Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 2 von 3

Heute gibts Teil 2 zu Was bisher geschah… Fr. Tinder und ich – Teil 1 von 3.

Erst Nähe zu einem Menschen ermöglicht echtes kennenlernen

Erst wenn man einen Menschen doch mal über längere Zeit gesehen und erlebt hat, lernt man ihn wirklich kennen. Es ist mir zu müßig hier über Macken oder sonst etwas Negatives zu Fr. Tinder zu schreiben. Jeder Mensch hat seine guten und schlechten Seiten. Aber eines ist einfach für mich im Moment klar:
Die Zeit ist bei mir so sehr knapp im Moment, dass es mich gerade einholt und hier fängt das Dilemma an. Die Zeit mit Fr. Tinder ist so ausgiebig gewesen in letzter Zeit, dass ich keine mehr für mich und noch weniger für meine sachlich zu erledigenden Dinge hatte. Sogar Briefe liegen noch immer ungeöffnet herum. Nicht erst seit gestern. So etwas kann auch mal nach hinten los gehen. Mindestens aber beschert es im Nachgang doppelte Arbeit.

Es ist zu viel. Job. Studium. Und eine… (ja was eigentlich ?)… Partnerin in spe? Aber zuviel ist es nur, wenn… ja wenn es nicht genau passt. Und seit dem vorletzten Wochenende, an dem wir durchgehend zusammen waren, wandelt sich mein Bild ein wenig. Oder auch viel. Das weiß ich noch nicht abschließend.

Ich spüre, dass ich mich zunehmend eingeengt fühle. Und das erzeugt Stress in mir. Es sind so viele kleine Dinge. Ob wir heute dies und noch das tun. Noch da oder dort hin fahren, ins Grüne. Und ja, morgen auch. Morgen dann erst dies und dann das und dann jenes und kochen auch noch. Und noch spazieren, aber nicht nur kurz.
Ich dachte mir innerlich nur: „Oh mein Gott, wann soll ein normaler Mensch das alles nur tun???!!!“

Zuviel ist zuviel

Es ist zuviel. Zuviel ist zuviel. Ich brauche mit Vollzeitjob und Studium auch mal wenigstens einen Tag am Wochenenende, an dem ich nichts, aber auch gar nichts, tun MUSS. Tun dürfen und können ist ja gut, aber das Gefühl etwas tun zu müssen?! Nein. Nicht mehr. Nein danke. Ich habe eine lange Zeit meines Single-Daseins damit verbracht zu lernen alleine klar zu kommen. Ohne, dass da jemand für mich da ist und Rücksicht auf mich nimmt. Mir einfach auch mal hilft bei meinen Dingen. Mich tröstet, wenn ich schwach bin. Mir Kraft gibt, wenn mich mal mein Mut verlässt. Mein Lachen teilt, wenn ich mich freue. Mich in den Arm nimmt, wenn ich mir Zweisamkeit wünsche. Ich habe gelernt zu verzichten. Das Leben als Asket hat seine harten Seiten. Aber Asket zu sein, heißt für mich auch mit dem Minimalsten im Leben auszukommen zu lernen und gelernt zu haben.

Und das Minimalste im Leben, es ist DAS Minimum (Tautologie!), ist man selbst!

Und Fr. Tinder legt großen Wert auf Ausgeglichenheit und Harmonie. Ich stehe auch auf Harmonie und Ausgeglichenheit. Aber nicht als Selbstzweck. Wenn ich sehe und merke, dass ich zeitlich unter Druck gerate, weil ich kaum mehr mein Zeug schaffe und sie lieber weiter schön ins Grüne fahren will, dann ist das das Eine. Wenn ich aber dann auch mal klar äußere, dass es mir zuviel wird und ich dann gesagt bekomme, dass ich „so einen unausgeglichenen Ton“ an den Tag lege und sie das gerade nicht gut findet, dann ist das das Andere.
Nur mit Meditieren und „ommmmm“ alleine erledigen sich die Alltagsdinge auch nicht. Buddhismus hin und Meditieren her. Irgendwo ist auch wieder gut. Und da ist für mich schon noch ein Unterschied zwischen Spiritualität und einem irdischen Leben in sachlicher Nüchternheit.

Und wenn ich auch nicht meine Gefühle oder Emotionen äußern soll oder darf, dann ist für mich die Herrlichkeit der Meditation an einem Punkt angelangt, der nur mehr auf philosophischer Ebene wirkt. Aber nicht in der Realität. Nicht für mich. Und die heißt für mich im Moment nun mal: Arbeit, Studium, viele angestaute unerledigte Dinge und ja… dann irgendwo ganz am Ende auch vielleicht ein bisschen ich?!

Und so bleibt ein bittersüßer Nachgeschmack nach einem eigentlich schönen Wochenende.
Wenn? Ja wenn da nicht auch ihre Ansicht bestünde, dass ich nicht ausgeglichen und entspannt genug wäre.

Und natürlich war es schön, dass sie teilweise das Frühstück hergerichtet hat. Oder dann mittags sogar (?) komplett (?) für uns gekocht hat. Und zwischendurch auch mal abgespült hat. Aber hey. Das darf sie auch, wenn sie ein paar Tage bei mir ist. Ich würde das nicht anders machen, wenn ich irgendwo zu Besuch bin. Doch halt, würde ich schon. Ich würde mehr machen. Viel mehr. Und das ist es, was ich für mich mitnehme:

Für sie und für uns habe ich mein Bestes gegeben, und meine Zeit, die ich eigentlich gar nicht habe. Auch weil ich eine Hausarbeit fürs Studium schreiben muss, mit meinem Kommilitonen zusammen.
Aber im Endeffekt habe ich mehr Arbeit Zuhause gehabt, als sie da war. Mehr Geschirr, mehr Wäsche, mehr Einkauf, mehr Zeug aufräumen, mehr dies und mehr das. Mehr Ausflüge hier und mehr Spazieren und mehr dies und mehr das. Mehr dies und mehr das, sagte ich ja schon. Aber wo ist mein Mehrwert, außer das Gefühl ständig irgendwas tun zu (fasch schon) müssen?! Ja natürlich habe ich die Zeit draußen genossen mit ihr, auch das Kochen und die Gespräche und die Zweisamkeit.

Aber meine Reifen am Auto haben sich nicht von alleine gewechselt. Also bin ich wieder über meinen Schatten gesprungen und habe den Reifenwechsel auf während der Woche verschoben. Und das Auto aber natürlich davor und danach schon dafür verwendet sie abzuholen, irgendwohin zu bringen oder heim zu fahren. Dafür reichen die Winterreifen. Wenn…? Ja wenn da nicht einfach schon der Sommer wäre bzw. der Frühling. Und der bringt nun mal einen Reifenwechsel mit sich.

Gewünscht hätte ich mir: „Hey, sieh mal. Ich weiß, dass Du einen Haufen Zeug im Haushalt zu tun hast. Geh Du Reifen wechseln, ich mache derweil hier oben die Sachen, die ich machen kann.“

Eigentlich darf das aus meiner Sicht nicht mal ein Wunsch sein, es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht mehr in der heutigen Zeit, da ist scheinbar alles anders.
Wenigstens hat mein Freund Herr van Onnetuschn in diesem Punkt wirklich viele Sorgen weniger. Seine bessere Hälfte kümmert sich zu Hause wirklich reizend um alles und sorgt dafür, dass er wiederum mit klarem Kopf für sie da sein kann. Liebe Freundin von Herr van Onnetuschn, ich find Dich cool. Wenn wir manchmal zu dritt draußen sind und uns über meine mehr oder weniger „phänomenalen“ Dates unterhalten, dann finde ich es einfach nur hammermäßig wenn Du dann auf meine Erzählungen gut gemeint raus donnerst: „Hau sie weg! Geht gar nicht! Wie, sie kümmert sich nicht um den Haushalt???!!!“

An der Stelle ein Bussi für Dich! Dafür, dass du bist wie du bist.
Und eines an Herr van Onnetuschn, damit Du Dich nicht vernachlässigt fühlst. 🙂

Versteht mich nicht falsch: Eine Frau, die auch nur halb so viel für ihren Mann macht wie Fr. van Onnetuschn ( 😉 ) würde mir völlig reichen! Wirklich. Irgendwas mache ich gehörig falsch! 🙂

Ist Gegenseitigkeit denn wirklich so ein Fremdwort in der heutigen Welt geworden?

Ich fühle mich einfach so, wie es das Bild hier ausdrückt:

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Woran erkennst Du gute Zweisamkeit?

„Gute“ Zweisamkeit?! Ja! Ganz einfach…

Wahrscheinlich kann ich das hier im Artikel gar nicht ganz rüber bringen, wie es ablief. Aber eines möchte ich einfach sagen: Wenn ich zu zweit bin, dann sollte sich das für mich doch besser anfühlen als alleine zu sein, nicht wahr?! Oder hab ich da etwas falsch verstanden zum Thema Beziehung bzw. Partnerschaft?! Und richtig richtig gut hat es sich für mich nur an den Tagen angefühlt, an denen wir uns nur begrenzt sahen. Nun übers Wochenende haben wir viel Zeit miteinander verbracht und es wurde zunehmend einengend.

Natürlich hat sie ihre sehr lieben Seiten. Die ich toll finde, allesamt!

Und am dem Montag morgen nach dem Wochenende gingen wir noch gemeinsam aus dem Haus. Zur Bahn. In der Wohnung war sie bereits etwas genervt, weil ich ihr nicht ausgeglichen genug war, wie sie sagte. Und in mir kam ein Gefühl des Abschieds auf, ich merkte, dass sie irgendwie froh zu sein schien, dass sie wieder gehen „durfte“?! Obwohl sie mir am Abend zuvor noch das Gegenteil mitteilte. Ich hab keine Ahnung womit ich es hier zu tun habe. Ich weiß nur, dass Stress in mir nichts positives bringt. Und ich will auch mal sagen dürfen, wenn ich etwas – mit Verlaub – SCH**** finde. Deswegen mag ich den Menschen doch genauso. Aber warum sollte ich mein Ich unterdrücken?

Wenn ich merke, dass eine Frau ins Schwimmen kommt, aus welchen Gründen auch immer, dann würde ich alles für sie tun, um ihr zu helfen. Und wenn es einfach kleine Dinge im Haushalt sind. Oder schon mal etwas vorarbeiten oder sonst etwas für sie draußen erledigen. Egal was. Aber ich würde sie nicht alleine damit lassen und gleichzeitig die gesamte Zeit für mich einfordern. Ganz im Gegenteil. Das hat mir einfach gefehlt.

Natürlich komme ich da schon selbst ins Straucheln, wenn ich mir Gedanken darüber machen muss, ob ich in dem Fall alleine besser lebe als zu zweit?! Irre.

Ich merke, dass der Artikel ab der Hälfte mehr Frustbewältigung und Stressabbau ist. Und weniger eine kleine Geschichte der Poesie. Dabei kann ich einfach auch nicht meine vollständigen Beweggründe darstellen, weil ich gar nicht auf alle Details eingehen kann. Besonders kann ich nicht fein genug abzeichnen, was in mir so viele Gefühle des Unbehagens auslöste. Es waren teilweise die Gespräche mit ihr, teilweise die Gesprächsinhalte. Und dennoch, ich muss einfach auch ehrlich sagen: Sie ist lieb. Sicher nicht nur wegen ihrer süßen Stimme. Sie ist zwischendurch einfach unglaublich lieb, sie kann so sanft und gutmütig sein. Das ist es, was es so schwer für mich macht. Sonst wäre das alles kein Problem, dann wüsste ich ja was zu tun wäre. Dann würde ich das tun, was ich immer tue, seit Beginn des Projekts Beziehung. Meine Sachen packen und weiter ziehen.
Ich sitze noch immer auf meiner Couch. Der Artikel ist fertig.

Und das Einzige, das bleibt… ist… dass mich schreiben beruhigt.

Fortsetzung folgt…