Philosophischer Sonntag – Gibt es „gut“ und „schlecht“ überhaupt? Außerdem: „Innen“ und „außen“

Immer wieder sonntags…

Philosophischer_SonntagDer zweite Artikel aus der Reihe „Philosophischer Sonntag“ nach Philosophischer Sonntag – Vorfreude statt Freude von letzter Woche!
Heute geht es um das Thema „Gut oder schlecht“. Ein bisschen geht es zusätzlich auch um das Thema Suche innen und Suche außen.

Es gibt viele verschiedene Arten des Abschiednehmens. Alles im Leben hat einen Anfang und ein Ende. Alles ist vergänglich. Am Ende vor allem wir selbst. Es ist in der Natur fest vorgesehen, dass Dinge und Menschen kommen und gehen. Nicht nur der Job, nicht nur das Auto, nicht nur das Haus. Aber auch der Job, auch das Auto und auch das Haus. Und eben auch die Partnerin oder der Partner. Das geschieht im Laufe eines Lebens – leider, aus meiner Sicht – zu oft. Die vielen Partnerwechsel im Laufe eines durchschnittlichen Menschenlebens erscheinen mir völlig unsinnig. Wir wechseln damit Dinge, die außerhalb von uns selbst liegen. Es wäre so, wie in ein anderes Land zu reisen und zu erwarten, dass es uns daraufhin in irgend einer Art besser ginge. Dass man sein inneres Glück finden würde. Es ist die reine Illusion des Glaubens, die uns nährt. Die Illusion des Glaubens, dass es so wäre. Natürlich ist zunächst nicht klar, dass es sich um eine Illusion handelt. Das liegt am mangelnden Bewusstsein des Einzelnen. Die meisten Menschen leben ihren Alltag. Oder besser gesagt fristen ihr Dasein. Kurzfristig halten wir dann erst mal alles für einen Erfolg was neu ist. Neue Partnerin? Prima! Die ist ja so viel „besser“! … Wirklich?


In aller Regel stellt sich doch früher oder später heraus, dass sie auch nicht „besser“ ist. Ich versuche möglichst nicht mehr von gut und schlecht und von schlechter und besser zu sprechen. Auch so nicht mehr zu denken. Es gelingt mir zunehmend, seit vielen Monaten. Wenn man sich mit sich selbst beschäftigt und Verantwortung übernimmt, dann stellt man fest, dass die Einteilung in „gut“ und „schlecht“ nur eine Abgabe der eigenen Verantwortung ist. Wir schreiben anderen Menschen Dinge und Eigenschaften zu, um sie von uns loszuwerden. Um zu trennen und aufzuteilen. Einzuteilen und zu spalten. Es ist eine Illusion. Kein Mensch ist besser als der andere. Das Einzige was real ist, ist die Andersartigkeit zwischen zwei oder mehr Dingen oder Menschen. Einer ist anders als der andere. Mehr nicht. Das wars. Der Rest entsteht in unserer Gedankenwelt. Wir dichten Menschen Eigenschaften zu, wir personifizieren und glorifizieren sie gar. Erst unsere Interpretation macht aus einem Menschen einen „guten“ oder „schlechten“. Das ist letztlich der verzweifelte Versuch die innere Unzufriedenheit durch einen äußeren Einfluss auszugleichen. Bevor ich meine Zelte abbreche und in ein anderes Land auswandere, bevor ich mir einen neuen Partner suche oder bevor ich mir auch ganz plump überlege mir ein anderes Auto zu zulegen, macht es nachhaltig Sinn sich zuallererst mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist die Suche im Inneren. Nicht die Suche im Äußeren. Bevor ich mich nicht selbst gefunden habe, werde ich nicht glücklich werden können. Alles Äußere ist nur ein kleiner Aspekte, der dazu beitragen kann Glück zu empfinden. Im aber nur im Äußeren. Nicht im Inneren. Das einzig nachhaltige Glück entstammt jedoch aus Deinem Selbst. Nenne diese Art der Nachhaltigkeit meinetwegen auch „Verlässlichkeit“ oder „Beständigkeit“. Du selbst bist das Einzige was Dir immer bleibt, zumindest bis der Vorhang fällt. Dein persönlicher Vorhang fällt. Deine Seele, Dein Ich, bleibt. Alles andere kann kommen und gehen, alles andere wird auch kommen und gehen. Das ist die Natur. Wir sollten uns also auf die Suche nach uns selbst machen, bevor wir uns auf die Suche nach äußerlichen Dingen machen. Aufhören einzuteilen in gut und schlecht oder gut und böse. Und wenn wir unbedingt einteilen müssen in gut und böse, dann bitte bewusst. Dann will ich mir klar sein, dass ich gerade einteile. Das haben Andere vor 75 Jahren auch schon gemacht. Eingeteilt. Und das machen wiederum andere auch heute noch. Einteilen. Aufteilen. Spalten. Wir sind alle permament am Werten. Gut und schlecht hier, dick und dünn da. Reich und arm hier. Dumm und klug da. Ich versuche daran nicht teilzunehmen, wann immer ich kann. Und wenn ich einteile, aufteile und spalte, dann will ich es wenigstens bewusst machen. Und mir im Klaren darüber sein, was ich da gerade tue. Bewusstsein legitimiert nicht. Es bewahrt aber vor Unmenschlichkeit. Wir sind empathische Wesen. Einteilungen sollten basierend auf empathischer Absicht geschehen, aber nur in der Welt nach außen. In mir selbst bewirken Einteilungen und Aufspaltungen früher oder später nur Leid. Denn früher oder später wird sich irgendjemand oder auch eine Sache einmal nicht so verhalten, wie ich es zuvor aufgeteilt und eingeteilt habe. Und dann…?

Das könnte man durchaus als Anklage an die gesamte Menschheit verstehen. Ich gegen den Rest der Welt? Sicher nicht. Ich MIT dem Rest der Welt!
Anklagen hilft nicht. Das ist die Spaltung par excellence. Mir geht es darum Bewusstsein zu schaffen. Für die vielen kleinen Dinge im Alltag. Bevor man sich an die großen Dinge heran macht. Viele tauschen die größten Ankerpunkte im Leben aus. Und übersehen die vielen Kleinen bei sich selbst. Mein Weg begann sich vor vielen Monaten zu drehen. Rauf und runter. Zwischendurch im Kreis. Und am Ende gegen eine Wand mit vielen Trümmern und vielen Scherben. Ich habe versucht innere Unzufriedenheit durch äußere Veränderungen im Leben herbeizuführen. Es gelang nicht. Wie auch. Das kann es nie. So wie es die meisten Menschen machen. Das größere Auto. Das größere Haus. Der bessere Job. Der bessere Partner. „Ja, dann werde ich glücklich!“ Ganz bestimmt. „Dieses eine Ding noch, dann hab ich es geschafft!“ Wirklich?
Es ist bis jetzt der tiefgreifendste Entwicklungsschritt meines Lebens, das zu erkennen. Erkannt zu haben. Seit dem bin ich zwar – noch immer – auf der Suche, vielleicht sogar mehr denn je, aber vor allem in mir selbst. Womöglich suchen besonders die Menschen, die sich auf der Suche nach ihrem Selbst befinden, am Meisten und am Längsten. Womöglich finden sie das Ziel nie. Aber sie sind auf dem Weg. Und sie sind sich dessen bewusst. Sie machen es im tiefen Vertrauen und zusätzlich im tiefen Wissen. Den Anderen hingegen ist schließlich gar nicht klar, dass es sie selbst gibt. So kommt es mir vor. Sie leben einfach irgendwie, irgendwo, irgendwann. Ganz frei nach dem Motto: „Immer nochmal etwas schnell gemacht, getan und verändert.“ Immer auf dem Sprung zur nächsten Ablenkung. Es muss krachen und es muss sich was bewegen. Immer muss der Fernseher laufen. Die Musik. Äußere Einflüsse her! Schnell! „Ohje, sonst ist mir langweilig.“ Sie suchen Glück außen. Anstatt es in sich zu finden.

Ich komme mir täglich selbst ein großes Stück näher und entwickle mich seit vielen Monaten ununterbrochen. In so großen Schritten. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

Widerspricht dieses Projekt Beziehung nicht völlig dem bisherigen Kontext?
Man findet nichts Inneres durch das Tun außen. Du kannst umziehen so oft und so viel Du willst. Wohin auch immer Du willst, aber am Ende nimmst Du immer Dich selbst mit. Und das sollte Dir so früh wie möglich klar werden. Damit kannst Du Dir nicht nur so viele Umzüge und verzweifelte Versuche der Suche sparen. Versuchen beinhaltet das Suchen. Auch die Suche nach dem Partner ist eine Suche im Außen. Nicht im Innen. Wer sucht ist demnach auch noch nicht fündig geworden. Noch nicht angekommen. Das bin ich auch nicht. Sicher nicht. Will ich aber auch noch nicht sein. Nicht in mir. Ich will noch entdecken. Außen möchte ich hingegen ankommen, da doch schon. Aber bis dahin möchte ich mich weiter selbst entwickeln. Es ist eine Vermischung aus Beiden. Ich bringe es in Symbiose miteinander. Die Suche außen ist auf die Art – wie ich es angehe – gleichzeitig ein Finden innen. Nicht die Suche nach gut und schlecht oder besser und schlechter. Sondern die Suche nach mir selbst. Und wenn es sein soll, dann finde ich dabei nicht nur mich, sondern auf dieser Reise, meiner Reise, auch die Frau meines Lebens.