Ob ich Yoga- oder Meditations-Trainer bin?

Gestern Abend war ich in der Stadt zum Bargame. Dort hab ich zwei 2er Sets eröffnet.

Zuerst mal zwei Mädls aus Russland, alles auf Englisch. Die waren nur mit schminken beschäftigt. Eine Hand der Lippenstift, eine Hand das Ei-Phone mit Kamera auf sich selbst. Und dann wird in bester Tussi-Manier der Lippenstift nachgezogen, während die eigene Visage geschmeidig-arrogant in der Handy-Kamera begutachtet wird. Gesichts-Zirkus nenne ich das. Fürchterlich.

Später dann mit zwei anderen Frauen an der Bar gesprochen. Waren beide sehr nett und haben auch viele interessante und interessierte Fragen gestellt. Beide gebürtige Russinnen. Nur diesmal konnten beide deutsch. Na immerhin. Keine Touristen, dafür aber temperamentvoll. Recht schnell hab ich gemerkt, dass mir das bei den gewöhnlichen Frauen fehlt. Temperament. Eigene Meinung. Klare Botschaften. Ganz selten ist mir das erst passiert, dass mich eine Frau im Laufe des Gespräches nach meinem Namen fragt. Von sich aus. Gestern war es (wieder?! – kann man gar nicht mehr an das letzte mal erinnern) soweit, dass das passiert ist.

Ich war mit einem Wingman unterwegs, der in der Zeit leider warten musste. Dämlich immer. Denjenigen dann alleine lassen zu müssen. Das tut mir dann schon immer irgendwie leid. Aber noch mehr leid tut es mir, wenn ich ihn alleine lassen muss und dann nach 10 Minuten erfahre, dass beide verheiratet sind und Kinder haben. Ja gute Nacht.

Okay, zumindest haben wir uns gut verstanden. Es war ein eher ungewöhnlich tiefgründiges Gespräch. Nach dem üblichen Geplänkel (Job, Status, Geld, Alter) ging es dann wenigstens mal um das Leben an sich und um die eigenen Gedanken und Empfindungen und Wünsche. Und es ging irgendwann auch um Meditation und Yoga und Ernährung und Charakterunterschiede zwischen Deutschen und Russen. Und Gewohnheiten usw.

Ich wurde gefragt wie alt ich sei, was ich arbeite. Ob ich Yoga mache oder sogar Yoga- oder Meditations-Trainer sei. Es sei ungewöhnlich, dass ein Mann über Seele und das Leben redet, wurde mir gesagt. Das sei außergewöhnlich. Und es sei außergewöhlich, dass ich das Alter der beiden so exakt geschätzt habe. Yoga- oder Meditations-Trainer? What??? Ich?

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(Kleine Anmerkung am Rande: Nach ungefähr 500 bis 600 angesprochenen Frauen in 4 Monaten hat man irgendwann aber auch den Dreh raus und erkennt das Alter einer Frau zwar nicht gleich nackt an der linken Arschbacke – denn die hab ich ja noch nicht gleich nackt gesehen – aber an jeder kleinen Hautunreinheit im Gesicht erkenne ich das Alter inzwischen auch ohne Fernrohr auf 5000 Meter gegen den Wind. Und wenn es sein muss auch im Kopfstand. Und Augen zu.)

Jedenfalls hab ich natürlich gefragt warum und wie sie darauf kommen würden, dass ich so einen Beruf hätte. Sie meinten beide, dass man das an meinen Augen sehen könnte. Was ich ausstrahle und wie ich rede.

Bingo. Das war für mich ein großes Kompliment. Das nehme ich für mich gerne mit. Nicht die Tatsache an sich, sondern dass ich es geschafft habe! Was eigentlich? Endlich mal habe ich es wohl geschafft etwas Emotionalität zu transportieren! Das gelingt mir leider noch nicht allzu häufig. Gestern war so ein Abend. Endlich mal. Yes yes yes! Ich bin auf einem guten Weg. Denn das ist es was ich immer will: Gefühle rüber bringen. Bewusst? Ja bewusst. Geschauspielert? Nein, nicht direkt. Ich will als Mensch generell so wahrgenommen werden. Als emotionaler Mann, als Wesen mit viel Einfühlungsvermögen und Empathiefähigkeit. Das habe ich mir vorgenommen und daran arbeite ich seit langem. Längst versuche ich meine Gespräche wesentlich emotionaler zu gestalten. Das ist harte Arbeit. Wirklich.

Jedenfalls muss ich sagen… die beiden Damen haben nicht mehr aufgehört mir Fragen zu stellen, selbst als ich gehen wollte und sagte, dass mein Freund los möchte. Dann kamen noch immer Fragen wie: „Und seit wann beschäftigst Du Dich mit dem Bewusstsein und dem bewusst werden?“

Zu dem Zeitpunkt habe ich mindestens als Mensch attraktiv gewirkt. Sonst wären nicht so viele Fragen gekommen. Andererseits sind osteuropäische Frauen auch offensiver als deutsche. So bot mir die hübschere der beiden Damen einen Sitzplatz direkt neben ihnen an. Und auch sonst hatte ich den Eindruck, dass sie sich in meiner Gegenwart wohl fühlten. Was immer mein oberstes Ziel ist, dass Menschen sich gerne mit mir umgeben. Weil sie sich wohl fühlen und gut fühlen und auch beschützt fühlen. Oder zumindest sicher fühlen. Nur aufgrund solcher Emotionen kann sich eine Frau öffnen und sich auf einen fremden Mann einlassen. Es sind keine Erfolgsgaranten, sondern notwendige Voraussetzungen. Bis dahin hat noch keiner einen Blumentopf gewonnen, aber ohne diese Emotionen würde auch niemand je einen Blumentopf gewinnen können. Man ist in der Bringschuld. Ich mag das Wort „Schuld“ nicht. Aber so ist es letztlich. Man ist in der Bringschuld. Man muss erstmal investieren, in dem Fall eben Emotionen.

Ich hab das Ganze übrigens nicht eskaliert, weil es keinen Sinn macht. Man muss nicht nach der Nummer und nach dem Date fragen aus reinem Selbstzweck.

  1. Stehe ich nicht per se auf Frauen mit Kindern – wobei ich es auch nicht per se ausschließen würde, inzwischen nicht mehr, inzwischen kann bei mir wohl alles passieren
  2. Stehe ich nicht auf Frauen in Beziehungen – es kann passieren, dass man sich in eine verschaut, aber besser ist es die Finger davon zu lassen.
    (Papa hat mir das auch schon geraten, gell!)

So bin ich mit mir selbst für gestern Abend sehr zufrieden. In dem zweiten 2er Set fand ich die Eine der beiden Frauen attraktiv und ich hab das Gespräch eröffnet. Im Vorbeigehen. Es wird inzwischen alles immer selbstverständlicher. Hab einen Cocktail in die Hand genommen, bin an den Zwei vorbei gelaufen. Und beim zurück Gehen habe ich die Zwei angesprochen. Die Eröffnung war total simpel (für meine interessierten Leser! 😉 ):

„Heeeeey, das ist mal cool. Das was Du da trinkst ist ein Pina Cola oder??? Hab ich auch, schau hier! Unglaublich, dass ihr so etwas trinkt. Ich dachte immer ich wäre der einzige Mensch auf der Welt, der noch auf so etwas Altmodisches steht! Ihr auch!“

Und schwupp, bist Du im Gespräch. Der Rest ist normalerweise dann bla bla. Oder auch nicht. Selten kann es nämlich auch tiefgründiger werden. Gestern war so ein Zeitpunkt, was mir auch mal ganz gut tut.
Man hat nach einer gewissen Zeit den Dreh raus und erkennt, wann es Sinn macht weiter zu reden oder besser aus dem Gespräch auszusteigen. Man merkt es einfach an der Körpersprache und der Art, ob hier ein weiteres Investment lohnt oder nicht. Gestern bin ich dennoch ein paar Minuten länger im Set geblieben, obwohl ich dann schon erfahren hatte, dass es zwei Mütter sind, die wohl einigermaßen glücklich vergeben sind. Nur sie hatten ein bisschen was zu sagen und das hat mich interessiert. Ganz egoistisch. Und ohne weitere Absicht auf ein Date.
Ja Mädls, es ging dabei auch mal einfach nur darum was mir in dem Moment gefallen hat. Und mir hat in dem Moment gefallen mich mit Euch zu unterhalten. Tatsächlich stand für mich der Spaß im Vordergrund. Die Hektik von vor ein paar Monaten ist weg, die Ergebnisfixierung als oberste Maxime auch. Die Ergebnisse kommen eher nebenbei. Eher von alleine. Das ist gut. Es macht die Birne frei. Man steht nicht mehr so unter Zwang. Innerer eigener Zwang.

Und morgen schreibe ich darüber wie es ist mit dem Schiff in die Wüste zu fahren. Und auch dort im Sand festzustecken.

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