Kein Philosophischer Sonntag – Dafür aber ein Lebenszeichen

Da bin ich wieder. Wieder mal zumindest! 🙂

Auch wenn ich für einen neuen Beitrag eigentlich gar keine Zeit habe, so nehme ich sie mir doch. Mensch, hab ich das Schreiben vermisst. Das war lange Zeit hier ja mein Lebenselexier. Es gab mir Kraft, Mut und Hoffnung und außerdem ganz nebenbei auch einen Plan und Sinn für mein tägliches Tun. Es gab mir einen festen Ablauf, denn Mittelpunkt war tatsächlich oft meine schreiberische Tätigkeit des Tages und erst drum herum bildete ich mein außerhäusliches Tun und Wirken. Das Projekt Beziehung wurde nicht nur mein Leben, es ist mein Leben. Weiterhin, keine Sorge.

Ich sehe zum Fenster hinaus und sehe einen bewölkten grauen Himmel. Die Wolken scheinen heute besonders tief zu stehen. Und ich sehe die Bäume vor dem Haus,  blätterlos und wankend von links nach rechts, vor und zurück, ob des Windes. Sie stehen geerdet und fest im Boden. Und ich sitze mit meinem Laptop auf dem Schoß auf meiner Couch. Und es ist still. Sehr still. Da ist nur das Rotieren des Lüfters meines kleinen Laptops. Sonst nichts. Stille.

Mein letzter Artikel ist vom 04. März. Und mein letzter „richtiger“ Artikel ist vom 28. Februar. Heute ist der 19. März. Und da heute Sonntag ist, gibt es hier normal immer den gleichnamigen Philosophischen. Normal. Aber heute nicht.

Die Enthüllungsstory von Edward Snowden und mir

Heute gibt es ein paar Worte zum bisherigen Geschehen. Am 25. Februar kündigte ich an, dass ich das Geheimnis um meine zeitweilige Abwesenheit lüften werde („Die wahren Hintergründe über die Abwesenheit des jungen Pickuppers…“). Und dass ich dafür einen echten Menschenfreund einfliegen lassen würde. Edward Snowden. Kein Geringerer wäre für so eine Enthüllungsstory geeigneter (vgl. 2 mal 4 zu 0 aus dem Stegreif).

Heue ist es soweit. Ich habe zwar alles versucht, aber Edward Snowden hat auf meinen Artikel hier bis heute nicht reagiert. Also muss ich es selbst tun. Das Enthüllen. Nicht mich (!). Nur die Hintergründe für meine Abwesenheit.

Es ist sehr simpel gesagt, ohne großes Tamtam.
Ich habe…. ja… ich habe… ein Studium begonnen.
Jetzt ist es raus! Amtlich! Stempel drauf! Wusch!

Nun, nicht dass ich nicht schon ein Studium hinter mir hätte. Nee, aber so ein weiteres Studium ist doch auch was, dachte ich mir… und meldete mich relativ kurz vor knackig noch an. Und so ist das nun. Jetzt bin ich also wieder Student. Ich selbst nenne ich mich seither nur „Schüler“. Das finde ich viel witziger. Student sein kann jeder. Aber Student sein und sich selbst Schüler nennen ist einfach witziger. Sich selbst nicht so ernst nehmen, lautet ja meine Devise in solcherlei Dingen. Oder sogar generell im Leben.
Von meiner Cousine habe ich eine kleine Schoko-Schultüte bekommen und einige weitere Süßigkeiten. Das war ne witzige Idee von ihr, mir das aufgrund der Entfernung per Post zu schicken. Soweit zum humoristischen Hintergrund meines Schüler-Daseins.

In Wahrheit ist es etwas anders:
Ich sitze da in einem Raum, mit einigen wenigen anderen Mit-Studenten und vorne steht immer ein mehr oder weniger guter Lehrer. Sie schimpfen sich natürlich Professor oder Dr. Also die Lehrer, nicht die Mit-Studenten. Manche schimpfen sich sogar auch Professor Doktor. So viele Titel, dass deren eigentlicher Name am Ende keinen mehr zu interessieren scheint. Dafür haben sie aber viele Titel, die Namenlosen. Ob man in einem einzigen Menschenleben so viele von diesen Titeln sammeln kann, um genug davon in Händen zu halten, damit es zum Tapezieren des eigenen Wohnzimmers genügt?
Ups, da ist sie wieder, diese stille Kritik an den Dingen des Alltags. 😉

Nein im Ernst, es ist so:
Ich sitze da drinnen und bin ein Schüler. Schön und gut. Aber ich sitze da auch drinnen und denke mir bei vielen Lehrern (nicht bei allen!): „Was willst Du mir schon beibringen?“ Außer ein bisschen „Wissen“ (?!) aus ein paar schlauen Büchern. Bücher kann ich selbst lesen. Dafür brauche ich aber keinen Lehrer. DU übrigens auch nicht. Niemand von uns. Nur gute Autoren.

Und um es dennoch nicht so sinnlos dastehen zu lassen, denn das ist das Studium gar nicht, kann ich zu meinen Beweggründen nur sagen, ganz sachlich, ganz nüchtern:
Wenn schon das Thema Liebe offenbar nicht funktioniert oder nicht funktionieren soll, wenn schon das Thema aktueller Job im Moment nicht so funktioniert wie ich möchte oder auch nicht funktionieren soll, wenn schon das Thema Gesundheit nicht funktioniert oder nicht funktionieren soll, dann mache ich wenigstens etwas auf der abstrakt materiellen Ebene. Wenigstens da mag ich nach erneuten zwei Jahren nicht zurück blicken (müssen) und sagen: „Na super, auch da ist nix voran gegangen!“

Und auch wenn ich verstehen kann, dass das auf den Leser, also auf DICH, etwas niedergeschlagen oder deprimiert klingt, so kann ich versichern, dass es das nicht ist. Es ist eine nüchtern sachliche Analyse des Ist-Zustands. Und vielleicht auch genau darum bin ich total motiviert mein Studium gut und mit hohem Interesse durch zu ziehen. Ich freue mich – trotz aller Anstrengung – auf jede Vorlesung und alles was da kommt und bin fest entschlossen das Ding zu Ende zu bringen, und zwar gut! Yeah!

Die Grenzen des Pickuppens

Aber nochmal kurz zurück zu meinem Gefühl, dass ich da in den Vorlesungen habe oder auch wenn ich im Anschluss zu Hause weiter lerne… zu meiner Aussage vorhin, die da hieß „Was willst Du mir schon beibringen?“

Ja, ist so. Tut mir leid. Persönlichkeitsentwicklung hat auch damit etwas zu tun, dass man sich seiner Persönlichkeit bewusst wird. Und sie entwickelt. Und wenn man an einem gewissen Punkt angelangt ist, dann steigen die Ansprüche. Ein Profi-Sportler spielt auch nicht mehr in der Kreisklasse Fußball. Aber ich will nicht viel jammern oder meckern, das Niveau ist dort jedenfalls höher als sonstwo in meinem üblichen Alltag. Insofern ist das ein Sprung nach vorne für mich. Wenigstens inhaltlich ist das Niveau höher, sachlich gesehen. Und darüber hinaus gibt es dort vor allem neue Leute und eine neue Umgebung. Das war mir so wichtig. Endlich ausbrechen aus dem Alltag. Auch wenn Pickup kein Alltag ist. Pickup ist – exzessiv betrieben – definitiv Achterbahnfahren. Aber immer Pickup mag ich nicht, immer Pickup geht nicht. Und nur Pickup ist zu wenig. Pickup beschäftigt sich mit zwei Dingen im Leben: Deiner eigenen Entwicklung, die Entwicklung Deiner Persönlichkeit also. Und zweitens mit dem Kennenlernen deiner potentiellen Traumfrau oder (wie es wohl die meisten anderen Pickupper sehen!) mit dem Kennenlernen möglichst vieler Bettgespielinnen. Beides ist mir inzwischen zu wenig. Ich will mehr. So war ich immer. Schneller, höher und weiter.

Und was im Pickuppen einfach nicht da ist: Sachliche Weiterentwicklung. Weltliches Vorankommen. Nicht geistiges oder seelisches. Auch wenn das für mich die beiden wichtigsten Aspekte des Lebens darstellen, so möchte ich auch sachlich nachweisbar voran kommen. Und da hab ich leider in den letzten zwei Jahren viel Zeit und Nerven verballert und entsprechend keine Mittel mehr zur Verfügung gehabt, um diesen Bereich des Lebens voran zu bringen.

Ich will also Entwicklung außerhalb der Persönlichkeitsentwicklung. So kann man es zusammenfassen.

Meine Mit-Studentinnen und Mit-Studenten sind allesamt echt gut drauf, ich fühl mich in der Gruppe wohl. Und das ist prima so. Früher war ich eher der Einzelgänger, inzwischen merke ich, dass ich total der soziale Mensch geworden bin. Ja, auch dank Pickup. Auch, nicht nur. Ich sehe das also nicht getrennt. Ich habe meine Werkzeuge und meinen Werkzeugkasten (von dem ich hier öfter schon gesprochen habe) ja immer dabei. Und die Instrumente kann ich anwenden. Weiter verbessern natürlich auch. Ausbauen. Socialgame statt Daygame und Clubgame.

Jedenfalls kostet das Studium im Moment viel Energie. Neben einem Vollzeit-Job ist das recht krass. Krasser als befürchtet, es bleibt kaum Zeit für große Unternehmungen. Pickuppen fällt auch ziemlich flach. Großenteils wüsste ich nicht mal wann ich eine Frau denn überhaupt treffen sollte.

Aber Freitag war es soweit!
Mein erstes Tinder-Date meines Lebens!!!

Wahnsinn! Ich???!!! Ja tatsächlich ich. Der, der sonst immer so über Tinder ablästert. „Bäääh, so oberflächlich!“, „bäääh, wisch links und wisch rechts!“

Es ist oberflächlich wie nichts Zweites! Ich bleibe dabei. Aber wenn man sich dann mal mit jemandem trifft oder Kontakt aufgebaut hat, ja dann mag das schon funktionieren. Nur der Weg dahin ist und bleibt irgendwie… ich weiß nicht… trifft es das Wort „widerlich“?

Warum ich es dann getan habe?
Ganz einfach, ich habe im Moment nicht die Zeit raus zu gehen. Überhaupt nicht. Lernen, lernen und lernen. Und dafür ist Tinder gut genug, als Nebenbeschäftigung wenn man mal auf seinen Mokka auf dem Ofen warten muss, bis der mal fertig ist. Hmm… Ja es ist Mokka! Kein Espresso! 😉

Ihr wisst schon, das Ding aus dieser Kanne:

2017-03-19.jpg

Aber mir geht die Zeit gerade beim Schreiben wieder etwas aus. Darum werde ich in einem der nächsten Beiträge darauf eingehen wie das Date lief. Wer weiß wann. Aber ich werde! 🙂

Bis dahin gibt es von mir weiterhin keine täglichen Berichte. Aber gelegentliche Lebenszeichen… Wie sagte Arnold schon: „I’ll be back!“

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6 Kommentare zu „Kein Philosophischer Sonntag – Dafür aber ein Lebenszeichen

  1. Da muss ich mich kurz zu Wort melden, das gebietet schon der Name meines Blogs. Und ich muss Tinder ein bisschen verteidigen, so als bekennender Fan: Widerlich ist daran überhaupt nichts! Nicht mal ansatzweise, wenn du mich fragst. Inwiefern ist es denn besser, eine Frau auf der Straße aufgrund Ihres Erscheinungsbildes anzusprechen?! Ist genauso oberflächlich! Ganz ehrlich: Für mich macht das keinen Unterschied!
    Bin auf jeden Fall gespannt, wie dein erstes Tinder-Date war und ob du weiter machst. 😉

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    1. „Widerlich“ ist es nur in Bezug auf meine eigenen Ansprüche, das muss ich so vielleicht etwas relativieren.

      Widerlich ist an Tinder per se erstmal gar nichts. Warum auch. Da hast Du schon recht.
      Aber ich habe nach etlichen Matches eben auch festgestellt wie noch extrem oberflächlicher das abläuft als „auf der Straße“. 🙂

      Jedenfalls ist Tinder für mich kaum ein geeignetes Mittel, wie ich bis hier hin feststellen muss, denn damit gehen all meine Stärken den Bach runter. Tippen kann jeder. Da muss keiner nervös sein. Wischen kann auch jeder.
      Das unterscheidet den einen Mann nicht vom anderen Mann.

      Interessant wird es erst danach, wenn es zum Treffen kommt.
      Und das habe ich so auch geschrieben, dass aus meiner Sicht nur DER WEG bis zum Treffen „widerlich“ ist. Wenn man sich dann trifft, dann ist das ja wieder genau mein Ding. Dann ist ja alles okay. Aber der Weg ist so mühsam… so viele unsinnige kurze Nachrichten, dann wieder tagelang nichts, dann wieder irgend ein Quatsch und wieder nichts und wieder mal ne kurze Nachricht.
      Eine kurze Aufmerksamkeits-Hascherei jagt die nächste. Das ist noch extremer als mit den Frauen, die ich draußen kennen lerne. Ich dachte immer, dass die nur um Aufmerksamkeit bemüht sind, aber in Tinder ist es noch viel schlimmer.

      Du schreibst ne Frau an, dann kommt ne Antwort, Du antwortest auf ihre Frage (oft kommen auch keine) und dann hörst Du nie wieder was. Das passiert ständig.
      Keine Ahnung was das soll. 🙂

      Geht Dir das auch so? Oder ist das nur bei Männern so?

      Aber ich glaube eben, dass das für Frauen besser funktioniert als für Männer. Die Auswahl ist für Euch einfach größer, denke ich. Und das ist ja auch gut so, solange Du damit gut fährst, nutze es. Ich freue mich für Dich. Wirklich. 🙂

      Sobald ich wieder Zeit habe, werde ich wieder raus gehen, und darüber freue ich mich schon jetzt… Tinder ist dann wieder höchstens nur für nebenbei… 🙂

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      1. Zumindest schön, dass du das widerlich ein bisschen abschwächst. 😀 Aber ich sehe das trotzdem etwas anders als du: Tinder besteht für mich nicht aus Wischen und Schreiben, sondern aus Treffen. Alles vor dem Treffen ist letztendlich bloß ein „notwendiges Übel“. Deswegen schlage ich immer so schnell wie möglich ein Treffen vor und habe auch in meinem Text was in der Richtung stehen. Aber natürlich, auch bei mir kommt es immer wieder vor, dass jemand einfach nicht mehr zurück schreibt ohne dass ich es mir erklären könnte. Oder dass nur einsilbige Antworten kommen und sich einfach kein Gespräch entwickelt. Und deswegen ist das Schreiben irgendwie doch wieder wichtig. Weil dadurch die gefiltert werden, die wirklich ein Interesse daran haben, dich zu treffen.

        Aber Dating ist halt einfach was sehr persönliches. Da gibt es nicht den einen richtigen Weg, der für alle passt. Ich bräuchte jetzt definitiv nicht anfangen, Typen auf der Straße anzuquatschen, da würd ich untergehen! 😀 Von daher verstehe ich, wenn Tinder für dich eben nicht der richtige Weg ist. 😉

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        1. Na klar, weil das von mir gar nicht böse oder hetzig oder sonst was gemeint war. Klar kann ich das dann gerne abschwächen. 🙂
          Du nennst es „notwendiges Übel“, ich hab es halt als „widerlich“ bezeichnet. Zugegeben, krasser formuliert. Aber im Prinzip beschreibst Du genau was ich meine: Man ist halt eine Verfügungsmasse in dem Dschungel. Und das nervt noch mehr als auf der Straße. Da bekomm ich direkt ein Feedback. Ja oder nein. Ja heißt dann natürlich noch lange nicht ja, aber zumindest sagt der erste Filter schon mal, dass etwas passen könnte. Bei Tinder sieht das bei mir ganz anders aus. Kaum echte Chancen die Person wirklich kennen zu lernen. Das geht aus meiner Sicht gar nicht nach ein paar einfachen Fragen wie „wo kommst Du her, was arbeitest Du und wo wohnst Du?“
          Das sind aber die Standardfragen, die ich gestellt bekomme.
          Und „was sind Deine Hobbys?“ taugt für mich auch nicht zum kennen lernen. Insofern machst Du das wirklich spitze, wenn Du auf ein schnelles Treffen fokussiert bist. Kurz abklopfen, Bilder anschauen. Wenn das passt, dann gerne ein paar Fragen stellen. Und dann einfach treffen. So würde ich das auch sehen. Aber so sehen das die wenigsten Damen… Dir wirklich Respekt. 🙂

          Bei mir würde der Filter übriges nicht funktionieren, weil ich wirklich auf jede noch so lange Nachricht (auch bei Tinder) gerne eingehe und mir die Zeit nehme, um eingehend zu antworten. 🙂
          Ich sehe lange Nachrichten eher positiv als negativ, obwohl aus Pickup-Sicht das reine Zeitverschwendung ist. Die Lehrbücher sagen: Sofort eskalieren und wenn sie nicht will, dann -> Next!

          Ich sehe das etwas differenzierter und nehme mir gerne die Zeit. Auch wenn ich dann die Erfahrung immer wieder mache, dass die Lehrbücher nicht Unrecht haben. 😉
          Aber ich bin halt schon immer ein Dickkopf gewesen, auch in solchen Dingen. *hehe*

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    1. Vielen lieben Dank! Schön auch von Dir zu lesen! Wow, dass ich hier gleich mal in so kurzer Zeit zwei Kommentare bekomme, freut mich sehr.
      Ich hab das Schreiben und auch Euch alle mittlerweile vermisst! 🙂

      PS: Mein Studium… oh… ja es ist ein eher übergeordnetes Studium im Bereich Management.

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