Philosophischer Sonntag – Vorfreude statt Freude

Philosophischer_Sonntag
Es ist Sonntag. Zeit für ein bisschen Philosophie…

Inspiriert durch einen Freund, meinen besten Freund, entsteht dieser kurze Beitrag. Wir unterhielten uns während der Woche über das Thema Freude und Vorfreude. Er sagte:
„Die Woche vor dem Urlaub ist sowieso immer schöner als die Urlaubswoche selbst!“
Wir haben beide laut gelacht. Was als Spaß gemeint war, stellte sich als verblüffend treffend heraus.

Es ging ursprünglich um die Vorfreude vor einem Date. Dieses Kribbeln. Die Spannung. Man ist den Tag über mehr oder weniger leicht oder stark angespannt. Je näher man dem Termin heran rückt, desto kribbeliger wird es… ein Ziehen im Magen…

Und dann ist es endlich so weit. Man sieht sie. DIE Frau. Und die nächsten Stunden vergehen im besten Fall wie im Flug. Dann lief alles gut. Und wenn man im Nachgang auf die Situation und das Date blickt, stellt man fest… die Vorfreude war oft größer als die Freude. Sie war nett. Sie hatte vielleicht sogar den gleichen Humor. Sie hat Dich verstanden. Sie hat Dir zugehört. Sie hat Dir erzählt. Und doch… sprang der Funken nicht über.

Denkt mal drüber nach. Wie oft habt ihr Euch über etwas mehr vor-gefreut als gefreut?
Ist es nicht sogar sehr oft so? Auch in anderen Lebensbereichen? An Kindern im materiellen Überfluss ist das am deutlichsten sichtbar. Man drückt ihnen etwas in die Hand, ein Geschenk. Das Kind strahlt. Es will das Geschenk unter allen erdenklichen Umständen. Dafür ist es bereit alle gegeneinander auszuspielen. Nur um es zu bekommen! Es will die Packung aufreißen. Reinschauen. Sehen was drinnen ist. Und dann… Oh nein! Wie langweilig! Und schon verschwindet das gut und teuer geglaubte Geschenk für immer im Schrank.

Was war größer? Freude oder Vorfreude?

Ihr bucht einen Urlaub. Wochenlang wird Zuhause debattiert wohin es geht. Welches Hotel. Oder welcher Flug. Wohin genau. Wie kommt man zum Flughafen. Was ist mit dem Mietauto. Welches soll es sein. Sollen wir uns diesmal etwas teureres leisten. Vielleicht ein schickes Cabrio. Es ist ja schließlich Urlaub. Und dann… man hält es kaum mehr aus. Endlich verreisen. Und? Nach drei Tagen ist das Hotel langweilig. Der Flug war total ungemütlich und anstrengend. Verspätung. Der Strand war gar nicht so toll wie auf den Bildern versprochen. Der Partner meckert über das Essen im Hotel. Okay, zurecht. Aber er meckert. Den Kindern ist immer wieder langweilig. Entspannung macht sich gar nicht so recht breit. Man kommt gestresster zurück als man los gestartet ist.

Was war größer? Freude oder Vorfreude?

Wie kann man derartigen Denkfallen entgehen?
Es handelt sich nicht um Gefühle, die für diese Empfindungen sorgen. Sondern um das Denken. Die Gefühle kommen erst im Anschluss. Bewusstsein ist nötig. Bewusstsein über die eigenen Gedanken. Ein weites Themenfeld. Die letzten Monate habe ich mich genau damit beschäftigt. Morgens bis abends. Das Leben besteht aus viel zu vielen Variablen, als dass jeder einzelne von uns alle ständig beeinflussen könnte. Wir sind nur Teil des Ganzen. Jeder von uns ist ein extrem kleiner Teil des Ganzen dieser Erde. Aus Sicht der Entstehungsgeschichte dieser Erde zählt jeder von uns noch nicht einmal einen Wimpernschlag . Was können wir tatsächlich beeinflussen? Die Welt da draußen? Ja, ein Stückchen weit sicher. Hauptsächlich aber die Welt in uns. Unser Denken und Fühlen. Der erste Schritt ist, sich bewusst zu werden, wann wir denken und wann wir spüren. Dazwischen liegt ein großer Unterschied. Bewusstsein. Wir werden es die nächsten Wochen angehen… und immer wieder darauf kommen…