Philosophischer Sonntag – Warum man nicht viel Glück braucht

Man, hast Du kein Glück gehabt!

Neulich im Telefonat mit einem Kumpel…
habe ich mich zum heutigen Philosophischen Sonntag inspirieren lassen…

… und wir kamen auf seine erfolgreich abgeleistete Theorieprüfung zu sprechen. Der junge Mann ( 😉 ) macht gerade seinen Führerschein. Stolz erzählte er mir davon, dass er seinen Theorietest bestanden hat. Weiter ging es dann um die Frage, ob er im Vorfeld viel dafür gelernt habe oder nicht.

Er sagte: „Es war klar, dass ich bestehe.“
„Ja, warum?“
„Weißt Du, meine Eltern haben mir vorher auch viel Glück gewünscht. Aber was ist Glück? Wer braucht schon Glück? Für wen soll Glück nötig sein? Glück ist etwas für Verlierer! Ich hab vorher viel gelernt, da brauche ich kein Glück!“

Manchmal haut er echte Statements raus, fast wie ein Großer! 🙂
(Anmerkung der Redaktion: Gehört hier zwar nicht inhaltlich in den Artikel, aber es unterliegt der journalistischen Freiheit des Blogbetreibers aus inhaltlichen Themen abzuschweifen und zu sagen: Ich liebe solche Ecken und Kanten an Menschen. Und noch mehr liebe ich sie, wenn sie gezeigt werden!)

Aber Recht hat er! Genau so sehe ich das auch.

Im heutigen Artikel habe ich die Pointe vorweg genommen und komme erst jetzt zu ein paar ergänzenden Worten. Normal führe ich stets zur Pointe hin, heute führe ich hinter her.

Schwein gehabt!

Glück ist etwas, das man haben kann. Oder nicht haben kann. Selten selbst beeinflussbar, echtes Glück jedenfalls. Fraglos sollte der eigene (Lebens-)Weg nicht davon abhängen. Es ist wie ein zusätzlicher Bonus. Nicht ein Bonus, sondern ein zusätzlicher Bonus. Der Bonus der Bonusse sozusagen.

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Wenn man am Jahresende einen Bonus erhält, einen finanziellen beispielsweise, dann freut man sich. Besonders wenn man damit nicht gerechnet hat. Weiß man aber im Januar schon, dass man in 11 Monaten ziemlich sicher einen Bonus bekommen wird, dann…? Ist die Überraschung weg! Der Bonus-Effekt geht verloren, bzw. erscheint nie, und der Bonus (das Geld) ist schon verplant, bevor es überhaupt auftauchen konnte. Tragisch, das nimmt dem Bonus die Magie. Und der Bonus ist an der Stelle nur eine Metapher für das Glück.

Glück kann man nicht kaufen. Glück kommt von Zeit zu Zeit und verschwindet selbstständig wieder. Man kann es aber manchmal ein bisschen (er-)zwingen. Manchmal muss man auch lange darauf warten, dass das Glück wieder zurück kehrt. Fortuna kann nicht mit allen Menschen gleichzeitig in die Kiste hüpfen. Auch wenn es so scheint, dass das Glück manchen Menschen in die Wiege gelegt wurde. In Wahrheit ist es meist anders. Meist steckt wirklich harte Arbeit dahinter, selbst wenn es so aussieht, als ob das alles nur Glück wäre. Und wenn es nur die Kunst des Umgangs mit dem in die Wiege gelegt Bekommenen ist, so ist es dennoch Arbeit und Disziplin.

Glück kommt von Zeit zu Zeit. Und dann darf man es dankbar annehmen und wirken lassen.
Und demgegenüber sollte Glück dennoch nicht nötig sein. Da hat er schon Recht, mein Kumpel. Wann immer man hart für etwas arbeitet, stellen sich die Resultate früher oder später (bei mir erfahrungsgemäß – bis auf das Thema Liebe 🙂 – eher früher als später!) von ganz alleine ein.

Pech, wie war das doch gleich?

Man kann auch mal Pech haben und ein Ding versauen. Pech ist in solchen Situationen nicht immer sehr simpel als das Gegenteil von Glück zu sehen. Pech gibt es ebenso in verschiedenen Varianten. Es gibt das gemeinhin bekannte: „Pech gehabt!“ Das kann man mit Faulheit gleichsetzen. Fast in allen Situationen liegt der Fehler im System. Also an Dir oder mir selbst. „Pech“ hat man nicht einfach, Pech erarbeitet man sich im Vorfeld. Meistens durch Faulheit, gespickt mit Unvermögen. Keine Sorge, an beidem kann man arbeiten. So hart es ist, aber es geht.

Es gibt aber auch das „echte Pech“.
Und das kann, genau wie Glück, genauso einfach von Zeit zu Zeit kommen und einem Menschen die hässliche Seite des Lebens zeigen. Selten kann man diese Art des Pechs wirklich beeinflussen. Und dennoch sollte auch aufkommendes Pech es nicht vermögen können das Leben aus der Bahn zu werfen. Dann ist man gesund. Wenn die Fundamente stimmen, kann Dir Pech genauso wenig anhaben, wie Dir Glück den alles überragenden Weitwurferfolg des Lebens bescheren kann. Es ist nur eine Illusion, an die zu viele Menschen glauben und irgendwann erkennen, dass Glück alleine nicht glücklich machen kann. Glück ist kein Selbstzweck!

Agonist und Antagonist?

Stimmen die Fundamente, blättert Dir Pech maximal ein bisschen das Makeup aus dem Gesicht.
Stimmen die Fundamente, ist Glück das i-Tüpfelchen.
Eines bedingt das Andere. Jeder Mensch hat manchmal Glück und manchmal Pech. Es ist die Kehrseite der gleichen Medaille. Lerne mit beidem umzugehen und als einen Bestandteil Deines Lebens anzunehmen.

Und darum verlasse Dich nicht aufs Glück. Glück kannst Du mitnehmen, wenn es kommt. Arbeite stattdessen hart, zuerst an Dir. Dann an Dingen. Und werde frei von Glück und von Pech. Werde stattdessen Dein eigenes Glück, täglich. Werde eine Glücksmaschine. Indem Du fleißig bist. Immer und überall. Zuerst mit Dir, danach in den Dingen im Außen. Dann wird klar, dass jede Glücksmaschine in Wahrheit eine Fleißmaschine mit eingebauter Erfolgsgarantie ist.

Stimmt schon so, Glück ist etwas, das Verlierer benötigen.
Gewinner nehmen Glück an, ohne es zu brauchen.

Ich habe nach dem Telefonat über die Aussagen meines Kumpels gegrübelt und mir bewusst gemacht, dass der tiefere Sinn daher wohl der Grund dafür ist, warum ich anderen Menschen vor anstehenden Aufgaben und Prüfungen schon seit vielen Jahren stets „viel Erfolg!“ wünsche…