Sonntag war mal wieder so ein Date

Anfang letzter Woche hatte ich ein Mädchen kennen gelernt, in einer Drogerie. Darüber hatte ich auch schon geschrieben. Es lief gut, wir haben uns gut verstanden und es war für mich der „beste“ Approach des Dezembers. Es lief ab der ersten Sekunde rund.

Sonntag war es dann soweit. Das Date stand an.

Erst mal ging es auf den Weihnachtsmarkt, danach zum Essen. Anfangs war alles noch ganz gut, ich hatte einen guten Eindruck im Zwischenmenschlichen. Ich spürte so etwas wie Anziehung, wir haben uns prima verstanden und beiderseitige Freude lag in der Luft.

Nach dem Weihnachtsmarkt ging es dann zum Essen in ein kleines Lokal. Und irgendwie war vieles plötzlich gefühlt anders. Die Frage ist, was geschehen war. Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Vielleicht täusche ich mich bis hier hin auch.

Fakt ist aber: Sie hat jegliche Formen der Eskalation relativ schnell unterbunden. Sobald ich ihre Hände berührt habe, hat sie nach kurzer Zeit ihrerseits ihre Hand weg gezogen. Eher sanft, aber dennoch zielstrebig. Es war kein „ich fühle mich unsicher und ziehe deshalb mal meine Hand weg“, sondern eher ein „ich will das jetzt (?) nicht“.

Es ist aber essentiell absolut notwendig diese Formen der Eskalation einzubauen, da dies – wie ich zuletzt öfter schrieb – die einzige Möglichkeit ist, herauszufinden, ob so etwas wie „sexuelle“ Anziehung oder Attraktivität vorhanden ist. Mir ist die Zeit einfach zu schade, stundenlang irgendwo etwas zusammen zu essen oder zu plappern und im Endeffekt ist beiden klar, dass man sich nie wieder sehen wird.

Ich konnte zu diesem Zeitpunkt klar vernehmen, dass sie durch ihre Körpersprache zum Ausdruck bringen wollte, dass das – im Moment – irgendwie nicht passt. Gut, ist ein Statement.

Da frage ich mich nur, warum sie dann doch noch unbedingt in einen anderen Laden gehen wollte. Nach dem Essen. Auf einen Kaffee. Das frage ich mich jedes mal. Das ist bei den aller meisten Dates genau so der Fall. Stundenlange Kaffee-Kränzchen und nix kommt dabei raus.

Warum also so viel Zeit miteinder verbringen, frage ich mich?!

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt klar sub-kommuniziert, dass das hier kein Freundschafts-Ding werden würde. Das ist mir ganz ganz wichtig. Ich bin kein bedürftiger Freund, der die Frau lieb zu Hause abholt, um sie zu ihrem Lover ans andere Ende der Stadt zu fahren. Weil ich ja ein ach so lieber Kumpel bin. Nee, nee, Mädls. Sicher nicht. 🙂

So tranken wir dann also auch noch Kaffee und meine erneuten Eskalationsversuche liefen wieder ins Leere. Manchmal muss man einer Frau vielleicht einfach noch ein paar Minuten mehr Zeit geben und einen Location-Wechsel einbauen. Ich bin ja nicht so. Empathie und Verständnis zeigen, das sind schon zwei meiner Stärken, würde ich mal sagen.
Traurig war ich über das Ganze nicht, ganz und gar nicht. Ich habe eskaliert und alleine dadurch habe ich – auf sehr subtile Art – neue Seiten an ihr kennen gelernt, die mich wiederum zu der Erkenntnis brachten, dass sie nicht „die Richtige“ sein konnte für mich.

Später ging ich in einem innerlich friedlichen und ausgeglichenen Gefühl nach Hause, bewusst ob meiner eigenen Entwicklung zu jeder Zeit konsequent und bewusst eskaliert zu haben.

Ich habe es auch verbal kommuniziert. Dazu habe ich sie im Laufe des Abends nach Hause eingeladen, auf einen frisch gebrühten Chai Latte. Auch das hat sie – wenn auch mit sichtlich schlechtem Gewissen (WARUM EIGENTLICH?!) – abgelehnt. Ich hab sie auch konkret darauf angesprochen, dass ich bemerke, dass sie damit gehadert hat. Und dass sie das nicht brauche. Denn zwei mal hat sie im Laufe des Abends sich mehr oder weniger offen dafür entschuldigt, dass sie nicht mehr mitkommen könne. Es sei schon so spät und überhaupt und außerdem haben die Eichhörnchen heute Nationalfeiertag, da müsse sie noch schnell ein paar Nüsse besorgen und im Wald verteilen.
Klar. Die Ärmste.

Ich kann nicht anders als sarkastisch zu sein. In derlei lächerlichen Situationen. Das ist meine Art. Wer mich persönlich kennt, weiß das. Es ist meine Art des Humors. Und es ist auch echt gesund das so auszuleben, wenn man das mag, denn Humor ist immer eine Art (eine Art von vielen!) Situationen und Erlebnisse zu verarbeiten.

Was nehme ich nach dem Date für mich mit:

  1. Sehr gut, dass ich frühzeitig und von Anfang an klar gemacht habe, dass es hier ein Ding zwischen Mann und Frau ist. Keines zwischen Freunden.
    Das kann ich mittlerweile aber auch ganz gut.
  2. Sehr gut, dass ich – trotz aller kühlschrankartigen Versuche von ihr (ist ihr sicher nicht mal bewusst! Eine Kühlschrank-Frau ist einfach eine Kühlschrank-Frau!) sachlich zu bleiben – das Gespräch immer wieder auf emotionale Themen gelenkt habe. Beziehung. Urlaub. Tolle Erlebnisse aus der Vergangenheit.
  3. Sehr gut, dass ich festgestellt habe, dass man komplexe Themen besser weglassen sollte. Sie erzählte mir davon, dass sie Yoga macht. Sie erzählte mir davon, dass sie „fast“ Vegetarierin sei. Und manchmal schaffe sie es nicht, dass sie sich im Alltag auch mal vom Stress loseisen könne.

    Für mich war das – mal wieder – Anlass genug an genau diesen Punkten auf sie einzugehen und ihr etwas darüber zu erzählen, wie ich mit diesen Dingen umgehe.

    Ohne Ratschläge. Ohne Klugscheißereien. Ich kenne sie ja nicht. Mir ist doch zu dem Zeitpunkt total egal was sie tut oder nicht tut. Es ist ihr Leben, nicht meins.

Aber es ist ja eine Kommunikation in zwei Richtungen. Nicht in eine. Also reagiere ich. Und zeige Empathie und erzähle gleichzeitig von meinen Erfahrungen.

Dabei habe ich aber gemerkt, dass ihr meine Ansichten nicht geschmeckt haben. Obwohl sie völlig wertfrei waren. Aber genau das war das Problem. Wertfrei. Ich habe geäußert, dass ich versuche wertfrei zu leben und Dinge zu akzeptieren. Dass mir das helfe und ich Menschen so akzeptiere wie sie sind.

Dabei habe ich aber gemerkt, dass ich plötzlich aufs Glatteis bei ihr kam. Sie teilt wohl Menschen gerne (ein) und spaltet gerne. In gut und schlecht. Das hab ich früher auch gemacht. Aber das bin ich heute nicht mehr. Fast gar nicht mehr. Ich komme damit nur nicht klar, dass ich derart auf mein Gegenüber eingehe, ohne mich auch zu öffnen und ehrlich zu sein. Bisher jedenfalls noch nicht. Bisher war für mich eine Kommunikation immer eine Sache zwischen ZWEI Menschen. Wie ich oben schon schrieb. Offensichtlich ist das eben – den Erfahrungen aus meinem Pickupper-Dasein sei Dank – aber zumeist nicht der Fall. Es scheint eine Einbahnstraße zu sein. Frau darf sich äußern und ich muss alles akzeptieren und gut heißen. Äußere ich mich allerdings, dann ist das schlecht. Also hab ich meine Klappe zu halten. Komische Welt. So funktioniert also das Kennenlernen?! Gut, wieder was dazu gelernt! 😉

Fazit dazu: Ich werde in Zukunft versuchen derart komplexe Themen (Achtsamkeit, Bewusstsein, Gedanken) raus zu lassen und verstärkt den lustigen Hampelmann zu spielen. Einfach wieder nur noch Hollywood zu machen. Überall ja und amen sagen. Sie reden lassen und nur Verständnis zeigen, aber keine eigenen Ideen oder Erfahrungen einbringen. Das spart Zeit, Geduld und Nerven.

Letztlich ist es doch so:
Menschen wollen nichts Neues hören oder sehen. Sie wollen in ihrem alten Trott weitermachen wie bisher. Nichts soll sich ändern. Dafür können sie dann weiterhin rum lamentieren und jammern. Also gut, dann probiere ich das eben mal anders. Ich bin nicht „die Anderen“.

Habe dabei reflektiert und festgestellt, dass ich öfter auch etwas zu ihr gesagt habe. Über meine Gedanken und meine Lebenswünsche oder Träume oder Ziele. Über mein Empfinden und meine Gefühle. Und die weichen von der „Norm“ ab. Sie sind anders. Ich bin anders.

Und das „eckt an“, scheinbar. Unfassbar.

Also schaue ich, dass ich mich etwas mehr zurück nehme. Überspitzt gesagt einfach mehr über das Wetter rede. Über den Alltag mit seinen Nicklichkeiten und Unwichtigkeiten. Und über diese Schiene etwas mehr Vertrauen aufbaue, anstatt darüber, dass ich erzähle wer ich bin und wohin ich will.

Das ist für mich nach diesem Date die größte Erkenntnis. Auch wenn es auf mein Date bezogen total unwichtig war. Denn sie ist nicht mein Typ Frau. Zu viel Kühlschrank. Zu viel Eisbox-Mentalität. Wenn auch einigermaßen intelligent. Aber Intelligenz und Warmherzigkeit hängen nicht zusammen, weder direkt noch indirekt proportional. Sie sind zwei Varibalen, die völlig autark voneinander existieren. Es gibt also bestimmt auch Frauen, die beides sind. Intelligent und warmherzig.

Nun, jetzt hab ich mal einen Anhaltspunkt für die nächsten Dates. Sich selbst noch mehr zurück nehmen, auf keinen Fall etwas zu den eigenen Ansichten und Absichten sagen. Nichts über mich als Mensch. Immer schön im Ungefähren bleiben. Wer bin ich denn schon. Kann meiner zukünftigen Traumfrau (welche in Hohn!) ja auch egal sein, oder? Es kann ihr doch egal sein wer ich bin. Also halte ich mich einfach zurück und mache gute Miene zum bösen Spiel.

Mag jetzt etwas unzufrieden klingen, liebe Leser. Klar. Aber das bin ich nicht. Es ist sowieso alles nur ein Spiel. Gestern habe ich in einem Video den Spruch gehört:
„Ich bin der Künstler meines eigenen Lebens. Und male ein Bild auf eine Leinwand. Und das Bild ist mein Leben.“

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Es ist tatsächlich so. Letztlich ist doch egal was auf dem Bild zu sehen ist. Wichtig ist, dass mir das Malen Spaß gemacht hat. Bisher habe ich auf das Bild immer eine Frau und mich malen wollen. Jetzt male ich halt nur die Frau und daneben irgend etwas anderes. Oder nichts. Wie auch immer. Was spielt es denn für eine Rolle. Hauptsache ich male nach meinem Empfinden gut und vor allem gerne. Das eigene Ego spielt keine Rolle, dann lebt es sich angenehmer und entspannter.

Und irgendwann kommt die eine Frau, die auch Künstlerin ist. Die auch gerne malt. Und gerne von mir gemalt wird. Neben mir. Und die mich malt und daneben sich selbst. Und dann liegt es an mir, zu merken, dass ICH gefragt bin. Und nun auch mitgestalten soll.

Anstatt wieder einmal nur einen dämlichen Zeitvertreib für so eine Attention-Bit** zu spielen.
Alles gut. Der Tag wird kommen. Bis dahin übe ich fleißig und erhöhe die Schlagzahl. Damit ich mehr Frauen begegne. Irgend eine davon ist Künstlerin.

Und genau die suche ich! Diese eine Künstlerin…