Wieso ist da ein Loch?

Die Frage ist doch, warum wir uns nach dem Ende einer Beziehung gefühlt in einem Loch befinden. Warum da eine Leere entstanden ist, die vermeintlich unbedingt aufgefüllt werden muss.

Heute wird das ein selbstreflexionistischer Artikel. Für meinen neuen Lebensweg ein wichtiger Artikel, ein Schrittchen nach vorne in die Freiheit.

Es ist doch so, dass nach dem Ende gefühlt ein riesiges Loch entstanden ist. Objektiv betrachtet ist das auch völlig richtig. Plötzlich darf ich zwar nicht mehr mit 3 lieb gewonnenen Menschen zusammen meine Zeit verbringen. Muss umgekehrt aber auch nicht mehr auf ihre alltäglichen Herausforderung(ch)en Rücksicht nehmen oder mich engagieren. Es wird Zeit frei. Diese neu gewonnene Zeit ist das gefühlte Loch, das durch die Abwesenheit der gewohnten Tagesabläufe entstand.

Von Würmern in Fallobst

Ich merke, dass derzeit etwas in mir vorgeht. Und ich glaube, dass es sehr gut ist für meine weitere Entwicklung. 2 Jahre zurück gedacht sah es doch so aus, dass ich mich auf dem Höhepunkt meiner Persönlichkeitsentwicklung befand. Ich war selbstbewusster als je zuvor, ich hatte mehr Dates und mehr soziale Interaktionen als je zuvor. Ich hatte viele Frauen kennen gelernt.

Gut, die meisten der betroffenen sog. Frauen würde ich für eine Beziehung nicht einmal gegen Geld haben wollen. Aber egal, darum ging es ja gar nicht. Ganz im Gegenteil, es war mir klar, dass ich all das Fallobst ein Stück weit in mein Leben herein lassen müsste, um unterscheiden können zu lernen zwischen Fallobst und echt knackigen oder gar reifen Früchten. Dass ich mich nun im Nachhinein betrachtet in meiner Erstbewertung meiner Beziehung und des damaligen Beziehungsanfangs geirrt habe, ist wieder etwas ganz anderes. Das soll nicht das Hauptthema sein. Auch da habe ich gelernt.

Ich hielt also zwar kein Fallobst für eine knackige (oder reife?) Frucht, allerdings habe ich nicht gemerkt, dass sich in der vermeintlich tollen Frucht ein paar gehörige Würmer eingenistet hatten. In Zukunft muss ich eben das Obst einmal halbieren oder vierteln und einen prüfenden Blick darauf werfen, bevor ich rein beiße. Selbst Dr. Best würde das bestimmt empfehlen.

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Fakt ist allerdings eben, dass es mir gefühlt verdammt gut ging. Ich hatte das Pickuppen sogar wieder etwas zurück gefahren, weil mir damals zwischenzeitlich sogar Beschäftigungen ohne jegliche menschliche Interaktionen begannen Spaß und Freude zu bereiten. Ich sah mir beispielsweise Filme an. Alleine. Irre, ja. Alleine! Ich schaue normal nie Filme. Wenn dann gar nicht alleine, aber damals tat ich das hin und wieder. Und es fühlte sich richtig toll an. Ich hatte meine eigene Wohnung und war zufrieden und glücklich mit meiner Freiheit. Konnte tun und lassen was ich wollte. Manchmal hatte ich Bekanntschaften, wenn sie allerdings gingen, war ich nie traurig. Denn ich wusste, dass die nächste Bekanntschaft nicht lange auf sich warten lassen würde. Und ich meinem Ziel zur Traumfrau immer näher rücken würde. Zuweilen wurden mir die Bekanntschaften auch zu anstregend, ich erinnere an „die Klette“ oder auch „Fr. Tinder“. Meine Leser von früher kennen die Storys. 😉

Nun, also ich fühlte mich gut und frei. Und dann lernte ich Fr. Schlange kennen und verbrachte mit ihr die schönste Zeit meines Lebens. Hm. Ja, dafür gab es dann zwar die ganz dicke Schaufel zum Schluss, mitten ins Gesicht. Aber eine ganze Weile war es die schönste Zeit meines Lebens, das kann ich so sagen. Sie war meine Traumfrau. Und ein ganz übler Albtraum, das wusste ich jedoch zu Beginn noch nicht. In die Zukunft kann keiner sehen, auch klar. Nicht einmal ich (da ist wieder so ein bisschen dieses übertriebene Selbstbewusstsein – ein gutes Anzeichen!).

So. Nun ist Fr. Schlange weg. bzw. Fr. Schlange ist noch da, aber ich bin weg. Eigentlich ist Fr. Schlange noch da und hat einen anderen an ihrer Seite. Hr. Schlange. Aber da tat sich in mir nach der Trennung ein großes schwarzes mentales Loch auf. Ich merke, dass ich dieses Leid zu kompensieren versuche. Selbstreflexion der schonungslosen Art. Diese Leere muss unbedingt beseitigt werden. Keine Einsamkeit mehr. Hoffentlich. Jetzt. Schnell. „Ansprechen ansprechen ansprechen“, lautet die schnelle Lösung scheinbar. Aber ist es das wirklich wert? Warum denke ich so?

Leere und Fülle

Dass eine Leere entstanden ist, ist objektiv völlig unstrittig. Der Tagesablauf hat sich vollkommen geändert. Das Einschlafen ist ein anderes. Kuscheln mit… niemandem. Das Aufwachen ist ein anderes. Kuscheln mit… niemandem. Dazwischen viel Einsamkeit, trotz der Nähe zu Freunden und zur Familie. Der Magen dreht sich um. Ein beklemmendes und bedrückendes Gefühl. Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Aber warum?
Glücklicherweise wird es täglich ein Stück besser. Inzwischen geht es mir recht gut mit der Situation. Hat Gründe, später dazu mehr.

Kurz vor Fr. Schlange, vor ca. 2 Jahren, hatte ich doch auch keine umgedrehten Mägen ertragen müssen und keine beklemmenden Gefühle der Einsamkeit. Dieses aktuell gefühlte Loch existierte damals gar nicht. Wie kann das sein? Fr. Schlange war damals nicht da. Fr. Schlange ist heute nicht (mehr) da. Dazwischen war Fr. Schlange da, gut. Aber davor und danach (jetzt!) nicht. Trotzdem ist da Leere. Warum? Und warum muss ich diese Leere ausfüllen? Oder meinen diese ausfüllen zu müssen? Irgendwie menschlich vollkommen nachvollziehbar und doch grotesk, oder?

Das Fehlen von Fr. Schlange an meiner Seite als Leere zu empfinden bedeutet, dass sie Macht über micht erlangt hat. Zweifelsfrei. Herzensmacht. Gefühlsmacht. Seelische Macht. Diese hatte sie früher nicht über mich ausüben können, schließlich kannten wir einander noch gar nicht. Der Casus Knacktus lautet also an der Stelle also: Möchte ich aktiv und bewusst Fr. Schlange diese Macht übertragen, über meine Leere- oder Füllegefühle entscheiden zu können, entscheiden zu dürfen?

Es kann nur eine Antwort geben: Ein ganz entschiedenes NEIN, verdammt nochmal!

Ganz unabhängig davon, wie sie sich verhalten hat. Verraten und verkauft zu werden ist die dunkelste Form der Zwischenmenschlichkeit. Es ist dann nur noch ein „zwischen“, aber mit Menschlichkeit hat es nichts zu tun. Nein, ganz unabhägig davon stellt sich doch die Frage der Machtübertragung.

Wie kann eine Leere beim Verlust eines geliebten Menschen entstehen, wenn ich doch früher denselben Menschen noch gar nicht an meiner Seite hatte und diese Leere auch gar nicht empfunden hatte und gar nicht empfinden konnte? Wieso fühle ich so? Was sicher ganz normal ist, vermutlich geht es fast allen Menschen so beim Verlust eines geliebten Menschen. Der Punkt ist nur, wie ich nun damit umgehe oder umgehen möchte. Wie ich mich mental damit arrangiere.

Machtübertragung an in der eigenen Realität nicht existente Personen

Wieso sollte die vergangene (Traum)Frau in meinen Gedanken so einen hohen Stellenwert genießen, dass ich sie vermissen müsse und solle. Sie interessiert es genau genommen einen feuchten Dreck wie es mir geht. Ganz so ist es vielleicht auch (noch) nicht, aber im Prinzip ist es so. Sobald all der restliche sachliche Kram erledigt ist, ist es so. Muss es so sein und wird es so sein, alleine schon deshalb, weil ich einen Fullstop mache. Jeglichen Kontakt abbreche. Das ist meine Art im Projekt Beziehung immer gewesen.

Wieso liefere ich solch eine Veranstaltung geistiger Machtübertragung ab? Ohne wenigstens – wenn schon – Eintrittsgelder dafür zu nehmen. Ich zünde gedankliche Feuerwerke der Einsamkeit, Traurigkeit und der Würdelosigkeit. Wieso?

War ich vor Fr. Schlange einsam, traurig, würdelos? Sicher nicht! Es ging mir gut. Ich befand mich in keiner wirklich festen Beziehung, insofern gab es nicht den Halt einer echten verbundenen Zweisamkeit in meinem damaligen Leben. Somit auch sicherlich nicht die höchste Form der Zweisamkeit. Aber von Einsamkeit war ich weit weg. Fr. Schlange turnte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls durchs Nachtleben, trotz „laufender“ Ehe. Alleine. Mit ihren so aufrichtigen Freundinnen. Ihr wisst schon, die die immer Feiern gehen wollen (und ihre Partner ebenfalls zu Hause sitzen lassen). Also diese echten wirklichen Freundinnen. Die es ganz ehrlich mit ihr meinen. Also wirlich ehrlich. Wo es nur um die Freundschaft und seelische Verbundenheit geht. Nicht ums Feiern, klar oder.

Wie sie heute immer noch sagt, sind das ihre echten vielen Freundinnen und Bekannten. Deswegen hat sie auch diese Menschen jetzt jüngst alle wieder in ihr Leben gelassen, wie sie mir erst die letzten Tage „stolz“ erzählte. Sie könne gar nicht nachvollziehen, warum sie manchen Kontakt „nur wegen mir“ abgebrochen hätte. Das hätte sie nie tun sollen, ist sie sich sicher. Klar. Ich habe ihr die besten und aufrichtigsten Freundinnen und Freunde (!) der Welt vorenthalten. Ich bin schon ein ganz schlimmer Mensch, wie konnte ich nur. Besser wäre wohl gewesen, ich hätte direkt ein paar Damen aus dem Laufhaus organisiert und mit zum Feiern in ihre Gruppe geschickt. Und wäre selbst zu Hause geblieben, wie die anderen (Ehe)Männer der Frauen-Runde. Anderes Thema. Zurück zum Text.

Objektive vs. subjektive Leere

Nun. Natürlich ist da eine Leere. Die oben beschriebene objektive Leere. Aber Zeit hat auch etwas ganz Besonderes an sich. Sie vergeht objektiv immer gleich schnell. Egal was wir tun. Ob wir Sinnvolles oder Unsinniges machen. Zeit vergeht. Und manchmal wissen wir nicht, was wir mit der Zeit anstellen sollen. Wir fangen an den Kopf gegen die Wand zu hauen, immer wieder. Weil uns langweilig ist. Oder schlimmeres. Zum Beispiel weil wir uns verlassen fühlen. Einsam sind. Alleine. Traurig.

Aber das ist nicht die objektive Leere um die es geht. Die objektive Leere füllt sich automatisch aus. Ob wir das wollen oder nicht. Egal was wir tun, 24 Stunden gehen nach einem Tag vorüber. Also ist die Frage nicht in objektiver Hinsicht zu stellen, sondern in subjektiver. Aus subjektiver Sicht empfinden wir Leere dann als Leere, wenn wir nicht wissen was wir mit der „neu gewonnenen“ Zeit überhaupt anstellen sollen? Diese zusätzliche Zeit fühlt sich so unnütz an. Am liebsten wollen wir sie gar nicht. Lieber die Zeit wieder schnell zurück bringen, an den Absender, auch ohne Pfand dafür zu bekommen. Motto: „Danke, aber diese Zeit will und brauche ich nicht.“

Zu kurz gedacht. 24 Stunden sind 24 Stunden. Völlig klar. Subjektiv liegt es jetzt an mir, was ich aus der „neuen“ Zeit mache!

Krafttraining? Lesen, wenn ja, was? Wieder Filme schauen? Vielleicht doch wieder mehr auf Studium konzentrieren? Videos über Persönlichkeitsentwicklung und Pickup schauen? Zeit mit der Familie und Freunden verbringen und all die Menschen besuchen, die in den knapp 2 Jahren mit Fr. Schlange zu kurz kamen? Allerdings nicht die falschen Freunde, ihr wisst schon, sondern die guten, die richtigen. 😉 Oder einfach raus gehen und wieder pickuppen, Basketballspielen und Körbe kassieren? Egal was. Es liegt an mir, was ich tue.

Je schneller ich verstehe, dass die neue Zeit genauso kostbar ist, wie die Zeit, die ich ausschließlich Fr. Schlange gewidmet habe, desto schneller kommt die Qualität von damals wieder zurück in mein Leben. Ein Leben in (nahezu) völliger Zufriedenheit. Nämlich deshalb, weil ich wusste, dass ich nicht unbedingt eine Partnerin brauche. Weil ich mich alleine mit mir schon außerordentlich geborgen und glücklich fühlte. Geborgenheit durch Selbstzufriedenheit.

Dahin soll es wieder gehen. Und wenn ich in mich rein horche, merke ich – besonders aufgrund der jüngsten Ereignisse der letzten Tage – dass ich auf dem besten Weg dahin bin. Sicherlich am Anfang des Weges. Aber auf dem besten Weg. Ich glaube, dass ich losgelassen habe, nachdem die letzten Tage Fr. Schlange nochmal on top ganz bestimmte weitere Dinge tat. Ob ich die in einem eigenen Artikel beschreibe, weiß ich noch nicht. Aber sie haben mich angewidert, diese Geschehnisse. So sehr, dass ich nicht einmal mehr vom Loslassen spreche.

Ich bin inzwischen schon einen Schritt weiter als loszulassen. Ich habe bereits losgelassen. Es arbeitet viel in mir. Jeden Tag und jede Minute. Und ich spüre, dass ich wieder auf den richtigen Weg zurück komme. Der Weg, auf dem ich im Vordergrund stehe und wieder der Hauptdarsteller bin. Frei von gedanklicher Machtübertragung an einen anderen Menschen, dem Macht über mich in keiner Weise mehr zusteht und der diese obendrein auch nicht (mehr) mir gegenüber beansprucht. Also wozu das Ganze dann? Wozu so denken und fühlen, dass da Leere ist, „nur“ weil SIE nicht mehr da ist? Diese Macht über mich steht ihr nicht zu. Diese neue Leere kann aufgefüllt werden oder auch einfach als Leere akzeptiert werden. Ein Glas muss nicht immer gefüllt sein. Es kann auch einfach leer dastehen und ist trotzdem nicht traurig. Weder das Glas noch der Beobachter müssen traurig sein. Wichtig ist, dass das Glas bereit ist, gefüllt zu werden, wenn es Zeit dafür ist.

PS: Irgendwie wurde das hier jetzt – ganz ungeplant – ein bisschen ein versönlicher Artikel im Stile des Philosphischen Sonntags ©.

4 Kommentare zu „Wieso ist da ein Loch?

  1. Moin,
    ich finde es – mal wieder- grandios, wie akkurat Du es schaffst, Deine Gefühlswelt zu durchleuchten und in Wort und Schrift zu formulieren. Ich war – nimm mir bitte die Formulierung nicht übel – in „dem“ Alter längst nicht so weit. Gut, in DEM Alter war ich auch schon mehr als vergiftet. 😉
    Nein, nicht witzig, und auch nicht im übertragenen Sinne.
    Ok, ich fass mal zusammen:
    – die Kontakte zu Deinem Freundeskreis haben sich nicht nur drastisch reduziert, sie sind eher auf dem Level „eingeschlafen“
    – Du triebst keinen Sport mehr
    – Du hast nicht mehr geschrieben
    – kurzum, Du hast Deine Hobbies aufgegeben,
    – es war alles wie ein perfekter Traum
    – Du hast das Gefühl gehabt, Sie retten zu wollen und zu müssen,
    – Du hast Dich in eine Box pressen lassen, und das getan, was „Sie“ für richtig hielt
    – Du hast eine wunderbare unglaubliche Zeit gehabt (Traumfrau), bis aus ein paar kleine Kratzer/Aussetzer im Film, bei denen Du hinterher an Deiner Wahrnehmung gezweifelt hast: Waren die wirklich da, oder hast Du Dir das nur eingebildet?

    Ok, letzteres vermute ich nur, ebenso wie folgendes:
    – Du hast alles getan, um sie glücklich zu machen,
    – irgendwie hattest Du das Gefühl, dass es nie genug ist
    – an vielem, was schief ging, warst Du „Schuld“
    – ihre Gedanken sind normal, ihre Bedürfnisse auch
    – Du bist i-wie falsch, denkst falsch, fühlst falsch
    – der Sex war (anfangs) grandios (sorry, ja ich weiß, aber auch das gehört dazu), wurde aber später abhängig davon gemacht, wie gut, Du Dich „geführt“ hast, hörte schlußendlich vllt ganz auf, weil Du ja nicht mehr „interessant“ warst, nicht genug dazu getan hast etc.

    Du warst auf dem PUA-Trip, dazu gehört auch, sich nicht emotional abhängig machen zu wollen- und Du hast Deine Meisterin getroffen. Glückwunsch! Glückwunsch dazu, dass Du „raus“ bist, raus aus einer toxischen Beziehung. So eine Person, wie Du sie getroffen hast, saugt Dich aus, krempelt Dich um, übernimmt Deine Persönlichkeit und läßt Dich als hohle Hülle zurück. Daher die Leere in Deinem Inneren.
    Tipp: Ich an Deiner Stelle würde mein Selbst erstmal wieder aufbauen, Freundschaften, die vergessen wurden, pflegen, mein Leben und meinen Selbstwert erstmal wieder in den Griff kriegen wollen und dann irgendwann …mir ein Hobby suchen, das mir Spass macht. Die richtige Frau findet sich dann von selbst. Du bist zu verkrampft, was das Thema angeht. Sie wartete da draußen und weiß garantiert noch nichts von Dir. Aber Du mußt doch dem Universum Zeit geben, das Ganze einzufädeln!
    Ach ja, und eines noch: Bitte keine Esoterik-Messen 😉

    LG die Verrückte aus dem Norden
    – Du hatt

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  2. Aller liebsten Dank für Deine Hinweise und Deine warmherzeigen Worte!
    Deine Meinung war mir immer wichtig und wird es immer bleiben! Das weißt Du.

    Die Zusammenfassung ist fast komplett richtig.
    Zwei Punkte sind allerdings anders.
    Der erste Punkt – und das tut mir im Nachgang auch ihr gegenüber leid – ist: Ich habe tatsächlich sie mehr „verbogen“ als sie mich. Natürlich habe ich aufgrund Zeitmangel alles andere im Leben schleifen lassen, was nicht mir ihr und den 2 Kindern zu tun hatte. Allerdings hat sie sich mehr mir angepasst und meiner Lebensweise (z. B. Sparsamkeit und nicht ständig nur draußen rum zu hüpfen) als ich ihr. Sie hat mich tatsächlich eigentlich immer machen lassen was ich wollte. Deswegen war ich auch immer so zufrieden. Ich hatte wirklich nie das Gefühl verbogen zu werden. Das kam dann vielleicht in all meinen Artikeln nicht klar genug rüber. Wir hatten öfter Gespräche darüber, ob es denn wirklich nötig sei in unserer Beziehung draußen in Clubs zu gehen… die Woche sei doch sowieso schon stressig genug für mich. Ich lege großen Wert auf ausreichend Erholung, sagte ich. Wenn ich dann Freitag oder Samstag feiern gehe, zieht sich das das ganze Wochenende körperlich hin und ich bin Montag wieder nur müde. So war mein Grundgedanke und dementsprechend handelte ich auch und versuchte eher „ruhige“ Dinge mir ihr zu machen. Mit dem Hund raus, mal mit den Kindern, aber alles entspannt. Essen gehen, auch spontan, klar. Aber kein draußen herum turnen wie kleine Kinder in Clubs, eben wegen der doch schon „so schönen Beziehung“, in der es mir doch an gar nichts fehle.
    Ihr aber. Und sie äußerte das nicht ganz klar. Im Nachgang war ich einfach unbewusst, ich hätte auf ihre Wünsche mehr eingehen können/müssen/sollen! Klar. Ob sie dann nicht irgendwann trotzdem wieder anfängt, fremd zu gehen… weil das ihr ganzes Leben das Hauptkriterium war… das ist eine ganz andere Frage. Aus meiner Sicht zerstört sie sich. Körperlich und seelisch. Schon vor mir. Und in der gemeinsamen Beziehungszeit habe ich tatsächlich den „Retterkomplex“ entwickelt, zu viel beschützen wollen. Ich achtete auf IHREN Schlaf, auf IHRE Ernährung, auf IHRE… ja auch Ausgaben finanzieller Art… allerdings nie – für mich – übertrieben. Ich gab eher „Tipps“. Ich habe nichts kontrolliert oder ihr Vorschriften gemacht. Ich wollte einfach für sie da sein. Für manche Frauen wäre das wohl völlig übertrieben gewesen, aber ich bin wie ich bin. Für mich ist sie ein Teil von mir gewesen. Wenn ihr etwas schlechtes widerfahren ist, war ich automatisch auch schlecht drauf. Ich fühlte mich mit ihr als Einheit. Dass das manchen (oder vielen?) Frauen „zuviel Nähe“ ist, kann sein. Es gibt aber bestimmt auch viele Frauen die sagen: „Toll, dass Du Dich so sehr um micht kümmerst und auf mich achtest“. Das sagte Fr. Schlange übrigens viele Monate selbst ständig zu mir. Und sie wünschte sich viel Nähe, sagte sie von Anfang an. Nur am Ende nicht mehr. Plötzlich hätte ich sie „zu sehr eingeengt“ oder ihr ihre eigentlichen Hobbs vorenthalten usw.
    Aber ich sah keinen „Sinn“ bzw. sah eine große Gefahr darin, wenn sie sich mit – aus meiner persönlichen Sicht – „falschen Freunden“ trifft. Alles Feier-Tussen oder gar alte männliche „Ex-Freunde“. Was soll das? Das ist nicht meine Art von Beziehung, dachte ich mir. Und sie passte sich an. Sie bettelte anfangs regelrecht darum, dass ich nicht gehen solle, da sie sich doch für mich gerne ändern würde. Diese Gefahr schwingte immer mit, ich hatte ihr nie zu 100% vertrauen können. Aufgrund ihrer Vorgeschichte(n). Und wie kam es? Genau wie befürchtet: Sie ging wieder einmal fremd und hüpfte von einer Beziehung in die Nächste. Und auch aktuell ist der Neue eigentlich ein „alter Bekannter“. Das Schema bleibt immer gleich. Ich möchte da nicht mehr ins Detail gehen, aber sie tat das auf diese Art ihr Leben lang. Für mich ist das so ein bisschen wie: „Ich halte mir alle alten Männer warm, dann kann ich später wieder darauf zurückgreifen.“ Sie lässt einfach keinen Mann für immer gehen.
    Das ist nicht meine Anschauung einer gesunden Beziehung.
    Schlimm ist nur: Während der (fast) ganzen Zeit verhielt sie sich eben – gefühlt – völlig integer und korrekt. War liebe Hausmama und gute (fast wie) Ehefrau. Sie hat einfach ihren Mund nicht aufgemacht und mit mir nie wirklich über ihre Bedürfnisse gesprochen. Es hätte sicherlich einen Weg gegeben und Lösungen. Dazu bin ich viel zu bewusst und ich hatte sie viel zu sehr geliebt, als dass ich ihr nicht auch „Schritte entgegen gekommen“ wäre.

    Der zweite Punkt, der tatsächlich anders war:
    Das sexuelle stimmte bis zum Schluss. Sie wollte immer wesentlich mehr als ich. Ungewöhnlich. Ich sehe da eine nymphomanische Ader, muss ich im Nachgang sagen. Als Mann ist das natürlich toll, gerade anfangs. Allerdings stellt sich das Gefühl, jeden Tag aufeinander herzufallen, irgendwann etwas ein. Ich war immer mehr der Mensch, der Wert auf Kuscheln legt als auf Sex. Beides ist wichtig. Aber wenn ich wählen müsste, schlafe ich lieber Arm in Arm ein, als Sex zu haben und dann auf den Matratzen getrennt zu liegen. Nein, also das sexuelle war nie ein Thema. Außer insofern, als dass sie ständig dieses „total Begehrtwerden“ verspüren wollte. Ich begehrte sie, aber in erster Linie aus dem Herzen. Erst in zweiter Linie körperlich. Mein Herz ist mein wichtigstes Organ. Nicht mein Geschlechtsteil. So meine Devise.
    Aber auch hier gilt: Wenn sie das klarer kommuniziert hätte, dann hätte ich auch hier mehr darauf eingehen können. Dann gibt es eben öfter Sex. Warum sollte man das nicht für den Partner tun, wenn man weiß, dass es dem Partner viel bedeutet. Ist doch nix dabei. Wenn man seine Partnerin liebt, macht man doch auch gerne Dinge für den anderen. Ist doch alles nicht der Rede wert. Besonders weil es doch auch immer gut war. Nur eben die unterschiedlichen Wünsche hinsichtlich der Menge unterschieden sich wohl.

    Und so bekommt sie – mal wieder – zu Beinn einer neuen Bekanntschaft sicherlich wieder das 150% Gefühl der totalen Begehrtheit und das ist für sie als (zumindest Teilzeit-)Nymphomanin offenbar mehr Wert als Geborgenheit, Sicherheit, Stabilität in einer Beziehung. Die Frage ist nur wie lange. Kein Mann (oder auch keine Frau) fällt nach 2 Jahren noch täglich (!) über seinen Partner her, als wäre es die erste Woche. Das kann mir doch keiner erzählen.

    Das war jetzt wieder etwas mehr im Detail. Aber jede Selbstreflexion hilft ja auch wiederum mir selbst besser zu verstehen.

    Ich komme immer mehr zum Schluss: Ich hätte tun können was ich wollte. Sie hat ihre Grundveranlagung. Das sind zwei Dinge:
    a) Den Mund nie wirklich klar aufzumachen und zu sagen wenn sie etwas anders sieht als alle ihre Ex-Partner (mich eingeschlossen). Das hat sie auch so klar gesagt und sich dafür entschuldigt und „die Schuld“ für das Scheitern auf sich genommen. Sie habe mir gefallen wollen und sich darum mir „angepasst“, sagte sie. Wie hätte ich da je auf irgend etwas reagieren können oder etwas im gemeinsamen Sinne ändern können? Unmöglich! Unmöglich schade einfach nur!
    b) Sie hat – denke ich – ein echtes psychisches Problem was das Thema „Anerkennung“ und „Begehrtwerden“ betrifft. Anders ist es für mich auch nicht zu erklären, dass sie unbedingt ganz viele Menschen um sich herum haben möchte, immer! Wie sie mir ebenfalls am Ende sagte. Sie genieße die Gesellschaft. Sie sei gerne unter Menschen. Und sie spreche gerne mit allen und gehe auch auf Menschen zu. Ja… schön und gut… dann gibts eben total viel Anerkennung für eine so „offene“ Frau von allen. Die Frage ist nur, ob dieses Maß tatäschlich gesund ist für sie bzw. für den aktuellen Partner, den sie ja „eigentlich liebe“. Männer wollen nur das Eine. Und ihre „Freundinnen“ wollten nur mit ihr feiern gehen.
    Ich blieb mir immer selbst treu und „lenkte“ sie in einem – aus meiner Sicht – gesunden Maße weg von „völlig falschen Freundinnen“ (und Ex-Partnern). Die wenigen „vermeintlich guten“ Freundinnen waren hingegen öfter bei uns zu besuch. Dagegen hatte ich nie etwas, warum auch. Aber ich sah eben große Gefahren für uns, wenn sie „zuviel“ alleine draußen unterwegs war. So kam es dann ja auch mal wieder (!) am Ende. Ich sollte Recht behalten. Meine Befürchtung bewahrheitete sich.

    Puh, lange Antwort… 😉

    Ehrlich gesagt, keine Ahnung wie ich weitermachen werde. Ob wieder komplett Pickuppen, oder Teilzeit-Pickuppen oder vielleicht doch zunächst mal auf mich selbst schauen und zuerst versuchen wieder wie damals mit mir alleine gut zurecht zu kommen. Ich empfand die Mischung gut. Viel mit Frauen zu tun zu haben, auch um mich weiterzuentwickeln und andererseits auch gerne alleine zu sein. Mal sehen. Und Esoterik-Frauen versuche ich natürlich zu meiden, aber spirituelle Frauen wären schon ideal. 🙂

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    1. Vllt antwortest Du nächstes Mal am Besten auf meinen Kommi über das „Antwortfeld“ zum Kommi und nicht als Antwort zu Deinem Beitrag 😬😆🤗, dann musst Du weniger lang auf Antwort von mir warten und ich wundere mich weniger, warum nach dem Kommilike kein Kommi Deinerseits folgt.

      In Deiner momentanen Verfassung siehst oder möchtest Du die Dinge so sehen, wie Du es gerade tust. Könnte sein, dass sich Deine Ansichten mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur Beziehung noch ändern. Die Zusammenfassung meinerseits stimmte zwar mit Deinem Erleben überein (gut bis auf 2 Interpretationen meinerseits), dies sind jedoch allgemeingültige Anzeichen für eine Beziehung mit einem Psychopartner – genauer für jmd. mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Und ich kenne eben auch jmd, der hinterher ewig gebraucht hat und noch braucht, um emotional wieder frei zu sein. Genauer: selbst nach über 2 Jahren nach Ende der 2jährigen Beziehung erobert er sich Stück für Stück seine Lieblingsorte wieder zurück und hat in punkto Herz und Gefühl immer noch die Handbremse gezogen.

      Deine ersten Beiträge zeigten für mich schon in diese Richtung, als Du dann aber ihre Antwort auf Dein ehrliches :“ich vermiss Dich“ in einem der letzten Beiträge beschriebst, war diese plötzliche Gefühlskälte genau das, was ich selbst und siehe oben „Mr. Handbremse“ erleben mussten. Ich bleib bei meiner Meinung, und ich kann trotzdem verstehen, dass Du Dich nicht als Opfer fühlen willst.
      Als ich für mich eingesehen hatte, dass ich Opfer war, hat es mich innerlich zerrissen, das war eine absolut schwer aushaltbare Einsicht.
      Du wurdest benutzt, benutzt dazu, ihre Grossartigkeit zu bestätigen. Genug davon, ich will Dich nicht runter ziehen.
      Hey, es ist Frühling und es gibt soviele schöne Orte: Parks, Ausflugsziele, Märkte, Veranstaltungen… All sowas, wo sich die nicht so feierwütigen Mädels verabreden. 😉

      Und dann hab ich ja noch mit meinem Sohn über Dich gesprochen. Der ist auch so ein Ehrlichkeitsfanatiker 🙄, meinte nur, dass Du ja wohl das passende Alter VERpasst hättest😳. Er meinte, dass man auf Insta doch ein viel größeres Portfolio an Kandidatinnen fände und außerdem anhand der Fotos gleich sehen kann, „ wie die so drauf sind“. Sogar ich werd da angeschrieben 🙈 😂.

      So, ich muss in die Waagerechte, heute war mein letzter Arbeitstag 💃🥂🎉 und morgen dann ab zum Unternehmensberater 😉.

      LG

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      1. Ups, da hast Du recht. habe ins falsche Feld getippt. Bin einfach ungeübt geworden. 🙂

        Nun zum Wichtigen: Ich versuche wirklich so gut es geht Deinen Hinweis aus der Perspektive zu betrachten und zu verstehen.

        – Du sagst „In Deiner momentanen Verfassung siehst oder möchtest Du die Dinge so sehen, wie Du es gerade tust.“

        Nun, also ich bin ein sehr selbstreflektierender Mensch. Ich kann sofort von eigenen Meinungen loslassen, wenn ich sie als „falsch“ erkenne. Möchten tue ich das, was ich im Moment denke oder fühle, nicht wirklich. Ich versuche einfach zu nachzudenken und zu fühlen. Aber ich habe keine Prämisse, jedenfalls nicht aktiv. Deshalb ist das so wertvoll für mich, wenn ich mir über Deine Hinweise Gedanken mache.

        – Du sagst „Ich bleib bei meiner Meinung, und ich kann trotzdem verstehen, dass Du Dich nicht als Opfer fühlen willst.“

        Darüber habe ich gestern lange nachgedacht. Bin ich Opfer gewesen? Wenn ja, inwiefern? Will ich KEIN Opfer sein, obwohl ich es bin/war? Wenn ja, warum? Was wäre, wenn ich mir eingestehen müsste, dass ich Opfer bin? Wäre es für mich „angenehmer“ Opfer zu sein oder nicht bzw. stattdessen Täter?
        Ob Du es glaubst oder nicht, aber dieser Aspekt von Dir schwirrt nun lange in meinem Kopf und ich versuche das bestmöglich zu ergründen. Dazu müsste ich Deinen Aspekt allerdings besser verstehen können. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das sonst richtig interpretiere und für mich die richtigen Rückschlüsse ziehe.

        Du sagst „Du wurdest benutzt, benutzt dazu, ihre Grossartigkeit zu bestätigen. Genug davon, ich will Dich nicht runter ziehen.“

        Nein nein nein. Halt. Mehr davon! Genau das ist die Art von Aufarbeitung, die mir für die Zukunft helfen kann. Ich versuche es mal aus meiner Sicht zu beschreiben, was passiert ist. Mal speziell bezogen auf das Thema „Opfer/Täter“:

        Wir haben uns unter Umständen kennengelernt, die in Richtung Beziehung mehr als fragwürdige Voraussetzungen mitbrachten. Darüber würde ich wenn dann gerne unter 4 Augen näher mit Dir sprechen, das ist nichts für hier. Aber die Umstände waren nicht einfach, in verschiedenerlei Hinsicht. Die Frau hat mich fasziniert. Sie hat mich behandelt wie einen… ja fast Gott. Sie ist eine sehr devote Frau, das Gegenteil einer Feministin. Sie mag die starke Schulter und die klaren Ansagen an ihrer Seite. So war es über fast die gesamte Zeit der Beziehung. Was dann davon tatsächlich wahr ist und was nicht, weiß ich heute nicht mehr sicher. Aber diese devote Art lebte sie täglich, in jeder Hinsicht.
        Nun war sie stets gut gelaunt und ein Lebemensch. Ich war das damals auch, bedingt durch meinen Persönlichkeitswandel und durchs Pickuppen. Und als wir nach wenigen Wochen in eine Beziehung „schlitterten“ – es waren anfangs einfach nur viele „heiße“ Dates – verliebte ich mich in sie. Und sie sich ganz sicher auch in mich. Natürlich tat ich zunehmend mehr für sie, irgendwann alles. Aber sie umgekehrt auch. Ich bin ihr nicht hinterhergelaufen, sondern gefühlt sie mir. Sie bettelte einmal regelrecht, als es ich nach wenigen Wochen aufgrund einer „alten Geschichte“ von ihr die Beziehung beenden wollte. Sie flehte mich an alles gut zu machen bzw. auf mögliche „Bedingungen“ von mir einzugehen.
        Jedenfalls entfernte ich mich zunehmend von meiner inneren Mitte, weil ich mich – aufgrund der „Sicherheit einer tollen Beziehung“ – tatsächlich gehen hab lassen. Ich verlor meine sonst sehr gute Lebenslaune und wurde auf eine Art im täglichen „einfachen Leben“… ja… unmotiviert, bestimmt auch besserwisserisch und manchmal auch schlecht gelaunt. Aber nie böse oder unnachsichtig. Ich tat nach wie vor alles für sie. Sie auch für mich. Jeden Morgen bekam ich einen Obstsalat, es wurde gekocht. Sie brachte mir ungefragt Dinge mit vom Einkaufen, Dinge die ich gerne mag usw. Alles Zeichen, die mir zeigten, dass es eine „perfekte“ Beziehung zwischen zwei sich liebenden Menschen ist.
        Natürlich „nahm“ ich ihr einen Teil ihrer Freunde. Aber eben nur die „schlimmsten“ vergifteten Menschen. Es ist nicht toll gewesen für mich, mich anfangs mit einem Teil ihrer Freundinnen zu treffen, während diese „Liebschaften“ dabei haben und zeitgleich deren (Ehe-)Männer zu Hause sitzen. Das fühlte sich für einen spirituellen (zumindest teilweise) Buddhisten wie mich völlig verkehrt an. Ich wollte so einen Einfluss für sie nicht, weder für sie noch für unsere Beziehung.
        Jedenfalls hatten wir kaum gemeinsame Interessen, wie sich herausstellte. Allerdings ordnete ich alles einem Ziel unter: Wir beide sollten weniger arbeiten müssen, um mehr Zeit füreinander und für die Kinder zu haben.
        Stichwort Frugalismus, falls Du das kennst. D.h. sparsam leben, viel selber machen oder auch verzichten. Nicht als Selbstzweck, sondern als Gegenentwurf zur Konsumgesellschaft. Sie kam aber aus einer relativ wohlhabenden Konsum-Ehe und war schnick schnack und schicki micki gewöhnt. Natürlich war das dann für sie gefühlt ein „Abstieg“. Allerdings ging sie den konsequent mit und es war okay für sie, sagte sie jedenfalls immer. „Ich hatte in jungen Jahren auch von ganz wenig Geld leben müssen und war glücklich, Geld spielt für mich keine Rolle.“ So war die Aussage. Es klappte auch alles. Aber natürlich „mischte“ ich mich viel in ihre Dinge ein. Ich tat sehr viel für sie, aber ich mischte mich auch viel ein. Sie war meine Prinzessin auf der Erbse. Allerdings immer unter dem Aspekt ihr möglichst gutes zu tun. Ihr Wunsch war es, möglichst wenig Stress zu haben. Um das zu erreichen, muss man Unnötiges ausschalten. Dazu gehört auch der Job oder „zu wenig Zeit“.
        Nun, und die letzen Monate sagte sie manchmal: „Ich glaube, dass Du mich sehr liebst. Aber ich merke, dass wir unterschiedlich sind.“
        Ich sagte dann meist etwas wie: „Das kann sein, aber das ist mir egal. Ich liebe Dich als Mensch und Deine Seele. Es ist mir egal ob Du lieber klettern magst und ich die Börse. Du bist die Frau an meiner Seite. Du bist mir wichtiger als die Börse oder das Feiern gehen oder sonst etwas. Ich tausche Dich nicht gegen Hobbys ein.“

        Ein Buddhist würde an der Stelle sofort verstehen.
        Sie nicht. Für sie sind die „kleinen Dinge des Alltags“ wichtiger als der Mensch an der Seite.
        Aber ich wäre sicherlich bereit gewesen in vielen Dingen auf sie zuzugehen. Nur sie äußerte es nicht klar genug.

        Und so begann sie das zu tun, was sie immer tat… wenn jemand auf sie zu kommt und „hallo“ sagt. Sie öffnet sich. Und sie öffnete sich jemandem, den sie bereits in der Vergangenheit kennengerlernt hatte. Sie hat den Hang ständig nach hinten zu blicken und „alte Bekanntschaften“ wieder auszugraben. Mindestens allerdings „neue Bekanntschaften“ zuzulassen.

        Ich merkte es irgendwann und dann platzte die Bombe. Ich blieb ruhig, bis heute. Ich nahm es mit größtmöglicher Hingabe hin, natürlich versuchte ich am Ende noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Es war zwecklos. Ich sei nicht der Richtige für ihr Leben, hatte sie mir dann gesagt und sie glaube, dass es der andere sei. Sie sei sich da auch nicht ganz sicher, aber sie müsse dem nachgehen.

        Vor wenigen Monaten noch war ich der „absolut Richtige“ für sie. Sie schickte mir täglich nette Bilder, Sprüche und zeigte mir auch sonst auf jede Art ihre Zuneigung.

        Ja und die letzten Wochen/Monate (genau weiß ich es nicht) begann sie sich in den Neuen zu verlieben. So sehr, dass am Ende keine Chance mehr für mich war, etwas zu tun.

        Jetzt komme ich auf Deine Hinweise zurück:
        Ich weiß nicht, ob ich Opfer oder Täter war. Vermutlich beides. Finanziell hat sie mich nicht ausgenommen oder dergleichen, ich bin nicht naiv. Auf den Aspekt habe ich immer geachtet. Dafür bin ich viel zu strukturiert. Das lief immer fair. Auch jetzt am Ende. Wir streiten nicht, besonders nicht über die materiellen Dinge.
        Aber ich sehe es für mich so: Ich war Täter, weil ich ihr – aufgrund meines eigenen Stresses im Leben und dem fehlenden Ausgleich durch Sport/Meditation/Eckhart Tolle usw… – ihre Lebensfreude nahm. Auf viele Wünsche: „Lass uns raus fahren und irgendwo in die Sonne legen“ oder „lass uns tanzen gehen“, ging ich nicht ein. Zumindest selten. Ich hinterfragte kleine Handlungen oder Wünsche von ihr oft. „Muss das sein?“ Ich habe mich in dem Punkt sogar schon bei ihr entschuldigt. Und ich werde in der nächsten Beziehung massiv darauf achten, dass ich die Frau und ihre Wünsche mehr wahrnehme und ihnen öfter nachkomme.

        Aber ich bin natürlich auch Opfer, alleine schon weil sie mich hintergangen und mir „relativ“ lange etwas vorgespielt haben muss. Es waren Dinge wie ein Umzug geplant, standen direkt vor der Türe. Wir hatten uns ein neues gemeinsames Auto gekauft, jetzt erst vor wenigen Wochen. Einen Urlaub gebucht, der verfallen wird. Und das alles, während sie schon den Neuen an der Angel hatte. Sie ließ nicht nur mich, sondern auch einen Teil meiner Familie „ins offene Messer“ laufen. Wir richteten diverse Entscheidungen am Wohl unserer gemeinsamen Beziehung aus. Wo die Kinder dann in die Schule gehen würden usw. Sie trieb diese Themen selbst und machte mir Druck, dass dies nötig sei. Ich verstand sie dahingehend auch und es war alles nachvollziehbar, darum versuchte ich wie immer, alles möglichst gut unter einen Hut zu bekommen. Passende Wohnung, neuer Ort. Passende Schule. Ich ging zum Schulinfotag mit usw. Alles was ein liebevoller und fürsorglicher „Ehemann“ auch tun würde. Und dafür bekam ich am Ende massiv die Klatsche.

        Mir fällt es schwer mich als Opfer zu sehen, da sie während der (fast) gesamten Zeit eben auch alles für mich tat. Sie ging auf meine Wünsche und Forderungen ein. Wenn ich „nein“ sagte, war es auch ein nein. Sie bestrafte mich nie, auf keine Art. Sie zog sich wenn dann etwas zurück. Aber dies auch nur kurz, wenige Stunden später war dann wieder alles okay.

        Ich bemerkte das alles nicht, ich war in meiner Welt gefangen. Börse, Finanzen. Geld. Damit sie ein möglichst gutes Leben mit mir haben kann nicht irgendwann, sondern möglichst bald. Sie sollte jetzt dann nach dem Umzug auch erstmal mit dem Arbeiten aufhören können, so war der Plan. Damit sie „zu sich“ kommt. Sie hatte viel Stress – genau wie ich – die letzten Monate mit dem Teilzeitjob, der Fahrerei mit den Kindern und den diversen Terminen mit den Kids (Sport, viele Arzttermine mit den Kindern).

        Ich weiß es nicht. Ich empfinde nach wie vor unsere vergangene Beziehung als absolut traumhaft. Natürlich bis auf das Ende. Ich würde mir eine neue Beziehung genauso wieder wünschen. Natürlich würde ich anders agieren, aber die Frau war perfekt.
        Und jetzt kommt der Haken: Am Ende drehte sie vieles um und erklärte mir, dass sie dies oder jenes eigentlich gar nicht sei. Sie habe sich mir angepasst und sich verstellt. Sie habe lange Zeit versucht so zu sein, wie ich sie mir gewünscht hätte. Aber das sei nicht sie, sagte sie. Sie nahm die „Schuld“ auf sich, dass es nun zuende sei, weil sie sich nie geäußert hätte. Wie in all ihren gescheiterten Beziehungen vorher auch schon nicht. Es tue ihr leid, natürlich. Aber sie habe „zum falschen Zeitpunkt“ in unserer Beziehung einen anderen Mann kennengelernt. Und es sei zu weit fortgeschritten, um jetzt wieder umzukehren. Sie könne endlich sein wer sie sein wolle. Sie treffe sich jetzt wieder mit all ihren alten „Bekanntschaften“ und ihren vielen früheren „Freundinnen“ und es tue ihr so gut und bla bla bla. Sie gehe wieder später ins Bett, nicht mehr so früh wie mit mir, sie genieße ihr Leben derzeit auf jede erdenkliche Weise ohne Rücksicht auf jemanden nehmen zu müssen.

        Für mich waren das alles Schläge ins Gesicht. Verständlich, denke ich. Ich hatte keine Chance. Wirklich nicht. Ich hatte über die ganze Zeit keine Chance irgendetwas zu tun oder zu ändern oder zu korrigieren. Es ist und bleibt extrem unfair was sie tat und wie sie es tat.

        Ich weiß nicht, ob ich Opfer oder Täter bin. Ich würde es gerne verstehen. Um daraus zu lernen. Für mich ist das alles so surreal. Ich fühle mich natürlich nicht nur hintergangen mit diesem neuen Menschen in ihrem Leben, sondern in erster Linie die viel längere Zeit in der Beziehung aufgrund des Vorspielens falscher Erwartungen bzw. Handlungen. Dass sie mich immer geliebt hat, sagte sie auch am Ende. Aber am Ende dann eben hätte sie erkannt, dass wir „nicht füreinander bestimmt“ seien.

        Hm… ich möchte natürlich so gut es geht abschließen können und bin auch schon dabei nach vorne zu blicken. Ich weiß aber auch, dass das „abschließen können“ wichtig ist, damit ich da nichts in die Zukunft an Altlasten mitnehme. Ich bin mir nicht sicher, wie mir das am Besten gelingen soll. Ich bin mir keiner „Schuld“ bewusst. Ich tat nie auch nur einmal etwas böses. Ich habe ein reines Herz, ihr und den Kindern gegenüber.
        Achja und was die Kinder betrifft: Eines davon wollte mich nicht mehr und muss Druck auf sie ausgeübt haben. Das andere Kind war das Gegenteil, darüber hatte ich auch schon in einem Artikel geschrieben. Aber ja, es gibt immer mehrere Faktoren. Die Freundinnen wollten mich sicher nicht mehr, mit der Mama von ihr gab es auch zunehmend Reibereien und eines der Kinder war nicht mehr auf meiner Seite. Keine guten Voraussetzungen…

        Heute würde ich das alles anders machen:
        Auf das Umfeld achten. Wenn da nur unmoralische Menschen dabei sind, würde ich bereits da die Finger von der Frau lassen. Mit der Schwiegermutter würde ich nie wieder diskutieren, ich würde einfach immer „ja“ sagen (und es dann doch anders machen), einfach für den Frieden. Und was die Kinder betrifft… ja da muss ich mir auch an die Nase fassen. Ich war für das ältere Kind immer da wenn es „wichtig“ wurde. Habe ihn oft auf die Seite genommen und mit ihm gesprochen, Mut zugesprochen usw. Dinge, die mir wichtig FÜR IHN waren. Aber ich habe halt zu wenig mit ihm gespielt und wir hatten zu wenig unternommen. Dadurch habe ich sein Kinderherz zu wenig erobert. Ich bin ja eher der strukturierte Mensch, d.h. ich achtete auf bestimmte Dinge. Bettgehen, gemeinsam Essen usw. Aber für ein Kind ist halt wohl wichtiger mal zusammen Fußball zu spielen oder Playstation. Das taten wir zwar, aber eher am Anfang und bis Mitte der Beziehung, gegen Ende weniger. Für den Jungen muss sich das so angefühlt haben, als wenn ich ihm seine Mama wegnehme. Dass es so schlimm für ihn ist, habe ich auch nicht bemerkt. Das muss ich besser machen beim nächsten Mal, egal ob eigene Kinder oder fremde.
        Aber in erster Linie ist es ihre Aufgabe als Mama, denke ich mir, für den nötigen Ausgleich in der Familie zu sorgen. Mich „gut“ dastehen zu lassen, besonders als Stiefpapa. Und zu meiner eigenen Ehrenrettung muss ich sagen: So einfach ist das verdammt nochmal auch nicht mit einem Vollzeit-Job und einem täglichen Fahrtweg von 2,5 Stunden und dazu einem laufenden Master-Studium. Projektarbeiten sind da zu schreiben. Nur wann? Klar, am Wochenende. Dazu die Vorlesungen an den Abenden. Ich war oft nicht da. Wie soll das gehen?! Ich kann mich doch nicht 100-fach aufteilen und dann das gesamte Wochenende die Kinder und sie bespaßen, wenn ich selbst an vielen Freitagabenden und Samstagen Vorlesungen habe. Wir sind alle Menschen, denke ich mir.
        Das hätte man auch einfach akzeptieren können, als Lebensphase, und hinter seinem Partner stehen können. So wäre ich jedenfalls.

        Übrigens, auf Deinem Blog war ich auch schon fleißig am lesen… 😉

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