Warum geht das im Job so einfach

Vor ein paar Tagen schrieb ich darüber, dass es meiner Abteilung in der Arbeit an den Kragen geht. Was hauptsächlich daran liegt, dass der bisherige Leiter seinen Job nicht gemacht hat. Nämlich schlicht den Bereich zu leiten.
Mir war das klar, dass dann früher oder später so etwas folgen würde. Dass man bei uns den Rotstift ansetzt. Ich hatte meine Kollegen und meine beiden Vorgesetzten gewarnt. Nur hören will man ja nicht immer. Macht nichts, ich kann das aussitzen… Inzwischen schon. 😉

Daher erging der Auftrag an mich eine Präsentation über unseren Bereich zu erstellen und Donnerstag vorzutragen. Innerhalb von zwei Tagen sollte das ganze Ding über die Bühne gehen. Dienstag der Auftrag. Donnerstag die Präsentation. So ist das oft im Job. Man soll dann in kürzester Zeit alles gut darstellen, was ein Anderer verbrochen und unterlassen hat. Monatelang kann jeder seinen Eiertanz aufführen. Aber man selbst soll dann in zwei Tagen liefern.

Ja gut, dann mach ich das eben. Kurz mal einen Gang runter schalten. Gaspedal durch drücken. Wie im Pickup. 40 Folien, schön untermalt mit allerlei Fakten und haste nicht gesehn.
Dann vorher noch mit den Leitern der anderen Abteilungen alles schön eingefädelt und hier und dort ein bisschen für gutes Wetter gesorgt. So funktioniert Hollywood.

Und dann der große Auftritt. Ich wusste, dass wir eigentlich keine Chance haben würden. Zu sehr stand die Meinung des Gesamtleiters schon fest, zwitscherten die Vögel schon von den Dächern. Nun gut. Durchsetzen gegen den Willen meines direkten Vorgesetzten, eine ach so lange Präsentation vorzubereiten. Bei mir gibts aber nur ganz oder gar nicht. Nix kurzes dahin Gerotztes. Wenn ich den Laden schön reden soll, dann mach ich das ganz oder gar nicht. Bei mir gibts nur das volle Programm, aber ohne Weichspüler.

Wie auch immer. Die Präsentation lief wie am Schnürchen. Gute 1,5 Stunden schön durch die Präsentation geleitet. Alle zu Wort kommen lassen. Aus einer sonst üblichen faden Vorstellung stattdessen eine offene Gesprächsrunde gemacht. Präsentation 2.0 nenne ich das. Bälle zugespielt bekommen und zurück gespielt. Fast wie Basketball. Nur hab ich keine Körbe bekommen. Wie sonst vom Pickuppen gewohnt. Sondern ich hab sie einfach versenkt. Und zwar einen nach dem anderen Korb. Das ist mein Element. Ein bisschen Hollywood eingestreut. Reden kann ich ja. Immerhin das. 😉

Resultat: Unser Leiter wechselt ab sofort die Abteilung. Neuer Leiter bin ich. Gut, war so jetzt auch nicht direkt beabsichtigt, aber es war klar, dass er wechseln würde. Nur stand nicht wirklich fest wann. Jetzt steht es fest. Ab sofort.

2016-11-12

Na also, geht doch. Glückwunsch für die Leistung, Chef. Hätte man auch mal früher drauf kommen können, den richtigen Mann an die Position zu setzen.

Es war keinesfalls absehbar, dass das am Ende so gut ausgehen würde. Aber die Situation zwischen den handelnden Personen im Raum, die Vorbereitung und die Präsenz auf den Punkt waren wohl an diesem Tag entscheidend dafür, dass eine eigentlich bereits feststehende Entscheidung nochmal revidiert wurde. So etwas kommt sehr selten vor. Aber das gibt es.

Was will ich damit sagen und was hat das mit Pickup zu tun, bzw. eben genau nicht zu tun?

Es ist so: Im Job sind solche Situationen immer mal wieder da. Nicht oft, aber sie kommen vor. Ich habe mir das diesmal seit Monaten aus dem Hintergrund angesehen und die beteiligten Akteure mit regelmäßiger Hartnäckigkeit vor dem drohenden Exodus gewarnt. Man wollte oder konnte nicht auf mich hören (mangelnder Intellekt?). Man hat das Spiel im Hintergrund nicht verstanden und auch nicht überblickt. Dafür kann ich nichts. Manche bauen sich eben rechtzeitig ihre Arche. Andere bauen sich keine und spielen nur den Noah, ohne Arche. Dann werden sie eben weg gespült. Wichtig ist für mich dabei nur, dass ich noch vor dem ersten Tag in der Abteilung verstanden hatte, wie das läuft. Zu viele Bereiche hatte ich schon gesehen. Und in Lehre für firmenpolitische Machenschaften könnte ich wohl selbst längst schon einen Kurs geben, und zwar einen für Hochbegabte. Immer hilfreich. Man muss nichts böses tun und niemandem etwas böses wollen. Aber dämliche Leute sägen sich früher oder später stets selbst ab.

Beim Pickuppen ist es manchmal ähnlich: Nicht verbissen auf die Frau schielen und unbedingt zum Erfolg kommen wollen. Sondern einfach mal in die Runde rein kommen. Hallo sagen. Ein bisschen plaudern, spüren wer denn Interesse haben könnte. Und dann einfach nur mit ein bisschen Strategie das Ding durch laufen lassen. Bis irgendwann… irgendwann… die passende Gelegenheit da ist. Und dann! Voll zuschnappen! Voll drauf. Auf den Punkt präsent.

Soweit lief das ähnlich wie beim Pickuppen.

Einen Unterschied gibt es dennoch: Im Job funktioniert so etwas sehr gut. Relativ gut wiederholbar. Weil es auf die eigenen Stärken ankommt. Äußere Faktoren sind da, aber spielen allesamt nur eine untergeordnete Rolle. In erster Linie geht es darum was ich leiste und abliefere. Und das wird bewertet.

Im Pickup ist das anders. Da werde ich auch bewertet. Aber da spielen viele hinzu kommende Faktoren eine große Rolle. Das Spiel läuft größtenteils ohne mich ab. Möchte man nicht wahr haben. Man denkt ja: „Da ist nur sie und ich!“ Aber so ist das nicht. In Wahrheit ist das so: „Da ist sieeeeeeeeeeeeeeeeeeee… und ganz da hinten am Horizont bin ein bisschen ich.“ Warum? Weil jeder noch so kleine äußere Einfluss in einer Gesprächseröffnung oder im Verlaufe des Gesprächs dafür sorgen kann, dass sie den Dieter Bohlen macht. Und auf den Buzzer drückt. MÄÄÄÄÄP. Und raus bist Du. Dann kannst Du aber schon froh sein, denn dann durftest Du wenigstens kurz auf der Bühne vor ihr tanzen. Oft ist es noch so, dass sie vorher auf den Buzzer drückt und Du gar nicht erst ins Gespräch kommst. Wie auch immer. Du wirst einfach weg-gebuzzert, noch bevor sie sich überhaupt ein Bild über Dich macht. Und eigentlich würde sie sich nichts sehnlicher wünschen als einen Menschen an der Seite, der sie erfüllt. Sie buzzert Dich weg, obwohl Du genau dieser Mensch wärst. Paradox. Und ja, ein großes Stück weit einfach dämlich.

Jedenfalls: Ich habe weniger Einfluss auf eine Frau, als mir lieb wäre. In der Masse sowieso nicht. Es sind einzelne Damen dabei, bei denen man merkt, dass man Einfluss entwickeln kann. Aber sie sind selten, und zwar so selten, dass es egal war wie gut man sein Spiel gespielt hat. Es hängt quantitativ gesehen deutlich weniger vom eigenen Können ab, was als Ergebnis raus kommt. Die Resultate sind also beim Pickuppen weniger vorhersehbar. Besonders nicht im konkreten Einzelfall.

Im Job ist das anders. Da setzt sich Qualität deutlich besser durch. In der Früh frisch rasieren. Wie immer ein schickes Hemd anziehen. Schicke Hose und saubere Schuhe. Innerliche Ruhe. Zwei Tage voll durch ackern für eine Präsentation. Vom anderen Stern. Und dann einfach das tun was man kann, plappern. Und dann am Ende steht ein Ergebnis, das die eigene Erwartung weit übertrifft.

Es war nicht das erste Mal im Leben, dass etwas im Job so rund lief.

Ich wünschte es wäre auch so einfach beim Pickuppen. Aber ich arbeite ja dran…

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