Selbstreflexion – Schonungsloser geht es nicht – Teil 2 von 2

Gestern gab es Teil 1. Heute Teil 2.
Ohne viele einleitende Worte. Los gehts!

Also nach 10 bis 15 Minuten draußen unter dem Heizstrahler folgten nach etwas Pause nochmal 30 bis 40 Minuten drinnen im Club im Lounge Bereich.

Da saß sie also. Die 7,5. Rechts neben mir. Und in Greifweite noch ein paar andere Frauen um „unseren“ (gar nicht wahr! ich bin nur dazu gekommen!) Tisch.
Die Musik läuft. House und Dance. Ich mag das nicht. Zum Anhören und unterhalten ja, aber nicht zum Tanzen. Insofern gut, dass wir nicht getanzt haben.

Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Sie arbeite in einem Hotel, zusammen mit all ihren Kolleginnen, mit denen sie da sei. Wichtige Info übrigens, dann weißt Du in welchem Verhältnis sie zu den anderen steht. Weiter über das Leben, Ihre Jugend und Kindheit. Ihre letzten Urlaube. Wünsche und Ziele im Leben. Das Standard-Programm für intensivere Gespräche.
Und ich war mir so unglaublich sicher, dass das ein Selbstläufer werden würde. Für einige Minuten habe ich ein totales Verständnis zwischen uns gespürt. Daher auch diese Sicherheit.

Zu sicher?! Ja, letztlich zu sicher!

Faktisch sah es so aus:
Draußen eröffnet und im ruhigen Bereich unterhalten, das ist gut. Das kommt dem Daygame nahe, das kann ich gut. Dann etwas Pause, einige Minuten. Rein in den Club. Zu ihr an den Tisch mit dazu und nochmal 30 bis 40 Minuten unterhalten. Soweit nach außen hin alles in Butter.

Dann kam die Selbstsicherheit dazu, und die hat mir gesagt: „Frag sie jetzt mal nach einem Treffen auf einen Kaffee“, weil ich sie ja so unglaublich sympathisch finde. Und ich echt das Gefühl hätte, dass wir uns prima verstehen und tolle Gemeinsamkeiten haben.

Wusch, bumm.
„Nee, Du weißt ja wo ich arbeite. Du kannst ja mich mal in dem Hotel besuchen kommen.“

Okay, da ist das Ding eigentlich schon ins Wasser gefallen, zu 99%. Lass aber jetzt nicht direkt locker. Probier es mal weiterhin schön selbstsicher. Ich nehme mein Handy raus, tippe ihren Namen rein und drehe es ihr hin, um die Nummer eintippen zu lassen. Und sage dazu:
„Schau mal, ich hab immer viel zu tun und nicht jeden Tag Zeit für ein Treffen. Und das würde dann bei mir untergehen. Und Du würdest es dann im ganzen Alltagsstress und Arbeit auch vergessen. Außerdem fahre ich nicht einfach so durch die Gegend, ohne das vorher zu vereinbaren. Also lass uns einfach schreiben und was ausmachen.“

„Mimimi… ja nee… bla… trallala… blubb… haha… ui ui… la la la“.
Okay gut. Dann eben nicht.
Relativ galant und trotzdem möglichst schnell raus aus dem Gespräch, eine heiße Kartoffel soll man eben fallen lassen.

2016-10-27

Muss man sich also einiges im Nachhinein eingestehen. Was hatte ich „falsch“ gemacht?
Nun zur Analyse:

  1. Zu große Selbstsicherheit, denn die macht blind. Nimm die 7,5 nicht so wichtig. Bleib locker. Denn sonst übersiehst Du wichtige Anzeichen. Sei nicht aufgeregt, schau und achte auf eine kontrollierte und ruhige Atmung.
  2. Ich hab mir den Korb zu früh abgeholt. Zu früh??? Nach ca. 45 Minuten bis eine Stunde Palaver? Ja! Zu früh, definitiv. Ich hätte erstmal weiter eskalieren müssen. Siehe die nächsten Punkte…
  3. Zu wenig Beachtung ihrer Körpersprache. Das ist das Problem, wenn es eben eine echt hübsche Frau wird. Dann pumpert das eigene Herz ein paar Schläge schneller, und das macht fehleranfällig. Daran muss ich arbeiten. Mentaltraining: „Nimm die 7,5 nicht so wichtig“. Du bist selbst eine 11. Also bleib cool. Sie kann sich glücklich schätzen, dass sie Dich gerade am Tisch dabei hat und neben Dir sitzen darf.
  4. Zu wenig emotionale Themen. Wir haben bereits über Urlaub, Kindheit, Jugend, Eltern, Familie und weiß sonst nur Aladin und sein Flaschengeist worüber noch, geredet. Und gelacht. Und gealbert. Ja. Aber es war wohl noch zu wenig. Sie war eine 7,5. Also hätte ich auch für eine 7,5 investieren müssen. Und 7,5er Frauen sind selten im eigenen Leben. Jedenfalls bei einem Pickup-Anfänger wie mir.
  5. Zu wenig körperliche Eskalation. Ich hätte mehr berühren müssen. Das Spiel wie immer: Kette anfassen, Armbändchen anfassen, Ohrring anfassen. Sich zeigen lassen. Hier berühren und da berühren. Und irgendwann den Nacken und den Rücken streicheln usw.
  6. Und der vermutlich wichtigste Aspekt: Ich hätte sie nochmal isolieren müssen. D.h. erneut raus vor den Club. Alleine sein, alleine unterhalten. Weg von den Kolleginnen. Und erst dort nach dem Date fragen. So nehme ich ihr den sozialen Druck in der Umgebung der Kolleginnen. Das war defintiv ein Fehler von mir. Der Selbstsicherheit sei Dank. Hm.

So, und wenn ich die Punkte alle beachtet hätte, wäre dann ein Date raus gesprungen?
Ein definitives VIELLEICHT.
Nichts Genaues weiß man nicht. Und darum geht es auch gar nicht.

Es geht um etwas Anderes, viel Wichtigeres und Nachhaltigeres.
Um die Fragen:
Habe ich alle Komponenten beachtet, alles gegeben, war ich vollkommen präsent und „professionell“? Und vor allem: War ich kalibriert genug?

Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen „professionell“ sein zu wollen, wie es ein Kumpel von mir immer wieder tut:
„Hör mal auf mit diesem Pickup-Quatsch und mach Dich mal locker.“
Ja, und was wäre das Resultat? Zu Hause alleine auf der Couch zu sitzen und meine schöne rote Wand gegenüber anzuschauen…? Und was…? Nix.
Genau. Eben.
Ich sag ihm aber auch nicht: „Hör mal auf mit Deinem ganzen Tinder-Quatsch. Mach Dich mal locker. Irgendwann spricht Dich schon mal Eine an. Irgendwo. Vielleicht.“
Genau. Und wenn nicht, dann gehst Du eben als ewiger Single ins Grab.
So einen Stuss kann ich kaum mehr hören. Wenn Du was im Leben erreichen willst, dann musst Du kämpfen. Und die Resultate sehe ich bei aller „Anfänger-Professionalität“ auch bei mir sehr stark inzwischen.

Es gilt wie immer im Leben: Lass Dich nicht abbringen von Deinem Weg. Höre nicht auf Menschen mit Meinungen, die Dich nur nach links oder rechts runter von der Fahrbahn ziehen (vgl. meinen Artikel: Zitat – Dr. Seuss).

Wenn Du vor der Situation stehst einen Job anzunehmen, dann musst Du was tun? Ja, richtig! „Mach Dich mal locker, irgendwann kommt schon ein Job für Dich!“
Echt? Bei mir war das noch nie so. Ich musste immer zumindest ein paar Bewerbungen verschicken. Aktiv werden. Mich aktiv bemühen. Hinfahren. Bewerbungsgespräch. Auch mal eine Niederlage einstecken. Und ohne Jobangebot heim kommen. Ja gut, das ist mir selten passiert. Bisher hab ich noch fast jedes Jobangebot bekommen. Das ist im Pickup natürlich anders. 🙂

Ihr versteht was ich meine. Deshalb ist es wichtig „professioneller“ zu werden. Nicht rumstochern mit dem Zahnstocher, bis man mal was trifft. Das machen alle (Männer) so. Das sind keine Tappas, wo man die Oliven mit dem Zahnstocher nach viel gestocher irgendwann schon mal aufgespießt bekommt. Da kommt es tatsächlich nicht drauf an mit einer Spießbewegung zu treffen. Stocher also nicht wild rum wie Chucky die Mörderpuppe. Sondern gehe kalibiert vor. Und weil das kaum ein Mann kann, trifft kaum einer gezielt und regelmäßig.

Man fährt auch nicht mit einem 40 Tonner über eine kleine Holzbrücke. Hier ist dann ein Fahrrad oder ein kleines Auto das Maximum. Man kalibiert. Und wenn man spürt, dass die Brücke trägt, dann nimmt man vielleicht einen Kleintransporter usw… man geht gestuft und gestaffelt vor. Wenn man mal zurück rudern muss, dann macht man das. Um dann wieder neu anzugreifen.

Aaaaber: Ich hätte den Korb verhindern können. Und das alleine wäre schon nicht so schlecht gewesen.
Beispiele?
Wenn ich mehr auf die Körpersprache geachtet hätte, dann hätte ich besser merken können, wie groß das Interesse wirklich war. Spiegelt sie meine Bewegungen, mal als Beispiel. Wenn ich meine Arme hoch nehme, nimmt sie sie dann auch hoch? Wenn ich mich im Gesicht berühre, fasst sie sich dann durchs Haar und solche Dinge.
Außerdem:
Wenn ich eskaliert hätte, durch körperliche Berührungen, dann hätte ich an dem Punkt schon festgestellt, ob Interesse da ist. Wäre sie zurück gewichen, dann hätte ich gewusst, dass eine Frage nach einem Date noch zu früh kommen würde.
Aber vor allem hätte ich sie aus dem sozialen Umfeld herausbringen müssen, isolieren nennt man das. Dann hätten wir draußen unter dem coolsten Heizstrahler der Welt (was nicht stimmt, aber wenn es mit der 7,5 zu einem Date geführt hätte, dann wäre es defintiv der coolste Heiztrahler der Welt für mich geworden!) weiter Nähe aufbauen können. Ich hätte da draußen noch ein bisschen Hollywood gemacht. Und dann ganz kalibriert mehr sog. Comfort aufgebaut.

Und dabei hätte ich dann merken können, ob es etwas geworden wäre. Hätte.
Sicher wissen kann man es nie.Aber was ich sicher weiß: Ich habe Fehler gemacht. Und davon nicht zu wenige an diesem Abend, bei dieser Frau.

Kurzum die Fehler auf den Punkt gebracht, in zwei Kategorien:
Nach außen: Zu wenige emotionale Themen, zu wenige Berührungen, keine Isolation.
Nach innen: ZU SELBSTVERLIEBT! ZU SELBSTSICHER!

Dass es einen Korb gab, juckt mich inzwischen nicht mehr. Es ist Teil des Spiels. Körbe sind da um sie mitzunehmen. Ohne Korb gibt es keinen Treffer. Deshalb freue ich mich auf jeden Korb. So wie es ohne die Stille keine Musik geben kann (Eckhart Tolle… 😉 ).

Sondern was dann am Ende am Schlimmsten ist:
Die verlorene Zeit. Es war zwar eine Erfahrung. Aber es war auch eine verlorene Zeit. In der Zeit des Schnatterns mit der Frau liefen einige richtig tolle Lieder im Club. Und ich hätte gerne getanzt, mit meinem Wingman an dem Abend. Das haben wir danach auch noch. Aber eben nicht mehr lange. Und es war ein geiles Gefühl, dass in so einem Nobel-Schuppen die ganzen Typen zwar dicke Kohle haben mögen (was definitiv natürlich nicht stimmt), aber alle nur um die Bar herum stehen, mit ihrem Getränk in der Hand. Und auf der Tanzfläche sind dann nur Frauen und mein Wingman und ich. Da weißt Du wer Du bist, wenn Du da ausgelassen feiern und tanzen kannst. Weil kein Ego mehr existiert. Kein: „Mimimi, ich trau mich nicht.“
Und es gibt noch einen Grund, warum es eine verlorene Zeit war: Ich hätte sinnvollerweise in der Zeit ein bis zwei andere Frauen ansprechen können. Und diese Chance hat mir die 7,5 genommen. Ich war ihr gut genug, um eine Stunde mit mir quatschend zu verbringen. Aber eben nicht potenziell ein ganzes Leben. Und das muss ich lernen schneller, zielgerichteter und exakter herauszufinden. Selektion.

Aber ihr könnt mir glauben: Ich hab mir echt ans Schienbein getreten danach. Es tat weh. So lernt man.
Und ich hab es gleich während der Woche besser gemacht…