Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 2 von 3

Im letzten Artikel gab es das Vorgeplänkel zu meinem ersten Tinder-Date und ein paar philosophische Gedanken zur Welt und zu mir (Date-Review zu Fr. Tinder – Teil 1 von 3).

Heute gehts weiter mit Teil 2 und ich steige direkt ein mit der Frage…

Wer genau ist denn Fr. Tinder eigentlich?

Sie bringt mich tatsächlich zum Lachen. Sie ist herzlich und ähnlich wie ich auf der Suche nach sich selbst. Wendungen im Leben und der Versuch eine Richtung zu finden. Das Gegenteil von einem „normalen“ Menschen. Sie verstand alle meine Witze. Sie schaffte das, was kaum eine Frau vor ihr in meinem Leben schaffte. Mir voraus zu denken. Vor einigen Wochen gab es mal ein Date mit Fr. Unnahbar, sie war auch intelligent. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass sie mir jedenfalls auf der humoristischen Seite des Lebens nicht voraus war. Fr. Tinder ist das hingegen oft schon. Es war sofort ein Fluss im Chat. Ein Fluss in den Telefonaten. Und auch ein Fluss während des Dates. Ein Wort ergibt das andere. Hin und her. Sie hatte etwas geschafft, das keine einzige Frau in meinem Projekt Beziehung vor ihr schaffte. Sie brachte mich alleine durch einen Text in Whatsapp zum Lachen. Ich musste auf meiner Couch, alleine zu Hause (fast wie Kevin!), einfach laut los lachen. Köstlich.

Und neben den Charaktereigenschaften hat mich vor allem ihre Tiefgründigkeit und darüber hinaus auch ihre Nähe zum Buddhismus und Eckhart Tolle sehr begeistert. Sie beschäftigt sich mit Ernährung und lebt auch sonst ziemlich bewusst, wie ich finde. Sie meditiert, sie macht Yoga. Themen, die mich interessieren. Und es tut gut, sich über so etwas unterhalten zu können.
Mal nicht nur immer über die neuesten Angebote von Pimkie zu quatschen, plakativ und überspitzt gesagt.

Und dann kommt noch eine ganz wesentliche Eigenschaft hinzu, die mich so gefesselt hatte. Sie ist keine Emanze. Endlich mal eine Frau, die gerne Frau ist. Und mich Mann sein lässt. Keine ständigen Besserwissereien, keine ständigen Anfälle von Recht haben wollen nur weil sie eine Frau ist „und auch was zu sagen hat“. Eine Frau kann genauso viel zu sagen haben wie ein Mann, aber nicht WEIL sie eine Frau ist. Sondern weil sie Mensch ist. Das ist meine Meinung.
Sie lehnt diesen übertriebenen Feminismus komplett ab, wie sie sagt. Wenn sie etwas weiß, dann weiß sie es und ich nehme es gerne an und höre ihr gerne zu. Und umgekehrt gilt das auch. Das ist für meine eine Form des einfachsten zwischenmenschlichen Respekts. Da sie in der Welt viel herum gekommen ist, ist es für sie auch nicht schwer mich mit solchen Themen zu begeistern. Ich mache es ihr aber auch zu einfach! 🙂

Land, Leute und Kultur sind für mich immer willkommene Themen. Sie spiegeln das echte Leben wieder. Fernab von Zahlen und Geld, Schein statt Sein, keine große Politik der Herrschenden, sondern das Leben des Volkes. Also wir.

Und viele mehrstündige Telefonate und zwischenzeitliche aufrichtige Anteilnahme am Leben des Anderen, brachten uns letztlich zum Freitag vergangener Woche. Das erste Date stand an.

Und es war das erste Mal in meinem Projekt Beziehung, dass ich eine Frau zu Hause abgeholt habe. Premiere! Schon wieder so eine Premiere! Prost und zum Wohl.

Das Date lief mit einer herzlichen Umarmung vor ihrem Wohnhaus an.

Zum Glück danach nur kurz ein paar Worte zu meinem Auto. Wow. Toll. Und so. Zum Glück nur kurz. Es gibt schließlich Wichtigeres. Aber die Art wie sie das machte, war anders als von den mir bisher gedateten anderen Frauen. Es wirkte wie eine aufrichtige Anerkennung, ein „von Herzen Gönnen“. Kein reines Ergötzen an der Sache. Und schon gar kein Sachneid.
Und mir ist die Art eines Menschen wichtiger als seine Herkunft, sein aktueller Status und sein Geld. Umgekehrt möchte ich das Gleiche verspüren dürfen.

„Hältst Du mir nur beim ersten Date die Türe auf?“

Ob ich ihr immer die Türe aufhalten würde oder nur heute beim ersten Date, fragte sie mich beim Einsteigen. „Finde es heraus“, antwortete ich und machte dabei die Autotüre zu.

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Wir lachten viel und ich fokussierte mich vom Start weg auf sie, in der Art, dass ich ihr die Nervosität zu nehmen versuchte.
Am Tag zuvor und auch am Tag des Dates schrieb sie mir und sprach mich mehrmals darauf an, dass sie total aufgeregt sei. Und ich entgegnete ihr, dass ich das vollkommen verstehen könne. Sie solle das ganz locker sehen, sagte ich ihr, denn ich sei jemand, der Stress nimmt. Keinen erzeugt.

Und nach wenigen Minuten im Auto auf dem Weg zu einem Lokal merkte ich bereits, dass ihre Aufregung sich in Entspanntheit auflöste. Das freute mich, auch und besonders für sie. Ich möchte, dass eine Frau sich an meiner Seite wohl fühlt, wie ich hier immer wieder betone. In ihrem Fall besonders, sie zeigte in den vielen Telefonaten vor dem ersten Date immer wieder auch schwache Momente bzw. Schwächen ihres Lebens. Sie machte sich dadurch angreifbar. Gut, dass ich kein Angreifer bin. Denn da stecken schon viele Punkte in ihr, die, von der falschen Person ungünstig getroffen, Sensibilitäten zu Tage bringen. Um es mal abstrakt zu sagen, sie ist ein sehr feinfühliger Mensch. Im Grunde genau wie ich. Also weiß ich damit umzugehen. Und das bereitet mir Freude.

Drauf hauen und Rüpel spielen kann jeder. Ihr gegenüber konnte und durfte ich anders sein, eher sanft wie eine Feder. Auch Schwächen zeigen und offen ansprechen. Etwas, das ich sonst kaum tue. Weil mir selten jemand einen Anlass dazu gibt mich zu öffnen. Interesse existiert doch meist nur oberflächlich. Es geht um so viele Unwichtigkeiten. Aber nicht um uns Menschen. Ängste schon sehr früh ansprechen? Offenbar ein No-Go. Sagt…? Ja. Gute Frage. Sagt wer?!

Das gemeinsame Essen verlief entspannt, es war wirklich lecker und wir unterhielten uns viel. Dennoch war es ungewohnt, diese Stimme schon so gut zu kennen und dann plötzlich den Menschen vor sich zu haben. Wobei ich dieser Stimme ewig zuhören könnte, weil sie wirklich schön ist. Weich und sie rrrrollt das R so witzig. Das mag ich.

Wie sie es schafft Frau zu sein und mich dabei Mann sein zu lassen

Die Bestellung des Essens beim Kellner verlief ohne Diskussionen. Wir unterhielten uns vorher darüber was wir essen möchten. Und als der Kellner kam, sah sie mich kurz an. „Na also“, dachte ich mir. Es gibt sie also doch noch, diese Frauen!!! Und so bestellte ich für uns beide.
Es gibt sie also doch noch, diese Frauen, die es genießen, dass ihnen Aufmerksamkeit zuteil wird (zu den Hintergründen dieser Situation vgl. Experiment – Kein Anstand, keine Erziehung) und dadurch Frau sind und mich Mann sein lassen. Natürlich kann man hier unterschiedlicher Meinung sein. Aber es ist meine Auffassung des Gentleman-Daseins.

Im Laufe des Abends merkte ich, dass sie zunehmend müde wurde. Es wurde schwerer und schwerer im Gesprächsfluss zu bleiben. Ein Location-Wechsel half leider nichts, es war mein Versuch sie wieder wach zu machen. Sie hatte einen anstrengenden Tag hinter sich, sagte sie. Und sie entschuldigte sich mehrmals dafür. Die Stimmung ging aufgrund der Müdigkeit (vermute ich) zunehmend in den Keller. Sehenden Auges musste ich das hinnehmen. Dennoch verbrachten wir 6 Stunden zusammen.

Teil 3 folgt… und es bleibt spannend. So viel kann ich verraten…. 😉