Geburtstagsfeier mit Herrn van Onnetuschn und Speichelleckern

Am Wochenende war es mal wieder so weit. Ich war tatsächlich außer Haus! Kann man sich das mal vorstellen? Ich, das inzwischen so brave Lamm, hat sich getraut das Haus zu verlassen! Nur warum? Was war passiert? Habe ich mein Engelchen-Dasein wieder abgelegt, um mich wieder auf die Jagd zu begeben? Und was hat der Geburtstag von Herrn van Onnetuschn mit Speichelleckern zu tun?

Kurzer Exkurs zur Frage „Wer war nochmal Herr van Onnetuschn?“:
Das ist der werte Herr, den ich bereits seit der 1. Klasse kenne. Der kleine Junge, mit dem ich so ziemlich jeden Mist veranstaltet habe, den man im Laufe seines Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalters eben so veranstalten kann. Das ist die Person, die all die Dinge von mir weiß, die sonst keiner weiß. Das ist die Person, die ich zuerst anrufe, wenn mir ein echtes Übel widerfährt, beispielsweise das Beziehungsaus mit Fr. Schlange. Das ist die Person, bei der ich mich in Jogginghose auf dessen Couch setzen und die Füße hochlegen kann, ohne mit der Wimper zucken zu müssen. Selbst wenn dessen Freundin daneben ist. Das ist die Person, mit der ich zwei Beziehungen überlebt habe. Und der mit mir auch sein damaliges Beziehungsende durchgestanden hat. Und das ist die Person, der ich sogar einen Mord beichten würde. Während ihm beim Erzählen schon sofort klar wäre, dass es zwar ein Mord, aber absolut berechtigt gewesen wäre. Wir sehen uns als Brüder, nicht als Freunde. Hat man so einen Menschen in seinem Leben, kann man auf viele andere verzichten. Das ist Luxus. Dafür bin ich dankbar.

Waren es 2 oder 3 Weine?

Herr van Onnetuschn und sein Chef hatten sich entschlossen, eine gemeinsame Geburtstagsfeier zu veranstalten und luden zum langen Stelldichein. Beim Weinspezialisten mit einem 4-Gänge-Menü (oder waren es 5?!). Wir waren uns nicht sicher, ob uns im Laufe des abends nur 2 oder doch 3 verschiedene Weine gereicht wurden. Wir sinnierten und ich hätte schwören können, dass es 3 waren. Herrn van Onnetuschn schmeckte der erste so gut, dass er nach dem vermeintlichen dritten Wein nochmal den ersten orderte. Und siehe da, der Kellner erklärte, dass es bisher nur 2 verschiedene waren. Wir hatten Nr. 1, danach nochmal Nr. 1 und danach Nr. 2 bekommen. Oder so. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Zwischendurch wurden auch die Gläser gewechselt und perfekt war die Verwirrung!

Jedenfalls schmeckte der erste dem Herrn van Onnetuschn so gut, denn das war ein Italiener. Mit Trauben irgendwo von einem Vulkan in Küstennähe, irgendwas mit Bimsstein. Was weiß ich. Und leicht salzig war er wohl gewesen. Wie Du merkst, habe ich davon keine Ahnung. Der Wein schmeckte. Und der Kellner goss ungefragt immer wieder nach. Das ist für mich Edel-Weinkenner schon genug Information. Mehr muss ich nicht wissen. Aber die Sache mit dem Bimsstein fand ich lustig. So beugte ich mich hinüber zu Herrn van Onnetuschn und flüstere ihm zu: „Hallo, i bims!“

Der Chef von Herrn van Onnetuschn hat einen ausgeprägten Hang zum Luxus. Von nun an nennen wir ihn in diesem Artikel der Einfachheit halber „Herr Chef“. Jedenfalls passt zu dessem Luxus-Hang auch seine Freundin. Könnte die kleine Schwester von Fr. Schlange sein, obwohl sie älter ist. Genießt die Anerkennung und den Ruhm genauso sehr. Liebt das Blitzlichtgewitter und den Reigen der Komplimente. Mir war das nach wenigen Minuten bereits suspekt. Ich frage mich: „Welche Anerkennung und wofür?“ Und da kommen wir auch schon allmählich zum großen Kritikpunkt des Abends.

Wie verhält man sich zwischen Speichelleckern?

Wer mich kennt, der weiß, dass ich auf Understatement stehe. Eher Elder Statesman denn laut und schrill. Fr. Schlange war für meine Verhältnisse damals schon als Person sehr schrill. Weniger im familiären Umfeld, weswegen sie wohl bei allen gleichermaßen beliebt war. Aber wehe Du lässt sie auf die Piste los. Da konntest Du Dir nie sicher sein, dass sie nicht plötzlich mit irgend einem Typen ihren Spaß hatte. Halt! Doch. Du konntest Dir sicher sein! 🙂

Und so fragte ich zu Beginn der Veranstaltung Herrn Chef, wer denn die vielen Personen heute Abend seien. Ob es sich eher um Freunde oder eher um Familie handeln würde. Er begann zu stammeln. Mir kam das merkwürdig vor. Ich weiß ja nicht, wie es Dir so ergeht, aber wenn ich Menschen zu einer Feier einlade, dann kann ich Dir sehr genau sagen wer wer ist und woher und wie lange wir uns schon kennen. Aber gut, vielleicht waren es hautsächlich Personen aus dem Umfeld seiner Freundin, dachte ich mir. Und daher vielleicht auch die geistige Abstinenz. Herr van Onnetuschn brachte seinerseits nur seine Freundin und mich mit.

Planerischerweise hatte Herr Chef sich vorab Gedanken zur Sitzordnung gemacht. So dass ich ganz in der Nähe bei Herrn van Onnetuschn sitzen konnte. Die einzigen beiden Personen des Abends, die ich wirklich kenne, waren er und seine Begleitung. Herrn Chef habe ich zuvor vielleicht zwei oder dreimal kurz gesehen. Der ganze restliche Haufen wir mir neu. Es war bunt gemischt. Ein Querschnitt der Bevölkerung. Das meine ich genau so. Da war alles dabei. Von Möchtegern bis Unauffällig. Manche trugen ein einfaches Shirt. Die Damen waren unterschiedlich attraktiv gekleidet. Und von den Herrn trugen manche Anzüge. Ich trug einen Dunkelblauen und ein weißes Hemd. Hemden trage ich ja immer, meist jedoch ohne Sakko. Das werde ich mir definitiv abgewöhnen! Und stattdessen öfter Sakkos tragen. Hat einfach etwas für sich. Gefällt mir. Mag ich.

2020-02-17

Nun, ich bin eher selten in für mich neuen Personengruppen zugegen. Allerdings nehme ich solche Gelegenheiten gerne wahr. Neue Kontakte. Neue Menschen. Immer gut. Herr Chef platzierte mir gegenüber zwar eine Dame, allerdings war diese deutlich älter als ich. Zudem bereits vergeben und als Person nicht wirklich interessant. Macht nichts. Wir sind ja nicht auf Frauensuche. Jedenfalls nicht mehr inzwischen. Hat also alles sein Gutes. So kann ich mich auch mit Frauen unterhalten, die mir weder gefallen noch mich in irgend einer Weise inspirieren.

Zurück zu Frage von vorhin, wer denn die vielen Personen seien. Alle kannten sie Herrn Chef mehr oder weniger. Die Betonung muss eher auf weniger liegen. Keine Familienmitglieder. Und wenn ich Einzelne nach ihrem Verhältnis zu Herrn Chef fragte, kam auch von deren Seite eher gestammel. Mir war irgendwann klar, dass das hier ein bunter Haufen von Fremdlingen war. Allerdings ein sehr speichelleckender. Warum ich dort war, war mir klar. Herr van Onnetuschn ist mein bester Freund aus Sandkastentagen. Und Herr Chef ist sein Chef. Und sie hatten vor, gemeinsam Geburtstag zu feiern. So einfach ist das. Ich wüsste allerdings nicht, was ich auf der Geburtstagsfeier von Herrn Chef zu suchen hätte, wenn ich Herrn Chef gar nicht wirklich kenne und auch sonst keinerlei Bezug zu ihm herstellen könnte.

Die Menschen dort lachten und amüsierten sich. Nun, auf Kosten des Herrn Chefs. Und ich glaube das hält als Begründung für deren Anwesenheit mehr als her. Perfekt organisiert war der Abend, wie ich schon sagte. Nach dem Essen ging es mit mehreren bereits bestellten Taxis in einen Club. Lounge war reserviert. Der Champagner kam. Eine Flasche, zwei… drei… mit Feuerwerk. Mir alles egal. Ich trinke normal gar nicht, aber an dem Abend hatte ich mich zuvor beim Abendessen auf den Wein eingelassen. Da brauchte ich nicht noch mehr, im Club sowieso nicht. Mir war eher nach tanzen und umsehen.

Der Laden war allerdings nicht meins. Die Musik war vollkommener Schrott. Entsprechend auch das Publikum. Sag mir welche Musik läuft und ich sage Dir, wie die Frauen dort aussehen. Puh! Nun… egal. Dann hab ich mir das Umsehen eben verkniffen. Und mich mehr mit Herrn van Onnetuschn amüsiert. Wir hatten definitiv unseren Spaß und ließen es uns gut gehen. Und machten uns lustig über alles Mögliche. Auch über die vielen Speichellecker in der Gruppe. Wobei uns Herr Chef persönlich leid tat. Muss man nicht vorhandene Freunde mit Luxus ertränken? Braucht man denn Freunde überhaupt? Kann man auch ohne klar kommen, zumindest zeitweise? Oder würde ich mich lieber mit Speichelleckern umgeben, nur um nicht alleine ausgehen zu müssen? Könnte ich meinen Geburtstag auch alleine feiern? Fragen, die mir danach in den Sinn kamen. Fragen, die ich für mich klar beantworten kann.

Sprich mit einer Frau immer über Beziehungen

Mir ist das alles egal. Ich komme überall gut klar und mache notfalls mein Ding. Das blieb dann auch nicht der Dame verborgen, die mir beim Essen gegenüber saß. Du weißt schon, die ältere Vergebene. Sie suchte im Club meine Nähe und wollte quatschen und tanzen. Nun, fürs Quatschen bin ich immer zu haben. Fürs Tanzen zu zweit weniger, mag ich nicht so. Kann ich auch nicht wirklich, wie Du vielleicht weißt. Allein ist der Mann. Ich hatte mir damals vorgenommen, dass ich meine Fähigkeiten im Paartanz verbessern würde. Habe ich inzwischen verworfen. Wozu. Keine wichtige Fähigkeit. Besser die Zeit investieren in Dinge, die mehr Rendite bringen. Sport. Ernährung. Oder Finanzen.

Wir unterhielten uns vor allem über Beziehungen. Das ist ein sehr empfehlenswertes Thema. Frauen können noch so langweilig sein, unintelligent oder sonst etwas. Aber beim Thema Beziehungen kommen sie alle aus sich heraus. Beim Abendessen passte das nicht, da ging es eher um allgemeinen Smalltalk. Aber nachdem der Alkohol (bei den Anderen) schon stärker geflossen war, fielen auch die Hemmungen zunehmend. Und so schneide ich spätestens dann gerne spannendere Themen an. Wir unterhielten uns über ihre Beziehung. Und über meinen derzeitigen Status. Ich sprach das, was ich denke und das was ich fühle. Wie immer. Und ich machte wieder einmal die Erfahrung, dass das scheinbar unglaublich attraktiv wirkt. Plötzlich kleben die Damen dann an Deinen Lippen und erzählen ihrerseits mit strahlenden Augen. Endlich hört ihnen wohl mal jemand so richtig zu.

Ich kann mir das nur so erklären: Die Gesellschaft beschäftigt sich größtenteils mit Objekten und fest vorgegebenen Mustern, genannt Alltag. Wenn dann einmal jemand kommt, der die emotionalen Themen in Dir triggert oder aufgreift, fühlst Du Dich nicht nur unterhalten, sondern verstanden. „Endlich jemand, den das Gleiche beschäftigt wie mich“, oder so ähnlich. Mir geht es dabei ein gutes Stück weit tatsächlich um die Erforschung weiblichen Denkens. Jedes Gespräch bietet die Chance, wieder etwas mehr von der Frauenwelt zu verstehen. Und nach ein paar Minuten bist Du soweit, dass Du sie eigentlich fragen könntest wonach Dir ist und Du würdest von ihr eine ehrliche Antwort erhalten. Selbst bei Fragen, bei denen 9 von 10 Frauen rot werden würden. Auch da glaube ich, dass die meisten Frauen froh sind, wenn sie mal mit einem Mann ernsthaft, aber nicht in bitterem Ernst, sich ganz normal mitteilen können.

Es ist nicht kalkuliert, was ich tue. Wenn ich mich hinstelle und sage, dass ich derzeit keine Beziehung möchte, da es in diesem Lebensabschnitt einfach an der Zeit sei, mich um mich zu kümmern. Und dass mir im Laufe der Jahre aufgefallen sei, dass die meisten Menschen mir nichts zu geben haben. Da sie selbst nicht wüssten wer sie sind und was sie möchten oder was ihnen gut tun würde. Sie bestätigte meinen Eindruck aus ihrer Erfahrung. Gleichzeitig versuchte ich ihr aber bei allem Individualismus klar zu machen, dass eine Beziehung aus meiner Sicht gepflegt werden müsste. Selbst wenn Kinder da seien. Besonders dann. Es könne nicht sein, dass eine Beziehung in den Hintergrund rücke, nur weil plötzlich Kinder da wären. Aus meiner Sicht sollte der Partner immer an erster Stelle stehen. Und gleichzeitig sollte jeder dennoch seine eigenen Themen fokussieren und sich selbst entwickeln können.

Ab dem Zeitpunkt wurde ich kaum mehr in Ruhe gelassen von ihr und ihren Freundinnen. Ich sollte mich unbedingt näher zu ihrem Platz begeben und mit ihnen tanzen und eine ihrer Freundinnen kennenlernen. „Nein danke!“, dachte ich mir. Die besagte Freundin war einfach nicht attraktiv. Und Attraktivität ist in meiner gegenwärtigen Situation die einzige Währung, mit der eine Frau mich bezahlen kann. Liebe war es mal. Aber das Thema ist so löchrig wie ein schweizer Käse. Wie sollen Menschen andere Menschen wirklich lieben können, wo sie sich doch selbst nicht lieben und teilweise schon selbst nicht ausstehen können? Ich habe dafür Verständnis. Also suche ich gar nicht nach echter Liebe. Mir würde schon eine Frau (gilt auch umgekehrt!) reichen, die zur Abwechslung einfach noch alle Tassen im Schrank hat. Von Liebe spreche ich gar nicht . Vergiss es. Ich suche auch nicht nach einem weißen Tiger.

Erkenntnisse des Abends

Guter Wein ist eine tolle Sache. Ein Mehr-Gänge-Menü ebenfalls. Aufmerksame Kellner sind toll. Der Chef von Herrn van Onnetuschn ist nicht arm. Seine „Freunde“ sind größtenteils gar keine, sondern elendige Speichellecker. Der letzte Clubabend mit Herrn van Onnetuschn ist über 10 Jahre her, jetzt war es mal wieder so weit, Klasse! In einer mehr oder weniger erhabenen Runde zu sitzen und sehr seriös zu tun ist das Eine, kindische Gespräche mit Herrn van Onnetuschn sind aber viel cooler. Dafür braucht es kein Mehr-Gänge-Menü oder teuren Wein. Mit, ist es aber auch gut. Habe es genossen, mal wieder unter ganz andere Menschen zu kommen. Und besonders genossen habe ich es, Herrn van Onnetuschn „in seriös“ zu erleben. Ich könnte mich innerlich wegwerfen, wenn ich Dir zusehe wie Du mit den anderen Leuten sprichst… wo ich Dich doch als ganz normales kindisches Wesen kenne! So wie ich es eben auch bin!

Danke an Herrn Chef und an Herrn van Onnetuschn für den schönen Abend und die Einladung!

PS: Lieber Herr van Onnetuschn, ich bin froh, dass wir beide keine Speichellecker sind. Und ich bin auch froh, keiner sein zu müssen. Warum müssen? Ganz einfach: Wenn ich Bock darauf hätte, mir ein 5-Gänge-Menü zu gönnen und einen Champagner mit Feuerwerk im Club, dann würde ich es tun. Tun können. Heute. Morgen. Und am nächsten Wochenende schon wieder. Nur wozu? Ich quatsche lieber mit Frauen über Beziehungen und die Unterschiedlichkeit der Geschlechter. Gibt mir mehr. Und kostet nix. Sparquote hoch halten!

PPS: Wenn das alle Wohlhabenden so sehen würden, bräuchten sie den Sch***-Luxus nicht und würden umgekehrt automatisch mehr Menschen in ihr Leben ziehen, die aufrichtiges Interesse an ihnen hätten. Generation Fake eben. Traurig. Aber auch da gilt: Nicht jammern, sondern das Beste daraus machen. Inwiefern? Jede Frau ist froh, wenn Du ANDERS bist. Also sei anders, das ist alles. Sei geradeaus. Sei klar in der Aussage, aber emotional in der Tonalität. Danke Generation Fake, Du machst die Welt so einfach zu meistern! Dank Dir ist jeder Mensch froh, wenn er einmal einen Strohhalm findet, an dem er sich festhalten kann. Nur will ich gar nicht mehr der Strohhalm für jemanden sein…