Philosophischer Sonntag – Wer willst Du am Ende sein?

Eine allgegenwärtig beobachtbare Begebenheit ist die Präsenz der Angst.

Philosophischer_Sonntag

Wo auch immer wir uns umblicken, können wir die Handlungen von Menschen zumeist als Ausfluss ihrer Ängste anstatt als Ausfluss ihrer Wünsche wahrnehmen. Ihrer Wünsche, ihrer eigenen Wünsche. Die Wünsche, die aus dem inneren stammen sollten. Stattdessen sind die Wünsche, die ausgelebt werden, zumeist Ausfluss der eigenen Angst.

Wie kann man der täglichen Angst, der wir alle mehr oder weniger stark ausgesetzt sind, begegnen?

Ich stelle dazu mir zunehmend selbst die Frage: Wer will ich am Ende sein? Oder was will ich am Ende sein?

Will ich ein Leben lang ein schuftender Arbeiter oder Angestellter sein? Ist das meine Erfüllung? Ist das mein Traum eines Lebens?
Lebe ich um zu arbeiten? Definiere ich das, was ich von mir selbst halte, ausschließlich über eine Sache?
Bin ich ein guter Pianist, will ich sodann auch ein Leben lang nur als Pianist wahrgenommen werden und mein Ich nur als Pianisten definieren? Will ich am Ende meiner Tage sagen: Ich war ein toller Pianist?

Ist das alles? Oder steckt da noch mehr dahinter?

Draußen unter Menschen sehen wir was passiert, wenn einzelne kleine Handlungen durchzogen sind von den Gefühlen etwas falsch zu machen. Menschen gehen unterwürfig aus dem Weg, Menschen gehen einen Schritt zur Seite, wenn jemand kommt der körperlich größer ist. Menschen schauen andere Menschen an und bangen um Bestätigung für das was sie gerade geäußert haben.
Es sind so viele kleine Dinge, die wahrnehmbar sind.

Wie begegnet man dieser Art von Angst? Dem steten Gefühl von „bin ich richtig“ und „darf ich das gerade was ich gerade getan habe und was denken die anderen dazu“?

Ich stelle mir selbst einfach immer die Frage:
Wer will ich am Ende meines Lebens sein?

Jemand, der seine Zeit abgesessen hat, sich stets unterwarf, es allen recht machen wollte und am Ende als jemand geht, der nur für Andere gelebt hat?

Oder will ich jemand sein, der am Ende sagen kann: Ich habe stets getan was ich wollte. Habe mich entwickelt, gefühlt und mich hier auf dieser Welt eingebracht.

Für einen Moment auszubrechen aus der eigenen Angst ist der erste Schritt.

Es gibt Momente des Unbehagens, zum Beispiel in einem Raum, wenn viele Menschen da sind. Besonders wenn man neu herein kommt. Wenn man niemanden kennt. Wenn man sich schüchtern umblickt.

Wichtig ist in diesen Situationen das Bewusstsein. Sei Dir bewusst, dass Du gerade Angst hast.

Und dann… halte die Situation aus. Ganz bewusst. Kein „schnell weg hier“. Sondern ein „Ich habe Angst. Ja. Ich weiß, dass ich gerade Angst habe. Das ist menschlich und in Ordnung. Nur gebe ich mich meiner Angst jetzt nicht hin. Ich halte sie aus. Und je öfter ich das aushalte, desto klarer wird mir, dass es in Wahrheit keinen Grund gibt Angst zu haben. Es kann mir nichts geschehen.“

Das ist eine Möglichkeit. Desensibilisierung.

Das Ablegen der permanenten Angst ist der Schlüssel auf Weg zur Entwicklung der eigenen Freiheit.

Um am Ende sich selbst sagen zu können: „Genau der, der ich jetzt bin, wollte ich mein Leben lang sein.“