Beim Tanzen sieht man sich immer zweimal…

Die letzten Tage habe ich sehr viel geschrieben, so viel, dass ich nicht mehr weiß, ob ich diese „nette“ Anekdote schon zum Besten gab. Im Detail tat ich das sicher nicht, daran könnte ich mich erinnern. Aber vielleicht hatte ich es erwähnt? Ich weiß nicht genau. Egal, los geht’s.

Am letzten Wochenende bin ich zum Clubgamen raus gegangen, wie ich im letzten Artikel schon erwähnte. Sehr viel ist dabei jedoch für mich nicht rum gekommen. Aber hey, es war mein erstes Mal seit ca. 2 Jahren. Bis auf die Erkenntnis, dass ich es im Kern „noch kann“. Es. Das Ansprechen von Frauen. Allerdings hatte ich das „Vergnügen“ in der Location Fr. Schlange zu begegnen. Sie hatte mir gegenüber im „Abschiedsgespräch“ angedeutet, dass sie plane, an jenem Tag des Wochenendes mit „ihren Freundinnen“ dorthin zum Tanzen gehen zu wollen. Ich antwortete, dass ich das ebenfalls vorhätte. Genau genommen hatte ich das vorher schon mit meinem Wingman so vereinbart, ohne zu diesem Zeitpunkt das Vorhaben von Fr. Schlange zu kennen. Ihre Reaktion darauf fiel nicht sehr glücklich aus, genau genommen sagte sie halb schockiert: „Nein, tu das nicht!“

Ich entgegnete, dass es mir egal sei, ob sie auch dort wäre oder nicht. Wir würden uns aus dem Weg gehen und das wäre auch schon alles, ergänzte ich.
Nun, Angst zu haben, ist ein Gefühl, dass ich in meinem Leben grundsätzlich lieber anderen überlasse. Besonders egal ist mir, wer irgendwo „auch noch da ist“ wo ich bin. Selbst wenn es meine EX-Freundin zusammen mit dem Papst wäre.
An just jenem Abend sollte ich sehen, wer „ihre Freundinnen“ sind. Die Freundinnen waren zwei Personen. Freundin Nummer 1 war jene Freundin, in deren Haus wir erst vor wenigen Wochen noch gemeinsam ins neue Jahr hinein feierten. Ironie des Lebens.

Bevor es im Text weiter geht, noch ein Hinweis an Fr. Schlange persönlich

Ich weiß nicht, ob Fr. Schlange meinen Blog kennt. Sie weiß seit kurzem, dass ich einen Blog betrieben hatte. Das sagte ich ihr, nachdem sie sich von mir trennte bzw. ich herausfand, dass sie innerlich längst getrennt war und äußerlich bereits neu vergeben war. Urgs. Wir hatten ein einigermaßen menschliches gutes Gespräch zum Abschied. Was von ihren Ausführungen wahr oder unwahr ist, kann ich allerdings überhaupt nicht beurteilen, besonders nicht nach all den Umständen. Fr. Schlange gab im Gespräch zu, dass sie vor einigen Wochen/Monaten meinen einzigen kleinen abgesperrten Rollcontainer in unserer Wohnung geöffnet hatte. Sie fand daran Erinnerungen aus meiner Vergangenheit vor. Sie entschuldigte sich für das Verhalten, teilte mir jedoch mit, dass sie das Aufgefundene sehr verletzt habe. Ja hallo, aber das war alles aus meiner längst abgeschlossenen Vergangenheit?! Nichts davon aus der Gegenwart, alles weit zurück liegend. Und sie muss das Interpretieren angefangen haben, ob ich noch an meiner Ex-Freundin hängen würde usw. Nein, tue ich nicht! Sie ist längst glücklich vergeben und das freut mich menschlich unendlich.

Aber es ist auch nicht auszuschließen, dass Fr. Schlange in der Beziehung meine elektronischen Geräte durchleuchtet haben könnte. Dann wäre sie auf diesen Blog gestoßen. Sie bat mich außerdem, ihr die Adresse dieses Blogs zu verraten, damit sie wenigstens in Zukunft wisse, wie es mir gehe. „Nein!“, sagte ich entschieden und ergänzte: „Ich halte es so wie immer, wenn es aus ist, ist es aus. Dann regeln wir eine gewisse Zeit noch das Sachliche und dann bin ich weg. Wenn Du mich aus Deinem Leben wirfst, werde ich mit Dir nichts mehr zu tun haben. Wenn ich es Dir jetzt nicht wert bin, dass Du an meiner Seite sein möchtest, dann brauchst Du mich auch nicht zukünftig zur Gewissensberuhigung. Außerdem wird sich meine nächste Partnerin darauf verlassen können, dass ich zu meiner Ex-Freundin keinerlei Kontakt mehr pflege. Ich bin ein treuer Mensch.“

Ein paar Tage später sagte sie mir, dass sie nach meinem Blog gesucht, ihn aber nicht gefunden habe. Ich kommentierte: „Den wirst Du auch nie finden. Keine Namen, keine Orte, keine Daten.“

Liebe Fr. Schlange, falls Du diesen Blog doch eines Tages finden solltest oder ihn bereits kennst oder mitliest, dann soll es halt so sein. Dann lernst Du mich wenigstens quasi postum kennen, nach dem Tod unserer Beziehung. In der Beziehung war ich es Dir vermutlich nicht wert genug, mich wirklich richtig kennen lernen zu wollen. Eine Rolle für uns spielt das nicht mehr. Aber ich war die letzten Monate immer mehr dabei Dir aus meiner Vergangenheit zu erzählen, das ganze Pickup-Ding und so. Ich hatte angefangen Dir zu vertrauen, in jeder Hinsicht. Auch was Deine Vergangenheit mit dem anderen Geschlecht betrifft. Denn diese ist schon sehr speziell. Und GENAU zu diesem Zeitpunkt, hast Du angefangen Dich zu entfernen. Und ich hab es nicht gemerkt. Es war nicht zu vermeiden für mich, ich musste und sollte in diese Falle hinein laufen. Opferrolle schon wieder, ich weiß. Aber sei es drum. Falls Du also hier mitliest, dann wünsche ich Dir viel Spaß dabei. Es wird meine Zukunft nicht beeinflussen.

Und wer war Freundin Nummer 2?

Freundin Nummer 2 war sehr unweiblich und hatte einen Bart. Außerdem verhielten sich Freundin Nummer 2 und Fr. Schlange äußerst turteltäubchenmäßig-verliebt miteinander. Händchenhaltend und eng tanzend. Vor wenigen Wochen hingegen erst waren Fr. Schlange, Freundin Nummer 1 und ich noch gemeinsam in derselben Location zum Feiern. Alles schien ganz normal für mich, zu jenem Zeitpunkt. Keinerlei Verdacht auf Abnormalitäten.

Danke für Deine Loyalität, Fr. Freundin Nummer 1. Und ich dachte, dass wir uns immer einigermaßen sympathisch waren. Immerhin hatten wir uns die letzten Monate ein paar Mal gezielt als zwei 2er-Pärchen getroffen, weil ich mich auch mit Deinem Ehemann gut verstand. So schnell verfliegt für Dich also eine menschliche Beziehung in die Bedeutungslosigkeit. Hauptsache Du hast wieder jemanden zum regelmäßigen Feiern und Spaß haben, dafür gehst Du auch über Leichen. In dem Fall über meine. Insgesamt gingen wir (Fr. Freundin Nummer 1 mit Fr. Schlange und mir) zusammen zwar „nur“ zwei oder drei Mal zum Tanzen, in der Zeit der Beziehung, allerdings machte es mir immer Spaß mit Dir und Euch. Dir sicher auch, wie Du auch immer sagtest.

Mir ist schon klar, dass Freundinnen zusammenhalten. So wie Freunde zusammenhalten. Nichts anderes ist zu erwarten. Allerdings scheint Dir das alles nicht sehr viel auszumachen bzw. scheinst Du solch einer „Menschenaustausch-Aktion“ wenig Bedeutung beizumessen. Zwischenmenschlich traurig. Es stand nämlich der Plan im Raum, den nächsten Urlaub – womöglich im Sommer – gemeinsam zu viert zu verbringen. Weil Fr. Schlange und Du so gerne Zeit miteinander verbringen und der Ehemann von Fr. Freundin Nummer 1 auch mich sehr sympathisch finde. Deshalb sollte es ein 4er Urlaub werden (die Kinder wären derweil woanders geparkt worden).

Ich sagte spontan mein Einverständnis zu. Warum auch nicht. „Deine Freunde sind auch meine Freunde“, lautet meine Grunddevise im Leben. Denkfalle. Aus Sicht von Fr. Freundin Nummer 1 muss es dann wohl aber heißen: „Heute Du an unserer Seite, morgen schon ein Anderer.“

Danke. Dazu kann ich nur eines sagen: Das lässt tief auf Deinen Charakter blicken. Dein Ehemann tut mir leid. Der arme Mensch ist wirklich ein gerader Kerl, finde ich. Ob Du das auch bist, kann ich nur stark bezweifeln. Also kein Kerl natürlich, wenn dann eine Kerlin. Aber vom Geradesein bist Du, glaube ich, ein Stück weit weg. Ein Rückgrat zu besitzen, sieht anders aus.

Ich musste zuletzt erkennen, dass neben Fr. Freundin Nummer 1 auch die anderen sog. Freundinnen von Fr. Schlange offenbar nicht allzu viel von mir halten. Da war niemand, der irgendetwas in meine Richtung unternahm, um die Beziehung „zu versuchen zu retten“. Der Versuch zählt, sagt man im Leben. Nichts zu versuchen, zählt auch. Nur in die andere Richtung. Dann kann auch nichts Positives dabei herauskommen. Wieder etwas gelernt im Leben:

Freundinnen der Partnerin sind wohl selten auch Freunde von mir.

Es gilt aus Sicht der Freundinnen (von Fr. Schlange) eher die Devise: „Hauptsache meine Freundin verbringt Zeit mit mir, so wie ich das will, dann ist mir egal wen sie an ihrer Seite hat. Soll sie ihn notfalls zum Mond schießen. Und jetzt ab zum Feiern!“

Was fällt an dieser Devise einem klar denkenden und vor allem mitfühlenden Menschen auf? #EgoismusRegiert

Keine gute Grundzutat für eine aufrichtige Freundschaft, selbst unter Frauen. Meiner bescheidenen Meinung nach. Aber wie schrieb mir Lotusblume (Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 1 von 3) letztens zu diesem Thema per Whatsapp: „Zeig mir Deine Freunde, dann weiß ich wie Du tickst.“

Und dann ist da noch die Fr. Freundin Nummer 2

Über sie, bzw. besser gesagt über ihn, verliere ich gar keine Worte. Nicht wert. Das ist auch schon der ganze Absatz zu dieser Person. Ich kenne Dich nicht. Was ich (sogar direkt von Dir persönlich per Sprachnachricht) gesagt bekommen und sonst von Dir gehört und gesehen habe, erübrigt alle weiteren Worte meinerseits. Aber ich bin an jenem Abend dennoch zu Euch dreien gekommen und habe Euch allen kurz und sachlich die Hand gegeben und bin weiter gelaufen. Rückgrat haben nicht alle. Stolz und Ehre erstrecht nicht.

Aber ich habe mein Rückgrat noch. Und Stolz und Ehre kenne ich nicht nur vom Hörensagen.

Diese Austauschbarkeit innerhalb weniger Wochen ist in meinem Falle eine lehrreiche Erfahrung im Leben. Danke an Euch drei. Fr. Freundin Nummer 1, die wir auch Fr. Schlagen-Freundin nennen könnten. Oder Fr. Freundin-Schlange. Ja, Schlange trifft auch auf Dich zu. Nicht nur auf Fr. Schlange. Ich möchte nicht wissen was Deinem Ehemann mit Dir widerfährt. Wenn Du einen Betrug in Deinem engsten Freundinnenkreis gut heißen kannst und Dich aktiv an der Unterstützung beteiligst. Wenn Du, wie letztens, nach dem gemeinsamen Weggehen noch alleine im Club geblieben bist. Ich kann nur vermuten warum. Egal.

Wie gesagt, wir sind keine Kinder mehr. Wir alle machen und machten Fehler im Leben. Aber wir sollten irgendwann etwas dazu lernen. Dieses Stadium hast Du scheinbar übersprungen, bislang. Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. 1 Euro und ab damit ins Phrasenschwein, aber warten wir doch einfach. Auch wenn ich den Ausgang dieser – Deiner – (Ehe- und Lebens-)Geschichte nicht mehr mitbekommen werde. Sie interessiert mich auch nicht mehr. Das ist bereits jetzt Vergangenheit für mich. Es ist dann Dein Problem. Aber ich glaube an so etwas wie Karma.

Dann ist da noch Fr. Schlange, die mit Fr. Freundin Nummer 2 (das ist die mit dem Bart und dem halb-maskulinen Aussehen!) verliebt tanzte und händchenhaltend an mir vorbeilief. Nun, zu Fr. Schlange verliere ich zumindest in diesem Artikel auch nicht mehr viele Worte. Nur das: Was Du mit der – unserer, inzwischen ehemaligen – Beziehung getan hast… kann eigentlich nur sprachlos machen. Ich bin Dir nicht böse, wie ich Dir auch in meiner ersten Reaktion sagte. Tanz Du mit Deiner „Freundin Nummer 2“ in die Nacht hinein und sei verliebt. Genieß die Zeit. Sei glücklich. Das hat nichts mehr mit mir zu tun. Genießt Euer Leben, Eure neue Beziehung und Eure Liebe.

Und so ging Eure Nacht, die ihr unter Euch „Freundinnen“ feiern wolltet, irgendwann auch zu Ende.

Meine Nacht irgendwann auch. Danke an meinen Wingman für den tollen Abend und die ehrlichen und harten Gespräche und Deine Kritik zu mir als Person (in Bezug auf meine EX-Beziehung). Ehrliche und aufrichtig gemeinte Hinweise können Menschen nur bereichern. Und ich höre mir solcherlei Hinweise sehr genau an, um daraus zu lernen. Und ich habe bereits jetzt enorm gelernt.

(Umsetzen muss ich es nur noch, im Kleinen, im „Alltäglichen“, ich weiß, liebe Lotusblume… ich weiß. Ich werde mein Bestes geben. Danke für unser Telefonat und auch für Deine aufrichtigen, irgendwie tröstenden und zugleich zukunftsweisenden Worte. Es tat und tut gut. Wie immer. Danke.)

Und zum Abschluss dieses heutigen Artikels noch ein krönendes Häubchen:
Es tat auf eine bittere Art gut, Euch alle drei zu sehen. Referenzerfahrung. Das lässt mich bis jetzt noch mehr mental massiven Abstand zur Situation gewinnen. Abstand zu unserer ehemaligen Beziehung gewinnen. Surreal. Immer noch surreal, das alles. Aber ich war da. Ich war tanzen und hatte meinen Spaß.

Fr. Schlange sagte zu mir am Ende der Beziehung, dass wir nicht zueinander passen würden. Hätte sie „die letzten Monate erkannt“. Weil ich unter anderem nicht gerne tanzen gehen würde und oft ernst sei. Übersetzt gesagt, sei ich wohl langweilig geworden. Mag sein. Für Dich vielleicht. Aber wer war der Mann, der in dieser Nacht so viel tanzte wie in den letzten 4 oder 5 Jahren zuvor nicht mehr, selbst nicht zu meinen besten Pickup-Zeiten…? Haltung annehmen!

2019-03-28

2 Kommentare zu „Beim Tanzen sieht man sich immer zweimal…

  1. Welcome back! Beim aktuellen Pensum kommt man nur schwer hinterher, aber nun nehme ich mir mal die Zeit zum Kommentieren.

    Wo fangen wir an? Weiß nicht, ob’s ein „tut mir leid für dich, man“ bringt. Denn eigentlich liegt zwar zu verarbeitender Schmerz im Raum, aber die Augen geöffnet zu bekommen, hilft immer besser früher als später. Wahrscheinlich hat sich die geliebte Person nicht verändert, sondern nur allmählich ihr wahres Gesicht gezeigt, aber klar, es fühlt sich immer wie ein harter Schlag an, wenn die einstige Illusion zerbricht und Vergangenes nichts mehr zählt. Der einzige Gewinner in der Sache bist aber trotz alledem du, finde ich. Die Schlange reflektiert erst im Nachhinein ihre toxischen Muster und wird – wenn schon nicht bisher als vermeintlich gereifte Mutter – in ihrem Liebesleben wohl niemals erwachsen werden. Monatelanges Fremdgehen ist nichts als verachtenswert und der Sprung von Beziehung zu Beziehung der leichteste Weg, sich gar nicht erst mit den eigenen Baustellen auseinandersetzen zu müssen.

    Und der Trostpflaster-Typ ist eine Lachnummer – wer mit einer Fremdgeherin warm wechselt, läuft doch lachend in die Kreissäge. Da hat wohl einer schlecht gescreent.

    Bei dir müsste man die Frage aber besser auch mal stellen. Die Schlange meinte ja, sie wäre wie in jeder Beziehung zuvor wieder in die alten Kindheitsmuster zurückgefallen. Gab es solche Sätze, solche Warnsignale denn nicht schon am Anfang eures Kennenlernens? Ich würde da sehr genau hinhören. Wäre mein bester Rat an dich für den zukünftigen Ritt auf dem Singlemarkt. Menschen können sich immer ändern – klar. Aber wer tut es schon, also so richtig?

    Mir gefällt es in dem Zusammenhang sehr, wieder in deine Gedankenwelt eintauchen zu können. Viel spannendes Zeug dabei, viele ähnliche Gedanken. Dass ich in den Details andere Vorstellungen von einer Beziehung hätte und die Aussicht auf Stiefkinder ein sofortiges Ausschlusskriterium bei mir wäre – geschenkt. Deine kritischen, zweifelnden Untertöne rund ums Package des Mannes und den Fun-Value in einer Beziehung finde ich wiederum sehr treffend. Bin wie du auch kein Action Hero. Gerade in unserer modernen Welt wäre es ein Leichtes für Frauen, im Gesamtpaket „aufregendere“ Typen mit Insta-Influencer-Lifestyle zu finden. (Ob sie diese Typen dann aber auch langfristig halten könnten, ist natürlich wieder eine ganz andere Geschichte.) Nur hilft es auch nichts, sich von diesen Gedanken verunsichern zu lassen – am Ende des Tages sollte man sich selbst immer treu bleiben bzw. nicht krampfhaft versuchen, anderen gefallen zu wollen. Und selbst wenn etwas Schönes einmal endet, man sich auseinandergelebt hat, dann war es zwar nichts für die Ewigkeit, aber doch zumindest eine hammermäßige Etappe.

    Ich denke nicht, dass deine Treffen am Ende grundlegend völlig langweilig für sie waren oder dass 5 Kilo mehr auf den Rippen an sich ein riesiges Problem darstellten. Im Endeffekt wird es eine Mischung aus vielen Dingen gewesen sein, und besonders ein anderer Faktor dürfte noch ziemlich reingehauen haben. Als du 2017 von deinen Beziehungsanbahnungen berichtet hast, fiel mir bereits auf, dass deine Idealvorstellung einer Liebesbeziehung mit viel Nähe zu tun hat. Mit sehr viel Nähe! Auch hier habe ich irgendwo herausgelesen, dass ihr fast 24/7 aufeinanderhingt. Ich denke echt nicht, dass man immer superspannend sein muss – aber gerade wenn man fast jeden Moment miteinander teilt, fällt die vor sich hin dümpelnde Alltagsroutine wohl einfach noch stärker negativ ins Gewicht. Selbst wenn wir uns die ständige Nähe zu einem geliebten Menschen insgeheim doch wünschen mögen, können wir die Anziehungsgesetze der Natur eben doch nie wirklich überlisten. Pick-Up-Techniken wie Push & Pull indes sind ein Musterbeispiel für das Spiel mit Heiß und Kalt, für die Wechselwirkung von Nähe und Distanz, für die Spannung, für das Kribbeln. In dem Zusammenhang überrascht es nicht, warum auch Paartherapeuten in der Regel die Wichtigkeit von einem gesunden Nähe-Distanz-Verhältnis unter Partnern herausstellen. Ein solcher Text hier – https://www.erlebte-paarberatung.de/paarberatung-paarberatung/das-rechte-mass-naehe-und-distanz – liest sich trivial, bringt es aber wohl in einfach verständlicher Sprache ganz gut auf den Punkt.

    Der Gang ins Gym wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, das hast du selbst reflektiert. Dass du deinen eigenen Blog aus dieser Betrachtung aber auch ausklammerst, finde ich unverständlich. Ja, klar, das Projekt Beziehung schien in der Findungsphase abgeschlossen, und alles Weitere muss man dem Internet auch nicht mehr unbedingt im Liveticker mitteilen … Aber … War und ist dein Blog nicht mehr als das? Was hätte während der Beziehung gegen Philosophische Sonntage gesprochen? Was gegen Filmreviews? Was gegen gesellschaftspolitische Kommentare? Und selbst wenn man wie ich 2018 selbst wenig veröffentlicht hat, so ist man hier doch immer noch Teil einer Community und hätte in anderen Blogs schmökern, kommentieren, diskutieren können. Sicherlich muss man, gerade wenn wirklich ernste Dinge wie eine kleine Familie ins eigene Leben treten, auch einmal irgendwo kürzer treten und seine Prioritäten neu verteilen. Doch gerade das Schreiben hätte es nun wirklich nicht als Erstes treffen sollen. Das ist doch eine absolute Passion von dir, man! Sonst wärst du doch jetzt nicht sofort wieder hier gelandet und würdest tagtäglich neuen Content raushauen.

    Das erinnert ironischerweise an diese Leute, die während einer Beziehung komplett untertauchen und sich dem vormaligen Freundeskreis (bestenfalls) mal noch in der WIr-Form präsentieren, dann aber nach dem Beziehungsaus sofort wieder auf der Matte stehen. Während jeder bereits ahnt, dass dieser Kreislauf mit der nächsten Beziehung wieder von vorn beginnen würde. Du monierst an anderer Stelle fehlendes Rückgrat, doch an diesem Punkt bist du dir selbst doch auch nicht treu geblieben und hast deine persönliche Leidenschaft der Beziehung vollends untergeordnet. Sag du’s mir, ob meine Schlussfolgerung berechtigt ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Hi!

      Wow! Einfach wow! Erstmal platt.
      Deine Schlussfolgerung, aber auch Deine Herleitung, ist absolut berechtigt! Danke für Deinen aufrichtigen Kommentar, der mir in den Arsch tritt. Ich werde mir das noch ein paar Mal durchlesen müssen, glaube ich.

      Dass Du mich als Gewinner aus der Nummer siehst, ist eine neue Perspektive. Ja, sie folgt alten Mustern. Keiner weiß, ob sie aus ihrem derzeitigen Verhalten lernen wird und ob der „Nächste“ dann ihr endgültiges Glück bedeutet. Vermuten würde ich es sicher nicht.

      Du hast Recht, wenn Du sagst, dass sie wohl mehr und mehr ihr wahres Gesicht gezeigt hat. Genau das ist es auch, was mir so den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Sie hatte diese Illusion zwischen uns doch maßgeblich selbst aufgebaut.

      Das Schema war vereinfacht für die gesamte Beziehung folgendes: Sie sagte etwas, ich versuchte das aufzunehmen und gleich umzusetzen. Dafür bekam ich von ihr stets Anerkennung. Also intensivierte ich meine Verhaltensweisen oder Denkmuster. Darauf folgte erneut mehr Anerkennung usw.
      Hätte ich je verstanden, dass irgend etwas nicht passt, hätte ich es ändern können.

      Aber die Sache mit dem wahren Gesicht ist wohl 100% korrekt. Beispielsweise sagte sie von Anfang an, dass sie – genau wie ich – keine Kontakte zum anderen Geschlecht in einer Beziehung habe. Eigentlich sogar nicht mal außerhalb einer Beziehung. Auch wenn das in der neumodischen Welt okay sein mag, ich steh da nicht drauf, wenn meine Freundin mit anderen Typen Kontakt hat. Ich tue das schließlich umgekehrt auch nicht. Nach ein paar Wochen fand ich heraus, dass sie lose mit jemandem schreibt (Whatsapp). Sie sagte mir, dass das eine Bekanntschaft (allerdings mit allem drum und dran) von früher sei. Das hatte gesessen. Ich war kurz davor die Beziehung zu beenden, schließlich war es noch im Anfangsstadium. Und Abschiede von Frauen waren für mich Alltag. Stattdessen bettelte sie regelrecht, dass ich nicht gehen sollte. Sie würde den Kontakt abbrechen. Gesagt, getan. Und alles fing sich zwischen uns. Als dann aber vor kurzem Schluss war, sagte sie mir, dass sie mir nur gefallen wollte. Aber sie wollte nie ihre Kontakte beenden müssen. Schließlich sei aus der Liebelei von damals längst „nur“ eine Freundschaft entstanden. Sie sei froh, dass sie ihre „alten Freunde“ alle wieder haben könne.

      Das nur als Beispiel für „wahres Gesicht“. Du hast Recht.

      Zu Deiner Frage nach den Warnsignalen: Natürlich gab es die. Zuhauf. In jeder Hinsicht. Sie war nur am Feiern mit Freundinnen, die allesamt fremd gingen oder dem Ganzen recht zugeneigt waren. Nur als ein Beispiel. Sie hatte zwei Ehen hinter sich. Kein Pauschalurteil, aber natürlich auch ein Indiz. Ihre gesamte Lebensgeschichte, ohne alles auszubreiten hier, wären potentielle Warnsignale genug gewesen. ABER, ich hatte durch meinen Weg zur Persönlichkeitsentwicklung gelernt (oder lenen wollen?), dass ich frei von Verurteilungen werde. Dass ich annehme was MIR persönlich widerfährt. Und die Kurzform ist: Mir gegenüber hat sie sich verhalten wie eine Traumfrau. Das hat mich blind gemacht. Auch dass das Thema Stiefkinder ein Ausschlusskriterium für die allermeisten Männer darstellt, ist mir klar. Und genau auf so etwas hatte ich mir auf meinem Weg zur Traumfrau eben eingehämmert: „Weg mit solchen Vorurteilen. Nimm das Leben an wie es kommt. Wenn DIE EINE kommt, dann ist auch egal ob sie Kinder hat oder nicht.“
      Ich hätte sogar daraus geschlussfolgert, dass sie doch eigentlich umso „froher“ sein müsste, dass sie einen wirklich aufrichtigen und vernünftigen Mann an ihrer Seite (und der Seite ihrer Kinder) habe. Welche Frau wäre da nicht froh, wenn ein neuer Mann sie akzeptieren würde bis in die Fußspitzen. Kleine Info am Rande, falls ich es noch nicht in einem der Artikel erwähnt hatte: Sie konnte auch keine Kinder mehr bekommen. Das sagte sie mir aufrichtigerweise bereits nach wenigen Wochen. Aber hey. Das sitzt auch erst mal. Und dennoch (!), ich habe alles akzeptiert. Weil ich sie einfach toll fand. Und sie mich, jedenfalls wohl zu Beginn (?). Aber im Einzelfall ist selbst das Akzeptieren von fremden Kindern oder das Akzeptieren von keine-Kinder-mehr-bekommen-können wohl nichts wert, wie ich feststellen musste.

      Danke für Deine Denkanstöße! Die Sache mit dem 24/7 hast Du vollkommen richtig – auch von damals her – erkannt. Sie sagte am Ende auch zu mir so etwas wie: „Du suchst jemanden für 24/7, ich bin so nicht. Ich brauche auch mal meine Zeit für mich.“
      Es kam nur ein entscheidender Punkt hinzu, den ich vermutlich nie erwähnt habe: Aufgrund ihres bisherigen Lebensgebahrens konnte ich ihr lange Zeit nie komplett vertrauen. Ihr Freundeskreis war und ist großenteils aus meiner Sicht ein chrakterlicher Totalschaden. Spaßig ja. Charakterlich integer? Nein. Und so befürchtete ich tatsächlich, dass sie zum falschen Zeitpunkt mit den falschen Menschen wieder in ihre bestimmten alten Verhaltensmuster zurückfallen würde. „Warum bist Du mit ihr überhaupt in eine Beziehung gegangen?“, denkst Du dir vielleicht. Ja, ich fand sie einfach traumhaft. Ich kann das nicht erklären. Sie hat mich komplett geflashed. Sie sagte aber auch von Anfang an solche Dinge wie: „Ich werde Dir nicht fremd gehen und mache auch nichts mit anderen Männern. Das mache ich nie, solange ich einen Menschen liebe. Und ich liebe Dich!“
      Heute hört sich der Satz schon ganz anders an als nach wenigen Wochen und Monaten. „Solange ich einen Menschen liebe!“ Da läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Ist die Liebe weg (oder auch nur nicht mehr ganz da), hat sie den Nächsten, wäre wohl die Übersetzung gewesen. Alarmsignal. Klar. Mann!

      Das Ding mit Push&Pull bringst Du absolut berechtigt vor. Gerade aufgrund dieser 24/7-Nähe von mir (ich bin so, was soll ich tun? 🙂 ) sind diese Elemente wohl essentiell zu beachten. Ich war schon auch hin und wieder auf Geschäftsreisen für 1 Nacht oder auch durch mein (Abend-)Studium oft erst spät nachts zu Hause. Außerdem auch während der Woche durch meinen Job mehrere Tage oft erst spät abends. Für mich war das immer schon „zu viel Distanz“. Ich habe sie immer vermisst, sobald ich zur Türe raus ging. So war ich schon immer.

      Du hast auch damit Recht, was das Bloggen betrifft. Ich hätte nicht alles weglegen dürfen. Ich hätte zumindest „heimlich“ weiter machen können. Ich hatte ihr vom Blog erst nach dem Aus der Beziehung erzählt (ohne ihr den Blog zu verraten), ich war ehrlich gesagt sogar kurz vor, ihr in der Beziehung den Blog zu zeigen. Mein Vertrauen ist wohl zu ihr genau zu jener Phase immer größer geworden als sie sich umgekehrt anders orientiert hatte. Widerlich trifft es gut, klar. Aber Du hast Recht, ich hätte nicht alles im Leben einfach aufgeben und ablegen sollen.
      Wenn man selbst in der Situation steckt, sieht das oft anders aus. Ich hatte eben plötzlich Familie und wollte die Verantwortung auch haben, genoss sie und wollte für alle da sein. Ich bin ein Mensch, der sich sehr extrem selbst aufopfert für seine Partnerin. Schwer umzusetzen, aber in Zukunft werde ich auf mehr Balance achten. Vertrauen spielt eine große Rolle. Wenn ich der Frau vertrauen kann, dass sie die Finger von anderen lässt, ist das wohl schon mal ein großer Schritt zu mehr Push&Pull und zu etwas weniger 24/7 und dennoch einer glücklichen (und treuen) Beziehung.

      Den Artikel von Dir muss ich mir noch durchlesen, hab ich noch nicht. Danke.

      Deinen Blog werde ich mir auch noch ansehen und bestimmt auch mal kommentieren. Im Moment wiegt für mich die Situation nur so schwer, dass ich froh bin, wenn ich mit mir selbst zurecht komme.

      Meinen tiefen Dank für Deine ehrlichen (und zurecht harten) Worte. Ich fand damals schon, dass Du ein feiner Kerl bist. Das hatte ich Dir auch mal geschrieben. 🙂

      Wenn Dir wieder etwas auffällt, hau jederzeit rein. Danke nochmal und sieh es mir nach, dass ich doch so viel geantwortet habe. Es hilft aber wirklich beim Reflektieren und verarbeiten. Du hast ja doch genau die wunden Punkte getroffen…

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