Samstag bin ich an meine Grenze gestoßen – Teil 2 von 2

Der zweite Teil zu gestern (Samstag bin ich an meine Grenze gestoßen – Teil 1 von 2)… auf gehts!

In Anwesenheit dieser Frau war ich plötzlich nicht mehr so gelassen wie sonst. Vorher war alles prima. Mega prima sogar! Wir hatten uns länger unterhalten, über alles Mögliche. Job. Freunde. Urlaub. Vergangenheit. Sprachen. Sogar über Geopolitik! Und uns lustig gemacht über die oberflächlichen Menschen in Nobelclubs. Das ganze Programm. Wir haben gelacht. Wir hatten Spaß. Das war mein Metier. Hier kenne ich mich aus. Reden und zuhören. Das ist mein Parkett. Hier kann ich angreifen und kontern. Hier kann ich abwehren und umlenken. Mit ihr war das Abwehren und Umlenken gar nicht nötig, aber ich könnte, wenn ich sollte. Die Zeit mit ihr war durchwegs harmonisch, lustig, frei und nur so mit tiefem Verständnis gespickt.

Tja und dann kam die Sache mit dem Tanzen. Der Junge, der bis gerade noch so sehr im Gespräch brilliert hat, Führung und Rückgrat gezeigt hat, der selbe Junge… der war plötzlich etwas nervös im Club. Was mir sonst nicht passiert. Woran lag das, wie kommt das?

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Nun, sie ist eine gute Tänzerin. Hat nicht nur Feuer im Blut, sondern vor allem in der Hüfte. Wir tanzten zunächst zwar gemeinsam, aber eben voneinander getrennt. Und irgendwann war ihr das nicht mehr genug. Sie nahm meine Hände und zog mich näher zu sich. Ups, dachte ich mir. Jetzt wird das so ein Zweier-Tanz-Ding. Nicht so wie ich es kenne, sondern… Oh oh… Packt sie mich und fängt an mich die Musik und den Rhythmus spüren zu lassen.

Und ehe ich mich versehe, bin ich in Mitten der Menge. Umgeben von vielen Frauen. Umgeben von fast keinen Männern. Und auch ohne meinen Wingman, der war ja schon heim gegangen. Andere Männer stehen mit ihren Getränken lieber alle an der Bar. Das ist mir in diesen Nobelclubs schon öfter aufgefallen. Klar, weil sie sich nicht trauen zu tanzen.
Meine These (und nein, ich bin nicht Martin Luther): Es scheint eine Korrelation zwischen dem Vermögen eines Mannes (oder zumindest dem Erweckens des Anscheins vom Besitz des selbigen) und dessen Mut zu geben. Allerdings eine negative Korrelation.
Sprich: Je mehr Kohle der Hombre hat (oder vorgibt zu haben!), desto kleiner werden seine Cojones.

Ich behaupte nicht, dass ich super gut tanzen könnte. Aber einigermaßen gut schon. Alleine jedenfalls. Nur nicht zu zweit. Und da lag das Problem meiner Aufregung. Die ganze Situation. Mein aufrichtiges Interesse an ihr als Mensch. Ihre unglaublich tolle Mischung in der charakterlichen Art. Teils zurückhaltend, teils aber sehr selbstbewusst und vor allem immer rücksichtsvoll („hey, Du kannst doch echt gut tanzen!“).
Das alles führte für mich dazu, dass ich mich aufs Tanzen nicht mehr konzentrieren konnte. Echtes Interesse an einer Frau sorgt also offebar in mir (noch?) dafür, dass ich ein Stück weit unsicher werde. Erst einmal völlig unabhängig davon was die Frau tut. Aber wenn die Frau sehr selbstbewusst ist, dann musst Du als Mann schon noch ne Schippe drauf legen. Und das geht nicht, wenn Du gerade mehr mit Dir selbst beschäftigt bist (total verkopft!) als den Moment einfach und frei genießen zu können.
Und auch ihre Menschenkenntnis beeindruckte mich. So tief, dass es unheimlich wurde.
Einmal flüsterte sie mir ins Ohr: „Sag mal, zitterst Du?“

Oh mein Gott hab ich mich ertappt gefühlt. Holla. „Jetzt ist die Grenze definitiv überschritten“, dachte ich mir innerlich. Meine ganz persönliche Grenze. So weit hat mich eine Frau seit Beginn mit diesem Projekt noch nicht gebracht. Normal lese ich immer die Menschen. Aber ich werde nicht gelesen. Normal behalte ich immer die Führung und die Kontrolle. Normal kenne ich die nächsten Schritte und den weiteren Weg. Und diesmal war alles wie weg gefegt. Diesmal stand ich nackig da. Ausgezogen, einsam, verlassen. Mein Wingman war schon weg. Und dann bist Du zwar in den sanften Händen einer Frau, aber einer Frau, die mir weit voraus ist. Das geht auf Kosten der eigenen Sicherheit. Und der eigenen Souveränität.
Puh. Ich bin ehrlich mit diesem Bericht. Und bekenne mich zu meinen Fehlern oder Schwächen.

Natürlich habe ich mich ertappt gefühlt, natürlich war mir etwas mulmig und meine sonst so selbstsicheren Knie begannen wahrscheinlich tatsächlich etwas weich zu werden. Weil ich das einfach nicht gewöhnt bin. Tanzen mit einer Frau an sich schon nicht so oft, ich mache kein Dancefloor-Game (Frauen anztanzen). Das ist nicht meins. Aber Tanzen mit einer Frau, an der ich aufrichtiges Interesse habe und die mich mit ihrer Art tief beeindruckt, ja, das haut dann auch nach ein paar hundert Approaches selbst mich noch um.
Noch?! Vielleicht „nur“ noch… 😉

Das war aber auch der Moment, in dem sie mich innerlich wieder zurück zu mir brachte. Sie sorgte dafür, dass ich mich selbst wieder fokussierte. Auf meine Stärken. Führung zu übernehmen und zu behalten. In dem Moment war die Führung zwar längst aus der Hand gegeben. Aber ich wollte sie mir unbedingt wieder zurück holen. Also hab ich mich besinnt. Und mir gesagt:

Ich weiß, dass es nur eine Frau ist. Ich weiß, dass wir gerade nur tanzen. Und ich weiß, dass es mit aller größter Wahrscheinlichkeit nicht der letzte Tanz meines Lebens sein wird. Insofern ist es nur EINE Situation im Leben. Diese Situation ist erst durch MEINE Bewertung zu einer besonderen Situation geworden. Schöne Momente zu genießen ist wundervoll. Je mehr Genuss man jedoch investiert, desto größer wird das Verlangen nach mehr. Mehr von dieser Frau. Mehr von diesem Tanz des Lebens. Und mehr ist gut, aber nicht ein mehr an Verlangen. Auch nicht der Wunsch desselben. Erleben ohne abhängig zu werden. Es darf ein Rausch sein. Es darf aber keine Sucht werden. Auch keine einmalige. Ich habe mich weiter besinnt und mir selbst gesagt: „Du kannst jetzt nervös sein oder nicht. Du bist du. Sei einfach du. Egal ob du nun souverän bist oder nicht. Sei einfach du selbst. Wenn diese Frau die eine Frau sein soll, dann wird sie dich genau so toll finden wie du bist. Und wenn nicht, dann bin ich nicht der Richtige für sie. Und sie nicht die Richtige für mich. Also hör auf mit diesem verkopften Mist und mach dich mal locker!“

Nach ihren Worten habe ich blitzartig mein Stresslevel gesenkt. Da ich spürte, dass es nun „drauf an kam“. Und ich wollte präsent sein. Ich weiß nicht wie, aber innerhalb weniger Sekunden habe ich mich soweit runter gebracht, dass ich innerlich völlig ruhig wurde. Mir war klar, dass ich jetzt „da“ sein musste. Nicht weiterhin irgendwo mit meinen Ängsten beschäftigt sein durfte. Es würde mir anderenfalls letztlich den bis hier mühsam geebneten Pfad mit wenigem Trampeln zerstören.

Zurück zur Frage, was mich an dem Abend so beeindruckt hat.
Die Mischung in der Art der Frau war es einfach, was es ausmachte. Was den Unterschied ausmachte. Es war ja kein Problem. Im Gegenteil. Ich hab es genossen. Aber ich hab mich gefühlt wie ein kleiner Schulbub. Ich hab es trotz der Ängste genossen, aus mehreren Gründen. Vor allem aufgrund des wirklich wirklich tollen Abends mit ihr. Und vor allem aufgrund der tollen Referenzerfahrung mit ihr. Und besonders aufgrund ihres Umgangs mit mir. Solche Erlebnisse verschieben die eigene Komfortzone massiv. Sie erweitern den Horizont. Sie bringen Dich auf ein neues Level. Level Up! So wie wenn Super Mario auf den Pilz hüpft und groß wird.

Ohne diese Ängste in dieser Situation hätte ich mich nicht weiter entwickelt. Gut, dass mein Wingman längst weg war. Erst dann kann man sich nirgends mehr festhalten. Nirgends hin fliehen. Nicht ausweichen und nicht lamentieren. Nicht grübeln. Man steht im Dauerfokus (einer Frau). Und dieser Situation muss man just dann begegnen!
Das Wundervolle für das eigene Leben daran: Solche Situationen gibt es ständig. Nicht nur in Bezug auf eine Frau. Ständig werden wir Menschen konfrontiert mit Situationen, die uns Unbehagen bereiten. Aber wir können trainieren. Trainieren mit Unbehagen umzugehen und die Schwelle des Unbehagens zu verschieben. Permanent ein Stückchen. Pickup hilft mir als ein Werkzeug. Für das ganze Leben.

Ein paar kleine Beispiele für ihre bezaubernde Art:
Ich ließ meinen Schal an der Bar, neben ihrer Tasche. Bevor wir tanzen gingen. Später, als wir wieder an der Bar waren, unterhielten wir uns erst noch, zusammen mit ihren Freundinnen. Nach einiger Zeit sollte es wieder raus aus dem Club in einen der anderen Bereiche gehe. Und sie nahm wie selbstverständlich meinen Schal in die Hand, zusammen mit ihrer Handtasche. Als wäre es das Normalste der Welt. Als wäre ich bereits ein Teil von ihr. Diesen Respekt und die Anerkennung von ihr habe ich in dem Moment verspürt, muss ich so sagen. Das ist nicht selbstverständlich. Das macht heute kaum mehr eine Frau. Leider, leider, leider nicht. Traurig eigentlich, dass so etwas erst erwähnt werden muss. Wirklich traurig. Aber ein paar wenige Male habe ich auch in meinem Leben (ja, von Frauen) gesagt bekommen: „Du bist so wundervoll. Es kann einfach nicht jeder Mensch wie Du sein. Du bist so einzigartig.“
Das genau macht es ja so schwer für mich. Es macht einfach keinen Spaß im Leben jeden Tag selbst hart für die Champions League zu trainieren und daraufhin ständig aber nur in der Kreisklasse spielen zu dürfen.
Jede andere Frau bisher in meinem Projekt hätte ihre Handtasche genommen und wäre losgezogen. Meinen Schal hätte ich selbst mitnehmen müssen. Menschen denken nicht mehr aneinander. Wirklich so schlimm? Nein. Viel schlimmer in Wahrheit. Aber wenn ich jedes einschneidende Erlebnis mit den Frauen da draußen niederschreiben würde, würden mir manche vom Glauben abfallen. So tief sind wir schon gesunken, ja.
Egal, zurück zum Thema.

Später legte ich meinen Pulli ab, ich trug einen über meinem Hemd. Es ist ja Winter. Und ein schicker Pulli über dem Hemd geht immer. Da lagen die Sachen nun, mein Pulli und mein Schal. Und ich musste mal kurz weg.
Also sagte ich zu ihr: „Du, ich bin kurz weg und lasse meine Sachen hier bei Dir.“
Sie: „Ja klar, geh nur.“

Ich springe kurz etwas in der Zeit nach vorne…
Einige Zeit später wollten die Frauen aufbrechen. Und so nahm sie ihre Handtasche von einem der Stühle und sah mich an. Ich hatte meinen Schal und meinen Pulli in der Hand. Sie sah sich zuerst nochmal um und mir anschließend in die Augen und fragte: „Hast du alles dabei? Deinen Pulli und Deinen Schal?“

Ein paar wenige Worte von ihr. Aber ich war fasziniert. Wie unglaublich aufmerksam. Respekt in der höchsten Form. So etwas trifft man nicht jeden Tag. Da ist eine Frau, die tatsächlich mal schaut wie es MIR geht.
All die anderen schauen doch sonst nur danach wie es IHNEN geht.

Natürlich hab ich ihr in die Jacke geholfen und als sie voraus ging, kurz bevor sie eine Tür öffnen wollte, habe ich sie an der Schulter festgehalten und leicht zurück gezogen. Um sie zu überholen und ihr die Tür aufzuhalten. Versteht sich von selbst.

Ich nehme für mich X Dinge mit aus diesem Abend:

  1. Ganz plump gesagt: Ihre Telefonnummer!
  2. Dass ich dringend einen Tanzkurs machen muss, so einen ganz normalen für Standardtänze. Weiterbildung ist wichtig. Um auch auf diesem Parkett nicht von den Haifischen zerfetzt zu werden.
  3. Stelle Dich immer wieder Deinen Ängsten. Lasse Dich auf die Situationen am meisten ein, die Dir gleichzeitig am meisten Angst machen. Nur das bringt Dich weiter.

PS: Ich weiß, dass ich in diesem Artikel extrem für diese Frau schwärme. Zu extrem vielleicht für einen Außenstehenden. Man könnte meinen, dass ich mich Hals über Kopf in diese Frau verliebt hätte. Ich kann zur Beruhigung sagen: Habe ich mich nicht! Pickup hat mich gelehrt, dass es in aller Regel nicht mal etwas wert ist, selbst wenn Du mit der Frau noch in der selben Nacht bis zum Äußersten gehst. Es ist einfach nichts wert. Am nächsten Tag bist Du in ihren Augen wieder der gleiche Niemand, der Du das gesamte Leben davor schon warst. Mr. Unbekannt. Mr. Unwichtig. Und das hat mich so dermaßen abstumpfen lassen, dass ich mir aufgrund so eines Abends nichts mehr einbilde. Und mir meist auch keine Hoffnungen mehr mache. Nicht Danke Pickup. Stattdessen gelingt es mir immer besser immer mehr im Jetzt zu leben. Den Moment zu genießen und dabei schon stets fast sicher zu wissen, dass ich diese Frau vermutlich nie wieder sehen werde. Ich bin also nicht verliebt. Danke Pickup.

PPS: Wie ging es danach weiter? Nun, wie immer. Ich hab ihr in der selben Nacht noch geschrieben. Und erst (ja, ich sehe das so!) am nächsten Tag eine Antwort bekommen. Übrigens, meine Meinung: Wenn jemand wirklich Interesse hat, dann schreibt er Dir noch am selben Abend zurück. Die eigenen Gefühle und Hormone würden gar kein anderes Verhalten zulassen. Und selbst wenn es 5 Uhr in der Früh ist.
In der Zwischenzeit habe ich ihr am Sonntag einmal ein Bild aus einem Cafe geschickt, einfach so. Ohne Text. Man soll ja nicht bedürftig rüber kommen (wie lächerlich, diese dämliche „Regel“, von Menschen gemacht). Und gestern Abend habe ich es dann einfach so (oh Gott wie schlimm!) telefonisch versucht. Natürlich (ja klar natürlich, was sonst!) hat keiner abgehoben. Nicht einmal ein anderer Typ (! haha !), das wäre ja wenigstens lustig gewesen.
Und dann…? Na klar, keine Nachricht von ihr auf meinen Anrufversuch. Das heißt für mich dann wie immer… die sieben Sachen packen und weiter ziehen.
Immer wieder volle Kraft voraus auf dem heißen getrockneten Boden. Es brennt mit 40 Grad in der prallen Sonne herunter. Ich hab nur meine zwei gesunden Beine. Und einen inzwischen vertrockneten Mund. Und es bleibt wie bisher. Einsam. Aber hey, wenigstens gab es kurz einen wohltuenden Regenschauer. Ein guter Geschmack, wenn man einen vertrockneten Mund hat. Bittersüß ist das schon. Ein fader (Bei-)Geschmack bleibt trotzdem. Schließlich ist man immer noch ein Mensch. Und man blickt sich um und anschließend senkt man den Blick nach unten. Man sieht weiterhin nur seine eigenen Füße vor sich selbst auf dem Boden. Und macht ohne zu denken einfach weiter.
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