Alleine unterwegs sein

Die meisten Menschen können und wollen sich ausschließlich in Gruppen bewegen. Viele sogar nur im großen Rudel. Je mehr, desto besser. Je größer, desto… was eigentlich? Desto…? Toll! Einfach groß halt. Wofür auch immer.
Was unterscheidet uns dabei von Wölfen? Aus meiner Sicht nicht viel. Eine Gruppe bietet Halt. Eine Gruppe bietet die Möglichkeit der Orientierung. Eine Gruppe denkt für den Einzelnen. Eine Gruppe bietet ein Gefühl der Stärke. Es gibt immer einen Gruppenführer. Er denkt für die anderen. Und was ist der entscheidende Aspekt für den Einzelnen? Der Gruppenführer übernimmt Verantwortung. Wessen Verantwortung? Deine! Die Verantwortung, die Du abgegeben hast. Sei Dir dessen bewusst.

Bist Du die Gruppe oder bist Du Du? Stell Dir diese Frage. Durchdringe die Frage, dann durchdringst Du auch die Antwort. In seiner ganzen Tragweite.

Es geht im Weiteren nicht um die Gruppe, sondern was es heißt alleine unterwegs zu sein.
Darum… weiter im Text!

2016-08-15

Dieses Wochenende hatte ich eine Abwechslung zwischen Alleinsein und gemeinsam sein. Gemeinsam mit Freunden. Aber auch gemeinsam mit einem Date. In dem Fall besser gesagt alleine mit einem Date. Wie poetisch, dabei ist schon alles gesagt. Danke. Klappe zu, Affe tot. Den kleinsten Teil der Zeit hab ich am Wochenende alleine verbracht. Der gestrige Abend hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

Ich habe mich kurzfristig mit einem Kumpel – ich unterscheide übrigens strikt zwischen Kumpels und Freunden, aber das ist mal einen extra Artikel wert – verabredet um in der Stadt wegzugehen. Mit ihm ist das immer ein riesen Ding. Nicht das Weggehen. Sondern etwas auszumachen. Hier passt dies nicht und dort passt wieder das nicht. Hier ist es da erst zu früh, aber dort schon zu spät. Wie ich letztens schon schrieb: Es gibt Menschen denen es im Sommer dafür zu heiß ist wozu es ihnen im Winter zu kalt ist. Woher kommt das? Unzufriedenheit. Es muss immer nochmal ein „Besseres“ her. Rennen von Moment zu Moment. Anstatt einfach anzukommen und da zu sein. Ich spreche nicht von „den Moment genießen“. Das ist etwas für Profis. Für Trainierte. Ich spreche davon überhaupt einmal den Moment wahrzunehmen als das was er ist: Er ist einfach da. Und zwar jetzt!

Ein anderer Ort und eine andere Zeit bringen nichts als einen anderen Ort und eine andere Zeit. Was hat das mit Dir selbst zu tun? Nichts. Äußere Einflüsse ändern nichts an Dir als Mensch. Gut, ändern müssen sie an Dir nicht gezwungermaßen etwas. Gar nicht. Du darfst auch einfach bleiben wie Du bist. Das ist genauso gut. Dann nennen wir es stattdessen „sie wirken nicht auf Dein Ich ein“. Für mich sind der Ort und die Zeit inzwischen relativ bedeutungslos geworden. An sich. Diese beiden Komponenten. Sie sind für mich meilenweit von mir entfernt. Um es symbolisch zu beschreiben: Fällt in China dieser eine berühmte Sack Reis um, dann ist das ein Ort an den Du jetzt und hier sicher nicht denkst. Warum nicht? Ist das nicht toll dort? Dieser wunderschöne Sack Reis? In China! Siehst Du, genauso abwegig ist das für mich auch. Es ist einfach unwichtig! Mich interessiert die Bar nicht. Mich interessiert der Club nicht. Nicht an sich. Eine Bar ist eine Bar. Ein Club ein Club. Ein Park ist ein Park und ein Platz ist ein Platz. Das wars. Wenn ich weggehe dann bin ich kein Dichter. Das kann Goethe machen. Der sah vielleicht hinter jedem Club einen tieferen Sinn und poetisierte dann dies und das dazu. Vielleicht war es ihm aber auch zuviel House in dem Club und umgekehrt zuviel R’n’B in dem Club. Ich weiß es nicht. Es ist mir aber auch egal. Alles was ich mache ist mir bewusst zu sein wo ich bin und was ich gerade tue. Egal wo. Nur eben nicht egal mit wem. Und da liegt der große Unterschied zwischen Menschen. Anderen ist alles wichtig. Nur die einzige Realität nicht, nämlich der Mensch neben ihnen.

Resultat gestern Abend: Außer viele gelaufene Meter und ein paar oberflächliche Gespräche mit meinem Kumpel auf einer Parkbank kam nicht viel rum. Man kann aber auch zu zweit nur schwer mit sich selbst sprechen. Das geht alleine besser.

Er bat mich außerdem etwas: „Sprich bitte keine Frauen an, das finde ich echt nervig. Dann bist Du immer wieder weg.“
Ich übersetze frei: „Sprich bitte keine Frauen an, das ist mir peinlich. DU bist mir peinlich.
Danke Kumpel. Du bist mir nicht peinlich! Du bist Du, so wie Du bist. Und Du darfst in meiner Gegenwart tun und lassen was Du möchtest. Sei Du selbst. Sei alles, aber nicht konform als Selbstzweck. Ich hab dann tatsächlich niemanden angesprochen. Ihm zuliebe. Ich kann es auch mal zwei Stunden ohne aushalten. Manchmal schon. Aber nicht beim nächsten Mal, dann werde ich das tun, was ich im drittletzten Absatz unten beschreibe.

Das werde ich in Zukunft an den Wochenenden, aber nicht nur dann, öfter machen. Alleine mit mir sprechen? Nein, alleine sein. Und alleine weg gehen. Unabhängigkeit. Frei sein. Egal wann und wo. Egal wie lang und wohin. Keine Rechtfertigung für nichts. Allein in Clubs, alleine in Bars. Keine Verantwortung abgeben an die Begleitung. Keine Verantwortung für jemanden tragen. Ich bin dann einfach ich. Wer möchte schließt sich gerne an. Wer nicht möchte… nicht. Kein gut und schlecht. Sondern einfach so wie es dann ist.

In den letzten Wochen habe ich beim Weggehen manchmal die Frage gestellt bekommen, ob ich denn alleine unterwegs sei. Wann immer ich mit „ja“ geantwortet habe, stieß ich zuerst auf Ungläubigkeit. Im ersten Moment. Klar, man ist damit nicht die Norm. Danach dann kam meist Respekt für meine Art auf. Und auch wieder ein Gesprächsthema…
Apropos Norm, was ist das eigentlich? Ach ja, dieses Gesellschaftsmodell. Alle müssen gleich sein. Mach das Schwarze weiß und das Weiße schwarz, bis alles grau ist. Pfui.

Es ist eine reine Gewöhnungssache alleine unterwegs zu sein. Noch fühle ich mich damit nicht wirklich wohl beim Weggehen. Zu selten war ich solo unterwegs. Aber ich habe es mir vorgenommen zur Gewohnheit werden zu lassen. Mich damit sicher und gut zu fühlen. Es zu einer Facette von mir zuerst zu entwickeln und dann aufblühen zu lassen. Noch mehr frei und unabhängig sein zu können. Nicht zu müssen. Darin liegt der Unterschied. Ich kann, aber ich muss nicht. Und ich kann dann, wenn ich es möchte.

Die magischen Momente passieren außerhalb Deiner Komfortzone. Lerne auch in neuen Lebensbereichen als Elefant grazil durch den Porzellanladen zu laufen. Mach den Porzellanladen zu Deinem Zuhause. Und wenn Du möchest, tanze dort Ballett.

Und was ist in Zukunft mit Freunden und anderen Kumpels, wenn sie gemeinsam weg gehen wollen? Werde ich nur noch alleine weg gehen? Sicher nicht. Ich habe tolle Freunde und auch tolle Kumpels. Nicht alle sind gleich. Natürlich nicht. Aber ich werde nicht mehr planlos in der Gegend herum laufen, nur weil meine Begleitung statt Rast die Hast benötigt. Dann werde ich meinen Weg alleine fortsetzen.

Raus aus dem Rudel – sobald ich merke, dass es nicht mein Weg ist, den das Subjekt Rudel läuft. Und erst recht raus aus dem Rudel, wenn es gar kein Weg ist.

Heute beende ich den Artikel mit einer kurzen Liedzeile aus einem Lied von einem meiner Lieblingssänger…. „yes i’m oooooon my waaaaaay“. Danke Lionel Richie für Deine Musik.

2016-08-15_02

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