Philosophischer Sonntag – Andere Länder, andere Sitten

Was für ein abgedroschener Spruch. 🙂

Philosophischer_Sonntag

Und einer, den ich die letzten Tage ständig gehört habe. Weil dies anders ist als Zuhause und das. Und ich solle dies akzeptieren und das. Nicht so viel „meckern“. Dass dies eben hier nicht so sei wie Zuhause oder sonstwo. Meckern ist eine Wertung. Ich stelle erstmal nur Unterschiede fest. Andersartigkeiten. Das wars.

Ich sage dazu nur: Wohin auch immer auf der Welt ich gehe, ich nehme mich selbst stets mit.

Und damit ist alles gesagt. Ich muss keine Länder oder Sitten akzeptieren, sondern in erster Linie mich. Es geht immer um mich. Hier. Dort. Oder sonstwo. Schläfst Du abends ein, dann bist das immer noch Du. Ob hier oder 500 km entfernt oder einmal um den Globus und zurück. Es spielt keine Rolle. Andere Länder, andere Sitten. Ja, für Menschen die in Konzepten leben.

Für mich gilt – zumindest im Rahmen des Machbaren: Andere Länder, immer noch meine Sitten.

Lass Dich nicht verbiegen, nimm das Gute in neuer Umgebung an, aber bring vor allem auch Deine Vorstellungen ein. Nur das bereichert. Dich und Deine Umgebung. Das Land „und seine Sitten“ existiert nämlich auch ohne Dich. Die Gedankenkonstrukte wurden längst erschaffen, noch weit bevor Du das Land je gesehen hast. Das interessiert mich nicht, es ist nicht mein Gedankenkonstrukt.

Und so ist es an mir, dass ich auch in anderen Ländern ich bleibe und tue was mir gefällt. Nicht was irgendwer von mir erwartet. Weder meine Gastgeber, noch die Gesellschaft.

Und überhaupt: Länder sind etwas für Menschen, die mit dem Herausbringen von Landkarten Geld verdienen wollen. Mehr nicht.

Es gibt Länder, dessen Grenzen bis heute umstritten und nicht klar geregelt sind. Leben die Menschen trotzdem? Ich glaube schon. Es geht also viel weniger um Länder, sondern viel mehr um Zusammengehörigkeitsgefühl und Kultur. Und die geht durchaus über Ländergrenzen hinweg.
Der Bayer fühlt sich dem Österreicher kulturell wesentlich näher als dem Norddeutschen. Genauso wie sich die Bewohner vieler ehemaliger Sowjetrepubliken Russland näher fühlen als dem Westen. Trotz NATO Mitgliedschaft und westlicher Dauer-Hetzkampagne gegen Putin. Eine plumpe Landesgrenze ändert daran nichts. Und auch ein NATO Beitritt der Ukraine würde daran nichts ändern.

Bei den Sitten sieht das schon anders aus. Das sagt viel mehr über Kultur aus. Ja. Aber es sind zu einem gewissen Stück „Verfahrensweisen“, die eingehalten werden (sollen/müssen). Nenne sie hergebrachte Verfahrensweisen, meinetwegen. Und ich sage sehr wohl, dass das gut ist. Nur eines sage ich eben auch: Von Zeit zu Zeit gehören sie überdacht.

Ein Beispiel: Und wenn es in einem anderen Land nun mal Sitte ist, dass man den ganzen Tag nur Brot und Fleisch isst… und man selbst Vegetarier ist und auch sonst viel von Ernährung hält, dann sollte immernoch gelten was ich oben schon schrieb:

Andere Länder, immer noch meine Sitten.

PS: Das ist immer noch ein Artikel der Reihe „Philosophischer Sonntag“, keine Anklageschrift. Auch wenn es sich auf den ersten Blick so lesen mag! 😉