Date-Review – 3 Dates mit viel Gelaber

Gestern hatte ich mein drittes Date mit einer Frau. Das ist schon mal selten. Meistens kommt es nicht einmal zu einem zweiten Date. Ich scheine eben einfach so merkwürdig zu sein, dass ich alle verschrecke! 😉

Gut, also Date Nummer 3 mit einer Frau, die zwar nett, aufmerksam, aber langweilig ist.

Ein paar Dinge sind erzählenswert. Das meiste nicht. Also erzähle ich erstmal die langweiligen Situationen aus dem Date gestern. Gut? Nee!
Also okay, überspringen wir den Teil. Kommen wir zum knackigen, interessanten, humorvollen. Hm. Auch Fehlanzeige! Na gut, also dann erzähle ich zumindest die Auffälligkeiten.

Wir trafen uns in der Stadt und liefen gemeinsam zu einem Lokal zum Essen. So ein Lokal, in dem jeder beim Eintreten seine eigene Chipkarte bekommt. Da wird dann das Essen drauf gebucht. Und beim Rausgehen bezahlt man dann. Jeder seine eigene Karte. Außer man macht einen gemeinsamen Haufen daraus. Aber dazu später mehr.

Dort angekommen und die Chipkarten empfangen, sagte ich zu ihr: „Lass uns heute mal zusammen bezahlen. Das finde ich viel schöner, als alles getrennt zu machen.“

Antwort von ihr: „Ach das muss nicht sein.Wir haben ja die getrennten Karten. Gemeinsam bezahlen können wir dann, wenn wir mal wieder irgendwo essen gehen wo man bedient wird.“

Bumm. Okay. Sehr gemeinsam, der Abend. *hüstel*

Bei der Essenswahl und der Getränkebestellung (unterschiedliche Gerichte und Getränke zu unterschiedlichen Preisen!)  an der Theke fragte der Koch nach der Speisenzubereitung: „Alles auf eine Karte?“

Und jetzt fing sie an: „Können Sie das genau halbe halbe auf die Karten buchen?“

Ich dachte mir nur: „Oh mein Gott. Wieder so eine Kühlschrank-Erbsenzähler-Frau mit ausgeprägtem Sinn für korrekt berechnete Gerechtigkeit.“ Romantik pur.
Daraufhin sagte ich ihr: „Deshalb hab ich vorhin gemeint, dass es einfacher ist, wenn man zusammen bezahlt. Dafür wechseln wir uns einfach ab. Kommt auf das Gleiche raus.“

Der Koch sah sie und mich fragend an. Und da er der deutschen Sprache nur mittelmäßig bis kaum mächtig war, konnte ich die drei Fragezeichen über seiner Stirn schon fast in Zeitlupe beim zu uns ins Gesicht springen beobachten.

Das sah sie wenigstens dann ein. Dann. Also dann wenn ein fremder (!) Koch ihr das klar macht, dann (!) sieht sie das ein. Wenn ein dreifach gedateter Mann ihr das sagt, dann natürlich nicht. Klar. Logisch. Und zeigt mir, dass die Frau mir vertraut bzw. sich auf mich einlässt. Ähmmm, nee. Eben nicht. Auch gut. Was solls. Wir wollen uns ja nicht aufeinander einlassen, sondern schön weiter getrennte Wege gehen…

(Ich weiß, ich und mein ständig übertriebener Sarkasmus, nur ich bin halt so und kann auch nicht anders. Meine Art das gedanklich zu verarbeiten. Wie, wenn nicht durch maßlos übertriebenen Sarkasmus?! Wenn es nicht irgendwie auch lustig wäre, dann könnte man darüber weinen.)

Gut, sie hielt ihre Karte hin und alles wurde auf ihren Chip gebucht. Ein wenig hab ich das in dem Moment auch so provoziert. Ich hab mich einfach zurück gehalten in dem Moment. Sie war zuvor nämlich schon so schnell und wollte alles geklärt haben, nämlich halbe halbe. Also hab ich sie machen lassen. Dann gabs für sie halt statt halbe halbe eben ganze ganze. Situationen und Spannungen aushalten kann ich.
Normal bin ich nicht so. Ich hatte die beiden Abende zuvor schon jeweils ein Getränk von ihr bezahlt. Nicht alles. Aber jeweils ein Getränk. Ich finde das kann man so machen, wenn man sich für den anderen interessiert. Dann zahlt man einfach mal ein Getränk mit. Warum nicht.

Der Abend verlief bei italienischer Standardkost recht ruhig und unspektakulär ab. Wenn ich nicht zwischendurch immer dank eingestreuter neuer Gesprächsthemen den Redefluss am Leben gehalten hätte, dann wäre es tatsächlich etwas ins Stocken geraten. Also hab ich gemacht was ich inzwischen immer dann mache, wenn es an sich sehr langweilig wird oder zu werden droht. Ich fange dann einfach an mehr über mich zu erzählen bzw. darüber was mich bewegt oder begeistert. Das habe ich früher auf den Dates so in der Art nicht gemacht. Inzwischen schon. Damals habe ich versucht die Frau dazu zu bringen von sich zu erzählen. Viele Fragen gestellt. Damit sie sich wohl und ernst genommen fühlt. Es war von meiner Seite jederzeit aufrichtig, immer. Aber dann muss ich mir eben auch klar darüber werden, dass die Themen dann noch langweiliger zu werden drohen.
Schluss damit. Bevor es langweilig wird, mache ich die Themen.

Ich denke mir das so: Wenn es schon langweilig mit einer Frau sein muss, dann soll es wenigstens um die Themen gehen, die mich noch ansatzweise interessieren. Nichts ist langweiliger als einer langweiligen Frau dabei zuhören zu müssen, dass sie sich eine mega langweilige Handtasche gekauft hat. Also geb ich einfach ein Thema vor, indem ich es in den Raum werfe. Und dann frage ich sie etwas dazu. Wenn sie was dazu sagen kann, dann lasse ich sie erzählen. Wenn nicht, dann erzähle ich was dazu. So geht der Abend mit verschiedenen Themen rum und ich hab es dann auch geschafft wenigstens nicht einzuschlafen. Schlafen kann ich nämlich zu Hause.
Auf meinem neuen Kissen, diesmal aus Dinkelkernen. Was tut man nicht alles, um seinem Nacken das Bestmögliche zukommen zu lassen. Mal ausprobieren…

Nach dem Essen bestellte ich auf meine Karte noch zwei Getränke. Dazu gleich mehr.

Nach ca. drei Stunden sind wir aufgebrochen und haben uns ans Bezahlen gemacht. An der Kasse angekommen sagte ich zu ihr: „Okay, also die Getränke zahle ich. So können wir das aufteilen.“
Woraufhin sie antwortete: „Nein nein, das zahle ich heute alles. Beim nächsten Mal dann Du.“

Bingo. Danke. Immerhin war dann der Abend für mich kostenlos. Und gleichzeitig hat die Frau auch mal etwas investiert. Das ist wichtig. Ich denke mir das so: Wenn eine Frau nicht gerade durch Emotionalität und Temperament besticht… wenn ihre Gefühlsebene also eher im Versuchslabor von Schöller oder Langnese angesiedelt ist, dann erwischt man so eine Frau vielleicht über den Geldbeutel. Also kann sie investieren… in was eigentlich? 😉

Im Laufe des Abends habe ich mehrfach versucht ihre Hand zu halten. Sie ist so mega schüchtern oder merkwürdig, jedenfalls zieht sie ihre Hand nach wenigen Sekunden stets langsam weg. So als würde sie mir sagen: „Oh, was ist das denn. Hilfe. Ohje. Nein. Ich komme damit nicht klar. Ich nehme da meine Hand mal weg.“

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Klar. Kannst Du schon machen. Genau wie Du auch mit einem Bussi links und rechts noch große Schwierigkeiten hast. Hand halten geht dann gar nicht. Verstehe ich auch. Ich würde mich auch drei mal mit einer Frau treffen, wenn ich andererseits aber ihre Hand nicht halten will. Macht ja auch Sinn, ne?

Beim ersten Date okay. Beim zweiten schon irgendwie auch nicht mehr. Beim dritten aber spätestens…? Möchte man meinen. Die Wahrheit ist doch eher so: Wenn eine Frau beim ersten Date schon nicht auftaut, dann wird sie das auch 10 Dates später nicht. Bzw. wenn sie dann auftauht, dann hast Du eine extrem mühsame Person vor Dir. Eine, die mit ihrer eigenen Sexualität große Probleme hat. Will man das wirklich? Will ich das wirklich? Wir reden hier wirklich erstmal nur von einer einfachen Berührung für ein paar Sekunden und maximal einem Kuss.

Einmal habe ich ihr ein Kompliment zu ihrem Ohrring machen wollen. Weil das prima zu ihrer Uhr passte. Es war aufrichtig so gemeint. Und so berührte ich sie an den Haaren am Ohr entlang, um auf ihr Ohrring zu zeigen. Sie schreckte total zurück, als würde ich ihr das Ohr abreißen. Es ist schon eine lustige Situation gewesen. Deswegen erzähle ich es hier. So etwas habe ich in der Form noch nicht erlebt. Dass es einer Frau „zu früh“ oder „unangenehm“ war, das ja. Das kenne ich. Aber aufschrecken? Das wirkt auf mich, als hätte da jemand ein Problem. Sie. Undzwar ein ernstes. Ich hinterfrage es nicht weiter. Es ist ja im Moment für mich nicht wichtig. Aber ich bin froh, dass ich durch solche Situationen den Menschen kennen lerne. Und das gehört nun einmal dazu.

Beim Abschied habe ich das mit dem Handhalten nochmal probiert. Nachdem ich sie zur Bahn begleitet hatte. Ich spürte, dass ein Kussversuch nicht angebracht wäre. Sie kam ja so schon selbst kaum mit der Mann-Frau-Situation klar, wie ich mehrmals merken durfte.

Und so kommen wir über ein Bussi links und Bussi rechts auch beim dritten Date nicht wirklich weiter.

Das ist Rekord! Noch nie in meinem Leben habe ich eine Frau drei mal gedatet ohne sie zu küssen. Premiere! Lasst uns darauf mit einem 2012er Domaine du Bouscat Caduce anstoßen. Ein Bordeaux. Trocken natürlich, wie alle Bordeaux. Ca. 9 Euro pro Flasche. Der Wein ist geschmacklich deutlich besser als sein niedriger Preis es vermuten lässt. Kleine Empfehlung am Rande… 😉

PS: Widerlich fand ich zwei Situationen, in denen sie mich ganz offensichtlich mit jemand anderem verwechselt hat. „Du hast mir doch schon von Deinen Eltern erzählt, was die arbeiten oder?“, kam da einmal. Ich dachte mir nur: „Nein, hab ich nicht. Sicher nicht.“ Und das zweite Ding weiß ich gar nicht mehr. Ist auch nicht so wichtig. Aber es bekommt schon ein merkwürdiges Geschmäckle, wenn eine Frau nicht mehr unterscheiden kann welcher Typ ihr was erzählt hat. Ich hab auch viele Dates, aber bisher habe ich noch immer auseinander halten können, mit welcher Dame ich welche Erlebnisse, Erinnerungen und Erfahrungen ausgetauscht habe. Wenn ich das mal nicht mehr schaffen sollte, dann muss ich es wohl in den quantitativen Olymp geschafft haben. Wie sie?! Wie sie!

PPS: Zurecht kann dann die Frage aufkommen: „Was willst Du denn dann noch mit dieser Frau?“ Ich bin ehrlich. Ich weiß es nicht. Vielleicht meine Hoffnung, dass sie (an der Stelle symbolisch für alle Frauen die ich bisher gedatet habe bzw. noch daten werde!) irgendwann aus ihrem riesigen Gefrierschrank eine Siebträgermaschine heraus zieht und mir meinen heißen Lieblings-Espresso zubereitet.

PPPS: Sonntag will sie mich besuchen kommen. Auf einen Chai-Latte und gemeinsames Kochen. Ich bin fassungslos.