Ein Film-Samstag/Sonntag

Samstag Abend gab es zu Hause einen halben Film. Sonntag gabs den Rest. Das mache ich manchmal gerne. Mir einen Film auf zwei Etappen anzusehen. Es war der erste Spielfilm nach längerer Zeit für mich, nicht allzu häufig knipse ich mir die kostbare Freizeit aus der Wade. Es gibt für mich schönere Freizeitbeschäftigungen als mir einen Film anzusehen.
Es bietet sich jedoch an, wenn man zu zweit auf der Couch liegt. 🙂

The Revenant. Mit Leonardo DiCaprio. Er bekam dafür einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Außerdem gab es je einen Oscar für die beste Regie und die beste Kamera.

Kann ich alles verstehen. Wirklich nachvollziehbar. DiCaprio hat seine Rolle aus meiner Sicht hervorragend gespielt. Die Kameraführung war szenenweise überwältigend und sogar innovativ. Auch die Regieleistung hat auf mich insgesamt stimmig, bisweilen sogar authentisch mitreißend gewirkt. Atemberaubende Landschaftsaufnahmen in der Weite, bedeckt von Schnee und Eis. Reißende Flüsse, schneebedeckte Berge und Hügel.

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Und doch fehlte mir etwas. Am Ende des Films, genauer gesagt zum Abspann, stellte ich mir die Frage: „Und jetzt? Was bringt das?“

So gut der Regisseur den Film insgesamt in Szene gesetzt hat, so sehr er DiCaprio in seiner Rolle zur Ikone eines rachsüchtigen Mannes hat aufgehen lassen, so sehr er auch die Kameramänner zur Höchstleistung angetrieben haben mag, genauso sehr fehlt dem Film letztlich der Tiefgang in der Handlung.

Da ist ein verbitterter rachsüchtiger Mann – gespielt von DiCaprio -, dessen Frau verstarb. Und dessen Sohn später im Laufe des Films ermordet wird, von einem Feind, der sich schon früh als Bösewicht bzw. Gewissenloser herauskristallisierte.
Der Feind hatte also seinen Sohn auf dem Gewissen und unseren DiCaprio auch noch fast über den Jordan gehen lassen.

Dazwischen gibt es viele Trapper und Indianer. Gewehre, Pfeil und Bogen. Einigermaßen viel Gewalt, besonders gegen Ende. Ein paar mehr oder weniger ekelhafte blutige Szenen sind auch dabei.

Und da zieht sich der rote Faden durch den Film. Der rote Faden bestand aus der Jagd des Feindes durch den rachsüchtigen Hauptdarsteller. Er will den Mörder seines Sohnes um jeden Preis zur Strecke bringen. Dabei nimmt er es in Kauf, selbst sein Leben zu lassen. Er geht dafür durch die Hölle und zeigt einen unbändigen Willen, bereit sein eigenes Leben für sein höheres Ziel zu lassen. Den Feind zu finden, koste es was es wolle. Dabei geht er gewieft vor und zeigt über den gesamten Film ein beeindruckendes Durchhaltevermögen. Dem Tode mehrmals Nahe trotzt er allen äußeren und inneren noch so harten Einflüssen.

Um? Ja, um seinen Feind zu fassen. Und er fasst ihn. Es wird ein kurzer Kampf und ein schnelles Ende.
Seinen Sohn macht das nicht wieder lebendig. Seine Frau freilich auch nicht. Und so technisch brilliant wie der Film auf einer imposanten Heimkinoanlage auf den Zuschauer auch wirkt, so sehr fehlt jeder Tiefgang.

Die Frau war vorher schon tot. Der Sohn wurde getötet. Er tötete den Mörder seines Sohnes. Punkt.

Und jetzt? Was ändert es?

Ich schreibe hier weniger nur eine Filmkritik als vielmehr die Frage nach dem Sinn von Rache in den Raum zu stellen.
Ein Mann, der so unglaublich viel Durchhaltevermögen und einen eisernen Willen zeigt, wäre der selbe Mann nicht auch in der Lage tatsächlich „mehr“ zu leisten als nur Rache zu üben…?
Es ist nur ein Film. Schon klar. Aber dann erhält der Regisseur von mir vielleicht einen Oscar für seine Leistung alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Aber nicht für seine Leistung eine Geschichte zu erzählen. Die hat mir nämlich gefehlt.

Es ist fast wie im echten Leben. Viele tolle Einzelkomponenten ergeben noch lange kein großes stimmiges Ganzes… Typisch Hollywood. 😉

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