Eine selten dämliche Frau

Mir geht es gar nicht um die Frau an sich. Sondern um die Situation. Und um den Quatsch, den sie verzapft hat. Also der Reihe nach…

Ich trinke gerade einen Kaffee an einem Stehtisch und unterhalte mich gerade mit einem Kumpel. Dann läuft sie an mir vorbei. Nennen wir sie einfach Blondchen. Geben wir ihr eine 6. Und lassen wir sie relativ konzentriert ca. 5 Meter an mir vorbei laufen.

Ich sah sie nur sehr kurz und nur von der Seite. Gedanklich war ich bei meinem Kaffee und beim Gespräch mit meinem Kumpel.

Da ich an dem Tag aber noch nicht approached habe, nahm ich die Situation also wahr und bin ihr einige Meter hinterher gelaufen.

Ein ganz normales Ansprechen. Ganz gewohnt. Kein Hokus Pokus. Kein Fidibus. Einfach nur frei raus. Wobei ich gar keine Zeit mehr hatte zu realisieren, dass sie keine 6 ist. Doof. Und dann donnern die Kanonen auch schon los!

„Du bist auch einer von diesen Pickuppern!“
Ich überlegte kurz was ich dazu sage und fragte nur: „Pickupper?“
„Tu nicht so, Du weißt genau was ich meine. Ihr seid alle gleich und ihr sagt alle die gleichen Sprüche!“
IHR seid alle GLEICH. Ja. Mit Sicherheit. WIR sind alle gleich. WIR wer?
Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich ich bin. Und andere mich nicht interessieren. Für sie zählen diese Argumente nicht. Für sie sind WIR alle GLEICH.
Jeglicher Versuch darüber zu sprechen scheiterte restlos.

„Man wird hier echt so oft angesprochen, ich rede mit meinen Freundinnen auch schon ständig darüber, weil ihr alle hier ständig unterwegs seid.“

Ich versuchte ihr klar zu machen, dass es zwischen Mann und Frau immer notwendig ist, dass irgendwann einmal einer der beiden Personen den ersten Schritt machen muss und den anderen anspricht. Damit Blondchen das kapiert, habe ich ihr das ganz anschaulich am Beispiel ihrer Mama und ihres Papas erklärt. Da wäre es sicher genauso gewesen, dass irgendwann mal einer den anderen ansprach. Einfach so schlittert niemand in eine Beziehung.

Also erklärte ich ihr einfach nur, dass ich das mache, um eine Frau kennen zu lernen. Mehr nicht. Und nicht weniger. Was die anderen für Absichten hätten oder Ziele verfolgen, interessiere mich nicht. Ich bin ich. Das reichte mir.

Und dann kam das große Ding. Der unglaubliche Hammer. Der Gipfel des Berges sozusagen.
Ich fragte wie sie das denn mache, das Ding mit dem Kennenlernen.

Achtung, anschnallen bitte!

„Ich benutze Tinder.“
(Anmerkung: Tinder ist eine Dating-App für Smartphones, mit der Mann und Frau sich kennen lernen können. Das geschieht ausschließlich durch das Ansehen eines Bildes und der gegenseitigen Einstufung in „ja“ oder „nein“. Sobald beide Personen „ja“ gewählt haben, können sie miteinander chatten.)

Hierbei entscheidet ausschließlich die Optik. Ich denke, länger als eine Sekunde sieht man sich so ein Bild meistens nicht an. Es wird sofort entschieden. Das ist ein blanker Hohn! Gegenüber dem was ich hier tue.

Wenn ich Frauen auf der Straße anspreche und es die Möglichkeit gibt sich direkt zu unterhalten und zu sehen, dann ist das aus ihrer Sicht also schlimm, schrecklich und oberflächlich. „Ihr seid alle gleich!“

Wenn sie aber in Tinder in 60 Sekunden 100 Männer nach links oder rechts wischt (ja oder nein), dann ist das also der totale Tiefgang?! Wow. Ja gut, für Blondchen schon. Vielleicht ist sie damit schon genug ausgelastet. Mit dem Finger auf dem Display nach links oder rechts zu wischen. Kann ja sein. Wer weiß.

Mädchen, Du warst aus der Nähe nur noch eine 4. Wirklich. Hübsch warst Du nicht. Aber der Unterschied zwischen Dir und mir ist, dass ich mir den Menschen wenigstens mal anschaue. Mit ihm rede. Aber bleib Du nur so unglaublich tiefgründig wie bisher. Dann werde ich Dich und Deinesgleichen wenigstens nie daten. Bleib wie Du bist. Bitte. So bist Du perfekt. Für Mister Tinder. Viel Spaß Euch! 🙂

Und zu ihrer Aussage von da oben, nämlich dass sie ständig angesprochen werden würde… Das kann sie erzählen wem sie will. Mir nicht. Hätte ich sie zumindest eine halbe Sekunde länger von der Seite gesehen oder gar von vorne, dann… ach ja. Lassen wir sie in ihrer Traumwelt. Wo alle Männer nur sie ansprechen. Aber NUR sie. Und sonst niemanden. 😉

2016-09-19

PS: Zum Glück sind die meisten Frauen keine Blondchen. Sie schon. Sie hat ein Klischee erfüllt. Aber mit Volldampf. Und hat bei mir für Erstaunen und Schmunzeln gesorgt. Und einen Artikel. Ich freue mich auf die nächste echte Frau die ich kennen lerne. Gerne Blond. Denn das wird kein Blondchen sein. Und das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

PPS: Mir ist es natürlich schon öfter passiert, dass eine Frau mich gefragt hat, ob ich das öfter mache. Frauen anzusprechen. Das ist völlig in Ordnung für mich. Klar rede ich dann drüber. Es ist ja nichts Verwerfliches, aus meiner Sicht. Im Gegenteil. Aber so dermaßen in eine Schublade bin ich verbal eben noch nicht gesteckt worden. Und darum ging es mir in diesem Artikel. Viele Frauen, die einfach weiter gehen, denken sich vielleicht das Gleiche. Aber zumindest sparen sie sich ihre Zeit und meine, wenn sie den Quatsch für sich behalten. 🙂