Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 3 von 3

Kommen wir zum Abschluss dieser aktuellen Miniserie… Nach Teil 1 folgte bereits Teil 2 (Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 2 von 3).

Zu aller erst muss ich sagen, dass mich Eure vielen Kommentare sehr gefreut haben. Der letzte Artikel über Fr. Tinder war der meist diskutierte seit Bestehen meines Blogs. Was ich dabei so klasse finde, sind Eure teils unterschiedlichen und teils gleichartigen Ansichten, aber eines haben alle Kommentare gemeinsam: Sie sind authentisch, gut gemeint, offen, auch schonungslos. Andere Meinungen tun mir gut, sie erweitern die eigene (beschränkte) Sicht. Sie regten und regen mich zum Nachdenken an. Danke Euch!

Bevor es ins Wasser fällt oder ich ins Wasser falle?

Wie Ihr mir in den vielen Kommentaren geschrieben habt, sollte ich dringend darauf achten selbst nicht zu kurz zu kommen und notfalls einen Ganz zurück zu fahren, bevor „das Ganze“ ins Wasser fällt. Oder um es sogar zu präzisieren: Bevor ICH ins Wasser falle.
Mehr als je zuvor bin ich bei jedem Date und bei jeder Geschichte bereit alles loszulassen und meine sieben Sachen zu packen, um wieder weiter zu ziehen.
Freiheit und Unabhängigkeit. Das ist natürlich ein Produkt des inzwischen gewohnten Alleinseins. Man bekommt im Leben nichts geschenkt, Freiheit und Unabhängigkeit bedingen (in der Phase?) eben auch einen geringeren Bindungswunsch oder gar eine verminderte Bindungsfähigkeit.

Denn ich habe den Eindruck aus Euren Kommentaren herausgelesen zu haben, dass es nicht im Fokus steht ob es nun mit Fr. Tinder was wird oder nicht. Sondern dass der Fokus darauf liegen sollte, ob es mir gut geht. Egal ob mit oder ohne Fr. Tinder. So sehe ich das jedenfalls. Deshalb finde ich andere Meinungen so toll, sie beleuchten Sichtweisen, die ein einzelner Mensch nie haben könnte. Eines kann ich versprechen, vor allem mir selbst: Es wird auch weiterhin bei Fr. Tinder – wieder mehr als zuletzt – um mich gehen.

2017-04-25.jpg

Genau das und noch mehr habe ich instinktiv in letzter Zeit bereits getan. Mein eigenes Gespür hat mich also nicht verlassen, im Gegenteil. Nur mal kurz den Staub von der Kompassnadel abpusten, mein Instinkt scheint noch ganz gut zu funktionieren.

Fr. Tinder befindet sich aktuell noch – und schon länger geplant – im Urlaub. Das hieß für mich zuletzt wieder durchgehend allein sein. Das, was ich doch so gewöhnt bin und womit ich so gut klar komme. Die „Pause“ kam eigentlich wie gerufen, muss ich sagen. Das ist dieser von Euch vorgeschlagene Schritt zurück. Ob ich oder sie wollten oder nicht, weg ist weg. 🙂

In dem Fall ist die Verbindung zwischen ihr und mir lediglich eine Illusion

Und ich verspüre für mich wieder – frei nach Eckhart Tolle -, dass die Abwesenheit mich eines lehrt: Ein Mensch, der JETZT nicht neben Dir ist, ist eine Illusion. Derjenige dort, Du hier. Was ist daran real, außer die Abwesenheit und die Distanz? Die „Verbindung“ zwischen ihr und mir ist nichts als ein Gedankenkonstrukt und damit eine Illusion. Berechtigt kannst Du nun einwerfen und (gegen-)fragen:
„Und was soll der Unterschied sein zu der Situation wenn sie neben Dir wäre und Ihr Euch in den Armen liegen würdet?“ Und ohne zu groß ausholen zu wollen, aber: „Die Verbindung“ zwischen diesen zwei Menschen ist selbst dann natürlich ein Gedankenkonstrukt. Der einzige feine (und sehr wichtige!) Unterschied ist, dass die Person in dem Moment real bei Dir ist. Rein auf der körperlichen Ebene ist der Mensch real und keine Illusion. Ich weiß, dass das auf den ersten Blick verwirrend zu klingen scheint. Ist es aber weit weniger, wenn man sich damit befasst. Es ist das Realste, das tatsächlich existiert.

Ich mache ein (Gegen-)Extrembeispiel: Ein guter Bekannter befindet sich auf einem längeren Geschäftsaufenthalt. Vor der Abreise trefft Ihr Euch auf ein Getränk in einer Bar. Für vier Wochen später ist seine Rückreise geplant. Und dazwischen passiert etwas Tragisches, der Bekannte erleidet einen Herzinfarkt und verstirbt tausende Kilometer entfernt in einem Krankenhaus im entlegensten Winkel dieser Erde.
Nach Ablauf der vier Wochen meldet er sich vereinbarungsgemäß natürlich nicht. Du wirst skeptisch und rufst ein paar Tage später bei ihm und ein paar weitere Tage später bei seinen Eltern an und erfährst die traurige Nachricht: Er ist tot.

Hat diese Person nun seit dem Tod real existiert? Eine rhetorische Frage, ich weiß. Die Frage ist auch nicht interessant. Interessant ist eine andere Frage: Hattest Du seit seinem Tod eine Verbindung (welcher Art auch immer) zu dieser Person oder war die vermeintliche Verbindung lediglich eine Illusion, ein Gedankenkonstrukt?

Es ist eine Illusion zu glauben, dass eine Verbindung zwischen zwei Menschen auf Distanz existiert. Es ist lediglich ein Kontstrukt aus mehr oder weniger deutlich ausgesprochenen Absichtserklärungen. Du hast keine Ahnung darüber, was der andere Mensch (die ganze liebe lange Zeit) tut. Und der andere Mensch hat keine Ahnung davon was Du tust. Man mag vielleicht abschnittsweise telefonieren. Man mag sich nette Bilder schicken. Man mag dies und man mag das. Unter dem Strich steht aber geschrieben: Sie ist unterwegs mit ihren Leuten. Vielleicht auch nicht. Und ich bin auch unterwegs, vielleicht mit meinen Leuten. Vielleicht auch nicht. Was dazwischen passiert steht in den Sternen. Als ich in den letzten Tagen abends zu Bett gegangen bin, dann hab ich mir immer gedacht: Was unterscheidet diese Situation von all der Zeit davor? Ich mache es einfach: Nichts. Mit einem Unterschied: Davor gab es keine Illusionen.

Deshalb ist es so wichtig für mich in mich hinein zu horchen und zu spüren. Und da spüre ich im Moment Unbehagen. Unerklärbar für mich selbst, es ist nur (?) ein Gespür. Aber für einen zu einem mehr und mehr werdenden Herzmenschen, so sehe ich mich, ist „nur ein Gespür“ ein verdammt gutes Zeichen.

Was macht derweil eigentlich das Studium?

Und ja, in der Zeit ihrer Abwesenheit habe ich einiges erledigt. Unter anderem meine Präsentation mit meinem Kommilitonen für mein Studium fertig gestellt und gehalten. Note im mittleren eins Komma Bereich. Passt.

Die Kommentare der anderen Studenten nach meinem Vortrag war überwältigend positiv, so habe ich das auch noch nie erlebt, eine so tolle Kultur miteinander: „Man merkt, dass das total Dein Element ist. Du sprichst so frei, richtig gut. Kein „äh“ oder sonst was. Es war mit Abstand der beste Vortrag von allen bisher.“
Danke. 🙂

Dazu kann ich nur sagen: Wenn Du eine fremde Frau auf der Straße ansprechen kannst, im Cafe, in einer Bar, in einem Club, und immer schauen mehr oder weniger viele Menschen zu (meistens mehr!) und bekommen Deine Körbe mit… bekommen mit wie Du sprichwörtlich Dreck frisst…. dann, ja dann… ist da dieses kleine Ding, das sich „Ego“ nennt, kaum mehr da. Wovor also Angst haben? Vor einer Gruppe interessierter Mit-Studenten einen Vortrag zu halten ist doch dann eine nette Abwechslung. Mal kein Korb, mal kein Dreck fressen. Applaus bekommst Du sowieso am Ende, auch wenn der Vortrag noch so schlecht sein mag. Also gibts doch nur etwas zu gewinnen. Und wenn man ein paar hundert mal in kurzer Zeit diese ekeligen Körbe bekommen hat, dann ist ein kleiner Vortrag vor echt netten und wohlgesonnenen Menschen doch etwas richtig schönes. Wenn Du eine Frau draußen spontan über Minuten oder teilweise sogar Stunden unterhalten kannst, dann ist ein trainierter Vortrag vor einer großen Gruppe – die nicht mal fiese Shit-Tests wie aus der Stalinorgel abfeuert – echt Urlaub.

Pickup ist viel mehr als nur „wie schleppe ich eine Frau ab“ und deshalb werde ich meinem Sohn eines Tages im entsprechenden Alter nichts anderes zeigen und beibringen als genau das. Erstmal sich selbst zu finden und zu sich zu stehen, danach kann der Junge den ganzen Krimskrams aus den vielen unnützen Schulbüchern lernen.
Und was ist, wenn es eine Tochter wird? Haha. 😉

Außerdem habe ich noch meine Note für eine vor einigen Wochen abgelegte schriftliche Prüfung erhalten, Note im niedrigen eins Komma Bereich. Passt auch.
Studium ist also soweit gut angelaufen, auch faktisch.

Ein Gefühl von (wieder) mehr Freiheit

Während der Abwesenheit von Fr. Tinder telefonierten wir zwar täglich, aber meist nur kurz. Ansonsten war sie gut beschäftigt und viel unterwegs mit ihren Freundinnen oder Freunden, was weiß ich. Worüber ich nicht traurig war, im Gegenteil. Die Stille habe ich zu Hause sehr genossen. „Endlich“ wieder machen können was ich will.

So wie ich auch den Samstag Abend genossen habe. Draußen mit einem Kumpel. Es wurde spät.

Es sind so kleine Dinge, die plötzlich wieder real werden und in den Vordergrund rücken: Den Teller vom Abendessen auf dem Couchtisch liegen lassen?! JA! Wenn mir danach war, JA! Wenn nicht, nicht. Dann hab ich ihn aufgeräumt.
Und das leere schwere Glas vom Schluck Rum am Abend zuvor – ein Cubaney Ron Exquisito – blieb über Nacht auch einfach mal stehen. Nur um es dann in der Früh aufzuräumen. Warum nicht.
Natürlich kann ich mir selbst die Frage stellen: „Ja, warum lasse ich es nicht auch einfach so stehen, wenn eine Frau da ist?“
Es ist einfach anders, ich fühle mich da nicht so frei. Jedenfalls nicht bei ihr, vielleicht bei einer anderen Frau. Ich weiß es nicht. Dementsprechend räume ich mein Zeug einfach weg. Innere Freiheit sieht anders aus, ich weiß.
Auch wenn ich außerdem weiß, dass diese Art Freiheit erst mit der Zeit kommen kann und vermutlich auch würde. Dennoch fühlt es sich unfrei hat. Eigentümlich unfrei.

Da fällt mir gerade noch so ein Beispiel ein, eines das allerdings tatsächlich nichts mit meinem Denken zu tun, sondern eines, das Fr. Tinder getriggert hat: Letztens wollte ich am Abend mit Herr van Onnetuschn Fifa 17 spielen, online, er von zu Hause aus und ich von zu Hause aus. Zwei gegen zwei, machen wir seit Jahren.
Also rief er mich an und fragte: „Na, hast Du Lust?“
Woraufhin ich antwortete: „Na sicher, ich kläre das hier mal schnell ab und melde mich nochmal bei Dir.“

Und was war? Natürlich begann eine kleine Diskussion darüber ob „es denn sein müsse“, dass ich spiele wenn sie da sei. Nun, wenn wir uns nur einen Abend sehen, dann würde ich nicht auf die Idee kommen zu spielen. Sehen wir uns hingegen tagelang ununterbrochen, dann ist das auch so ein Beispiel für „unfrei“ zu sein. Sie bestand mehr oder weniger darauf, dass ich sehr wohl spielen könne, allerdings wenn sie nicht da sei. Rumps.

Gut, dann wird heute eben nicht Fifa gespielt. Einmal ist kein mal, sagt man. Zwei mal ist einmal zu viel! Ein zweites Mal wird es nicht geben. Will ich spielen, dann werde ich spielen.

Nun, so tat der Schritt zurück gut. Sie nicht da. Ich alleine. Mehr oder weniger alleine. So alleine fühle ich mich gar nicht. Kommen eben die Treffen mit Freunden bzw. Ausflüge in die Stadt wieder mehr zum Tragen. Das tat verdammt gut.

Wiedersehen

Wir freuen uns beide dennoch aufs Wiedersehen, keine Frage. Und klar ist auch, dass dann einige Dinge anders laufen werden. Mit oder ohne ihrem Einverständnis. Was eine Anfangsphase betrifft, bin ich sicherlich sehr tolerant und oft bereit mich etwas zurück zu nehmen. Richtig ist das dennoch nicht. Richtig wäre, wenn es einfach passt wie es ist. Aber gut… ich gebe nicht meine Freiheit auf, um in ein Korsett gepresst zu werden. Ihr zugute halten werde ich jedoch, dass sie das gar nicht vor hat. Nicht bewusst, aber das entschuldigt auch nicht, dass sie es eben doch tut. Ohne es zu merken, wie ich nochmal betone. Aber eine Frau handelt oft subtil und unterbewusst in solcherlei Angelegenheiten. Frauen sind Strategen. Männer nicht. Männer sind trieb- und instinktgesteuert. Nur gut, dass ich aber zusätzlich auch Stratege bin. Nichts liebe ich mehr als das Vorausdenken. 😉

So viel „Neues“ zwischen Fr. Tinder und mir hat sich also in der letzten Zeit gar nicht entwickeln können. Außer einigen Telefonaten und sonst nur Distanz und ein paar Illusionen. Dementsprechend kann ich hier in Teil 3 auch nicht mit den großen Fakten auffahren. Es geht in Teil 3 also erneut wieder mehr um mich, als um Fr. Tinder. Und vielleicht ist das gerade das Notwendige?

Was ich sicher sagen kann: Wenn man sich einander nicht sieht, ist das dementsprechend auch nicht meine Realität. Das hat mich die Zeit wieder klar werden lassen. Ob jemand 14 Tage auf Barbados, auf dem Bahamas oder in Saint-Tropez verbringt und sich die Sonne auf den Bauch bzw. aus dem Hintern scheinen lässt oder ob jemand gar nicht so weit weg seine Zeit mit was-auch-immer zubringt, spielt letztlich keine Rolle. Die Person ist nicht neben mir. Nicht meine Realität. Nicht mein Problem.
Es ist einfach surreal nur zu telefonieren und den Menschen nicht bei sich zu haben. Wenn ich mir überlege wie viele Frauen ich in der Zwischenzeit hätte ansprechen können… und es nicht getan habe. Das lasse ich einfach mal so stehen. Ohne Kommentar.

Wieviele Dates waren in all der Zeit schon mit irgendwem ausgemacht und wurden dann mehr oder weniger kurzfristig abgesagt? Nicht meine Realität. Nicht mein Problem.

Was ich aber auch sicher sagen kann, und das beziehe ich gar nicht auf Fr. Tinder und ihren aktuellen Urlaub, ist:
Ist es die richtige Person, dann ist sie bei Dir. Und umgekehrt. Und dahinter gehört ein Ausrufezeichen!

Und so werden wir uns diese Woche wieder sehen. Heute. Wenn es keine Illusion sein sollte.
Ausgeruht. Mit Abstand. Ich sehe es – spätestens nach der „Pause“ – ganz entspannt. Vielleicht zu entspannt. Vielleicht auch nur wegen der Pause entspannt. Ein bisschen ist es für mich auch mehr als nur entspannt. Warum? Wer weiß. Nur so ein Gespür.