Von Kühlschränken, die sich als Frauen verkleiden

Es war wieder so weit. Am Wochenende hab ich wieder eine ordentliche Portion Kälte abbekommen.

Erst war ich unterwegs und hab mir zwei Fußballspiele angeschaut, allerdings kein Hollywood. Sondern Jugendmannschaften. Das mag ich. Da ist noch alles so schön menschlich.
Es war jedenfalls echt kalt draußen. Und ich war froh, dass ich zwei paar Socken anziehen konnte.

Und dazwischen hab ich mit einem Mädchen ausgemacht, dass wir uns wieder sehen. Gesagt, getan. Hausbesuch. Diesmal bei mir statt bei ihr.

Das war dann Teil 2 der Kälteshow. Lasst es mich so sagen: Es gibt Menschen, die werden sich bemühen können so viel sie wollen, doch über 0 Grad menschlicher Wärme werden sie nicht drüber kommen können.

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Aber besser Eines nach dem Anderen. Wer ist diese Frau denn?

Vor kurzem habe ich sie beim Clubgamen kennen gelernt. Und seither ein paar mal wiedergesehen. Hab ich sie von Anfang an toll gefunden? Nein. Hat sie etwas an sich, das ich toll finde? Nein. Gibt es überhaupt einen Grund warum ich mich mit ihr treffen sollte? Ja klar.

Und der Grund ist immer der gleiche, nicht nur bei ihr. Sondern allen Situationen und Frauen gegenüber. Ego zerstören.

Ich schrieb recht häufig schon darüber warum mir das so wichtig ist.

Meiner Familie hab ich in unserer Whatsapp-Gruppe kurz eine Sprachnachricht dazu hinterlassen, dort hab ich das ungefähr so formuliert: „Es ist sehr gut, dass man sich mit Menschen trifft, mit denen man sich eigentlich gar nicht treffen möchte. Denn es ist einfach gut bewusst im nassen Regen spazieren zu gehen. Dann weiß man eines Tages viel mehr zu schätzen, wenn zumindest wieder bewölkter Himmel ist. Von Sonnenschein brauchen wir gar nicht erst reden. Aber zumindest bewölkt ohne Regen, das ist dann schon ein tolles Erlebnis.“

Und das macht sie prima. Meine Kühlschrank-Frau. Wie ich sie nenne. Also nicht sie direkt. Ich will sie ja nicht verletzen. Obwohl, kann man empathielose Wesen durch Worte verletzen? Gute Frage.
Aber das ist schon echt abartig. Nun, kurze Beschreibung wer sie ist:

Sie kommt nicht aus meiner Stadt, sondern ist beruflich hier her gezogen. Dazu hat sie ihre zwei Pferde mitgebracht. Für die sie aber nicht genug Geld verdient. Also lässt sie sich von verschiedenen Leuten finanziell unterstützen, erzählte sie mir. Der Papa sei Arzt. Und die Wohnung zu Hause bei den Eltern sei sowieso viel schöner als das Leben hier in ihrem kleinen Zimmer. Außerdem ist das ganze Bundesland hier – Zitat – : „Total Scheiße“. Weil dies und das und jenes bei uns hier einfach der letzte Mist ist. Und überhaupt sind alle Kollegen in ihrer Arbeit so schlimm. Und alles ist schlimm. Neulich ging ihr Laptop nicht. Katastrophe. Ihre Pferde sind auch nicht so untergebracht wie sie gerne möchte. Das sind alles Abzocker dort wo die Pferde stehen. Viel zu teuer für die wenige Leistung. Achja, und dann ist da noch dieser eine Arbeitskollege, der wohl mehr als nur kollegiales Interesse an ihr hat. Und das nervt sie. Und dann ist noch dies und das und jenes. Achja. Übrigens, das Bundesland hier ist einfach „total scheiße“.
Hä?! Das hab ich doch oben schon geschrieben. Ja stimmt. Na so oft wie sie das wiederholt, muss man das hier halt auch zwei Mal erwähnen. Öfter geht nicht, das hält ja keiner aus.

Und das ist auch das Unglaubliche daran. Da frage ich sie am Wochenende doch glatt bei unserem Wiedersehen nach einer Woche: „Wie geht es Dir denn?“
Und bekomme als Antwort: „Achja, weißt Du. Heute Mittag hab ich noch arbeiten müssen und da ging mein Laptop nicht richtig…“ und bla bla bla bla bla.
Ich hab sie kurz unterbrochen und ihr an den Arm gefasst und ruhig gesagt: „Und wie geht es Dir? Das wollte ich eigentlich wissen.“

Wahnsinn.

Später dann in der Wohnung hab ich kurz etwas zum Essen vorbereitet. Einen Thunfisch-Bohnen-Salat (ja ich bin einer dieser nicht ganz konsequenten Vegetarier, ich esse Fisch) und außerdem noch Guacamole. Ich mag das sehr, mit Brot. Und während ich am Schnibbeln und Machen und Tun bin, sage ich zu ihr: „Schau mal da oben rechts sind die Teller und unten rechts ist das Besteck.“

Denn Madame würde von sich aus nicht auf die Idee kommen den Tisch zu decken. Wie denn auch. Kühlschränke haben weder Verstand noch Herz.

Gut, die Teller hat sie da raus genommen und auf den Esstisch gestellt. Von „Tisch decken“ kann keine Rede sein, denn auch nach ein paar Minuten war da noch weit und breit nichts von irgend einem Besteck zu sehen.

Also ich wieder: „Ja hast Du denn das Besteck schon rüber gebracht?“
(Natürlich wusste ich, dass das nicht der Fall sein konnte.)

Na also immerhin hat sie dann doch noch verlustfrei den Tisch decken können. Ich stell mir dann selbst nur die Frage: „Was hat diese verzogene Göre in ihrem Leben eigentlich je geleistet?“

Ganz dämlich ist sie ja nicht. Immerhin hat sie studiert. Nicht, dass das etwas pauschal aussagen würde. Aber gewisse intellektuelle Fähigkeiten muss sie haben. Sonst bekommt man so ein Stück Papier nicht. Wobei… ach lassen wir das. 🙂

Am Tisch beim Essen gibts natürlich für mich nicht so etwas wie: „Danke. Der Salat ist lecker.“ oder „mmmhhh… Dein Guacamole-Dip schmeckt gut.“
Natürlich nicht. Die Kleine kennt das halt nicht. Eiskalt wie ein Profi-Killer zieht sie das Ding in ihrem Leben durch. Dafür hat sie aber auch schon zwei andere Studiengänge angefangen. Es lebt sich halt gut auf den Kosten anderer. Warum nicht. Dafür hat man Mama und Papa. Und was weiß ich noch wen.

Ich könnte hier noch einige solcher Szenen beschreiben. Wert ist sie es nicht, dass man noch viel mehr Worte über sie verliert. Sie ist durchaus ein intelligenter Mensch. Aber hasserfüllt und unzufrieden mit ihrem eigenen Leben durch und durch. Und ich konnte da so viel positive Energie rein investieren wie ich wollte, es spielte keine Rolle. Anfangs tat ich das für sie. Später nur noch für mich. Es war für mich eine Erfahrung es so lange mit so einem Negativ-Menschen auszuhalten. Mit einem Menschen, der nicht Danke oder Bitte sagen kann. Mit einem Menschen, der nur seine zwei Pferde im Kopf hat. Für den Fußball – Zitat – ein „Scheiß Sport“ ist.
Übrigens: Ich mag diesen Sport. Zufälligerweise. Und das wusste sie. Dennoch muss Fußball wohl „Scheiße“ sein. In ihren Augen zumindest.

Ihr Pferdesport ist für mich übrigens kein „Scheiß Sport“. Es ist ein Sport wie viele andere. Und ich bin froh ein libertärer Pluralist zu sein.
Gibts eigentlich auch nicht-libertäre Pluralisten?! 🙂

Die Frage ist jedenfalls interessanter für mich zu ergründen, als eine weitere Minute an Gedanken an diese Frau zu verschwenden. Auch wenn sie sich wohl noch gerne mit mir treffen würde, aber das hält das stärkste Pferd ja auf Dauer nicht aus. Ich bewundere ihre Pferde. Wahrscheinlich hätte ich sie längst abgeworfen. Wenn ich ein Pferd wäre.

Es gibt solche Menschen, da passt es nicht nur nicht, sondern da ist man einfach froh, wenn das Treffen zu ende geht und man sich nicht mehr sehen muss. Irgendwann sind auch meine Akkus aufgebraucht. Und das ist so ein Fall. Meine Geduld und meine Energie ist erstmal leer gesaugt. Das reicht erstmal, um nicht zu sagen sogar für das ganze restliche Jahr. Jetzt darf dann auch mal wieder eine Frau in mein Leben treten, die positiver ist. Mehr vom Leben haben und sehen möchte. Die mich nicht voll-labert mit all ihren Problemen (wo gar keine sind!), sondern die auch wenigstens mal ein kleines bisschen mit sich selbst klar kommt. Tragisch so was. Tragischer noch, dass meine investierte Energie nicht bei ihm ankam. Es reichte, um mich immer mal wieder sehen zu wollen. Aber mehr auch nicht. Nicht schlimm. Sehr gut sogar. Sie ist es eben auch nicht, meine zukünftige Traumfrau.
Und man macht das stattdessen wie so immer in den letzten Monaten… gedanklich seine Sachen packen und weiter ziehen…

Wieder eine Erfahrung mehr für mich. Und das macht mich glücklich. Klingt paradox. Ist aber so. So lernt man die eigene Ruhe und Stille viel mehr zu schätzen. Und das eigene Leben zu genießen. Puh. Da fällt mir echt eine Last ab.

Nachdem sie meine Wohnungstüre verlassen hat, beschlich mich ein Gefühl des inneren Friedens und der Ruhe. Seit dem hatten wir keinen Kontakt mehr. Und ich hab nicht den leisesten Hauch eines Gefühls für sie. Wäre ja noch schlimmer. Aber sie hatte ihre Chance. Und die hat sie an die Wand gefahren. Aber das kann sie gut. Immerhin.