Philosophischer Sonntag – Perspektivisches Sehen

Wieder mal irre.
Heute der erste Philosophische Sonntag © seit dem 16. April 2017 (Prä Philisophischer Sonntag – Einblicke eines ungewöhnlichen Schreibers). Wow.

Wenn ich meinen damaligen Artikel so lese, merke ich eigentlich wie gut in Form ich war. Mental und auch im Schreibstil. Wahnsinn im Vergleich zu jetzt gerade. Übung macht wohl auch da den Meister. Ein Schreiberling muss schreiben. Nicht nur eine Beziehung führen. Sonst wird er zum geübten und guten Beziehungsführer und weniger zum guten Schreiberling. Oder aber er ist am Ende beides nicht mehr. Kann auch passieren. Frau Schlange sei Dank. Wer Frau Schlange sein soll, dürfte klar sein. Dazu kommt noch ein extra Artikel.

Ich musste mehrmals selbst schmunzeln, über meinen eigenen bald 2 Jahre alten oben verlinkten Text. Da will ich mental wieder hin kommen. In diese Leichtigkeit. Dieses Selbstbild. Dieses Selbstbewusstsein. Es sollte vom damaligen Artikel an nur noch einen guten Monaten dauern, und ich hatte meine Traumfrau kennen gelernt. Und so soll es wieder sein. Bereit werden durch sich selbst bereit machen.

Nun, zurück zum Text.

Wahrheiten ändern sich

Früher hatte ich bereits darüber geschrieben, dass jeder Mensch sein eigener Mittelpunkt der Erde ist (Philosophischer Sonntag – Wo ist der Mittelpunkt der Erde?). Und genauso bildet sich auch jeder Mensch seine eigene Wahrheit.

Wie ich auf dieses Thema komme? Freitag Nachmittag hatten meine EX-Freundin und ich kurz gechattet. Ein paar sachliche Dinge eigentlich, zum Beispiel die Stornierung unserer erst vor wenigen Wochen gebuchten Urlaubsreise (wie surreal!). Aber es kamen auch ein paar Wortwechsel über uns und die Vergangenheit dazu. Und es ist erschreckend klar zu sehen, wie Wahrheiten sich ändern können. Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) sagte einmal sinngemäß: „Jedes Sehen ist perspektivisches Sehen.“

Und es ist erstaunlich zu beobachten, wie menschliches Sehen sich so verändern kann. Besser gesagt wie aus dem Sehen ein Interpretieren wird. Aus meiner Sicht wirkt es, als würde sich aus ihrer Sicht das Sehen in ein Bestimmte-Dinge-Dazu-Erfinden-Und-Andere-Dinge-Wegerfinden verändern. Bzw. es hat sich schon verändert. Da werden Dinge mit Dingen gerechtfertigt, die nichts miteinander zu tun haben. Da werden Argumente a posteriori vorgebracht, d.h. erst durch nachträglich erlangtes Wissen rückwirkend gerechtfertigt.
Beispiel: „Es war falsch von mir, dass ich Dich angelogen und betrogen habe. Aber als ich jetzt am Ende festgestellt habe, dass Du das und jenes getan oder nicht hast, zeigt es einfach, dass wir nicht füreinander bestimmt waren.“

Was für ein – philosophisch unsauber ausgedrückt – Bullshit par excellence.

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Das ist als wenn ein Räuber in eine Tankstelle kommt und dem Kassier eine Pistole an den Kopf hält und sagt: „Tut mir leid, dass ich das hier tue. Ich war jahrelang Dein Kunde und habe hier immer getankt. Dann habe ich VOR EINIGER ZEIT herausgefunden, dass Ihr das Benzin immer um 1 Cent teurer verkauft als die Konkurrenz. Ich bin zwar trotzdem WEITER zu DIR zum Tanken gekommen und habe deswegen NIE etwas zu Dir gesagt, aber wegen dieser Sache war es IMMER falsch, dass ich Euer Kunde war.“

Das ist kein perspektivisches Sehen mehr. Nicht im von Nietzsche gemeinten Sinne. Allerdings ist es verdrehtes Sehen. Selbst erfundenes Sehen.

Ich würde behaupten, sogar sich selbst gegenüber rechtfertigendes nachträgliches perspektivisch geändertes Sehen.

Meine Philosophischen Sonntage © zeichneten sich gemeinhin durch Harmonie und Leichtigkeit aus. Dieser hier ist anders. Er ist sicherlich ein ganzes Stück weit emotional geladen. Unüblich für einen Philosophischen Sonntag. Aber es ist wie es ist und was raus muss, muss raus.

Und die Moral von der Geschicht‘?
Verdreh‘ wenigstens Dein eigenes Sehen nicht.

Und die zweite Moral von der Geschicht‘?
Ärgere Dich über Unwahrheiten anderer nicht.

PS: Wenn es nur so einfach wäre…

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