Ein paar Worte zum vorletzten Date

Inspiriert hat mich zu diesem Artikel der Leserkommentar von „tagebuchschreiberin“ zu meinem Artikel Date-Review – 3 Dates mit viel Gelaber.

Darin ging sie der Frage auf den Grund, warum die Frau auf meinen drei Dates nahezu keinerlei Körperkontakt zuließ. „Tagebuchschreiberin“ vermutet, dass die Frau eigentlich kein Interesse an mir hat und schlicht nicht „nein“ zu mir sagen könne und mich deshalb immer wieder date.

Das ist ein interessanter Aspekt, an den ich grundsätzlich bisher noch nie gedacht habe.

Tatsächlich erscheint mir das in diesem konkreten Fall jedoch anders. Und das hatte ich in meinem Artikel oben ursprünglich nicht erwähnt. Darum hole ich das hier nach und schiebe mal eben noch ein ganzes Date-Review vom Sonntag Nachmittag/Abend mit ein.

Tatsächlich date ich eine Frau natürlich nicht wahllos immer weiter, bis zum Sankt Nimmersleinstag. Erst recht nicht so lange, bis wir beide dem altersbedingten Zerfallstod erliegen. Irgendwann muss schon mal klar werden worum es da zwischen der Frau und mir überhaupt geht.

Zurecht bekomme ich natürlich die Frage von meiner Leserin gestellt, wieviel Aufwand ich denn noch betreiben wollen würde, wenn die Frau mir bis zum dritten Date keine Anzeichen gibt, die auf Interesse an Körperkontakt oder einen Kuss hindeuten.

Die Frage habe ich mir im Date, nach dem Date und auch nochmal im Artikel selbst gestellt. Im „Normalfall“ wäre für mich das Thema spätestens nach dem dritten Date erledigt. Irgendwann muss auch mal auf körperlicher Ebene klar werden, dass die Frau Interesse an mir hat, und zwar über einen Kaffee und Palaver über den Sack Reis in China hinaus.

Warum habe ich sie dennoch noch ein viertes Mal, diesmal bei mir zu Hause, getroffen?

Sie hat mir auf allen drei Dates durch ihre Art der Blicke und die Art mit mir zu reden trotz aller Zurückhaltung und Schreckhaftigkeit bei meinen Berührungsversuchen körpersprachlich signalisiert, dass sie Interesse an mir hat.

Ich bin sehr feinfühlig geworden für diese Art der Aufmerksamkeit. Der Körper verrät durch sein Unterbewusstsein vieles, das die Sprache alleine nie zu transportieren vermag.

Jedenfalls „quält“ sich gemeinhin ein jeder durch ein Gespräch dieser Art. Egal ob in einem Date oder in der Arbeit. So lange, bis jeweils gefühlt genügend Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern aufgebaut wurde, das ausreichend Sicherheit in Bezug auf die Beziehung zueinander suggeriert. Nochmal langsam lesen den letzten Satz.

Und dann fallen die Hüllen. Zunächst verbal. Und unter Mann und Frau eben auch hin und wieder nonverbal. Und dann… ja erst dann (!) gibt sich fortan jeder so wie er wirklich ist. Erst dann wird kennen lernen wirklich möglich. Vorher ist das in aller Regel ein abwechselndes sich selbst schön darstellen und den anderen schön reden und fleißiges Nicken und braves Ja-sagen. Es ist nicht toll, dass es so ist. Aber es ist so. Außer… ja außer wenigstens einer von beiden achtet bewusst darauf und beschäftigt sich mit diesem Thema eingehend und hat genügend Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, um sich ab Minute eins an so zu geben wie er wirklich ist.

Tatsächlich achte ich in meinen Dates nicht mehr darauf, dass ich toll rüber komme. Im Gegenteil. Ich gebe mich mehr und mehr so wie ich bin. Und mehr und mehr merke ich inzwischen, dass genau das viel besser ist. Für mich im Date. Und auch die Resultate gefallen mir besser. Da die Erfolge inzwischen kontinuierlicher sichtbar werden. Natürlich ist es ein Entwicklungsprozess, bei dem ich selbst nie ungeduldig werden sollte. Durchaus aber weiterhin neugierig. Ca. 25 Dates in 6 Monaten bringen mich einfach auf der Ebene massiv weiter.

Gerade am Anfang hängt man sich stark ins Zeug, achtet genau darauf keine Fehler zu machen. Inzwischen ist es mir egal, ob ich Fehler „mache“ oder nicht. Es ist mir einfach egal geworden. Ich bin mehr und mehr ich selbst. Das passt der Frau dann und sie liebt mich letztlich genau dafür wie ich bin oder eben nicht. Und dann ist es nur umso zeitschonender, wenn sie im ersten Date bereits merkt, dass ich ne Niete für sie bin.

Ich sehe das inzwischen wie Lose ziehen. Rein greifen in die Trommel. Raus holen. Öffnen und dann vor allem auch hinsehen. Was würde es mir bringen wenn ich Lose wie am Fließband ziehe und dann nicht erfahren wollen würde was drauf steht. Forrest Gump hat mal gesagt: „Das Leben ist wie eine Schachtel Parlinen, man weiß nie was man kriegt.“ Also greife ich lieber in die Menge (an Frauen) rein (mache ein Date aus) und schaue, ob ich etwas gewonnen habe (ob sie mich will).
Und um ehrlich zu sein: Sie (als Metapher) hat schon auch verdammt viel zu gewinnen bei dem Spiel…
Ja, gut, ich gebs zu, das darf man mir jetzt als Vermessenheit auslegen. 🙂

Eigentlich ganz einfach.
Fast wie im echten Leben. Meistens zieht man Nieten. Aber manchmal nicht. Und dann freut man sich umso mehr. 😉

Sonntag bei mir ließ ich das Ganze langsam angehen. Sie war erstmal hin und weg von meiner Wohnung. Vor allem meine Holzmöbel (ja, Echtholz, Buche, ich steh drauf!) haben es ihr angetan. Und meine Pflanzen. Und meine Raumaufteilung. Sie kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Gut, ich hab mich zwar für sie gefreut, dass sie offensichtlich so viel Spaß beim sich Umsehen hatte. Andererseits dachte ich mir in dem Moment: „So viel Freude wie sie in Bezug auf meine Möbel ausstrahlt… das wäre mal was… wenn sie das auch einem Menschen gegenüber tun würde. Zum Beispiel mir gegenüber!“

Ich bin aber auch echt Ich-bezogen, gell. Zweimal „ich“ in einem Satz. Und im letzten schon wieder. Tststs. 🙂

Mir ist doch klar, dass nicht jeder seine Gefühle einem anderen Menschen gegenüber so klar äußern oder verdeutlichen kann. Es ist mir doch klar. Manche kommen als Wärmflasche auf die Welt, so wie ich. Und manche eben als Kühlschränke. Noch suche ich eine Wärmflasche. Eine kleine würde mir schon reichen.

Nach der Wohnungsbesichtigung (ich wollte fast schon fragen ob sie sich so sehr in die Wohnung verliebt hat, dass sie einziehen möchte?! – kleiner Scherz) setzten wir uns erstmal mit einem Glas Wasser auf die Couch. Pickup-Lehrbuch-mäßig habe ich die Couch an beiden Enden mit Zeug belegt. Eine Wolldecke auf der einen Seite. Und mein Laptop auf der anderen Seite. Warum? Ganz einfach, weil Frauen das Zeug in aller Regel nicht wegräumen, sondern da Platz nehmen wo Platz ist. Und dann setze ich mich eben einfach neben dran. Also nicht neben die Wolldecke oder neben den Laptop. Sondern neben sie.

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„Krass“, könnte man jetzt als Nicht-Pickupper denken, „macht der sich Gedanken, der ist ja irre!“. Ich weiß. Ja. Auch um so eine Kleinigkeit mache ich mir Gedanken. Aber hey. Letztlich ist das nicht ausschlaggebend. Dafür erleichtert es den weiteren Fortgang jedoch ungemein, wenn man sich nicht so weit voneinander entfernt hin setzt, dass man einander sonst nur per astronomischem Observatorium sehen kann. Ein Date soll Distanzen überbrücken. Nicht Distanzen auf ewig aufrecht erhalten. Möglicherweise ist das verkopft, was man da manchmal tut. Aber in diesem konkreten Fall war sogar perfekt so, wie ich es gemacht habe. Das sollte sich danach noch zeigen. Denn wenn man so viel „mitdenkt“, bzw. einfach macht (ich denke bei solchen Kleinigkeiten gar nicht mehr nach!), dann nimmt man damit der Frau auch Ängste. So muss sie sich nicht überlegen wohin sie sich setzen soll und es erspart ihr die Panik. Alles hat zwei Seiten. Man kann das auch positiv sehen. Und ich sehe das so. Ich handle vorausblickend für sie und für mich. Es steckt eine gute Absicht dahinter. Und das zählt.

Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen selbst schmunzeln. Vor 1 Jahr habe ich mir im Leben nicht über so einen Mist Gedanken gemacht. Und hätte mir auch nie gedacht, dass es jemals „nötig“ wäre. Bin ich auf meinen Dates dann total verkopft? Wenn ich mir über Sitzpositionen und über den richtigen Zeitpunkt von körperlichen Berührungen permanent den Kopf zerbreche? Es ist anders.

Anfangs war das so. Ja. Da ist man verkopft. Man liest in diesem Buch das. Und in jenem Buch jenes. Man soll dies. Und man soll das. Einer sagt so. Ein anderer so. Und man denkt und handelt extrem in Mustern. Und stellt fest, dass keines wiederkehrend funktioniert. Bis man begreift, dass Menschen tatsächlich unterschiedlich sind. Und ab da war ich nicht mehr so verkopft. Wichtig ist immer die Art etwas zu tun. Anstatt etwas „nur“ zu tun als Selbstzweck. Gefühle sind wichtig. Nicht auswendig gelernte Sprüche.

Zum Bespiel das Ding mit den Berührungen, die sind bei mir in Fleisch und Blut übergegangen. Genauso wie ich mir heute keine Gedanken mehr darum mache wie ich eine Frau anspreche. Anfangs sucht man nach dem passenden „Anmachspruch“. Was für ein Käse!
Heute gehe ich einfach hin und sage wonach mir gerade der Sinn steht. Letztens hatte ich erst ein Mädchen mit glänzenden schwarzen Schuhen angesprochen. „Hey, Deine Schuhe erinnern mich an Darth Vader!“. Sie lachte wie auf Knopfdruck und wir hatten sofort ein tolles Gespräch. Sie musste direkt in die Bahn einsteigen. Wir tauschten also schnell Nummern und telefonierten einige Minuten später. Und nach ein paar Tagen hatten wir ein Date vereinbart.
Auf das sie sich – laut Telefonat am Tag vor dem Date – total freute. Gut, am Date-Tag hat sie das Date dann zwar pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt um 21 Uhr per Zweizeiler in Whatsapp abgesagt, aber hey. Es geht auch mit Darth Vader. Es spielt wirklich keine Rolle. Wobei, Momentchen mal. Vielleicht hat sie so überpünktlich (Schweinerei!) abgesagt, weil sie kein Star Wars Fan war? Ach. Lassen wir das. 🙂

Und so unverkopft bin ich heute auch im Date. Egal wo. Wenn mir danach ist dann lehne ich mich lässig zurück. Oder sage mal nichts. Und wenn mich was interessiert dann frage ich nach. Wenn sie mich langweilt, dann wechsle ich schnell das Thema. Wenn mir nach gehen zumute ist, dann gehe ich. Das ist alles. Die ganze Kunst. Es ist also weniger ein verkopft-sein, als vielmehr ein im Moment sein. Auch ich lerne ständig dazu und bringe meine Lebenserfahrung so massiv voran. Der Entwicklungssprung in wenigen Monaten war enorm. Wie ich immer wieder nur sagen kann: Nicht nur im Bereich Pickup. Der Sprung war enorm, auf allen Ebenen.

Weiter im Text.

Da saßen wir also auf der Couch. Vielleicht einen knappen Meter auseinander. Wir reden kurz, vielleicht zwei oder drei Minuten. Alles locker. Aber ich spürte, dass sie sich irgendwie wohl fühlte. Sie strahlte anders als sonst. Anders als bisher. Keine Ahnung warum. Ob es die Holzmöbel waren?!

Und als ich zu meinem Glas greife, um einen Schluck Wasser zu nehmen, rutschte sie zu mir rüber. Direkt auf Körperkontakt. Schenkel an Schenkel. Ich spürte ihre kleine Aufregung und nahm erstmal in Ruhe meinen Schluck Wasser. Sie wirkte etwas, als sei sie über ihr eigenes Handeln überrascht gewesen. So eine Aktion hatte sie bisher nicht gebracht. Innerlich habe ich mich amüsiert. Weil ich innerlich darüber lachen musste, dass sie drei Dates lang jeden Körperkontakt fast unterbunden hatte, um dann im vierten Date – ausgerechnet in einer für sie nicht vertrauten Umgebung bei mir zu Hause – von sich aus Körperkontakt zu suchen und so aus sich raus zu kommen.

Und was hab ich gemacht? Erstmal die Spannung weiter aufgebaut. Zwar meine Hand zwischendurch mal auf ihrem Schenkel abgelegt, aber ansonsten einfach weiter gesprochen über die Themen, die mich gerade interessierten. Und da wir sowieso noch kochen wollten, schlug ich vor, dass wir doch mal zu kochen beginnen könnten. Also standen wir auf und kochten erstmal. Erstmal.

Drei Dates lang unterband sie zuvor wie gesagt fast jeden Körperkontakt. Im Laufe des Nachmittags hingegen wurde sie zur Klette. Nicht ich.

Und die Moral von der Geschicht‘: Verstehe das alles wer will, nur ich nicht! 😉