Eine Merkwürdigkeit des Wochenendes

Eine Frau mit Sonnenbrille

Samstag Nachmittag fuhr ich mit meinem Auto an eine Kreuzung ran. Ganz gemütlich, denn aus der Ferne sah ich bereits, dass die Ampel rot zeigte. Auf der zweispurigen Fahrbahn stand links bereits ein großer Audi SUV an der Haltlinie. So fuhr ich rechts daneben und blickte mich um, genauer gesagt nach links. Nach links oben, denn im Sportwagen sitzt man bekanntlich tief. Alles eine Frage der Perspektive, im doppelten Sinne. 🙂

Und ich Blickte in eine große dunkle Sonnenbrille. Und sah, dass mich die Fahrerin des Wagens anlächelte. Sie war ca. 50 Jahre alt, schwarzhaarig und wirkte sehr gepflegt. Typ Nerzmantelfrau, braungebrannt und einer Botox-Spritze (oder zwei) nicht abgeneigt. Daneben saß ein älterer Mann mit grauen Haaren, vielleicht war es ihrer, wer weiß. Gut gekleidet, er wirkte zurückhaltend bis schüchtern.

Ich hörte weiter meine Musik, war selbst ganz gut drauf, da auf dem Weg zu einem Familienbesuch, und lächelte zurück. Das bekam der Herr spitz und blickte ebenfalls zu mir hinüber. Und für einen Moment dachte ich mir, dass es gut möglich sein könnte, dass ich die Frau irgendwoher kenne. Warum sonst sollte sie mich anlächeln, während ein anderer Mann neben ihr sitzt? So war zumindest mein Gedanke.

Wenn sich Augen ohne Scheiben treffen

Also nahm ich meine linke Hand vom Lenkrad und betätigte mit meinem linken Zeigefinger den elektrischen Fensterheber. Kurz darauf blickten mich also vier Augen an. Nun ohne zwei Scheiben zwischen uns. Nennt man das Barrierefreiheit?

Neugierig wie ich bin, rief ich rüber: „Und, alles klar?“
Sie lächelte souverän weiter, und antwortete: „Ja, wir kennen uns doch vom Golfclub!“
Das hat mich etwas verwundert. Denn ich muss dazu sagen, dass ich bisher nie in einem Golfclub war. Das Auto würde da zwar hin passen. Eigentlich beide. Ihres und meines. Aber dennoch hab ich noch nie Golf gespielt. Kann nicht sein, dachte ich mir.

Ganz schön dreist, die Frau

Wenn sie mir während der Aussprache nicht mit ihrem linken Auge zugezwinkert hätte, dann hätte ich meine erste Reaktion, „Golfclub, ich glaube nicht?!“, auch nicht schnell geändert in: „Ahhhh, ja doch. Kann gut sein. Möglich, ja!“

Wir wünschten einander noch einen schönen Tag, die Ampel schaltete auf grün und die Wege trennen sich wieder.

Alles was dazu in mir selbst zurück blieb war der Gedanke, was für eine Frau das wohl sein müsse.
Sie flirtet neben einem Mann, zwinkert mir zu und erhoffte sich eine rettungsankerartige Zustimmung zu ihrer Aussage, dass wir uns doch kennen würden. Ganz nach dem Motto: „Hoffentlich hat mein Mann (?) das gerade nicht gemerkt, dass ich den jungen Typen in dem Sportwagen angelächelt habe.“

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Ich bin mir fast sicher: Hätte ich ein Allerweltsauto, wäre mir das nicht passiert. Stolz auf solche Situationen bin ich nicht. Ziehen sie den Fokus doch weg von mir als Person, hin zu einer Blechkiste.
Hätte sie mich auch angelächelt, wenn ich einen 10 jährigen Kleinwagen gefahren hätte? Die Frage wird auf immer und ewig eine nahezu rhetorische bleiben.

Ohne weitere Worte.

PS: Warum hab ich ihr unmoralisches (?) Spiel mitgespielt? Weil ich es war, der den Kontakt gesucht hatte, indem ich das Fenster herab ließ. Also hab ich auch eine adäquate Ausleitung genommen, so dass jeder sein Gesicht wahren konnte. Hätte man auch anders machen können. In jedem Fall nicht mein Problem, muss letztlich jeder selbst wissen, was er tut.