen halten. Das ist mir total egal. Ich habe dieses Denken nicht mehr, schon lange nicht. Total subjektiv würde ich sagen: „Ich hätte sie natürlich ansprechen können, genau wie jede andere.“ Aber ist das auch so?

Irgendwie bin ich ja geneigt, jetzt wo ich auch mein eigenes Leben tatsächlich nicht mehr bitter ernst nehme wie früher (Du weißt schon, die Zeit als ich noch auf der Suche nach meiner vermeintlichen Traumfrau war)… es einfach darauf ankommen zu lassen und es herauszufinden. Ich verspüre nicht den Hauch eines Bedürfnisses mir selbst beweisen zu wollen, dass ich keine Ansprechängste hätte. Ich habe sie nicht. Punkt. Kannst Du mir glauben. Glaube ich mir selbst auch. Aber ich würde trotz allem zu gerne wissen, wie die Frauenwelt darauf reagiert. Darauf, dass ich die Frauenwelt gar nicht möchte. Ich spreche im Alltag oft irgendwelche Menschen freundlich an oder halte einen kurzen Plausch mit einer Kassiererin oder auch anderen Menschen. Aber ich suche nicht mehr. Ich will nämlich nicht mehr finden. Ich habe gefunden. Mich.

Wenn Blicke auffressen

Und jetzt bleibt der offene Punkt zurück, dass ich das Mädchen im Supermakrt mit meinen Blicken wohl fast aufgefressen hatte. Und dabei nicht einmal probierte, einen Korb zu kassieren. Schön wäre es gewesen. Mal wieder so ein totaler Korb, wie in meinen besten Zeiten. Aber auch das ist mir egal. Korb oder nicht Korb. Was ändert es schon. Es kostet Zeit. Zeit ist endlich in unserem Leben. Und ich will die Zeit nutzen, für mich, um so schnell wie möglich aus dem finanziellen Hamsterrad auszubrechen. Um wertvolle Lebenszeit zurück zu gewinnen. Falls es da draußen eine Frugalistin geben sollte, die vorzugsweise jung und hübsch ist, dann wäre das ein Spiel, auf das ich mich einlassen würde. Käme dann ihrerseits noch Herz dazu, wäre sie vielleicht eine Traumfrau. Aber wie groß stehen die Chancen, so ein Mädchen kennen zu lernen? Eben. Und jede andere bis zu dieser wäre was…? Richtig, reine Zeitverschwendung.

Appetit darf man sich ja wohl noch draußen holen, oder? Gegessen wird bekanntlich zu Hause. Und wer wartet dort auf mich? Richtig, mein Ziel der finanziellen Freiheit. Also allerlei Börsencharts, Chancen-Risiko-Verhältnisse und Renditeberechnungen. Das sind seit ca. 18 Monaten meine neuen Freundinnen. Und dabei werde ich erstmal bleiben, die finde ich ziemlich cool.

PS: Vielleicht mache ich mir einen Spaß und quatschen doch mal wieder ein paar Frauen aktiv an. Nur um meinen oben gestellten Fragen an mich selbst auf den Grund zu gehen. Um nicht weiter im Zwiespielt zwischen total berechtigter Subjektiviät und Selbstverar***ung hin und her tanzen zu müssen. Zu müssen? Sicher nicht. Müssen tun wir gar nichts. Lustig wäre es aber, es herauszufinden. Und weißt Du was, irgendwie ist mir das alles egal. Letztlich selbst dieser Artikel. Ich hätte so viel zu erzählen, habe einige Erfolge in letzter Zeit für mich verbuchen können. Für mich wirklich sensationeller Art. Aber nichts, das etwas mit Frauen zu tun hätte. Es ist mir einfach nicht mehr wichtig. Das habe ich wohl schon gesagt. Ich weiß. Wie würde unser Michael jetzt sagen, Du weißt schon… der Wendler, Michael…? Eeeegaaaaaaaal… 🙂

PPS: Endlich mal wieder ein Artikel von mir. Darüber freue ich mich am meisten. Yeah! Hoffe Du auch? 😉 *highfive*