Warum ich anfange Romane zu lesen

Derzeit lese ich „Der perfekte Eroberer“ von Maximilian Pütz, vom vielleicht bekanntesten und erfahrendsten Deutschen Pickup-Trainer. Mittlerweile ist er Autor dreier solcher Bücher zum Thema Pickup und Verführung.

Dieses erste Werk von ihm stammt aus dem Jahr 2011 und obwohl ich etliche Pickup-Lektüren und -Videos kenne, fasziniert mich der Inhalt dieses Buches doch enorm. Ich hatte mich mit Maximilian Pütz bislang kaum auseinander gesetzt. Der erste Eindruck sprach schon damals – vor ca. 3 Jahren – irgendwie gefühlt gegen ihn. Er ist nicht gerade der optisch Attraktivste, ganz im Gegenteil. Kommt irgendwie auch erst mal etwas plump an. Mit zunehmendem Alter wurde er etwas übergewichtig und auch sein Klamottenstil ist mit meinem nicht gerade kompatibel. Aber er verkörper etwas, das kaum ein anderer Pickup-Trainer mitbringt: Ehrlichkeit und Authentizität. Und das habe ich erst bei näherer Betrachtung vor wenigen Tagen festgestellt.

Er lebt seinen eigenen Lifestyle, schert sich nicht um die Meinung anderer Menschen und zieht sein Ding durch. Dabei scheint er sehr integer, aber humorvoll und authentisch zu sein. Das schätze ich an ihm. Es geht in seinem Werk weniger um coole Aktionen und „wie stehe ich gut da?“-Fragen. Sondern er propagiert Freiheit, eigene Gedankenfreiheit und sich anschließende Handlungsfreiheit. Jeder Mensch sollte tun und lassen was er möchte, ohne Ängste. Und was ihn für mich so außergewöhnlich lesenswert macht: Er ist ein Positivmensch, der nach dem Motto „alles darf, nichts muss“ lebt. Das finde ich tatsächlich einzigartig. Er hält die echte Liebe hoch und ist kein „möglichst viele Frauen“-Flachleger. Und an der Stelle werden wir kompatibel.

Ihm gaben und geben Beziehungen wesentlich mehr im Leben als viele One-Night-Stands, schreibt er. Das begeistert mich. Das kenne ich so in der Form von anderen Pickuppern nicht. Ich könnte fast das Gefühl bekommen, dass er der ideale Coach für das Projekt Beziehung Teil 2 sein könnte. 🙂 Und er spricht die Dinge von ihrer natürlichen Seite an. Beispiel: Er lehrt keine auswendig gelernten Floskeln, also keine Routinen, wie es im Pickup-Jargon heißt. Sondern er lebt die Authentizität mit Leib und Seele. Und seinen eigenen Erzählungen nach ist er ein hoch emotionales Wesen.

Genau an dem Punkt hat er mich erwischt. Er predigt immer wieder, DEN wesentlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern verstehen zu lernen. Frauen sind emotionale Wesen, Männer dagegen rationale. Klingt so banal, aber was heißt das genau? Deshalb entstünden oft keine echten Flirts. Der Mann sei meist zu roboterartig. Zu sachlich. Damit am Ziel vorbei und somit langweilig, aus Sicht einer Frau. Einer der wesentlichen Aspekte in der Beziehung zwischen Mann und Frau sei seiner Erfahrung nach die Emotionalität. Der Kontakt und das Bewusstsein für die eigenen Gefühle. Nur dadurch sei es einem Mann möglich, die Gefühle einer Frau anzusprechen und ihr Herz im Sturm zu erobern. Es klingt so einfach bei ihm. Auch in seinen Videos. Ich nehme ihm das definitiv ab. Nicht ohne Grund war er bestimmt im Laufe seines Wirkens immer wieder auch Gast in Talkshows und Sendungen als „deutschlands bekanntester Verführungstrainer“.

Und neben vielen anderen Aspekten rät er dringend dazu, eben an der eigenen Emotionalität zu arbeiten. Obwohl ich das Buch erst zur Hälfte durch habe, ist es für mich jetzt schon Gold wert. Ich werde mir die anderen beiden Nachfolgewerke auch noch organisieren. Jedenfalls gibt er eine Reihe von Tipps, wie Mann an sich selbst arbeiten kann, hinsichtlich der eigenen Emotionen. Seine Ansätze sind ganzheitlich. Erstmal sollte der Mann begreifen, dass er nicht nur alleine zurecht kommen sollte, sondern lernen sollte sich selbst zu genügen. Erst wenn er glücklich mit sich selbst sei, wäre es möglich weiteres Glück durch das Hinzukommen einer Frau im eigenen Leben zu empfinden. Anderenfalls verfalle der Mann wieder in die Beta-Rolle, werde unglücklich, sehe die Beziehung und die Frau als das einzig wahre im Leben an und wundere sich dann doch nur wieder, dass es „mal wieder“ nicht geklappt habe.

Kurzer Exkurs zu mir: Ich wurde zwar nicht betaisiert, eher die Frau wurde mein Lebensmittelpunkt. Auch keine gute Voraussetzung für das Gelingen einer Beziehung. Sich selbst schleifen zu lassen bedeutet immer auch die Partnerin schleifen zu lassen. Ich denke, dass dies eine zwangsweise Folge darstellt. Eine, die wir erst ganz spät – zu spät – erkennen können.

Ich erkenne da Parallelen zu mir: Damals vor der Beziehung war ich ziemlich glücklich mit mir selbst. Natürlich dank dem Pickuppen und meinen ganzen Erfolgen. Der größte Erfolg war für mich allerdings nicht, viele Frauenkontakte zu haben, sondern es war der Durchbruch zu meinem Selbst. Ich fand mich. Ich fand keine Frauen, sondern mich. Ich habe mich entdeckt und gelernt zu verstehen wer ich bin und was ich möchte. Dabei stellte ich fest, dass eine Frau mir nicht DIE totale Erfüllung bringen muss und auch nicht kann. Tatsächlich, so war es. Es gibt nicht DIE Erfüllung, sondern wenn dann schöne und zueinander passende Lebensumstände zwischen Menschen. Menschen kommen und gehen jedoch. Oft ungewollt. Besonders dann, wenn wir den Weg zu uns selbst verlassen. So bei mir geschehen. Die Beziehung wurde also mein Lebensmittelpunkt. Und ich war als Pickupper zuvor ein guter Zuhörer geworden, ruhig, stiller als früher. Gefühlsmensch und Herzmensch. Das lernte ich. Mich mehr am Gegenüber zu erfreuen als an mir selbst. Geben statt nehmen. Etwas, das Maximilian Pütz für Essentiell hält. Ein guter Zuhörer, aufrichtig und durchdrungen voll Liebe zu sein.

2019-04-30

Diesen Weg zu mir selbst habe ich in der Beziehung verlassen. Ich hatte aufgehört der gute stille Zuhörer zu sein. Die Frau wurde also der Lebensmittelpunkt. Alles andere wurde unwichtig. Und dies, so sagt er, sei fast immer – früher oder später das Todesurteil für eine Beziehung. Es nimmt jeden Reiz aus einer Beziehung heraus. Denn das sei der Grundstein fürs Fremdgehen. Das ist jetzt vereinfacht dargestellt. Aber ich kann das bestätigen. So war es auch bei ihr. Nicht bei mir, denn ich bin anders. Ich liebe oder liebe nicht. Und wenn ich liebe, bleibe ich dabei. Aber egal. Nicht alle Menschen sind aufrichtig und Kämpfer. Anderes Thema.

Der Autor geht schonungslos offen mit dem Unterschied zwischen Frau und Mann um, beispielsweise was eine Beziehung aus deren jeweiliger Sicht unterscheidet. Ich kann nicht alle Inhalte dieses Buches an der Stelle wiedergeben. Aber ich kann sagen was ich für mich mitnehme, jetzt schon. Bei der Hälfte. Und das ist sein Tipp, an der eigenen Emotionalität zu arbeiten. Tanzen, singen, Tagebuch schreiben, sich mehr mit Kindern beschäftigen… alles Dinge, die mit Gefühlen und Emotionen zu tun haben. Tagebuch schreibe ich ja nun wirklich recht fleißig. Meine Geschichten sind nun in der Regel nicht gerade literarisch blumige Erzählungen, allerdings spiele das nicht so die Rolle. Wichtiger sei, sich mit seinen eigenen Gefühle auseinanderzusetzen. Das tue ich hier jedes Mal.

Und dann kommt ein weiterer Wichtiger Tipp: Romane lesen! Etwas, das ich bis jetzt in meinem Leben gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Zeitverschwendung, dachte ich immer. Aber Maximilian Pütz hat Recht wenn er sagt: Frauen stehen auf Gefühle. Diese werden auch durch die Sprache transportiert und erzeugt. Also solle man viele Romane lesen, gerne Liebesromane. So entwickle sich das Gefühl für die emotionale Welt. Und als Mann solle man lernen, so zu sprechen wie die Schriftsteller in solchen Büchern schreiben. Nicht geschwollen, völlig klar, sondern lernen bildgewaltig zu sprechen.

Die Frau solle sich köstlich außergewöhnlich unterhalten fühlen. Die Emotionalität ist dabei nur ein Baustein. Er benennt noch weitere. Beispielsweise: Respekt vor sich und dem Gegenüber. Das ist allerdings kein Schwachpunkt von mir. Als spiritueller Mensch respektiere ich jeden. Klassendenken habe ich nicht. Ich verhalte mich einem Anzugträger gegenüber genauso wie einem Straßenverkäufer. Auch die Selbstachtung spielt da mit rein. Das ist auch keine Schwäche. Ich war auch in der Beziehung kein Beta. Und ich zeige klare Grenzen auf, wie er auch in seinem Buch fordert. Aber man solle neben all dem vor allem aufrichtig und ehrlich lieben. Und wenn ich etwas kann, dann das. Scheinbar erdrücke ich regelrecht mit Liebe. Das ist wohl eher das Manko.

Auch solle man täglich versuchen an sich zu arbeiten. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber er gibt auch hier wertvolle Tipps: Geh auf Arbeitskollegen zu und spreche ganz bewusst Gefühle an. Drücke Dich gefühlvoll aus und äußere Deine inneren Gefühle. Gute oder schlechte gleichermaßen. Nichts sei schlimmer als ein sachlich sprechender Roboter. Frauen langweile das. Das war mir schon irgendwie immer klar. Aber ich bin schon eher ein verkopfter Mensch, wenn es um die Interaktion mit anderen Menschen geht. Ich bin zwar ein unglaublich tiefgründiger Mensch und durchlebe auch meine Gefühle. Allerdings tue ich mir im Äußeren und Zeigen teilweise schwer. Gesehen werden kann allerdings nur was ich auch ausdrücke und zeige. Also muss ich hieran arbeiten.

Gestern gleich mal meinen Kollegen auf sein tolles Parfüm angesprochen und ihm im Verlaufe des Gesprächs gesagt, dass ich ihn sehr mag und schätze für das, was er die letzten Jahre immer wieder mal für mich getan hat. Dies zauberte ihm ein Lächeln ins Gesicht. Was mich wiederum gefreut hat. Ich hatte gegeben ohne zu nehmen. Ohne zu erwarten, dass er sich „freuen soll“. Er freute sich einfach. Ein schöner kleiner Moment. Ich tue im Zwischenmenschlichen zwar fast nie etwas in einer bestimmten Erwartung, allerdings nehme ich solche Situationen auch viel zu selten bewusst wahr und erzeuge sie gleich doppelt selten.

Und so habe ich mir gestern erstmal einen Buchtipp von einem belesenen Menschen geholt und sofort das Buch „Gut gegen Nordwind“ bestellt. Bin gespannt und freue mich auf meinen ersten Roman nach vielen vielen vielen Jahren. Den letzten las ich vielleicht in der Jugend, keine Ahnung. Ich tue das, weil ich erkannt habe, dass ich hier eine Schwäche habe. Ich bin der perfekte Sachbuchleser. bzw. auch Youtube-Video-Schauer, aber mit Romanen konnte ich bisher nichts anfangen. Deswegen kann ich vielleicht auch in beruflichen Gesprächen brilliant glänzen und alles und jeden in Grund und Boden argumentieren und durch Wissen auftrumpfen. Ich weiß, dass das mein Feld ist. Aber ich weiß jetzt besser denn je, dass ich zu sachlich unterwegs bin. Ich bin gespannt wohin mich diese Reise führt. Maximilian Pütz sagt, dass die Frauen sich reihenweise in ihn verlieben würden. Obwohl er kein Athlet oder Model sei. Seine Art fasziniere die Frauen und auch Männer gleichermaßen. Ein Baustein sei eben seine ausgeprägte Gefühlsader. Das ist doch mal ein guter Ansatz für mich, denke ich mir. Wir sind alle hier auf der Welt, um Erfahrungen zu machen. Also lasse ich mich fort auf die Erfahrung „mehr Emotion und Gefühl“ ein.

PS: Viele Grüße an Lotusblume, letztens sprachen wir noch kurz über das Thema Romane. Da siehst Du mal, wie sich unser – in diesem Fall mein – Denken doch innerhalb weniger Tage ändern kann. Plötzlich bin ich offen für etwas, wogegen ich mich mein Leben lang bewusst verschloss. 🙂

PPS: Maximilian Pütz sagt auch, dass man – wenn man von seiner Freundin verlassen wurde – doch aufhören solle mit dem Quatsch sofort wieder Frauen anzusprechen. Nur weil man Pickuppen könne und es einmal gelernt habe. Stattdessen erstmal Zeit nehmen. Zu sich kommen. Die eigenen Gefühle wirklich zulassen und dadurch verarbeiten. Es sei doch echt egal ob man nun eine neue Freundin an der Seite habe oder nicht, nachdem es aus ist. Ganz im Gegenteil, wie sei denn Entwicklung möglich, fragt er, wenn ein Mann sich sofort in die nächste Beziehung stürzt. Oder auch nur in das nächste Abenteuer. Der Werkzeugkasten sei da, das sei gut. Aber manchmal solle man ihn eine Weile verschlossen im Keller stehen lassen. Hat mir gefallen, als er das in einem seiner Videos sagte. Guter Mann. Respekt vor Dir. Und ich hatte das vor kurzem selbst erkannt. Dass es besser sei, ein paar Schritte zurück zu treten. Um dann erst wieder mit Anlauf loszusprinten. Es fühlt sich richtig an, dass ich vor ein paar Wochen die Reißleine zog und erstmal bewusst nicht mehr Frauen angesprochen habe, um meine Akkus erst wieder zu laden. Noch sind sie nicht voll. Wie auch. Aber ich merke täglich mehr, dass ich frei werde im Kopf. Und der Samstag war der erste Tag in den letzten Wochen, an dem ich spürte, dass ich „Erfolg“ an dem Abend haben werde. Die Sicherheit war da, noch nicht komplett. Aber ich fühlte sie. Es wird gerade wieder ein bisschen wie früher…