Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 4 von 3

Jetzt ist es Sonntag, 20:32 Uhr, und ich fange an diesen Artikel zu schreiben. Teil 4 von 3. Klingt merkwürdig, ein vierter Teil von einem Dreiteiler. Wenn dieser Artikel aber erscheint, wird Feiertag sein, der Tag der Arbeit. Den vierten Teil gibt es einfach noch kurz angefügt, so viel ist nämlich nicht passiert, dass es eine neue Serie zu Fr. Tinder und mir rechtfertigen würde. Also gibt es eine kleine Fortsetzung der bestehenden Story, mit einem fulminanten Ausgang. Fasten your seatbelts please, schnallen Sie sich an bitte.

Die Rückkehr von Fr. Tinder

Fr. Tinder war zuletzt nach ihrer 14-tägigen Reise wieder bei mir zu Hause, vier Tage lang. Während der Zeit musste ich an den meisten Tagen arbeiten, so dass wir uns meist abends nach meiner Arbeit trafen und anschließend zu mir fuhren. Morgens verließen wir immer gemeinsam das Haus. Sie ging ihren Dingen nach und ich meiner Arbeit. Am Telefon fragte sie mich vor ihrer ersten Ankunft: „Kann ich meine Yoga-Matte mitbringen? Ich hab zwei, dann kann ich eine bei Dir lassen zum Yoga machen.“ Was es damit aufsicht hat, darauf kommen wir später noch zurück.

Und bereits nach wenigen Stunden war es wieder da. Dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das ich in den letzten drei Artikeln über sie auch schon beschrieb. Irgend etwas stimmte nicht, grundsätzlich nicht. Es fühlte sich nicht leicht an, nicht frei. Zwischenzeitlich konnte es immer wieder sehr liebevoll und harmonisch sein, allerdings stellte ich zunehmend fest, dass dies immer dann der Fall war, wenn es nicht um uns beide und unsere zwischenmenschliche Situation zueinander ging. In sachlichen Themen konnten wir verständnisvoll und bereichernd miteinander sprechen. In emotionalen Themen hingegen kam kaum mehr rechtes Verständnis auf.

Und nach zwei oder drei Tagen stellte sich ein Gefühl in mir ein, das mir sagte: „Puh. Ist das anstrengend mit ihr.“ Warum?
Fr. Tinder läuft nicht ganz rund. Sie sieht Probleme in der Bewältigung ihrer Vergangenheit, vermutlich (mindestens auch) in Bezug auf ihre gescheiterte Ehe. Ehe? Ja, Ehe. Das hab ich hier nie thematisiert, weil es für mich nicht so wichtig ist. Jedem Menschen begegne ich möglichst frei, es gibt schon genug äußerliche „Filter“, die ich an den Tag lege. Gewollt oder ungewollt. Das geht jedem von uns so. Optik und solche Dinge. Aber ob nun jemand viel Geld verdient oder wenig, oder gebildet ist oder nicht, oder verheiratet war oder ist oder nicht… was solls. „Erstmal eine Chance geben“, lautet da ganz meine Devise.

Zurück zu ihren Problemen, bzw. denen, die sie sich (selbst) macht. Sie sieht viele existentielle Fragezeichen am Horizont, Jobsituation, Familiensituation der Verwandten, Wohnungssituation. Dies und das. Und dann fühlt sie sich in Deutschland nicht so wohl wie dort, wo sie zuletzt eine Zeit lang im Ausland lebte. Dort, wo sie zuletzt 14 Tage „Urlaub“ machte. Aber irgendwie sei Deutschland doch für sie besser, weil alles geordneter sei.

Auch bei mir sei das so, sie fühle sich in meiner Nähe aufgeräumt. Alles sei so klar und so strukturiert, das gebe ihr Sicherheit und halt. Andererseits fühle sie sich aber auch nicht so frei wie in einer eigenen Wohnung.
Hm, relativ logisch, wie ich finde. Eigene vier Wände sind eigene vier Wände, andere vier Wände sind andere vier Wände. Deshalb sollte das Ziel sein beides bestmöglich zu verschmelzen. Will aus meiner Sicht heißen: Die jeweils anderen vier Wände mittel- bis langfristig zu den gemeinsamen vier Wänden zu machen.
Aber halt, nicht so schnell. Der Reihe nach.

Fleißig oder unfleißig, das ist hier die Frage

Ich bemerkte über die Tage wieder, dass ich mich zu Hause mehr einbrachte als sie. Darauf habe ich keine Lust (mehr). Also sprach ich auch das klar an. Sie sah das völlig anders. Was mir wiederum klar war. Und so diskutierten wir mehr über unsere unterschiedlichen Ansichten, anstatt zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Worauf ich an sich gar keine große Lust habe. Weil… ich da eine klare Meinung vertrete, und die teilte ich ihr auch mit: „Sieh mal, wenn es wirklich passt zwischen zwei Menschen, dann müssen sie sich nicht darüber unterhalten wer nun mehr oder weniger tut und ob der eine nun zwei mal abgespült hat und der andere aber dafür zwei mal öfter das Bett gemacht hat. Es passt dann einfach.“

Nur wenn es eben mal nicht passt, dann spreche ich das klar an. Besonders wenn der eine der beiden Personen arbeitet und studiert und die andere Person nicht arbeitet und auch nicht studiert. Einer hat also nicht nur für die „restliche Freizeit“ Zeit und eine schon.
Und so ging es an einem Abend auch wieder um das Thema Playstation spielen oder nicht. An zweiten Tag, an dem ich kurz mit Herr van Onnetuschn Fifa spielen wollte, ging wieder eine Diskussion los. Warum das wieder mal sein müsse, wenn sie da sei. Woraufhin ich ihr erklärte: „Du warst auch gestern da und ich habe nicht gespielt. Du wirst morgen und übermorgen vermutlich auch da sein und da werde ich wahrscheinlich nicht spielen. Was ist der Unterschied zwischen heute oder morgen oder übermorgen?“

Und so stellte ich mir nicht nur selbst die Frage: „Worüber reden wir hier eigentlich???“

Ich gönne ihr das doch immer, wenn sie sich auch mal 30 Minuten für sich selbst Zeit nehmen möchte. Ich spiele nicht 5 Stunden, sondern vielleicht 30 oder 40 Minuten.

Wehret den Anfängen

Vorsicht liebe Männer, am Anfang werden die Weichen gestellt!

Natürlich gehe ich mit diesen Dingen hier schon sehr ins Detail, mir geht es dabei in meinen Erlebniserzählungen nicht um einen Selbstzweck, sondern darum darzustellen über was für einen Käse man allen ernstes diskutieren muss. Vor Fr. Tinder war die Klette. Sie hatte ähnliche Anzeichen und Anstalten der „Vereinnahmung“ getätigt, anders zwar, aber auch. Das ist mal ein eigener Artikel wert, das Thema „Wie eine Frau still und heimlich versucht Besitz über Dich zu ergreifen.“ Vielleicht sollte ich den als schlaue Selbsthilfe-Anleitung im Stile von „5 wichtige Tipps, um sich nicht beherrschen zu lassen“ veröffentlichen.

Stoff hätte ich genug!

Und so drehte ich den Spieß um und sagte: „Was ich stattdessen echt toll von Dir fände, wäre wenn Du mir auch mal eine Auszeit gönnen und mich fragen würdest, ob Du in der Zwischenzeit etwas tolles für uns oder für mich tun könntest. Vielleicht etwas im Haushalt oder etwas kochen oder oder oder.“

Rumps, der hat gesessen. Bei ihr. Wie ich gemerkt habe.

Genug ist genug. Es ist meine Wohnung und ich hatte sie immer gerne bei mir, auch wenn es stets sehr anstrengend war. Aber irgendwann – zwischen sie abholen und hier oder dort hin bringen – ist es auch mal Zeit selbige für sich zu nehmen. Besonders wenn es nur 30 Minuten in einer Woche sind. Darüber soll man allen ernstes diskutieren? Wo doch eigentlich/angeblich sonst so gravierende Probleme in ihrem Leben existieren. Job. Arbeit. Wohnung. Familie. Ehemalige Beziehung. Und was weiß ich noch alles. Wie ich immer sage: Es ist immer irgendwas!
Das alles gegen 30 Minuten Playstation spielen gegenübergestellt…?!

Ich bin auch noch immer sehr verletzt in Bezug auf meine Vergangenheit. Aber ich ziehe niemanden runter. Im Gegenteil. Ich bot ihr nicht nur meine Hilfe an, sondern ich half ihr zwischendurch auch. Aber ich habe auch keine Lust mein Leben durch Negativität in der Lebensqualität zu senken. Und auch ein Energiefresser ist nicht mein liebstes Haustier. Also hab ich für mich beschlossen Negativenergiefresser zu meiden. Ein schönes Wort. Negativenergiefresser. Gibts auch Positivenergiefresser? Sicher. Geh mal eine Runde joggen.

Als ich sie Samstag nach Hause gefahren habe, war wieder so eine insgesamt etwas genervt wirkende Stimmung im Raum. Gerne fuhr ich sie, nachdem sie mich darum bat. Auch wenn es mit den Öffentlichen recht einfach wäre. Solche Dinge sind mir aber egal, ich mache das wirklich gerne. Schließlich gönnt sie mir es ja auch, wenn ich Fifa auf der Playstation spielen möchte, oder? 😉
Sie sprach sich zwar in den Tagen öfter aus und teilte mir ein paar mal mit, dass ich sie nicht verstehen würde, geholfen hat es uns jedoch nichts. Einige der Dinge, die sie vortrug, zeigten mir, dass sie meine Intention hinter manchen Dingen oftmals doch nicht so verstand wie ich sie positiv beabsichtigt hatte. Verständnis auf Sparflamme, sozusagen. Außerdem komme sie mit meiner ironischen Art nicht so klar. Zur Zeit, wo es ihr nicht so gut gehe, sei ihr nicht immer nach lachen zumute.
Okay, dann gehe ich damit eben in den Keller. Aber schade, dachte ich mir. Das war es doch gerade am Anfang, was ich toll an ihr fand. Ihren Humor und ihre Fähigkeit meinen Humor mitzutragen. Hm, okay.

Kein Lebenszeichen ist auch eine Botschaft

Und so verabschiedeten wir uns Samstag kurz und knapp vor ihrer Wohnung. Ich fuhr davon, zu meinen Eltern. Dort blieb ich über Nacht. Und den gesamten Samstag kam keine Nachricht. Mein Anrufversuch in der Nacht blieb erfolglos und unbeantwortet. Komisch fand ich es nicht, auch wenn es sonst immer anders war.

Gestern fuhr ich von meinen Eltern zurück im Auto. Und mein Display im Tacho zeigte einen Anruf von ihr. Also nahm ich auf der linken Spur der Autobahn das Telefonat an, drosselte etwas die Geschwindigkeit und fuhr auf die rechte Spur. Ob ich denn gerade telefonieren könne, fragte sie mich. „Klar“, sagte ich, „wie immer kann ich beim Fahren ganz in Ruhe telefonieren“.

Sie: „Ich habe nachgedacht, der Umgang zwischen uns tut mir nicht so gut. Irgendwie verstehen wir uns nicht so gut wie ich dachte. […]“

Ich kürze das hier etwas ab. Sie sprach noch drei oder vier Sätze mehr. Mich hingegen hat es nicht dazu hingerissen viel zu sagen. Ich fragte nur: „Du hast noch eine Kleinigkeit bei mir auf dem Wohnzimmertisch liegen, schick mir eine Adresse, ich schick es Dir dann zu. Alles Gute für Dich für die Zukunft.“

Ich merkte, dass sie damit nicht gerechnet hatte. Sie diskutierte bisher immer sehr gerne und sehr viel. Mir war nicht mehr nach diskutieren. Aber ich bemerkte auch, dass sie das aus dem Konzept brachte. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass ich so kurz und knapp darauf reagieren würde.

Sie hatte aber auch nicht damit gerechnet, dass ich sehr aufmerksam war. Tags zuvor. Sie hatte alle ihre restlichen Sachen, auch ihre Yoga-Matte, wieder eingepackt und mit nach Hause genommen. Mir war klar was das zu bedeuten hatte. Ich war gedanklich längst darauf vorbereitet.

Und so ist heute der Tag der Arbeit. Für die Rechte der Arbeiter. In der Hinsicht sehe ich mich echt als Arbeiter. Wieder daygamen und clubgamen gehen, wieder von Bar zu Bar ziehen. Wieder Gas geben. Wieder Körbe kassieren, wieder Daten. Wieder ganz der Arbeiter sein.

Ein guter Anlass für mich, ich nehme das als Wink mit dem Zaunpfahl. Oder doch mit dem ganzen Zaun… auch weiterhin meine Rechte einzufordern. Ganz wie es der Feiertag auch für die Arbeiter vorgesehen hat. Das Projekt Beziehung bleibt also ein hartes Stück Arbeit für einen inzwischen abgehärteten Arbeiter. Malocher.

Was bleibt in mir zurück?

Ich fühle mich wieder frei. Keine negativen Schwingungen mehr. Keiner mehr neben mir, der mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt und – rein aus meiner Sicht – deshalb Fehler bei anderen sucht. Keine Ahnung ob ich mit meiner subjektiven Sicht Recht habe oder nicht. Darum geht es gar nicht. Recht haben ist uninteressant. Aber es ist meine Sicht der Dinge und die zählt. Ihre zählt für sie. Meine für mich. Und wenn ich mich unwohl fühle, dann ist es gut für mich, wenn ich aktiv etwas tue um wieder ins Grüne zu kommen.

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Menschlich ist das schon schade. Ich weiß nämlich, dass sie unter anderen Umständen eine tolle Frau sein würde. Vielleicht auch für mich. Mindestens aber für jemand anderen. Ich würde vermuten, dass sie ähnliche Erfahrungen wie nun mit mir auch schon gemacht hat, bzw. mit dem nächsten Mann erneut machen wird. Ein bisschen wie in einem Kreislauf. Solange… ja solange sie nicht aus dem Strudel heraus kommt. Raus aus der Opferrolle. Das wünsche ich ihr. Und bis zu ihrem Telefonat hab ich auch versucht das bestmögliche beizutragen. Aber ich bin nicht ihr Psychiater, erst recht nicht in so einer frühen Phase. Über meine „Probleme“ bzw. Verganganheit habe ich nie etwas erzählt. Warum auch. Es sind nicht ihre Sorgen. Sie hat dafür keine Verantwortung zu tragen, also verschone ich sie damit. So denke ich in dieser Frage.

Menschlich ist es schon schade, dass es zwischen uns maximal für eine kleine Frühlingsromanze reichen sollte. Glücklich und frei zu sein (egal ob mit oder ohne Beziehung) ist aber auf Dauer wichtiger, als einem Menschen noch vor Beginn einer Beziehung beim Gesunden zu helfen und die eigenen Interessen auf Dauer zurück zu stecken.

Und deshalb ist die Story mit Teil 4 von mir auch gut zu Ende geführt. Ohne sie in die Länge zu ziehen. Das hab ich ja mit dem „Schluss-mach-Telefonat“ von ihr so gelernt, am Ende eines Kapitels einfach etwas kurz anzufügen, fertig. Ob nun zwischen zwei Menschen oder bei einem Artikel. Ein kurzes „tschüss!“.

Sachen packen, weiterziehen. Wie immer. Ganz der lonesome rider. Kein Happy-End, auch wenn ihr mir das alle so gewünscht habt. Danke Euch wirklich!
Seht es bitte positiv, es bleibt auf diese Art hier auch weiterhin spannend…

Auf eine Art ist es dennoch ein Happy-End: Ich habe mich wieder. Danke Pickup, für die Kraft, die Du mir inzwischen gibst. Die Kraft, machen zu können was ich für richtig erachte. Aussprechen zu können, was ich denke. Wievielen Menschen da draußen geht es ganz anders? Wieviele Menschen müssen sich täglich ducken, müssen ertragen und „dürfen“ etwas in einer Beziehung nicht tun, was total objektiv betrachtet „völlig in Ordnung“ wäre?

PS: Ich sehe gerade auf die Uhr. Der Artikel hat fast eineinhalb Stunden verschlungen. Die Zeit ist es mir wert. Wert um dadurch auch innerlich loszulassen. Einen lieben, aber leider aus meiner Sicht nicht freien, Menschen. Dafür bin ich es nun wieder. Frei. Auch auf diese Art frei. Anders sowieso längst. Playstation hatte ich an dem oben genannten Tag übrigens trotzdem noch gespielt. Alles hat seine Grenzen. Und die endet inzwischen spätestens bei einer Einschränkung meiner Freiheit.

PPS: Ab 22. April bin ich nach einer mehrwöchigen Approach-Abstinenz wieder nebenher bei passender Gelegenheit aktiv geworden. Bis vorgestern Nacht stand es 7 zu 0. Bis gestern Nacht 8 zu 1. Das ist meine passende Reaktion auf das Ende mit Fr. Tinder. Und dieses PPS kann ich erst heute – Montag, also am Tag nach Beginn der Erstellung dieses Artikels – ergänzen.
Es war gestern wieder so weit, so einer dieser Rockstar-Momente… Darüber werde ich diese Woche noch berichten.
(Für alle neuen Leser: 7 zu 0 bedeutet nach meiner Zählart => 7 Frauen angesprochen, 0 Telefonnummern bekommen, macht 7 exklusive Körbe, nur für mich. 8 zu 1 bedeutet => 8 Frauen angesprochen, 1 Telefonnummer bekommen.)