Völlig andere Methoden (Teil 1 von 2)

Am Wochenende unterhielt ich mich mit einer Frau über Erziehungsmethoden und unsere Art des Umgangs mit Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen.

Sie ist Lehrerin und hat das „gelernt“. Beziehungsweise sogar studiert. Damit ist ihr die Fähigkeit zur Menschenführung per Dekret zugesprochen worden.
Ich hingegen bin nur ein einfacher Mensch, ohne Studium im Bereich Kinder- und Jugenderziehung bzw. -Bildung.

Sie erzählte mir davon, wie sie mit den Kindern in den ersten drei Schuljahren umgehe. Jedes Kind würde individuell betrachtet werden. Das sei bei ihr deshalb schon besonders notwendig, da sie an einer Förderschule unterrichte.
Klar fragte ich sie dann nach dem Erziehungs- bzw. Unterrichtsstil, wenn es mit einem Kind einmal nicht so recht wie gewollt klappen würde. Sie erklärte mir, dass im Falle einer Verfehlung das Kind im Einzelfall betrachtet und entsprechend dem Einzelfall auf das Kind eingegangen werden müsse. Zur Anwendung komme dabei stets das lerntheoretische Modell des Verstärkerprinzips.
Einfach gesagt: Gutes Verhalten wird belohnt, schlechtes Verhalten wird bestraft.

Das klingt an sich durchaus vernünftig und logisch nachvollziehbar, das würden sicher die meisten Eltern auch als gute Methode abnicken und behaupten es ihrerseits ebenfalls so anzuwenden. Meine Praxiserfahrung – auch (oder viel mehr gerade deswegen?!) ohne Studium in diesem Bereich – sagt mir jedoch etwas anderes. Ich stelle mich deshalb mit beiden Beinen fest auf den Boden und behaupte, dass das in der Realität den meisten Lehrenden (ob Lehrer oder Trainer oder sonstige Personen im Erziehungs- und Bildungswesen) nur selten wirklich gelingt. Das Verstärkerprinzip erstens überhaupt irgendwie wirklich zur Anwendung zu bringen und es zweitens überhaupt selbst in der Fülle und Anwendbarkeit verstanden zu haben.

Sie erzählte mir von einem Fall, in dem ein Kind in einer Malstunde aus Wut seine Stifte auf den Boden geworfen habe.
Wie reagiert man als Lehrer(in) nun? Wie reagiere ich als nicht-Lehrer nun? Klar kennen wir die Vor- und Nachgeschichte zu diesem Fall nicht. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, wir sprechen ja von einem lerntheoretischen Modell. Also betrachten wir den Fall auch (lern-)theoretisch.
Natürlich fragte ich sie, wie sie auf das Verhalten des Kindes reagiert habe.
Sie erklärte mir, dass das Kind sehr sensibel sei und sie deshalb dem Kind auf einfühlsame und sehr erklärende Art und Weise beigebracht habe, dass es besser für das Kind wäre die Stifte nicht herum zu werfen. So könne es ein schönes Bild malen. So wie die anderen Kinder auch. Und der Boden wäre nun nicht schmutzig. Und die Stifte müssten nicht alle wieder aufgehoben werden.
Deshalb wollte ich wissen, warum es denn nicht besser sei die Stifte herum zu werfen, und zwar aus Sicht des Kindes?
Mit dieser Frage merkte ich bereits, dass sie ins Straucheln kam. Denn ihr eigener Fokus – und ich behaupte, dass das die meisten Erzieher (als Synonym für allerlei lehrende Personen) so machen – liegt gar nicht im Nachvollziehen des Handelns des Kindes. Und deshalb stelle ich die wilde These auf, dass die Lehrmethoden in aller Regel auch ihr Ziel verfehlen werden. Kurzfristig vielleicht nicht, langfristig richten wir allerdings damit viel Schaden an.

Ja, und bevor jetzt das große Bashing aller ausstudierten Psychologen und Gurus auf meinen Blog los geht… will ich vorab klar stellen: Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit. Ich stelle nur Fragen. Wie immer. Ich frage gerne. Und ich kann ein bisschen was zu meiner Erfahrung sagen. Das wars. Mehr nicht. Dass meine Ansichten in vielen Themen oft entgegen der allgemeinen Meinungen laufen, sehe ich dabei nicht als Selbstzweck, aber eben auch nicht gegenüber dem höheren Ziel als hinderlich. Will heißen: Nur weil viele sagen, dass die Erde eine Scheibe ist, heißt das noch lange nicht, dass das stimmt. Weder mit der Anzahl der Menschen, die so einen Käse behaupten, wird die Erde immer flacher, noch mit der länge der Zeitdauer, in der so ein Käse behauptet wird, wird die Erde immer flacher.
Um letztlich wie ein Frisbee um die Sonne zu kreisen. Oder war das doch die Sonne, die um die Erde kreist?! Keine Ahnung. Manche sind dafür sogar schon auf einen Scheiterhaufen gekommen. Und am Ende gab es dann mal wieder ein für alle gültiges neues „Wissen“. Vorher gab es jedoch auch schon ein (Nicht-)Wissen. Wie auch immer. Am Ende sind wir immer schlauer. Das ist das, was zählt.

Zurück zu dem Beispiel mit dem Kind und den umherfliegenden Stiften.

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Ich verfolge einen anderen Ansatz, aber zunächst nochmal kurz zur Frage, warum es nicht besser sei, die Stifte herum zu werfen, und zwar aus Sicht des Kindes?

Es ist doch eigentlich so einfach. Das Kind hat keine Lust zu malen, warum auch immer. Das weiß nämlich nur der liebe Gott (für die Gläubigen) oder alternativ das Universum (für die ansonsten Spirituellen). Okay gut, der Vollständigkeithalber mag ich noch erwähnen, dass es vielleicht auch niemand weiß. Das gilt dann aber nur für die Atheisten und überhaupt nicht Spirituellen. 🙂

Aber jetzt für den Moment ist das einfach so. Das Kind hat keine Lust. Punkt. Und dem Problem bzw. der Situation muss man als Erzieher begegnen. Wenn ich nun auf das Kind zugehe, um mit ihm stundenlang darüber zu philosophieren, warum es aus meiner (!) Sicht besser sei, dass es lieber malen anstatt Stifte werfen solle, werde ich zwar viel heiße Luft produzieren, nicht unbedingt jedoch das Kind zur „Einsicht“ bringen. Denn das Kind hat seine Einsicht längst. Und die heißt mindestens: „Stifte werfen ist schöner als Stifte zum Malen benutzen.“
Für das Kind ist gerade Hollywood. Und es hat dieses Hollywood gerade selbst erschaffen. Spannend und aufregend.

Die Lehrerin fängt an der Stelle also zwar auf liebe und nette Art und Weise an, dem Kind ihren (!) eigenen Willen verständlich zu machen, letztlich passiert aber nichts anderes als sonst auch schon immer, nämlich dem Kind zu sagen, dass es dies oder das jetzt genau so machen soll. Und zwar so, wie die Lehrerin es sich wünscht. Und nicht anders. Dafür kann man sich nun kurz Zeit nehmen oder länger. Das Ergebnis bleibt im Prinzip das gleiche. Viele Erklärungen. Viel bla bla. Ohne wirklich auf das Kind einzugehen. Was nämlich witzigerweise oft gar nicht nötig ist.

Fakt ist:
Das Kind hat keine Lust zu malen. Jedenfalls jetzt nicht. Und was passiert durch die angebliche Anwendung des Verstärkerprinzips? Das Kind wird in diesem konkreten Fall für sein Fehlverhalten belohnt. Durch Aufmerksamkeit der Lehrerin. Durch ein Gespräch. Durch möglicherweise aufkommende ewig lange Diskussionen. Und vor allem wird das Kind durch eine maßgebliche Sache belohnt: Mit dem ganzen Gelaber musste es noch immer keinen einzigen Strich mit einem Stift zu Papier bringen.

Ich nenne das ein klassisches Eigentor. Oder auch Denkfalle.
Das Kind wird beim nächsten mal wieder seine Stifte durch die Gegend werfen. Und wieder wird es betütelt und abgeschnuckelt. Prima. Dann muss es wieder nicht malen. Jedenfalls für diese kurze Zeit nicht.

Ich verfolge einen anderen Ansatz. Auf das Beispiel mit dem Kind gehe ich dabei gar nicht ein. Stattdessen erzähle ich etwas über eine Trainingseinheit, die ich zu Saisonbeginn mit meinen jugendlichen Fußballspielern (meist im Alter zwischen 15 und 18 Jahren) durchführe.

Morgen gehts weiter. Fortsetzung folgt… 🙂

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Ein Film-Samstag/Sonntag

Samstag Abend gab es zu Hause einen halben Film. Sonntag gabs den Rest. Das mache ich manchmal gerne. Mir einen Film auf zwei Etappen anzusehen. Es war der erste Spielfilm nach längerer Zeit für mich, nicht allzu häufig knipse ich mir die kostbare Freizeit aus der Wade. Es gibt für mich schönere Freizeitbeschäftigungen als mir einen Film anzusehen.
Es bietet sich jedoch an, wenn man zu zweit auf der Couch liegt. 🙂

The Revenant. Mit Leonardo DiCaprio. Er bekam dafür einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Außerdem gab es je einen Oscar für die beste Regie und die beste Kamera.

Kann ich alles verstehen. Wirklich nachvollziehbar. DiCaprio hat seine Rolle aus meiner Sicht hervorragend gespielt. Die Kameraführung war szenenweise überwältigend und sogar innovativ. Auch die Regieleistung hat auf mich insgesamt stimmig, bisweilen sogar authentisch mitreißend gewirkt. Atemberaubende Landschaftsaufnahmen in der Weite, bedeckt von Schnee und Eis. Reißende Flüsse, schneebedeckte Berge und Hügel.

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Und doch fehlte mir etwas. Am Ende des Films, genauer gesagt zum Abspann, stellte ich mir die Frage: „Und jetzt? Was bringt das?“

So gut der Regisseur den Film insgesamt in Szene gesetzt hat, so sehr er DiCaprio in seiner Rolle zur Ikone eines rachsüchtigen Mannes hat aufgehen lassen, so sehr er auch die Kameramänner zur Höchstleistung angetrieben haben mag, genauso sehr fehlt dem Film letztlich der Tiefgang in der Handlung.

Da ist ein verbitterter rachsüchtiger Mann – gespielt von DiCaprio -, dessen Frau verstarb. Und dessen Sohn später im Laufe des Films ermordet wird, von einem Feind, der sich schon früh als Bösewicht bzw. Gewissenloser herauskristallisierte.
Der Feind hatte also seinen Sohn auf dem Gewissen und unseren DiCaprio auch noch fast über den Jordan gehen lassen.

Dazwischen gibt es viele Trapper und Indianer. Gewehre, Pfeil und Bogen. Einigermaßen viel Gewalt, besonders gegen Ende. Ein paar mehr oder weniger ekelhafte blutige Szenen sind auch dabei.

Und da zieht sich der rote Faden durch den Film. Der rote Faden bestand aus der Jagd des Feindes durch den rachsüchtigen Hauptdarsteller. Er will den Mörder seines Sohnes um jeden Preis zur Strecke bringen. Dabei nimmt er es in Kauf, selbst sein Leben zu lassen. Er geht dafür durch die Hölle und zeigt einen unbändigen Willen, bereit sein eigenes Leben für sein höheres Ziel zu lassen. Den Feind zu finden, koste es was es wolle. Dabei geht er gewieft vor und zeigt über den gesamten Film ein beeindruckendes Durchhaltevermögen. Dem Tode mehrmals Nahe trotzt er allen äußeren und inneren noch so harten Einflüssen.

Um? Ja, um seinen Feind zu fassen. Und er fasst ihn. Es wird ein kurzer Kampf und ein schnelles Ende.
Seinen Sohn macht das nicht wieder lebendig. Seine Frau freilich auch nicht. Und so technisch brilliant wie der Film auf einer imposanten Heimkinoanlage auf den Zuschauer auch wirkt, so sehr fehlt jeder Tiefgang.

Die Frau war vorher schon tot. Der Sohn wurde getötet. Er tötete den Mörder seines Sohnes. Punkt.

Und jetzt? Was ändert es?

Ich schreibe hier weniger nur eine Filmkritik als vielmehr die Frage nach dem Sinn von Rache in den Raum zu stellen.
Ein Mann, der so unglaublich viel Durchhaltevermögen und einen eisernen Willen zeigt, wäre der selbe Mann nicht auch in der Lage tatsächlich „mehr“ zu leisten als nur Rache zu üben…?
Es ist nur ein Film. Schon klar. Aber dann erhält der Regisseur von mir vielleicht einen Oscar für seine Leistung alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Aber nicht für seine Leistung eine Geschichte zu erzählen. Die hat mir nämlich gefehlt.

Es ist fast wie im echten Leben. Viele tolle Einzelkomponenten ergeben noch lange kein großes stimmiges Ganzes… Typisch Hollywood. 😉

Philosophischer Sonntag – Über Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin (Teil 1 von 2)

Zeitfenster.
Und Deine Rolle darin. Warum nicht Deine Rolle „dabei“?
Es soll in diesem Artikel wirklich nur um Zeitfenster gehen. Den Zeitraum zwischen Beginn und Ende. Und um Deine Rolle darin. Darin, im Zeitfenster. Nicht drum herum, deswegen schreibe ich nicht „dabei“.

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Sehen wir es konkret anhand meines Projektes. Danach philosophieren wir abstrakter, globaler und für jeden anwendbar.

Wann immer ich meine Füße vor die Türe setze, treffe ich unterwegs Menschen. Genau wie Du.
Auf dem Weg ins Büro. Auf dem Weg zum Einkaufen. Der ganz normale Alltag. Und dann treffe ich besonders häufig Menschen immer dann, wenn ich mich entschließe Menschen zu treffen! So einfach. Bei mir nennt sich das dann Daygame oder Clubgame. Das einzige Ziel darin besteht, Menschen zu treffen und sie kennen zu lernen. Natürlich mit der konkreten Absicht, die „richtige“ zu finden.
(Anmerkung: Ich werde sie finden!)

Und während all der Gesprächsversuche, die ich auf diesem Wege starte, gibt es höchst unterschiedliche und unvorhersehbare Reaktionen und Gesprächausgänge. Manche Gesprächsversuche finden nicht einmal einen ordentlichen Anfang. Weil die Frau es nicht für nötig hält mich beim Ansprechen auch nur anzusehen. Die meisten Gesprächsversuche bringen hingegen kurioserweise eine oberflächliche und sich schnell wieder in Rauch auflösende Konversation. Kurios deshalb, weil die meisten Frauen tatsächlich ein bisschen spielen wollen und mitmachen. Skuril ist das. Und ganz ganz wenige Gesprächsversuche stoßen sogar auf fruchtbaren Boden.

Und nach einigen Monaten in meinem Projekt stelle ich bereits jetzt mehr und mehr fest, dass es in den wenigsten Fällen direkt an mir liegt, ob meine Gesprächsversuche überhaupt einen ordentlichen Anfang finden, eine oberflächliche Konversation ergeben oder auf einen fruchtbaren Boden stoßen.

Es liegt an etwas viel weniger Beeinflussbarem. Am Zeitfenster.

Und zwar nicht an meinem Zeitfenster, sondern an ihrem. Mein Zeitfenster ist offen. Ich bin draußen, um Menschen kennen zu lernen. Den Anfang habe ich gemacht. Das Ende ist noch offen. Also habe ich Zeit und das Fenster weit geöffnet. Nicht für alles und für jeden. Aber jetzt für sie, die Frau die vor mir steht.

Nun zu ihr. Ihr Zeitfenster ist in aller Regel nicht geöffnet. Die Gründe sind manigfaltig. Sie mag einen Freund haben und deshalb niemanden kennen lernen wollen. Sie mag mich gerade im Moment unattraktiv finden. Sie mag der Meinung sein, dass ich komische Sachen sage oder merkwürdig bin, vielleicht weil ich mich getraut habe sie einfach so anzusprechen. Oder noch banaler, sie mag gerade einfach keine Zeit haben. Keine Zeit, um mit mir zu reden und sich überhaupt nur kurz anzusehen, ob es sich für sie vielleicht nicht doch lohnt mich kennen zu lernen.
(Anmerkung: Die mit großem Abstand wunderschönste Frau meines Lebens hatte ich vor einigen Monaten nur kurz angehalten und aufgrund Termindrucks ihrerseits nur zwei Minuten auf der Straße sprechen können. Dennoch haben wir Nummern getauscht und uns ein paar Tage später zum Date vereinbart. Sie erschien und es war ein besonderer Tag meines Lebens, an dem ich die bis jetzt hübscheste Frau, die ich je gesehen habe, gedatet habe. Manchmal reichen zwei Minuten. Manchmal reichen hingegen selbst 2 Jahre nicht.)

Zeitfenster ändern sich. Und das ist eine ganz ganz wichtige Erkenntnis der letzten Monate und sogar der letzten paar Jahre in meinem Leben.
Manchmal gehen sie auf und schnell wieder zu. Manchmal gehen sie erst nach langer Zeit auf. Manchmal gehen sie nie auf. Und manche Zeitfenster bleiben vielleicht sogar ein Leben lang geöffnet. Sagt man sich nicht nur so, im Himmel.

Die gleiche Frau, die Dir im ersten Moment Skepsis entgegen bringt, kann nach einiger Zeit hin und weg von Dir sein. Anders herum gab es viele Frauen auf meinem Weg, die zunächst hin und weg von mir waren und plötzlich davon geweht sind wie ein Tornado.

Mehr noch, es gab nach einer mehrjährigen Beziehung in meinem Leben nach der Trennung ein langes Zeitfenster, in dem nochmal etwas möglich gewesen wäre zwischen uns, um wieder zueinander zu finden.
Will heißen: Selbst gegenüber einem unendlich vertrauten Menschen, dem man das Schicksal des eigenen Lebens in die Hände legen würde, kann sich ein Zeitfenster schließen.
In diesem Fall schloss es sich. Mindestens für lange Zeit. Vermutlich für immer. Vielleicht auch nicht. Nur das Universum weiß das.

Zeitfenster kommen und gehen. Die gleiche Frau, die Dir heute eine Abfuhr erteilt, hätte sie Dir vielleicht gestern oder vor zwei Monaten nicht erteilt. Und in 2 Wochen in der Zukunft auch nicht. Gründe? Vielfältig!

  1. Sie ist seit gestern erst wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen.
  2. Sie findet Dich heute in Deinen Sneakers unattraktiv, ihr Ex hatte die gleichen wie Du. Die Schuhe ihres Ex assoziiert sie mit Dir und findet Dich durch das aufgekommene Déjà-Vu widerlich.
  3. Deine Frisur heute ist aus ihrer Sicht ein No-Go. Wenige Jahre später würde sie hingegen genau darauf stehen wie Du heute aussiehst oder Dich heute stylst.
  4. Vielleicht hat sie auch heute einfach nur ihre Tage und will schnell nach Hause, ist zickig und genervt.
  5. Vielleicht steht sie auf Männer, die mindestens 1,90 m groß sind und du bist vielleicht mit 1,88 m einfach zu klein für sie.

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sie soll die Unwägbarkeiten der Zeitfensterei exemplarisch zum Besten geben.

Heute ist sie vielleicht noch Single und offen für Neues. Sprich sie an. Morgen schon könnte sie stattdessen vergeben sein und das Zeitfenster wäre für immer geschlossen. Wenn Du sie denn überhaupt wieder sehen würdest. Auch dieses Zeitfenster könnte mit der einmaligen kurzen Begegnung für immer geschlossen sein.

Und treten wir ein paar Schritte zurück. Weg vom Pickup, lassen wir den Blick globaler schweifen.
Wie ist es im Job? Eine Stellenausschreibung hat eine Bewerbungsfrist. Innerhalb dieser Frist wärst Du der perfekte Kandidat. Außerhalb dieser Frist könntest Du tun und lassen was immer Du möchtest, Du wärst immer der falsche Kandidat. Weil es keinen Kandidaten geben soll.
Es ist auch in der Freizeit so. In Deiner Mannschaft. Alle haben seit Wochen hart für das Spitzenspiel trainiert. Jeder Deiner Mitspieler gab stets alles. Und noch mehr. Zwei Tage vor dem Match verletzt sich der beste Spieler Deiner Mannschaft. Und das Spiel geht knapp verloren. Der Eine hätte den Unterschied ausgemacht. Er war nicht da. Das Zeitfenster, zu gewinnen, ging schon vor dem Spiel zu.
So oder so ähnlich ist es täglich. Bei uns allen.

Jedes Zeitfenster wäre kein Zeitfenster, wenn es sich nicht irgendwann schließen würde. Sei Dir dessen bewusst! Handle entsprechend!
Handle jetzt, wenn das Zeitfenster offen ist.
Handle erst etwas später, wenn Du weißt, dass das Zeitfenster sich erst noch öffnen muss.

Das ganze eigene Leben ist ein einziges Zeitfenster…

… und was das genau mit DIR zu tun hat, darüber schreibe ich nächste Woche in meinem Philosophischen Sonntag. In Teil 2 über „Zeitfenster im Leben und Deine Rolle darin„…

Date-Review zu einer potentiellen Traumfrau (?)

Mittwoch Nacht kam es zum großen Fußballspiel. Ich hatte darüber hier berichtet (Date-Vorschau im Stile eines Fußballspiels).

Und das Date ging wirklich lange. Über 7 Stunden, um genau zu sein. Zwei mal die Location gewechselt. Immer gut.

Der Reihen nach.
Erstmal gab es eine freudige Begrüßung, umarmen. Herzlich ihrerseits. Nicht kühl. Guter Start.

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Wir trafen uns mit den Autos vor einem Lokal. Das hatte jedoch geschlossen, so dass wir von dort aus kurzfristig mit einem Auto weiterfuhren. Mit meinem.
Wir gingen in Richtung meines Autos. Dort standen mehrere Fahrzeuge und sie fragte mich etwas ungläubig: „Wo stehst Du denn?“
In diesem Moment hatte sie längst verstanden, welches mein Auto ist. Der schwarze Sportliche. Es nahm etwas vom Glanz, ihre Reaktion. Denn es zeigte mir für einen kurzen Moment, dass sie mir nicht zutrauen würde „so ein Auto“ zu fahren.

Ja gut, dann weißt Du schon mal, dass Du zumindest bisher nicht High-Value für sie in Ihrer Gedankenwelt gewesen sein konntest. Denn hätte sie mir das vorab schon zugeschrieben (zugetraut?!), wäre ihre Reaktion anders ausgefallen. Aber so ist das nun mal, wenn man kein Allerweltsauto fährt und gleichzeitig darüber nie spricht. So als wäre es ein Allerweltsauto. Wozu auch. Einer Frau gegenüber nicht der Rede wert. Ich erzähle ja auch nichts über mein Faible für Edelmetalle. Das hat Zeit. Es ist für mich nur ein Auto. Von der einen Seite her betrachtet. Aber es ist umgekehrt eben auch nur ein Auto (!). Von der anderen Seite her betrachtet. Aus ihrer Sicht eben. So sollte es jedenfalls sein.

Ich hoffe, dass ich damit rüberbringen konnte, was ich sagen möchte: Etwas kann aus meiner Perspektive normal sein. Aber ich wünsche mir eben, dass es aus der Sicht der Frau dann auch normal ist, dass dieses Etwas auch für mich normal ist. Und nicht so nach dem Motto: „Wie kann DER sich das leisten?!“ Es kam einfach so rüber. Und das ist nicht schön. Bestimmt nachvollziehbar. Vielleicht wollte sie das so auch nicht rüber bringen. Was letztlich aber völlig Schnuppe ist. Denn wichtig ist was ankommt. Nicht was vielleicht versucht oder nicht versucht wird auszustrahlen. Es geht immer um Gefühle im Leben. Und dabei sollten die eigenen Gefühle aus gesundem Grund an erster Stelle stehen.

Die Reaktion zeigte mir außerdem, dass sie selbst mehr auf High-Value macht als sie wirklich ist. Jemandem, der wirklich begriffen hat worauf es ankommt, ist es egal was für ein Auto Du fährst. Wenn das Auto beeindruckt, in diesem Fall mit fadem Beigeschmack, dann ist sie das eben selbst nicht, High-Value. Jedenfalls nicht für mich. Auch wenn das eine ganz andere Art der Auslegung ist. Es ist meine Auslegung.
Für mich blieb deshalb der Eindruck zurück, dass auch da der Schein größer ist als das Sein. Es passte für mich nicht ins sonst so perfekte Gesamtbild dieses Menschen bis dahin. Schade. Ich kann das schwer beschreiben, es war einfach mein Gefühl. Ein bisschen nahm das für mich etwas vom Glanz dieser Frau.

Materielles ist mir völlig unwichtig. Aber eben tatsächlich so unwichtig, dass ich mich weder beeindrucken lasse davon, wenn jemand etwas besitzt, noch umgekehrt davon beeindrucken lasse, wenn jemand etwas nicht besitzt.
Kurz: Ich bin dann weder negativ beeindruckt, wenn ich mir vorher dachte, dass jemand etwas besitzen könnte und feststelle, dass derjenige Arm wie eine Kirchenmaus ist. Noch bin ich positiv beeindruckt, wenn ich mir vorher dachte, dass jemand ein armer Schlucker sein müsste und ich plötzlich erfahre, dass er eine Villa besitzt. Es ist mir einfach egal. Wirklich egal. Beides ist gleich gut für mich. Herz ist wichtig. Seele ist wichtig. Alles andere kann ich mit einer großen Ausholbewegung vom Tisch fegen! Es spielt keine Rolle. Für mich einfach keine Rolle. Alles ist vergänglich. Materielles oft viel eher als der Mensch. Und manchmal ist der Mensch noch vergänglicher als Materielles.
Alles hat ein Ende. Das müssen wir alle noch lernen, spätestens aber erleben.
Aber um jetzt nicht nur zu bitter ernst zu sein: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. 😉

Diese Reaktion von ihr war zwar nur eine kleine, für mich aber eine eher große. Denn sie stellte eben ihre Sicht der Dinge für mich verständlich dar. Man könnte auch von einem Fettnäpfchen sprechen.
Bis dahin war sie sehr frei, sehr tolerant. Sehr mit sich im Reinen und Klaren. Sie wirkte für mich bis dahin völlig frei von äußeren Einflüssen unbeeindruckt als Person. Das hatte für mich etwas Magisches. Danach nicht mehr in der Form. Um zum Edelmetall zu zurück zu kehren: Vorher war sie für mich noch ein riesiger Goldbarren. Und plötzlich nur noch eine Figur, überzogen mit Blattgold. Und das Ganze fing auch noch an abzublättern. Die Frage war dann nur noch: Was ist darunter…?

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht sofort wieder beiseite schieben könnte. Also hielt ich ihr selbstverständlich die Türe des Autos auf und wir fuhren in eine Bar.

Erstmal einen Wein trinken. Rosé, um genau zu sein. So einen hatte ich bisher noch nie getrunken. Ich kenn mich mit Wein nicht so gut aus, aber dieser Rosé war etwas Besonderes. Hat mir geschmeckt. Copper Ridge, Zinfandel. Interessant. Der Duft. Hat mich an Whiskey oder braunen Rum erinnert. Und geschmacklich eher süß, was mir sehr entgegen kommt. Kann ich empfehlen, wenn man einfach mal „etwas anderes“ probieren will. Definitiv nicht normal.

Es war von Minute eins an klar:
Das wird ein extrem klassisches Date. Sie ist da eher vom alten Schlag. Bleibt von sich aus vor der Türe stehen, bis ich sie aufmache. Da sie weiß, dass ich Türen aufhalte. Dann kommt die zweite Durchgangstüre zur Bar, wieder bleibt sie stehen, damit ich sie mit zwei schnellen Schritten überholen konnte, um auch diese Türe zu öffnen. Zwei mal Danke mit einem netten Lächeln. Ja, so ist das schon gut, finde ich. Geht doch.
(Anmerkung: Sie ist die erste Frau in meinem Projekt, die das in Gänze checkt. Allen anderen konnte ich die Türe aufhalten so oft ich wollte, aber sobald da eine zweite Türe kommt, rennt sie wieder voraus. Ohne jede Chance für mich auch die zweite Türe öffnen zu können.)

Aber eines ist dann auch klar: Es wird dann eben ein klassisches Date. Ich denke da an die Werbung zum Ei-Phone. „Wenn Du kein i-Phone hast, dann hast Du kein Ei-Phone.“
In dem Fall von dem Date ist das so: Hast Du ein klassisches Date, dann hast Du ein klassisches Date. Punkt.
Da weißt Du was gespielt wird. Das Terrain ist klar abgesteckt. Das Spiel ist also eher vornehm. Eher etepetete. Ist ja okay, man muss eben damit umgehen können und ein bisschen auch drauf stehen. So ein Date in der Form hatte ich länger nicht. Aber sie ist eben eine Frau, kein Mädchen. Und eine vom alten Schlag. Aber das sagte ich ja bereits.

Sie ist höflich. Sie hat Stil. Sie weiß was sich gehört. Ich aber auch. Hat Mama mir schon früh beigebracht. Gell Mama. 😉
(Selbsttest für Anfänger: Ein halbes Hähnchen komplett mit Messer und Gabel essen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen und ohne Fleisch an den Knochen zurück zu lassen. Tipp: Vorher unbedingt mit der Anatomie eines Huhnes beschäftigen. Macht es einfacher. Zwei geübte Schnitte benötigt es, sonst wird das nix mit dem Huhn. Ganz wie im echten Leben. :-))

Es war ein durchwegs tolles Gespräch, über den ganzen Abend hinweg. Körperkontakt hingegen war schwer aufzubauen, dazu hat ihr wohl noch Vertrauen gefehlt, wie ich gemerkt habe. Obwohl sie umgekehrt auch hin und wieder Körperkontakt gesucht hat. Was sehr positiv ist. Aber ansonsten war es schwierig. Steigern konnte ich es zu keinem Zeitpunkt. Nur immer wieder einstreuen. Ich fühlte mich zwar wohl im Gespräch, aber irgendwie nicht wohl auf der Ebene ihr näher zu kommen. Selbst bei einfachen Berührungen fühlte ich mich nicht zu 100% wohl.
Warum? Das hab ich für mich auf der Rückfahrt schon versucht zu ergründen. Später mehr dazu.

Zum Wein gab es noch etwas zu Essen. Sie kannte den Barchef. Schon mal keine gute Voraussetzung übrigens. Das war das erste Mal, dass ein Date irgendwo stattfand, wo die Frau bekannt war und nicht ich. Man selbst fühlt sich dann etwas beobachtet. Umgekehrt ist das kein Problem, wenn ich irgendwo mit einer Frau bin und man mich kennt. Denn ich zeige der Frau ab der ersten Sekunde, dass wir uns deshalb in keiner Form zurückhalten müssen. Aber an diesem Abend wusste ich nicht so recht etwas damit anzufangen. Und sie löste das auch nicht gleich auf. Besonders nicht mit der Erklärung, dass es sich beim Barchef um die Verwandtschaft einer Freundin handelt.
Wie soll ich das werten? Was schließe ich daraus für den restlichen Abend?
Muss ich mich jetzt zurück halten?! Weniger Berührungen?! Keine?! Oder kann ich trotzdem ganz normal auf Tuchfühlung gehen?!

Nach dem Essen und dem Bezahlen ging es noch in eine andere Bar. Eigentlich mega cool. So eine Shisha-Bar. Ein paar komische Leute in der verrauchten Bar um uns herum. Wir haben uns lustig gemacht über die Location. Über die Menschen und über uns. Das war das totale Kontrastprogramm zu vorher. Aber sie ist spontan. Also hatte sie die spontane Idee dahin zu gehen. Sie ist auf eine Art locker. Das gefällt mir. Sie kann etepetete. Aber sie kann auch mal einfach sein.

In den Laden sind wir übrigens nur gegangen, weil sie in der Bar zuvor mein Angebot – zu ihr auf einen Tee zu gehen – ausschlug. „Auf keinen Fall!“, trällerte sie mir entgegen und lachte verschmitzt dabei.

Später fuhr ich sie zurück zu ihrem Auto. Es war spät. Nach 1 Uhr bereits, und am nächsten Tag musste ich wieder arbeiten. Im Auto war es nun mal langsam an der Zeit einen Gang hochzuschalten. Der Wagen hat ja ein Doppelkupplungsgetriebe. So sanft schaltet der für mich die Gänge hoch und runter.
Aber ihr gegenüber war ich an der Reihe. Ohne Doppelkupplungsdingda. Jetzt war ich gefragt. Und bis dahin hat sich das für mich einfach irgendwie nicht 100% richtig angefühlt. Im Auto wollte ich dann mal Druck aus dem Kessel lassen. Habe sie beim Fahren kurz angesehen und mit meiner rechten Hand ihre linke Hand angefasst. Kurz weg wieder gesehen, zurück auf die Straße. Denn ein bisschen fahren musste ich auch noch. Einfach weiter unterhalten. Ganz normal. Und wieder kurz zu ihr gesehen. Sie zog die Hand nicht weg. Und ich meine auch nicht. Ich fing an während der Fahrt ihre Hand zu streicheln. Und nach ein oder zwei Minuten tat sie es mir gleich. Das ging so bis zum Parkplatz mit ihrem Auto. Einige Minuten lang.
Sie kann zärtlich sein, das habe ich gemerkt. Sie hat definitiv Bandbreite.

Sie erzählte mir im Laufe des Abends viele tolle Dinge. Viel im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Viel von ihrer Vorliebe für Meditation, Entspannung und Ruhe.
Ihre Erzählungen aus dem Alltag widersprachem dem Ganzen jedoch etwas. Sie erzählte von einem großen Freundeskreis. Sie erzählte vom Feiern und vom Ausgehen. Von Champagner und von Wein. Sie kennt sicher viele Menschen und ist gern gesehen und viel gefragt. Ja. Schön. Für sie. Schön für sie.

Und irgendwie machte das trotz der sehr tiefgründigen Gespräche über das Leben für mich diese Frau im Laufe des Abends zunehmend unattraktiv. Unattraktiv ist vielleicht das falsche Wort. Hm. Sagen wir es so:
Ich suche kein Glamour-Girl. Keine Sause-Brause-Frau. Es ist für mich vielmehr an der Zeit zur Ruhe zu kommen. Auch mal – und öfter – meine Zeit mit meiner Partnerin in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Sesshafter zu werden. Weniger Kasperletheater. Das hatte ich die letzten Jahre genug. Und mit dem Projekt nochmal im Qudrat. Es langt. Es reicht wirklich.

Meditation, Ruhe und Entspannung waren gute Themen. Aber ihr Leben drum herum ist nicht meins. Und ich merkte für mich:
Mit dieser Frau würde ich – ganz unabhängig davon was sie überhaupt von mir hält – zwar vermutlich die cleverste Frau meines Lebens (nicht jedoch die gebildetste!) an der Seite haben. Sie würde in vielen Dingen vorausdenken. Sicher für uns beide. Sie würde mir in vielen Dingen auch neue Wege aufzeigen können und mich voran bringen. Andererseits würde ich jedoch auch immer einen Pol an der Seite haben, an dem man sich reiben könnte. Ja müsste. Oder eben immer wieder zurückzustecken hätte.
Denn ihr eigener Kopf, ihr eigener Charakter und ihre eigenen Wertevorstellungen sind schon stark ausgeprägt.

Und ich will doch nur leicht und unbeschwert sein.

Zum Kuss habe ich zur Verabschiedung nicht angesetzt. Es hätte nicht gepasst. Irgendwie nicht. Ich habe mich in dem Moment mit dem Gedanken auch nicht wohl gefühlt. Und glaube, dass sie das auch nicht gewollt hätte. Die Feine. Weil ich etwas schon spürte, was daraufhin folgte…

Die letzten Tage nach dem Date schrieben wir uns täglich ein bis zweimal kurz. Kein großes Engagement von ihr. Das war nur am Anfang in der Nacht im Club bei unserem Kennenlernen einmalig so. Danach war die treibende Kraft stets ich.
Und das Engagement habe ich inzwischen runter gefahren. Ich habe mir sie einfach zum Vorbild genommen. Sie macht wenig. Dann ich eben auch.
Ein paar Tage Denkpause taten mir nun gut. Dabei spüre ich, dass sie es auch nicht ist – die Richtige.
So toll sie sein mag als Mensch. Als Frau. Aber nicht als meine Frau. Als die Frau eines anderen bestimmt. Einen, der in ihren Augen vielleicht mehr High-Value ist. Ich weiß es nicht. Ist mir auch egal eigentlich.

Bei ihr ist das irgendwie anders als bei anderen Frauen bisher. Mein Gefühl sagt mir einfach, dass es nicht das Richtige ist für mich. Andere tolle Frauen, die ich bisher gedatet habe, hinterließen bei mir ein anderes Gefühl. Teilweise ein Gefühl von Sehnsucht. Bei ihr ist das anders.

Ich glaube es ist etwas Einschneidendes passiert über die letzten Monate: Ich bin mir mehr wert als je zuvor. Und weiß was ich kann und wer ich bin. Wenn mir jemand dann nicht klar das Gefühl gibt, dass ich der Richtige bin, dann bin ich schneller weg wie ein herrenloser Geldbeutel zwischen zehn Langfingern.
Und das ist für mich insofern eine wundervolle Erfahrung. Unabhängig zu sein. Mehr als je zuvor. Unabhängig als Mensch sowieso. Und mindestens dafür tat mir dieses Date richtig gut. Aber jetzt auch unabhängig vom Gefühl unbedingt eine Frau kennenlernen zu wollen oder gar zu müssen. Deswegen bin ich glücklich darüber, dass es lief wie es lief. Und ich diese Frau kennen lernen durfte.

=> Ich komm ganz gut auch ohne klar. Danke Pickup.

Es war nichtsdestotrotz wirklich ein menschlich toller Abend mit ihr. Da will ich der Sache nichts abtun. Genauer kann ich es im Moment auch nicht beschreiben. Keine Ahnung.

Und am Ende ist es wie immer: Es ist immer irgendwas!

PS: Zurück zu Beginn des Textes:
Versteht mich nicht falsch. Jede Frau darf in Fettnäpfchen treten. Jede Frau darf auch mal etwas sagen, das vielleicht nicht ganz okay für mich ist. Wer weiß was ich alles „uncooles“ aus Sicht manch einer Frau tue. Oder sage. Alles okay. Jede Frau hat ihre eigenen Ansichten und ihre eigene Meinung. Das ist alles prima und auch die Fettnäpfchen sind bis zu einem gewissen Grad in Ordnung und gesund.
Jetzt kommt das aaaaber, oder? Ja! 😉
Aaaaaaaaaber: Wenn ich selbst keine Lichtgestalt bin, dann tue ich einfach auch nicht so. Einfach mal etwas tiefstapeln ist nämlich auch gut. Hochstapeln kann jeder.

PPS: Seit einem Tag kam keine Antwort mehr von ihr auf meine letzte Nachricht. Ich glaube wir machen es wie immer: Lasst uns ein Ei drauf hauen. Da gibts doch diese Spiegeleierformen. Gibts die auch mit einem Winke-Winke anstatt in Herzform? 🙂

PPPS: Vielleicht fragt sich der eine oder andere ja, warum ich dann im Auto ihre Hand genommen habe? Ich kann es nicht mal sicher sagen. Vielleicht weil ich spürte, dass es das letzte mal sein würde, dass wir uns sehen? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich ihr einfach zeigen wollte, dass ich sie toll finde. Was auch wirklich stimmt. Vielleicht auch nur für den Nervenkitzel. Auch das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es kein Nervenkitzel war in dem Moment, das hab ich ja gleich darauf gemerkt. Ich blieb ruhig und gelassen. Es ist nichts Besonderes mehr eine Hand einer Frau zu halten. Es hat sich einfach abgenutzt. Nicht mal die Hand einer Frau, die ich toll finde. Pickup sei Un-Dank.

Ein fast 5 Stunden Gespräch

Mein heutiger Artikel geht erst jetzt online (20:20 Uhr, also fast 3 Stunden „Verspätung“). Hatte bis gerade eben ein fast fünf stündiges Gespräch mit einem Kollegen.

Um meine berufliche weitere Situation. Meinen Gesundheitszustand. Und meine weiteren möglichen Schritte in nächster Zeit.

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich platt. Wir haben Klartext geredet. Vertrauensvoll. Mehr als nur kollegial. Das tut gut. Bis vor einiger Zeit war er noch mein Chef. Heute ist er „nur noch“ mein Kollege.

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Es gibt Dinge, die kein Mensch so nah und so schonungslos nachempfinden kann, wie ein Kollege. Der den Laden kennt. Der das Umfeld kennt.

Für heute gibts nur dieses kurze Statement von mir:

Manchen Menschen gegenüber im Leben reicht es schon sich nur ein wenig zu öffnen und es entwickelt sich ein hin und her und daraus ein Kreislauf. Wer den Stein ins Rollen bringt, spielt keine Rolle. Wertvoll ist es, wenn es einer einfach macht.

Und so war es gerade. Fünf Stunden vergehen wie im Flug. Ich bin völlig erstaunt und kann das gerade kaum fassen.

Es hat wahnsinnig gut getan wirklich verstanden zu werden.
Und um den Bogen zu Pickup zurück zu spannen:

Manchmal im Leben darf man einfach keine Angst haben sich frei von Herzen her zu äußern. Frei von Ängsten in der Art, sich darüber Gedanken zu machen, was denn das Gegenüber von mir denken könnte. Es gibt Menschen, die das aufnehmen können was man im Moment tut und sich ihrerseits genauso Zug um Zug öffnen und äußern. Und auch wenn mein Kollege ca. 15 Jahre älter ist als ich, hat er mir genauso gesagt, dass es für ihn wertvoll war mit mir gerade so lange gesprochen zu haben.

Ich wünsche Euch einen schönen Start ins Wochenende. Genießt die freie Zeit mit Euren Liebsten. Sie ist so kostbar.

Ein paar Worte zum vorletzten Date

Inspiriert hat mich zu diesem Artikel der Leserkommentar von „tagebuchschreiberin“ zu meinem Artikel Date-Review – 3 Dates mit viel Gelaber.

Darin ging sie der Frage auf den Grund, warum die Frau auf meinen drei Dates nahezu keinerlei Körperkontakt zuließ. „Tagebuchschreiberin“ vermutet, dass die Frau eigentlich kein Interesse an mir hat und schlicht nicht „nein“ zu mir sagen könne und mich deshalb immer wieder date.

Das ist ein interessanter Aspekt, an den ich grundsätzlich bisher noch nie gedacht habe.

Tatsächlich erscheint mir das in diesem konkreten Fall jedoch anders. Und das hatte ich in meinem Artikel oben ursprünglich nicht erwähnt. Darum hole ich das hier nach und schiebe mal eben noch ein ganzes Date-Review vom Sonntag Nachmittag/Abend mit ein.

Tatsächlich date ich eine Frau natürlich nicht wahllos immer weiter, bis zum Sankt Nimmersleinstag. Erst recht nicht so lange, bis wir beide dem altersbedingten Zerfallstod erliegen. Irgendwann muss schon mal klar werden worum es da zwischen der Frau und mir überhaupt geht.

Zurecht bekomme ich natürlich die Frage von meiner Leserin gestellt, wieviel Aufwand ich denn noch betreiben wollen würde, wenn die Frau mir bis zum dritten Date keine Anzeichen gibt, die auf Interesse an Körperkontakt oder einen Kuss hindeuten.

Die Frage habe ich mir im Date, nach dem Date und auch nochmal im Artikel selbst gestellt. Im „Normalfall“ wäre für mich das Thema spätestens nach dem dritten Date erledigt. Irgendwann muss auch mal auf körperlicher Ebene klar werden, dass die Frau Interesse an mir hat, und zwar über einen Kaffee und Palaver über den Sack Reis in China hinaus.

Warum habe ich sie dennoch noch ein viertes Mal, diesmal bei mir zu Hause, getroffen?

Sie hat mir auf allen drei Dates durch ihre Art der Blicke und die Art mit mir zu reden trotz aller Zurückhaltung und Schreckhaftigkeit bei meinen Berührungsversuchen körpersprachlich signalisiert, dass sie Interesse an mir hat.

Ich bin sehr feinfühlig geworden für diese Art der Aufmerksamkeit. Der Körper verrät durch sein Unterbewusstsein vieles, das die Sprache alleine nie zu transportieren vermag.

Jedenfalls „quält“ sich gemeinhin ein jeder durch ein Gespräch dieser Art. Egal ob in einem Date oder in der Arbeit. So lange, bis jeweils gefühlt genügend Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern aufgebaut wurde, das ausreichend Sicherheit in Bezug auf die Beziehung zueinander suggeriert. Nochmal langsam lesen den letzten Satz.

Und dann fallen die Hüllen. Zunächst verbal. Und unter Mann und Frau eben auch hin und wieder nonverbal. Und dann… ja erst dann (!) gibt sich fortan jeder so wie er wirklich ist. Erst dann wird kennen lernen wirklich möglich. Vorher ist das in aller Regel ein abwechselndes sich selbst schön darstellen und den anderen schön reden und fleißiges Nicken und braves Ja-sagen. Es ist nicht toll, dass es so ist. Aber es ist so. Außer… ja außer wenigstens einer von beiden achtet bewusst darauf und beschäftigt sich mit diesem Thema eingehend und hat genügend Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, um sich ab Minute eins an so zu geben wie er wirklich ist.

Tatsächlich achte ich in meinen Dates nicht mehr darauf, dass ich toll rüber komme. Im Gegenteil. Ich gebe mich mehr und mehr so wie ich bin. Und mehr und mehr merke ich inzwischen, dass genau das viel besser ist. Für mich im Date. Und auch die Resultate gefallen mir besser. Da die Erfolge inzwischen kontinuierlicher sichtbar werden. Natürlich ist es ein Entwicklungsprozess, bei dem ich selbst nie ungeduldig werden sollte. Durchaus aber weiterhin neugierig. Ca. 25 Dates in 6 Monaten bringen mich einfach auf der Ebene massiv weiter.

Gerade am Anfang hängt man sich stark ins Zeug, achtet genau darauf keine Fehler zu machen. Inzwischen ist es mir egal, ob ich Fehler „mache“ oder nicht. Es ist mir einfach egal geworden. Ich bin mehr und mehr ich selbst. Das passt der Frau dann und sie liebt mich letztlich genau dafür wie ich bin oder eben nicht. Und dann ist es nur umso zeitschonender, wenn sie im ersten Date bereits merkt, dass ich ne Niete für sie bin.

Ich sehe das inzwischen wie Lose ziehen. Rein greifen in die Trommel. Raus holen. Öffnen und dann vor allem auch hinsehen. Was würde es mir bringen wenn ich Lose wie am Fließband ziehe und dann nicht erfahren wollen würde was drauf steht. Forrest Gump hat mal gesagt: „Das Leben ist wie eine Schachtel Parlinen, man weiß nie was man kriegt.“ Also greife ich lieber in die Menge (an Frauen) rein (mache ein Date aus) und schaue, ob ich etwas gewonnen habe (ob sie mich will).
Und um ehrlich zu sein: Sie (als Metapher) hat schon auch verdammt viel zu gewinnen bei dem Spiel…
Ja, gut, ich gebs zu, das darf man mir jetzt als Vermessenheit auslegen. 🙂

Eigentlich ganz einfach.
Fast wie im echten Leben. Meistens zieht man Nieten. Aber manchmal nicht. Und dann freut man sich umso mehr. 😉

Sonntag bei mir ließ ich das Ganze langsam angehen. Sie war erstmal hin und weg von meiner Wohnung. Vor allem meine Holzmöbel (ja, Echtholz, Buche, ich steh drauf!) haben es ihr angetan. Und meine Pflanzen. Und meine Raumaufteilung. Sie kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Gut, ich hab mich zwar für sie gefreut, dass sie offensichtlich so viel Spaß beim sich Umsehen hatte. Andererseits dachte ich mir in dem Moment: „So viel Freude wie sie in Bezug auf meine Möbel ausstrahlt… das wäre mal was… wenn sie das auch einem Menschen gegenüber tun würde. Zum Beispiel mir gegenüber!“

Ich bin aber auch echt Ich-bezogen, gell. Zweimal „ich“ in einem Satz. Und im letzten schon wieder. Tststs. 🙂

Mir ist doch klar, dass nicht jeder seine Gefühle einem anderen Menschen gegenüber so klar äußern oder verdeutlichen kann. Es ist mir doch klar. Manche kommen als Wärmflasche auf die Welt, so wie ich. Und manche eben als Kühlschränke. Noch suche ich eine Wärmflasche. Eine kleine würde mir schon reichen.

Nach der Wohnungsbesichtigung (ich wollte fast schon fragen ob sie sich so sehr in die Wohnung verliebt hat, dass sie einziehen möchte?! – kleiner Scherz) setzten wir uns erstmal mit einem Glas Wasser auf die Couch. Pickup-Lehrbuch-mäßig habe ich die Couch an beiden Enden mit Zeug belegt. Eine Wolldecke auf der einen Seite. Und mein Laptop auf der anderen Seite. Warum? Ganz einfach, weil Frauen das Zeug in aller Regel nicht wegräumen, sondern da Platz nehmen wo Platz ist. Und dann setze ich mich eben einfach neben dran. Also nicht neben die Wolldecke oder neben den Laptop. Sondern neben sie.

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„Krass“, könnte man jetzt als Nicht-Pickupper denken, „macht der sich Gedanken, der ist ja irre!“. Ich weiß. Ja. Auch um so eine Kleinigkeit mache ich mir Gedanken. Aber hey. Letztlich ist das nicht ausschlaggebend. Dafür erleichtert es den weiteren Fortgang jedoch ungemein, wenn man sich nicht so weit voneinander entfernt hin setzt, dass man einander sonst nur per astronomischem Observatorium sehen kann. Ein Date soll Distanzen überbrücken. Nicht Distanzen auf ewig aufrecht erhalten. Möglicherweise ist das verkopft, was man da manchmal tut. Aber in diesem konkreten Fall war sogar perfekt so, wie ich es gemacht habe. Das sollte sich danach noch zeigen. Denn wenn man so viel „mitdenkt“, bzw. einfach macht (ich denke bei solchen Kleinigkeiten gar nicht mehr nach!), dann nimmt man damit der Frau auch Ängste. So muss sie sich nicht überlegen wohin sie sich setzen soll und es erspart ihr die Panik. Alles hat zwei Seiten. Man kann das auch positiv sehen. Und ich sehe das so. Ich handle vorausblickend für sie und für mich. Es steckt eine gute Absicht dahinter. Und das zählt.

Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen selbst schmunzeln. Vor 1 Jahr habe ich mir im Leben nicht über so einen Mist Gedanken gemacht. Und hätte mir auch nie gedacht, dass es jemals „nötig“ wäre. Bin ich auf meinen Dates dann total verkopft? Wenn ich mir über Sitzpositionen und über den richtigen Zeitpunkt von körperlichen Berührungen permanent den Kopf zerbreche? Es ist anders.

Anfangs war das so. Ja. Da ist man verkopft. Man liest in diesem Buch das. Und in jenem Buch jenes. Man soll dies. Und man soll das. Einer sagt so. Ein anderer so. Und man denkt und handelt extrem in Mustern. Und stellt fest, dass keines wiederkehrend funktioniert. Bis man begreift, dass Menschen tatsächlich unterschiedlich sind. Und ab da war ich nicht mehr so verkopft. Wichtig ist immer die Art etwas zu tun. Anstatt etwas „nur“ zu tun als Selbstzweck. Gefühle sind wichtig. Nicht auswendig gelernte Sprüche.

Zum Bespiel das Ding mit den Berührungen, die sind bei mir in Fleisch und Blut übergegangen. Genauso wie ich mir heute keine Gedanken mehr darum mache wie ich eine Frau anspreche. Anfangs sucht man nach dem passenden „Anmachspruch“. Was für ein Käse!
Heute gehe ich einfach hin und sage wonach mir gerade der Sinn steht. Letztens hatte ich erst ein Mädchen mit glänzenden schwarzen Schuhen angesprochen. „Hey, Deine Schuhe erinnern mich an Darth Vader!“. Sie lachte wie auf Knopfdruck und wir hatten sofort ein tolles Gespräch. Sie musste direkt in die Bahn einsteigen. Wir tauschten also schnell Nummern und telefonierten einige Minuten später. Und nach ein paar Tagen hatten wir ein Date vereinbart.
Auf das sie sich – laut Telefonat am Tag vor dem Date – total freute. Gut, am Date-Tag hat sie das Date dann zwar pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt um 21 Uhr per Zweizeiler in Whatsapp abgesagt, aber hey. Es geht auch mit Darth Vader. Es spielt wirklich keine Rolle. Wobei, Momentchen mal. Vielleicht hat sie so überpünktlich (Schweinerei!) abgesagt, weil sie kein Star Wars Fan war? Ach. Lassen wir das. 🙂

Und so unverkopft bin ich heute auch im Date. Egal wo. Wenn mir danach ist dann lehne ich mich lässig zurück. Oder sage mal nichts. Und wenn mich was interessiert dann frage ich nach. Wenn sie mich langweilt, dann wechsle ich schnell das Thema. Wenn mir nach gehen zumute ist, dann gehe ich. Das ist alles. Die ganze Kunst. Es ist also weniger ein verkopft-sein, als vielmehr ein im Moment sein. Auch ich lerne ständig dazu und bringe meine Lebenserfahrung so massiv voran. Der Entwicklungssprung in wenigen Monaten war enorm. Wie ich immer wieder nur sagen kann: Nicht nur im Bereich Pickup. Der Sprung war enorm, auf allen Ebenen.

Weiter im Text.

Da saßen wir also auf der Couch. Vielleicht einen knappen Meter auseinander. Wir reden kurz, vielleicht zwei oder drei Minuten. Alles locker. Aber ich spürte, dass sie sich irgendwie wohl fühlte. Sie strahlte anders als sonst. Anders als bisher. Keine Ahnung warum. Ob es die Holzmöbel waren?!

Und als ich zu meinem Glas greife, um einen Schluck Wasser zu nehmen, rutschte sie zu mir rüber. Direkt auf Körperkontakt. Schenkel an Schenkel. Ich spürte ihre kleine Aufregung und nahm erstmal in Ruhe meinen Schluck Wasser. Sie wirkte etwas, als sei sie über ihr eigenes Handeln überrascht gewesen. So eine Aktion hatte sie bisher nicht gebracht. Innerlich habe ich mich amüsiert. Weil ich innerlich darüber lachen musste, dass sie drei Dates lang jeden Körperkontakt fast unterbunden hatte, um dann im vierten Date – ausgerechnet in einer für sie nicht vertrauten Umgebung bei mir zu Hause – von sich aus Körperkontakt zu suchen und so aus sich raus zu kommen.

Und was hab ich gemacht? Erstmal die Spannung weiter aufgebaut. Zwar meine Hand zwischendurch mal auf ihrem Schenkel abgelegt, aber ansonsten einfach weiter gesprochen über die Themen, die mich gerade interessierten. Und da wir sowieso noch kochen wollten, schlug ich vor, dass wir doch mal zu kochen beginnen könnten. Also standen wir auf und kochten erstmal. Erstmal.

Drei Dates lang unterband sie zuvor wie gesagt fast jeden Körperkontakt. Im Laufe des Nachmittags hingegen wurde sie zur Klette. Nicht ich.

Und die Moral von der Geschicht‘: Verstehe das alles wer will, nur ich nicht! 😉

Date-Vorschau im Stile eines Fußballspiels

Eine Date-Vorschau. Premiere! Wusch! Sind wir hier im Kino oder was?

Eigentlich nicht, aber spannender könnte es für mich im Moment in der Tat nicht sein.
Alle Zeitungen berichten seit Tagen über das große anstehende Match. Die zwei punkt- und torgleichen Ersten gegeneinander.
Vorgestern habe ich im Wochenausblick darüber geschrieben, dass für heute ein Date ansteht (Wochenausblick auf KW 04/2017). Nicht mit irgend einer Frau, nein. Mit DER Frau. Das erinnert mich spontan an die VW Werbung. DAS AUTO.

Zurück zum Fußball.
Sonntag Abend telefonierten wir doch über eine Stunde und machten ein Date für heute aus.“ Ja ja“, dachte ich mir nur. Mal abwarten. Irgend eine Katze vom Nachbarn wird schon wieder krank werden. Oder der Specht hat sich kurzfristig einschieden ein Loch in den Holzrahmen ihres Fensters zu picken und das müssen die Handwerker dringend spachteln. Irgend so ein Rotz kommt doch meistens, besonders bei den Frauen, die mich auch am meisten interessieren. Merkwürdigkeiten gibt es. Ist das nur so ein Gefühl, dass das miteinander zusammen hängt oder bilde ich mir das nur ein?! Wer weiß.
In der Bundesliga ist das auch so. Du spielst 90 Minuten nur auf ein Tor, fühlst Dich immer sicherer, drückst und drückst. Versiebst eine Großchance nach der anderen. Und in der Nachspielzeit bekommst Du das Ding dann eingeschenkt und fährst mit einem 0:1 völlig desillusioniert nach Hause.
Gut, Fußball ist gerecht. Denn solche Spiele gibt es nur selten. Pickup ist anders. Da stehen solche Ergebnisse an der Tagesordnung. Da kommen die Dateabsagen in der Nachspielzeit wie am Fließband. Aber hey, wenigstens lernt man dabei professionell zu verlieren. Und das ist auch was wert! 😉

Gestern morgen hab ich ihr also eine aufrichtig-schnulzige Nachricht geschickt. Mit einem Vorschlag für einen Ort in ihrer Nähe, dort wo sie wohnt, und eine Zeit. Ein paar liebe Worte dazu. Eine Schleife drum und per Brieftaube abgeschickt.

Einige Minuten später flattert sie ein. Die Brieftaube. Nicht die Frau. So schnell gehts nicht. Leider, welch ein Katzenjammer. 🙂
(Anmerkung: Das Wort fiel mir gerade ein, echt cool. Hab ich lange nicht mehr gehört.)
Gut, und zu meinen doch ganz charmanten Worten kam nur ein kurzes „lass uns nach der Arbeit telefonieren?“ zurück. Ich dachte mir bei so viel Euphorie nur: „Ja ja, da kommt sie noch, die Absage.“
Andererseits hatte ich kurz gegrübelt, dass es komisch wäre wenn sie mir per Telefon absagen würde. Das macht Frau nicht. Frau sagt entweder per billiger Whatsapp ab. Oder gar nicht. Im Zweifel lieber gar nicht. Und meldet sich einfach nicht mehr. Aber per Telefon?! Diese Frau ist und bleibt mir ein Rätsel.

Also schreib ich zurück: „Wann hast Du denn aus?“
Worauf nur eine Uhrzeit zurück kam. Ohne weitere Ausführungen. Keine Smileys. Kein Schnick-Schnack. Puristisch gerade aus, die Frau. Holla die Waldfee. Die Frau liefert mehr Statements als Fragen.
Poker würde ich gerne mal gegen sie spielen. Das wäre was. Ihre Psyche gegen meine. Puh! Im Tanzen verliere ich, das weiß ich ja. Aber kein Mensch sagt ja, dass wir immer nur auf ihrem Terrain spielen müssen.

Wie wäre das wohl im Fußball?

Ich bin überzeugt davon, dass sie eine tolle Stürmerin abgegeben würde. Ich hab in meinem Blog ja ein paar wenige Male anklingeln lassen, dass ich dem Fußball sehr zugeneigt bin. Allerdings als Trainer. Weniger als Spieler. Spielen kann jeder, sage ich immer. Spieler trainieren können nur wenige. Und selbst von denen, die das tun, behaupte ich, dass es kaum einer wirklich kann. Egal. Ich trainiere Spieler lieber. Macht mir mehr Spaß.
Aber sie… sie wäre definitiv Stürmerin bei mir geworden. Charakterlich würde ich sie als eine vollendet veredelte Kreuzung zwischen Miroslav Klose und Luca Toni beschreiben. Die Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit eines Miroslav Klose, gepaart mit der lebendig fröhlichen Art eines Luca Toni. Ein idealer menschlicher Mix. Einnetzen würde sie in jedem Fall am Fließband. Ich glaube sie wäre eine Tor-Maschine!
Sie wäre definitiv eine tolle Stürmerin. Nicht nur ob der vielen Tore und der demzufolge gepachteten jährlichen Torjägerkanone auf Lebzeit, sie wüsste auch immer wo sie zu stehen hätte. Wie im echten Leben. Instinktfußballer, nennt man das. Außerdem so charakterstark, dass sie selbst bei (Fehl)Entscheidungen des Schiedsrichters nicht meckern, sondern es dem Herrn in schwarz mit weiteren Toren quittieren würde. Immer im Training sein. Stets mehr geben als die anderen, ohne es selbst so zu empfinden.

Okay, ich sollte zu so später Stunde keine Texte mehr schreiben. Da kommt echt viel Phatasie raus. Oder rein.
Oder so ein halbes Psychogramm. Sigmund Freud und ich, wir hätten gerade unseren Spaß. So ist das, wenn man am Tag vor dem Erscheinen des Artikels mitten in der Nacht zum Schreiberling wird.

Früher hätte ich mir bis zu ihrem Anruf wahnsinnige Gedanken gemacht. Ohje. Und wann ruft sie an. Und was ist wenn nicht. Und was ist wenn sie dies sagt. Oder dann wieder jenes. Ohje, Ohje.
Wie gut, dass das mittlerweile alles anders ist. Ich machte mir nur kurz Gedanken, da ich die zwei kurzen Text-Antworten von ihr nicht interpretieren konnte. Dafür wären sie zwar kurz genug gewesen, so nach dem Motto: „Ich werde Dir dann später eine ausführliche Rechtfertigung mitteilen, warum das Date nicht klappen wird.“
Andererseits passt das nicht zu ihrer Ankündigung mich anzurufen.
Und ganz außerdem ist sie nicht der Typ für Rechtfertigungen. Sie würde es wie Miroslav Klose machen. Schnörkellos. Wenn sie nicht will, dann haut sie Dir das Ding um die Ohren und rennt ganz profihaft zum Anstoßpunkt zurück. Ohne nach Deiner Meinung zu fragen. So schätze ich das ein.
Dieser Absatz hier wirkt sicher nicht so wie ich es formuliere, man könnte sicher den Eindruck gewinnen, dass ich mir sehr wohl riesige Gedanken bis zum Telefonat gemacht hätte.
Habe ich nicht. Selbst bei dieser Frau, die mich wirklich interessiert, nicht. Kurze Gedanken ja. Danach aber sofort weg damit. Wieder ankommen im Moment. Kein Blick auf später. Die Mühe ist es meist nicht wert. Zu oft kommt es anders als man denkt.

Und dann klingelte mein Telefon auch schon. Ich saß noch am PC im Büro. Und ich war gedanklich auf Absagemodus eingestellt. Konditionierung nennt man das. Wenn man das immer und immer wieder so erlebt. Irgendwann reagiert man, basierend auf dem reichhaltigen Erfahrungsschatz, und geht bei jedem weiteren Male davon aus, dass es so sein wird wie die letzten Male auch. Pawlow und sein Hund lassen grüßen. Nicht verwechseln mit Maslow und seiner Pyramide. Das war ein anderer. Egal.

Und da kommt ein lang gezooooogenes „naaaaaa, wie gehts Dir?“ durch die Leitung.
Ich dachte mir nur: „So fängt kein Telefonat mit einer Date-Absage an! Irgendwas ist hier faul!“
Und das war es auch. Sie war ab der ersten Sekunde mega nett, humorvoll. Machte sich Gedanken wo wir zum Date hingehen könnten. Was denn passend für uns wäre. Und sie kenne sich da in der Gegend nicht so gut aus. Ich war mal wieder fasziniert. Diese Frau zeigt so viele Facetten von sich, ein Fächer ist nichts dagegen. Ihr wisst schon, diese Fächer, zum Wedeln, wenn es heiß ist.

Irgendwann hat sie mir dann einen Elfmeter beschert, also wirklich mustergültig. Den Ball auf den Punkt gelegt, ist ein paar Schritte zur Seite gegangen und hat ja fast danach gebettelt, dass ich den versenke. Besser geht es nicht. Ich nehme also Anlauf…
„Ich war da auch noch nie. Ja ich hoffe, dass das Lokal, das ich mir überlegt habe, toll ist.“, hörte ich für einen Moment eine klitzekleine Unsicherheit ihrerseits heraus. „Aber danke Dir für Deine Vorlage. Den Elfer hau ich Dir rein, kannst Dir nur noch aussuchen ob links oder rechts oben in den Winkel.“, freue ich mich schon innerlich händereibend.
„Weißt Du, das kannst Du ganz entspannt sehen mit dem Ort. Egal wo wir dann sein werden oder zusammen hingehen. Das Tollste für mich bist morgen definitiv Du!“, entgegnete ich wirklich aufrichtig.
Sie kicherte kurz verlegen und freute sich hörbar mit „das geht jetzt aber runter wie Öl!“.

Wir redeten noch ein wenig über den Arbeitstag und ein wenig über uns. Und über privates. Und kurz vor Ende des Telefonats sagte sie zu mir: „Du hast eine echt schöne Telefon-Stimme!“
Das habe ich lange nicht mehr in meinem Leben gehört. Was aber sicher daran liegt, dass die meisten Frauen inzwischen kaum mehr telefonieren möchten. Ihr Satz hat mich wirklich gefreut. Aus einem ganz bestimmten Grund.
Vor einigen Wochen begann ich mich autodidaktisch mit einem Stimmen-Training zu befassen. Das ist ein viel zu unterschätztes Thema. Die eigene Stimme. Die eigene Art zu sprechen. Sobald ich mit einer Frau spreche, spreche ich anders als normalerweise. Ich spreche Freunden oder der Familie gegenüber meist schnell und viel. Und wenn ich dann sehr oft (sehr sehr oft!) gesagt bekomme „Red nicht so viel. Ich komme nicht mehr mit!“, dann antworte ich in aller Regel nur mit: „Ich rede nicht zu schnell. Du denkst nur zu langsam.“
Ich weiß, nicht ganz charmant. Aber hey, es ist meine Familie. Und es sind meine Freunde. Die müssen das abkönnen. Sagte so ähnlich auch schon Jürgen Prochnow als Kaleun in „Das Boot“, „Das muss das Boot abkönnen!“.
Gut, dass Menschen keine Boote sind. Menschen sind lernfähig. Boote nicht.

Zurück zum Thema.
Es ist immer eine Frage der Betrachtungsweise. Aber ich arbeite an mir und versuche längst auch insgesamt weniger und langsamer zu sprechen. Aber in völlig vertrauter Umgebung nicht so bewusst wie mit einer Frau. Mit einer Frau spreche ich mit dem gesamten Resonanzkörper, nicht nur mit dem Kopf. Ein großer Unterschied. Das ist vielleicht mal einen eigenen Artikel wert.

Es hat mich deshalb so sehr gefreut dieses Kompliment von der Frau zu hören, weil es immer wieder etwas im Leben bringt, wenn man an sich arbeitet. Zumindest wird es erstmal wahr genommen. Und das ist doch schon mal was. Dass dann dabei gleich ein Kompliment heraus springt, ist doch toll. Es ist aber auch wirklich harte Arbeit, dieses Persönlichkeitsentwicklungsprogramm der letzten Monate. Pickup ist da wirklich wirklich nur ein kleiner Baustein des Ganzen. Es steckt viel mehr dahinter.

Aufgewärmt bin ich jetzt definitiv für heute. Leicht angeschwitzt, nennt man das im Sport. Die Frage wird nur noch sein, ob das Date heute stattfindet. Sehen wir mal. Und die nächste Frage wird sein, wie die 90 Minuten ausgehen. Otto Rehhagel hat mal gesagt: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“
Na dann. Ab auf’n Platz und drei Punkte holen!

2017-01-25