Ein Sonntag aus der Fülle der gesamten Bandbreite

Ein kleiner Bericht zum gestrigen Sonntag. Der schon kein philosophischer war. Sondern einer anderer Sonntag, gespickt mit Dates. Oder auch nicht.

Das erste Date ist der Rede nicht wert.

Das zweite Date am Nachmittag war hingegen witzig. Wir lernten uns über eine Online-Single-Plattform kennen. Naja, von kennen lernen kann dabei keine Rede sein. Sagen wir mal wir haben uns dort angeschrieben. Ich hab noch einen alten Account dort und habe diesen seit vielen Monaten nicht mehr genutzt. Da sich meiner Erfahrung nach herausgestellt hat, dass die Frauen dort größtenteils nur lange Texte schreiben, aber niemanden tatsächlich kennen lernen wollen.

Im Prinzip sehe ich das inzwischen eher als Zeitverschwendung an. Nur während meiner Tage der Erkältung zuletzt, begab ich mich wieder auf die Pfade der Internet-Tugenden. Und schrieb allerlei Frauen an. Die Resonanz ist – rein quantitativ gesehen – übrigens deutlich schlechter als im Daygame. Und das ist auch der Hauptgrund für meine erwachsene Missachtung dieser Art des kennen lernens. Es ist später auf den Dates bisher immer zu stakkatoartig gewesen, für meinen Geschmack. Steril. Fast wie auf einem Bewerbungsgespräch.

Gestern war das glücklicherweise anders. Ich habe aber auch in diesem Bereich mein Game umgestellt. Weniger Euphorie auf den Dates! Also auf diesen Internet-Dates.
Sieht dann so aus:
Man trifft sich, eher so wie mit einem Kumpel. Gefühlt. Nur, dass man eher etwas mehr Wert auf Vertrauen setzt, anstatt Attraktivität. Attraktivität ist im Day- und Clubgame mega wichtig. In der ersten Phase. Da muss die Frauen denken, dass Du ein ganz toller Hecht bist, den sie da an der Angel hat. Im Onlinegame sehe ich das inzwischen ganz anders, ziemlich gelassen – fast gelangweilt.
Schlicht aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen, dass die Damen der Schöpfung auf diesem Wege schon wieder in die Tinder-Manier abgedriftet sind. Es geht vielleicht nicht ganz so schnell wie bei Tinder (wisch links, wisch rechts), aber im Endeffekt hat die Frau auch auf so einer Plattform die Auswahl zwischen tausender Männer. Nur, dass da eben ein paar Informationen zu jedem Typen stehen.
Mal ehrlich: Letztlich auch nur wisch links, wisch rechts.

Soweit zum Hintergrund.

Nun zu ihr. Sie war nervös. Sie redete wie ein Wasserfall.

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Sie fragte viel. Sie versuchte unbedingt den Gesprächsfluss am Laufen zu halten. Sie schaute abwechselnd auf ihre Kaffeetasse und dann immer wieder kurz mich an. Um zu erblicken, was ich denn von ihren Worten halte, so wirkte das auf mich. Ich merkte, dass sie in irgend einer Art interessiert war an mir. Ich merkte aber auch, dass sie eine „Langsame“ ist. So mit viel viel viel Vertrauen. Und viel viel viel benötigter Zeit. Also habe ich das getan, was ich nach mittlerweile knapp 25 Dates in den letzten Monaten ganz gut kann: Mich entspannen und zurück lehnen. Und schauen was die Zeit bringt. Mehr lauschen. Ihr zuhören, mich rausnehmen wo es möglich ist. Und mich einbringen wo es nötig ist. Für mich gefühlt mich selbst in Harmonie bringen. Harmonie mit der Situation. Da sie schüchtern ist und ich (längt) nicht (mehr), nehme ich Rücksicht auf so etwas. Also eskaliere ich nicht so hart wie sonst. Ein paar kleinere Berührungen hier und da. Und mal ein „high five“ an einer Stelle, an der es passt. Das wars. Wir standen beide unter Zeitdruck, das war von vornherein schon so vereinbart. 1,5 Stunden füreinander. Wir stellten uns schon vorher in Aussicht, dass wir uns – bei Gefallen – beim nächsten Treffen mehr Zeit nehmen würden.

Die Verabschiedung fiel von ihrer Seite sehr kurz und knapp aus. Von mir gabs ein Bussi links und eines rechts. Ich wertete den extrem kurzen Abschied nicht negativ, sondern begründete das für mich mit ihrer Schüchternheit.
Schüchtern und zugleich reden wie ein Wasserfall. Widerspricht sich das? Ist so etwas überhaupt möglich? Ja. Ist es. Es gibt zwei Sorten von schüchternen Menschen:Die, die beschämt in sich kehren, wenn sie beim Pfarrer auf dem Beichtstuhl sitzen. Und die, die ihre Nervosität mit Redefluss zu überspielen versuchen. Beide Fälle finde ich höchst lustig.
Wobei mir der erste Fall fast lieber ist. Da ich das Gespräch dann etwas mehr lenken und Vertrauen aufbauen kann. So eine Frau ist etwas leichter zu (ver)führen. Da sie sich mehr nach ihrem Gegenüber orientiert.
Die zweite Gattung hingegen hat – garnicht mal bezogen auf ihren Dating-Partner – es gefühlt einfach nur eilig mit sich selbst und will „schnell raus hier“.

Zu diesem „schnell raus hier“ fällt mir gerade noch etwas ein. Kurzer Exkurs:
Beim Daygamen gehen die meisten Pickupper sofort auf die Telefonnummer. „Hey, lass uns doch Nummern tauschen, dann können wir was für die nächsten Tage ausmachen!“, hört und sieht man oft.
Übrigens: So war ich am Anfang auch. Bis mir ein Licht aufging oder auch die Augen aufgingen! 🙂
Wichtig an diesem „schnell raus hier“ ist folgendes zu wissen: Wozu sollte man „schnell“ eine Nummer einer Frau mitnehmen, um „raus hier“ zu gehen. Wozu erst eine Nummer einer Frau bekommen, die dann erst später (!) dazu führt Zeit miteinander zu verbringen. Was für eine paradoxe Begebenheit. Sinnvoller ist es doch sofort Zeit mit der Frau zu verbringen. Wenn es beiderseits möglich ist. Das ist der Grund, warum ich lieber sofort anbiete auf einen Kaffee zu gehen. Spontan noch beim Ansprechen. Und lieber sofort ein Date für die nächsten paar Tage vereinbare. Das ist wesentlich effizienter und sinnvoller. Warum sollte man etwas, das man JETZT möchte, auf später verschieben. Unsinnig. Paradox. 🙂
Außer?! JA HALT! Außer!
Genau. Außer man ist einfach mega nervös und will „einfach nur raus hier“. Dann hat das aber nichts mit ihr oder mit sonst etwas im Leben zu tun, außer nur mit Dir selbst.

-> Arbeite an Dir selbst und an Deinen eigenen Ängsten. Nur dann kommst Du im Jetzt an. Ist mein Gedanke dazu und hat mir stets viel geholfen!

Jedenfalls zurück zur Frau, die nervös zu sein schien… Diese besagte „zweite Gattung“. Bzw. konkret zu meinem Date gestern. Sie war nett. Das kann ich sagen. Sie hat sich Mühe gegeben. Und das ist schon mal viel wert, wie ich finde.
Nach dem Treffen fuhr ich noch zu jemandem in meiner Familie. Auf einen Kaffee und ein bisschen quatschen.

Und nach ein paar Stunden kommt eine Nachricht von ihr. Mit etwa folgendem Inhalt: „Hey, es war echt nett mit Dir. Lass uns doch nochmal treffen, wenn Du auch möchtest. Und dann nehmen wir uns mehr Zeit.“

Ahja, es gibt also auch Frauen, die von sich aus schreiben. Zuerst. Von sich aus. Überhaupt schreiben. Wahnsinn.

Und dann habe ich den Abend lang gewartet, bis es 20:30 Uhr wurde. Da sie um 19 Uhr mit einer Kollegin noch zum Essen verabredet war und wir uns im Anschluss erst treffen würden. Und so fuhr ich schon mal in Richtung des vereinbarten Treffpunkts zu Date Nummer 3. Und ganz pünktlich war sie dann auch schon da. Zur Stelle.
Mit einer WhatsApp Nachricht, die da so ungefähr lautet: „Hi. Meine Kollegin kommt mit einem verspäteten Flug, so dass wir erst jetzt essen gehen.“Am Abend zuvor hatten wir noch telefoniert und sie klang völlig euphorisch. Sie freue sich auf unser Treffen, dass es endlich klappt und bla bla… haste nicht gesehn. Dann diese kurze Nachricht. Punkt 20:30 Uhr.
Das war alles. Keine weiteren Worte. Kein Anruf. Goar nüscht, würde man mancherorts sagen..

Ohne weitere Worte von mir. Nur Danke Dir!
-> Und ab dafür ins Smartphone-Nirvana!

PS: Gestern Abend hab ich mal wieder durchgefegt und 4 oder 5 Nummern gelöscht. Bei jeder einzelnen muss ich inzwischen grinsen. Ein gutes Gefühl.

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