Auf der Jagd nach Anerkennung

Gestern war übrigens mal zur Ausnahme kein Philosophischer Sonntag hier. Zum ersten Mal seit Bestehen des Blogs, dass es einen Artikel an einem Sonntag gab, der nicht in die allsonntagliche Kategorie der Philosophie fiel. Premiere! Ich liebe Premieren. Es ist etwas Neues und lässt etwas Altes ab. Oder bringt etwas Neues, ohne das Alte abzulösen. Ein neuer Reiz. Einfach etwas anderes. Das mag ich.

Na dann, auf in die neue Woche. Zumindest laut unserem Kalendersystem. Denn eigentlich ist der Montag kein Anfang, weder von der Woche noch von sonst etwas. Es ist ein Tag wie jeder andere. An sich gesehen erstmal schon. Oder machen die Rehe, Füchse, Hasen und Enten da draußen in der Natur auch Wochenanfang? Oh, das wäre jetzt fast ein Artikel für gestern gewesen, jetzt wird es doch noch philosophisch. Aber heute ist gar kein philosophischer Montag. Verflixt nochmal. Passt nicht. 🙂

Gestern lese ich auf meinem Handy eine kurze WhatsApp-Antwort von so einem Huhn, das offenbar unter Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidet. Können Hühner eigentlich whatsappen? Echte wohl nicht. Aber sie schon. Ich habe sie vor ca. zwei Monaten in einem Schickimicki-Club kennen gelernt. Eine kurze Bekanntschaft. Ein Gespräch über vielleicht 20 Minuten. Wir hatten damals Nummern getauscht. Aber ich hatte nie wirklich ein Interesse sie zu treffen. Sie war und ist mir eigentlich zu jung. In ihrer Art hat sie sich dem Narzissmus verschrieben. Typ Kühlschrank-Frau. Jung, arrogant. Für mich schlicht naiv. Aber lassen wir ihr die tollen Auftritte in den Möchtegern-Clubs der großen Welt. Für Mailand, Madrid, Paris und London reicht es bei ihr sicher nicht. Obwohl man sich optisch mit ihr durchaus sehen lassen kann. Wenn da der Charakter nicht wäre. So, genug bashing betrieben. Kommen wir zum Geschäftlichen. Was war passiert? Ich hab mich damals am nächsten Tag nur kurz bei ihr gemeldet. Das Ding hier ist ja Experiment, mit ungewissem Ausgang aber mit der vollen Bereitschaft für allerlei Überraschungen.

Es kam eine kurze Antwort, nicht viel Interesse. Keine großen Fragen. Keine großen Gespräche. Ich hab auch nichts investiert, weil sie mich einfach nicht gereizt hat. Sie sei jedes Wochenende nur beim Feiern, Natur und Ruhe seien nicht so ihres. Wunderbar. Damit triffst Du meinen Geschmack komplett… gar nicht!
Sei es drum, jedenfalls hab ich dann Wochen später, also zuletzt, ihr mal geschrieben und direkt ohne große Umschweife nach einem Date gefragt. Es war eine Phase, in der ich kaum mehr Dates hatte – und die Phase dauert gerade übrigens immer noch an – und bevor ich komplett einroste… dachte ich mir, dass ich mal meine Karteileichen etwas re-akquiriere.
Man muss dazu sagen, dass Antworten über WhatsApp bei ihr in aller Regel zwischen 24 und 72 Stunden dauern. Obwohl sie zwischendurch oft online ist. Was mich zur Frage verleitet, ob sie

a) sich trotz ihres jungen Alters schon doof gesoffen hat und so lange Zeit braucht, um den Eingang meiner Nachrichten zu realisieren?
b) so an dem weit verbreiteten Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom-Spiel teilnimmt, das da heißt: „Schreibe einem Mann immer erst nach drei Tagen“?
c) so viele Nachrichten täglich bekommt, dass sie vor lauter bimmel-bimmel einfach überfordert ist?

Ich tippe auf eine Kombination aus a, b und c. Wahrscheinlich hab ich aber unrecht. Und es existieren wesentlich mehr solcher Gründe. Früher hieß es immer: „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht an geht…“

2016-11-07

Also schauen wir mal weiter. Jedenfalls hatten wir einen Tag vereinbart. Es wäre letzten Dienstag gewesen. Dann kam am Dienstag Abend – 2,5 Stunden vor dem Date – eine kurze Nachricht, dass sie seit gestern (! seit gestern !) im Bett liege und erkältet sei und unser Date leider absagen müsse.
Ja klar. Mir fällt so was auch immer erst 2,5 Stunden vor dem Date ein. Halt, stimmt gar nicht. Meistens tatsächlich erst auf dem Weg dorthin. Ich steig ins Auto, fahr hin und als ich meinen linken Fuß aus meinem Wagen nehme, knall ich mit dem Kopf gegen den Türrahmen. Das ist dann immer der Moment in dem mir einfällt: „Ach was, ich bin doch erkältet. Stimmt. Ich kann heut nicht!“

Ja, ne. Is klar. Für mich übrigens keine Überraschung. Woher auch. Das ist so oft so, so unglaublich oft. Frauen sind so oft so unglaublich erkältet, haben aus dem Nichts oft plötzlich einen Freund oder fühlen sich generell total schlapp und unwohl. So oft. So oft. So oft, dass selbst die kurze Phase der Periode irgendwie als Erklärung nicht herhalten kann. Sie war mein fünftes Date, das mir eine Frau zuletzt in Folge (! in Folge !) abgesagt hat. Das würde ja bedeuten, dass alle fünf Frauen genau dann plötzlich ihre Tage bekommen haben müssten. Alle von heute auf morgen. Einfach so. Über Nacht, ohne Vorankündigung. Schwupp. Voll erwischt. Wie ein Tsunami. Gut, für die gibt es Früherkennungssysteme. Ach, egal. Lassen wir das. Ihr wisst was ich meine.

Ich schickte ihr ein lächelndes Smiley mit Daumen hoch zurück, dazu eine gute Besserung (Gelogen! Was soll sich denn bessern?!) und die Frage auf einen Gegenvorschlag. Die Antwort dauert dann von Dienstag bis Sonntag. Moment mal, das sind ja mehr als 72 Stunden! Hm. Die Frau kann also auch anders. Respekt. Sie schert aus. Aus ihrem Muster der 24 bis 72 Stunden Rückantwort-Dauer. Du bist gut. Diesmal hast Du mich echt überrascht. Denn ich hatte bereits die Stunden gezählt. Nachdem ich Dir Dienstag Abend schrieb, hab ich fest mit Freitag Abend als Zeitpunkt der Rückantwort gerechnet. Ich saß da, einsam und traurig auf einer Sitzbank am Bahnhof. Zwischen all den Obdachlosen. Ich kaufte mir schon eine Flasche von dem günstigsten Penner-Glück, Bier in der PET-Flasche. Und ich wusste auch nicht mehr wohin mit mir. Was sollte ich nur tun ohne Dich? Ich hatte wegen Dir doch schon alles vorbereitet. Die Hochzeitsreise, den schönen Wagen. Die Flitterwochen sind schon gebucht gewesen. Ich stand Abmarschbereit mit Sack und Pack am Bahnhof. Und wartete. Und wartete. Und am Freitag Abend kam sie eben nicht, die Antwort. Und dann kam Sonntag endlich die Erlösung für mich: „Danke. Passt es bei Dir Dienstag oder Donnerstag?“

Haha Schätzchen. Am Sonntag magst Du wissen ob es bei mir Dienstag oder Donnerstag geht. Nö. Sicher nicht. Dienstag gar nicht. Das ist mir zu kurzfristig und mir zu sehr am Wochenanfang. Und außerdem ist Dienstag gleich nach Montag. Und Montag ist Wochenbeginn. Da ist immer schlecht. Sagen auch die Rehe, Füchse, Hasen und die Enten. Und Donnerstag ist… hm… auch nicht so gut. Ich glaube da treffe ich mich schon mit jemand anderem. Und überhaupt. Mag ich mich eigentlich mit so einer Aufmerksamkeitsdefizit-Tante treffen? Wirklich?

Um es romantisch zu machen: „JA, ICH WILL!“
Hehe!

Warum? Ganz einfach, das Ding hier ist immer noch am Anfang. Ich sehe vier Monate als einen Anfang. Es ist immer ein Anfang, in Wahrheit. Aber für mich ist es mit dem Pickuppen und meinem neuen Lebensweg noch ganz besonders ein Anfang. Und deshalb gilt hier an der Stelle definitiv noch: „Mach Dein Ego kaputt, Junge!“

Also mach ich das. Bis es nicht mehr da ist. Und so ein Huhn wie sie kommt da gerade ideal und recht.
Hab ich überhaupt noch Lust sie zu sehen oder zu treffen? Super nicht! Aber das ist Teil des Spiels. Ich sehe diese ganzen Dinge mittlerweile als immanent. Gerne würde ich diesen ganzen Mist weg lassen, auf dem Weg zu meiner Traumfrau. Ganz offensichtlich will das aber meine Lebensgeschichte so, dass man erstmal links und rechts im zick-zack rennt. Also mach ich das einfach. Und bisher hat noch fast jede Konversation und fast jedes Date etwas Positives für mich mit sich gebracht. Meist nur Erkenntnisse, freilich. Aber immerhin. Immerhin!
Was kann Dir im Leben schon Schlimmeres passieren als ständig Dinge zu tun, die Du nicht tun willst. Und so ein Date mit so einem Huhn gehört dazu. Und in dem man mit einer gewissen Systematik da ran geht, verschwindet diese Art zu Denken allmählich. Man wird freier und duldsamer. Demütiger. Und ich mache das sicher nicht für so eine Göre. Sondern für die Frau, die ich suche. Die ich wirklich finden will. Ich will näher an die Wahrheit heran kommen. Auch wenn es nur meine sein sollte. Und die meiner Frau. Ich will versuchen das Denken auszuschalten. Ich will fühlen und spüren. Statt Denken. Deswegen ist es so wichtig jetzt erstmal das Denken abzuschalten. Und dafür hilft mir so eine Göre sehr. Danke schon mal an Dich.

Also schrieb ich ihr heute zurück, dass ich diese Woche nicht kann. Weil ihre Antwort erst nun gekommen sei (! Der geneigte Denker wird hier eine leiste Kritik meinerseits an ihrer langen Antwort-Dauer rauslesen. Ob auch ihr Intellekt dazu reicht, weiß ich allerdings nicht), wäre meine Woche schon komplett verplant. Wir könnten gerne für nächste Woche schauen. Ihr stellte ihr drei Tage zur freien Auswahl. Dazu noch die kurze Frage, ob sie denn wieder „gesund“ sei. Alibi-Frage natürlich.
Wie soll ein Mensch denn bei Dämlichkeit gesunden? Wer die Formel erfunden hat, der möge mir Bescheid geben bitte.

Nun, die Antwort habe ich heute um ca. 11 Uhr abgeschickt. Warten wir mal. Wenn ich den alten Mathematiker Carl Friedrich Gauß (* 30. April 1777 in Braunschweig, † 23. Februar 1855 in Göttingen – Gauß’sches Eliminationsverfahren und die Gauß’sche Zahlenebene) fragen würde, ob er mir bei der Berechnung der Antwort-Zeit hilft, würde er als frühestes Ergebnis Dienstag 11 Uhr nennen (also morgen) und als maximale Reaktionszeit Donnerstag 11 Uhr.
Nur um das mal objektiv zu halten. Soll ja nicht nur ständig subjektiv hier sein. Wenigstens beim Rechnen wollen wir sicherstellen, dass alles passt. Hehe.

Mal schauen wie es weiter geht. Oder auch nicht. Gelesen hat sie die Nachricht schon bald nach dem Absenden.
Neugierig sind sie ja, die Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom-Tanten. Neugierig ja. Man könnte ja was verpassen in der Generation Tinder und Facebook. Lesen ja. Antworten nein. So ist das halt, bzw. so ist sie halt.
Sie. Ja. Nicht nur sie. Leider nicht nur sie. Viele andere auch.

Ich aber nicht!

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